Freiwirtschaft – (unsere) Kritik und Weiterentwicklung


Es gibt teilweise recht fundierte Kritik an Aussagen und Auftreten der Freiwirtschaftsbewegung.

„Global Change 2009“ empfindet sich vom Selbstverständnis her, als das Ergebnis von Weiterentwicklung der freiwirtschaftlichen Lösungsansätze in einem jahrelangen intensiven Diskussionsprozess auch mit Ihren Kritikern. Es ist an der Zeit die Ergebnisse dieses Prozesses aufzuschreiben.

Teil 1 – die Freiwirtschaft hat die Lösung für ein Problem, was Sie fehlerhaft beschreibt!

Hauptirrtum der Freiwirtschaft
Ebenso wie die klassische Ökonomie gehen die Freiwirtschaftler i.d.R. davon aus,
dass zumindest langfristig bei der Bank angelegte Guthaben immer wieder verliehen
werden können. Das Augenmerk und die Begründung freiwirtschaftlicher Maßnahmen
geht also in die Richtung, mittels „Umlaufsicherung“ von Bargeld und eventuell noch
Giralgeld auf kurzfristig verfügbaren Konten, eine langfristige Geldanlage zu erreichen.
Damit wäre Hortung und Nachfrageausfall ausgeschlossen.

Gegenthese Global Change
Gehortet sind auch langfristige Sparguthaben, welche nicht durch Kreditvergabe an freiwillige Kreditnehmer mit guter Bonität ausgeglichen werden können! Und diese Problematik ist das eigentliche Problem unserer Zeit! Zu viel monetäres Sparen aufgrund einer Geldmarktstörung erzwingt heute eine explodierendes Staatsverschuldung die exponential auf einen Crash des Gesamtsystems zuläuft.

Das Überangebot an monetären Sparvermögen ist das Ergebnis einer Marktstörung im Geldmarkt. Da diese Marktstörung einen Mindestzins für das Halten von monetären Sparguthaben erzwingt – ergibt sich gleichzeitig auch eine um den Risikozuschlag höhere Mindestrendite für realwirtschaftliche Investitionen. Diese Risikozuschläge steigen auch noch durch die durch die Geldmarktstörung selbst ausgelöste Krisenanfälligkeit des Systems.

In der Konsequenz dieser hohen Mindestrendite gibt es zu wenig realwirtschaftliche Anlagenmöglichkeiten, welche diese Mindestrenditeanforderungen insbesondere in Zeiten der wirtschaftlichen Abschwungs erfüllen. Einkommen die nicht für den Konsum benötigt werden,
werden deshalb in viel zu großem Umfang nicht realwirtschaftlich investiert sondern monetär gespart.

In der Vergangenheit wurde in vergleichbaren Situationen der ausgereizten Verschuldung die realwirtschaftlichen Renditen durch realwirtschaftliche Zerstörung (Krieg) und/oder Währungszerstörung wieder hergestellt. Die alternative Lösung des Problems könnte zu einer existenziellen Überlebensfrage der Menschheit werden.

Lösungsvorschlag Global Change
Das monetäre Sparangebot muß zwingend auf den Kreditbedarf solventer Schuldner
begrenzt werden!
Dies leistet ein von der Marktstörung des Hortungsmonopols des Bargelds
befreiter Geldmarkt! Nur mit einem beliebig niedrigen – bedarfsweise auch nominal negativen
Sparzins – ist es möglich den Schuldenwachstumszwang durch Begrenzen des
monetären Sparens zu beenden. Dazu muß das hortbare Bargeld weg. Der Lösungsvorschlag ist identisch mit dem freiwrtschaftlichen Lösungsvorschlag – nicht wirtschaftlich hortbares Bargeld! Alternativ schlagen wir die Abschaffung des Bargeldes zugunsten von ebenfalls anonymen Geldkarten vor.

Die Nachfragelücke des Konsumverzichts wird dann durch den Konsum von Investitionsgütern geschlossen. Durch den Kauf von
bestehenden verschuldeten Investitionsgütern durch Eigenkapital wird sogar
eine Schuldentilgung möglich.

Ein „theoretisches Praxisbeispiel“

Ein Marktpreis (Zins), der im Geldmarkt das monetäre Sparangebot auf den Kreditbedarf
solventer Schuldner begrenzt, würde momentan bei minus 3% Sparzinsen liegen.

Nun wäre es für Investoren interessant – die leeren Suprimehäuser in den USA
aufzukaufen und Sie mit 1% Rendite auf den Kapitaleinsatz an Ihre ehemaligen
Besitzer – welche jetzt im Zelt wohnen – zu vermieten. Der notleidende Kredit kann
nun durch Auflösung von Sparguthaben getilgt werden.

Es gibt also einen Weg herunter vom Schuldenberg, der nicht über die Klippe
führt – Entsparen von monetären Sparguthaben auch bei Minirenditen in der
Realwirtschaft!

Gleichzeitig ergibt sich in einem solchen System aufgrund des heutigen Überangebots an Investitionskapital natürlich ein enormer Druck auf die Höhe der Kapitaleinkommen. Das soziale
Problem sinkender Arbeitseinkommen und steigender Kapitaleinkommen dreht sich nun um!

Situation für Deutschland:
Ein Blick in die VGR gibt Auskunft.
Zahlen 2006-2008
Sparquote ca. 10% vom BIP
Netto- Investitionsbedarf ca. 3% vom BIP

Es wurde also inländisch 3 mal soviel monetär gespart wie Kreditbedarf besteht!

Es fehlten deshalb 7% vom BIP als Nachfrage und auch als Schuldtilgungsmittel!
Ausgleich bisher über Exportüberschüsse = Ausgleich der Nachfragelücke und Zufluss der
Schuldtilgungsmittel aus Neuverschuldung im Ausland!

In der VGR 2009 werden wir sehen, wie fehlende Exportüberschüsse durch steigende Staatsverschuldung substituiert werden.

wird fortgesetzt!

4 Kommentare zu „Freiwirtschaft – (unsere) Kritik und Weiterentwicklung“

  1. Hallo zusammen!

    Herr Buschbeck, ich bin ein aufmerksamer Leser ihrer Beiträge und wollte mich jetzt auch mal zu Wort melden :=)

    Ich bin durch Herrn Senf & die blinden Flecken der Ökonomie auf das Thema Geld, als solches gestoßen. Seit dem lässt es mich auch nicht mehr los.

    Ich sehe die Giral-Geldschöpfung allerdings auch nicht als Skandal, sondern als eine sehr sinnvolle Modernisierung (nur Buchgeld!); sehrwohl problematisch ist der Umgang der Banken mit den Mitteln –> Stichwort Bilanzbewertungen!!!

    Die Idee, die Liquiditätsfalle endlich durch Negativ-Zinsen (Guthabenreduktion, der man nicht entkommen kann, weil nur noch Buchgeld vorhanden ist) ist ja Quasi die Modernisierung der Gesellschen Lehre & auch sehr reizvoll!

    Weil bei irgendeinem ihrer Beiträge Prof. Hörmann erwähnt wurde; dieser ist Buchhaltungs- und Bewertungsexperte und klagt überhaupt die Absurdität unseres Buchhaltungssystems an. Er geht also -wie Lietaer mit seinen IT gestützten Gesellschafts-Bonus/Malus-Systemen- einen Schritt weiter. Dieser Gedankengang ist -für mich- auch sehr interessant (auch wenn er wahrscheinlich kurz- bis mittelfristig nicht umsetzbar ist)

    Aja, zu Prof. Binswanger; haben Sie seine Wachstumsspirale gelesen? Ich empfinde seine Analyse der Fehlschlüsse in der Neoklassik bzw. konventionellen Ökonomie als einen sehr wertvollen Beitrag. Vor allem, zeigt er auch auf, dass eben die Dynamik in der herrschenden Lehre nicht berücksichtigt wird (bzw. auf den techn. Fortschritt -als exogene Größe- geschoben wird; da aber techn. Fortschritt auch auf Arbeit und Kapital aufgeteilt wird, ist die exogene Variable selbstreferenziell und damit die Theorie unbrauchbar! Sie kann den technischen Fortschritt einfach nicht erklären).–> eh klar, bei statischen Gleichgewichtismodellen, kann man Dynamik nur als exogen annehmen.

    Leider ist er nur ein guter Analyst, aber kein kreativer Reformer!

    Nochmals Danke für Ihre wertvollen & sympathischen Beiträge!

    LG, Niki

  2. Hallo Herr Hönnig,

    Danke für den Hinweis, wenn der Begriff „Gleichgewichtszins“ bei den Ökonomen für die Problematik so eingeführt ist, dann sollten wir Ihn auch statt eigener verbaler Kunststückchen verwenden. :o)

    Herzliche Grüße

    Jörg Buschbeck
    PS
    zum Rest auch exakt gleiche Meinung :o)

  3. Völlig korrekt, nur fehlt mir ein Stichwort für Ökonomen: Gleichgewichtszins.

    Es geht nämlich darum, einen temporären (egal ob 4 Wochen oder 100 Jahre) negativen Gleichgewichtszins erreichbar zu machen. Heute gibt’s in solchen Phasen immer heftigste Marktverzerrung mit allen bekannten Folgen.

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