Was ist Geld? Was ist eine Guthabenkrise?


„99 Prozent der Menschen sehen das Geldproblem nicht. Die Wissenschaft sieht es nicht, die Ökonomie sieht es nicht, sie erklärt es sogar als »nicht existent«.“
(der St. Galler Ökonomieprofessor Hans-Christoph Binswanger)

Der ehemalige Chefvolkswirt der Bundesbank und der Europäischen Zentralbank, Otmar Issing (1), definiert die Entstehung von Geld so (2): „Es gibt heute im allgemeinen zwei Produzenten von Geld, nämlich die Notenbank und die Kreditinstitute“.

Banken verleihen kein Geld – sondern Sie produzieren gleichzeitig Kreditforderungen und Geldguthaben (3).
Die Bank dokumentiert in ihrer Bilanz eine Forderung gegenüber einem Kreditnehmer. Sie „monetarisiert“ dabei die Sicherheiten der Kreditnehmer. Es ist also keine Geldschöpfung „aus dem nichts“ – sondern der Kreditnehmer verspricht und sichert zusammen mit dem Kapital der Bank eine spätere Leistung.

Der Vorgang lässt sich auch in einem Buchungssatz in Kaufmannssprache beschreiben:
„Forderung (gegenüber dem Kreditnehmer) an Sichtguthaben“

Da sie das auf den Konten ihrer Kunden macht, entsteht Geld, mit dem ein Kunde bezahlen kann.

Geld ist also kein „Ding“ – sondern eine (hoffentlich) besicherte, umlauffähig gemachte Kreditforderung.

Da im heuten Finanzsystem außer den Münzen alle Zahlungsmittel, also neben dem Buch- oder Giralgeld auch Bargeld, auf diese Weise produziert werden, hat das diese Folgen:

· Ohne Schulden gibt es kein Geld.

· Geldvermögen und Schulden haben den gleichen Umfang. Würde man alles Schulden tilgen, gäbe es kein Geld mehr.

· Es gibt also kein Geld „netto“ und auch keine „Nettoschulden“.

· Man kann zusätzliche Geldvermögen nicht „netto“ ansparen, sondern nur durch Schulden neu
schaffen. Man muss volkswirtschaftlich sogar durch Sparen stillgelegtes Geld durch neues
ersetzen, das heißt durch neue Kredite geschaffenes Geld.

· Daraus folgt unmittelbar: Neue Schulden entstehen, wenn Geld gespart wurde und die Sparer
damit ihr Geldvermögen erhöht haben. Dies weil die realwirtschaftliche Nachfragelücke notfalls staatliche Verschuldung erzingt(Druckmittel wachsende Arbeitslosigkeit,Wirtschaftscrash)

Oder umgekehrt: Wenn man Schulden und Neuverschuldung begrenzen will, muss man aus volkswirtschaftlichen Gründen zwangsläufig auch die Geldvermögenszunahme stoppen. Es geht nur gleichzeitig, weil es sich um zwei Seiten derselben Medaille handelt.

Das heißt aber nicht, dass man die Vermögenszunahme stoppen muss. Es geht hier lediglich um die Vorgänge auf der finanzwirtschaftlichen Ebene. Man kann sehr wohl durch Geld reale Investitionsgüter kaufen (oder Anteile daran) und so die volkswirtschaftliche Schuldenspirale stoppen und ihre negativen Folgen umgehen. Der Grund: Sparen ohne Schulden geht nicht, aber investieren ohne Schulden, das geht.
Rücklagenbildung und Zukunftsvorsorge wäre also machbar und für den Anleger viel sicherer, indem in Form verbriefter Investitionen „gespart“ würde. So ließe sich eine Kapitalanlage bei Bedarf auch wieder auflösen, fast genauso wie heute beim Sparbuch oder der Bankschuldverschreibung. Für die Anleger und die Volkswirtschaft wäre dies vorteilhafter, weil sich auf diese Weise Kreditblasen und Bankenkrisen vermeiden ließen.
Denn die aktuelle Krise ist keine Schuldenkrise, sondern eine Guthabenkrise aus blockierten Schuldtilgungsmitteln. Erst wenn Politik und Wirtschaftswissenschaft dies erkennen und nach Lösungen suchen, finden wir einen Ausweg aus der verfahrenen Situation.

(1) http://de.wikipedia.org/wiki/Otmar_Issing
(2) Otmar Issing, Einführung in die Geldtheorie, Vahlen Verlag, 14. Auflage 2006 Seite 56
(3) Auch Bargeld und Zentralbank-Buchgeld ist wird genauso als Kredit gebucht, wie das die Geschäftsbanken praktizieren. Bargeld (Banknoten) sind nur die Verbriefung dieser Zentralbankkredite – siehe(2)

2 Kommentare zu „Was ist Geld? Was ist eine Guthabenkrise?“

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