Grundeinkommen – das Streben nach Glück?

Von Erika Reglin-Hormann, 23. Februar 2010

Es war einmal eine Idee …

Wo kommt er eigentlich her, der Gedanke, dass alle Menschen vom Wohlstand profitieren sollten? Gibt es die Idee seit es die Geldwirtschaft gibt? Rührt diese Art der Anschauung aus dem Industriezeitalter? Oder geht alles noch viel weiter zurück in der Zeit? Wie und warum sind sie entstanden: die Sozialutopisten?

Wer nach Antworten sucht, wird in den Geschichtsbüchern fündig.

Anfangen kann man bei Aristoteles, wenn man beiseite lässt, dass er bestimmte gesellschaftliche Gruppen bei seinen Überlegungen diskriminierte. In der Definition von Glück bewertete der Philosoph Gelderwerb und Reichtum lediglich als „Mittel zum Zweck“ und nicht als übergeordnetes Ziel. Im Fehlen dieser Mittel, also „Reichtum, Freunde und Macht“ würde zwar das Glück getrübt, dies führte er jedoch darauf zurück, dass diese Art der Mittellosigkeit unter anderem zu Einsamkeit führt.

Womit in der heutigen Sprache nichts anderes gemeint ist, als dass ein zu geringes Einkommen Menschen ausgrenzt und wenig bis keine Teilhabe am gesellschaftlichen Prozess möglich ist.

Das Genussleben, reduziert allein auf die Befriedigung von Begierden, lehnte Aristoteles im Hinblick auf die Glücksdefiniton ab, wenngleich „äußere oder körperliche Güter“ für ihn notwendige oder hilfreiche Bedingungen darstellten, um glücklich zu werden.

Auch hier lässt sich eine Parallele in die Gegenwart ziehen, bedenkt man den Aspekt des zügellosen Konsums in einer Überflussgesellschaft (siehe auch Erich Fromm). Die bestimmte Begierden befriedigt, doch kein endgültiges Ziel oder kein „jetzt ist genug“ zur Verfügung stellt.

Bewegt man sich in der Historie ein wenig vorwärts, trifft man irgendwann auf Namen wie Thomas Morus, Juan Luís Vives, Montesquieui, Thomas Paine, Charles Fourier, Joseph Charlier und viele andere. Sie definierten Begriffe wie: „Sicherer Lebensunterhalt, Bodenmiete, Agrarrente, garantiertes Einkommen, Minimaleinkommen“ und so weiter.

Paine formulierte, dass „Zahlungen an alle Personen entrichtet werden sollen – egal, ob reich oder arm, weil es statt der natürlichen Erbschaft ist, welche, als Recht, jeden Menschen angeht, unabhängig vom Besitz, den er angesammelt oder von Verstorbenen geerbt hat.“ Auch Charles Fourier drückte sich ähnlich aus und proklamierte, dass die „Zivilisation jedem einen Lebensunterhalt schuldet, der keine Möglichkeit hat, seine Bedürfnisse zu decken.“ Die Konzepte unterschieden sich auch schon damals darin, ob man den Menschen einen bedingungslosn Wohlstand angedeihen lassen wollte, oder bestimmte Voraussetzungen – wie die der Arbeitswilligkeit – daran knüpfte.

Womit man erneut in der Gegenwart landet – ob ein Grundeinkommen bedingungslos erfolgen darf, ist einer der wesentlichsten Streitpunkte bei der Debatte zwischen Befürwortern eines BGE in der „Reinform“ und solchen, die eine Grundsicherung für notwendig halten, diese aber nach wie vor an Bedingungen wie Bedürftigkeit oder Arbeitswillen knüpfen.

Warum sich keine dieser Forderungen zu Zeiten ihrer Proklamisten durchsetzte, ist eine Frage, die zwangsläufig auftaucht. War die Zeit dafür noch nicht reif? Bestimmten wirtschaftliche, religiöse, territorriale – also auch Kriege – und andere Faktoren die Geschehnisse in den jeweiligen Ländern die Geschicke der Menschen in viel größerem Maße? Sicher ist, dass sich nie eine starke Lobby entwickelt hat. Zumal diese Ideen in unterschiedlichen Ländern und auf verschiedenen Kontinenten entstanden. Die Befürworter wussten nicht mal voneinander, zumindest, wenn ihre Publikationen nicht über Ländergrenzen hinweg gelesen oder weiter getragen werden konnten.

Das ist vielleicht der wesentlichste Unterschied von damals zu heute. Die Unterstützergemeinde eines bedingungslosen Grundeinkommens beziehungsweise eines „basic income“ findet unabhängig von Staatsgrenzen ein Forum: Das Internet. Hier werden die Bedingungen geschaffen, um Öffentlichkeitsarbeit zu realisieren, sich selbst lokal und auch international zu organisieren, Veranstaltungen virtueller und realer Art ins Leben zu rufen, Werbekampagnen zu starten und den Zulauf an Mitstreitern einzelner Initiativen zu fördern. Es gibt eigene BGE-Gruppen bei facebook, twitter & Co. Datunter auch solche, die sich gegen ein BGE aussprechen. Das Internet als demokratischer Ort, bei dem es neben einer großen Pro- auch eine Kontra-Bewegung gibt.

Was eint die Sozialutopisten?

In der Annahme, dass mit der Einführung eines bedingungsloses Grundeinkommens sich die Werte in einer zivilisierten Gesellschaft mit der Zeit verändern könnten, dass die Menschen ohne den Zwang zur Arbeit ein freies und selbstbestimmtes Leben in eigener Regie zu führen imstande wären, in dem guten Glauben an die Tatkraft und Triebkraft von Ideen, die freigesetzt werden würden, wenn man die Menschen nur ließe, kann man interpretieren, dass alle nach Glück streben. Glück wird in großen Teilen der Grundeinkommensbewegung nicht gleich gesetzt mit Geld. Aber gerade das Geld ist es, dass Glücklichwerden und Glücklichsein erst möglich macht. Womit man eigentlich wieder bei Aristoteles landet.

Skeptisch betrachten darum die Kritiker eines Grundeinkommens die Argumente der Befürworter. Ihnen vermittelt sich ein BGE allzu schnell als eierlegende Wollmilchsau, nach dem Motto: alle Menschen werden Freunde. Einem Realisten muss das ziemlich abgehoben vorkommen. In einem Staat, in dem der Leistungs- und Konkurrenzgedanke nicht automatisch negativ bewertet wird, sind solche Ideen häufig nichts anderes als träumerische Utopien.

Zumal, wenn man auf die Finanzierung zu sprechen kommt, eine Verbrauchssteuer von vielen als die Finanzierungsquelle schlechthin betrachtet wird. Und damit einer neuen Wertegesellschaft widerspricht, die eher einen gemäßigten Konsum anvisiert. Dass das nicht unbedingt ein Widerspruch ist, sondern voraussetzt, dass ein Grundeinkommen bl0ß als Vehikel für das sich Entwickeln einer völlig neuen Art von Mensch stehen kann, ist ein Gedankenvorgang, den man zuerst einmal theoretisch vollziehen muss.

Schließlich wird der niemals kleiner werdende Süßigkeitenteller auf dem Tisch irgendwann keine Gier, sondern bloß hin und wieder eine kleine Lust befriedigen.

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