45 Mrd. Euro für Griechenland? Wirklich für Griechenland?

Seit ein paar Tagen geht es durch die Medien: Griechenland braucht kurzfristig 45 Mrd. Genau genommen, fordert Griechenland Kredite in Höhe von 45 Mrd. zu einem Zinssatz unter dem Marktzins. Doch fließt dieses Geld wirklich an Griechenland oder etwa an die Geschäftsbanken? Oder an wen sonst?


Seit ein paar Tagen geht es durch die Medien: Griechenland braucht kurzfristig 45 Mrd. Genau genommen, fordert Griechenland Kredite in Höhe von 45 Mrd.  zu einem Zinssatz unter dem Marktzins. Doch fließt dieses Geld wirklich an Griechenland oder etwa an die Geschäftsbanken?

Da das Geld vor allem zur Ablösung fälliger Kredite benötigt wird, fließt es genau genommen schon zunächst an die Geschäftsbanken, bei denen Griechenland die nun fälligen Kredite genommen hatte. Aber die Kette dort zu beenden, wäre etwas kurz gegriffen. Eigentlich ist es wohl deutlich: Unter normalen Bedingungen könnten diese Kredite eben nicht vollständig getilgt werden, unter normalen Umständen würden also die Geschäftsbanken Abschreibungen vornehmen müssen.

Dies wiederum würde Eigenkapital der Geschäftsbanken verzehren, teilweise bis zu einer Unterbilanz – also praktisch Insolvenz. Rein rechnerisch bedeutet das aber auch, dass den Fremdkapital-Passiva der Geschäftsbanken (Kundeneinlagen) gar nicht mehr Aktiva in mindestens gleicher Höhe gegenüber stehen. Den Kundeneinlagen steht also gar nicht mehr Vermögen gleichen Wertes gegenüber. Würde man die Kreditverhältnisse auflösen, entstünde ein negativer Realzins auf die Einlagen!

Ähnliches hatten wir schon in der ersten Runde der Finanzkrise erlebt, wo das Problem durch erleichterte Bilanzierungsgesetze und Einspringen vermeintlich solventer Staaten wie den USA, Deutschland und Frankreich als „Ersatz“-Schuldner in die Zukunft verschoben wurde. Und anders als „in die Zukunft verschoben“ kann man es kaum nennen. Wer glaubt, die Finanzkrise sei damit überwunden worden, der glaubt vermutlich auch noch heimlich an den Weihnachtsmann, der die Geschenke bringt. Zweimal hat nun also der Markt nun schon versucht, sich zu bereinigen. Zweimal wollte der Markt einen negativen Realzins realisieren. Einmal hatten dies bereits die Staaten (genauer: die Regierungen der Staaten) verhindert, nun steht ein zweites mal an.

Was machen die Staaten dort eigentlich? Sie kaufen Kredit ab, dessen Preis über dem Marktpreis liegt. Die Wirtschaftswissenschaften kennen eine solche Notwendigkeit auch für eine andere Situation, nämlich für staatliche Mindestpreise. Bei einem staatlichen Mindestpreis muss der Staat entweder Überproduktion verbieten oder sie abkaufen und dann vernichten, einlagern oder – z.B. im Ausland – weit unter dem Mindestpreis verkaufen. Genau das passiert hier auch: Der Staat kauft praktisch die Kredite (nimmt Schulden auf) auf, weil es zum überhöhten Marktpreis keine Nachfrage mehr gibt. Denn Nachfrage heißt nicht nur Bedarf, sondern auch Zahlungsfähigkeit – in diesem Falle in der Zukunft.

Wo landen nun also die Milliarden für Griechenland? Sie landen bei denjenigen, die Einlagen bei den Geschäftsbanken haben – die man landläufig als Sparer bezeichnen würde.

Nun ist es ein reines Rechenspiel, ob man als einzelner davon wirklich einen Nutzen hat. Nehmen wir mal an, dass ein negativer Realzins von 10% p.a. realisiert werden müsste. Wer aus durch diese Krise verursachte Arbeitslosigkeit z.B. 12.000 Euro Mindereinnahmen pro Jahr hat, müsste schon  über 120.000 Euro Sparguthaben verfügen, um zu den Gewinnern zu gehören. Bei den Steuerzahlern wird es schwieriger, weil kaum zu berechnen ist, welchen Steueranteil die Staaten für diese Umverteilung tatsächlich benötigen.

Fakt ist, dass hier eine gigantische Umverteilung von der Arbeit zum Kapital stattfindet, bei der die viele Berufstätigen zum Narren gehalten werden, weil sie nicht nur die Sicherung ihrer Spareinlagen selbst bezahlen müssen, sondern zudem noch die Sicherung der großen Finanzvermögen bezahlen dürfen.

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