Geld-Denkfehler #1: Verwechslung von Kapital und Liquidität

Gerade wer erst anfängt, über Geld an sich und das Geldsystem nachzudenken, gerät oft in Denkfallen. Eine dieser Denkfallen ist die Verwechslung von Kapital und Liquidität, der viele Geldsystemkritiker aufsitzen. Aber auch Politiker und sogar Wirtschaftswissenschaftler gehen im Alltagsleben manches mal etwas leichtfertig mit den Begriffen um.

Beliebt ist z.B. die Mär von der Geldschöpfung der Geschäftsbanken, dass diese angeblich bei 2% Mindestreserve das 50-fache der Einlagen an Kredit vergeben können und auf dieses selbst geschöpfte Geld Zinsen kassieren könnten. Wäre dem so, hätte es wohl kaum eine Bankenkrise gegeben – auch nicht, weil angeblich diese Gewinne durch Dividendenzahungen längst an die Aktionäre ausgezahlt seien. (Erstens reichen die Dividendenzahlungen dafür bei weitem nicht aus. Und wohin sind dann diese Dividendenzahlungen, wenn nicht wieder als Einlagen bei den Banken?)

Grund für den Irrtum mit dem o.g. Geldschöpfungsmultiplikator ist eben die Verwechslung von Liquidität und Kapital. Liquidität kann von Geschäftsbanken geschöpft werden – aber eben nicht Geldbasis- (Euro-) Liquidität, sondern nur in Form Geschäftsbank-eigener Schuldtitel. Giroguthaben der Kunden sind solche. Verwirrend ist natürlich, dass auch diese in der Einheit Euro bemessen werden. Der Unterschied wird deutlich wenn eine Bank insolvent ist: Ein Giroguthaben von 10.000 Euro bei einer insolventen Bank (den Einlagensicherungsfonds mal außen vor) ist eben nicht 10.000 Euro wert, sondern wenn man Pech hat nichts mehr wert.

Bei der Geldschöpfung entstehen immer zwei Schulden-Guthaben-Paare, die sich kapitalmäßig ausgleichen. D.h. Geldschöpfung schafft kein neues Kapital. Und nur auf Kapital erhält man Zinsen, nicht aber auf Liquidität. Doch die Geldschöpfung selbst, ist ein so großes Thema, dass ich das an anderer Stelle ausführen möchte.

Die Verwechslung von Kapital und Liquidität taucht noch in anderen Zusammenhängen auf. Geldsystemkritik ist mehr als berechtigt, aber immer wenn jemand das Geldsystem kritisiert, sollte man akribisch darauf achten, ob die konkrete Argumentation nicht an irgendeiner Stelle eben dieser Verwechslung unterliegt. Das ist wie ein mathematischer Beweis, an dem an einer Stelle versteckt durch Null geteilt wird. Damit kann man sogar 1=2 beweisen.

35 Kommentare zu „Geld-Denkfehler #1: Verwechslung von Kapital und Liquidität“

  1. Okay, da habe ich wohl alles falsch verstanden. Was entweder an mir oder am Video liegt.

    „Demurrage oder Ablaufgeld“ habe ich falsch verstanden ?

    Aber gut… ich bin dann mal weg.

  2. @Mitleser
    > Das Geldsystem zu ändern und zu
    > meinen damit würde alles gut,
    > halte ich für viel zu kurz gedacht.

    Hat das hier jemand behauptet?

    > Wertgegenstände zu horten gibt
    > es genug

    Dem hat auch keiner widersprochen. Welches Horten von Wertgegenständen sollte problematisch sein?

    > Das Sayschen Theorem halte ich für nicht haltbar.

    Hat in der Sache hier jemand etwas anderes behauptet?

    > Die letzten Jahre hat leider die
    > Vermögensungleichverteilung
    > weiter zu genommen.
    > (Hauptursache vieler Probleme)

    Von einem Symptom einfach ohne Beweis zu behaupten, es sein eine Ursache, ist schon mutig.

    > Dann wäre da noch das Problem mit dem unbegrenztes
    > Wirtschaftswachstum.

    Richtig. Gäbe es nämlich unbegrenzt exponentielles Wirtschaftswachstum (von >3%), dann wäre unser Geldsystem vermutlich ein kleineres Problem als es ist.

    > Und was heißt eigentlich Crash ?

    In diesem Fall Hyperinflation bzw. völlige Entwertung von Geldvermögen.

  3. Das Geldsystem zu ändern und zu meinen damit würde alles gut, halte ich für viel zu kurz gedacht.

    Wertgegenstände zu horten gibt es genug (Greshamsche Gesetz in weiten Sinn) Das Sayschen Theorem halte ich für nicht haltbar.

    Die letzten Jahre hat leider die Vermögensungleichverteilung weiter zu genommen. (Hauptursache vieler Probleme)

    Dann wäre da noch das Problem mit dem unbegrenztes Wirtschaftswachstum.

    Und was heißt eigentlich Crash ?

  4. @Mitleser Von meiner Seite zu dem Thema Negativzinsen:

    Mir geht es vorrangig um die Erkenntnis, dass es Konkjunkturlagen gibt, in denen der der Gleichgwichtszins negativ ist. Das ist ein Fakt, ob man will oder nicht. Ignoriert man es, gibt es eben einen Crash – was auch ein starker negativer Realzins ist.

    Aber: Nur weil der Gleichgewichtszins negativ ist, heißt es noch lange nicht, dass auch Kreditzinsen negativ sind – aber auch dass kann passieren (vgl. Realzins kurzfristiger Staatsanleihen Deutschlands und der Schweiz). Und auch ein Zins von -1% kann immer noch zu hoch sein (den Kreditmarkt nicht räumen).

    Die Lösung ist für mich zweitrangig. Ich persönlich hätte nichts gegen eine Demurrage oder Ablaufgeld als Bargeld und sonst nur noch Buchgeld (mit ggf. negativem Marktzins). Ebenso können andere Arten der Inflationierung zu negativen Realzinsen führen. Zig andere Lösuingen sind denkbar.

    Wichtig ist mir nur, dass die eigentliche Ursache verstanden wird und nicht an Symptomen rumgedoktert.

  5. @Mitleser,

    die Banken und Versicherungs-Pleiten zuzulassen, ist nur ebenso wenig politisch durchsetzbar wie Minuszinsen.

    Insofern ist noch nichts auf der Lösungsebene „eingetütet“, die heile Welt ist ausreichend dadurch definiert, dass es nicht wieder einen großen Krieg gibt. Den Film würden wir heute auch etwas „zurücknehmen“, auch „das heile“ hat sein Maß. Trotzdem halte ich viele der angeblichen Mega-Probleme mit mehr „Marktwirtschaft statt Kapitalsozialismus“ für gut beherrschbar.

  6. Negativzinsen funktionieren doch. Sieht man jetzt bei guten Schuldnern BRD, etc.

    Nach vielen Jahren Vermögenssteigerung gehen wir wohl in eine Entsparung und Rückführung von Krediten über.

    Kreditrückführung und Entsparung funktioniert ja auch über Insolvenz.

    Das wird aber immer wieder zu Erschütterungen führen.

    Ps. die heile Welt in den Videos halte ich für nicht machbar. Obwohl es sich schön anhört.

  7. @Hajo,

    zur Global Change Grundaussagen, da war schon immer die etwas weiter gedachte Analyse der Finanzkrise.

    Mainstream war und ist: – „Finanzkrise ist wegen schlechten Schulden“

    dagegen unsere Aussage, „Ja, aber diese „schlechten Schulden“ sind die logische Folge, wenn einem die guten Schuldner längst ausgegangen sind, aber es keinerlei Ansatz zur Begrenzung der privaten Geldhaltung gibt.

    Bezüglich der Negativzinsen bin ich da etwas am zurückrudern. Klar würde dies funktionieren, nur fehlt wohl die Akzeptanz. Im Moment sehe ich als das Wichtigste an, dass wir

    Staatsschulden = Identität mit privaten Geldvermögen

    mal als allgemein bekannt Grundlage einer gesellschaftlichen Diskussion bekannt machen. Wie wollen wir damit umgehen?

    Da kann auch so was bei rauskommen:
    http://www.welt.de/wirtschaft/article7810585/Oekonom-preist-japanische-Schulden-als-vorbildlich.html

    Dazu haben wir schon noch einen neuen anderen Vorschlag in Arbeit, aber viel wichtiger als irgendwelche Lösungsvorschläge ist erst mal das Verstehen des Problems – will versuchen diesen Gedanken des Diskussionsaufrufs auf der Seite klarer herauszuarbeiten und in den Mittelpunkt zu stellen.

    siehe auch:

    http://finanzcrash.com/forum/read.php?1,104704,104707#msg-104707

  8. Ich bin nicht ganz sicher, ob ich die Diskussionsbeiträge völlig verstanden habe. Deshalb nachstehende Sätze:

    1) Global Change sagt: Es gibt gegenwärtig eine Krise in den realen ökonomischen Abläufen, weil die privaten Haushalte und Unternehmen zu wenig Güter und Dienstleistungen kaufen. Sie erzielen Verkaufsüberschüsse (Einnahmeüberschüsse). Sie sparen. Die Volkswirtschaft als Ganzes ist deshalb noch nicht zusammengekracht, weil der Staat und das Ausland dieses Sparen durch Verschuldung (Ausgabenüberschüsse) kompensieren. Da die Verschuldung nicht ad infinitum getrieben werden kann, wird die Volkswirtschaft früher oder später zusammenbrechen, wahrscheinlich früher.

    Ist das so halbwegs korrekt wiedergegeben und verstanden?

    2) Global Change sagt: Es gibt einen Mechanismus (negativer Zins) der verhindern könnte, dass in einer Ökonomie zu viel gespart wird. Zu viel Sparten heißt: Dass es nicht genügend Unternehmen gibt, die das Gesparte nehmen und in die Produktion von sinnvollen Produkten stecken. Das geschieht deshalb nicht, weil mit der Produktion von Waren und Dienstleistungen nicht genügend „Gewinn“ erwirtschaftet werden kann. Gäbe es negative Zinsen, würde es sich lohnen selbst bei kleinen Gewinnmargen zu investieren, weil das Halten von Geldvermögen Geld kosten würde.

    Ist das auch halbwegs korrekt verstanden?

    3) Global Change sagt: Wirtschaften heißt heute: Waren und Dienstleistungen über Kredit vorfinanzieren und darauf hoffen, dass nach der Produktionsperiode der Kredit mitsamt seinen Kosten zurückgezahlt werden kann. Es gilt darauf zu achten, dass dieser Prozess zum Beispiel durch „Sparen“ nicht ins Stocken gerät. (Im Grunde genommen ist das die Formel: G-G-W-G‘-G‘ bei Karl Marx. Wobei G das vorgeschossene Kapital (Kredit), W die Produktionsphase mit Waren und Dienstleistungen und G‘ das vorgeschossene Kapital einschließlich Mehrprodukt darstellt. Der Zins für das vorgeschossene Kapital ist somit ein Teil des Mehrwertes.)

    Soweit alles Richtig?

  9. Genau so ist es, Mitleser. Leider lassen sich nur viele Geldsystemkritiker in dieser Sache täuschen und die Kritik geht damit in die falsche Richtung 😦

  10. Interessanter Beitrag, nur die Diskussion verstehe ich nicht.

    Den genauen Vorgang kann man in Geld und Geldpolitik der Deutschen Bundesbank nachlesen.

    Es ist also nichts was nicht bekannt ist, wie David.P wohl annimmt. Auch hat sich Herr Hönnig das nicht ausgedacht.

    Giralgeld ist ein Buchungsvorgang. Aber die Bilanz muss am Ende ausgeglichen sein.

  11. @YAZ Ich würde eher sagen: Wenn man den großen Denkfehlern nicht mehr aufsitzt, werden die Probleme lösbar.

    Schulden- und zinsbehaftetes Zentralbankgeld halte ich außerdem nicht für die ProblemURSACHE. Dieses wird allerdings durch einen tieferen Fehler im Geldsystem zu einem Problem, das also Symptom ist.

  12. …Vielleicht verschwindet die sogenannte „Schuldenkrise“ sogar ganz von selbst, wenn man keinen Denkfehler mehr macht, nicht wahr? Tatsache ist, daß man den Weltgeldbetrug heute nicht mehr schönreden kann. Das Pyramidenspiel des schulden- und zinsbehafteten „unabhängigen“, weil privaten und profitorientierten Zentralbankgeldes beginnt aufzufliegen. Die Geschichte lehrt, daß an diesem Punkt ein Krieg oder zumindest eine Währungsreform kommen MUSS!!! Hoffentlich siegt diesmal die Vernunft und der Verstand über die Kriegstreiber, bevor es wieder einmal zu spät ist.

  13. Super, endlich mal eine gute konsistente Erklärung. Die Geldkritiker vergessen leider sehr oft und zu gerne immer diesen letzten Teil 😉

  14. Kleine Ergänzung: Die 2% beziehen sich auf liquide Einlagen bei der Geschäftsbank (also dass die Geschäftsbank für Liquidität der Einleger selbst ZB-Liquidität halten muss). Die 2% beziehen sich nicht auf alle Guthaben.

    Die 2% sind zudem heute in der Krise irrelevant, weil die Geschäftsbanken aus eigenem Interesse schon viel mehr ZB-Liquidität halten – zu viel.

  15. Hallo Herr Hönnig und David P.,

    aus meiner Sicht sollte man am besten von Zahlungsmitteln sprechen die da mit dem Geschäfstbankenkredit erzeugt werden. Und aus meiner Sicht hat die Bank natürlich auch eine Zinsmarge für Kosten,Gewinn und Risiko aus der „Zahlungsmittelschöpfung“. Und Zahlungsmittel sind Kontoguthaben unzweifelhaft. Also aus dem bilanziellen Eigenkapital der Bank hat Sie die volle Zinsmarge – die Guthaben der Nichtbanken sind ja Schulden der Banken auf welche die Bakn selbst Zinsen(Guthabenzinsen der Nichtbanken) zahlen muss.

    Ich halte die Unterscheidung in Zentralbankkredit und Geschäftsbankenkredit(Hr. Hönnigs Liquidität?) aber auch für nicht mehr so wichtig.

    Beide sind nur Kredit und entstehen mit dem Buchungssatz „Forderung an Kreditnehmer an Sichtguthaben“.
    Im Regelfall wird auch ein Pfand gestellt, dass sozusagen monetarisiert wird. Es ist also keine Geldschöpfung aus dem Nichts sondern eine Monetarisierung von Pfändern.

    Auch hat der Notenbankkredit(richtiges Geld) heute seine Steuerfunktion verloren. Weil nicht mehr seine Verfügbarkeit sondern die Verfügbarkeit von freiwilligen Kreditnehmern mit Pfand
    der Flaschenhals des Geschäftsbankenkredits(Zahlungsmittelschöpfung der GB) ist.

    Wir haben also wohl mit 3 Dingen zu tun:
    Notenbankkredit(Notenbankgeld) Mindesthinterlage 2% der Guthaben

    bilanzielles Eigenkapital der Bank – Kreditunterlegung je nach Bonität/Basel2 0-8%

    bilanzielles Fremdkapital der Bank als Guthaben der Nichtbanken und Kredite anderer Banken

    problematisch ist aus meiner Sicht etwas anderes:
    Situation in Deutschland laut VGR -Wirtschaft finanziert sich nahzu komplett aus Abschreibungen und einbehaltenen Gewinnen.

    Private Ersparniss fehlt als Nachfrage und muss mit Zwangsverschuldung des Staates und Exportüberschüssen mit Subprimefinanzierung ausgeglichen werden.

    S > solvent freiwillig I

    Deshalb brauchen wir negative Guthabenzinsen welche nicht etwa die Kreditvergabe ausweiten,(I wird größer) sondern die Sparer in die Selbstinvestition der Vorsorge treiben(S wird kleiner).

    Dazu habe ich die Idee Aktiengesellschaften ohne Fremdkapital zu bilden welche Sachwerte aufkauf, um die Vorsorge liquide zu halten. Das wäre dann Wertgeld – verbriefte Sachwerte ohne Schuld.

    S = solvent(pfand) freiwillig I ist nach meiner Meinung die goldene Formel einer stabilen Ökonomie

    liebe Grüße Jörg Buschbeck

  16. Also das gibts doch nicht. Da Du dem nicht widersprichst, darf ich anscheinend davon ausgehen, dass Du tatsächlich der Überzeugung bist, als Einziger die Sache mit dem Geld und der Finanzkrise durchdrungen zu haben. Alle anderen Akteure sind auf dem Holzweg, und Dein Paper in der Schublade wird die Welt sofort aufklären, wenn Du den entscheidenden Schritt zur Veröffentlichung tust (genannt Copy & Paste). Sorry sollte nicht so sarkastisch klingen, tut es aber.

    Weiterhin, Du bist der Ansicht, Banken geben wirklich brav nur das Geld, das Oma Erna vorne eingezahlt hat, als Kredit hinten wieder raus. Exponentiell steigendes, unvermeidlich crashendes Fiat Money ist Deiner Meinung nach also ein Märchen.

    Nun, wenn all dem tatsächlich so ist, dann sollten wir den Disput vielleicht beenden. Denn entweder bekommst Du nämlich spätestens 2012 den Wirtschaftsnobelpreis, oder… naja wir werden sehen.

    Sorry, aber zu anderen Schlüssen kann ich anhand Deiner eher kryptischen Äußerungen nicht kommen.

  17. Welche Fragen? Die mit der „Wahrheit gepachtet“ sollte beantwortet sein. Die mit der Oma: Ja, auch Oma Ernas Sparbuchguthaben, aber eher nur zu einem kleinen Bruchteil. Da gibt es ganz andere Vermögensgrößenordnungen. Und natürlich auch Rentenfonds der Versicherungen (inkl. Riester und Co.).

    Ein Blick in eine Bilanz einer Geschäftsbank zeigt das auch.

  18. Kleiner Nachtrag, was das mit Fiat-Money zu tun hat: Der Ansatz mit dem negativen Gleichgewichtszins erklärt das Problem ganz ohne die angeblichen Probleme des Fiat-Money.

  19. Anders als so manch anderer Geldsystem-Kriti-Ansatz basiert der von mir (und Globa-Change-2009) vertretene Ansatz gerade auf der „etablierten“ VWL (wenn es denn eine solche gäbe). Zumindest basiert er auf den Modellen, auf denen sich die meisten Volkswirte einigen konnten. Er erweitert diesen Ansatz nur, indem der einige Annahmen weglässt (insbes. dass IMMER Gegenwartspräferenz herrsche und daher der Gleichgewichtszins immer positiv sein müsse). Ein Vorgang, der außerdem in anderen Wissenschaften, z.B. der Physik, gang und gäbe ist.

    Außerdem habe ich nicht behauptet, ich hätte diesen Ansatz erfunden. Alleinfalls einige Argumentationswege stammen von mir. Bei dem zugrundeliegenden Grundgedanken aber bin ich – sind wir GC2009 – in guter Gesellschaft:

    – Prof. Greg Mankiw (Harvard) erwähnte explizit die Möglichkeit eines negativen Gleichgewichtszinses, z.B.:
    http://gregmankiw.blogspot.com/2009/04/observations-on-negative-interest-rates.html

    – Prof. Willem Buiter (London School of Economics) dito, z.B.:
    http://blogs.ft.com/maverecon/2009/05/negative-interest-rates-sharia-law-and-tech-stocks/

    – Prof. Ulrich van Suntum (INSM und Uni Münster) sprach nicht vo negativem Gleichgewichtszins, aber nimmt die Notwendigkeit eine negativen Zinses an, z.B.:
    http://www.insm-oekonomenblog.de/wirtschaft/konjunkturzins-statt-nutzlose-projekte/

    – Prof. Gerhard Illing schrieb u.a. in der FAZ (Kopie liegt vor) dass e nicht verstehe, warum die FED keine negativen Zinsen für Einlagen der Geschäftsbanken nehme. (Er ist aber auch kritisch, was die Einführung eines solchen im Alleingang eines Währungsraumes betrifft.)

    – Prof. Paul Krugman (Princeton und Wirtschaftsnobelpreisträger 2009) nimmt derzeit einen negativen Gleichgewichtszins an, z.B.: http://krugman.blogs.nytimes.com/2009/05/02/liquidity-preference-loanable-funds-and-niall-ferguson-wonkish/

    – Und nach Prof. Otmar Issing „kann es folglich sein, dass es keinen positiven Zinssatz gibt, bei dem Angebot und Nachfrage nach Ersparnissen zum Ausgleich kommen“: http://www.global-change-2009.com/blog/prof-otmar-issing-einfuhrung-in-die-geldtheorie/2010/03/

  20. Ohh hah… Ich staune.

    Also die etablierte Volkswirtschaft ist auf dem Holzweg², so weit so gut, das gibt sie ja inzwischen selbst zu, s. heutiger Artikel in der FTD oder FAZ, den ich gerade nicht finde. So, und Senf, die Österreicher, Berninger, Rehberger et.al. sowie „tausende kritische Blogs etc.“ — die sind alle ebenfalls, immerhin noch, auf dem Holzweg.

    Aber Du selbst hast nun tatsächlich die Wahrheit als einziger erkannt, und diese liegt bei Dir sogar seit langem in der Schublade? *kopfkratz*

    Schließlich, meine Kreditsumme stammt tatsächlich von Oma Erna’s Sparkonto, und wurde keineswegs zu 98 % per Knopfdruck bei der Bank aus dem Nichts erzeugt?

    Bitte um Aufklärung.

  21. Ja, dass das Fiat Money die Ursache wäre ist ein Denkfehler. Außerdem zweier ganz verschiedener Denkrichtungen (die von Prof. Senf und Co und die der meisten Libertären/Österreichische Schule). Und ja, tausende kritische Blogs etc. sind auf dem Holzweg. Sie schaden der Geldsystemkritik mit ihren falschen Behauptungen mindestens genauso wie sie ihr durch Verbreitung nützen.

    Aber wie kommst du darauf, dass ich behaupte, die 100.000 kämen vom Klapperstorch? Das behaupten gerade die o.g. Denkrichtungen und ich gerade nicht. Ich behaupte, es kommt von den Gläubigern der Bank (Einleger), wie dir auch jeder bestätigen wird, der sich mit Bankbuchhaltung auskennt.

    Nur zur Klarstellung: Auch ich kritisiere das Geldsystem. Nur bleibe ich bei der Realität und erfinde keine Halbwahrheiten.

  22. Hmm, du sagst also, die ganze Geschichte mit dem Fiat Money, das die Banken nahezu aus dem Nichts schöpfen, wodurch sich die Geldmenge (und die Schuldenmenge) exponentiell erhöht, was daher zwangsläufig zum Crash führen muss, ist nur eine Denkfalle der Geldsystemkritiker — und Du bist der Erste, der dies bisher erkannt hat?

    Sprich, Tausende von kritischen Blogs, Videos und Foren sind alle auf dem Holzweg?

    Und die 100.000, die ich als Kredit von der Bank bekommen habe, kommen also TATSÄCHLICH vom Klapperstorch, wollte sagen vom Sparkonto von Oma Erna, also genau so wie ich mir das als Kind immer vorgestellt habe?

  23. Zum größten Teil diejenigen, die der Bank ihr Kapital (als Einlage in den verschiedensten Formen) überlassen haben.

    Am besten mal in eine Bankbilanz gucken (sind ja öffentlich) und staunen, wie wenig Eigenkapital diese im Vergleich zur Bilanzsumme haben. Der Rest ist Fremdkapital und dorthin gehen die Zinsen.

    Banken sind in erster Linie Kreditmittler und als solche das Scharnier, in dem es in der Krise in diesem Geldsystem krachen musste.

    Das ganze „Spekulationszeugs“ ist nur Symptom und eine „tolle“ Ablenkung vom eigentlichen Problem, nicht aber wirklich die Ursache.

  24. Mann oh Mann…

    WER BEKOMMT ALSO MEINE 10.000 Taler, die ich der Bank als Gebühr für die von ihr geschöpfte Liquidität p.a. überweise?

    Oder bilde ich mir das nur ein, dass ich der Bank ein Vermögen an Zinsen hinterherwerfe?

  25. Bei der Geldschöpfung entstehen diese ZWEI Schulden-Guthaben-Paare:

    1. Giroverbindlichkeit der Bank vs. Giroguthaben des Kreditnehmers
    (diese Beziehung wechselt dann sehr bald auf der einen Seite – weil damit ja bezahlt wird – und wird dann zu einer echten Einlage)

    2. Kreditverbindlichkeit des Kreditnehmers vs. Kreditforderung der Bank

    Ich werde dazu in Kürze einen ausführlicheren Artikel veröffentlichen. Der ist eigentlich schon ewig fertig in der Schublade.

  26. Die Bank erhält selbstverständlich Zinsen, aber nicht auf die geschöpfte Liquidität, sondern auf das Kapital, welches zum Großteil das Kapital von Einlegern ist.

    Und Geldschöpfung schöpft KEIN zusätzliches Kapital.

  27. Weiter im Text:

    „Banken schöpfen nämlich […] Liquidität, und dabei entstehen ZWEI Schulden-Paare“.

    Ich dachte eigentlich, dabei entsteht genau EIN Paar, und zwar ein SCHULDEN-VERMÖGEN-Paar……..

    Ich bekomme 100.000 Liquidität und kauf mir davon ein Haus (Vermögen), gleichzeitig habe ich einen Kredit von 100.000 zu bedienen (Schulden). Die 100.000 Liquidität verteilt mein Hausverkäufer im Markt (kauft sich einen Porsche). Ich muss die 100.000 dem Markt wieder entnehmen, der Bank zurückgeben (wobei die geschaffene Liquidität verschwindet).

    Zusätzlich muss ich irgendwo her nochmal 100.000 an Zinsen auftreiben und ebenfalls der Bank überlassen.

    Wieso um alles sollte die Bank jetzt bitte „keine Zinsen auf die von ihr geschöpfte Liquidität erhalten“ haben?

  28. Leider weiterhin nur Verwirrung. Die Bank „erhält also tatsächlich keine Zinsen“………….

    Wohin verschwinden also die 10.000 Knochen, die ich pro Jahr für meinen Kredit abdrücken muss?

  29. Die Bank erhält tatsächlich keine Zinsen auf die von ihr geschöpfte Liquidität. Zu glauben, dass es doch so wäre, ist der Irrlaube vieler Geldsystemkritiker.

    Banken schöpfen nämlich kein Kapital, sondern nur Liquidität – und dabei entstehen ZWEI Schulden-Paare. Und Zinsen gibt es für das Kapital, was hauptsächlich Einlagen sind (also Schulden der Bank!) – und natürlich das Eigenkapital der Banken (was aber bezogen Auf die Bilanzsumme relativ wenig ist).

    Sorry, wenn ich es so hart sage, aber Sie sitzen genau dem Denkfehler #1 auf, von dem ich schrieb. Und ich weiß auch, dass viele – einmal von diesem Denkfehler gefangen – nie wieder da runter kommen. Machen Sie es besser!

  30. Hmmm, leider sehr unklarer Artikel.

    Zitat: „Nur auf Kapital erhält man Zinsen, nicht aber auf Liquidität.“

    Die Bank erhält also keine Zinsen auf die von ihr vergebenen Kredite (= die von ihr geschöpfte Liquidität)…..?

    Ich habe hingegen das deutliche Gefühl, dass die Bank von mir Tausende von Euro meines hart verdienten Lohns als Zinsen pro Jahr dafür kassiert, dass sie per Knopfdruck einen Batzen Geld kreiert und auf mein Konto geschrieben hat, welches ich dem Vorbesitzer meines Hauses überwiesen habe, der sich dafür einen Porsche gekauft hat.

  31. hallo, vielen dank für diesen beitrag! gibt es andernorts schon mehr zum thema geldschöpfung zu lesen? danke für einen hinweis und weiterhin frohes schaffen.

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