Prof. Otmar Issing – Einführung in die Geldtheorie

Prof. Otmar Issing ist einer der renommiertesten Experten zum Thema Geld. Er war Vorstand bei der Bundesbank und der Europäischen Zentralbank. In seinem StandardwerkEinführung in die Geldtheorie erläutert er sowohl die Geldentstehung aus Kredit als auch – auf Seite 105 – das Problem der Nullzinsgrenze:

In Zeiten des konjunkturellen Abschwungs und extrem pessimistischer Erwartungen kann es folglich sein, dass es keinen positiven Zinssatz gibt, bei dem Angebot und Nachfrage nach Ersparnissen zum Ausgleich kommen. Das Sparen führt dann also zu einem teilweisen Nachfrageausfall, der Kreislauf gerät in einen Schrumpfungsprozess (siehe Abb. 21).

wie auch auf Seite 284 die Ursache im hortbaren Bargeld:

Die besonderen Schwierigkeiten für die Geldpolitik liegen darin, dass sie ihre Zinsen höchstens bis auf Null reduzieren kann (Null-Grenze) (siehe Abschnitt 11). Vorschläge, diese Grenze für den Nominalzins durch eine Art Steuer auf das Halten von Geld aufzuheben, sind kaum praktikabel…

Solange mit dem Bargeld ein liquides, risikoloses alternatives Aktivum zur Verfügung steht, kann der Nominalzins nicht unter Null sinken – die Anleger würden Aktiva mit negativer Verzinsung meiden und Bargeld halten.

Dabei ist es ganz einfach – man kann den Euro sogar nachrüsten!

16 Kommentare zu „Prof. Otmar Issing – Einführung in die Geldtheorie“

  1. Hallo Herr Ermerstorfer,

    Inflation wäre schon ok – auch mit negativen Realzinsen außerdem – nämlich dann, wenn der Gleichgewichtszins negativ ist (in der Rezession). Das Problem ist ein anderes: Unser Geldsystem erzeugt immer dann Inflation, wenn sie genau falsch ist (im Boom) und ist eher deflationär, wenn ein negativer Zins gebraucht würde (Rezession).

    Grüße
    … Michael Hönnig

  2. Hallo Herr Emerstorfer,

    Ja, aber negative REALzinsen sind erstens eine unredliche Enteignung, und was aber viel schlimmer ist:

    Da wir keine Deflation mit negativen NOMINALzinsen regeln können, brauchen wir auch immer Inflation. Inflation haben wir aber nur mit Nachfrage größer Angebot, also Kreditvergabe größer monetäre Sparquote. Genau deshalb haben wir den exponentialen Schuldenwachstumszwang der demnächst in den finalen Crash münden wird.

    Grüße Jörg Buschbeck

  3. Hallo Frau Kurjo,

    die Analyse von Herrn Prof. Dr. Issing trifft jedenfalls den Kern, auch wenn er sich bedeckt hält, was Lösungen betrifft.

    Sämtliche Ansätze, die Zinsgeld oder zumindest die zinsbasierte Geldschöpfung abschaffen wollen, Giralgeld der Zentralbank unterstellen wollen (sogenanntes Vollgeld) oder gar einfach nur das Bankenwesen mehr regulieren wollen, doktern nur an Symtopen herum und gehen damit am noch tiefer liegenden Problem vorbei.

    Das Problem ist, dass man das erst erkennen kann, wenn man sich mit beiden Welten befasst hat: Mit der Volkswirtschaftstheorie, wie sie gelehrt wird (Neoklassische Synthese und Monetarismus) UND beim Geldsystem weitergedacht hat als diese es tun. Nur letzteres führt leider genauso in die Irre wie nur ersteres.

    Alles Gute wünscht
    … Michael Hönnig

  4. Liebe Frau Kurjo,

    die tiefere Analyse möchte ich Ihnen schwer ans Herz legen. :o)
    Das sachliche Buch oben könnte Ihnen dabei helfen.

    Grüße Jörg Buschbeck

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