Diskussionskultur bei Geldsystemkritik


Das Verständnis vom Geldsystem ist voll von unterschiedlichen Begriffsvorstellungen. Begriffe, die im Gemeinwortschatze die eine Bedeutung haben, haben z.B. im Fachwortschaft i.d.R. eine teilweise völlig andere oder viel exaktere und eingeschränkte Bedeutung. Dazu kommen noch verschiedene Fachbereiche (teils sogar VLW vs. BWL), welche wiederum Begriffe leicht unterschiedlich definieren Dazu kommen viele Missverständnisse rund ums Geld. Nicht aus Dummheit, sondern meist, weil man einfach selbst noch gar nicht wirklich darüber nachgedacht hat, sondern nur unreflektiert etwas aufgeschnappt hat.

Wenn man auf dieser Basis nun in einen Dialog eintritt, z.B. einen Blog-Artikel kritisch kommentiert, ist fast jeder geneigt, alle z.B. 10 Stellen, die man für falsch hält, gleichzeitig zu kritisieren. Was aber, wenn 9 davon nur aufgrund eines einzige Missverständnisses (z.B. unterschiedliche Begriffsdefinitonen) zustande kommen? Da das zugrunde liegende Missverständnis nicht bekannt ist, wird die Kritik so aufgebaut sein, dass der Gegenseite praktisch nur übrig bleibt, auf alle 10 Einzelkritiken einzeln zu antworten, vielleicht jeweils mit einer anderen Formulierung und einem Beispiel  Das Missverständnis wird aber nicht geklärt werden und im schlimmsten Fall redet man in der nächsten über 20 Meinungsverschiedenheiten, dann über 40 usw.

Daher mein Vorschlag für solche Diskussionen: Immer nur den wichtigsten Kritikpunkt herausgreifen, vielleicht auch die wichtigsten drei, und erst wenn diese geklärt sind zum nächsten gehen. In den allermeisten Fällen wird dieser sich dann nämlich schon von selbst erledigt haben. Danke!

9 Kommentare zu „Diskussionskultur bei Geldsystemkritik“

  1. Ok, ich lasse mich gern belehren und möchte auf keinen Fall in falschen Aktionismus verfallen und schon gar nichts gefährden.

    Vielleicht findet man ja bei den Gesprächen mit den Wissenschaftlern auch ein geeignetes Ansprache-Instrument für die breite Masse …

  2. Mit solchen Sprüchen versuchen es schon seit fast 100 Jahren die Freiwirte, mit dem einzigen Erfolg, dass sie im Allgemeinen für Spinner gehalten werden und es damit allen anderen Geldsystemkritikern schwer machen, ernst genommen zu werden.

    Davon abgesehen, dass die Freiwirtschaft nicht die Zinsen abschaffen will, aber die Übervereinfachung führte dann eben dazu.

    Davon abgesehen: Auch wenn wir nicht mit den „Oberen“ sprechen können, können wir sehr wohl mit Wissenschaftlern sprechen. Und ich denke, dass diese beiden Wege parallel gegangen werden müssen:
    1. das gemeine Volk ansprechen
    2. Wissenschaftler ansprechen

  3. Dieses Problem brennt mir auch schon länger auf den Nägeln.
    Nachdem es wohl eher schwierig ist, mit den Oberen zu sprechen, sollten wir uns auf die breite Masse konzentrieren.
    Vielleicht sollte man es mal im Bildzeitungs-Jargon versuchen.
    Ich bin dafür kurze provokative Sätze auf großflächigen Plakaten zu platziern.
    So was wie:

    Zinsen abschaffen! Weltweit!

    Geld ist keine Handelsware.
    Geld schafft keine Werte.

    Einige werden sicher erst mal denken, die Spinnen die Römer. Andere werden ein gewisses Unbehagen spüren, weil es ja Ihre Arbeitsplätze in Frage gestellt werden (meine die Banker). Aber irgendetwas wird hängen bleiben …

  4. Sobald ich es selber verstanden habe, kann ich (wahrscheinlich) auch eine Visualisierung o.ä. beisteuern.

    Ich bleibe am Ball.

    Grüße David.P

  5. Ich glaub’s zwar noch nicht, dass es möglich ist, unsere Analyse bezüglich des Problems im Geldsystem sowohl einem absoluten Wirtschafts-Laien und einen VWL-Prof mit einem einzigen Diagramm nahe zu bringen, aber lasse mich gerne vom Gegenteil überzeugen.

    Immer her mit den Ideen!

  6. Dazu kann ich die Erfahrung als Patentanwalt beisteuern, dass die besten Patentzeichnungen (und auch -Texte) diejenigen sind, bei denen der Erfinder sagt, boah sowas Tolles hab ich erfunden, und die gleichzeitig auch meine Frau ohne weiteres versteht.

    Mit anderen Worten, gute Materialien sind optimalerweise für nahezu alle Zielgruppen geeignet (und werden von diesen auch so akzeptiert!), was vor allem auch den Vorteil hat, dass man nicht „x“ Versionen erstellen und aktuell halten muss.

    Dafür ist möglicherweise am Anfang ein höherer Aufwand zur erstmaligen Erstellung erforderlich.

    Grüße David.P

  7. Richtig, wie unsere Ansätze am besten vermittelt werden können, muss erst entwickelt werden.

    Die Schwierigkeit dabei sind die verschiedenen Vorkenntnisse. Was für den Laien verständlich ist, wird der Wirtschaftswissenschaftler als unwissenschaftlich abtun.

    Und dazwischen gibt es tausende unterschiedlicher Wissensstände.

    Dennoch sind wir alle hier um die Aufbereitung unserer Denkansätze bemüht.

  8. Sehr wichtig und ein absolut zentraler Punkt.

    Die Frage dahinter ist generell doch auch, wie kann eine neuartige Lehre möglichst „energiesparend“ verbreitet werden (ohne dass man bei jedem hinzukommenden Diskussionsteilnehmer wieder und wieder denselben enorm hohen Erklärungs- und damit Energie- und Zeitbedarf hat. Idealerweise (systemtheoretisch gesehen) müsste sich das neue Paradigma natürlich selbstverstärkend verbreiten – sonst dauert das ja noch Jahrhunderte.

    Hierzu sind geeignete Plattformen und Kommunikationsmuster (online wie offline) sicher noch zu entwickeln, da bin ich generell zuversichtlich (….wenn schon ein gerade mal gut volljähriger Tübinger Student mit seinem Blog innerhalb von Tagen einen Köhler vom Stuhl schubsen kann — dies aber nur am Rande).

    Solange man „Meinungslawinen“ aber noch nicht „routinemäßig“ anschieben kann, braucht man daher wahrscheinlich vor allem auch noch die gute alte Visualisierung („ein Bild sagt mehr als tausend Worte“). Wie eine solche durchschlagende Bebilderung vorliegend aussehen könnte, weiß ich zwar noch nicht (da sind andere sicher weiter), werde mir aber in jedem Fall auch Gedanken hierzu machen.

    Viele Grüße David.P

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