Kann es bei negativer Kapitalrendite noch Fortschritt geben?

0% wird von vielen als natürliche Untergrenze für volkswirtschaftliche Kapitalrendite angesehen. Und daraus resultiert dann auch der Glaube, auch beim Geld würde mittelfristig eine Untergrenze von 0% völlig ausreichen. Doch ist die Annahme einer immer positiven volkswirtschaftlichen Kapitalrendite überhaupt korrekt?

Sicher ist, wer im heutigen Geldsystem mit einer Realkapitalinvestition nur -6% (minus!) erreichen würde, würde wohl lieber im Geld bleiben. Für das Folgende nehmen wir aber mal an, die Geldbasis (für Nichtbanken ist das das Bargeld) läge bei z.B. -6%, im Geld bleiben sei also keine Alternative. Würde unter solchen Umständen auch die Realkapitalinvestition ausbleiben, wenn hier im volkswirtschaftlichen Durchschnitt z.B. nur -2% (ja, immer noch minus!) erreichbar wären?

Vordergründig könnte man argumentieren: Wenn ich doch nur jedes Jahr 2% meines Kapitals verliere, dann würde ich es doch gar nicht anlegen, sondern lieber verkonsumieren und somit 100% davon haben. Die Alternative von Geld hatten wir ja bereits ausgeschlossen – der Verlust wäre noch größer. Und auch eine Geldanlage (Kreditvergabe) wäre unter diesen Umständen nicht höher verzinst, denn dass die Realkapitalinvestition negativ ist würde ja auch im Schnitt für die potentiellen Kreditnehmer gelten – es gäbe also keine, die (risikobereinigt) für positive Zinsen Kredti nehmen würden. Und ohne Kreditnehmer auch keine Geldanlage (Aktien u.ä. zählen in diesem Zusammenhang als Realkapitalinvestition).

Doch volkswirtschaftliche Durchschitte gelten nicht für jeden. Auch unter solchen Umständen würden einzelne immer noch positive Renditen einfahren – andere dafür noch tiefer negative. Und hätten nicht viele die Hoffnung, zu diesen Gewinnern zu gehören? Würden also trotzdem investieren?

Nun, genau das geschieht bereits. Nehmen wir z.B. eBook-Reader, diese zu entwickeln, insbesondere das sogenannte elektronische Papier (bei Tageslicht wie bedrucktes Papier lesbare elektronische Displays) war ein immenser Forschungsaufwand. Ebenso, diese in die Massenproduktion zu bringen. Doch dann kam schon der nächste: Apple mit seinem iPad. Zwar mit LCD-Display, aber ansonsten ein wesentlich komfortableres und vielfältigeres eBook-Lesegerät. Die Folge beschreibt der Artikel Will Tablets Close the Book on e-Readers?: Der Preis der eBook-Lesegeräte fällt dramatisch. Leicht kann so ein Wettbewerber eine positive Rendite, die anderen aber eine tief negative Rendiete erreichen. Und dafür dass der Durchschnitt positiv bleibt, gibt es keinerlei Grundlage. Dennoch funktioniert der Wettbewerb und der technische Fortschritt geht in großen Schritten weiter.

Es gibt noch ein anderes Argument: Praktisch jeder Mensch, der über Kapital verfügt, möchte Kapital in die Zeit seines Altersruhestandes transferieren. Mit anderen Worten: Das Kapital heute zu verkonsumieren, ist überhaupt keine echte Alternative, auch nicht bei negativen Realzinssätzen. Es ist nur eine Scheinalternative, geschaffen durch ein höchst ungerechtes und unsoziales Geldsystem, nämlich ein Geldsystem welches negative Finanzkapitalrenditen allenfalls kurzfristig zulässt, mittelfristig aber immer positive Finanzkapitalrenditen garantiert dafür aber langfristig immer kollabieren muss.

Und was denkst Du so?

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s