jedes Guthaben braucht auch einen Schuldner


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Sind Sie auch FÜR Guthaben und GEGEN Schulden?
Also, privat sehe ich dies auch so, aber für die Gesamtwirtschaft geht dies leider nicht, es kann kein Geldvermögenswachstum ohne Schuldenwachstum geben. Dies hat auch nichts mit einem „falschen Geldsystem“ zu tun wie mancher vermutet, wir können logischerweise einfach nichts guthaben, was uns nicht jemand schuldet.

Ja, auch Ihre Riesterrente, das wachsende Sparbuch der Kinder, dies ist alles Teil des Schuldenproblems. Und ja, da gibt es ganz andere, die sparen das am Tag, was Sie im Jahr zur Seite legen. Auf alle Fälle sparen die Deutschen monetär in Summe völlig über Ihre Verhältnisse, weil Sie inländisch zu wenig privatwirtschaftlichen fremden Investitions-Bedarf für Ihre monetäre „Sparleistung“ haben, die ohne Bedarf zur „Hortleistung“ wird. Es müsste vielmehr in Ermanglung fremder kreditwürdiger Investoren selbst in Sachwerte investiert werden. Mehr Selbst-Investition hätte auch den Vorteil, dass eine stabile Eigenkapitalwirtschaft statt unserer unstabilen Fremdkapitalwirtschaft entstehen würde.

Das Problem ist aber tabu – der Global Change 2009 e.V. ist fast die einzige gesellschaftliche Gruppe/Bewegung, welche das enorm gefährliche Hortungsthema anspricht – siehe auch den „Quickie“. Alle anderen sehen nur die „bösen Schulden“, können in den „guten Guthaben“ kein Problem erkennen – ein kollektiver Realitätsverlust im Land der „schwäbischen Hausfrauen“.

Naja, einige glauben in bestimmten Einkommensarten wie Zinsen oder Renditen ein Problem gefunden zu haben, einige wollen die Quadratur des Kreises mit einer Kritik am „Schuldgeld“ wagen. Aber das Guthabenwachstum als solches zu problematisieren, da wird es doch recht einsam. Guthaben ein Problem, dass darf nicht sein, dann bin ich ja selbst Teil eines Problems – nein, dann sind doch lieber die Banken ganz alleine böse. Dass uns das Problem nahezu kollektiv nicht „gefällt“, erklärt die enormen Schwierigkeiten es zu lösen. Wenn es wirklich mal einer sagt, wird’s einfach überhört.

„99 Prozent der Menschen sehen das Geldproblem nicht. Die Wissenschaft sieht es nicht, die Ökonomie sieht es nicht, sie erklärt es sogar als »nicht existent«.“ (der St. Galler Ökonomieprofessor Hans-Christoph Binswanger)

Für die ca. 200 Mrd. Euro , welche die deutschen privaten Wirtschaftssubjekte z.B. 2009 per Saldo gehortet haben, musste sich der Staat mit ca. 80 Mrd.€ und das Ausland mit ca. 120 Mrd.€ bei uns verschulden – siehe die Zahlen der Bundesbank

Die deutschen Staatsschulden sind dabei das kleinere Übel, das Ruinieren der ausländischen Staatshaushalte incl. dem Abschreiben der Forderungen unserer Banken aus diesen Staats-Anleihen, wird uns viel schlimmer auf die Füße fallen. Und weil wir dann die Auslandsschulden = Inlandsguthaben „retten“ müssen, müssen wir im Inland noch mehr sparen und deshalb noch mehr exportieren und das Ausland verschulden.

Geht es noch irrer?

stunden_hektischer_krisendiplomatie

Sehen so gut beratene Politiker aus?

Wollen wir alles nicht hören – einfach Augen zu und durch? Nein, wir haben eine neue Situation, die „Mega-Privatschulden-Party“ im Ausland hat Ihr „völlig überraschendes“ Ende gefunden, Sie war nach der „Wiedervereinigungs-Schulden-Party“ der Grund, warum die deutsche Wirtschaft trotz der Horterei stabil war.

Diese Mega-Schulden-Partys waren Mega-Guthaben-Partys – aber Schulden haben einen Rückzahltermin und Guthaben nicht. Dies ist der Systemfehler, aus dem sich die internationalen Konflikte der nächsten Zeit speisen werden.

Nun wird es auch keine dauerhafte Duldung der deutschen „Exportaggression“ durch das Ausland mehr geben. Vor dem ersten Weltkrieg hat es übrigens mit England ähnliche Konflikte um deutschen „Zahlungsmitteldiebstahl“ im englischen Wirtschaftskreislauf gegeben. Und die deutsche „Sparleistung“ finanziert sich heute vor allem die Verschuldung des Staatshaushaltes der mächtigen USA – die werden uns bald was husten dafür.

Herr, lass Hirn auf deutsche Wirtschaftspolitik regnen!

Aber um Schuldzuweisungen geht es hier nicht, es geht darum, dass es möglichst jeder in diesem Land weis, dass es nach der katastrophalen chinesischen Horterei, das deutsche Geldvermögenswachstum ist, was das globale Schuldenwachstum mit erzwingt.

Es gilt folgende saldenmechanische Formel – globale Staatsschulden = Saldo der globalen privaten Geldvermögen (Privatguthaben-Privatschulden)

Weil, wenn es fast jeder weis, dann könnten wir demokratisch diskutieren, was wir aus dieser Sache machen:

– gibt es überhaupt ein Staats – Schuldenproblem oder haben wir vielmehr eine Exportüberschussproblem ?

– sind Staats – Schulden wirklich so schlecht? Sie sind doch die Geldvermögen der Bürger und eben nicht unter „Rettungsbedarf“ wie die Subprime-Schulden aus unseren Exportüberschüssen?

– sollten wir also mehr Staatsschulden statt der Exportüberschüsse machen? Wie bekommen wir die Schuldenbremse aus dem Grundgesetz?

– oder intelligenter als Investitionszuschüsse – z.B. Abwrackprämien für alte Häuser?

– oder sollten die Halter richtig großer Geldvermögen eine Hortungssteuer zahlen, damit Sie auch bei kleinen Renditen investieren?

– oder sollten wir sauber marktwirtschaftlich denken und generell auch Zinsen unter Null und befristetes Bargeld haben, wenn es zuviel Guthabenwachstum = Schuldenwachstum gibt? Der Zins soll ja eine Nachfrageverzichtsprämie sein, und wenn der Bedarf an Nachfrageverzicht negativ ist, dann müssten es auch die Zinsen sein? Aber ist diese rationale und logische Lösung den Menschen emotional zuzumuten?

– oder sollten wir lieber bei Deflation lieber im Sinne von Keynes automatische Staats-Schulden machen und damit einen Zuschlag zum Grundeinkommen zahlen? Ich halte diese Idee aktuell für die emotional praktikabelste. Man sollte nur aus dem „Inflations-Keynes“ einen „Nullinflations-Keynes“ machen. Dies ist wohl nur möglich, indem man die Sache automatisiert, also eine Schuldenautomatik statt einer Schuldenbremse. Das Ergebnis sind nicht etwa explodierende Staats-Schulden sondern sinkende Staatsschulden. Weil wenn das System bei Nullinflation = ca.Nullsparzins stabilisiert wird – rechnen sich unendliche viele private Investitionen, weil bei einer automatischen, gesetzlichen Nullinflationspolitik die alles entscheidenden Erwartungen der Investoren stabil sind.

– würden die Deutschen „freiwillig“ mehr investieren, wenn es mehr verbriefte = liquide Investitionsgüter gäbe – eine Art Wertgeld?

– würden die Deutschen „freiwillig“ mehr investieren, wenn Sie wüssten, dass Ihre „Sparleistung“ eigentlich ein Problem ist?

Oder, was ist Ihre Meinung zum Thema?

zurück zum Überblick

Prof. Wolfgang Stützel zur logischen Herleitung der automatischen Schuld (Kaufüberschüsse) aus den Guthaben(Verkaufsüberschüsse) – hier lang

der Systemfehler – Schulden haben einen Rückzahltermin – Guthaben nicht – hier lang

5 Kommentare zu „jedes Guthaben braucht auch einen Schuldner“

  1. Hallo Jörg Buschbeck,

    ……….würden die Deutschen “freiwillig” mehr investieren, wenn Sie wüssten, dass Ihre “Sparleistung” eigentlich ein Problem ist?

    Na freiwillig sicher nicht, aber.

    – 95% der Deutschen haben sehr wenig Wissen vom Geld und Zins und den Zusammenhängen (könnte auch ein Vorteil sein s. u.)
    – ein Großteil hat mehr Schulden als Guthaben
    – gesättigter Konsum (Bitte nicht noch mehr Umweltverbrauch durch noch mehr Konsum)

    Wo sind eigentlich die großen Guthaben und wie bekomm ich die wieder nach „unten“?
    Sind die Guthaben noch real oder nur noch Fiktion? Das Geld aus 90 Millionen Altersvorsorgeverträgen ist doch verliehen ( unser Export) Insofern ist das doch investiert? Oder?
    Dieser Prozess endet ja nun mal ein einem Punkt.

    Was sind die Hortungsgründe?
    1. Angst vor Armut mittelfristig ( Arbeitsplatzverlust) und Altersarmut

    2. die Gier als normaler Grundcharakterzug des Menschen

    Hmmmm….
    1. Wäre klär bar über BGE.

    2. wird in gesunden Grenzen benötigt – Thema Weiterentwicklung.

    Zinsen:

    Warum sollten potentielle Negativzinsen nicht akzeptiert werden?

    Kaufkraftverlust wird doch in Größenordnung auch hingenommen.

    Natürlich bräuchte es dazu erst mal ein Aufweckerlebnis für die Bevölkerung und eine Medienkampagne der „Aufklärung.“

    Was den Leuten heute so alles eingeredet wird, z. B. Teuerungsraten, da dürfte das noch das kleinste Problem sein. Man wird sich doch wohl noch was Positives einfallen lassen können. A la: Negativwachstum.

    Marktwirtschaftszins wäre natürlich mit Machtverlust gewisser Kreise verbunden.
    Und ich denke, das ist der Knackpunkt.

    Die aktuelle Sache unserer Verbraucherministerin Aigner in Bezug auf die Banken lässt mich aufhorchen. Hier werden die kleinen Bankangestellten unter Druck gesetzt um das System zu ändern. Zumindest sehe ich das so. Das Ziel ist mir noch nicht klar.
    Systemänderung von unten. So läuft das. Wie die „friedliche Revolution“ ’89. 16 Millionen Helden.
    Gut, viele ohne Arbeit und der Rest im neuen Job. Aber als Held lässt sich das leichter ertragen.

    Im Moment sieht es ja so aus, als ob gewisse Kräfte die kleinen Anleger wieder an die Börse locken. Wie ich aus einer Bank höre, gehen die kleinen Leute wieder rein. Na mal schauen, Das geht zumindest nicht ohne grundlegende gesellschaftliche und politische und wahrscheinlich sogar staatsrechtliche Umwälzungen von statten,

    VG aus Sachsen

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