der 4.Weg – jenseits der Transferunion

das Handelsblatt – Lüder Gerken vom Centrum für Europäische Politik:

„Man darf sich nicht in die Tasche lügen. Es gibt nur drei Auswege. Erstens die drastische und sofortige Reduktion der Lohnstückkosten in den betroffenen Staaten; das erscheint mir politisch nicht durchsetzbar. Zweitens der Austritt aus der Eurozone und die Wiedereinführung einer nationalen Währung bei gleichzeitiger Abwertung; das wird von der Politik kategorisch ausgeschlossen. Drittens die dauerhafte Alimentierung durch einen Staatenfinanzausgleich zwischen den Euro-Staaten. Die Rettungspakete und den ESM kann man als Vorstufe für einen solchen Staatenfinanzausgleich sehen.“


Der 4.Weg ist die deutschen Exportüberschüsse zu beenden – z.B. durch Investitionen in blühende deutsche Landschaften.

siehe auch meine Crash-Ansage von Anfang-Mai

mein Kommentar im Handelsblatt:
Den besseren 4.Weg kann scheinbar in diesem Land keiner denken – die Deutschen beenden Ihre dauerhaften Exportüberschüsse = dauerhafte Überschuldung des Auslands und investieren lieber in ihr eigenes Land. Dann brauchen wir die anderen auch nicht mehr retten.

Dazu müssten wir den Exportüberschüssen nur die Finanzierung abdrehen. Die schlussendlich staatlich garantierten Banken dürfen keine ausländischen Schuldtitel mehr kaufen – und die schwäbische Hausfrau finanziert persönlich weder spanische Staatsanleihen noch amerikanische Subprime-Bauten. Eh wir das Exportüberschussproblem nicht unter Schmerzen verstanden haben, hört die Euro-Krise nicht mehr auf.
MFG
Jörg Buschbeck – Global Change 2009 e.V.

9 Kommentare zu „der 4.Weg – jenseits der Transferunion“

  1. „die totale Vergesellschaftung der Produktionsmittel war auch nicht lustig“

    das Gesamtkonzept muß natürlich stimmen – z.B. in dem wirkliches Unternehmertum stark gefördert wird.
    Wenn das Geschäftsmodell erfolgreich ist, wird es auch sehr schnell Kapital benötigen. Billiges Kapital gibt es dann vom Staat – gegen Anteile. Je größer das Unternehmen, je wichtiger das Unternehmen für die Gesellschaft, desto größer dann auch der gesellschaftliche Anteil. Am Besitz ebenso wie am Gewinn.

    … welcher dann nachragewirksam im eigenen Land umverteilt werden kann.

    Durch den Wettbewerbsvorteil „billige Finanzierung durch staatl. Kredite“ könnte man diesen Prozess ganz sanft in die Wege leiten.

    Bei der Unt.führung sowie bei den Mitarbeitern ändert sich dadurch ja nichts – tendenziell verdienen die einfachen Arbeiter in den staatseigenen Betrieben oder den über gemeinnützigen Stiftungen vergesellschafteten Betrieben vielleicht etwas mehr – und das Topmanagement etwas weniger;
    aber ansonsten sind es ja ganz normale, marktwirtschaftlich orientierte und gemanagede Unternehmen.
    „total vergesellschaftete Weltmarktführer“, deren Gewinne breit im Volke verstreut werden.

    z.B.: ZF-Friedrichshafen (Zeppelin-Stiftung).
    Denen, welche tatsächlich schaffen, ist es nämlich (beinahe) wurscht, wem die Aktien gehören.

  2. @Skeptiker
    kann den Zusammenhang nicht so sehen, wenn die Importüberschüsse der PIIGS mangels Finanzierung fallen, dann wird der Bedarf mehr vor Ort produziert – also eher andersrum?

    @Monday
    natürlich lösen mehr Importe das Problem der Exportüberschüsse.

    n.m.E. sollten Banken nur vollstreckbare Kredite vergeben dürfen- nur dann haftet nicht schlussendlich der Steuerzahler -das es eben defacto und nicht dejure so ist – ändert doch nichts?

    Und vollstreckbar ist es im Krisenfall nur im Inland und Kredite gegen den eigenen Staat sind auch solvent -weil der vollstreckt notfalls uns bzw. seine Guthabenhalter?

    @keeper
    nichts gegen höhere Steuern insbesondere auf Monopolgewinne in zunehmend vermachteten Märkten – nur die totale Vergesellschaftung der Produktionsmittel war auch nicht lustig?

  3. Wenn man das Gedankengebäude fertig baut, dann stellt man aber an den Grenzen sehr hohe Zäune auf. Denn die ‚besseren‘ Griechen, Spanier und Italiener werden dann bei uns leben und arbeiten wollen.

    Schafft man dann die Reisefreiheit wieder ab?

  4. Schon klar.
    Aber nochmal zur Frage: Wäre eine Steigerung des Imports nicht eine der Lösungen?
    Wie kann der Staat sich in die Geldflüsse des Exportsektors einklinken ohne die Unternehmen ins Ausland zu treiben?

    > Die schlussendlich staatlich garantierten Banken dürfen
    > keine ausländischen Schuldtitel mehr kaufen
    Sie sind ja nur quasi staatlich garantiert. Kenne kein Gesetz, welches des Staat zur Hilfe notleidender Banken verpflichtet.

    Wo liegt der Vorteil, wenn sich Staaten nur noch über landeseigene Banken refinanzieren dürfen außer dass die Zinsen auf Staatsanleihen im Krisenfall noch schneller steigen würden?

    Sie wären schneller bankrott. Ich finde als MMT-Fan, dass die jeweiligen Staaten von der Wiedererlangung einer geldtechnischen Souveränität nur profitieren würden, andere haben da aber eher Bauchschmerzen.

  5. die eigentliche Problematik wurde erkannt – und der Lösungsansatz ist auch o.k.

    „wieso umständlich über die Bankster die Aussenhandelsgewinne ans Ausland „verleihen“, anstatt die Nachfrage gleich im eigenen Lande zu finanzieren“.

    das Problem entsteht wohl beim „abzapfen“.
    … denn entweder, „Papa Staat“ leiht sich das Geld, dort wo es anfällt ->führt langfristig in die Überschuldung;

    oder der Staat holt es sich über Steuern.

    Denn die eigentliche Ursache der Problematik ist die Ungleichverteilung des Produktivkapitals.
    erst dadurch fehlt es bei den einen – und konzentriert sich bei den einigen wenigen.

    Kapitalerträge zu BGE.

  6. „Erstens die drastische und sofortige Reduktion der Lohnstückkosten in den betroffenen Staaten; das erscheint mir politisch nicht durchsetzbar.“

    Wie wäre es mit einer drastischen und sofortigen ERHÖHUNG der Lohnstückkosten in den NICHT betroffenen Staaten?
    Darüber wird nie geredet. Als Heusinger noch bei Herdentrieb war, war das sein grosses Thema. Es geht um Gleichgewichte, aber eben nicht nur von EU-Land zu EU-Land, sondern auch im Inland. Weg mit dem Leihsklavendreck + Erhöhung von Hartz IV auf über 400 Euro.
    Das darüber gar nicht erst diskutiert wird, ist bezeichnend. Die Armen haben keine Lobby.

  7. hallo monday

    ich sag nichts gegen Exporte und internationale Arbeitsteilung – ich schreibe nur gegen dauerhafte Exportüberschüsse. Dies bedeutet, dass andere dauerhafte Importüberschüsse haben. Und dies bedeutet, Sie geben als Staat mehr aus, als sie einnehmen. Und wenn Du und ich dauerhaft mehr ausgeben als einnehmen – dann sind wir völlig erwartbar pleite. Und genauso ist es auch mit den PIIGS und ihrer angeblich nicht vorhersehbaren Pleite.

    Mit den Exportüberschüssen gleichen wir die zu hohe Sparfreude der „schwäbischen Hausfrau“ aus -die sammelt Guthaben = Schuldscheine der anderen und hat eine Angie-Garantie drauf.

  8. 4. Weg:
    Warum soll man die Spezialisierung eines Landes auf eine bestimmten Produktionszweig (hier: Autos, Panzer, Stahl, Hochtechnologie) abwürgen? Besser ist es doch, den Exportüberschuss durch erhöhte Importe auszugleichen.

    Wobei man zu der eigentlich interessanten Frage kommt, wo das Geld aus dem Exportüberschuss landet, wer also vom Exportboom am meisten profitiert. Und wie man das Geld in Importe umlenkt.

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