Grundkurs zur monetären Alphabetisierung_____________________________ Teil2 – der Denkfehler „Tauschwirtschaft“


Die etablierten ökonomischen Vorstellungen aber auch viele alternative Denkschulen wie z.B. die Freiwirtschaft oder die Monetative haben ein fundamentales Problem. Ganz am Anfang des Aufbaus eines „ökonomischen Denkgebäudes“ werden oft fundamental falsche Grundannahmen getroffen. Logischerweise ist es so, dass wenn die Grundannahmen falsch sind, auch die darauf aufbauenden Überlegungen kaum zu gebrauchen sind.

Grundannahme Tauschwirtschaft – die Mutter aller ökonomischen Irrtümer
Die meisten Ökonomen treffen die Grundannahme einer real gar nicht existierenden Tauschwirtschaft. Wenn wir Selbstversorger wären, könnten wir tatsächlich Überschüsse tauschen – aber wir haben real eine hochgradig arbeitsteilige Wirtschaft!

Ist arbeitsteilig wirtschaften nicht auch tauschen?

Auf den ersten Blick scheint es zwar mit der arbeitsteiligen Wirtschaft nicht anders zu sein. Tauschen wir nicht beim Händler unser Zwischentauschmittel Geld-Ding gegen Ware ein? Und beim Arbeitgeber unsere Arbeitsleistung gegen Geld-Ding – was haben wir übersehen?

Die Zeit – es wird vergessen, dass bei der Wertschöpfung viel Zeit vergeht

Die arbeitsteilige Wirtschaft hat eine grundlegende Besonderheit. Die eigentlichen Wertschöpfer und auch die vielen Menschen welche von deren Abgaben leben 😦 , müssen ein Einkommen in Geldguthaben haben bevor der Endverbraucher die Ware bezahlen kann. Bitte bedenken Sie jetzt noch, dass der für heutige Wertschöpfungsverhältnisse typisch große Einsatz von Investitionsgütern nur über viele Jahre per Abschreibung auf den Konsumgüter – Produktpreis umgelegt werden kann. Dies ist insbesondere das Einkommen der mit der Investitionsgüter- und Vorprodukte-Herstellung beschäftigten, welches über sehr viele Jahre vorfinanziert werden muss.

Geldsystemaufgabe = Überbrückung des Zeitbedarfs für arbeitsteiliges Wirtschaften

Wirtschaften ist also offensichtlich auf der monetären Ebene gar nicht vom Tausch von „Überschuss-Fertigprodukten“ sondern von der Vorfinanzierung der Wertschöpfung geprägt. Natürlich schafft menschliche Arbeit die eigentliche Wertschöpfung, aber das Einkommen der Menschen bedarf eben der Vorfinanzierung.

Realitäts- Check – Tauschwirtschaft versus Vorfinanzierungswirtschaft

Machen Sie sich selbstständig oder denken Sie mal drüber nach, was dafür zu tun wäre. Warum sind Sie noch nicht selbstständig? Ist es nicht das Risiko der Vorfinanzierung Ihres potentiellen Leistungsangebots und der Verzicht auf ein sicheres von Dritten vorfinanziertes Einkommen? Oder ist Ihnen selbstständiges Tauschen zu langweilig? 🙂

Wirtschaften ist nicht Tauschen – das Wichtigste für unseren Kurs?
1. Das Geldsystem dient nicht der Tauscherleichterung, sondern der Vorfinanzierung der Wertschöpfung – Tauschmittel-Theorien können ins Altpapier.

2. Es gibt so etwas wie eine „gute Verschuldung“, welche uns hochproduktive arbeitsteilige Wertschöpfung durch Überbrückung des Zeitbedarfs ermöglicht.

3. Einkommen müssen vorfinanziert werden – also muss erst der Kredit sein und dann erst können Einkommensbestandteile als Guthaben gespart werden.

4. Wir sprechen also keineswegs über einen Skandal, wenn wir in den nächsten Beiträgen lernen, wie Geld-Guthaben aus Kredit entsteht.

5. Mit der Erkenntnis der richtigen Reihenfolge von zuerst Kredit und danach Guthabenausweitung können wir erkennen, warum unser Geldsystem auch ohne Bargeldhortung nicht neutral ist. Dies ist wichtig, um die genauen Wechselwirkungen zwischen Finanzsystem und Wirtschaft und die trotz Krise bisher übersehenen Systemfehler zu erkennen.

hier geht es weiter mit Teil  3 die Vorfinanzierungswirtschaft als Robinsonade

Links/Hintergründe/Vordenker
Filmausschnitt von „Der Geist des Geldes“ mit Prof. Dr. Otto Steiger (R.I.P.). Steiger war zusammen mit Prof. Gunnar Heinsohn, Dr. Paul C. Martin, Prof. H.C.Binswanger einer der Vordenker des vorfinanzierten Wirtschaftens. Ich teile ausdrücklich aber nicht alle Schlüsse, welche diese Herren aus dem Vorfinanzierungsbedarf des Wirtschaftens gezogen haben – dazu im Laufe des Kurses noch mehr.

14 Kommentare zu „Grundkurs zur monetären Alphabetisierung_____________________________ Teil2 – der Denkfehler „Tauschwirtschaft““

  1. @Ron

    es ist doch eine elende Heuchelei der Scheinliberalen, dass es verboten ist in Sachwertgeld zu sparen oder zu tauschen.

    In der Realität haben wir nur die Schuldenprobleme, weil anderer Leute Schulden(möglichst noch mit Muttigarantie) natürlich der Haltung der Sachwerte auf eigenes Risiko vorgezogen wird.

    Ich mach übrigens auch Regios – ist auch nicht verboten, nur wenig nachgefragt.

  2. Free-banking und die freie Wahl im Geld löst alle Probleme. Ganz einfach: Wir sollten keine Geldsysteme verbieten. Somit darf es auch ruhig Schuldgeldsysteme geben. Jedem steht es dann frei, sich für das (in seinen Augen) „richtige Geld“ zu entscheiden.

    Die Geldentstehung durch den indirekten Tausch klingt sehr logisch und ist in meinen Augen die einfachste und natürlichste Art, wie Geld entsteht.

    Ich würde also in jedem Fall Geld als „Sachwert“ vorziehen und halte von Schuldgeld nicht viel.

    Aber warum das eine oder das andere verbieten? Regelt dies der Markt nicht selbst? Setzt sich das bessere nicht durch und sollte man als Mensch nicht die Möglichkeit haben, selbst zu entscheiden – anstelle eines diktierenden Staates?

  3. @Ferdinand

    danke, dass Du hier mal was schreibst. Die Verzögerung der Freischaltung ist auch nur beim ersten Beitrag zum Spamschutz

    Also ich bin nicht so der Historiker wie PCM – auf alle Fälle wirtschaften wir heute arbeitsteilig und dies hat sich aufgrund des Produktivitätsgewinns wohl ganz gut bewährt.

    Und wenn wir arbeitsteilig wirtschaften wollen, dann müssen wir vorfinanzieren. Mit der Historie magst Du gern recht haben.

    lG Jörg

  4. die „hochgradige Arbeitsteilung“ reicht mir als Begründung, dass Geldwirtschaft keine Tauschwirtschaft mit Geldgebrauch ist nicht aus:

    In Nicht-geldwirtschaften, d.h. Stammes- oder Feudalgesellschaften oder ähnliches gibt es keine Wertrechnung und Güter werden nicht nach dem Wertprinzip, sondern durch Macht, Bedürfnisse, Reziprozität etc. „verteilt“, aber nicht „getauscht“

    Dem Geld geht ja der Schuldkontrakt voraus – weil eine Schuld im vereinbarten Schuldendeckungsmittel (Geld) beglichen werden muss, entstehen Märkte und der vermeintliche „Tausch“ – das ist eine These von der genau umgekehrten Kausalität der Tauschwirtschaftler: Nicht der Markt und der Tausch schafft das Geld zur Erleichterung; sondern der Schuldkontrakt schafft Geld, Märkte und das, wass dann als Tausch interpretiert wird.

    Die Arbeitsteilung ist daher eine Folge des Geldes, aber nicht Ursache oder konstitutiv.

    Beste Grüße,
    Ferdinand

  5. Hallo Jörg, es gab schon mal ein Interview mit Peter König bei Radio Joytopia, falls mal jemand reinhören will:
    [audio src="http://media3.roadkast.com/joytopia/joytopia_net_radiojoytopia_0007_20070627.mp3" /]
    und:
    [audio src="http://media3.roadkast.com/joytopia/joytopia_net_radiojoytopia_0008_20070626.mp3" /]

    Viel Spass.
    Jana

  6. Danke Herr Degenhardt,

    leider sitzt Binswanger einem Problem auf was im Fachbegriff Problemverschlingung heist -es setzt Gewinn mit Geldvermögenswachstum = Verschuldungswachstum gleich – komm ich aber noch zu

  7. Hier hat wohl jemand Band 2 und 3 gelesen und verstanden!
    Alles richtig und verständlich beschrieben.

  8. Hallo Herr Dehn, danke, zu Zinsen und Monopolisierung kommen wir aber noch – in dem Artikel geht es erstmal um den Zeitbedarf der Wertschöpfung und die grundlegende Geldfunktion. Da ist Ihre Kritik leider zu unkonkret um darauf einzugehen.Vielleicht könnten Sie da bitte noch was nachreichen? danke JB

  9. hi, diese Aussagen sind sehr plakativ und schwer nachvollziehbar.
    Ob Tausch oder Zahlung, wir haben immer eine freie Vereinbarung.
    Wo diese Dinge monopolisiert werden liegt der Hund begraben.
    Ein wesentliches Merkmal der unfreien Wirtschaft, ja fast ein Existential ist der Zins, egal ob in Form von Rente oder wundersamer Geldvermehrung.
    Mit Hilfe dieser Vermehrung wird das Geld heilig. Es kann nur säkularisiert werden, wenn wir Zinsen nicht mehr anerkennen.
    Auch Pacht und Miete müßte als Dienstleistung definiert werden und könnte dadurch legalisiert werden.

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