Grundkurs zur monetären Alphabetisierung_____________________________ Teil 3 – Die Vorfinanzierungswirtschaft als Robinsonade


Im vorhergehenden Abschnitt haben wir erläutert, warum der Zeitbedarf der arbeitsteiligen Wertschöpfung den Vorfinanzierungsbedarf schafft. Dies klingt reichlich komplex und wir können nur in Bildern denken. Deshalb wollen wir uns jetzt ein paar Bilder zu den Beziehungen von Geld und Wirtschaft in der real existierenden Vorfinanzierungswirtschaft schaffen. Diese sollen die irreführenden Bilder ersetzen, welche man uns mit der real nicht existierenden Tauschwirtschaft mit umlaufenden „Geldding-Mengen“ geschaffen hat.

Wir denken uns dazu eine Robinsonade, bei der ein schiffsbrüchiger Banker Robinson zuerst allein als Selbstversorger auf seiner Insel von den Früchten der Natur lebt. Das Nahrungsangebot ist fiktiv recht monoton auf Kokosnüsse begrenzt – so wie auch in der realen Selbstversorgerwirtschaft wohl nur ein recht begrenztes „Konsumangebot“ verfügbar war. Der Banker Robinson ist ein leidenschaftlicher Fischesser, hat aber ausbildungsbedingt leider keinerlei Fähigkeiten erworben, die wohl im Meer reichlich vorhandenen Fische zu fangen.

Da trifft es sich gut, dass es jetzt auch noch einen Fischer „Freitag“ an unsere Insel spült. Freitag ist völlig entkräftet und bräuchte dringend Stärkung aus Robinsons Nuss-Vorrat. Nun ist Robinson aber fiktiv der Meinung, lieber eine arbeitsteilige Wirtschaft mit Geld auf der Insel einzuführen. Freitag würde schon sehen, wozu dies gut sei. Robinson möchte Freitag also die Nüsse nicht „einfach so“ sondern gegen fixierte Gegenleistung überlassen. Auch besitzt er eine Waffe, um sein Nuss-Eigentum gegen den ausgehungerten Freitag zu verteidigen.

Der Vorfinanzierungsbedarf von Freitags Wertschöpfung
Die Fische als geforderte Gegenleistung sind aber nicht in der Brandung direkt an der Insel zu fangen. Freitag braucht das Investitionsgut Floss um auf dem Meer erfolgreich zu fischen. 9 Tage würde Freitag brauchen, um ein Floss zum Fischfang zu bauen. 9 Kokosnüsse müsste er also bekommen, dann könnte er später für jede Nuss einen Fisch abliefern. Nur kann eben Freitag mit Robinson nicht Zug um Zug tauschen – Fisch gegen Nuss. Wäre direkter Tausch möglich, wäre unsere Geschichte hier zu Ende, wir bräuchten kein Geld. Aber so muss Robinson zuerst die Nüsse geben, ZEITlich später bekommt er (hoffentlich!) den Fisch zurück. Robinson muss also zum Gläubiger werden, der daran glaubt, dass Freitag später Fisch liefert.

bootbau

Die Dokumentation der Vorfinanzierungs-Salden ist das Geldsystem

Ja schön, meint Banker Robinson, die Kokosnuss-Schuldigkeit Freitags und das Fisch-Guthaben Robinsons müssten aber wegen der Unmöglichkeit des direkten Tausches hübsch dokumentiert werden. Vielleicht kommen ja bald noch mehr Schiffbrüchige und andere Wirtschaftsprodukte dazu? Also nennen wir die Sache nicht Fisch-Guthaben oder Kokosnuss-Schulden sondern Inseltaler-Guthaben und Inseltaler-Schulden. Und ein Fisch und eine Nuss bekommen jetzt erst mal einen Preis von einem Inseltaler kalkuliert.
tafel2

Risikoprämie + Nachfrageverzichtsprämie
Aber 9 Inseltaler Rückzahlung reichen nicht, meinte unser Banker Robinson. Ihm als Gläubiger stünden eine Risikoprämie und eine Nachfrageverzichtsprämie zu. Was wenn der Floss – Bau scheitert oder Freitag beim Fischen verunglückt? Vor allem könnte er ja nun selbst weniger von seinen riskant erkletterten Nüssen essen, da der Freitag nun auch noch mit ernährt werden muss. Berechtigterweise stünden 10 Inseltaler zur Rückzahlung an.

auch noch ein Pfand?
Zusätzlich müsse Freitag sein Floss als Sicherheit für den Kredit abtreten, um das Risiko für Robinson wenigstens etwas erträglich zu machen. Dies alles gefiel Freitag nicht wirklich, aufgrund seiner Notlage willigte er aber dennoch in das Geschäft ein.

fischfang

Der gute Freitag bekommt nun also vom Banker Robinson einen Kreditrahmen über 10 Inseltaler eingeräumt. Da es auf der Insel kein Papier gibt, können wir kein Bargeld drucken. Die Schuld Freitags und das Guthaben Robinsons werden einfach täglich an dem Brett an der Palme angeschrieben. Obwohl unser Inseltaler in Ermanglung einer stofflicher Dokumentation als Münze oder Papier rein virtuell ist, wird er durch diese mit Sanktionen bewehrte Leistungspflicht = Tilgungspflicht des Schuldners (Freitag) und die daraus entstehenden Ansprüche der Guthabenhalters (Robinson) ganz real.


Der Tilgungsplan

Ohne Tilgungspflicht wäre der Kredit natürlich ein Geschenk, deshalb hat Robinson einen seiner Meinung nach leistbaren Tilgungsplan aufgestellt. Die neun Tage für den Flossbau sind tilgungsfrei, ab dem 10 Tage muss Freitag täglich einen Inseltaler tilgen. Am 9. Tag wird zusätzlich der von Robinson verlangte Zuschlag von einem Taler eingebucht. Robinson weist Freitag nochmals auf seine Waffe hin und droht Konsequenzen an, wenn die Tilgung nicht fristgerecht erfolge – so wären nun mal die Spielregeln mit dem Geld.

Die Tafel zeigt nun beispielhaft den Kontostand am 9. Tag abends, als die Vorfinanzierung von Freitags Wertschöpfung abgeschlossen ist.

geldschopfung


Ein Saldo-Brett als Modell für das ganze System?

Das Brett an der Palme haben wir nun zum Finanzsystem erklärt, Guthaben und Schulden in Inseltaler werden dort angeschrieben, also einfach gebucht. Da wir nur eine Bank haben, entfällt ein Zwischenbanken – Zahlungsverkehr. Hier wollen wir uns wie beim Verzicht auf die Ausgabe von Inseltaler – Bargeld nicht vom Kern der Dinge ablenken lassen.

Wir bleiben im Kurs beim realwirtschaftlichen Bezug des Finanzsystems

Natürlich werden Einwände kommen, dass diese Vereinfachung unseres komplexen 2stufigen Geldsystems zu falschen Schlüssen führt. Aber an den realwirtschaftlichen Ansprüchen und Verbindlichkeiten unserer beiden Helden würde sich offensichtlich nichts ändern, wenn wir Ansprüche oder Verbindlichkeiten auf Papier verbriefen oder ein Zentralbanksystem dazuschalten?!
tafel


Was ist nun also Geld? – anderer Leute (hoffentlich) besicherte Schulden!

Wenn wir über Geld haben sprechen, sprechen wir über „Guthaben“bzw. exakter Forderungen. Ich bleibe aber bei dem umgangsprachlicheren Guthabenbegriff. Auch das vermeintlich „dingliche“ Bargeld ist nur eine Verbriefung von Guthaben. Guthaben sind anderer Leute Schulden, ein realwirtschaftliches Angebot zu liefern. Diese realwirtschaftliche Angebots-Schuld wird auf der „Geldebene“ mit Sanktionen/Pfänder und Tilgungsfristen belegt. Im Falle von Staatsschulden schuldet der Staat die Besteuerung seiner Bürger und diese sind quasi auch die Bürgen – deswegen ja auch StaatsBürger. 🙂


Das Salden Brett ist richtig nett

Dort können wir die wichtigsten Zusammenhänge des Geldsystems erkennen

Schuldenhöhe = Guthabenhöhe

bedeutet,
wenn (Bank+Versicherungs) Guthaben wachsen sollen, müssen Schulden wachsen.
wenn Schulden sinken sollen, müssen (Bank+Versicherungs) Guthaben sinken.

Jetzt haben Sie es sicher auch begriffen, das richtig große Problem?
WARUM die Sache auch politisch so verzwickt ist?

Fast alle wünschen sich steigende (Bank+Versicherungs) Guthaben – dagegen will fast niemand steigende (Staats) Schulden – eine tautologische Unmöglichkeit. Diese leitet sich sicherlich aus dem persönlichen Blickwinkel auf Guthaben und Schulden her. Ist nicht aus dem persönlichen Blickwinkel auch das Bild von der Erde als Scheibe entstanden?
scheibekugel

Wenn Sie jetzt bitte noch bedenken, dass Guthaben minus Schulden immer null ist, es also auf der Erde „unter dem Strich“ gar keine Geldvermögen, Schulden, Guthaben gibt? Der persönliche Blickwinkel trügt – wir kommen nur mit dem Blick auf das ganze System zu einer Bewertung. Wir wollen uns deshalb jetzt weitere Bewertungen und Handlungsvorschläge aufschieben, bis wir in der nächsten Folge die kompletten monetären Mechanismen mit der Realwirtschaft betrachtet haben.

tafel


Vorsicht Denkfalle – Geldschöpfung ist keine Geldvermögensschöpfung

Robinson hat 10 Inseltaler Guthaben Geldvermögen, Freitag hat 10 Inseltaler Schulden – also negative Geldvermögen. Auf dem Brett = Bankensystem wird dies nur dokumentiert. Diese Dokumentation nennt man Geldschöpfung. Dabei entstehen aber keine Geldvermögen des Bretts/Banksystems. Eine Bank bekommt also bei der sogenannten Geldschöpfung kein Geldvermögen geschenkt und dies ist nicht etwa ein krimineller Vorgang. Wir denken natürlich spontan bei dem Wort Geldschöpfung an eine Geldvermögensschöpfung – dies ist ein auch bei „Geldsystemaufklärern“ beliebter Denkfehler.


weitere Thesen für künftige Vertiefung

In der Vorfinanzierungswirtschaft sind offensichtlich Zwänge wie sanktionsbewehrte Tilgungspflichten und Pfandrechte im Spiel. Dies wird Menschen mit eher solidarischen/sozialen Wertevorstellung nicht gefallen. Die Konsequenzen eines alternativ solidarischeren Verhaltens von Robinson sind also ein spannendes Thema für die Diskussion grundlegender gesellschaftlicher Alternativen.

In der nächsten Folge kommen wir nun erst mal zu den realwirtschaftlichen Beziehungen von Geld und Wirtschaft – auch zur Nichtneutralität des Geldes in der Vorfinanzierungswirtschaft.

Und natürlich wollen wir sehen wie unsere Insel-Geschichte weitergeht — funktioniert die Sache? hier geht es weiter

 

29 Kommentare zu „Grundkurs zur monetären Alphabetisierung_____________________________ Teil 3 – Die Vorfinanzierungswirtschaft als Robinsonade“

  1. Hallo allerseits,
    ich habe diese Diskussion hier leider erst jetzt entdeckt und weiß nicht, ob mein Beitrag noch bis zu @SilberFuchs durchdringen wird. Aber unabhängig davon möchte ich mich zur Frage nach dem „fehlenden Zins“ zu Wort melden, da ich in allen Antwortversuchen hier einen, oder besser gesagt „den springenden“ Punkt vermisse.

    Der Fehler bei dem Argument mit dem „fehlenden Zins“ liegt in den impliziten Voraussetzungen des zumeist beschriebenen Szenarios:

    1) Der Kreditgeber „hat“ bereits zu beginn „Geld“.
    2) Der Kreditgeber nimmt nicht am (Real-)Wirtschaftsleben teil.
    3) Geld kommt nur durch Kredite bei solchen Kreditgebern in Umlauf.

    Unter diesen Voraussetzungen „fehlt das Geld für die Zinsen“ tatsächlich.

    Doch diese Annahmen entsprechen nicht der Realität.

    Der wichtigste Punkt ist 3) – Banken „schöpfen“ auch beim Ankauf von „forderungslosen“ Aktiva (Arbeitsleistung ihrer Mitarbeiter, Büropaläste, Gold, Aktien…) Giralgeld das dadurch in Umlauf kommt und zur Zins-Zahlung verwendet werden kann.

    Natürlich nehmen Banken am Wirtschaftsleben teil und solange Gewinne des gesamten Bankensektors nicht zu einer Erhöhung seines Eigenkapitals durch erhöhtes Geldvermögen verwendet werden, gelangt der Gewinn in Form von Geld in die Taschen (besser: die Konten) der Eigentümer und steht sehr wohl potentiell dem Wirtschaftskreislauf zur Verfügung. Gleiches gilt für die Sparzinsen.

    Das heißt, dass in der Realität unseres Wirtschaftssystems „das Geld für die Zinsen NICHT fehlt“.

    Es gilt immer: Geld fehlt nicht prinzipiell, sondern es ist nur an den falschen Stellen…

  2. @Erhard:

    „Weiterhin Schöpft die Notenbank nach wie vor Geld ohne dafür Schulden zu erzeugen.“

    Erläuter das bitte mal. Meinst du damit das Bargeld? Das steht bei der Zentralbankbilanz auf der Passivseite und damit muss auf der Aktivseite auch etwas (in Höhe der Bargeldmenge) stehen.

    Wie kommst du also darauf das die Zentralbank Geld ohne Schuld schöpft?

    Wenn das so wäre dann würde ja dieses deiner Meinung nach ohne Schuld geschöpfte Geld OHNE eine Aktivseite in der Bilanz der Zentralbank stehen. Wie das gehen soll ist mit schleierhaft.

    Hier auf Seite 3 im Dokument:

    http://www.bundesbank.de/download/ezb/pressenotizen/2011/20110920.ausweis.pdf

    Da du wahrscheinlich mit dem Begriff „Geld“ ein „Geld-Guthaben“ meinst muss zwangsläufig der Gegenpart einer Schuld da sein.

  3. @Erhard

    danke für die Nachfragen

    „Zum Einen ist es so, dass die Banken nicht unendlich viel Geld schöpfen können, es gibt da eine Mindestreserve, die von der Notenbank festgelegt wird.“

    Notenbankguthaben der Geschäftsbanken entsteht, wenn eine Geschäftsbank ihre Pfänder(i.d.R.Staatsanleihen) bei der Zentralbank in Pension gibt. Dieses Notenbankguthaben können die GB verbriefen lassen(Bargeld)
    Es ist also quasi ein Veredelungsprozess für BESTEHENDE Schulden bei der Geschäftsbank durch bessere Besicherung der Zentralbank. Natürlich könnte die Zentralbank weniger „veredeln“ und damit auch die Kreditvergabe irgendwann verknappen.

    Nur ist die gar nicht Knappheit – uns fehlen gerade die solventen Kreditnehmer für die hohe Nachfrage nach Schuldscheinen durch die Geld-Sparer. Die Notenbank kann diese nicht herbeizaubern – Sie kann nur mit QE die Staatsschulden als gute Schulden bei Werthaltigkeit halten, da versagt die EZB wegen ideologischer Fehlschlüsse gerade gewaltig.

    „Weiterhin Schöpft die Notenbank nach wie vor Geld ohne dafür Schulden zu erzeugen.“

    Hast Du irgendwelche Belege für die Vermutung? siehe oben – n.m.E. ist das Zentralbankgeld nur ein Derivat von Geschäftsbankenkrediten. Allerdings haben die Zentralbanken ein kleine Menge Nettogeld – ihre monetisierten Metallbestände.

  4. Eure Diskussion gefällt mir sehr gut. Trotzdem habt ihr, aus meiner sicht ein paar Deteils einfach ignoriert.
    Zum Einen ist es so, dass die Banken nicht unendlich viel Geld schöpfen können, es gibt da eine Mindestreserve, die von der Notenbank festgelegt wird. Weiterhin Schöpft die Notenbank nach wie vor Geld ohne dafür Schulden zu erzeugen.

    Es würde mich interessieren, wie ihr diese Fakten in eure Überlegungen miteinbezieht.

  5. Ich würde gerne verstehen, warum Schuldenhöhe = Guthabenhöhe ist.

    Robinson besitzt seine Arbeitskraft und ein daraus erwirtschaftetes Guthaben (9 selbstgepflückte Nüsse). Freitag besitzt bei seiner Ankunft nur seine Arbeitskraft. Kontostand Robinson +9 und Freitag 0, Schuldenhöhe ungleich Guthabenhöhe.

    Erst wenn Robinson sein Guthaben Freitag leiht, ist Freitag im Minus. Kontostand Robinson +9 und Freitag -9, Schuldenhöhe gleich Guthabenhöhe.

    1. @Suchender

      Ja – Sachwerte existieren „netto“ – wir betrachten hier aber Wirtschaften mit Geld. Geld existiert nicht netto – da gilt Guthaben = Schulden.

  6. @Silberfuchs: Der angeblich fehlende Zins kommt entweder (A) von überlappenden Kreditvergaben (anderer Marktteilnehmer) oder (B) auch durch schrittweise Tilgung.

    zu A) Es ist ja nicht so, dass alle Kredite aller Marktteilnehmer zu einem Zeitpunkt (ober gar jemals gleichzeitig) getilgt werden, also ist noch Geld aus anderen Krediten vorhanden, wenn der Zins fällig ist.

    zu B) Dies ist vielleicht leichter verständlich:

    1. S nimmt 1000€ Kredit bei G zu 10% Zins über ein Jahr auf. Der Zins sei ganz am Anfang fällig (also als Disagio). Nun hat S als0 1000€-100€ (Disago) macht 900€ in bar und 1000€ Schulden.

    2. S kauft nun für 900€ eine Maschine und nimmt im Laufe des 1. Jahres damit z.B. 900€ ein (mehr ist in diesem Modell ja auch nicht im Markt – außer S gäbe Einnahmen im Laufe des Jahres wieder aus).

    3. Auch G kauft im Laufe des Jahres Leistungen von S im Werte von zusätzlichen 100€.

    4. Am Jahresende hat S also 1000€ und 1000€ Schulden. S tilgt nun mit den 1000€ seine Schulden bei G.

    Das Problem liegt also nicht im _grundsätzlich_ fehlenden Zins, sondern i.d.R. in Schritt 3. Denn wenn G seine Zinseinnahmen nicht verkonsumiert, _dann_ geht die Rechnung nicht auf.

    Alles Gute wünscht
    … Michael

  7. @Silberfuchs – ein Zahlungsmittel entsteht, wenn Schuldverhältnisse durch besondere Besicherung umlauffähig werden. Wenn wir beide einen Wechsel gegenzeichnen, ist dieser vielleicht auch umlauffähig. Wir haben dann Geldschöpfung aber keine Geldvermögensschöpfung betrieben.

    Die ganze Skandalisierung der Gelschöpfung liegt in der Verwechselung von Geldschöpfung(Nullsummenspiel für die Bank) und Geldvermögensschöpfung, also wenn Du ein Guthaben für Deine Leistung bekommst.

  8. @ alpe

    „Wo soll denn beim allerersten Kredit in der Welt bitte der Kreditgeber das Geld für diesen allerersten Kredit herhaben?“

    Ich glaube in dem Punkt bist du auf dem Holzweg. Geld ist heute die Verbindung von Schuld und Guthaben durch einen juristischen Vertrag, den Kreditvertrag. Und Verträge müssen eingehalten werden. Dies ist der ausschließliche Grund für die „Werthaltigkeit“ von digitalen Zahlen bzw. Papierscheinen. Der Rechtstaat wacht darüber das die Schuldner legal an das Guthaben herankommen müssen. Zerfällt der Rechtsstaat zerfällt auch unser Guthaben da niemand mehr die Schuldner zwingt an Guthaben herankommen zu müssen.

    Angenommen es existiert kein Geld. Dann gehe ich in die Bank und unterschreibe einen Kreditvertrag und setze eine Sicherheit ein als Pfand z.B. mein Haus. Und erst NACH dem Moment meiner Unterschrift darf die Bank aus dem Nichts das Guthaben erzeugen in Höhe meiner Schuld. Der Kreditgeber (die Bank) braucht als gar kein erstes Geld sondern nur einen „Dummen“ der sich verschuldet und DANN erzeugt Sie in derselben Sekunde das Guthaben. Man könnte zynisch sagen das wir uns im Prinzip SELBST das Guthaben erzeugen z. B. in Höhe unseres Eigentums das wir mit einer Schuld belasten wollen.

    Also zusammengefasst Geld ist heutzutage ein juristisches Konstrukt.

  9. @alpe

    kann keinen widerspruch erkennen, zwischen Deinen Aussagen und meinen?

    Dass Geld als Vorfinanzierungsmittel den Zeitbedarf für arbeitsteilige Wirtschaft überbrückt ist offensichtlich. Das Sparen aber ein realwirtschaftlicher Vorgang aufbauend auf realen Nüssen vom vorhandenen Nussbaum ist, wird auch klar und benannt. Aber Geld brauchen wir gerade, weil wir jenseits der Subsistenz nicht zug um zug tauschen können. Die Vorfinanzierung eines Produkts dürfte heute teilweise bis zu 40 Jahre (Vorstufen/Abschreibungszeiten) dauern.

  10. @Silberfuchs

    Solche Verständnisprobleme wie bei Dir können nur auftreten, wenn man Geld tatsächlich als eigenständiges, unabhängig existierendes, enldiches Objekt auffasst, das man irgendwie sammeln und anhäufen und verteilen kann, wie z.B. Sand oder Fisch oder Nüsse oder, oder, oder.

    Diese Vorstellung ist aber unsinnig.

    Wo soll denn beim allerersten Kredit in der Welt bitte der Kreditgeber das Geld für diesen allerersten Kredit herhaben? Sagen wir die neun Taler aus dem Robinson-Beispiel? Es gibt keine ersten Ur-Geldmünzen, die irgendwo gefunden werden, dann gesammelt und wieder ausgeteilt. „Geld“ ist nur als gedankliches Konstrukt zu verstehen, das – und da ist auch Jörg Buschbeck zu widersprechen – als Austauschmedium zwischen Leistungen wirkt.

    Insofern „findet“ Freitag nicht auch irgendwo noch einen zehnten Taler, den er vorher von seiner Bank aber nie bekommen hat, sondern er zahlt dieses scheinbar nicht existierende „Mehr“, das über den ursprünglich ausgezahlten Betrag hinausgeht, in Form von mittels seiner Arbeit und seinem Einsatz beschafften oder produzierten realen Gütern (z.B. eben Fischen) zurück.

    Es ist zentral, dies zu verstehen: Es gibt kein unabhängig existierendes natürliches Gut/Produkt/Rohstoff/Ressource/etc. „Geld“, das abgebaut werden könnte. Freitags Ressource, mit der er den zehnten Taler – und damit die über den anfänglich ausgeteilten Kredit von neun Talern hinausgehende Leistungsverpflichtung – bezahlen kann, ist seine _Arbeitsleistung_.

    Und die haben wir alle. Letztlich tauschen Robinson und Freitag nur persönliche Arbeitsleistung untereinander aus. Diese manifestiert sich im Beispiel in Nüssen und Fischen und in 2. Ordnung – und dies lediglich aus Gründen der Berechenbarkeit, Aufteilbarkeit und Tauschbarkeit – in Form von Geldeinheiten.

    Insofern muss auch Jörg Buschbecks Verständnisvolte vom Geld als Tauschmittel zum Geld als Vorfinanzierungsmittel, auf dem seine gesamte Argumentationslogik aufbaut, wieder revidiert und in ihre ursprüngliche Reihenfolge zurückverkehrt werden. Ganz am Anfang (sozusagen bei Adam) steht _erst_ die reale, natürliche Ressource (im einfachsten Fall Arbeit), die dann gegen andere Produkte/Ressourcen/Güter/was auch immer getauscht werden kann, bzw. diese „kaufen“ kann. Adam und Eva (Robinson und Freitag) können das noch ohne Geld. Wenn dieser Vorgang aber hinreichend kompliziert wird (wie in unserer modernen Gesellschaft), wird Geld als vereinfachendes Medium unverzichtbar.

    Ergo: Vorfinanzierung geschieht immer nur auf Basis von etwas bereits _vorher_ _real_ erschaffenem oder vorhandenem (im abstraktesten Fall menschlicher Arbeitskraft). Geld steht _nie_ am Anfang von allem. Jörg, Deine Logik hinkt.

    Nun denn. Ich hoffe, ich habe zur Aufklärung und nicht zu weiterer Verwirrung beitragen können.

  11. Ich mache sonnenheizungen nicht sonnenstrom und bitte melde Dich mal mit einer „festen eingabe“ an – dann muss ich nicht immer wieder jeden Beitrag freischalten. dankeschön

  12. Der Preisverhältnis von Silber ist ja derzeit 1:45 zu Gold. Aber physisch für Investoren ist derzeit 5x weniger Silber als Gold verfügbar! Klingt unglaublich, aber ich hänge der These an das Silber demnächst für einen kurzen Peak genauso teuer ist wie Gold! Liegt einfach daran das Gold gehortet wird, Silber dagegen wurde seit Jahrzehnten in Kleinstmengen in der Industrie verschleudert und liegt jetzt auf unseren Müllhalden. Es kommen noch ein paar andere Dinge dazu (Massive Short Manipulation an der COMEX durch J.P. Morgan). Das heißt eine künstliche Preismanipulation nach UNTEN seit Jahrzehnten. Ich glaube es ist keine Übertreibung von einer historischen Anomalie zu sprechen. Und Silber wird gebraucht, Gold ist ja prinzipiell nutzlos. Ich dachte da Sie im Solarbereich tätig sind (die brauchen ja Silber) hätten Sie davon gewußt?!

  13. zu 1. nochmal der Versuch einer kurzversion.
    Der Zins fehlt nicht prinzipiell,

    weil man mit Geld so lange (Zins)Ausgaben bezahlen kann, bis es entweder vernichtet(Kredittilgung) oder blockiert(Guthabenausweitung)wird.

    Deswegen fehlen nur diese beiden Dinge(Kredittilgung und Guthabenausweitung) im Wirtschaftskreislauf

    zu2.

    Du bist ja ein echter Schlaufuchs – ja, so was ähnliches brauchen wir- die europäische Saldenunion die nicht rettet, sondern prolongiert bis die deutschen endlich ihre Nachfrageschulden tilgen wollen – und wenn es 300 Jahre hin ist – dann müssen wir eben 300Jahre prolongieren.

    von Metall habe ich wenig Ahnung – für Gold spricht wohl aktuell, dass die Investoren mit viel Geld auf das Gewicht des Fluchtgepäcks achten müssen. 🙂

  14. zu 1. Ich erahne so in etwa was Sie meinen aber trotzdem fehlt mir eine griffige Erklärung warum der Zins nicht fehlen soll. Vielleicht können Sie da ja mal ein Video auf Youtube dazu machen mit Schritt für Schritt Erklärung.

    zu 2. Es könnten sich ja alle Defizitländer und alle Überschussländer an einen Tisch setzen und dann legt man einfach fest (UN-Verträge), das solange in den Überschussländer (zuviel) gespart wird, die Defizitländer einen zeitlichen „Bonus“ bei der Tilgung bekommen. Das kann man ja alles noch genau ausrechnen wie hoch der sein soll + einen Automatismus einführen. Sobald die Überschussländer weniger oder keine Überschüsse mehr machen wird auch der zeitliche Tilgungsbonus der Defizitländer kleiner bzw. geht wieder auf null.

    Kleiner Zusatz: Ich glaube mit ihrer Erkenntnis „Schulden haben eine zeitliche Tilgungsfrist, Guthaben aber nicht“ haben Sie DIE Ursache für die Geldsystemprobleme herausgearbeitet!

    Noch ein Zusatz: Was halten sie von der These das Silber -derzeit- seltener ist als Gold.

  15. @Silber Fuchs
    zu1.
    – wenn Du ein Geschäft aufmachst -brauchst Du eine Finanzierung bis zum Break Eaven Point, wo deine Einnahmen erstmalig deine Ausgaben übersteigen. Deinen Investitionskredit tilgts Du vielleicht über 7 Jahre – der Break Eaven sollte nicht so weit hin sein.

    Geld kann mehrfach verwedet werden!!!

    – einmal zum Zinszahlen – morgen zum Brötchenzahlen – übermorgen kauft es ein Auto. Es muss also kein Geld für eine Zinsmenge geschöpft werden – es muss nur die Liquidtät für die Zeit zwischen den Einnahmen gegeben sein – Robinson könnte ja auch noch mehr fisch nachfragen und Freitag zum Guthaben verhelfen! Mit dem Kunstgriff 10 Inseltaler habe ich nur eben die Liquidität die immer da ist, mit simuliert. Der konsumierte Zins fehlt nicht und nirgendwo. Er erhöht aber das Sparproblem!

    zu 2.
    dies sehe ich auch so – ist nur rechtlich nicht einfach in solche Privat-Kontrakte steuernd einzugreifen?

  16. Ja aber bei der Robinsonade verstehe ich eben nicht wieso der Zins in den Kredit integriert wurde. Na ja aber ich glaub da reden wir aneinander vorbei. Weiß auch nicht genau wieso 😉 Meine Bank legt mir doch zum Kredit nicht den Zins mit dazu sondern sagt zu mir: Hier hast du den Kredit, aber nun geh los in die weite Welt und besorge den Zins.

    Aber zu 2. Nein ich meinte Verlängerung, nicht Aussetzung! Das heißt eine Art festgeschriebener Automatismus (z.B. länderübergreifend). Wenn das eine Land sagen wir mal 1% zuviel spart werden automatisch im anderen Land alle Schuldverträge zeitlich um 1% verlängert. Die Zahlen sind nur einfach mal so fiktiv aber der Grundgedanke dürfte klar sein. Aber natürlich KEINE Aussetzung sondern nur ein fairer zeitlicher Ausgleich für den Schuldner wenn sein gegenüberliegender Guthabenbesitzer zuviel spart. Funktioniert natürlich auch in die andere Richtung.

  17. @Silberfuchs

    zu1. die Einzelkreditbetrachtung führt dann in die Irre, wenn man Sie ohne freie Liquidität macht. In der Realität ist freie Liquidät aber real vorhanden. Du kannst ja auch alles mit meiner Robinsonade simulieren.

    zu2. Ja – aber ein Kredit ohne Tilgungsverpflichtung ist ein Geschenk! Wir sollten die PIIGS jetzt schon prolongieren bis wir mal was von denen kaufen können – aber nicht die Tilgungsverpflichtung ganz aussetzen.

  18. Wenn ich Sie richtig verstanden habe ist das Problem das Schulden mit einer zeitlichen Tilgungsfrist belegt sind, die gegenüberliegenden Guthaben aber nicht. Die Schuldner müssen also pleite gehen wenn der Sparer sein Geld nicht „rausrückt“, aus falsch verstandenem Spareifer.

    Könnte man da nicht als Lösung einfach die Tiglungsfristen der Schuldner verlängern? Das heißt, je mehr die Sparer sparen desto länger haben die Schuldner Zeit zur Rückzahlung.

  19. Obwohl ich mich jetzt schon länger mit dem Geldsystem beschäftige, genau diesen einen Punkt mit dem fehlenden Zins habe ich bis heute nicht verstanden. Er fehlt doch!? Oder wo denke ich falsch. Und das bin ja nicht nur ich. Ich denke das verstehen die meisten nicht.

    Wenn der allererste Kredit in die Welt kommt, kann der Kreditnehmer nach einer bestimmten Zeit das erzeugte Geld wieder einsammeln aber WIE soll er den zusätzlichen Zins (in Geldeinheiten) auftreiben. Denn die Bank akzeptiert die Zahlung des Zinses ja nur in Geld, nicht in Waren. Klar, in Waren kann ich schon der Bank den Zins auf den Tisch legen aber in Geld nicht.

  20. @Silberfuchs, NEIN, in der realen Welt gibt es freilich eine gewisse Liquidität = Geldschöpfung, Kreditlinien über eigentlichen Finanzierungsbedarf hinaus. Dies vergessen immer diese ganzen Geschichten über den angeblich „fehlenden Zins“. Aber wenn Deine Liquidität sinkt, wirst Du versuchen zu sparen, und dies löst in Phase3 die Kettenreaktion wie in Teil4 aus.

  21. Die Realität bei Sparkasse XY sähe aber so aus das die Sparkasse XY dem Freitag einen Kredit von 9 Talern vergibt und obendrauf noch 1 Taler Zins. Nun kann Freitag sicher die 9 Taler zurückzahlen (sind ja per Kredit erzeugt worden) aber beim besten Willen kann er keine 1 Taler Zins auftreiben. Denn seine Schuldzinsen kann er ja bei der Sparkasse nur in Talern zurückzahlen, diese wurden aber nicht mit erzeugt(!).

    Hakt ihr Beispiel deshalb nicht daran das Robinson seinen Zins bereits in den Kredit „integriert“. DANN gehts natürlich. Aber in der „realen Welt“ gibt mir die Bank die Zinsen ja nicht mit!

  22. Nun ja, ich dachte dies hätte ich schon ganz vorsichtig beschrieben, Freitag haftet mit seiner Existenz! Der Robinson droht mit der Waffe Vollstreckung an. Diese „direkten“ Möglichkeiten haben Banken in Deutschland dagegen (noch 🙂 nicht. Aber Sie haben schon recht, seriöse Kreditvergabe/Geldschöpfung ist die Monetisierung von Pfändern.

  23. Was fehlt, Freitag kann keine Sicherheiten stellen und hat keinen Bürgen.
    Eine Bank würde einem, der nur eine gute Geschäftsidee oder handwerkliche Fähigkeiten kein Geld geben.

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