Gegenwartspräferenz als Zirkelschluss

Gastbeitrag Michael Hönnig

Ein Argument dafür, dass Finanzvermögen immer mit einem positiven Zins belegt sein müsste, ist die Gegenwartspräferenz. Menschen hätte lieber heute Geld als morgen, und daher müssten sie für den Verzicht (Kreditvergabe) entlohnt werden, also morgen dafür mehr Geld erhalten als sie heute verleihen – positive Zinsen eben. Doch sehen wir uns als Gedankenexperiment mal an, welche Zeitpräferenzen ein Mensch im Laufe seines Lebens bei 0% Realzins hätte (alle Preise sind zudem inflationsbereinigt).

Davon ausgehend, dass Eltern für den Lebensunterhalt ihrer Kinder aufkommen und dieses Kapital auch von diesen niemals zurückfordern. Meine Rechnung beginnt also im Alter von 20 Jahren, in dem ein Mensch durchaus auch in Industriestaaten auf eigenen Füßen stehen kann.

Beginnen wir also mit zwei 20jährigen Menschen, der sich ihre Ausbildung finanzieren müssen. Nun, dafür brauchen sie sicherlich heute Geld, haben es aber nicht. Sie werden sich dafür einen Kredit nehmen müssen (Lebensunterhalt, Studiengebühren etc.). Dass dies in vielen Gesellschaften von den Sozialsystemen übernommen wird, ändert nichts an den darunter liegenden wirtschaftlichen Zusammenhängen, nur tritt der Staat statt der Einzelperson als Schuldner auf. In diesen Jahren also Gegenwartspräferenz.

Nun sind die beiden betrachteten Menschen 5 Jahre älter, sie haben ihr Studium beendet und beide einen Job, in dem sie endlich gutes Geld verdienen. Da sie noch gewohnt sind, mit wenig aus zu kommen könnte sie also sparen. Außerdem möchten die beiden vielleicht später mal eine Familie gründen und ein Haus bauen. Sie wissen also, dass sie in ein paar Jahren mehr Geld brauchen werden als sie dann verdienen. Die nächsten 5 Jahre klingen für mich daher nach Zukunftspräferenz.

Nun haben sie weitere 5 Jahre später mit 30 Jahren eine Familie gegründet und bauen ein Haus. Das will finanziert werden und ihre Ersparnisse sind eine gute Basis für Eigenkapital, reichen jedoch nicht aus. Sie müssen sich weiteres Geld leihen, das sie erst über die nächsten 20 Jahre abzahlen können. Also 20 Jahre Gegenwartspräferenz.

20 Jahren weiter, die beiden sind nun 50, die sind Kinder aus dem Haus, und die Hypothek gerade abbezahlt. Doch in 15 oder 20 Jahren gehen die beiden in Rente und möchten auch dann noch von etwas leben. Zudem verdienen sie nun mehr als sie momentan brauchen, können also auch wieder sparen. Die nächsten 15 Jahre herrscht also Zukunftspräferenz.

Nochmal 15 Jahre später, sie sind nun 65 Jahre alt und gehen in Rente. Nun wird nach und nach ihr angespartes Vermögen aufgebraucht. Klingt nach Gegenwartspräferenz, doch wirklich? Gehen wir mal davon aus, dass sie 500.000 Euro sparen konnten und 4000 Euro pro Monat brauchen (das würde bei 0% Realzins knapp über 10 Jahre reichen), dann hätten sie Monat für Monat für 4000 Euro Gegenwartspräferenz, jedoch für den restlichen (fast die ganze Rentenzeit über größeren) Teil ihres Vermögens Zukunftspräferenz.

Im Alter von 75 Jahren ist nun das Angesparte aufgebraucht. Doch sie ist nicht arm, sie hat noch die Immobilie. Die verkaufen sie nun, ist sie doch sowieso zu groß geworden. Unter der Annahme, dass sie sich vom Eigenkapitalanteil in ihrer Immobilie ein kleines Apartment kaufen und von einer stationären Wirtschaft ausgehend hätten sie 500.000 Euro vom Verkaufspreis, von denen sie nochmals weitere ca. 10 Jahre gut leben können. Doch nach wie vor haben sie nur eine Gegenwartspräferenz von 4000 Euro monatlich, möchten jedoch den größten Teil ihres Vermögens in die Zukunft transferieren, um später davon leben zu können. Macht also weitere 10 Jahre Zukunftspräferenz.

Wer nun die Jahre gezählt hat, wird sehen, dass es ein paar Jahre mehr mit Gegenwartspräferenz als mit Zukunftspräferenz sind. So einfach ist die Rechnung aber nicht, denn es zählen nicht nur die Anzahl Jahre, sondern auch das saldierte Kapital, welches dem Kapitalmarkt angeboten bzw. von diesem aufgenommen wird. Zu der bisher eindimensionalen Zeitachse kommt also noch eine Kapitalachse, und die Fläche darunter, das Integral der Guthaben/Schuldenkurve, ist das eigentliche Saldo für die Zeitpräferenz.

Das habe ich einmal in Form einer Tabellenkalkulation gemacht, mit noch etwas realistischeren Zahlen als oben, mit dem Ergebnis, dass knapp über 3 Millionen EuroMonate (die Einheit, die sich durch das Integral ergibt ist Euro*Monate) Kredit pro Menschenleben zusammen kamen, aber fast 4,5 Millionen EuroMonate Geldanlage. Das sind auf die Lebensdauer eines Menschen verteilt im Schnitt ca. 15.000 Euro an Geldanlagen, für die sich gar kein Kreditnehmer finden würde. Nun, es gibt auch noch den Unternehmenssektor und den Staat als Kreditnehmer, die diese Lücke sicher füllen könnten.
Geldvermögen im Laufe eines Menschenleben
(Die grüne Fläche oben ist größer als die rote. Der Einschnitt in der roten Fläche ist das Jahr, in dem die Immobilie angeschafft wird. Der Einschnitt in der grünen Fläche ist das Jahr, in der sie verkauft wird.)

Statisch betrachtet müsste sich ohne Unternehmenssektor und ohne Staat unter diesen Umständen ein negativer Zins herausbilden, um das Gleichgewicht herzustellen. Es würde dann z.B. ein Anreiz geschaffen, die Immobilie bereits früher anzuschaffen, im Schnitt wenige Monate früher würde schon das Gleichgewicht wiederherstellen. Dynamisch betrachtet – immerhin wird ein von 0% verschiedener Realzins, egal ob negativ oder positiv, zu Umverteilungen führen – würde dies aber weitere Auswirkungen über die Lebenszeit haben, die den Rahmen dieses Artikels sprengen würden.

[Eine Bemerkung aber noch: Sollte die Immobilie zu einem höheren Preis verkauft werden können als sie einst gekostet hat, so verstärkt sich die Zukunftspräferenz, und zwar je 50.000 Euro Mehrerlös um ca. 9000 Euro die dann dauerhaft neue Schuldner suchten. Da sich verschiedene Anlageformen in ihrer real-Rendite aber annähern, wäre bei einem Realzins von 0% nicht von Preissteigerungen bei Immobilien zu rechnen.]

Im heutigen Geldsystem haben wir aber i.d.R. positive Realzinsen. Somit gilt die ganze Rechnung nicht mehr. Stattdessen funktioniert bei positivem Realzins die Logik: Wenn ich das Geld jetzt hätte, könnte ich es zu positivem Zins anlegen und hätte in der Zukunft noch mehr. Das Geld heute zu haben, wäre also mehr wert als es erst in der Zukunft zu haben. Daraus wird dann Gegenwartspräferenz geschlossen und daraus wiederum, dass Zinsen positiv sein müssten. Ein klassischer Zirkelschluss.

Als Schlussfolgerung möchte ich nicht behaupten, es herrsche grundsätzlich Zukunftspräferenz, aber Gegenwartspräferenz einfach voraus zu setzen und daraus abzuleiten, dass Realzinsen immer positiv sein müssten, halte ich mindestens für unwissenschaftlich.

19 Kommentare zu „Gegenwartspräferenz als Zirkelschluss“

  1. Ich bin, wie so oft, ganz Deiner Meinung, Michael. 🙂

    Danke fürs Schreiben der Artikel und Kommentare und die ganze Zeit die Du Dir dafür nimmst.

    Mich hatte nur interessiert wie Hr. Berand in seinem Modell einen über dem Arbeitseinkommenden liegenden Konsum abbildet und warum er meint die Zeitpräferenzrate sei dann immer noch positiv.

  2. Unabhängig davon, wie man es nennt, drückt die Zeitpräferenz aus, ob jemand lieber heute konsumiert und „morgen“ dafür leistet (Kreditaufnahme/Verschhuldung), heute leistet und konsumiert (den Kreditmarkt nicht selbst in Anspruch nimmt) oder lieber heute leistet und „morgen“ konsumiert (Kreditvergabe/Sparen).

    Auf den Intertemporaltausch bezogen:

    Kreditaufnahme (Verschuldung) bedeutet, Leistungsansprüche aus der Zukunft in die Gegenwart zu transfereieren.

    Kreditvergabe (Sparen) bedeutet, Leistungsansprüche in die Zukunft zu transferieren.

    Wollen bei 0% Realzins mehr Menschen Leistungsansprüche von der Gegenwart in die Zukunft transferieren, ist ein Gleichgewicht nur bei negativem Realzins erreichbar. Steht dem aber ein höherer Realzins des Bargeldes gegenüber, dann wird der Kreditmarkt verzerrt.

    Grüße
    … Michael

  3. (Die Software hier macht leider die kleiner-und größer-Zeichen kaputt.

    Was da oben in Klammern stehen sollte war:
    C = Y – S
    S kleiner 0
    C größer Y
    )

  4. Was mir da gerade auffällt:

    Barthel Berand schrieb:
    > Zeitpräferenz informiert uns
    > darüber, wie jemand sein
    > verfügbares Einkommen Y auf Konsum
    > C und Sparen S verteilt. Y = C+S.
    >
    > Da die Zeitpräferenz nur regelt,
    > wie hoch C und S im Einzelfall
    > sind, kann die Zeitpräferenz nicht
    > negativ sein. Sie regelt nur die
    > Aufteilung verfügbarer Mittel auf C
    > und S und liegt damit notwendig
    > zwischen 0,1% und 99,9% für C bzw. S

    Was ist nun wenn derjenige entspart bzw. Kredit aufnimmt? Dann wäre ja S negativ, oder? (C=Y-S, SY)
    Wenn ich also nun C oder Y (beide positiv) mit der Zeitpräferenzrate multiplizieren soll um auf ein negatives S zu kommen, müsste doch die Zeitpräferenzrate negativ sein, nicht?
    Oder wird Entsparen in diesem Modell anders abgebildet?

  5. Genau genommen geht es um den Transfer von Kaufkraft von der Zukunft in die Gegenwart (Kreditaufnahme/Verschuldung) und von der Gegenwart in die Zukunft (Kreditvergabe/Sparen).

    Ob ein Smartphone zu C der I gehört, ist an der daraus resultierenden Zahlungsreihe zu entnehmen. Führt es in der Zukunft zu (höheren) Einnahmen (als ohne), dann ist es zumindest zum Teil auch I. Ist es nur zum Spaß, dann ist es C.

    So gesehen wird auch nicht „in die Anschaffung einer Produktionsanlage ‚konsumiert'“. Es werden daraus zukünftige Einnahmen erwartet, also ist es eine Investition (I). Ob es eine Normalinvestition wird (abgezinste Einnahmen > abgezinste Ausgaben), steht auf einem anderen Blatt. Will er erst in 2 Jahren investieren, hat aber jetzt schon das Kapital, dann hat er ZUKUNFTSpräferenz! Irgendwie muss er das Kapital ja in die Zukunft transferieren, ob durch Bargeld, Kreditvergabe oder den Kauf von Gold, sei dahingestellt.

    Auch geht es bei Negativzins nicht um „zwangsweise kaufen“ (das wäre eher Freiwirte-Denke, die nicht meine ist), sondern um „Kreditmarkt räumen“.

  6. @Diskutanten:
    Ich habe mich gerade in die Argumente beiderseits eingelesen (und den Blog etwas nachgeholt 🙂
    Interessant, auch was die unterschiedlichen Auffassungen von Zeitpräferenz anbelangt. Eine Unterteilung in C und I ist jedoch gar nicht zweckmäßig (was ist z.B. ein teueres Smartphone?) was derzeitig von den Nachfragern gewünschte Produkte anbelangt. Strukturell natürlich sehr wohl, aber eben nur wenn es um strukturpolitische Fragen geht.

    Aggregiert bleibt somit die einzige Frage wie intensiv Austauschprozesse von statten gehen und was nun die heiß diskutierte (aggregierte) Zeitpräferenz für Rückschlüsse erlaubt. Schlussendlich verbindet man mit Y ja Vollbeschäftigung, Entschuldungskraft usw.

    Das eine negative Zeitpräferenz in diesem Sinne zu Stande kommen kann und auch zu Stande kommt, leuchtet vielleicht nicht sofort ein. Aber genau derartiges wird abgebildet in Form einer inversen Zinsstruktur.

    Hierzu ein anschauliches Beispiel. Ein Unternehmer steht vor der Wahl wann denn eine Investition den optimalen Nutzen für ihn erbringt. Er frägt:
    „Konsumiere“ ich heute die Anschaffung einer neuen Produktionsanlage oder doch lieber erst in 2 Jahren? Hmm, in 2 Jahren bringt sie mir wahrscheinlich mehr (Präferenz heute < als in 2J).

    Nun zum Thema eines konkreten Zusammenhangs zwischen Zeitpräferenz, Nachfrage und Preisniveau (Defla/Infla).
    Wie von Barthel angesprochen wird ja keiner zwangsweise kaufen wenn Negativzins herrscht. Jedoch sehr wohl wenn die Preise wieder anziehen! D.h. die Konsumation erreicht im Tiefpunkt des Preisverfalls ihren Tiefpunkt und zieht in dessen Umschwung wieder an. Ergo, die Steigung der Konsumation bezieht sich auf die zweite Ableitung des Preisniveaus sofern natürlich der Nachfrage/Preis/Nutzenmechanismus greift.

    Ich hoffe vielleicht zu dieser eine (Begriffs) Klärung oder einen neuen Ansatz für diese tolle Seite eingebracht zu haben.

  7. @Guido Lingnau: Genau, es gibt mehrere Gründe, warum Zukunfts- und Gegenwartspräferenz mal so und mal so sein können. Unser Geldsystem kann aber nur die eine Variante abbilden, weil der Glaube fest verankert ist, dass es unterm Strich immer nur Gegenwartspräferenz gibt.

    @Barthel Berand: Sie sagen also selbst, dass Sie unter bestimmten Umständen (unterm Strich) Zukunftspräferenz hätten (mit den 3 Mio verschieben Sie nämlich mehr in die Zukunft als Sie aus der Zukunft in die Vergangenheit holen). Ob das mit der Abschaffung der Zentralbanken die volkswirtschaftlich günstigste Lösung wäre, möchte ich nicht beurteilen. Aber wenn es ein wirklich freier Markt wird (und nicht etwa Golddeckung oder irgend eine andere Sachwertdeckung verlangt wird), dann würde der Gleichgewichtszins zeitnaher erreicht werden als im heutigen System (wo das erst durch einen großen Crash näherungsweise geschieht).

    Ansonsten bitte ich mich zu entschuldigen, bin gerade extrem knapp mit der Zeit.

  8. Hallo Herr Hönnig,

    sehr interessant Ihre Rechnung! Ich beschäftige mich seit einigen Jahren mit altersabhängigem Verhalten und Demografie. Und die Einteilung des Menschenlebens in sinnvolle Perioden ist Grundlagen von solchen Untersuchungen.
    Ob der Sparsaldo im Laufe eines Lebens den Kreditsaldo übertrifft, hängt aber wohl von den Umständen ab. Ein wesentlicher Umstand könnte die Einschätzung des eigenen Humankapitals sein (welches Einkommen kann ich durch Arbeit in meinem Restleben noch erzielen). Wesentlich ist auch die Erwartung an ein künftiges Transfereinkommen. Je niedriger das künftige Arbeitseinkommen + erwartetes Transfereinkommen im Verhältnis zur gewünschten künftigen Konsumsumme, desto geringer dürfte der individuelle als akzeptabel geltende Zins für eine Kapitalanlage ausfallen und desto höher dürfte die Geldsparquote ansteigen.
    Steigen die Kohortenzahlen an, muss das kein Problem sein, da die nächste, zahlenmäßig größere Generation gern damit ihren „Kreditsaldo“ ausgleicht. Unser Problem (Industrieländer + China) ist, dass die Kohortengrößen rückläufig sind.

  9. Nachtrag

    Sorry, ich hatte die Beantwortung Ihrer Frage vergessen:

    „Da wäre wir wieder beim Thema. Angenommen, Sie haben 100 Millionen Euro, wie viel davon geben Sie für Konsum aus und wie viel davon wollen Sie sparen? Wenn nun der Zins auf -2% sinken würde – würden Sie dann plötzlich alles JETZT verkonsumieren wollen? Vermutlich nicht. Vielmehr würden sie nach Möglichkeiten suchen, ihr Vermögen anders zu retten. Gold vielleicht – dummerweise denken alle so, kaum einer will noch verkaufen, viele aber kaufen: die Preise steigen uns unermessliche. Aktien? Die Wirtschaft ist gerade in einer Krise (sonst wären die Zinsen wohl kaum so niedrig – Stichwort: originärer Zins nach Wicksell), ob die Kaufkraft dadurch erhalten werden kann, ist mehr als fraglich. Was machen Sie?

    Ich stecke von den 100 Millionen soviel in Sachwerte, dass ich für den Rest meines Lebens ausgesorgt haben dürfte. Ich bin genügsam und lege 3 Mio. an. Für die restlichen 97 Mio. starte ich eine Kampagne zur Abschaffung der Zentralbanken und Einführung eines freien Marktgeldes.

  10. Hallo Herr Hönnig,

    „Wie Sie sehen, nicht nur Sie können beleidigen, das kann ich auch. Entweder wir eigen uns ab nun auf gegenseitigen Respekt, oder wir können die Diskussion gleich ganz lassen.“

    1. Ich wüsste nicht, womit ich Sie auch nur im Ansatz beleidigt haben könnte. Soetwas liegt mir fern.
    2. Die Leute, die mich beleidigen können, suche ich mir selber aus. Da gehören Sie nicht zu. Keine Bange.

    Zum Thema:
    Wir reden über zwei Begriffe: Zeitpräferenz und Grenznutzen.

    „und ich habe gezeigt, dass und wie die beiden zusammenhängen.“

    Ich habe so meine Schwierigkeiten mit diesem Zusammenhang. Ich bestreite ihn zunächst einmal als Arbeitshypothese. Nur weil jede Person eine Zeitpräferenz hat und Überlegungen zum Grenznutzen anstellt, heißt das nicht notwendigerweise, dass beide Begriffe zusammenhängen.

    Also noch einmal anders:
    Zeitpräferenz informiert uns darüber, wie jemand sein verfügbares Einkommen Y auf Konsum C und Sparen S verteilt. Y = C+S.
    Da die Zeitpräferenz nur regelt, wie hoch C und S im Einzelfall sind, kann die Zeitpräferenz nicht negativ sein. Sie regelt nur die Aufteilung verfügbarer Mittel auf C und S und liegt damit notwendig zwischen 0,1% und 99,9% für C bzw. S.

    Der Grenznutzen bemisst sich nach der zuerst aufgegebenen Einheit eines Gutes (= Wert). Wenn Bauer Heinrich einen Sack, von denen er vier hat, aufgibt, um etwas anderes dafür zu erhalten (bspw. ein Fass Bier), so ist dies ein Anhaltspunkt für den Wert des aufgegeben Sacks (1 Fass Bier > 1 Sack Getreide). Ohne Tausch hätte er daraus vielleicht 20 Liter Schnaps gebrannt (1 Fass Bier > 1 Sack Getreide > 20 Liter Schnaps). Er kann dies tun, weil er seine Ziele 1-3 noch erreichen kann. Es handelt sich hier um eine andere Ausgestaltung des Konsums; das Verhältnis von C und S – und damit die Zeitpräferenz – wird dadurch nicht berührt.

    D.h. die Zeitpräferenz bestimmt das Verhältnis von C zu S, der Grenznutzen die Zusammensetzung von C.

    Vielleicht können wir uns in der Mitte treffen. Je größer die Zeitpräferenz, desto größer C, desto größer die Notwendigkeit, über den Grenznutzen überhaupt nachzudenken. Das ist der einzige Zusammenhang, den ich zu Ihren Gunsten konstruieren kann.

  11. Hallo Herr Berand,

    > ich habe Mühe nachzuvollziehen, wie Sie jetzt auf den Grenznutzen
    > kommen. Ich dachte, wir würden über Zeitpräferenz schreiben.

    und ich habe gezeigt, dass und wie die beiden zusammenhängen. Dass die Neoklassik das anders sieht, weiß ich. Aber das wäre nicht die einzige falsche Annahme der Neoklassik. Wobei ich deren Preisbildungsmodelle durchaus grundsätzlich richtig finde – nur einige Grundannahmen sind einfach falsch.

    Zeitpräferenzrate ist wieder mal so ein VWL-Begriff, der mathemathische (genauer gesagt numerische) Genauigkeit vorgaukelt, wo diese kaum praktisch annähernd genau festgestellt werden kann. Daher bevorzuge ich einfach „Zeitpräferenz“. Und das mit dem „ein und dasselbe Gut“ kommt bei Ihnen etwas verzerrt herüber. Das impliziert nämlich nicht, dass es kein weiteren Güter derselben Art gibt -sprich: Dass die Zeitpräferenz nicht auch für mehrere Güter derselben Art, eins nach dem anderen, bestimmt werden könnte. Und da kommt dann der Grenznutzen ins Spiel.

    > 1. Heute können Sie den Fernseher für 1.000 EUR bekommen.
    >
    > 2. In einem Jahr können Sie den Fernseher für 1.000 EUR bekommen.
    >
    > Wie entscheiden Sie sich?

    Beim 1. Fernseher für in 2-3 Monaten (ein paar Monate ohne Fernseher tun ganz gut). Die Entscheidung für den 2. Fernseher schiebe ich in ferne Zukunft, die für den 3. in noch fernere Zukunft, da der zusätzliche Nutzen eines weiteren Fernsehers bei mir gegen Null tendiert und bei einem dritten aufgrund von Platzproblemen sogar negativ wird.

    Eigentlich geht es aber darum, wann man sein Kapital verkonsumiert (verkonsumiere = Kapitalabbau durch Anschaffung Gütern zwecks eigenem Konsum) – und noch genauer darum, wann man Leistung erbringt und wann man Leistung anderer aufnimmt.

    Nach der Logik der Neoklassik würde am liebsten jeder sofort alle Konsumgüter für sein Leben konsumieren, aber erst am letzten Tag seines Lebens dafür leisten (wenn überhaupt). Dass das hahnebüchener Unsinn ist, wird einfach ignoriert.

    > Anders gefragt: Was dürfte der Fernseher in einem Jahr kosten, damit
    > Sie mit der Anschaffung solange warten?

    Nehmen wir mal ein Fahrrad? Denn ich bin ehrlich gesagt gar nicht so Fernseh-affin.

    Also das 1. Fahrrad (ich brauche eins) müsste nächstes Jahr schon weniger als -2000 Euro kosten (minus!), damit ich den Kauf verschiebe, mal so grob über den Daumen gepeilt. Jetzt würde ich es für 1000 Euro kaufen.

    Das 2. Fahrrad dürfte jetzt maximal 500 Euro kosten, damit ich es jetzt schon kaufe. Das 3. maximal 0 Euro. Für weitere müsste man mir dann wieder etwas bezahlen.

    > Nun zum Grenznutzen. Auch hier läuft einiges durcheinander. Wenn wir
    > uns diesem Begriff nähern, denken wir in den Kategorien von Werten,
    > Kosten und Knappheiten, nicht unbedingt in der Kategorie von
    > Zeitpräferenz oder Zinsen.

    Wie kommen Sie nur darauf, dass Grenznutzen nur etwas mit Kosten und Knappheiten zu tun hat? Das ist ja nichtmal bei den Neoklassikern so eng.

    > Der Wert eines Gutes wird nicht durch seine
    > Knappheit bestimmt, sondern durch seine Knappheit in Bezug zu unseren
    > Zielen im Hier und Jetzt.

    Dem kann ich allerdings zustimmen. Tut aber nichts zur Sache.

    > Er bemißt sich nach der zuerst aufgegebenen
    > oder zuletzt hinzugekommenen Einheit dieses Gutes. Und diese letzte
    > Einheit bestimmt auch den Preis der davor liegenden Einheiten.

    Das ist Grenznutzen bezogen auf die Produktion. Ich rede von Grenznutzen der Konsumption. „… dass sich die Zahlungsbereitschaft einer Person an dem Nutzen einer zusätzlichen Einheit eines Guts orientiert. Und der Grenznutzen hängt wieder davon ab, wie viele Einheiten des Guts die betreffende Person schon konsumiert hat.“ (Seite 7 in Mankiw/Taylor, Gründzüge der Volkswirtschaftslehre, 4. Auflage, Schäffer/Poeschel Stuttgart, 2008).

    > Es geht beim Grenznutzen nicht um die Frage, ob ich heute etwas
    > konsumiere oder morgen – so wie Sie es offenbar verstehen.

    Ihr Begriffsverständnis ist viel zu eng. Sie scheinen den Grenznutzen im Studium einmal in diesem Kontext auswendig gelernt zu haben und sind leider nicht in der Lage, das Gelernte auf andere Bereiche zu übertragen.

    Wie Sie sehen, nicht nur Sie können beleidigen, das kann ich auch. Entweder wir eigen uns ab nun auf gegenseitigen Respekt, oder wir können die Diskussion gleich ganz lassen.

    > Es geht um
    > die Frage, wieviel ich für den heutigen Konsum an anderen Gütern (oder
    > Geld) aufgebe – und zwar auch heute.

    Da wäre wir wieder beim Thema. Angenommen, Sie haben 100 Millionen Euro, wie viel davon geben Sie für Konsum aus und wie viel davon wollen Sie sparen? Wenn nun der Zins auf -2% sinken würde – würden Sie dann plötzlich alles JETZT verkonsumieren wollen? Vermutlich nicht. Vielmehr würden sie nach Möglichkeiten suchen, ihr Vermögen anders zu retten. Gold vielleicht – dummerweise denken alle so, kaum einer will noch verkaufen, viele aber kaufen: die Preise steigen uns unermessliche. Aktien? Die Wirtschaft ist gerade in einer Krise (sonst wären die Zinsen wohl kaum so niedrig – Stichwort: originärer Zins nach Wicksell), ob die Kaufkraft dadurch erhalten werden kann, ist mehr als fraglich. Was machen Sie?

    Grüße
    … Michael

  12. Hallo Herr Hönnig,

    ich habe Mühe nachzuvollziehen, wie Sie jetzt auf den Grenznutzen kommen. Ich dachte, wir würden über Zeitpräferenz schreiben. Und da sind wir anscheinend noch nicht einig. Ich wiederhole noch einmal den entscheidenden Satz:

    Mit der Zeitpräferenzrate beschreibt man das universelle Phänomen, dass Menschen den Konsum eines heutigen Gutes dem Konsum EIN UND DESSELBEN Gutes zu einem späteren Zeitpunkt vorziehen.

    Ich mache mal ein Beispiel dazu, das passt:
    Angenommen, Sie möchten heute einen Fernseher erwerben, da ihr alter gerade kaputt gegangen ist. Ihr Sparbuch weist ein Guthaben von 1.000 EUR oder mehr auf. Sie bekommen vom Verkäufer das folgende Angebot:

    1. Heute können Sie den Fernseher für 1.000 EUR bekommen.

    2. In einem Jahr können Sie den Fernseher für 1.000 EUR bekommen.

    Wie entscheiden Sie sich?
    Für mich ist die Frage eher rhetorischer Natur; aber vielleicht sehen Sie das ja anders.

    Anders gefragt: Was dürfte der Fernseher in einem Jahr kosten, damit Sie mit der Anschaffung solange warten?

    Wenn Sie mir verraten, wie Sie sich entscheiden, sage ich Ihnen, wie hoch Ihre Zeitpräferenz ist.

    Nun zum Grenznutzen. Auch hier läuft einiges durcheinander. Wenn wir uns diesem Begriff nähern, denken wir in den Kategorien von Werten, Kosten und Knappheiten, nicht unbedingt in der Kategorie von Zeitpräferenz oder Zinsen. Der Wert eines Gutes wird nicht durch seine Knappheit bestimmt, sondern durch seine Knappheit in Bezug zu unseren Zielen im Hier und Jetzt. Er bemißt sich nach der zuerst aufgegebenen oder zuletzt hinzugekommenen Einheit dieses Gutes. Und diese letzte Einheit bestimmt auch den Preis der davor liegenden Einheiten.

    Ich bemühe mal wieder ein Beispiel, das passt, bevor Sie sich wieder die Mühe machen, ein unpassendes Beispiel zu erdenken:

    Wir sind auf einem Bauernhof. Bauer Heinrich erntet in diesem Jahr vier Säcke Getreide. Schauen wir uns nun die Ziele von Bauer Heinrich an:

    Z1: Familie ernähren.
    Hätte er nur einen Sack geerntet, würde er diesen folglich komplett selbst verbrauchen.

    Z2: Familie auch im nächsten Jahr noch ernähren.
    Den zweiten Sack wird er deshalb aufheben, um ihn im nächsten Jahr als Saatgut zu verwenden.

    Z3: Tiere füttern.
    So kann er seine Ernährung auf eine breitere Basis stellen.

    Z4: Anderweitige Bedürfnisse befriedigen.
    Z.B. Bier herstellen oder gegen andere Güter eintauschen.

    Wie bestimmen wir nun den Wert für einen Sack Getreide?

    Um diese Frage zu beantworten, müssen wir uns die Grenzlinie ansehen, an der wir gerade auf der Kippe stehen, etwas herzugeben oder in Anspruch zu nehmen. Bauer Heinrich wird nun zuerst den vierten Sack aufgeben, da er mit den übrigen dreien seine Ziele 1-3 noch realisieren kann und der Tausch ihm bei Z4 dienlich ist. Für den Erwerber wird es wohl sein erster Sack Getreide sein. Dafür kann er Bauer Heinrich etwas anbieten, das ihm weniger und Heinrich mehr wert ist. Wert ist damit eine sehr subjektive Angelegenheit. Preis ist das, was du zahlst, Wert ist das, was du bekommst, sagt man nicht umsonst.

    Es geht beim Grenznutzen nicht um die Frage, ob ich heute etwas konsumiere oder morgen – so wie Sie es offenbar verstehen. Es geht um die Frage, wieviel ich für den heutigen Konsum an anderen Gütern (oder Geld) aufgebe – und zwar auch heute.

  13. @Dr. A. Striebel: Genau so meine ich es. Wobei irrsinnigerweise wird gerade auch der Grenznutzen von den Neoklassikern als Argument für eine Gegenwartspräferenz angenommen, nämlich weil dieser (Grenznutzen) immer positiv sei. Und da sind wir am entscheidenen Punkt.

    @BB: Und genau da liegt der eine Fehler in dieser neoklasischen Logik. Denn erstens ist meines Wissens nicht bewiesen, dass der Grenznutzen immer positiv ist (ich könnte auch Gegenbeispiele finden), es ist einfach eine Annahme der Neoklassik. Doch selbst wenn es so wäre, reicht auch ein Grenznutzen von weniger als 100%, um es ggf. sinnvoll zu machen, den Konsum in die Zukunft zu verschieben, weil dann nämlich der Nutzen in der Zukunft höher wäre (selbst bei angenommenen 0% Zinsniveau, also ganz ohne weiteren Anreiz).

    Nehmen wir einen Nutzen von 100% für die erste Konsumeinheit (z.B. pro Jahresperiode) und 80% für die fünfte; vorhanden seien 10. Verschiebe ich nun den Konsum der fünften Konsumeinheit auf nächstes Jahr so wäre deren Nutzen (als dann erste konsumierte Einheit) wiederum 100%. Bei höheren Zinsen als -20% (minus!) p.a. wäre es also günstiger, den Konsum der 5. bis 10. Konsumeinheit um ein Jahr zu verschieben.

    [Wenn man natürlich nun den Konsum im nächsten Jahr statt jetzt wiederum niedriger ansetzt, weil man ja Gegenwartspräferenz (positve Zeitpräferenzrate) voraussetzt, stimmt die Rechnung nicht mehr. Denn dann könnte man z.B. den Konsum in der Zukunft nur mit 80% des Nutzens ansetzen und käme damit auch bei 0% auf keinen Grund, den Konsum zu verschieben. Nur ist das eben ein klassischer Zirkelschluss: Angenommen die Zeitpräferenz ist positiv, folgt daraus x, und daraus folgt, dass die Zeitpräferenz positiv ist. Wäre fast witzig, wenn dieser Glaube nicht so üble Folgen hätte.]

    Die Entscheidung, ob gegenwärtiger oder zukünftiger Konsum ist dabei also auch vom Zins abhängig, der auf dem Markt realisierbare wäre (also der Kreditnachfrage-Kurve). So gesehen sind gleich zwei Ihrer Argumente widerlegt.

  14. Hallo Herr Hönnig,

    ich fürchte, wir haben ein völlig anderes Verständnis vom Begriff der Zeitpräferenz. Ich versuche es nochmal ausführlicher.

    Mit der Zeitpräferenzrate beschreibt man das universelle Phänomen, dass Menschen den Konsum eines heutigen Gutes dem Konsum ein und desselben Gutes zu einem späteren Zeitpunkt vorziehen. Je höher die Zeitpräferenzrate, desto mehr Wert wird heutigem Konsum beigemessen.
    Anders formuliert, je höher die Zeitpräferenzrate, desto reichlicher muß die Kompensation für den Verzicht auf heutigen Konsum ausfallen (d.h. desto höher muss der Zins sein). Neben der Extremvariante einer unendlichen hohen Zeitpräferenzrate, die den sofortigen Verzehr aller Güter impliziert, betrachten
    wir der Vollständigkeit halber auch das Extrem am anderen Ende des Spektrums.
    Eine Zeitpräferenzrate von 0 würde bedeuten, daß aller Konsum auf morgen aufgeschoben würde. Allein aus biologischen Überlegungen kann dieser Fall auf der Erde niemals auftreten, weswegen das Phänomen der Zeitpräferenzrate universell gültig
    sein muß. Eine Zeitpräferenz von 0 kann es nicht geben und damit auch keinen Zins von 0 oder gar kleiner 0.

    Dass in der Realität ein Realzins kleiner 0 beobachtet werden kann, liegt an der Inflationierung der Geldmenge und an der Zinsfixierung der Zentralbanken, folglich an einem widernatürlichen Phänomen. Die Zeitpräferenzrate ist aber ein natürliches Phänomen – (quasi ein Naturgesetz), gegen das verstoßen wird. Das kann nicht gut gehen. Da sind wir einig.

    Ein negativer Zins ist da keine Lösung, da dieser ebenso widernatürlich wäre und nur weitere Verzerrungen mit sich brächte. Deshalb kann ich Ihr Konzept nicht teilen.

    BB

  15. Ich wollte zunächst nur darstellen, dass Gegenwartspräferenz und Zukunftspräferenz beide existieren – nur bei Normalbürgern zu unterschiedlichen Lebensabschnitten. Es kommt dann auf das Saldo an. Einfach so saldiert Gegenwartspräferenz anzunehmen ist damit unzulässig, derjenige der das behauptet, müsste es schon handfest beweisen, dass saldiert immer Gegenwartspräferenz herrscht. Nur dann kann dies als Argument für immer positive Realzinsen herangezogen werden.

    0% Realzins (für langfristige Anlagen) halte ich auch nicht für erstrebenswert und damit auch nicht für das Paradies. Paradies wäre schon eher, wenn der Marktzins dem Gleichgewichtszins entspricht, egal ob der gerade positiv oder negativ ist.

    > Wieviel von meinem Einkommen gebe ich wofür aus? Wenn
    > jemand 6.000 EUR netto verdient und 2.000 EUR als
    > Darlehen abzahlt, kann er immer noch eine sehr niedrige
    > Zeitpräferenz haben.

    Was ist denn das für eine Logik? Mit 4000€ pro Monat wird er etwas sparen können. Wenn er nun davon ausgeht, dass er später mal weniger verdient als er dann verkonsumieren möchte (Altersvorsorge), dann hätte er ganz klar Zukunftspräferenz. Das im jetzt verdiente und verkonsumierte Geld zählt dabei gar nicht mit. Es zählt nur, was dem Kapitalmarkt angeboten oder von diesem nachgefragt wird.

    > Außerdem würde ich nicht Gegenwarts- und
    > Zukunftspräferenz schreiben, sondern hohe, mittlere oder
    > niedrige Zeitpräferenz.

    Zukunftspräferenz heißt einfach, dass er dem Kreditmarkt Kapital anbieten möchte. Damit ist auch Gegenwartspräferenz digital vorhanden oder nicht, Zwischendinge gibt es nicht. Was es aber noch gibt sind Fristen (wie lange sichere ich mir das Kapital als Kredit, wie lange biete ich es als Kredit an). Zum derzeitigen Stand der Diskussion halte ich das aber für eine eine unnötige Verkomplizierung.

    Und wie war das mit der Höherbewertung von Gegenwartsgütern? Wollen Sie in 10 Jahren wirklich das Gemüse von heute essen? Und ich wette, die Summe Gemüse, die sie noch essen werden ist höher als die, die sie heute oder morgen essen. Wenn das mal nicht Zukunftspräferenz ist.

  16. Hallo Herr Hönnig,

    „Doch sehen wir uns als Gedankenexperiment mal an, welche Zeitpräferenzen ein Mensch im Laufe seines Lebens bei 0% Realzins hätte.“

    Das wäre nach meinem Verständnis der Punkt, an dem Zukunft und Gegenwart sich treffen. Das Paradis. 0% Zinsen heißt, es gibt keine Zeitpräferenz. Alles ist immer und zu jederzeit verfügbar. Aber nehmen wir das Gedankenexperiment einmal an.

    „Nun haben sie weitere 5 Jahre später mit 30 Jahren eine Familie gegründet und bauen ein Haus. Das will finanziert werden und ihre Ersparnisse sind eine gute Basis für Eigenkapital, reichen jedoch nicht aus. Sie müssen sich weiteres Geld leihen, das sie erst über die nächsten 20 Jahre abzahlen können. Also 20 Jahre Gegenwartspräferenz.“

    Das können Sie m.E. so nicht formulieren. Was hätten denn Mieter dann für eine Präferenz? Zudem bauen Haubesitzer durch das Abzahlen des Darlehens Vermögen auf, sie verkürzen ihre Bilanz,ihr Eigenkapital steigt. Die Zinsen, die die Hausbesitzer zahlen, entsprechen der Miete, die Nicht-Hausbesitzer zahlen. Es kommt immer auf den Einzelfall an. Wieviel von meinem Einkommen gebe ich wofür aus? Wenn jemand 6.000 EUR netto verdient und 2.000 EUR als Darlehen abzahlt, kann er immer noch eine sehr niedrige Zeitpräferenz haben.

    Außerdem würde ich nicht Gegenwarts- und Zukunftspräferenz schreiben, sondern hohe, mittlere oder niedrige Zeitpräferenz. Ihre Begriffe klingen sehr schwarz-weiß, als wenn es nur 0 oder 1 gäbe. Zeitpräferenz ist nicht digital. Zwischen den Extremen gibt es viele Stufen mit fließenden Übergängen.

    BB

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