„Geld aus Luft“ – ist die Geldschöpfung der Banken ein Skandal?

Vielleicht haben Sie es auch schon mal gehört, Banken können Geld schöpfen. Dieser Beitrag will ihnen helfen, diesen Vorgang einzuordnen. Es ist in diesem Bereich sehr viel gefährliches Halbwissen unterwegs und es besteht die große Gefahr, dass mit der Problematisierung der sogenannten Banken-ZAHLUNGSMITTELschöpfung von den tatsächlichen Problemen des Finanzsystems abgelenkt wird.

Geld aus Luft und Geld aus der Druckerpresse – läuft der ganz große Betrug?
Was ist Geld – über diese Frage haben wohl die wenigsten schon mal im Detail nachgedacht. Irgendwie ist es „das kostbare Ding“, was man für die eigene ehrliche Arbeit bekommt, Und wenn die Banken jetzt dieses „wertvolle Ding“, für welches Sie hart arbeiten müssen einfach so schöpfen können… also wenn dies kein lupenreiner Skandal ist?

Die Geschäftsbanken SCHÖPFEN Geld, die Zentralbank DRUCKT Geld, nur Sie müssen noch hart dafür arbeiten…? Und dann zitieren wir noch etwas verklärt den Spruch:

„Würden die Menschen verstehen, wie unser Geldsystem funktioniert, hätten wir eine Revolution – und zwar schon morgen früh.“ (Henry Ford, 1863-1947)

Und schon haben wir den Durchblick, endlich haben wir die Schuldigen für die Finanzkrise, die Ju…äh Bänker betrügen uns alle und dies war schon immer so?

BankenZAHLUNGSMITTELschöpfung ist Realität
Und nun zurück zur Realität, deren Teil unbestritten auch die sogenannte Bankengeldschöpfung ist. Es gibt in dieser Realität auch einen echten Skandal – in einer Welt in der es von früh bis spät um Geld geht, weiß wirklich fast keiner(incl. der Volkswirte) genau was Geld ist. Aus diesem Monetäranalphabetismus heraus gibt es dann Finanzkrisen, Wirtschaftskrisen und sogar immer wieder KRIEG. Ich habe hier einen längern 5teiligen Beitrag zum Thema verfasst, will es aber in diesem Beitrag komprimieren.

Geldvermögen versus Zahlungsmittel
Geld ist ein völlig missverständlicher Begriff für 2 völlig verschiedene Sachverhalte. Geld existiert als Zahlungsmittel und als Geldvermögen. Wer diese Unterscheidung nicht beachtet, erzeugt sofort größte Konfusion, die sich dann durch unendlich verwirrende Geldsystemdiskussion zieht. Es gibt Geldvermögen, die auch gleichzeitig Zahlungsmittel sind, aber diese Schnittmenge ist nur eine Teilmenge. Wir sollten also unbedingt für weitere Betrachtung die exakten Begriffe verwenden.

„Geldschöpfungsskandal“ = reine Sprachverwirrung
Beim scheinbaren „Geldschöpfungsskandal“ handelt sich also um Missverständnisse aus der Doppelverwendung des Begriffs Geld für 2 völlig verschiedene Sachverhalte:

Sie arbeiten hart für Geld als Geldvermögen
Banken produzieren bei der „Geldschöpfung“ Zahlungsmittel

Zahlungsmittel erzeugen die Banken in dem sie pfandbesicherte realwirtschaftliche Leistungsschulden von Kreditnehmern dokumentieren und zusätzlich mit eigenem Eigentum(Eigenkapital) besichern. Der Kreditnehmer muss ein realwirtschaftliches Angebot anbieten, da er den Kredit aus Einnahmen tilgen muss, ansonsten droht die Vollstreckung in sein Eigentum. Die Bezeichnung „ungedecktes Geld“ für solche sanktionsbewehrte realwirtschaftliche Angebotszwänge ist völlig lächerlich. Es wird also kein „Geldvermögen aus dem Nichts“ erzeugt, sondern die realwirtschaftliche Leistungs-Schuld des Kreditnehmers ist der ZUSÄTZLICH bankbesicherte realwirtschaftliche Leistungsanspruch des Geldvermögensbesitzers.

Banken zuständig für Zahlungsverkehr und Zahlungsmittelproduktion
Die Aufgabe der Banken ist also nicht nur die Übertragung solcher Leistungsansprüche, also der Zahlungsverkehr, sondern auch die Schaffung des Vertrauens in diese Zahlungsmittel und Geldvermögen durch PRÜFUNG UND ZUSATZBESICHERUNG. Dies ist die volkswirtschaftliche wichtige Funktion der Banken.

Banken haben sich eine Marge verdient
Bei der Bankengeldschöpfung entsteht direkt KEIN Geldvermögen für die Bank, sie können also nicht für den Eigenbedarf an Geldvermögen schöpfen. Natürlich hat die Bank eine Zinsmarge als Ertrag. Die Bank-Marge ist auch größer als oft vermutet, weil ja auch teilweise die unverzinslichen Girokonten den Krediterträgen gegenüberstehen. Aber es fallen eben auch Kosten für Filial-Netz, Kredit-Gewährung, Schuldner-Überwachung, Zahlungsverkehr und die Kreditausfälle an. Wir sollten also wie überall in der Wirtschaft darauf achten, dass der Wettbewerb nicht noch mehr durch Fusionen begrenzt wird. Dann wird diese Bankmarge
auch zu den Bankleistungen angemessen bleiben.

Alles bestens bei den Banken?
Die Banken – Geldschöpfung ist so lange in Ordnung, wie die als Zahlungsmittel umlauffähig gemachten Schulden anderer Leute auch werthaltig sind und die Banken keine riskanten Spekulations-Geschäft betreiben, welche ihre Besicherungsfunktion der Zahlungsmittel und Geldvermögen in ihr Gegenteil umkehren. Dass diesbezüglich gar nichts in Ordnung ist, will dieser Beitrag nun wirklich nicht relativieren. Nur ist es eben nicht die Bankengeldschöpfung
im Allgemeinen, welche DAS PROBLEM darstellt.

die Übernachfrage nach Geldvermögen als latente Depressionsgefahr
Die eigentlichen Probleme unseres Geldsystems liegen auf einer ganz anderen Ebene. Das Produkt der Banken ist zu beliebt – wir fragen mehr bankbesicherte Geldvermögen nach, als andere solvente Leute sich freiwillig verschulden wollen. Deswegen müssen wir mit „schlechten Schulden“ Geldvermögen produzieren, dies sogar auch als Wirtschaftspolitik = Verschuldungspolitik FÖRDERN, da sonst die Zahlungsmittel durch Blockierung als Geldvermögen aus der Wirtschaft verschwinden und wirtschaftliche Depression ausbricht.*

schlechte Rohware = schlechte Finanzprodukte
Dies ist nun wie mit jedem Betrieb, der wegen Ressourcenknappheit schlechte Rohmaterialen verarbeiten muss, da kommt nur noch minderwertige Ware raus. Gute Vormaterialien der Bank sind freiwillige Schuldner mit reichlich Sachwert-Pfändern und die sind einfach nicht mehr lieferbar. Wenn wir nicht weiter 50% „Pfuschgeld“ wollen, sollte die Nachfrage nach Geldvermögen bis auf das Angebot an „gutem Rohmaterial“ sinken.

Natürlich ist es makaber, Kreditnehmer als „Rohmaterial“ zur Zahlungsmittelproduktion zu beschreiben, mir fällt nur grad kein anderes prägnanteres Bild ein. Regen Sie sich ruhig über diese Geschmacklosigkeit auf, desto besser prägt sich die Sache ein. Der Beitrag will ja auch das bei den meisten Deutschen recht erotische Verhältnis und die Sammelwut beim Bankprodukt Geldguthaben und Versicherungsguthaben etwas verringern.

Dies ist nichts anderes als die Nachfrage nach Schuldscheinen anderer Leute. Und es ist bei den Schuldscheinen wie beim Drogenanbau, die Nachfrage bestimmt das Angebot. Wenn wir ein Problem mit Verschuldung sehen, sollten wir weniger Verschuldung als Geld- und Versicherungssparer nachfragen.

ein Ausweg ist mehr Sachwertsparen
Wir sparen in Geld völlig über unsere Verhältnisse, dies steht am Anfang der meisten wirtschaftlichen Probleme. In Sachvermögen spart man ja ohne andere Leute zu verschulden, dort liegt der Ausweg hin zum „unschuldigen sparen“ ohne vergesellschaftete Verluste und privatisierte Gewinne. Wie wir vom schuldigen Sparen zum unschuldigen Sparen kommen, dies braucht JETZT eine gesellschaftliche Diskussion.

Sonderfall Staatsschulden
Staatsschulden sind der Betrag, um den die Bürger bisher für die Staatsausgaben zu gering besteuert wurden. Staatsverschuldung (Unterbesteuerung) wird für wirtschaftliche Stabilität UNBEDINGT gebraucht, sobald eine zu große private Geldsparneigung besteht. Da die Zinsen für solche Staatsschulden die private Geldsparneigung erhöhen, sind Zinsen auf Staatsschulden in „Unternachfragestaaten“ dringend als problemverschärfend abzuschaffen. Dazu sollte die staatliche „Geldschöpfung“ an den Unternachfragestaat der unabhängigen Zentralbank direkt übertragen.

das Geldsparproblem – eine unbequeme Wahrheit mit kognitiven Dissonanzen
So, nun bin ich vom Ablenkungsthema Bankengeldschöpfung wieder zum tatsächlichen
Geldspar-Problem abgeglitten. Dabei ist es doch für Sie viel angenehmer, auf böse Banken zu schimpfen, statt an die eigene Schuldschein-Nachfrage erinnert zu werden. Wenn Sie sich jetzt „aus dem Bauch heraus“ sicher sind, dass ich hier großen Blödsinn geschrieben habe, haben Sie zumindest das eigentliche Problem verstanden. Die logisch trivialen Zusammenhänge beim Geld werden gar nicht dem Kopf bearbeitet, sondern mit dem Bauch.

leicht verkopfte Grüße

Jörg Buschbeck

* Dies ist ein etwas unwissenschaftliches Gleichnis für die tatsächlichen Zusammenhänge. Wenn die Neuverschuldungspläne unter die Summe aus Kredittilgungen und Geldsparplänen fällt, kippt das System in eine selbstverstärkende Abwärtsspirale – GAME OVER – mit merkelscher Geldsparwahn-Euro-Politik demnächst in diesem Kino.

63 Kommentare zu „„Geld aus Luft“ – ist die Geldschöpfung der Banken ein Skandal?“

  1. „Erst kommt die Kreditvereinbarung, daraus entsteht Geld, damit kaufe ich ein, und zum Einkaufszeitpunkt entsteht die realwirtschaftliche Schuld.“

    Ich verstehe nicht wieso der wiederholte Hinweis, dass vor jeder Kreditvereinbarung erstmal eine Bonitätsprüfung/ Leistungscheck abläuft, ignoriert wird.

    Ich kram jetzt mal zum Beweis die zwei Kreditanfragen meiner beiden Hausbanken aus dem Mülleimer, welche heute frisch mit der Post geliefert wurden, um den Wortlaut zu zitieren:
    Commerzbank: „BONITÄTSABHÄNGIGER verzinslicher Kredit“
    Deutsche Bank: „BONITÄT vorausgesetzt“

    Ohne Leistungsabfrage, Bonitätscheck läuft in einer anomysierten Leistungsgesellschaft, faktisch, also gar nichts ab.

    Wer hinter einem Dokumentationsystem (Geldschuld) die treibende Kraft vermutet, ist eigentlich in der Sache verloren und glaubt, Geld ist ein Ding welches man anfassen und in den Mund stecken kann.

    Gesell (der keinen Schuldcharakter kannte, aber trotzdem allgemein das Richtige meinte) formulierte es einst so:
    „Wer das hier in Rede stehende Problem vom Wertgedanken aus in Angriff nimmt, wird an seinem Verstande verzweifeln
    oder das Problem für unlösbar erklären. Eugen Dühring steht nicht an, jeden für wahnsinnig zu erklären, der vorgibt, das Papiergeld begriffen zu haben. Er ging wohl auch vom Wertgedanken aus.“

    ——————————————-
    Erst die Geldschuld (Wertgedanken (Geld ist ein Ding))…, dann die Leistungschuld?
    Genau dieser Gedankenstrang ist doch der Wahn der Zeit, den es endlich (!) zu überwinden gilt.
    Kein Mensch auf dieser Welt hat Geldschulden (Wertgedanke), sondern immer nur LEISTUNGSSCHULDEN!

    Solange man sich darüber nicht einig ist, bleibt jede Diskussion für immer zwecklos.

    —————————————–

    Fahre morgen (endlich) in den Urlaub. Nächste Antwort in maximal in 30 Tagen.

    1. Viel Spaß im Urlaub!

      Ja, es gibt eine Bonitätsprüfung. Ja, es gibt eine Besicherung/Verpfändung von Eigentum. Ja, es gibt einen „Leistungscheck“.

      Aber: SIE meinen die „Prüfung auf“ (spätere) realwirtschaftliche Leistungsschuld, ICH meine die tatsächliche realwirtschaftliche Leistungsschuld.

      Die Bank benutzt bei der Kreditvergabe eine Glaskugel um vorherzusagen, ob man eine (spätere) realwirtschaftliche Leistungsschuld (ab Einkauf Waschmittel), auch (noch viel später) wieder hereinarbeiten kann u n d will.

      Die realwirtschaftliche Leistungsschuld kann nicht während der Kreditvergabe entstehen. Es wird bei der Kreditvergabe eine Zukunftsprognose erstellt, ob der Herr Kredit-Kunde es auch schaffen wird, die im Nachgang des Kredites aus dem realen Topf entnommenen Güter auch wieder gleichwertig hineinzugeben.

      Oder anders gesagt: Durch den Kreditvertrag entsteht Geld. Ich kann mit dem Geld aus dem Kredit selbst entscheiden wo ich realwirtschaftliche Leistungsschulden eingehe (Waschmitteleinkauf gegen Geld) und wo ich sie realwirtschaftlich wieder ausgleiche (Garten umgraben bei Oma [gegen Geld]).

      => Hier nochmal der Satz um den es ging: „Zahlungsmittel erzeugen die Banken in dem sie pfandbesicherte realwirtschaftliche Leistungsschulden von Kreditnehmern dokumentieren“

      1. > Hier nochmal der Satz um den es ging: “Zahlungsmittel erzeugen die Banken in dem sie pfandbesicherte realwirtschaftliche Leistungsschulden von Kreditnehmern dokumentieren”

        Nein, zum Zeitpunkt der Kreditvergabe besteht noch keine „realwirtschaftliche LeistungsSCHULD“ des Kreditnehmers – er hat noch nichts gekauft – und folglich kann keine solche dokumentiert werden.
        Was aber dokumentiert werden kann, ist : die pfandbesicherte realwirtschaftliche LeistungsFÄHIGKEIT des Kreditnehmers.

        Mit Gruß, Beo2

  2. „Was ich bestreite ist, dass zum Zeitpunkt der Kreditvereinbarung, eine realwirtschaftliche Leistungsschuld eingegangen wird.“
    Aber genau das ist doch der Grund einen Kredit aufzunehmen, um auf realwirtschaftliche Leistung vorzugreifen.
    Geld (-Schulden) dokumentiert diesen Prozess nur und existierte vorher überhaupt nicht.
    Wenn ich auf reale Leistung nicht zugreife, habe ich auch nach einer Kreditvergabe keine Schulden, maximal die Schuld den Kreditvertrag zu annulieren bliebe noch.

    Es ist doch nicht die Art der Dokumentation (Geldschuld) der Auslöser, warum man sich verschulden darf/kann/will. Einzig Bonität und die Pflicht zur Gegenleistung, sind die Pfeiler einer (realen) Verpflichtungsökonomie.
    Die Geldschuld (Dokumentation)ist somit ein Kind der Leistungschuld!

    Banker prüfen Bonität/Leistung und produzieren dann gemeinsam mit dem Kreditnehmer das Geld.

    1. Erst kommt die Kreditvereinbarung, daraus entsteht Geld, damit kaufe ich ein, und zum Einkaufszeitpunkt entsteht die realwirtschaftliche Schuld.

      Einem Supermarkt ist es egal, wann und wo ich einen Kredit aufnehme, erst wenn ich in den Laden trete und das Waschmittel kaufe, beginnt die realwirtschaftliche Schuld, also die Schuld, später ein gleichwertiges Produkt zurückzugeben.

      Man kann jemanden, der noch nicht Einkaufen gegangen ist, keine realwirtschaftliche Schuld „vorwerfen“, denn er hat aus dem realen Gütertopf noch gar nichts entnommen, kann also keine realwirtschaftlichen Schulden (den anderen gegenüber) haben.

      Wer einen Kredit aufnimmt, hat danach Geldschulden, aber realwirtschaftliche Schulden hat man (noch) nicht. Ohne Einkauf keine realwirtschaftliche Schuld.

      Wenn ich dem realen Topf nichts entnehme, habe ich auch keine Verpflichtung etwas hineinzugeben.

      @Jörg Buschbeck

      Die Grundlagenbeiträge haben 404-Fehler. [Unter der Rubrik Archiv/Grundlegendes, ganz unten, die Linksammlung, die meisten Links funktionieren leider nicht.]

      „er den Kredit aus Einnahmen tilgen muss“

      Müsste hier nicht „Einzahlungen“ stehen? Nach meinem Verständnis sind Einzahlungen (also Geldmittel) eine Teilmenge der Einnahmen. Einnahmen würde ich definieren als „Forderungen auf zukünftige Zahlungseingänge“, aber damit kann ein Unternehmen keine Kredite tilgen, die Bank akzeptiert zur Tilgung nur Geld (also Einzahlungen).

  3. „Zahlungsmittel erzeugen die Banken in dem sie pfandbesicherte realwirtschaftliche Leistungsschulden von Kreditnehmern dokumentieren“

    Banken vereinbaren, dass der Kredit-Kunde eine Forderung auf Geld erhält und er diese Forderung auf Geld (plus ein wenig Forderungen mehr) vor Ablauf der Tilgungsfrist „zurückbringt“.

    m. E. dokumentieren Banken in ihrer Praxis und Buchhaltung keine realwirtschaftlichen Leistungsschulden, sondern Geldforderungsschulden.

    Wenn Banken realwirtschaftliche Leistungsschulden in ihren Verträgen dokumentieren würden, könnte ich als Bäcker meinen Kredit bei der Bank in Brötchen bezahlen. Geht aber nicht, da die Verträge eine Geld(rück)forderung dokumentieren.

    Die Geldforderungschuld entsteht gleichzeitig mit der Kreditvergabe, die realwirtschaftliche Leistungsschuld entsteht erst im Nachgang der Kreditvergabe, wenn der Kreditnehmer einkauft.

    1. „Die Geldforderungschuld entsteht gleichzeitig mit der Kreditvergabe, die realwirtschaftliche Leistungsschuld entsteht erst im Nachgang der Kreditvergabe, wenn der Kreditnehmer einkauft.“

      Damit Geldforderungen, ein Kredit, überhaupt erst entstehen kann, sind realwirtschaftliche Leistungsnachweise (Bonität) zwingend nachzuweisen.
      Bevor auch nur ein Krümmel an Geldschuld dokumentiert wird, prüft die Bank, ob Leistung (Pfand) bereits vorhanden ist und ob der Kreditnehmer in der Lage ist, zukünftig Gegenleistung zu erbringen.
      Das Leistungskriterium war also zuerst da und dem nachfolgend, die Geldforderung.

      Das ist ja das Dilemma aller Zentralbanken, sie können nur Illusionen (Geldforderungen) aufrecht erhalten, niemals jedoch die eigentlich geforderte Gegenleistung.

      1. Die Besicherung/Verpfändung von Eigentum des Kredit-Kunden bestreite ich nicht.

        Was ich bestreite ist, dass zum Zeitpunkt der Kreditvereinbarung, eine realwirtschaftliche Leistungsschuld eingegangen wird.

        Mit dem Unterschreiben des Kreditvertrages entsteht eine Geldforderung (Giralgeld), die danach vom Kredit-Kunden zum Einkauf genutzt wird. Erst dann, also im Zeitpunkt des Einkaufs, entsteht die realwirtschaftliche Leistungsschuld, denn erst wenn ich einkaufen gehe, „entnehme“ ich reale Güter „aus dem Topf der anderen“ und stehe in der Schuld, später reale Güter wieder „hineinzugeben“.

        Die realwirtschaftliche Leistungsschuld entsteht nicht vor und auch nicht während der Kreditvereinbarung zwischen Bank und Kunde, sondern im Nachgang, wenn der Kunde Güter einkauft.

        Ein Kredit e r m ö g l i c h t, eine spätere realwirtschaftliche Leistungsschuld einzugehen.

  4. Die Erklärung, ohne Zweifel besser als die offiziellen, weicht, wie üblich der Hauptfrage aus. Wer mehr – per Zins, Rente, Dividende, …. – einnimmt, als luxeriösester Lebenswandel verbraucht, kann nur immer reicher werden, auf Kosten von immer mehr Menschen. Wird also alles – und das ist irrsinnig viel – tun, um das Herrschafts- sprich Menschenvernichtungssystem aufrecht zu erhalten.

  5. Hallo Hajo,

    > a) Mir geht es nicht darum Recht zu behalten oder anderen Menschen falsche Analysen nachzuweisen. Mir geht es darum, zu verstehen.

    das ist schonmal gut. Bei mir ist es außerdem genau so, auch ich lerne gerne noch Neues dazu.

    > b) Wenn ich richtig verstanden habe, ist das wesentliche Anliegen von Global-Change darüber aufzuklären, dass das Anhäufen von Geldvermögen durch Wirtschaftssubjekte zwingend zu einer gleich großen Verschuldung anderer Wirtschaftssubjekte führt.

    Nun, ich würde eher sagen, dass ist ein Teilaspekt der Argumentation. Um das System zu verstehen, muss man genau das obige erst einmal als Grundlage verstehen.

    > c) In “guten Zeiten” verschulden sich solvente Schuldner, die mit den Krediten Waren und Dienstleistungen zur Bedarfsdeckung der menschen produzieren.

    Was natürlich nur geht, wenn sie in Zukunft in realen Werten bemessen auch die Kredite zurückzahlen können. Bei schrumpfender Wirtschaftsleistung (wodurch auch immer verursacht) wird das nicht möglich sein.

    > d) Wenn alles gut geht, wird aus dem Verkauf der Waren und Dienstleistungen der Kredit getilgt, die Zinsen erwirtschaftet und für den solventen Schuldner bleibt unter dem Strich auch noch etwas übrig.
    Frage: Habe ich das bis jetzt einigermaßen richtig wiedergegeben?

    Ja.

    > All diese Dinge, die ich eben beschrieben habe, werden durch Geld vermittelt. Da dies so ist, erscheint es mir nicht unwichtig zu ergründen, was in der heutigen Zeit in Mitteleuropa Geld ist und wie dieses Geld in die Welt gesetzt wird.

    Ja, man sollte schon wissen was Geld ist und wie es in die Welt kommt, um mitreden zu können. Das bedeutet aber noch nicht, dass die Art und Weise, wie es in die Welt kommt, unbedingt auch die Ursache für irgendwelche Probleme ist.

    >Du schreibst am 11 Mai, 2010 um 17:14 Uhr:

    >>Banken schöpfen nämlich kein Kapital, sondern nur Liquidität – und dabei entstehen ZWEI Schulden-Paare.
    >
    > Bitte schauen Sie sich die Seite sechs dieser Präsentation an. Dort wird dargestellt, wie sich die Auslage eines Kredites über 10 000 Euro in der Bankbilanz und bei dem Kreditnehmer darstellt.

    Nun, dort steht genau das, was ich auch schrieb: Banken schöpfen nämlich kein Kapital, sondern nur Liquidität – und dabei entstehen ZWEI Schulden-Paare.

    > Frage: Ist es richtig, dass beim Kunden die 10 000 Euro im Soll verzinst werden müssen?

    (Warum stellt die Bilanz MINUS 10.000 im Soll beim Kunden dar? Das Minus muss da weg, Soll ist schon minus.)

    Ja. Die Frage ist nur, wessen Kapital es ist. Und das Kapital wurde nicht mit der Geldschöpfung geschöpft sondern es war schon vorher da: Entweder das der Bankgründer, der Bank selbst (thesaurierte Gewinne) oder das von Einlegern (Sparguthaben). Dass für die Kreditvergabe Geld geschöpft wird hat damit nichts, aber auch rein gar nichts zu tun. Geldschöpfung schöpft kein Kapital, weil gleichzeitig Schulden entstehen (die 10.000 bei den Passiva der Bank).

    > Wenn Ja, wie passt das mit Ihrer Aussage vom 11. Mai 2010 zusammen? Wenn Nein, was ist an der buchungstechnischen Darstellung falsch?

    Die Buchung (bis auf die Sache mit dem minus) ist schon richtig. Nur werden die 10.000 Passiva bei der Bank übersehen. Ebenso wird übersehen, dass das Haben beim Kreditnehmer dort nicht lange bleibt. Niemand nimmt Kredit aus Jux, sondern um damit zu bezahlen. Dann ist das Haben bei einem Dritten – und die 10.000 in den Passiva der Bank sind damit Schulden der Bank bei dem Dritten. Und der will natürlich wieder Zinsen sehen – oder er zieht sein Kapital ab.

    Keine Bank darf ohne Eigenkapital und vorhandene Einlagen Kredit vergeben. Erst dann ist also die (Giral-)Geldschöpfung möglich. Wird die Geldschöpfung aber durchgeführt, muss sofort refinanziert werden. Letzteres kann auch dadurch erfolgen, dass derjenige der mit dem Kredit bezahlt wird, sein Kapital bei der Bank belässt. Sobald es abfließt, muss die Bank bei anderen refinanzieren, oder es ist vorbei mit der Geldschöpfung. Kapital wurde dabei nie geschöpft: Erst war es das Kapital der Bank oder der Ersteinleger, bei folgenden Geldschöpfungen das Kapital der späteren Einleger.

    Grüße
    … Michael

  6. @michael
    Vorbemerkung:
    a) Mir geht es nicht darum Recht zu behalten oder anderen Menschen falsche Analysen nachzuweisen. Mir geht es darum, zu verstehen.
    b) Wenn ich richtig verstanden habe, ist das wesentliche Anliegen von Global-Change darüber aufzuklären, dass das Anhäufen von Geldvermögen durch Wirtschaftssubjekte zwingend zu einer gleich großen Verschuldung anderer Wirtschaftssubjekte führt.
    c) In „guten Zeiten“ verschulden sich solvente Schuldner, die mit den Krediten Waren und Dienstleistungen zur Bedarfsdeckung der menschen produzieren.
    d) Wenn alles gut geht, wird aus dem Verkauf der Waren und Dienstleistungen der Kredit getilgt, die Zinsen erwirtschaftet und für den solventen Schuldner bleibt unter dem Strich auch noch etwas übrig.
    Frage: Habe ich das bis jetzt einigermaßen richtig wiedergegeben?

    All diese Dinge, die ich eben beschrieben habe, werden durch Geld vermittelt. Da dies so ist, erscheint es mir nicht unwichtig zu ergründen, was in der heutigen Zeit in Mitteleuropa Geld ist und wie dieses Geld in die Welt gesetzt wird.

    Ich habe jetzt sowohl diesen Artikel als auch den Artikel Geld-Denkfehler #1: Verwechslung von Kapital und Liquidität sorgfältig studiert.

    Du schreibst am 11 Mai, 2010 um 17:14 Uhr:

    Die Bank erhält tatsächlich keine Zinsen auf die von ihr geschöpfte Liquidität. Zu glauben, dass es doch so wäre, ist der Irrlaube vieler Geldsystemkritiker.

    Banken schöpfen nämlich kein Kapital, sondern nur Liquidität – und dabei entstehen ZWEI Schulden-Paare. Und Zinsen gibt es für das Kapital, was hauptsächlich Einlagen sind (also Schulden der Bank!) – und natürlich das Eigenkapital der Banken (was aber bezogen Auf die Bilanzsumme relativ wenig ist).

    Bitte schauen Sie sich die Seite sechs dieser Präsentation an. Dort wird dargestellt, wie sich die Auslage eines Kredites über 10 000 Euro in der Bankbilanz und bei dem Kreditnehmer darstellt.

    Frage: Ist es richtig, dass beim Kunden die 10 000 Euro im Soll verzinst werden müssen?

    Wenn Ja, wie passt das mit Ihrer Aussage vom 11. Mai 2010 zusammen? Wenn Nein, was ist an der buchungstechnischen Darstellung falsch?

    respektvolle Grüße
    hajo zeller

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