Jedes Geldsparen schafft sich seine Verschuldung selbst


Oft werde ich gefragt, wieso denn private Geldvermögensbildung ein Problem sein soll wo doch kaum jemand sein Geld unter das Kopfkissen legt. Und wenn das gesparte Einkommen offensichtlich weiter verliehen wird, kann ja im Einkommens-Kreislauf nichts fehlen?
Dabei wird folgendes übersehen:

Die Verschuldung ist kein Phänomen in einer Bank, sondern entsteht in der Realwirtschaft. Sobald die Einen mehr einnehmen als Sie ausgeben, also Verkaufsüberschüsse haben, hat der „Rest der Welt“ Kaufüberschüsse und baut dadurch Geldvermögen ab. Wollte der „Rest der Welt“ sich eh verschulden ist alles ok. Dies ist so nach einem Krieg oder sozialistischem Sachwertverfall, da ist alles kaputt und die Unternehmer können ihre Investitionen nicht aus den Abschreibungen finanzieren.

Hatte der „Rest der Welt“ aber nicht vor Geldvermögen abzubauen, versucht er nun wiederum sein Geldvermögen wieder zu erhöhen und kürzt seine Ausgaben für die nächste Periode. Dies ist die selbst verstärkende Implosionsspirale, die der Staat mit seiner Verschuldung so lange als möglich zu verhindern sucht. Umgangssprachlich – wir „sparen“ uns dann gegenseitig kaputt. Jeder versucht die Ausgaben zu kürzen, was die Einnahmen des nächsten reduziert, weswegen der nun wieder kürzt… Verstärkt wird die Entwicklung durch die Investitionsfalle und den heute extrem hohen Kredittilgungsanteil am BIP. Der theoretische Tiefpunkt dieser Entwicklungen liegt bei den absoluten Grundbedürfnissen zu deflationierten Preisen – 40% des heutigen BIP? Davor liegt natürlich der Zusammenbruch fast aller Schuldner und damit des Finanzsystems.

Ist die Staatsverschuldung ausgereizt wird privates Geldsparen durch die Marktstörung der bargeldbedingten Nullzinsgrenze gemeingefährlich. Das hortbare Bargeld verhindert heute, dass negative Zinsen die übermäßigen Pläne zum Geldvermögensaufbau begrenzen.

Lasst uns bitte darüber reden

9 Kommentare zu „Jedes Geldsparen schafft sich seine Verschuldung selbst“

  1. @Blog – start-trading.de

    Ja, negativer Zins bedeutet, dass man für Kapitaltransfer in die Zukunft zahlen muss. Das kommt davon, dass (Bonität inbegriffen) mehr Kapital in die Zukunft transportieren wollen als andersherum.

    Wer meint, er könne gegen den Markt, kann es ja probieren und in Aktien oder sonstigen Firmenbeteiligungen oder auch in Rohstoffe zu investieren.

  2. @Jörg
    Der Film ist hervorragend gemacht, massentauglich auch. Erlebter Sozialismus und Kapitalismus bürgt für die emotionale Glaubwürdigkeit. Derweil muss man sich immer öfters mit den allerorts erstarkenden Sozialisten herumärgern. Und zwar dahingehend dass die Lösung weder links noch rechts, auch nicht in der Mitte liegt. Beide Seiten gehen schlussendlich mit Privateigentum sehr eigentümlich um. Es dient(e) der Verwirklichung der jeweiligen Ideologie, je nach Geschmack sozusagen.

    Ach ja, bezüglich systemnotwendigen Negativzins: Jeder der heute investiert ist, wird selbigen in Kürze bärig spüren bekommen. Bares ist rein rechtlich eine Forderung an die EZB, soweit ich mich erinnere (Gunnar Heinsohn). Wenn man die pfändet, pfändet man ihre Aktiva. Schlussendlich landet man beim Staat und etwas Gold vielleicht. Insofern haftet dem Baren ja der selbe Wert wie einer Staatsanleihe an, nur mit unterschiedlicher Fristigkeit. Es ist also unausweichlich gar nicht vorteilhafter. Besonders dann wenn man zu Ende denkt.
    … also ist die heutige Finanzarchitektur gar nicht weit vom Optimum entfernt? Etwas Ruckartigkeit heraus und etwas mehr Voraussicht hinzu und schon befinden wir uns auf dem vom Menschen selbst erwählten, stetigen Entwicklungspfad. Es könnte natürlich auch sein, dass die heutigen Finanzprobleme gar nicht mit Problemen im Finanzsystem zusammenhängen.
    So weit etwas zum weiter Nachdenken.

  3. danke AH,

    zweifele auch an der politischen Umsetzbarkeit, die Ursprungsidee von GlobalChange2009 war deshalb auch eine „Freiwirtschaft von oben“ – aus der „Situationskomik“ eines Bankenruns heraus. Wir haben deshalb weder Kosten noch Mühe gescheut, den Film 2009 am Rande des G20 Gipfels in London aufzuführen.

    Aber mit Bargeldabschaffung macht man sich ja keine Freunde, deshalb werben wir auch nicht mehr mit dem Vorschlag.

    Der Beitrag oben soll aber Freiwirten helfen, korrekt für Gesell-Geld zu argumentieren, damit zur „emotionalen Baustelle“ nicht noch die „Theoriebaustelle“ kommt.

  4. >>> Die Verschuldung ist kein Phänomen in einer Bank, sondern entsteht in der Realwirtschaft. … Der “Rest der Welt” Kaufüberschüsse

    Ja, die Notenbanken bekommen das Geld von den Geschäftsbanken einfach – mir nichts dir nichst – zurück: Siehe Target2 bei den heute problematischen Ländern.

    Es ist aber noch viel schlimmer und gefährlicher. Der „Rest der Welt“ hat dieses Geld (Nachfrage) nicht. Das was die schon hergestellten Güter nachfrgen sollte, gibt es einfach nicht, es existiert noch nicht als Einkommen, weil diese Nachfrage in den nicht ausgelasteten Produktions-Kapazitäten eingefroren sind. Der Nachfragemangel während der Depression ist
    1) monetär (Keynesianisch)
    2) real („Sismondianisch“)

  5. Man könnte es korrekter und prägnanter nicht sagen. Aber einen ggf. negativen Zins der gewöhnten Bevölkerung abzuverlangen (wie auch immer er gebildet wird) ist eine politische Unmöglichkeit. Inflation ist akzeptierter. Und so lässt sich heute auch zumindest Nihilismus und laissez faire gegenüber einem Niedergang vermeiden. Der Staat interveniert durch Zwangsnachfrage welche dem Markt abhanden kommen kann. Über die Balance lässt sich freilich streiten.
    Wie würde ein Negativzins wirken? Die Erfahrungen mit Schwundgeld sind wohl zu spärlich. Vielleicht kann man in dieser, weil unvermeidbaren, Deflation Chancen für Neues nutzen.

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