Ein grundlegender Lösungsansatz für die Systemkrise – Notenbanken werden zur „Monetative“

Kurzfassung

Dieser Vorschlag wurde im Dialog über Deutschland eingereicht und von über 500 Bürgern gevotet, als Reaktion kam nur BlaBla.

Dieser Vorschlag möchte einen grundlegenden Lösungsansatz für die aktuellen wirtschaftlichen Probleme vermitteln. Er versteht sich als ein Beitrag zu der gesellschaftlichen Diskussion, die in dem Online-Beitrag„Wie wollen wir sparen? Ein Aufruf zur gesellschaftlichen Diskussion“ angeregt wird. Der Aufsatz ist das Ergebnis ca. 20-jährigen Recherchierens, Nachdenkens und Diskutierens zu dem Thema. Indirekt haben sehr viele Menschen als Diskussionspartner an diesen Ausführungen mitgewirkt – so viele, dass ich diese hier unmöglich alle benennen kann. Ich möchte mich aber an dieser Stelle bei allen Menschen bedanken, die diese – natürlich oft auch kontroversen – Diskussionen mit mir geführt haben.

Geld ist kein Ding, sondern eine Forderung

Für das Verständnis der Ansätze ist es hilfreich, Geldvermögen als Forderung zu begreifen, die durch realwirtschaftliche Kaufsalden entsteht. Auch Zahlungsmittel sind nur besonders besicherte Forderungen. In dem Online-Beitrag „Geld, Kauf und Bezahlung“ ist dies im Bezug auf die Definitionen des Ökonomen Wolfgang Stützel beschreiben.

National wie global umsetzbar – Kombination mit anderen Reformen empfohlen

Der Vorschlag bezieht sich speziell auf die deutsche Problemstellung. Die Lösungsvorschläge sind in nationalen Alleingängen umsetzbar, ohne die Gemeinschaftswährung zu verlassen, aber auch global nach dem vorgeschlagenen Schema gut anpassbar. Es sollte auch eine Kombinationen mit den anderen im Diskussionsaufruf vorgeschlagenen Maßnahmen wie z. B. einer maximal umlagefinanzierten/beitragsfinanzierten Altersvorsorge und einem Grundeinkommen geben. Die Ausführungen verstehen sich als Vorstellung eines generellen Lösungsmusters. Die Ausarbeitung der Ausgestaltung sollte nach ausführlicher gesellschaftlicher Diskussion von den Experten der Notenbanken und des Finanzministeriums kurzfristig machbar sein. Natürlich bedürfte es umfangreicher (grund)gesetzlicher Änderungen. Dafür wäre der Nutzen aber auch so generell und nachhaltig, dass jeder Aufwand lohnt. Allein schon der eskalierende Problemdruck wird uns in absehbarer Zeit zu grundsätzlichen Änderungen anregen.

Das Geldsystem und das wirtschaftliches Gleichgewicht

Das Geldsystem hat umfangreiche Rückwirkungen auf die reale Wirtschaft. Bedauerlicherweise bestehen hier bei vielen Wirtschaftswissenschaftlern noch große Defizite in der exakten Definition der Zusammenhänge. Immer noch wird zu irgendwelchen „Geldmengen“ diskutiert, die angeblich die Notenbank „in Umlauf bringt“. Auch werden aus einer tautologisch richtigen Quantitätstheorie völlig falsche Umkehrschlüsse gezogen – eine etwas verwunderliche Situation, da z. B. der deutsche Jahrhundertökonom Wolfgang Stützel diese Zusammenhänge in seinen Werken logisch nachvollziehbar erläutert hat. Aufbauend auf seinen Ausführungen in der „Volkswirtschaftlichen Saldenmechanik“ und „Paradoxa der Geld- und Konkurrenzwirtschaft“ kommen wir für den wichtigsten Zusammenhang des wirtschaftlichen Gleichgewichts und damit tendenzieller Stabilität des Geldwerts zu folgender Definition:

Ein wirtschaftliches Gleichgewicht besteht in einer Periode, wenn die Pläne, Geldvermögen aufzubauen, mit den Plänen, Geldvermögen abzubauen, übereinstimmen.

Daraus ergibt sich nun wieder folgende Ableitung für wirtschaftliches Gleichgewicht:

Geldsparpläne + private Kredittilgungen = finanzierbare Verschuldungspläne

Kredittilgungen sind ein in Vorperioden festgelegter Geldvermögensaufbau – ein bisher kaum beachtetes Problem mit enormem Krisenpotenzial. Die verfügbaren Informationen zu den oben genanten Einflussgrößen geben uns zu der Vermutung Anlass, dass ein wirtschaftliches Gleichgewicht in den entwickelten Industrieländern unter heutigen Rahmenbedingungen auch in Phasen guter Konjunktur nur noch mit zwei Maßnahmen zu erreichen ist:

a. Verschuldung der Staaten
b. Verschuldung von Kreditnehmern mit schlechter Bonität

Dies liest sich nun wie die Wahl zwischen Pest und Cholera, dürfte sich aber gut
mit dem real Erlebten der letzten Jahre decken. Die Finanzkrise ist also kein Missgeschick, sondern logische Folge real existierender Zwänge der bestehenden Rahmenbedingungen. Wir sollten also diese Rahmenbedingungen ändern, um zu einem stabilen System zurückzukehren. Wie auch schon in unserem Diskussionsaufruf angesprochen, gibt es dazu die verschiedensten Optionen. Aus der Formel oben können wir zwei Grundoptionen für Lösungen herleiten:

1. Die Staatsverschuldung zu „guten“ und „schmerzfreien“ Schulden machen
2. Die privaten Geldsparpläne absenken

Auch diese Optionen werden nun bei den meisten Menschen nicht eben helle Begeisterung auslösen, aber es hilft auch nichts, die Realität länger zu verdrängen. Es sollte also darum gehen, das Akzeptabelste aus den realen Handlungsmöglichkeiten auszuwählen. Um unseren Löungsvorschlag zu dieser Ausgangslage geht es in diesem Beitrag.

Wie in unserem Diskussionsaufruf angesprochen, gäbe es einfache Marktlösungen für die Probleme der zu hohen privaten Geldsparpläne. Man könnte mit enormem „Lerneffekt“ die Banken und Versicherungen (und damit den Großteil der Spar-Einlagen) an den „schlechten“ Schulden einfach bankrott gehen lassen und/oder die bargeldbedingte Nullzinsgrenze abschaffen und damit negative Nominalzinsen (Zinsabbuchungen) ermöglichen. Nach unseren Diskussions-Erfahrungen zu diesen Marktlösungen sind diese aber politisch kaum durchsetzbar. Die handelnden Politiker müssten wohl um Leib und Leben bangen.

Der „totale Geldmarkt“ ist also demokratisch nicht gewollt.

Dies bleibt mir wichtig festzuhalten, wenn wir jetzt über eine neue gesellschaftliche „Globalsteuerung“ sprechen. Wer sie als „Liberaler“ kritisieren möchte, soll also bitte auch öffentlich die Abschaffung der Marktstörungen aus bargeldbedingter Nullzinsgrenze und „Einlagensicherung“ fordern (und beim Auto vor der Tür den Motor laufen lassen 🙂 ).

Liberalismus als gefährlicher Realitätsverlust?

Liberalismus wird zur Karikatur und Heuchelei, wenn er die schweren Marktstörungen im Markt der Märkte (Geldmarkt) nicht sieht und benennt, gleichzeitig aber dem völlig gestörten Markt freien Lauf lassen will. Die aktuelle „Retterei“ mit ihrer unmoralischen und den gesellschaftlichen Konsens zerstörenden Dimension ist das Ergebnis von solch falsch verstandenem Liberalismus. Der Autor dieses Beitrags sieht sich übrigens durchaus eher als Liberaler und will solch unmoralische und dem Ansehen der Marktwirtschaft schädliche Staatseingriffe ebenso wie andere Arten staatlicher Wirtschaftspolitik = Verschuldungspolitik mit seinen Vorschlägen künftig vermeidbar machen.

Machen wir lieber das Beste draus

Wenn wir also davon ausgehen müssen, dass der Staat die Spareinlagen und damit die Passivseite der Geschäftsbanken- und Versicherungsbilanz faktisch garantiert, dann muss selbstverständlich auch die Aktivseite der Banken- und Versicherungsbilanzen einer starken Reglementierung unterliegen. Dies, um die Folgewirkungen der wohl auf demokratischen Konsens ausgehebelten Marktmechanismen zu begrenzen. Weiterhin brauchen wir einen gesellschaftlichen Mechanismus für das wegen der Unmöglichkeit nominaler Negativzinsen fehlende Steuerelement für Unternachfrage.

Die nationale Notenbank wird zur „Monetative“

Ich komme jetzt zu meinem Vorschlag, die nationale Notenbank in eine monetative Staatsgewalt (im weiteren „Monetative“) mit neuen monetären Steuerelementen umzuwandeln. Für die Monetative bestehen dabei folgende Aufgaben:

1. Wirtschaftliches Gleichgewicht und Geldwertstabilität bei Nullsparzins

2. Verhinderung der Vergesellschaftung von Bank- und Versicherungsverlusten

3. Herstellung außenwirtschaftlichen Gleichgewichts

Mit der Erfüllung dieser Aufgaben werden folgende Wirkungen erzielt:

– Kaufkraftstabiles Zahlungsmittel und (kurzfristiges) Wertaufbewahrungsmittel
– Rückführung der Staatsverschuldung
– Beendigung des Zwangs zum Wirtschaftswachstum
– Nationale oder gar regionale Geldpolitik auch in Gemeinschaftswährungen
– Eigenkapitalisierung und damit Krisenfestigkeit der Wirtschaft
– Stabilitätserwartungen – Risikoprämien sinken deutlich
– Deutliche Reduktion des Anteils der Kapitalerträge am Volkseinkommen – dadurch höhere soziale Gerechtigkeit
– Weitgehend zinslose Staatsfinanzierung für bestehende Staatsschulden
– Wiederherstellung demokratischer Machtverhältnisse
– Verhinderung inflationärer „Wiederwahl-Konjunkturpolitik“
– Verhinderung internationaler Konflikte aus Exportsalden
– Verhinderung von Krieg als klassischem Mittel der Deflationsbekämpfung
– Verhinderung von Crash und Bürgerkrieg in den Nationen

Dazu hat die „Monetative“ folgende neue Werkzeuge:

A. Variable Kreditsteuer als variabler Zusatzzins auf alle Geschäftsbankenkredite
B. Optionale monatliche Steuergutschrift an jeden Bürger, auch als negative Einkommensteuer – oder als Grundeinkommenszuschlag
C. Optionale monatlich anpassbare Einkommensteuerzuschläge („Währungssoli“)
D. Neue Regulierungen der Kreditvergabe der Geschäftsbanken und Versicherungen
E. Optionale und variable Ausfuhrumsatzsteuer

Aufgabe 1 der Monetative: nachhaltiges wirtschaftliches Gleichgewicht und absolute Geldwertstabilität bei Nullsparzins

Heute sind wir ohne Wirtschaftswachstum schnell in der wirtschaftlichen Depression und Investitionsfalle. Die Gründe liegen insbesondere in der erreichten Dimension des Tilgungsproblems – siehe dazu den Online-Beitrag „Die Kredittilgungen und das wirtschaftliche Gleichgewicht“. Nur mit Wirtschaftswachstum kann noch die enorme Menge an privater Neuverschuldung angeheizt werden, die wir ohne eine explodierende Staatsverschuldung für wirtschaftliches Gleichgewicht brauchen. Der Zwang zum Wirtschaftswachstum – der schon aus ökologischen Gründen keine Dauerlösung sein kann – ist also eine Folgewirkung des bisher kaum analysierten Zwangs zum Schuldenwachstum.

Japan und Südeuropa als Praxisfälle abgerissener Verschuldungsketten

Wer dazu praktische Beispiele sucht, findet Sie in Japan nach 1989 oder in der aktuellen Entwicklung in der Südperipherie der Eurozone. Speziell in Japan kann man gut im „Langzeitversuch“ beobachten, wie sich die Präferenz der Geldvermögensbildung gegenüber der Sachwertinvestition in einem deflationären Umfeld verfestigt und die Staatsverschuldung förmlich explodiert. Wenn man damit so entspannt umgeht, wie es Herr Koo vorschlägt, ist dies wohl auch gar nicht so schlimm. In der Konstellation der Euro-Staaten mit ihren starken Handelsbilanz-Ungleichgewichten in Kombination mit deutscher Staatsschulden- und Inflationsphobie laufen wir aber in eine Katastrophe – dies insbesondere wegen der fehlenden saldenmechanischen Sachkompetenz der deutschen Politiker und der sie beratenden Ökonomen.

Der Paradigmenwechsel beim Wertaufbewahrungsmittel

Deshalb sollten die Anreize für die Präferenz der risikolosen Geldhaltung gegenüber der Sachwert- und Eigenkapitalinvestition nachhaltig verschoben werden. Dies leistet die Monetative, indem Sie die risikolose Geldhaltung mit Nullsparzinserwartungen belegt und gleichzeitig die kalkulativen Risikoprämien für alternative Sachwertinvestitionen und Eigenkapitalbeteiligungen durch die geschaffenen gesamtwirtschaftlichen Stabilitätserwartungen reduziert – ein Doppelschlag für einen Paradigmenwechsel in der Sparform für langfristigen Konsumverzicht.

Die variable Kreditsteuer – das Standard-„Werkzeug A“ der Monetative

Das Hauptsteuerelement der Monetative ist die variable Kreditsteuer auf Kredite an Private, welche die nationale Staatsverschuldung tilgt. Sie könnte beispielsweise einen Grundwert von 1-3 Prozentpunkten Zins haben. Wenn es einen Bedarf an monetärer Bremsung zur Inflationsverhinderung gibt, wird künftig die Kreditsteuer erhöht und nicht ein Leitzins/Sparzins. Dabei könnte man überlegen, nur Neukredite mit einer höheren Kreditsteuer zu belegen. Auch dies verhindert krisenhafte Entwicklungen. Die Zahlung der Kreditsteuer wäre Voraussetzung für die staatliche Vollstreckbarkeit eines Kredits. Kredite ohne Kreditsteuerzahlung sind nicht vollstreckbar zu stellen und dann somit ein Geschenk – Kreditsteuerhinterziehung wäre damit sehr unwahrscheinlich.

Heute:
Kreditzins = variabler Sparzins + wettbewerbliche Bankmarge

Nach Reform:
Kreditzins = variable Kreditsteuer der Monetative + wettbewerbliche Bankmarge

Sicherheit und Nullinflation machen Nullsparzins erträglich

Wegen der Inflationsverhinderung nur über den Kreditzins ist eine dauerhafte Ertragslosigkeit von risikoloser Geldhaltung zu erwarten. Die Monetative hat aber auch nicht wie die heutige EZB ein Inflationsziel von knapp 2 %. Der Geldsparer bekommt also zwar keine Zinsen, kann wegen „Stabilitätsziel statt Inflationsziel“ aber den gleichen Gegenwert seines aktuellen Konsumverzichts in der Zukunft erwarten. Der Geldsparer wird also gegenüber heutigen oft negativen Realzinsen (versteuerte Zinsen < Inflationsrate) eher besser gestellt. Und natürlich ist es für die Bank- und Versicherungssparer sehr beruhigend, wenn es nun ein eigenstabiles System gibt und ihre gesparten Lebensleistungen nicht mehr von Verlust bedroht sind. Wer Erträge auf seine Sparleistung möchte, kann dies durch risikotragende Eigenkapital- oder Sachwertinvestitionen jederzeit im freien Markt umsetzen.

Guthabenrückzahlung bringt Schuldenrückzahlung

Wer dann noch Geld spart, spart vor allem auf „irgendwas“ und nicht auf „irgendwann“ – genau dafür ist die risikolose Geldhaltung als Wertaufbewahrungsmittel auch gesellschaftlich sinnvoll. Es erfolgt also eine regelmäßige Rückzahlung der Sparguthaben durch reale Nachfrage, was auch eine Rückzahlung der Schulden statt ständigen Neuverschuldungszwangs erlaubt. Man könnte in Sinne des Grundkonzepts arbeitsteiligen Wirtschaftens auch sagen: Die „Nachfrageschulden“ der Guthabenhalter werden regelmäßig getilgt.

Werkzeug B: der „Sicherheitszaun“ an der Defla-Schlucht

Am Steuerelement B der Monetative, einer bedarfsweisen monatlichen Steuergutschrift an jeden Bürger, ist vor allem wichtig, dass dieser Mechanismus glaubhaft installiert ist und quasi sofort wirken könnte. Er ist das heute fehlende Steuerelement für die Unternachfrage/Deflation. Die Existenz des Werkzeugs B schafft das Vertrauen, es nicht einsetzen zu müssen. Denn normalerweise reichen dauerhafte Nullzinserwartungen bei zu erwartender wirtschaftlicher Stabilität aus – in dem Sinne, dass im Regefall die variable Staatsschuldentilgung als das vorrangige Mittel der Globalsteuerung der Monetative funktioniert.

Aber diese Stabilitätserwartung ist bei Nullzins eben nur sicher, wenn es einen glaubhaften Mechanismus auch für die Unternachfrage gibt.

Wenn der Mechanismus aktiviert werden muss, erhöht er also gezielt die Staatsverschuldung – nur eben sehr viel schneller, planbarer und marktneutraler als dies klassische keynesianische Konjunkturprogramme tun. Vor allem aber werden diese Staatsschulden nach Überwindung einer Unternachfragesituation automatisch über die Mechanismen der Kreditsteuer erwartbar zurückgezahlt. Diese Art von „Keynesianismus“ erzeugt weder Unsicherheit noch wachsende Staatsschulden – sie schafft Sicherheit wie ein Zaun an einer Schlucht. So entstehen Wege jenseits des „inflationären Sicherheitsabstands“, auf denen man bisher wegen Absturzgefahr „nicht gehen konnte“. Ein „Zaun an der Schlucht“ ist nicht dazu da, dass man ihn ständig zum Abstützen nutzen muss, sondern dass er uns gelassen des Weges gehen lässt.

„Aber Keynes hat uns doch immer nur steigende Staatsschulden gebracht?“

Auf dieses „Rätsel der Volkswirtschaftslehre“ möchte ich noch kurz eingehen. Warum kann heute die Staatsverschuldung aus Konjunkturprogrammen auch in „guten Zeiten“ nicht getilgt werden? Ganz einfach – weil schon länger auch in guten Konjunkturzeiten die privaten Geldsparpläne und Kredittilgungen über den privaten Neuverschuldungsplänen liegen. Indem wir die Geldsparpläne mithilfe der dauerhaften Nullsparzinserwartungen direkt deutlich reduzieren, haben wir dieses Problem gelöst.

Werkzeug C: optionaler Einkommensteuerzuschlag – „der Währungssoli“

Bei Werkzeug C handelt es sich wie bei Werkzeug B um eine mehr psychologische Angelegenheit denn um ein häufig eingesetztes Mittel. Man kann es vielleicht mit der Landesverteidigung vergleichen – die sollte auch Waffen haben, aber bitte nicht damit schießen müssen. Schlussendlich geht es um Machtfragen –keine Notenbank kann auch heute schon Inflation verhindern, wenn sich Leistungserbringer im Gleichschritt höhere Entgelte als den Produktivitätsfortschritt aushandeln oder die Regierung eine völlig unvernünftige Ausgabenausweitung vornimmt. Selbst eine starke Erhöhung der Kreditsteuer kann hier kurzfristig nur wenig bewirken, soweit sogenannte „gleichschrittige“ Prozesse ablaufen. Dann geht der Inflationsprozess gar nicht mit einer Erhöhung des Kreditbedarfs einher. Für diese Fälle ist Werkzeug C gedacht, das der Monetative die tatsächliche Macht zur Durchsetzung der Geldwertstabilität gibt. Laufen die oben genannten Prozesse ab, wird ein monatlich variabler Zuschlag zur Einkommen- und Lohnsteuer zur Staatsschuldentilgung erhoben. Niemand wird eine Regierung wiederwählen, die mit teuren Wahlgeschenken sofort spürbar die Lohnsteuer erhöht und damit die Einkommen kürzt. Hier werden demokratiefördernd das klassische Gefangenendillema ebenso wie bisherige Problemkonstellationen von Notenbankpolitik und Globalsteuerung (Stichwort Stagflation) rechtzeitig durchbrochen.

Staatsschulden = „Forderung gegen Steuerzahler“

Staatsschulden sind bisher zu wenig erhobene Steuern bei Inländern. Schon aus diesem Grund sollten Staatsschulden nicht länger verbrieft in der Welt herumgereicht, sondern national sauber verbucht und getilgt werden. Die Monetative hat durch ihre Steuerelemente alle Möglichkeiten dazu, diese Aufgabe korrekt zu erledigen. Die Monetative verbucht diese Staatsschulden aktiv als „Forderung gegen Steuerzahler“ mit Passivierung als Guthabenkonto des Staates bei der Zentralbank. Wir schauen uns dazu die Bilanz der Monetative mit den 2 wichtigsten Bilanzpositionen an:

Aktivseite _______________________________Passivseite
„Forderungen gegen Steuerzahler“ ________„Guthabenkonto des Staates“
„Forderungen gegen Banken“ ____________„ZB-Guthaben der Banken“

Der Staat hat also nun seine Konten direkt bei der Monetative, die ihn mit Auslaufen der verzinslichen Staatsanleihen und im Fall der zeitweisen Anwendung von Werkzeug B nun zinslos mit dem Buchungssatz „Forderung gegen Steuerzahler an Guthabenkonto Staat“ finanziert. Zinsen auf Staatsschulden sind nun ein Auslaufmodell. Gleichzeitig laufen aber auch ständig die Einnahmen der Kreditsteuer (Werkzeug A). Übersteigt der Guthabenstand auf dem Staatskonto den staatlichen Liquiditätsbedarf, wird die überschüssige Liquidität zur Bilanzverkürzung wieder ausgebucht.

„Hat man die direkte NB-Finanzierung des Staates nicht aus gutem Grund verboten?“

Durch die Gewaltenteilung zwischen der – im Sinne einer völlig unabhängigen Notenbank agierenden – Monetative mit eigener Steuergewalt und der Regierung ist dieser Ablauf jetzt gut verantwortbar. Die Unabhängigkeit der Monetative vom jetzigen Zentralbank-Konstrukt wird sogar noch viel größer. Kaum jemand wird ernsthaft glauben, dass sich die Handelnden der EZB, FED und BoJ heute dem sachlichen und politischen Druck des drohenden Totalzusammenbruchs des heutigen Systems entziehen können. Indem dieser Crash durch die neuen Werkzeuge ausgeschlossen ist, sind also auch diese Zwänge behoben. Die ständig sinkenden Staatsschulden und die „Nullinflationspolitik“ werden ein zusätzliches Vertrauenspolster in das neue Erfolgskonstrukt der Monetative aufbauen. Zur Stützung des Vertrauens in Deutschland kann man das Konstrukt auch gern weiter „Bundesbank“ nennen – der Begriff „Monetative“ soll in diesem Beitrag nur die neue Qualität als unabhängige vierte Staatsgewalt mit eigener Steuergewalt differenzieren.

Aufgabe 2 der Monetative: Verhinderung der Vergesellschaftung von Verlusten des Finanzsystems

Wie zuvor begründet, schafft die faktische Staatsgarantie für die Passivseite der Banken- und Versicherungsbilanzen die dringende Notwendigkeit, auch die Aktivseite zu regulieren. „Ganz nebenbei“ wollen wir mit dieser Aufgabe der Monetative auch noch ein paar andere Probleme lösen, welche die gewollte Nullsparzinspolitik der Monetative erst ermöglichen.

Kapitalbildende Versicherungen abwickeln?

„Kapitalbildende“ Versicherungen sollten ein Auslaufmodell sein – ihr Wirken ist in Gesellschaften mit Geldsparüberschuss ein gesellschaftlicher Missstand. Die „private Altersvorsorge mit garantierter Sicherheit“ ist nur eine Nachfrage nach Staatsverschuldung, die wir ja jetzt Stück für Stück abschaffen wollen.
Mit dem Wegfall dieser Staats-Schuldtitel schwindet auch die wesentliche Bilanzgrundlage der „kapitalbildenden“ – besser „staatsschuldenbildenden“ – Versicherungen. Versicherungen müssen sich in ihrem Geschäftsmodell also wieder dem Versichern von Risiken zuwenden.

Zurück zu einem vollständig beitragsfinanzierten Rentensystem

Die Förderung der „privaten Altersvorsorge“ sollte dringend zugunsten einer Rückkehr zur vollständig beitragsfinanzierten Altersvorsorge eingestellt werden.
Neugeschäft für den kapitalbildenden Bereich ist zu untersagen, ebenso wie der Ankauf jeglicher ausländischer Schuldtitel. Die Einführung der geförderten privaten Altersvorsorge in Deutschland sollte Staatsanwälte beschäftigen

Geschäftsbanken-Aktiva = nur noch Kredite an private Inlandsprojekte

Die Aktivseite von Bankbilanzen darf nur noch um Forderungen gegen inländische Investitionsprojekte erweitert werden. Für diese Kreditvergaben existieren in Deutschland gute und wohl auch ausreichende Vorschriften für Besicherung und Eigenkapitalunterlegung. Mit der oben beschriebenen Absturzsicherung werden die bestehenden systemischen Risiken minimiert. Sollte es infolge der vorgeschlagenen Reformen zu stärkeren Preissteigerungen bei Sachwerten kommen, dann müssen die Eigenkapitalanforderungen für Kredite allerdings verschärft werden, um eine „Blasenbildung“ mit Kredithebel zu verhindern. Eigenkapitalinduzierte Preiserhöhungen von Sachwerten sind aber keine Blasen, sondern durchaus wünschenswerte Wertsteigerungen, die überschüssige Sparvermögen absorbieren und die realwirtschaftlichen Renditen senken.
Die Sicherheit und Stabilität eines Kreditgeldsystems hängt aber auch an der Vollstreckbarkeit in die Pfänder. Darauf haben wir nur im Inland so viel Einfluss, dass wir die Einlagen ohne Verlustrisiko staatlich garantieren können. Natürlich können die deutschen Anleger auch Projekte im Ausland finanzieren, aber dann nur auf eigenes Risiko mit Eigenkapital. Die „schwäbische Hausfrau“ hätte auf ihr Risiko niemals spanische oder US-amerikanische Subprime-Bauten finanziert, die als Schuldtitel massenweise in deutschen Bankbilanzen gelangten.

Umworbene Einlagen gibt es nicht mehr

Ihre Forderungen gegen private inländische Kreditnehmer können die Geschäftsbanken aber jederzeit bei der Monetative gegen Forderungen an die Monetative (Zentralbankgeld) via „stiller Abtretung“ in Zentralbankgeld monetisieren. Es gibt also keine Knappheit an Zentralbankgeld für Guthaben aus Geldschöpfung der Geschäftsbanken. Es wird nur vorgegeben und streng kontrolliert, dass diese Kredite durch ausreichend Eigenkapitalunterlegung durch Pfänder der Kreditnehmer und Eigenkapital der Bank notenbankfähige Qualität haben. Dies bedeutet auch, dass es keine Vorab-Einlagen für Neukreditvergabe braucht, weshalb es auch keinen Zinswettbewerb um die „Anleger“ gibt, insbesondere da andere „Anlagen“ den Banken von der Monetative nicht mehr erlaubt sind.

Es hat sich „ausgetendert“

Die Giralguthaben der Geschäftsbanken sind also faktisches Zentralbankgeld der Monetative, da Sie unbegrenzt in dieses umgetauscht werden können. Dies ist quasi die Gegenleistung und Erleichterung für die Geschäftsbanken für die Regulierung ihrer Kreditvergabe. Jegliche sonstige Geldmengensteuerung mit „Tendern“ entfällt, Der direkte Eingriff in Kreditzinsen der Geschäftsbanken ist ein direktes und damit schnelles Steuerelement – wirksamer als das bisherige, wegen Knappheit der solventen Kreditnehmer unwirksame Steuer-Mittel mit quantitativer Begrenzung von Zentralbankguthaben. Quantitative Betrachtungen werden von der Monetative vielmehr auf das in kurzen Intervallen meldepflichtige Neukreditgeschäft der Geschäftsbanken fokussiert.

Lösung „versteckter“ Bankenprobleme

Es ist generell davon auszugehen, dass in Bank- und Versicherungsbilanzen noch gigantische „stille Lasten“ liegen, die durch Buchungstricks versteckt wurden.
Eine weitgehende Umsetzung der Reformvorschläge in den USA und Europa würde durch Aufwertung der Sachaktiva eine weitgehende Rückgängigmachung der Verluste bedeuten. Hierzu gibt es eine schöne Visualisierung im dritten Teil des Films „Global Change 2009“ .

Die Aufgaben der Geschäftsbanken: Zahlungsverkehr, Kreditvergabe, Eigenkapitalvermittlung

Unser neues Geldsystem kennt risikolose/zinslose Geldhaltung mit Staatsgarantie und Kapitalanlagen in Form von risikotragendem Eigenkapital in Eigenkapitaltitel oder Direktinvestition in Sachwerte. Die Rolle der Geschäftsbanken bleibt in diesem System sehr wichtig für eine funktionierende Marktwirtschaft. Sie sind aber keine „Firmen mit besonderer Machtposition“ mehr.

Kreditvergabe/Zahlungsmittelschöpfung + Zahlungsverkehr

Geschäftsbanken betreiben mit solventen privatwirtschaftlichen Kreditnehmern Zahlungsmittelschöpfung, was auf der anderen Seite durch die Zahlungsmittelvernichtung der Tilgung der Privatkredite und der Staatsschulden durch die Kreditsteuer ausgeglichen wird. Die Zahlungsmittelschöpfung erfolgt als Monetisierung von Pfändern des Kreditnehmers unter zusätzlicher Besicherung durch anteiliges Bankeneigenkapital.

Bar oder giral – egal

Es gibt damit nun Zahlungsmittelbestände, die aus Gründen der Liquidität und kurzfristigen Wertaufbewahrung von Wirtschaftern wahlweise in Forderungen gegen eine Geschäftsbank (Giralgeld) oder als Forderung gegen die Monetative (Bargeld) gehalten werden. Da größere Bargeldhaltung ein privates Sicherheitsrisiko darstellt und immer mehr per Überweisung gezahlt wird, wird Bargeld nur einen geringen Anteil haben. Ein warum auch immer einsetzender Bankenrun wäre in diesem Konstrukt aber dennoch kein Problem.

Wettbewerb okay = Preis für Zahlungsmittelschöpfung okay

Die Banken erheben einen Kreditzins, der auf Basis ihrer Kosten und der Kreditsteuer als „Materialeinsatz“ mit einem dem Wettbewerb ausgesetzten Gewinnaufschlag kalkuliert wird. Ein Konzentrationsprozess unter den Banken ist vom Kartellamt zu verhindern, um einen ausreichenden Wettbewerb zu erhalten. Gegen Dumping-Kalkulationen zur „strategischen Wettbewerbsreduzierung“ sollte die Aufsichtbehörde aber ebenfalls vorgehen.

Filialbanken – Kontoführungsgebühren steigen wohl etwas

Weiterhin bieten die Banken natürlich die Kontoführung und den Zahlungsverkehr an. Da wegen des Konstrukts kein Bedarf an „Einlagen“ besteht, wird diese Leistung bei Filialbanken wohl zum Ausgleich des harten Wettbewerbs um Kreditmargen etwas teurer werden.

Neue Aufgabe: Vermittlung von Eigenkapitalgeschäften, „Wertgeld“

Banken haben eine hohe Kompetenz in der Bewertung der Risiken realwirtschaftlicher Geschäfte. Dies können Sie nicht nur für die Kreditvergabe nutzen, sondern auch für die Vermittlung verbriefter Eigenkapital-Anlagen oder direkter Investitionen in Sachwerte. Diese Geschäfte sind Provisionsgeschäfte auf reines Risiko des Anlegers. Der Anleger ist über Risiken natürlich in klarer und eindeutiger Form zu belehren. Ich sehe ein enormes Potenzial in „ungehebelten Fonds“, also Verbriefung realer Investitionsgüter ohne Kredithebel. Hier wird bei wenig Risiko (fehlender Kredithebel, Risikostreuung möglich) eine realwirtschaftliche Rendite bei maximaler Liquididät erwirtschaftet. So kann man Liquiditätsbedürfnisse und Ertragswünsche mit relativ großer Sicherheit verbinden. Dieses „Wertgeld“ wäre als Wertaufbewahrungsmittel die ideale Ergänzung unseres „Schuldgeldes“ zur Wertschöpfung.

Wie kommen Nichtunternehmer zu realwirtschaftlichen Renditen?

In Deutschland haben die Unternehmer nun schon seit einigen Jahren einen negativen Kreditsaldo. Sie finanzieren sich also aus Abschreibungen und Gewinnen selbst. Dies ist der Grund, warum wir für die „Geld-Sparleistung“ der Nichtunternehmer heute Staat und Ausland verschulden müssen, um unser wirtschaftliches Gleichgewicht zu halten. Natürlich werden noch neue Kredite von den Unternehmern aufgenommen, aber eben noch mehr alte Kredite getilgt. Aus diesem Grund finde ich das oben genannte Wertgeld-Fondsprojekt so wichtig. Damit können realwirtschaftliche Renditen auf die Seite der Nichtunternehmer gezogen werden, aber auch neue, eigenkapitalschwächere Existenzgründer im Sinne des Erhalts des Wettbewerbs teilweise finanziert werden. Hier sollte die Monetative die regulatorischen Rahmenbedingungen schaffen.

Aufgabe 3 der Monetative: Herstellung außenwirtschaftlichen Gleichgewichts

National gilt für ein Exportüberschussland wie Deutschland:
Staatsschuldenwachstum = Wachstum der privaten Geldvermögen abzgl. Exportüberschüsse

National gilt für ein Importüberschussland wie Griechenland:
Staatsschuldenwachstum = Wachstum der privaten Geldvermögen zzgl. Importüberschüsse

Dauerhafte Exportüberschüsse sind deshalb keine gute Sache – sie haben schon einige Kriege ausgelöst. Heute wird auf uns Deutschen deswegen wohl nicht geschossen werden, vielmehr wird man uns zu einem Transfer der „überschüssigen“ Einnahmen zwingen. Spätestens an diesem Punkt sollten wir keine Zeit mehr auf Diskussionen verschwenden, wer denn nun an dieser Situation des Ungleichgewichts schuld sei. Wir haben jetzt mit der Monetative das bisher fehlende Instrument, binnenwirtschaftliches Gleichgewicht auch ohne Exportüberschüsse oder extreme Staatsschulden herzustellen. Mit Werkzeug E, der variablen Ausfuhrumsatzsteuer, können wir mit der Besteuerung von Exporten eine Einnahme schaffen, die wir direkt über Werkzeug B wieder der Stärkung der Binnennachfrage zuführen können.

Dabei ist vorerst bedächtig mit kleinen Steuersätzen vorzugehen, denn die etwas stärkere Ausrichtung der deutschen Wirtschaft auf den Binnenmarkt ist ein längerfristiges Projekt. Wichtig ist jetzt vor allem, dass es überhaupt ein Mittel und einen Plan für dieses Projekt gibt. Mit einer internationalen Umsetzung der Monetative-Reform in der gesamten Euro-Zone haben wir dafür auch sehr viel Zeit – die Euro-Krise wäre endlich beendet.

Nullzinsfinanzierung von Staatsschulden erlaubt Prolongierung statt Abschreibung

Unbedingt sollten wir deshalb die Monetative als Lösungsansatz auch in den EU-Krisenländern vorschlagen. Eine Sanierung von deren Staatshaushalten ist mit dem vorgeschlagenen Lösungsansatz ebenso möglich. Die Nullzinsfinanzierung der neuen Staatsschulden verhindert die Abschreibung der bestehenden Schulden. Die Staatsschuldenstände selbst Griechenlands liegen noch deutlich unter der Japans, und es gibt bei Nullzins keinen Grund, dort Forderungsabschreibungen vorzunehmen – Nicht nur wegen des wirtschaftlichen Schadens, sondern auch wegen der moralischen Demütigung der Schuldnerländer und unnötiger Vorwürfe der Gläubigerländer. Dies alles kann einer erfolgreichen europäischen Entwicklung nicht zuträglich sein.

Schlusswort: Monetäre Grundschulbildung verhindert Schildbürgerstreiche

Grundgesetzliche Schildbürgerstreiche

Was in der sogenannten Schuldenkrise in den letzten Jahren alles passiert ist, erinnert mich an die Geschichte der Bürger von Schilda. Der Versuch, Staatsschulden mit grundgesetzlichen Schuldenbremsen zu bekämpfen, liegt nicht weit von dem Versuch, Licht in Säcken in ein falsch geplantes Gebäude zu tragen. Die kollektive Kritiklosigkeit dazu in allen gesellschaftlichen Gruppen und Medien bestätigt die These eines Volkes von monetären Analphabeten. Dass ein Staatshaushalt anderen Gesetzen unterliegt als ein Privathaushalt, sollte den Kindern bereits in der Grundschule beigebracht werden. Ebenso, dass Geldvermögen kein Ding aus einer Schatztruhe oder von einer Zentralbank, sondern anderer Leute Schulden sind. Mit Grundlagenwissen zu solchen eigentlich trivialen Dingen sind fatale Missverständnisse und ökonomische Katastrophen gut vermeidbar. Dazu braucht es natürlich erst einmal Lehrkräfte, die selbst wissen, was Geld ist und wie die Wirtschaft damit funktioniert.

Erwachsenenbildung jetzt – Volkswirte haben etwas gutzumachen

Wenn wir es freundlich formulieren, haben sich gerade deutsche Volkswirte in der Krise nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Sie sollten sich jetzt selbst zu saldenmechanischen = logischen Zusammenhängen weiterbilden bzw. verdrängtes Wissen endlich zur Anwendung bringen, damit über ihre Beziehung zur Logik nicht auch künftig noch so zu urteilen ist wie im folgenden Auszug aus einem Artikel von Heiner Flassbeck (erschienen in einem Sammelband zum 75. Geburtstag von Wolfgang Stützel, Herbst 2000):

Wenn man heute Wolfgang Stützels Beitrag zur Volkswirtschaftslehre Revue passieren lässt und sich gleichzeitig den Stand der aktuellen wirtschaftspolitischen Auseinandersetzung vor Augen führt, ist man zwischen Verzweiflung und Zynismus, Wut und Erstaunen hin- und hergerissen. Wolfgang Stützel ging es vor dreißig Jahren ähnlich. In der Veranstaltung zu Wirtschaftstheorie und politik, die er mit Vorliebe sein „Oberseminar“ nannte, begann der vortragende Seminarist regelmäßig mit der Darstellung hochtrabender theoretischer Modelle und endete, im Gefolge eigener Fehler oder „angeregt“ durch Wolfgang Stützel, regelmäßig bei der Deklination der volkswirtschaftlichen Saldenmechanik. Solche Kurse würde man auch heute noch vielen Ökonomen und Politikern wünschen. Genau wie damals werden heute in der wirtschaftspolitischen Diskussion ohne Unterlass Positionen bezogen, von denen man schon aufgrund der saldenmechanischen Zusammenhänge weiß, daß sie nicht haltbar sind. Trotzdem oder vielleicht gerade deswegen haben die Ökonomen, in Deutschland insbesondere, ein gespaltenes Verhältnis zu ihren eigenen logischen Grundlagen. Einen Mathematiker, der sich in seinen Ausführungen immer eilfertig von den Grundrechenarten distanzierte, würde die Disziplin rasch zum Schweigen bringen. Einen Physiker, der bei seinen Ableitungen beiläufig die Newtonschen Gesetze „widerlegte“ oder schlicht ignorierte, würden die Fachkollegen sicher in Minuten demontieren. Anders in der Ökonomie: Es ist geradezu tugendhaft, wenn man sich von „Identitäten“ und „Saldenmechanik“ distanziert, ganz gleich, wie oft man dabei gegen die reine Logik verstößt.

Liebe VWLer – wir sind nicht nachtragend, aber macht bitte endlich euren Job. Bitte entwickelt und diskutiert neue Modelle der Globalsteuerung auf Basis der Wahrnehmung der völlig gestörten makroökonomischen Situation Deutschlands. Deutschland wäre als der Investitionsgüterhersteller ein Hauptopfer einer deflationären Depression, die gerade Deutschland mit seinem (bezüglich saldenmechanischer Zusammenhänge) unaufgeklärten Handeln in Europa gerade heraufbeschwört. Noch können wir diskutieren – aber nicht mehr lange …

„Dabei läuft die Zeit ab, in der ein rationales und auch radikales Hinterfragen der sozialen Verhältnisse (und das Kapital ist nichts anderes als ein soziales Verhältnis), unter denen wir leben, überhaupt noch möglich ist. Ab einer bestimmten Eskalationsstufe der Krise wird die bereits allgegenwärtige blinde Wut, die das in Agonie befindliche System ausschwitzt – und die sich derzeit in wilden Schuldzuweisungen äußert – übermächtig. Der Wahn wird sich der krisengeschüttelten Gesellschaft vollends bemächtigen.“ (Thomas Konicz)

Ich danke für Ihr Interesse.

Augustusburg, 30.01.2012
Jörg Buschbeck
Vorstand Global Change 2009 e. V. http://www.guthabenbremse.de

Der Autor steht unter jb@buschbeck.com für Nachfragen zur Verfügung. Ich suche Unterstützung durch Weiterentwickler, Weiterverbreiter, Übersetzer oder auch Spenden zur Beschäftigung entsprechender Dienstleister. Der Text kann unter Nennung der Quelle frei verbreitet und weiterentwickelt werden.

74 Kommentare zu „Ein grundlegender Lösungsansatz für die Systemkrise – Notenbanken werden zur „Monetative““

  1. Ich möchte mich kurz (nicht-monetär) einschalten. Ich weiß nicht ob man die Entstehung des II.WK allzu monokausal auf Brüning reduzieren sollte. Ein Zeitgenosse dürfte aus seiner persönlichen Sicht mindestens folgende 5 Wahrnehmungen, Erfahrungen und Frustrationen durchgemacht haben:

    1. Gefühlte Schmach des verlorenen I.WK.

    2. Erlittene Kriegsverletzungen/Verwundungen/Tod.

    3. Hyperinflation 1923, Verlust des lebenslang Ersparten.

    4. Arbeitslosigkeit (richtiger: Einkommenslosigkeit) ab 1929

    5. Demokratie = Durcheinander, Wunsch: Führer = Ordnung

    Erst dieses gesellschaftlich erlebte Amalgam aus 5 Zutaten lässt einen wie Hitler nach oben spülen.

    1. @Andreas – die 180° Grad falsche Politik hängt damit zusammen, dass der einzelwirtschaftliche Zusammenhang 180° zum gesamtwirtschaftlichen Zusammenhang liegt. Da sind keine „naturbösen“ Kräfte am Werk – nur schrecklich ungebildete – vom Wähler bis zum Politiker 😦

      @Stephan Goldammer
      wenn ich sage, dass es ohne die deflationäre Massenarbeitslosigkeit Hitler wohl so nicht gegeben hätte, sage ich ja nicht, dass dies der einzige Grund war.

      In irgendeiner Form wird es aber auch heute unfriedlich ausgehen, wenn sich die Depression auf ganz Europa ausbreitet. Irgendwann sind dann auch die Guthaben platt und dann ist sogar in Deutschland wieder der Teufel los.

      Beängstigend ist, dass in der Abwärtsspirale eine Zerstörung dann das Gebot der Stunde ist – wer diese nicht glaubt, sei auf den so erfolgreichen Krieg gegen Autos = Abwrackprämie verwiesen.

      Übrigen sind die deutschen Exportüberschüsse für andere Länder dies, was Versailles einst für die Deutschen war – ein krisenverstärkender Abfluss von Geld.

  2. Hallo Herr Buschbeck,
    ich habe als interessierter Laie eine Frage dazu:
    Es ist mir eingegangen, dass es Verschuldung geben muss, damit es Ersparnis geben kann.
    Zielt Ihr Vorschlag im Kern u.a. vielleicht darauf ab, dass Sie das Sparen verhindern bzw. vermeiden wollen, damit es keine Verschuldung mehr gibt?
    LG Andreas

    1. Hallo Andreas,

      wenn man aus der Staatsverschuldung (kreditwürdige Privatschuldner sind aus) kein Problem machen würde, müßte man auch nicht das Geldsparen bremsen.

      Mir geht es um den Krieg der droht, wenn man Staatsschuldenbremsen ohne Guthabenbremsen macht.

      Es entsteht dann eine deflationäre Depression, die alles ruiniert, Finanzsystem, Wohlstand, Freiheit, Frieden.

      Siehe letztmalige Deflation ab 1929 – BIP minus 40% bis 1932 – explodierende Arbeitslosigkeit – dann Hitler/Krieg.

      1. Danke für die Rückmeldung!!
        Diese Befürchtungen teile ich vollständig!
        Aber denken Sie, dass es tatsächlich noch um die „richtige“ Ökonomie geht? Um das richtige Modell?
        Demnach hätte die Politik, angesichts des emprischen Befundes, ja schon einen 180 Grad-Schwenk einleiten müssen …
        Also scheint es so zu sein, dass „bestimmte“ Kreise immer noch sehr gut von diesem Zustand profitieren. Oder wie Wolfgang Waldner das sinngemäß geschrieben hat: „Die Finanzeliten wollen einen Vermögensverlust vermeiden, indem sie einer Inflation entschieden entgegen treten!“
        Das zeigt die derzeitige Politik allerdings sehr eindruckvoll …
        Ich glaube, in Anlehnung an Wolfgang Waldner, nicht an Zufälle! Ich kann nicht anders …
        Aber natürlich ist es richtig und wichtig, der von oben verordneten „Alternativlosigkeit“ etwas entgegen zu setzen, damit die Menschen überhaupt begreifen, dass es Alternativen gibt.
        In diesem Sinne ein herzliches Dankeschön für Ihre Arbeit!
        LG Andreas

  3. @ renee.menendez re: Zentralbankgeld

    Hallo Renee,

    Sie schreiben, daß Zentralbankgeld keine Forderung im eigentlichen Sinne darstellt:

    „Die Forderung an eine Zentralbank lautet auf die Lieferung (!) von Banknoten“.

    Das ist zwar formell richtig, aber eine verkürzte Betrachtung der Geschäfte, die die Zentralbank vornimmt.

    Der größte Teil des Zentralbankgeldes stammt aus Wertpapierpensionsgeschäften. Die Geschäftsbanken können (und müssen) die bei der ZB in Pension gegebenen Wertpapiere gegen Zentralbankgeld zurückkaufen.

    De facto stellt das in Pensionsverträgen geschaffene Zentralbankgeld damit eine Forderung auf die in Pension gegebenen Wertpapiere dar.

    Kauft die Zentralbank Wertpapiere definitiv an und hält diese bis zum Fälligkeitstermin, stellt das dabei geschaffene Geld einen Ansprch auf Vernichtung der angekauften Forderung dar.

    Kauft die Zentralbank aber forderungslose Vermögenswerte (z.B. Gold) definitiv an, dann kann sie frei bestimmen, wann sie diese Aktiva wieder verkaufen will. Das so geschaffene Geld stellt dann in der Tat keine „Forderung“ gegen die Zentralbank dar.

    Würde die Zentralbank den größten Teil ihres Geldes auf diese Weise schaffen, wäre Ihre oben zitierte Aussage richtig. Da aber der größte Teil des Zentralbankgelds über Wertpapierpensionsgeschäfte entsteht, trifft ihre Aussage nur für einen kleinen Teil des Zentralbankgeldes zu, ist also überwiegend falsch.

    Die geldpolitische Funktion des „forderungslosen“ Geldes zu betrachten, wäre dann der nächste Schritt, den ich hier aber ausklammere.

    Jedenfalls führt Ihre Betrachtungsweise, für Zentralbankgeld könne von der Zentralbank nichts gefordert werden als die Herausgabe anderer Noten, zur Verkennung der Realität und zu falschen theoretischen und praktischen (politischen) Konsequenzen.

    MfG
    moneymind

  4. crosspost von:
    http://soffisticated.wordpress.com/2012/10/31/vollgeldspielereien/#comment-228

    Hallo Herr Buschbeck,

    ich habe mir Ihren Artikel vom 30.01.2012 noch einmal angesehen und weiß auch wieder, warum ich es bisher vermieden habe, dazu zu kommentieren. Das liegt darin, daß eine Diskussion darüber grundlegende Auffassungsunterschiede zu Tage fördern würde, die bereits bei dem Thema beginnen, was der Unterschied von Geld und Kredit ist. Meines Erachtens verwischen Sie den Unterschied von Forderungen an Geschäftsbanken und Zentralbanken und damit die Tatsache, daß es sich bei den heutigen Geldsystemen um ein zweistufiges Konstrukt handelt. Das erlaubt es jedoch nicht beide Forderungen ohne weiteres gleichzusetzen, weil im einen Fall die Einlösbarkeit in Banknoten von dem Liquiditätsstatus der Bank abhängig ist, während eine Zentralbank sich dadurch auszeichnet, daß sie kein Liquiditätsproblem kennt – natürlich nur hinsichtlich derjenigen Währung, die sie auch selbst emittieren kann.

    Aus derartigen Gründen ist z.B. Ihre vorgetragene Formulierung „Geld ist kein Ding, sondern eine Forderung“ in Bezug auf Geschäftsbanken noch in etwa richtig, stimmt im Zusammenhang mit Zentralbanken jedoch nicht mehr. Denn die Forderung an eine Zentralbank lautet auf die Lieferung (!) von Banknoten (= Primärliquidität), so daß

    a) eine Banknote außerhalb der Zentralbank der Ausweis über die erfolgte Lieferung von Banknoten, d.h. der Ausweis der Erfüllung einer Forderung gegen die Zentralbank ist, die deswegen keine Forderung gegen die Zentralbank mehr sein kann,

    und

    b) Forderungen gegen die Zentralbank deswegen von den Geschäftsbanken als Zentralbankgeld im Sinne einer schuldbefreienden Zahlung akzeptiert werden, weil das tägliche ‚clearing‘ durch Barzahlungsprozesse zu umständlich und zu teuer wäre. (Und jetzt nicht das „Argument“, die Banken könnten sich ja die Salden gegenseitig kreditieren – weil genau das nicht mehr so wie „früher“ läuft mußte Draghi gerade seine LTRO-Tender auflegen, um dem „eingefrorenen“ Interbankenmarkt etwas entgegenzusetzen, nämlich Primärliquidität = Zentralbankgeld!)

    Vgl.:
    http://soffisticated.wordpress.com/2012/05/03/verirrungen-zwischen-geld/

    Was die Monetative betrifft:
    http://www.monetative.de/?page_id=61
    die Sache mit der Geldschöpfung (Punkt 1) beruht m.A.n. auf der unzulässigen Gleichsetzung von Geld und Forderungen auf Geld, so daß Punkt 2 eine ‚contradicito in adjecto‘ ist, die gleichzeitig übersieht, aus welchem Grunde diese Konstruktion einen anreizkompatiblen Mechanismus zur Herstellung von allgemein akzeptierten Bonitätsnormen ist. Punkt 3 schließlich verkennt schlichtweg, daß die Integration von Geld über die Staatsausgaben ein Konzept der neoklassischen Ökonomie ist, der sich sinnbildlich in dem Abwurf von Geld aus dem Hubschrauber – nach M. Friedman – skizzieren läßt. Insofern bestätigt die Monetative die ideologischen Konzepte des Neoliberalismus und stellt sich damit statt in einen innovativen Rahmen letztlich in den Dienst der orthodoxen Knappheitstheorie des liberalen Marktes. Diese Panne bei der Formulierung „innovativer“ Ideen ist typisch für die Geldtheorie, die sich bisher von der übermächtig scheinenden Dominanz der Quantitätstheorie noch nicht emanzipieren konnte.

    Und Stützel:

    Gerade aus der Generalgleichung
    NGV = Kasse + (Geld-)Forderungen – (Geld-)Verbindlichkeiten
    ergibt sich doch, daß der Unterschied von Zahlungsmitteln (Banknoten) und Forderungen auf Banknoten einen Unterschied macht, der deswegen meistens eingeebnet wird, weil beide Größen die gleiche Einheit aufweisen, sachlich sich jedoch grundlegend unterscheiden. Stützel wußte, daß man das, was die Monetative einebnen will, grundsätzlich auseinanderhalten muß, um sich nicht sofort in Widersprüchen wiederzufinden. Insofern ist Stützel als Anwalt für die Ziele einer Monetative denkbar ungeeignet.

    Sie sehen: alleine die Einigung über den Inhalt von Begrifflichkeiten könnte schon zu einer langwierigen Angelegenheit werden. Die entsprechenden Probleme wurden ja von anderen Kommentatoren bereits angesprochen. Und mal abgesehen davon: hinter vielen Begrifflichkeiten steht noch die spezifische Interpretation im Lichte einer ökonomischen Theorie, welche man auch noch nebenbei im Kopf haben muß, um genau! – und nicht nur ungefähr – zu wissen, wovon gerade eigentlich geredet wird. Diesem Umstand entkommt man nicht, auch wenn Sie das früher (?) anders gesehen haben.

  5. @Jörg
    @systemfrager

    Sorry, mein letzter Beitrag gehört nicht hierher. Zumal er von den Grundlagen dieses Blogs abweicht. Wir geraten hier in eine „WER-Diskussion“ und haben keine „WARUM-Diskussion“ und deshalb breche ich die Diskussion an dieser Stelle zu diesem Thema ab.

    @Jörg
    Du kannst diesen und den letzten Kommentar von mir gerne löschen.

  6. @systemfrager
    Die Äußerungen in diesem Diskussionsstrang und die Darlegungen auf http://www.forum-systemfrage.de zeugen von einem gesunden Selbstbewusstsein, diplomatisch ausgedrückt.

    Zu Deiner Verdammung des „Marxismus“ in Bausch und Bogen bleibt festzuhalten: Es gibt eine große Anzahl von „Marxismen“ und Marx selbst behauptete kein „Marxist“ zu sein, weil er die Kurzschlüsse aus seinen Arbeiten nicht guthieß.

    Ich selbst gehöre zu denjenigen, die im „Kapital“ eine grundlegende Kritik der politischen Ökonomie sehen, in der die Grundlagen der „bürgerlichen“ politischen Ökonomie „Geld“, „Ware“ und „Wert“ dechiffriert und kritisiert werden. Die „Arbeiterbewegten Marxisten“ haben im Kapital eine „marxistische politische Ökonomie“ gesehen, und haben ihr Theoriegebäude auf den Basiskategorien aufgebaut, die Marx gerade kritisiert hat. Ich fürchte, das war nicht im Sinne von Marx. Aber der war ja auch kein Marxist. 🙂

  7. aber auch für die Energiepolitik und Ökologie braucht es viel Markt und ganz wenig Staat, der aber das richtige tut. Nämlich Die Externalität des Naturverbrauchs zu internalisieren. Da hat die Grünen mit der Ökosteuer der Mut verlassen – lustigerweise ist es beim „Staatsfummel EEG“ jetzt unfreiwillig passiert. Strom der G4 ist jetzt so teuer, dass sich eine dezentrale und regenerative Energieversorgung im Markt als erfolgreicher Selbstläufer ergeben wird.

  8. @hajo

    >>>Wenn ich Dich richtig verstehe, soll der menschliche Egoismus durch einen neu beauftragten Staat im Zaum gehalten werden.

    Nein keineswegs, ich schlage vor, den Egosismus im Sinne der unsichtbaren Hand intensivst zu nutzen bzw. zu kanalisieren,

    Dazu braucht es aber oft den Staat, wegen der Rationalitätenfallen und natürlichen Marktstörungen. Z.B. der auch von Marx beschriebenen natürlichen Marktstörung im Arbeitsmarkt. Der natürlich Angebotszwang des doppelt freien Lohnarbeites mit Angebotsausweitung bei sinkenden Preisen im Manchester Kapitalismus.

    Die Marktentstörung(und damit Abschaffung der unfreiwilligen Arbeitslosigkeit aus den Mindestpreisstörungen) sehe ich ja in einem intelligent finanziertem Grundeinkommen plus einem völlig freien Arbeitsmarkt mit reinen Marktpreisen( Also auch kaum Kündigungsschutz). Es wären dann quasi fast alle Unternehmer, ob dass wohl in die Linkspartei passen würde?

    Es bringt nichts, eine Marktstörung(Manchester) durch eine andere (staatliche Arbeitsmarktregulierung, insbesondere staatlich festgelegte Mindestpreise) zu ersetzen. Marktmechanismen müssen grundlegend entstört und in Funktion gebracht werden.

    siehe auch Hönnig:
    http://www.global-change-2009.com/blog/arbeitsmarktgleichgewicht-in-abhangigkeit-vom-sozialsystem/2010/06/

  9. @Hajo
    Deine Marx-Kenntnisse und die der Klassik sind offensichtlich sehr dürftig … diplomatisch ausgedrückt
    Die ganze Werttheorie von Marx ist ein Schwachsinn, schlimmer noch, seine Akkumulationstheorie ist auf einem Fehler aufgebaut und … da muss man Jörg ´Recht gegen … die Anthropologie von Marx ist eine reine Idiotie eines realitätsfernen deutschen Mystiker-Metaphysiker

    Der Marxismus und der klassische Sozialismus | für Eilige
    Ein Flickwerk aus anthropologischen und ökonomischen Beliebigkeiten

    Tot geglaubte leben länger – sagt das Sprichwort. Könnte sich vielleicht auch der Marxismus irgendwann zurückmelden? Nein! Er ist durch sein praktisches Versagen als Utopie nicht mehr attraktiv und wegen seiner theoretischen Fehler hat er sich als Wissenschaft kompromittiert. Völlig nutzlos ist er trotzdem nicht. Er bleibt zweifellos die systematischste und umfassendste Kritik des Kapitalismus, die es je gab. Außerdem sind manche seiner Fehler immer noch aktuell. Zu ihnen gehören auch die typischen Irrtümer jener Menschen, die es zwar gut meinen, aber immer nur Unheil anrichten. Die Beschäftigung mit dem Marxismus bietet uns also die Gelegenheit, auch solche Irrtümer – die es bestimmt noch lange geben wird – besser zu begreifen und aus ihnen zu lernen.
    http://www.forum-systemfrage.de/Aufbau/steuerung.php?tbch=ba&schp=marxis&df_name=baDF20

  10. @jörg
    Also ich kenne in der Partei DIE LINKE niemanden, der glaubt, die Menschen seien von Natur aus nur gut und der Sozialismus sei der Himmel auf Erden. Ich kenne allerdings viele Menschen in meiner Partei, die zutiefst davon überzeugt sind, dass es besser sei, sich auf gemeinschaftliche Ziele zu einigen und diese zu verfolgen, als die Lebensbedingungen der Menschen einer betriebswirtschaftlichen Logik zu unterwerfen.

    Wenn ich Dich richtig verstehe, soll der menschliche Egoismus durch einen neu beauftragten Staat im Zaum gehalten werden. Ich sehe da keinen Unterschied zu meiner Auffassung, Entscheidungsprozesse auf den verschiedenen gesellschaftlichen Ebenen (lokal, regional, bundesweit, europaweit, global) zu installieren, die Ziele und Regeln festlegen. Bei Dir heißt das Staat, bei mir gesellschaftliche Prozesse oder demokratischer Sozialismus.

    Wobei wir noch ein weiteres Forum aufmachen könnten, um uns das Für und Wider diverser Strukturen von Entscheidungsprozessen anzuschauen. Die Piraten machen gerade vor, wie es nicht geht. Aber Bürgergutachten/Planungszellen, Bürgerpaneel, Zukunftswerkstatt und wie die Formen der Entscheidungsprozesse alle heißen mögen, sind reale Möglichkeiten, wie auf den verschiedenen Ebenen Entscheidungen vorbereitet und getroffen werden können.Sie müssen nur implementiert werden!

    Hier findest Du einen Überblick über diese Formen

  11. @systemfrager
    Die Ausführungen zur marxschen Arbeitswerttheorie hinter dem Link sind ncht auf der Höhe der Zeit.

    Hier ein Auszug aus Michael Heinrichs Aufsatz „Was ist die Werttheorie noch wert“ aus dem Jahre 1988. Auf dieser Basis wird in der neuen Marxlektüre diskutiert:

    Marx hat die Arbeitswerttheorie der bürgerlichen Klassik nicht einfach übernommen und an einigen Stellen verbessert, wie manche Autoren meinen. Seine Kritik der politischen Ökonomie muss vielmehr als eine „wissenschaftliche Revolution“ im Sinne von Kuhn (1962), als ein Paradigmenwechsel und nicht als Fortschritt innerhalb eines gegebenen Paradigmas aufgefasst werden. In Anlehnung an die Arbeiten von Althusser (1968, 1972) lässt sich dieser Paradigmenwechsel als Aufgeben einer anthropologischen Begründung des theoretischen Feldes der Ökonomie begreifen. Dass die Größe des (Tausch)Werts einer Ware durch die zu ihrer Produktion notwendige Arbeitszeit bestimmt sei, wurde von Adam Smith mit der Rationalität der einzelnen Warenproduzenten begründet. Da die mit der Arbeit verbundene Mühe den wirklichen Preis für die Erlangung eines Dinges ausmache, werde es nicht gegen etwas getauscht, dessen Erlangung weniger Mühe verursache (Smith 1776, S.37, 41) Im Gegensatz zu dieser Auffassung schreibt Marx im „Kapital“:

    „Die Menschen beziehen also ihre Arbeitsprodukte nicht aufeinander als Werte, weil diese Sachen ihnen als bloß sachliche Hüllen gleichartig menschlicher Arbeit gelten. Umgekehrt. Indem sie ihre verschiedenartigen Produkte einander im Austausch als Werte gleichsetzen, setzen sie ihre verschiedenen Arbeiten einander als menschliche Arbeit gleich. Sie wissen das nicht, aber sie tun es.“ (MEW 23, S.88,)

    Marx bestimmt den Wert gerade nicht durch einen Rekurs auf die Rationalität der Warenbesitzer, sondern als Ausdruck einer gesellschaftlichen Struktur, die den Individuen ihre Plätze anweist und eine bestimmte Rationalität überhaupt erst hervorbringt. Diesem neuen Terrain ökonomischer Begriffsbildung verdankt sich auch die Unterscheidung zwischen abstrakter und konkreter Arbeit. Nicht konkrete Arbeit (die der einzelne Warenproduzent verrichtet und die ihm Mühe verursacht) sondern abstrakte Arbeit, d.h. Arbeit, die dadurch zu gesellschaftlicher Arbeit wird, dass sie im Tausch ihrer Produkte als gleiche menschliche Arbeit auf andere Arbeit bezogen wird, ist wertbestimmend. In der Wertgegenständlichkeit der Arbeitsprodukte (die eben kein natürliches sondern ein gesellschaftliches Phänomen ist) kommt der für die bürgerliche Gesellschaft spezifisch gesellschaftliche Charakter der Arbeit zum Ausdruck. Die Untersuchung dieses „spezifisch gesellschaftlichen Charakters“ und nicht die Begründung des Satzes, dass das Austauschverhältnis zweier Waren den inkorporierten Arbeitsmengen proportional ist, ist der eigentliche Gegenstand der Marxschen Werttheorie.

    Der Wert einer Ware kann nun nicht an ihr selbst bestimmt werden, sondern nur in der Beziehung auf die übrigen Waren und dies ist nur vermittels des Geldes möglich. Daher ist die Marxsche Werttheorie wesentlich „monetäre Werttheorie“ .Die Klassik, die dagegen vom Rationalitätskalkül des einzelnen Warenbesitzers (der das Produkt seiner Mühe nur gegen ein Produkt von gleicher Mühe tauschen will) ausgeht, thematisiert im Grunde eine Barterökonomie. Geld kann sie dabei nur als ein bloß technisches Hilfsmittel begreifen. Dieser prämonetäre Ansatz wird bei allen inhaltlichen Unterschieden auch von der Neoklassik und den Neoricardianern geteilt. Dagegen fasst Marx die bürgerliche Ökonomie wirklich als Warenökonomie, die sich eben nicht aus einzelnen Tauschakten sondern durch einen allseitigen über Geld vermittelten Zusammenhang herstellt. Das bedeutet aber auch, dass es sich verbietet von einer vor dem tatsächlichen Tausch vorhandenen quantitativ bestimmten Wertstruktur auszugehen. Dann stellt sich das Problem der Wert-Preis Transformation aber auch nicht in der Art wie es von Marx im 9.Kapitel des dritten Bandes aufgefasst wird, als Umrechnung von gegebenen Wert- in aufzufindende Preisgrößen.

    Weitere Texte von Michael Heinrich zum Thema

  12. @Hajo
    >>> Beispiel: So ist für einen einzelnen Unternehmer (in einer geschlossenen Volkswirtschaft) eine Kostensenkung durch Lohnverzicht seiner Mitarbeiter_innen rational und nachvollziehbar. Wenn jedoch alle Unternehmer gleichzeitig diese Strategie fahren, sägen sie sich selbst und gegenseitig den Ast ab, auf dem sie sitzen.

    Das ist nur bedingt richtig. Solche monokausalen Erklerungen (pars pro toto) sind meistens falsch. Gerade deshalb braucht man Modelle. Ihre Vorteile:
    – Sie können mehrere oder viele Faktoren und Muster der logischen Verknüpfung gleichzeitig erfassen
    – Erst im Rahmen eines Modells kann die Reicheweite einer Aussage (eines Faktors) ergründet werden.

    Zu deinem Beispiel:
    In dem partikerl-mechanischen Modell (des sog. allgemeinen Gleichgewichts) ist es in der TAt so, dass die Lohnsenkung mehr Beschäftigung bringt:
    http://www.forum-systemfrage.de/Aufbau/ba/33d/ba33d.php?df_name=baDF30&tbch=ba&schp=fruelib&ordner=33d

    Iem Kreislaufmodell sind die Lohnsenkungen nur indirekt für das Wachstum und Beschäftigung relevant . Erst wenn die Lohnsenkung zur Preissenkung führt, haben wir einen Faktor, der das Wachstum und die BEschäftigung erwürgt. Andere FAktoren, wenn sie wirken, können dies überkompensieren

  13. @Hajo
    ist doch ein sehr guter Preis, auch habe glaub ich wesentlich mehr bezahlt. Eventuell aber auch in Uni_Bibliotheken ausleihbar?

    zu Deiner Anmerkung, da sind wir ja bei A.Smith unsichtbarer Hand und stützels Rationalitätenfalle und unserem Grundanliegen.

    Der Egoismus der Menschen ist n.m.E. nicht abschaffbar (kommunistische Vision). Also muss er durch einen neu beauftragten Staat im Sinne der unsichtbaren Hand kanalisiert werden.

    Beispiel, niemand interessieren externe Kosten wie Naturverbrauch jenseits der Heuchelei (Tenor – ich kann die Welt eh nicht retten).

    Also muss der Staat den Naturverbrauch besteuern, und schon arbeitet die unsichtbare Hand gegen den Naturverbrauch.

    Wir erleben aber fast nur Diskussionen, wo Scheinliberale die Marktstörungen leugnen und linke Wunschdenker 🙂 die Nichtabschaffbarkeit des Egoismus.

    Erwachet 🙂 🙂 🙂

  14. @systemfrager
    Ich bin mit meiner Aussage noch ein wenig vorsichtig. Aber nach meinem jetzigen Kenntnisstand wage ich zu bezweifeln, dass aus den Grundannahmen der Mikroökonomie (Nutzenmaximierung bei den Haushalten und Gewinnmaximierung bei den Unternehmen) verlässliche und zutreffende makroökonomische Aussagen abgeleitet werden können.

    Dazu brauche ich nicht die „Paradoxa der Geld- und Konkurrenzwirtschaft“ gelesen zu haben. Da reicht die Erkenntnis, dass das betriebswirtschaftlich rationale Verhalten eines einzelnen Wirtschaftssubjektes (Partialsatz) völlig richtig und logisch ist, aber als Verhalten aller Wirtschaftssubjekte (Globalsatz) entweder gar nicht möglich oder falsch oder gar schädlich ist.

    Beispiel: So ist für einen einzelnen Unternehmer (in einer geschlossenen Volkswirtschaft) eine Kostensenkung durch Lohnverzicht seiner Mitarbeiter_innen rational und nachvollziehbar. Wenn jedoch alle Unternehmer gleichzeitig diese Strategie fahren, sägen sie sich selbst und gegenseitig den Ast ab, auf dem sie sitzen.

  15. Frage : Gibt es die “Paradoxa der Geld und Konkurrenzwirtschaft” irgendwo auch für weniger als 79 Euro + Versand?

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