Graeber – das Märchen vom Tauschhandel(n-tv)


mein Reden – siehe “ Der große Irrtum Tauschwirtschaft:

Das Märchen vom Tauschhandel

Adam Smith gründete nicht nur die Ökonomie, sondern auch den Mythos.
(Foto: Samira Lazarovic)
Als Grund für diesen Irrtum sieht Graeber, der sich selbst als anarchistisch-links einordnet, das, was er den „Gründungsmythos der Wirtschaftswissenschaften“ nennt: Für Ökonomen beginne die Geschichte des Geldes immer mit einer Fantasievorstellung von einer Welt mit Tauschhandel. Adam Smith habe 1776 diese Geschichte vom Tausch von Fisch gegen Weizen erzählt und damit die Disziplin der Wirtschaftswissenschaften begründet. Anthropologen hätten jedoch festgestellt, dass die Menschen nie wirklich direkten Tauschhandel miteinander getrieben haben. Kreditsysteme, also das, was wir heute als virtuelles Geld bezeichnen würden, habe es dagegen schon in Mesopotamien gegeben.

Aber warum hat keiner der Ökonomen diesen Fehler festgestellt, warum waren dazu die Anthropologen nötig? „Die Anthropologen haben es immer wieder erklärt und die Ökonomen haben nicht zugehört – sie hielten an ihrem Gründungsmythos fest.“ Und so sei die Geschichte des Geldes nicht nur falsch, sondern quasi rückwärts erzählt worden: erst der Tauschhandel, dann Geld als vereinfachendes Handelsmittel, dann der Kredit. „Aber der Kredit war vor dem Münzgeld da“. Und dieser Kredit gründete auf einen Vertrauensvorschuss. „Dieses Vertrauen und alle anderen menschlichen Beziehungen untereinander wurden in den ökonomischen Modellen ausgeblendet, damit sie besser in die mathematischen Formeln passten.“

28 Kommentare zu „Graeber – das Märchen vom Tauschhandel(n-tv)“

  1. @Michael,
    Hast Du schon mal „Paradoxa der Geld und Konkurrenzwirtschaft“ von Stützel gelesen? Da nimmt er auf über 300 Seiten die ganzen Irrtümer und unsinnigen Verkomplizierungen aus unsauberen Definitionen auseinander um zu folgender Konjunkturtheorie zu kommen:

    1) In der Gesamtwirtschaft sind Gesamteinnahmen = Gesamtausgaben

    2) Wo Käufermärkte existieren, entscheiden die Ausgabepläne über die Gesamthöhe der Einnahmen, entscheiden die Pläne für Konsum- und Netto-Investitionsausgaben über die Höhe des monetären Volkseinkommens.

    3) Stationarität des Kreislaufs herrscht dann, wenn jeder etwaige Rückgang der Ausgaben für Konsum (gegenüber früher) durch eine Vermehrung der Ausgaben für Investition (gegenüber früher) kompensiert oder auch umgekehrt jeder Rückgang der Ausgaben für Investition durch eine Vermehrung der Ausgaben für Konsum kompensiert wird.

    4) Entspricht der Zunahme der Investitionsausgaben gegenüber früher kein gleichgroßer Rückgang der Konsumausgaben, dann wächst die Kaufstromstärke(Beschäftigungszunahme bzw.Inflation), entspricht dem Rückgang der Investitionsausgaben gegenüber früher keine gleichgroße Vermehrung der Konsumausgaben(gegenüber früher), dann schrumpft die Kaufstromstärke (Beschäftigungsrückgang bzw. Deflation).

    5) Bleiben die Investitionsausgaben konstant und verhalten sich die Konsumenten so, dass sie nach Überschreiten eines bestimmten Einkommens ihre Konsumkäufe gegenüber früher einschränken, nach Unterschreiten dieses bestimmten Einkommens aber Konsumkäufe gegenüber ausdehnen, dann wird im Laufe der Zeit dieses „bestimmte Einkommen“ erreicht und auch dann beibehalten werden, wenn bei dieser Gesamtstromstärke das Produktionspotential nicht voll ausgenützt wird.

    Wie viele Jahre soll man denn dafür studieren? 🙂 🙂 🙂

  2. @Michael

    ich haben genug Zeit in Diskussionen mit studierten VWLern investiert um generalisierend zu folgender Aussage zu kommen:

    Unabhängig von dem mir nicht bekannten Studieninhalten, gilt für ein Großteil:

    Unsere Probleme sind trivial, die Ökonomen scheitern aber schon an der sauberen Bewusstheit, Definition und Unterscheidung von:

    dem Stand der Buchhaltung der BRD – insbesondere der Finanzierungssalden – insbesondere der Verdrängung des Problems
    der viel zu großen privaten Einnahemüberschüsse.

    der Unterscheidung von Sparen und Einnahmeüberschüssen

    der Unterscheidung von Investition und Ausgabeüberschüssen

    der Unterscheidung von Geldvermögen und Zahlungsmittel

    die Entstehung des Geldvermögensphänomens VERSCHULDUNG wird nachweislich, der Zahlungsmitteloperation Kreditaufnahme zugeordnet. Deswegen wird ja mit grundgesetzlichen Kreditbremsen versucht die Verschuldung zu bremsen.

    Wie viele Bundestagsabgeordnete haben ein VWL-Studium? Einige…und keiner erläutert dort mal die korrekte Entstehung von Verschuldung, keiner sagt was zum Wahnsinn der Förderung der privaten Altersvorsorge = Förderung der Staatsverschuldung.

    Also ich kann über Deine Ausführungen nur staunen, lieber Michael. Und warum hat Prof.Schmidt eigentlich die Saldenmechanik als „Weiterentwicklung der ökonomischen Theorie“ auf dem vorletzten Keynes-Kongress präsentiert?

    http://www.global-change-2009.com/blog/saldenmechanik-ein-ansatzpunkt-fur-die-weiterentwicklung-der-makro-okonomischen-theorie/2010/09/

  3. @michael
    Wenn ich Dich richtig verstehe, ist meine Kritik an der herrschendenVolkswirtschaftslehre und ihren Modellen nur meinem unzulänglichen Wissen über die Volkswirtschaftslehre geschuldet.

    Wenn dies so ist, frage ich dich, wieso zum Beispiel junge Ökonom_innen auf der Seite von PAEcon folgende Sätze schreiben:
    Ein Blick in die tägliche Presse zeigt: ob Hunger, Finanzmarktkrise, Klimazerstörung, Managergehälter, Mindestlöhne oder Arbeitslosigkeit – die (ökonomischen) Probleme unserer Zeit sind vielfältig und komplex. Die Antworten von privaten Forschungsinstituten, dem Sachverständigenrat für Wirtschaft und der Presse hingegen sind meist eindimensional. Ein wichtiger Grund hierfür ist, dass die dahinter liegenden theoretischen Konzepte realitätsfern sind und meist ein und derselben Denkschule entspringen.

    Genau hier liegt das Problem.

    Scharen junger NachwuchsökonomInnen bekommen in Ihrer Ausbildung meist nur dieses eine Denkmuster – die neoklassische Modellökonomik – vermittelt. Die Lösung realer gesellschaftlicher Probleme rückt dabei zu Gunsten mathematischer Zahlenspiele und eines Dogmatismus in den Hintergrund.

    Unser Ziel ist es, die Vielfalt ökonomischer Theorien blühen zu lassen, die Lösung realer Probleme in den Vordergrund zu stellen sowie Selbstkritik und Offenheit zu fördern. Auf den folgenden Seiten gibt es zahlreiche Hinweise auf Theorien jenseits des Mainstreams, spannende Literaturhinweise und Hintergrundinformationen …

    Also der Vorwurf Ökonomie nicht studiert zu haben, trifft diese Menschen wohl nicht. Was haben sie in ihrem Studium übersehen? 🙂

  4. > 1) Die herrschende Volkswirtschaftslehre untersucht – meiner Kenntnis nach – die Bedingungen, unter denen an den verschiedenen Märkten sich Gleichgewichte einstellen. Dabei wird angenommen, dass sich alle Marktteilnehmer als nutzenmaximierende Individuen verhalten, die in Kenntnis aller relevanten Informationen handeln.

    NEIN, das ist ein MODELL! Die Ökonomen wissen auch, dass das ein Modell und nicht die Realität ist. Modelle müssen auch nicht extakt die Realität sein, sondern nur Aspkete der Realität erklären können und das können die Modelle. Der Grenzen der MOdelle ist sich die Ökonomik schon bewusst, auch wenn einzelne Ökonomen manchmal nicht so scheinen.

    > Die Aussage von Jean Baptiste Say: „Jedes Angebot schafft sich seine Nachfrage selbst“ ist hierbei zentral.

    Eine der von Laien meist-missverstandenen Aussagen der Ökonomik. Die Begriffe der Ökonomen sind nämlich NICHT die Altagsbegriffe.

    > Bemerkenswert an dieser Theorie ist, dass der Stoff aus dem im Kapitalismus die Träume sind, das Geld, keine Rolle spielt. Geld ist „neutral“.

    Och, mensch, dass Geld nicht neutral ist, wissen die Ökonomen spätestens seit Keynes. DAmit will ich nicht sagen, dass nicht einzelene Möchtegern-Ökonomen immer noch behaupten, Geld wäre neutral. Dennoch: Die gesamte moderne Lehre der Makroökonomik dreht sich um die NICHT-Neutralität des Geldes!

    > Es ist für das Tauschen nützlich und wird als „gottgegeben“ oder von wem auch immer geschaffen vorausgesetzt.

    Das ist bislang der einzige Punkt, den man der Ökonomik vorwerfen kann. Es wird niemals die Frage aufgeworfen, ob Geld so sein muss, wie es ist. Stattdessen werden unglaublich komplexe (und immer noch zu unvollständige) Modell um das kaputte Geld herum gebaut,

    > So gut wie keine Rolle spielt in dieser Theorie auch die Zeit. Der Umstand, dass Produktion und Konsumtion in der wirklichen Welt auseinanderfällen und sich daraus Schwierigkeiten für den reibungslosen Ablauf einer Volkswirtschaft ergeben, ist nebensächlich.

    Hä? Wie kommst du denn darauf? Selbstverständlich weiß die Ökonomik das und lehrt das auch.

    Den Punkte 2+3 stimme ich im großen und ganzen zu. Gelehrt wird das aber auch differenzierter als es bei den Laien ankommt.

    Nochmal: Haltet die Ökonomen bitte nicht für doof, nur weil ihr nur die (einfachen und krass unvollständigen) Grundkurs-(Lehr-)Modelle kennengelernt habt. Es gibt leider nur einen Weg, mit(den Ökonomen)reden zu können: VWL studieren! Das hat man mir auch vor ca. 7 Jahren gesagt und ich habe geantwortet: Das ist doch alles Humbug, warum meine Zeit verschwenden? Dann habe ich es dennoch gemacht und mittlerweile weiß ich: diejenigen hatten recht. Wer das Geldsystem kritisieren will, hat zwei Möglichkeiten:

    1. Die Ökonomik nicht kritisieren, sondern einfach Alternativen aufzeigen. Das ist ok.

    2. Laie bleiben und von Ökonomen ausgelacht werden.

    3. VWL studieren, also die Sprache der Ökonomik erlernen, und sie mit ihren eigenen Waffen schlagen.

    Die, die Nr. 2 verfolgen, machen es den anderen aber nicht gerade leichter.

    Grüße
    … Michael

  5. Drei Bemerkungen zur Diskussion:

    1) Die herrschende Volkswirtschaftslehre untersucht – meiner Kenntnis nach – die Bedingungen, unter denen an den verschiedenen Märkten sich Gleichgewichte einstellen. Dabei wird angenommen, dass sich alle Marktteilnehmer als nutzenmaximierende Individuen verhalten, die in Kenntnis aller relevanten Informationen handeln. Die Aussage von Jean Baptiste Say: „Jedes Angebot schafft sich seine Nachfrage selbst“ ist hierbei zentral. Leon Walras hat diese Aussage als Grundlage seiner Theorie des allgemeinen Gleichgewichts verwendet und in ein hübsches Gleichungssystem verpackt.

    Bemerkenswert an dieser Theorie ist, dass der Stoff aus dem im Kapitalismus die Träume sind, das Geld, keine Rolle spielt. Geld ist „neutral“. Es ist für das Tauschen nützlich und wird als „gottgegeben“ oder von wem auch immer geschaffen vorausgesetzt. So gut wie keine Rolle spielt in dieser Theorie auch die Zeit. Der Umstand, dass Produktion und Konsumtion in der wirklichen Welt auseinanderfällen und sich daraus Schwierigkeiten für den reibungslosen Ablauf einer Volkswirtschaft ergeben, ist nebensächlich.

    Welchen Wert eine volkswirtschaftliche Theorie haben kann, die den Faktor „Zeit“ und den Faktor „Geld“ ohne Rücksicht auf empirische Befunde außer Acht lässt, möge jede/r für sich selbst beantworten.

    2) Unbestritten ist wohl, dass vor allem die Bundesbanker in der Vergangenheit immer wieder Inflationsgefahren halluziniert haben. Dies mag mit den traumatischen Ergebnissen der Hyperinflationen auf deutschem Boden zusammenhängen. Bei der Politik der Bundesbank wird dabei jedoch ausgeblendet, dass empirisch vor allem ein sehr enger Zusammenhang zwischen den Lohnstückkosten und der Preisentwicklung nachgewiesen wird (z.B.hier nachlesen oder hier). Eine weitere Frage ergibt sich daraus: Wenn es diesen engen Zusammenhang gibt, welche Rolle kann dann eine Zentralbank bei der Inflationsbekämpfung spielen? Dass die Bundesbank Einfluss auf die Lohnstückkosten hat, kann ja nun niemand behaupten (siehe Vortrag von Flassbeck hier.

    3) Zudem scheint mir in der gegenwärtigen ökonomischen Lage die Gefahr einer Inflation weit hergeholt. Der deflationäre Abgrund scheint da weitaus näher.

  6. Zur Mathematisierung: es ist doch gerade das Geld als abstrakter Wertmaßstab, das die Mathematisierung bestimmter Zusammenhänge erlaubt?

    Das Problem der VWL sehe ich eher darin, WAS mathematisiert wird, d.h. wie die qualitativen Variablen, die dort mathematisiert werden, zustandekommen.

    Die qualitative (begriffliche) Theoriearbeit geht ja der Mathematisierung voraus, und jede Mathematisierung ist nur so gut wie das zugrundeliegende Modell. Ist das zugrundeliegende Modell Schrott, wird es durch Mathematisierung nicht besser, sondern Mathematisierung wird zum (eigentlich nutzlosen) Blendwerk.

    Was sich dagegen sinnvoll mathematisieren läßt, sollte man auch mathematisieren. Saldenmechanik (Stützel) z.B.

    So bekommt man wichtige, nicht zu ignorierende Teileinsichten. Was sich kaum mathematisieren läßt, ist die Bewertung von nominell variablen Vermögenswerten und daraus folgende Handlungen (z.B. Kreditvergabe, Halten von Vermögen in Form von Geld anstatt in Form von Sachwerten etc.) da die mit (subjektiven) Erwartungen zu tun haben. Hier muß man sich wohl mit globalen Trendaussagen zufriedengeben (globale Infla- oder Defla-Erwartungen etc.).

    Solche globalen Erwartungen können durch Rhetorik beeinflußt werden – und durch Geld- und Zinspolitik.

    Die Diskussion, ob Mathematisierung schlecht oder gut ist oder ob man mehr oder weniger davon braucht, halte ich für überflüssig. Die Frage ist, was kann/sollte man mathematisieren, was nicht.

  7. > Dies trifft ex post auf Inflationsphasen zu, es werden
    > aber mit der “gewachsenen Tauschmittelmenge” ex ante
    > Aussagen für künftige Inflationsgefahren daraus gezogen,

    Nein. Das mögen einzelne Ökonomen so machen, die Ökonomik lehrt das aber nicht. Sobald Erwartungen ins Spiel kommen, weiß die Ökonomik schon, dass es von zu vielen Entscheidungen abhängt, was genau passiert. Daher zeigt sie nur Möglichkeiten auf. Davon abgesehen, dass in den letzten Jahren die Geldmenge GESUNKEN ist! Geld, was das Bankensystem nicht verlässt gehört nämlich nicht zur Geldmenge.

    Um nochmal klarzustellen worum es mir NICHT geht: Die Ökonomik oder deren Mathematik reinzuwaschen.

    Und worum es mir geht: Davor zu warnen anhand von Tirvialmodellen auf Bachelor-Level der Ökonimik irgendwelche Fehler nachweisen zu wollen. Darüber lachen die Profs nur.

    Und ja: Zu viel Mathematik in der Ökonomik ist gefährlich. Zum einen erweckt sie den Eindruck falscher Präzision. Zum anderen verhindert sie bei vielen Studenten gerade den Blick auf die Zusammenhänge, weil dem Prof in der Prüfung die Formel und das richtige Differenzieren wichtiger. Deswegen ist sie aber noch lange nicht komplett falsch und unnütz.

  8. Hallo Jörg,

    Du kennst ja meine Meinung – sogar Ökonomen können so dumm nicht sein, es ist also Absicht. Es war schon 1929-33 volle Absicht und sie werden es immer wieder machen.

    Heute geht es darum, Länder wie Griechenland und demnächst Spanien zu plündern. Und wie immer wird die Krise die lohnabhängigen Arbeiter zwingen, sich wieder härter ausbeuten zu lassen, während die Reichen damit immer noch reicher werden.

    Das sind die Gründe für die Krisen und die Professoren brauchen Geld für sich und ihre „Forschungsinstitute“. Geld und Karrieren müssen sie sich mit dem verdienen, was sie lehren. Man denke an Maschmeyers Rürup, den großen Wirtschaftsweisen, und die zusammengesparte Rente.

    Auf einem freien Markt sind halt auch die Professoren käuflich und ihre Lehren das Ergebnis von wohlfeilem Angebot und zahlungskräftiger Nachfrage.

    Noch eine Frage, weil ich bei Wiki nichts zu Wolfgang Stützel und nichts zur Saldenmechanik finde: Waren da nie Einträge oder wurden die wieder gelöscht? Macht dazu einmal jemand etwas?

  9. Hi Guys,

    was soll man denn z.B. von einem annerkannten Volkswirten wie Gustav Horn halten, der Sätze wie „Nur gegen hohe Risikoaufschläge sind private Finanzanleger bereit, dem spanischen Staat Geld zu leihen.“?

    Warum hat sich in der ganzen VWL nocht nicht herumgesprochen, dass Banken kein Geld verleihen und wer in Gottes Namen sollen diese privaten Investoren sein?
    Max Mustermann?

    Wie die Pest zieht sich dieses überholte Mantra VWL „Investoren/Leihen“ durch alle Meldungen gestützt durch VWL und suggeriert auch noch dem kleinsten Riesterrentensparer, er hätte sein mühsam Erspartes dem Griechen geliehen.
    Egal ob Neo, Keynes oder Marxistenblatt, überall wird dieser völlig überholte und abstruse Faden weiter gesponnen.

    Ich habe in den letzen sechs Jahren, seit dem ich mich mit diesem Thema beschäftige, keinen annerkannten Ökonomen wahrgenommen der dieses, eigentlich triviale, Thema auch nur ansatzweise besprochen hätte.

    Im Gelben Forum hat Robert mal etwas interresantes über VWL geschrieben:

    „Todsünde in der Mainstream VWL:

    Die Mainstream Ökonomen spielen m.E. mit dem Feuer, an dem sie sich die Finger verbrennen werden. Nämlich dem massiven Verstoss gegen die wissenschaftliche Integrität, sozusagen die Todsünde in der Wissenschaft. So schreibt der Quantenphysiker Richard Fehyman dazu: „…Wenn Sie beispielsweise eine Theorie aufstellen und Publik machen oder vorbringen, müssen Sie neben den Tatsachen, die mit ihr übereinstimmen, auch all jene darlegen, die nicht mit ihr übereinstimmen….(.)… Es handelt sich um so etwas wie wissenschaftliche Integrität, um einen Grundsatz des wissenschaftlichen Denkens, der gleichsam äusserster Ehrlichkeit entspricht – etwas, worum man sich in jeder nur erdenklichen Weise bemüht. ..(.)…. Sie sollten alles mitteilen, was es [das Modell, das Experiment, das eigene wissenschaftliche Arbeiten etc.] Ihrer Meinung nach ungültig machen könnte – nicht nur das, was Ihrer Meinung nach stimmig ist.,…()…darin besteht die Verantwortung, die wir als Wissenschaftler nicht nur gegenüber andern Wissenschaftlern tragen, sondern auch ..(.)… gegenüber Laien…“ Vgl. Buch „Sie belieben wohl zu scherzen, Mr Feynman”, Seite 452ff.“
    http://www.dasgelbeforum.de.org/forum_entry.php?id=187224

    Die VWL wird uns alle umbringen!

    Emotionsgeladene Grüsse
    Rudi

    1. Hallo Rudi, schön von Dir zu lesen.

      >>Die VWL wird uns alle umbringen!

      Und ich würd trotzdem gern wissen, ob Sie uns wieder besseres Wissen umbringen.

      Der Disput hier mit Michael ist für mich DIE Frage.

      Wie ist es den VWLern möglich – Trivialitäten GLEICHZEITIG zu wissen und nicht WAHRzunehmen?

  10. @Michael

    >>Dass Geldmengewachstum, welches (etwas vereinfacht ausgedrückt) das Wirtschaftsleistungs-Wachstum überschreitet zu (Preis-)Inflation führt ist empirisch nachweisbar.

    Dies trifft ex post auf Inflationsphasen zu, es werden aber mit der „gewachsenen Tauschmittelmenge“ ex ante Aussagen für künftige Inflationsgefahren daraus gezogen, wobei das Gegenteil richtig ist. Eine erhöhte Geldmenge bedeutet weiter gewachsene Tilgungslasten – ist also in Volkswirtschaften mit geringem oder gar negativen Nettoinvestitionsbedarf mit hochgradigen Deflationsgefahren verbunden.

    Ich bestreite übrigens nicht Deine Aussagen zum hochwertigen Angebot der Lehre, wir verlinken hier ja auch immer wieder den Issing mit seinen Aussagen – nur selbst DER äußert sich doch jetzt nicht kongruent zu seinen Ausführungen in seinem Buch?

    Schuldenbremsen, Fiskalpakt, Es wird gerade der ökonomische Selbstmord europaweit in die Grundgesetze verankert? Und fast alle Gelehrten schweigen zu dem Irrsinn, fast keiner warnt vor dem Absturz durch 12% BIP Tilgungslasten und zusätzlich 8% Geldsparplänen zu 20% BIP fehlende Nachfrage ohne Neuverschuldung?

  11. Die „Schulökonomie“ lehrt sogar, dass negative Realzinsen gleichgewichtig sein können. Und auch, dass ein Nominalzins von etwas unter 0% nicht erreichbar ist (etwas unter 0% wegen der Kosten der Bargeldhaltung).

    Sie machen nur nicht den Sprung, über andere Geldsysteme nachzudenken, sondern halten praktisch das Geldsystem für gottgegeben.

    Man muss wirklich Einzelmeinungen von dem trennen, was an den Hochschulen gelehrt wird. Dort wird nämlich durchaus ein breiteres Programm gelehrt – auch wenn es nicht die Meinung aller Profs ist. Und die Nebenbedingungen werden auch gerne später mal von den dann Ex-Studenten vergessen. Das mit dem Geldmengenwachstum und der Inflation. ist da ein gutes Beispiel. Nebenbedingungen sind z.B.
    1. es darf nur die natürliche Arbeitslosenquote bestehen (nicht mehr!)
    2. das Wirtschaftswachstum muss geringer sein als das Geldmengenwachstum
    3. die Erwartungen bzgl. Wirtschafts.- und Geldmengenwachstum müssen „passen“

    Wer sich da nur merkt: Geldmengenwachstum=>Inflation, lässt wesentliches Wissen weg.

  12. Dass Geldmengewachstum, welches (etwas vereinfacht ausgedrückt) das Wirtschaftsleistungs-Wachstum überschreitet zu (Preis-)Inflation führt ist empirisch nachweisbar.

    Derzeit gibt es aber gar kein Geldmengenwachstum, weil zur Geldmenge nur zählt, was das Bankensystem verlässt. Die gigantischen Kredite der EZB sind aber alle im Bankensystem verblieben. Und das ist auch Lehrmeinung.

  13. >>Und selbstverständlich sieht die VWL, dass Netto-Kredittilgung >>Geldvernichtung bedeutet. Wie kommst du nur darauf, dass die >>Ökonomen das anders sehen würden?

    Na zum Beispiel daraus, dass sie bei Geldmengenwachstum Inflationsgefahren wegen „zu viel Tauschmittel zur Ware“ statt Deflationsgefahr wegen „wachsender Tilgungslasten“ postulieren.

    Es gibt auf alle Fälle eine große Diskrepanz zwischen Wissen und Bewusstmachen. Du hast ja schon in dem Beitrag

    http://www.global-change-2009.com/blog/sie-wollen-mehr-staatsschulden-dann-machen-sie-einfach-ein-sparprogramm/2011/11/

    dazu sehr schön kommentiert, nur die Realität der ökonomischen Politikberatung ist halt katastrophal anders?

  14. Ach ja: die Neoklassik ist urlalt! Die Ökonomie hat sich seitdem fast 100 Jahre weitereintwickelt.

    Habe den Text mal eben überflogen, der kritisiert hauptsächlich eben die von mir genannten „Grundkurs Modelle“, die logischerweise stark vereinfacht sind. Die Einschränkungen und Ergänzungen (z.B. um die Bedeutung von Erwartungen) werden später auch in der SChul-Ökonomie behandelt.

    Je mehr ich VWL studierte, desto mehr wurde mir klar, warum Ökonomen die Geldsystemkritiker nicht erst nehmen können. Es werden eben die falschen Dinge kritisiert.

  15. @Jörg. Die Quantitätstheorie an sich ist wohl eine Art Tautologie. Und was zuerst kommt ist in der VWL eben nicht eindeutig.

    Und selbstverständlich sieht die VWL, dass Netto-Kredittilgung Geldvernichtung bedeutet. Wie kommst du nur darauf, dass die Ökonomen das anders sehen würden?

    @Hajo: Natürlich gibt es _einzelne_ Autoren, die andere Meinungen haben. Das ist kein Widerspruch.

    Auch mich bitte nicht missverstehen, als wenn ich alle mathematischen Modelle der Ökonomen für realistisch halte. Mir ging es vor allem um die Pauschalität der Aussage.

    Die Ökonomen sind nicht so blöd, wie die meisten Geldsystemkritiker glauben. Denn die meisten Geldsystemkritiker haben gar keine Ahnung, was die Ökonomie lehrt, sonder meist nur eine vage Vorstellung aus stark vereinfachten „Grundkursen“ der VWL. Und Modelle sind nunmal nicht die REalität. Sie müssen es auch nicht sein. Sie müssen nur realistisch genug sein. Das auch viele Modelle der Ökonomie, nur eben nicht die aus den Grundkursen, die sind extrem vereinfacht. Gerade Politiker sind aber oft darüber nicht hinaus gekommen- Geldsystemkritiker ebenfalls selten.

  16. @michael Naja da fallen mir schon einige Autoren ein , die die Volkswirtschaft für ihre mathematischen Modelle kritisieren. Zum Beispile Claus Peter Ortlieb und sein Aufsatz Mathematisierte Scharlatanerie Zur ´ideologiefreien Methodik` der neoklassischen Lehre in dem Band:Die Scheuklappen der Wirtschaftswissenschaft. Postautistische Ökonomik für eine pluralistische Wirtschaftslehre.

  17. Nun ja Michael,

    Die Vorstellung eines ZUERST von der Notenbank in Umlauf gebrachten Gelddings spukt beispielsweise durch die Quantitätstheorie.

    Da bestimmt eine Menge an zu tauschenden Gütern gegen die Menge des Tauschmittels das Preisniveau.

    In dieser Formel kommt z.B. der Genickbrecher Kredittilgungen = Geldvernichtung nicht vor!

    lange keinen solchen Dissens zwischen uns gespürt 🙂

    herzliche Grüße, Jörg

  18. Welche mathematischen Formeln das sein sollen, wird leider verschwiegen. Ich sehe auch in der Makroökonomie der Mainstream-Ökonomie keine Formeln, die bei Kreditwirtschaft nicht, bei reiner Tauschwirtschaft aber schon passen.

    Mit anderen Worten: Es ist leicht, die VWL einfach so zu verdammen, wenn man gar keine Ahnung davon hat, was diese überhaupt lehren.

    Damit will ich nicht sagen, dass die VWL bereits die volle Erkenntnis hat. Aber was bitte nützt es, ihr irgendwelchen Unsinn zu unterstellen und damit zu begründen, sie wäre Unsinn?

    Dann doch bitte echte Kritik! Zu dumm nur, dass man sich dafür überhaupt erst einmal mit der „Lehrbuch VWL“ beschäftigen muss.

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