Zum 100. Geburtstag Milton Friedmans

Gastbeitrag von Michael Hönnig

100 Jahre wäre er gestern geworden: Milton Friedman, der Gegenspieler John Maynard Keynes. Wollte (vereinfacht dargestellt) Keynes antizyklische Fiskalpolitik, so sprach sich Friedman dafür aus, dass der Staat sich aus den Märkten heraushalten sollte.

Ich denke, Friedman hatte Recht darin, dass der größte Wohlstand entsteht, wenn der Staat sich aus der freien Marktpreisbildung heraushält. Was aber auch Friedman nicht bedachte: Auch durch die Zentralbankgesetzgebung staatlich verordnet wertstabiles Geld ist schon ein Eingriff in die freie Marktpreisbildung. Zu Zeiten, in denen selbst bei Nullzins mehr Kapital in die Zukunft transferiert (gespart) werden soll als aus der Zukunft in die Gegenwart (Verschuldung) können die Sparer einfach auf das Geld selbst ausweichen, statt im engeren Sinne investieren zu müssen. Diesem indirekten Eingriff des Staates wollte Keynes mit seiner antizyklischen Fiskalpolitik, entgegen wirken: Fragen der private und der Unternehmenssektor nicht mehr genug Kredit nach, dann müsse dies eben der Staat tun, um das Angebot an Kredit aufzunehmen.


Die Lösung von Silvio Gesell wie auch die hier bei Global Change 2009 vertretene (wenn diese auch ausdrücklich nicht identisch sind), zielt auf eine dritte Möglichkeit: Statt dass der Staat ausgleicht, was wertstabiles Geld verursacht, und statt einfach zu glauben wertstabiles Geld sei neutral, soll selbst der Realzins des Geldes selbst frei dem Markt überlassen werden.

Dabei ist zu bedenken, dass auch eine Inflation von z.B. 2% zu gewissen Zeiten einen immer noch zu hohen Realzins des Geldes selbst bedeutet. Ein aber wir haben/hatten doch Inflation ist also kein stichhaltiges Argument. Auch dass aus der nun durchgeführten Geldpolitik, oft verwirrenderweise Niedrigzinspolitik genannt, früher oder später vielleicht sogar Hyperinflation entsteht, ist kein stichhaltiges Gegenargument, da eine solche einfach den über Jahrzehnte überhöhten Zins im Schnitt auf sein markgerechtes Niveau zurückführen wird. Dass letzteres dann nicht diejenigen trifft, die einst den Vorteil hatten, ist dann leider der Kollateralschaden, der daraus entsteht, dass wir mit einem wirklich marktgerechten Zinsniveau zu lange gewartete haben.

Nehmen wir also Friendmans These, dass die Märkte am besten die richtigen Preise kennen, und Keynes Kritik, dass dies aber bei dem Gelde wie es heute ist, nicht funktioniert. Und dann beenden wir als Konsequenz endlich den größten staatlichen Eingriff in die Märkte, indem wir zulassen, dass der Wert des Geldes seinem Marktwert (Gleichgewichtszins) entspricht, statt zu allen Zeiten stabil zu bleiben.

10 Kommentare zu „Zum 100. Geburtstag Milton Friedmans“

  1. @Wolfgang

    >>>Daher sollte man die Theorie vereinfachen und grundsätzlich darauf bestehen, dass es in einer Makroökonomie keinen Kapitalmangel gibt.

    Ja, aber das Geldsparen der Nichtunternehmer hat schon einen Sinn, es kann die Unternehmer verschulden, so dass die nicht alle vermögen alleine halten.

    Stützel SM:
    „Der Netto-Kreditbedarf der Unternehmer zur Aufrechterhaltung der Liquiditätskonstanz ist in jeder empirischen Wirtschaft stets genau gleich den Einnahmeüberschüssen der Nichtunternehmer.“

    Nur wenn sich die Unternehmer nicht mehr verschulden lassen, muss man halt die Staatsschulden tolerieren oder die Sparer in die Sachwerte treiben und/oder umverteilen.

  2. @Michael Hönnig

    “ Boden in Detroit oder in den neuen Bundesländern ist da sehr wohl deutlich im Wert gefallen. Die Erträge sind eben nicht immer über Null, da lag der Denkfehler.“

    Das ist ein sehr gutes Beispiel für das Problem. Kapital erhält seinen Wert nur, wenn es in adäquaten gesellschaftlichen Verhältnissen ausgelastet wird. Das gilt für die Villengrundstücke wie für die Fabriken.

    http://www.time.com/time/photogallery/0,29307,1882089_1850973,00.html

    Funktioniert alles mit den gesellschaftlichen Verhältnissen und mit der Auslastung, dann steigt der Wert des Kapitals fast von selber. Es ist kein Problem, die nötigen Gebäude hochzuziehen und die Maschinen zu investieren, solange das Umfeld stimmt.

    Daher muss die reale Verzinsung von Geld wohl negativ werden.

    Es kommt dazu, dass die reale Kapitalrendite nur die Größenordnung des realen Wirtschaftswachstums hat. Also derzeit so etwa 0,5 bis 1,5 Prozent. Das lässt nicht einmal Platz für nennenswerte Profite von Investoren, geschweige denn für die Anlage von Ersparnissen.

    Daher ja das Problem mit dem fiktiven Kapital, das aber den Investoren zunächst einmal die Illusion der Rendite verschafft. Bis zur Krise!

  3. Hallo Jörg,

    das Problem scheint mir darin zu liegen, dass der rechnerische WEert der Sachwerte ohne weiteres Zutun steigt. Es gibt einfach keine Anlagemöglichkeiten für Ersparnisse, also für Einnahmeüberschüsse bzw. Ausgabedefizite.

    Daher sollte man die Theorie vereinfachen und grundsätzlich darauf bestehen, dass es in einer Makroökonomie keinen Kapitalmangel gibt.

    Dass es keinen Kapitalmangel und damit auch keinen Bedarf für das „Sparen“ gibt, ist leider noch überhaupt nicht irgendwo in der ökonomischen Diskussion angekommen. Noch immer kann man den Leuten einreden, dass Bedarf an Sachinvestitionen bestünde.

    Aus dem angeblichen Bedarf an Sachinvestitionen schließen die Ökonomen dann, dass es dafür eben das Sparen bräuchte. Damit würde dann investiert und Arbeitsplätze geschaffen oder produktiver gemacht.

    Das alles ist aber völliger Blödsinn. Es fehlt kein Sachkapital – außer natürlich jedem Einzelnen von uns, was das Thema so schwer vermittelbar macht.

    Jeder kennt seinen persönlichen Kapitalmangel, auch der Jörg könnte locker 10 Milliarden Euro brauchen, aber makroökonomisch soll es nun keinen Kapitalmangel geben.

    Es ist aber so.

  4. >>> Geldsparpläne + private Kredittilgungen = finanzierbare Verschuldungspläne

    >>Ja, das ist doch genau Grundlage meiner Argumentation.

    Sehr schön, darauf kann dann ja aufbauen.

    >>>Wie kommst du in deiner Rechnung auf Diskontraten von 6-15%? Und was meinst du mit “Sparleistung aufnehmen”?

    Sachwerte werden bei Wertermittlung i.d.R. abdiskontiert, abgezinst. Der Zinssatz für risikoärmere Immos liegt wohl bei 6-7% für risikoreichere Unternehmen wohl bei 15%.

    Sinkt dieser anzusetzende Zinssatz auf der vergleichsebene mit Sparzins(jetzt0) und auch auf der Risikoebene wegen funktionaler Globalsteuerung, steigt der rechnerische Wert der Sachwerte.

    Es könnte also mehr Wertaufbewahrungsfunktion zu Ungunsten der Geldhaltung darin gebunden werden, ohne dass unbedingt neue Sachwerte geschaffen werden. Und der Staat macht automatisch über bestehende Steuern oder neu über höhere Kreditsteuern Einnahmeüberschüsse, wenn die Privaten in Summe Ausgabeüberschüsse durch „Sachwertflucht“ machen.

    Dabei kommt es natürlich auf das „in Summe“ an…

  5. Bodeneigentum ist auch Marktverzerrgend, richtig. Aber aus anderen Gründen als Gesell glaubte (weswegen ich auch für eine Bodenreform bin – nur eben aus anderen Gründen). Insbesondere ist Boden nicht unbedingt wertbeständig. Da muss man nur eine regional schrumpfende Bevölkerung ansehen. Boden in Detroit oder in den neuen Bundesländern ist da sehr wohl deutlich im Wert gefallen. Die Erträge sind eben nicht immer über Null, da lag der Denkfehler.

    Wie kommst du in deiner Rechnung auf Diskontraten von 6-15%? Und was meinst du mit „Sparleistung aufnehmen“?

    Das Wort „Grundformel“ kommt in dem Beitrag auch nicht vor. Was meinst du damit? DAs hier:

    > Ein wirtschaftliches Gleichgewicht besteht in einer Periode, wenn die Pläne, Geldvermögen aufzubauen, mit den Plänen, Geldvermögen abzubauen, übereinstimmen.

    und

    > Geldsparpläne + private Kredittilgungen = finanzierbare Verschuldungspläne

    Ja, das ist doch genau Grundlage meiner Argumentation.

  6. >>>>>Dass Sachwerte (fast) immer positive Erträge haben, müsstest du zunächst beweisen. Und ebenso, dass das “fast” keine Problem verursacht, wenn es mal nicht eintritt.

    Warum wollte Gesell eine Bodenreform? Weil der Bodenwert bei Erträgen über Null gegen unendlich geht. bei anderen Sachwerten ist es natürlich einzelwirtschaftlich nicht so stabil.

    Wenn Du dir aber mal den deutschen Sachkapitalstock von ca. 10Billionen mit einem Geldsparüberschuss von 0,2 Billionen ins Verhältnis setzt und die derzeitige Abdiskontierung dieser Kapitalwerte mit 6-15%….dann dürfte klar sein, in welchem Umfang der Kapitalstock noch Sparleistung bei 3-6% Abdiskontierungssatz aufnehmen kann.

    Genau dies wollte ja n.m.E. Gesell, Nullzins und gedrückte realwirtschaftliche Renditen.

    Zu den anderen Fragen vorab eine Gegenfrage – akzeptierst Du die Grundformel in dem Monetative Beitrag?

    Ein wirtschaftliches Gleichgewicht besteht in einer Periode, wenn die Pläne, Geldvermögen aufzubauen, mit den Plänen, Geldvermögen abzubauen, übereinstimmen.

    Daraus ergibt sich nun wieder folgende Ableitung für wirtschaftliches Gleichgewicht:

    Geldsparpläne + private Kredittilgungen = finanzierbare Verschuldungspläne

  7. Dass Sachwerte (fast) immer positive Erträge haben, müsstest du zunächst beweisen. Und ebenso, dass das „fast“ keine Problem verursacht, wenn es mal nicht eintritt.

    Um Inflation zu vermeiden (was du ja indirekt mit „Null-Norminalzins bei Nullinflation“ verlangst), müssten die Nullzinskredite an die Staaten auch vorsichtig begrenzt sein. D.h. du müsstest beweisen, dass die private Investitionslücke dennoch ausgefüllt werden kann.

    Wie würde dein System z.B. damit umgehen, wenn die Weltbevölkerung von nun an um 5% p.a. zurückgehen würde? Rechnerisch ist irgendwann der Zeitpunkt erreicht, zu dem es noch zwei Menschen gibt: Der eine wäre der Gläubiger für ein gigantisches ererbtes Kapital. Wie kann aber das Kapital seinen Wert behalten haben, wenn es nur noch einen Arbeiter gibt? Was wenn dieser dann alt wird oder stirbt? Geld kann einfach seinen Wert nicht unbedingt erhalten.

    Das ist sicherlich ein Extrembeispiel. Aber im Prinzip passiert ähnliches bei jedem negativem Schock und auch schon im ersten Jahr einer rückgängigen Weltbevölkerung. Die Weltbevölkerung könnte sogar steigen und der Effekt einsetzen: Wenn das Weltbildungsniveau fällt.

    In deinem System wird es wie im heutigen sein: die Mittelschicht würde ausgeblutet werden – wenn auch langsamer als im heutigen System (insofern wir das alte System überhaupt noch haben – angesichts dessen, was die EZB tut).

    > Rest siehe bitte hier:

    Ein bisschen konkreter darf es schon sein.

  8. nein Michael, ich spreche von Null-Nominalzins bei ca. Nullinflation der u.U. auch ausreicht, wenn man dauerhafte Nullzinserwartungen für risikolose Anlagen schafft und bei Schocks eben Staatsschulden macht.

    Da Sachwerte (fast) immer Erträge über Null haben, wird Geldhaltung bei dauerhaften Nullzinserwartungen n.m.E. nur begrenzt zur Wertaufbewahrung genutzt.

    Rest siehe bitte hier:
    http://www.global-change-2009.com/blog/ein-grundlegender-losungsansatz-fur-die-systemkrise-%E2%80%93-notenbanken-werden-zur-%E2%80%9Emonetative%E2%80%9C/2012/01/

  9. Da ist doch gar kein Widerspruch. Du redest (hoffentlich) von Nominalzinsen, ich rede von Realzinsen. Du redest von einer konkreten Lösungsmöglichkeit, ich rede von einer Bedingung, die Lösungen erfüllen müssen, damit sie funktionieren können.

    (nominal) Zinslose Staatsfinanzierung kann funktionieren, wenn dadurch Inflation entsteht, so dass der Gleichgewichtszins erreichbar wird. Viel mehr wird aber nicht gut sein.

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