„Junker Jörg“ und die Frauenkirche – willkommen im Reformationsjahr 2013


2013-01-01 11.04.31

Seit drei Jahren verbringe ich mit meiner Frau den Jahreswechsel in Dresden und besuche als Agnostiker die letzte Andacht des Jahres in der Frauenkirche. Dabei beobachten wir, wie realitätsorientiert und „nützlich“ die Ansprachen des Geistlichen sind. Neben dem sinnvollen Halt im Glauben wird echte Lebenshilfe zu den Schicksalsgesetzen dieser Welt transportiert. Als in Nutzen denkender Unternehmer kann ich nur sagen, dass hier gesellschaftliche Wertschöpfung betrieben wird.

Dies fällt vor allem im Vergleich zur unreformierten Geldreligion auf. Die meisten der dortigen Prediger (die VWL-Schriftgelehrten) werden nicht müde, die Realität in Form der volkswirtschaftlichen Buchhaltung ebenso zu ignorieren wie die zugehörigen Naturgesetze (Saldenmechanik). Wo ist hier die gesellschaftliche Wertschöpfung?

Die Frauenkirche in Dresden wurde im Zuge einer Krise des Kapitalismus zerstört und durch seine Kraft wieder aufgebaut – welch ein Symbol seiner heutigen Widersprüchlichkeit. Und natürlich steht diese Kirche heute als Mahnmal für den millionenfachen Tod und das Leid, das die Eskalation kapitalistischer Krisen über die Menschen bringt.

Der in unserer sächsischen Region zwischenzeitlich folgende Sozialismus war für den Wiederaufbau der Frauenkirche zu unproduktiv. Die fehlende Effizienz des Sozialismus macht diesen weder sozial noch ökologisch zu einer Alternative. Der Sozialismus ist ein Versager, der Kapitalismus wiederum zwar leistungsfähig, aber in der Krise ein Mörder. Die Konsequenz für eine gesellschaftliche Entwicklung ist absolut naheliegend: Für den „Wohlstand der Nationen“ sollten wir die Produktivkräfte des Kapitalismus erhalten, müssen aber unbedingt seine mörderischen Krisen und auch seinen großen Naturverbrauch überwinden.

Hier braucht es also eine klare Analyse der kapitalistischen Krisen und daraus eine Entwicklung geeigneter Lösungen. Mein Facebook-Freund Rainer Michael Warzecha meint dazu: „Das Volk arbeitet u. a. hart dafür, dass kluge Leute studieren können, um uns dies zu erklären …“

Scheint logisch – nur: Was ist, wenn uns das Erklärte nicht gefallen würde?

Die Krisen des Kapitalismus sind recht einfach zu beschreiben sowie in ihrer Entwicklung auch gut anhand der Buchhaltung zu belegen:

Weil sich die Unternehmen mit Kriegsabstand zunehmend aus Abschreibungen des wachsenden Sachkapitalstocks finanzieren und der Brutto-Investitionsbedarf ohne Zerstörung natürlich auch sinkt, geht die Nettoinvestition und analog der zusätzliche Kreditbedarf der Unternehmen gegen Null. Die zusätzlichen Geldsparpläne bleiben aber bestehen und können nur über zusätzliche Staatsverschuldung ausgeglichen werden. Will man dann diese Staatsverschuldung und die zunehmende „Staatsmisswirtschaft“ bremsen, implodiert das System. Wer dazu Bilder braucht, ist mit den Berichten dieses Blogs zur Entwicklung in Südeuropa gut informiert. Dort läuft schon wieder exakt die gleiche Entwicklung, welche die Deutschen zwischen 1929 und 1932 radikalisiert hat. Nur was damals für die Deutschen die Versailler Reparationen waren, sind heute die südeuropäischen Importüberschüsse, vor allem aus der deutschen Export-Aggression. Also unser wegen der späteren „Retterei“ völlig untauglicher Lösungsversuch, mit dem wir unsere Geldsparprobleme ganz merk(el)antilistisch ins Ausland verlagern wollen.
Das Ergebnis der Problemanalyse ist also, dass einfach die privaten Pläne zur Geldvermögensbildung überhand nehmen, deswegen ist es ja in der Ursachenbetrachtung eine Guthabenkrise. Der eigentliche Systemfehler ist sogar megatrivial und einfachst nachprüfbar: Schulden haben einen Rückzahltermin, Guthaben nicht. Dieses Ergebnis wird aber den meisten Menschen (also auch potenziellen Einkommensgebern des Volkswirts) nicht gefallen, denn wer plant bzw. träumt nicht auch von wachsenden Geldvermögen?

Haben sie es nun schon verstanden – oder ist doch noch ein kleiner Tipp gefällig?

Upton Sinclair:
„Es ist schwierig, einen Wissenschaftler dazu zu bringen, etwas zu verstehen, wenn sein Einkommen davon abhängt, es nicht zu verstehen.“

Die geringe Komplexität des Problems und das logische Ergebnis der Analyse stehen zu den Einkunfts-Erzielungsabsichten und den eigenen Plänen zum Geldvermögensaufbau der „VWL-Schriftgelehrten“ in völligem Widerspruch. Und hier landen wir nun beim großen „Junker Jörg“ und dessen Aufstand gegen die mittels verfälschter Thesen ermöglichten Einkunftserzielung einer korrupten Geistlichkeit, also dem Ablasshandel.

Der „kleine Junker Jörg“ 🙂 braucht gegen den heutigen VWL-Ablasshandel deine Unterstützung:

1. Sag dich von der Guthabenkirche los, es ist eine satanische Religion. Wir müssen unsere eigenen Ziele für den Vermögensaufbau deshalb nicht aufgeben. Ganz im Gegenteil, Guthaben gibt es per Welt-Saldo mit den Schulden real gar nicht. Das Weltvermögen ist das Weltsachvermögen – wenn wir Rahmenbedingungen schaffen, bei denen alle mehr in Sachwerten sparen, werden wir alle viel reicher werden. Gegen maßvolle Geldhaltung für den kurzfristigen Liquiditätsbedarf spricht aber gar nichts. Nur als dauerhaftes Wertaufbewahrungsmittel führt Geldhaltung uns in die Krise.

2. Denk Ökonomie wieder selbst, frag nicht, wer spricht und wer es von den VWL-Schriftgelehrten bestätigt. Die Zusammenhänge gesamtwirtschaftlichen Denkens sind so einfach wie 2+2=4.

3. Verbreite die Thesen, die ich hier an die Tür der Internetkirche anschlage und schicke Narren zum Test.

4. Lach die „nackten Kaiser“ (VWL-Priester) aus, wo immer sie mit hochkomplexen Modellen herumschwurbeln, um aus egoistischen Motiven von der Trivialität der Guthabenkrise abzulenken.

5. Wir brauchen unbedingt diese gesellschaftliche Diskussion – bitte hilf mit, sie anzuschieben.

4 Kommentare zu „„Junker Jörg“ und die Frauenkirche – willkommen im Reformationsjahr 2013“

  1. „Betrachten wir uns die gegenwärtige Moral etwas genauer, so erkennen wir, dass es sich um eine doppelte oder sogar eine dreifache Moral handelt. Die in den Staatsgesetzen und in der öffentlichen Meinung verankerte Moral soll verhindern, dass der Einzelmensch in eigennütziger Weise gegen den Nutzen seiner Mitmenschen und damit gegen den Gemeinnutzen verstößt, z. B. durch Diebstahl und Betrug. Aber sie erreicht diesen Zweck nur in einem verhältnismäßig kleinen Teilbereich der menschlichen Gesellschaft, nämlich nur für die Menschengruppe der wirtschaftlich Schwachen, also der Arbeitenden. Der wirtschaftlich Starke, also der Kapitalist, hat ja die moralisch verwerflichen, d. h. durch die Gesetze verbotenen und durch die öffentliche Meinung verfemten Mittel nicht nötig zur Verwirklichung des Eigennutzes mit Schädigung der Mitmenschen und des Gemeinwohles und zwar im allergrößten und praktisch uneingeschränkten Ausmaß.
    Neben dieser offenkundig doppelten Moral gibt es aber noch eine dritte, von den wenigsten Menschen durchschaute Seite, bedingt durch das heimlich schlechte Gewissen der Vertreter und Nutznießer dieser verlogenen Moral. Hier handelt es sich freilich nicht um die Großkapitalisten, die ja ihr Gewissen, wenn sie je eines besaßen, längst abgetötet haben, sondern um die breite Schicht der bürgerlichen Bevölkerung… Sie vertreten die kapitalistisch verzerrte Moral, die ihre wirtschaftlichen Vorteile gegenüber den völlig mittellosen, ausgebeuteten, arbeitenden oder arbeitslosen Bevölkerungsschichten sichert. …Den Gegensatz zwischen Gemeinnutz und Eigennutz halten sie für eine zwar betrübliche, aber selbstverständliche und unabänderliche Tatsache. …

    http://www.deweles.de/files/nwo_moralisch.pdf

    …Der geschilderten, innerlich so verlogenen Moral mit all ihren, hier nur kurz angedeuteten schädlichen Auswirkungen stellen wir nun die natürliche und sinnvolle Ordnung entgegen, welche die Natürliche Wirtschaftsordnung nicht nur für die wirtschaftlichen Beziehungen der Menschen untereinander darstellt, sondern auch für den Aufbau der Gesellschaft und darüber hinaus jeder menschlichen Gemeinschaft nahe legt.“

    Die natürliche und sinnvolle Ordnung, auch wenn das zu ihrer Verwirklichung erforderliche Wissen längst zur Verfügung steht, lässt bis heute auf sich warten, weil es zur Überwindung der verlogenen Moral erst einmal einer allgemeinen Gottesaustreibung bedarf:

    Mammons Tempel

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