Saldenmechanik bei Wiki – Datensicherung „meines“ Teil’s


Überblick

Bei der Saldenmechanik handelt es sich um Zusammenhänge, deren Gültigkeit nicht wie bei den meisten volkswirtschaftlichen Postulaten vom Zutreffen von Vermutungen über menschliches Handeln abhängt. Die Saldenmechanik ermöglicht es, die regelmäßig notwendigen Verhaltensannahmen der volkswirtschaftlichen Theorien und Postulate auf ein logisches Fundament gesamtwirtschaftlichen Denkens zu stellen. Dabei werden bisherige Fehlschlüsse in der Preis-, Geld- und Konjunkturtheorie aus einzelwirtschaftlichem Denken durch korrekte Mikrofundierung und die Einführung der real existierenden Kreditwirtschaft in die Modellbildung überwunden.

Beispielsweise erscheint es aus einzelwirtschaftlichem Erleben absolut logisch, dass steigende Gesamtausgaben einer Volkswirtschaft mit einem erhöhten Zahlungsmittelbedarf im Sinne der Quantitätstheorie einhergehen. Aus saldenmechanischer Sicht erkennt man mit Beachtung der Gegenbuchung, dass wachsende Ausgaben gesamtwirtschaftlich auch wachsende Einnahmen bedeuten, es z. B. bei Zahlungsgleichschritt gar keine Korrelation zwischen Gesamtumsätzen und Zahlungsmittelbedarf gibt.[2]

Neben der Mechanik der tatsächlichen Identitäten, insbesondere von Kaufüberschuss und Verkaufsüberschuss, ist gerade die Erkenntnis saldenmechanischen Denkens, dass viele Sachverhalte gar nicht mechanisch verbunden sind, die in vielen Modellen bisher oft leichtfertig als verbunden betrachtet werden. Stützel verwendet den Begriff der „Problemverschlingungen“ wenn beispielsweise das Gleichgewicht der Pläne für Geldvermögensänderungen mit dem Gleichschritt solcher Änderungen und dem Gleichbleiben der Gesamtausgaben oder des Kapitalstocks unzulässig identifiziert werden. Ähnliches gilt für die in der Saldenmechanik streng getrennt betrachteten Geldvermögens- und Zahlungsmitteloperationen, welche erst durch klare Unterscheidung eine widerspruchsfreie Klärung der Zusammenhänge von Geldsystem und realer Wirtschaft ermöglichen.[3]

Saldenmechanik nutzt also die Zusammenhänge tatsächlicher Identitäten und deckt gravierende Irrtümer der Modellbildung aus fälschlicherweise vermuteten Identitäten und Gleichgewichtszuständen auf.

Saldenmechanik und Konjunkturtheorie

Saldenmechanik ist selbst keine Konjunkturtheorie, erlaubt aber die korrekte Mikrofundierung der dafür nötigen Verhaltensannahmen.

In Käufermärkten bestimmen die Pläne für Konsum und Investition die Gesamtausgaben, somit auch die Gesamteinnahmen und die Konjunktur. Die Saldenmechanik erlaubt über die Modellierung der real existierenden Kreditwirtschaft statt einer imaginären Tauschwirtschaft die Abbildung der Einflüsse des Finanzsystems auf die entscheidenden Ausgabepläne.

Ausgangspunkt sind die Salden der einzelwirtschaftlichen und staatlichen Pläne zur Geldvermögensbildung. Ergibt der Saldo einen Überschuss der Pläne zur Geldvermögensaufbau (Pläne für Verkaufsüberschüsse) über die Pläne zum Geldvermögensabbau (Pläne für Kaufüberschüsse) erzeugt dies einen negativen Impuls, umgekehrt einen positiven Impuls. Die Wirtschafter geben erwartbar in den Folgeperioden weniger aus, wenn sie in der Folge der Konstellation ungeplant Geldvermögen abbauen und geben erwartbar mehr aus, wenn sich im Umkehrfall ihr Geldvermögen über Planung erhöht.

Dieser Impuls wird dann noch über den Multiplikator verstärkt, der sich aus der durchschnittlichen Bereitschaft der Wirtschafter ergibt, ungeplante Änderungen ihres Geldvermögens hinzunehmen.

Wolfgang Stützel beschreibt einen theoretischen Grenzfall, in dem der Staat unbedingt einen Geldvermögensaufbau durchsetzen will, aber kein Privater einen Geldvermögensabbau hinnehmen möchte: „Die Wirtschaft stünde augenblicklich still.“, und erläutert weiter: „In diesem Fall wäre der Keynes-Multiplikator negativ und unendlich groß; denn die Summe der Pläne, Geldvermögen zu vermehren, überstiege bei jedem Einkommensniveau die gleichzeitigen Pläne, Geldvermögen zu vermindern.“[13]

Halten die Wirtschafter relativ stur an ihren Plänen fest, kürzen also ihre Ausgaben bei ungeplantem Geldvermögensabbau bzw. korrigieren ungeplanten Geldvermögensaufbau durch Mehrausgaben (Sparquote dafür Null), ergibt sich ein sehr großer Multiplikator. Umgekehrt kann eine Toleranz der unfreiwilligen Geldvermögensänderungen den Multiplikator sehr klein werden lassen.

Tatsächlich werden ein Großteil der Wirtschafter auf eine unplanmäßige Erhöhung des Geldvermögens sehr viel weniger reagieren, als auf einen unfreiwilligen Abbau des Geldvermögens. Die größeren und kritischeren Multiplikatoren sind also im Krisenfall bei zu großen durchsetzbaren Plänen zum Geldvermögensaufbau zu erwarten, die zu unfreiwilligem Geldvermögensabbau Dritter führen. Wenn wir nun noch bedenken, dass im Krisenfall die Nichtunternehmer bis zur Entlassung oder dem Konkurs ihres Arbeitgebers niemand an der Bildung von Geldvermögen hindern kann und die Investitionsausgaben der Unternehmer die größte Variable sind, wissen wir, dass der eigentliche Krisenmechanismus und Multiplikator der Stopp der Investitionspläne der Unternehmer und Häuslebauer ist. Dann sind wir also bei der Investitionsfalle von Keynes und stellen die Frage nach dem Mehrwert der Saldenmechanik:

Die Saldenmechanik hilft im Bereich der Konjunktur und Krisentheorie, die Dinge gegenüber Keynes für die aktuelle Situation klar zu definieren und daraus politische Handlungsempfehlungen zu erarbeiten:

  1. Ausgangspunkt schwerer selbstverstärkender Krisen ist ein Überschuss der Pläne für Geldvermögensaufbau (Pläne für Verkaufsüberschüsse) keine Hortungs- oder Spekulations-Kassen.
  2. Vertragliche Kredittilgungen der Privaten sind mit der Annahme der Liquiditätskonstanz ein aus Vorperioden fixierter Geldvermögensaufbau mit heute sehr großen Beträgen, welcher eine enorme Fallhöhe und Fallgeschwindigkeit bei stockender Neuverschuldung fixiert. Die schlechte Entwicklung in den EU-Krisenstaaten mit starkem Staatsschuldenwachstum trotz bzw. wegen Ausgabekürzungen ist damit gut erklärbar.
  3. Die ex post Werte der Geldvermögensbildung (Finanzierungssalden) in der saldenmechanischen VGR liefern wichtige Anhaltspunkte für die Wirtschaftspolitik. Wenn beispielsweise die privaten Wirtschafter Deutschlands über Jahre bei real negativer Verzinsung und schwacher bis durchschnittlicher Konjunktur 150-220 Mrd. EUR Geldvermögensaufbau erzielen, muss bei gleichbleibenden Geldsparplänen von einem konjunkturneutralen Bedarf an Verschuldung von Staat und/oder Ausland in ähnlicher Höhe ausgegangen werden.
  4. Wenn eine grundgesetzliche Staatsschuldenbremse diese Staats-Verschuldung via Exportüberschüsse ins Ausland lenken muss, bringt dies Deutschland mit der teilweisen Überschuldung und dem Konsolidierungsbedarf des Auslands in Konflikt. Es wäre offensichtlich eher angebracht, unsere EU-Partner durch Importüberschüsse bei der Konsolidierung zu unterstützen.
  5. Wenn die Exportüberschusssalden eher sinken müssen und Staatsschulden tatsächlich begrenzt werden sollen, bleibt nur die Sanktionierung der privaten Pläne zur Geldvermögensbildung als Handlungsempfehlung für die deutsche Wirtschaftspolitik, welche Konsolidierung der Staatshaushalte und mindestens den Erhalt des heute in Deutschland recht hohen Beschäftigungsniveaus verbindet.

Die Saldenmechanik erlaubt also aus der Ex-Post-Analyse der Finanzierungssalden in der VGR sowie der Saldenmechanik der Staatsverschuldung in der Verbindung mit wenigen Verhaltensannahmen (die privaten Pläne zur Geldvermögenserhöhung können derzeit in der Regel umgesetzt werden oder sind vertraglich als Kredittilgungen fixiert und sind deshalbex ante ähnlich ex post) sehr konkrete Handlungsempfehlungen für die Wirtschaftspolitik in den Bereichen Konjunktur sowie der Begrenzung der Staatsverschuldung und der Euro-Krise.

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