Kapitalismus – Sinn, Funktion, Krisen, Crash und Kriegsgefahr + nachhaltige Lösungen

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Guthabenbremse + steuerndes Grundeinkommen = nachhaltiger Kapitalismus

Dieser Artikel erläutert die Gründe, wer lieber Erklärungen hört und sieht, statt zu lesen, kann sich diesen Film anschauen, der auch schon Lösungsansätze aufzeigt:

Der Beitrag liegt in der Beitragsfolge „VWL-Studium wird durch einen 2-Tage-Kurs ersetzt“, dieser Abschnitt würde dabei wohl 2 Stunden einnehmen. Die folgenden Ausführungen sind neben meiner langjährigen praktischen Tätigkeit als Kapitalist im Wesentlichen inspiriert von Dr. Paul. C. Martin, Prof. Wolfgang Stützel und Karl Marx. Die grundlegende Unternehmer-Gewinnformel habe ich auch via Wolfgang Stützel kennengelernt, diese gesamtwirtschaftliche Logik wurde aber erstmals 1930 im Buch „Treatise on Money“ von J.M.Keynes niedergeschrieben.

1. Sinn des Kapitalismus

Arbeitsteilung ermöglicht einen enormen Produktivitätsschub und Wohlstandsgewinn. Arbeitsteilige Gesellschaftsformen erscheinen aus diesem Aspekt also sinnvoll. Problem der Arbeitsteilung ist, dass sie keine Selbstversorgung der Wirtschafter ermöglicht und bei der Wertschöpfung viel Zeit vergeht. Man könnte auch sagen, Arbeitsteilung ist nicht als Tauschwirtschaft von Überschüssen organisierbar. Diese lange Zeit zwischen dem möglichen Kauf durch irgendeinen Endverbraucher und der Erschließung der langen Produktionskette erfordert eine Vorfinanzierung und Risikoübernahme entweder durch Private oder den Staat. Der Sozialismus mit der Vergesellschaftung des Risikos hat sich wegen der implizierten Rationalitätenfallen in der Praxis nicht bewährt. Im Wettbewerb der Systeme hat sich hier der Kapitalismus durchgesetzt, bei dem Private dieses Risiko gegen die Aussicht einer Risikoprämie (Mehrwert) übernehmen. Ein Unternehmer kann überhaupt nur einen Gewinn (Mehrwert) erzielen, wenn er seinen Kunden zumindest in deren Wahrnehmung gute Produkte in ausreichender Menge gern zur Verfügung stellt. Der angestrebte Mehrwert führt zu sogenannten Käufermärkten, in denen der Nachfrager i. d. R. „König“ ist. Diese Käufermärkte sind die moralische Rechtfertigung des Mehrwertes und damit des ganzen Kapitalismus.

Funktion/Definition

Zusätzlich zu den Gewinnaussichten treibt der Verschuldungsdruck aus der notwendigen Vorfinanzierung des Wirtschaftens die Unternehmer an. Verschuldung ist gleichzeitig wegen des Zeitbedarfs arbeitsteiligen Wirtschaftens notwendig, als auch eine Triebkraft des Käufermarktes. Verschuldung ist also (gesamtwirtschaftlich richtig eingesetzt) eine ganz feine Sache, Emotionalitäten aus einzelwirtschaftlichen Betrachtungen („romantische“ Tauschwirtschaftstheorie) für konstruktive Überlegungen nicht hilfreich. Kapitalismus ist ein weitgehend privatwirtschaftlich abgesicherter Vorfinanzierungsprozess arbeitsteiligen Wirtschaftens. Zur Funktionalität des Kapitalismus gehört logischerweise ein Kreditgeldsystem, welches in das Vermögen der Unternehmer vollstreckt, wenn Sie in ihrer Aufgabe im Markt scheitern. Wir kommen zu folgender Wesensdefinition des Kapitalismus:

„Kapitalismus ist das arbeitsteilige Wirtschaftssystem, in dem vorrangig Unternehmer gegen Gewinnaussichten (Mehrwert) das Risiko der Vorfinanzierung von Einkommen tragen. Es basiert auf in Eigentum vollstreckbaren Vertragsschulden.“

Da diese Vollstreckung der Staat leisten muss, ist Kapitalismus ohne Staat nicht definierbar. Warum ein nachhaltig funktionaler Kapitalismus auch ansonsten auf intelligente staatliche Eingriffe angewiesen ist, wird später noch angesprochen.

Funktion und wichtigste gesamtwirtschaftliche Grundformel

Da die nötige Vorfinanzierung der Einkommen von den Unternehmern nur bei Gewinnaussichten geleistet wird, sind ebendiese Gewinnaussichten Grundvoraussetzung für die Funktion des Kapitalismus. Der Gewinn der Unternehmen (in Summe) ist wie folgt in der wichtigsten Kapitalismusformel zwingend logisch definiert:

Gewinn = Nettoinvestitionen plus Unternehmerkonsum
minus Geldvermögensbildung* der Nichtunternehmer

*(Einnahmeüberschüsse/Verkaufsüberschüsse)

Logik/Beweis der Gewinnformel:

Gewinn der Unternehmer = verkonsumierter Gewinn und Vermögenszuwachs

Vermögenszuwachs der Unternehmer = Sachvermögenszuwachs minus Geldvermögensverlust

Sachvermögenszuwachs = Nettoinvestitionen = Bruttoinvestitionen minus Abschreibungen

Geldvermögensverlust der Unternehmer

Alle vorfinanzierten eigenen (Unternehmerkonsum) und fremden (Investitionsausgaben, Löhne, Zinsen, Steuern, sonstige Kosten) Einkommen werden mit Ausnahme der Einnahmeüberschüsse der Nichtunternehmer wieder zu Einnahmen der Unternehmer.

Logik/Beweis – Saldenmechanik:

Ausgabenüberschüsse einer Gruppe (hier der Summe der Unternehmer) = Einnahmenüberschüsse der Komplementärgruppe (hier Nichtunternehmer = Rest der Welt)

Siehe dazu auch „Volkswirtschaftliche Saldenmechanik“ ab Seite 72 – elementare Größenbeziehungen.

Krisen versus Crashgefahr

Der Kapitalismus ist in der Krise, wenn für Unternehmer keine Gewinnaussichten für die weitere Vorfinanzierung von Einkommen bestehen. Der Kapitalismus ist in Gefahr, in Crash und Krieg zu fallen, wenn die selbstverstärkenden Faktoren (positive Rückkopplungseffekte) einer Krise die selbstregulierenden Effekte (negative Rückkopplungseffekte) übersteigen.

Krisenbeispiel – nach Krieg oder Sozialismus – kaum Abschreibung:

Durch die fehlenden Abschreibungen werden auch bei geringen Investitionen schon sehr gute Gewinne bestehen – Staaten und private Nichtunternehmer können und müssen sogar (zur Inflationsvermeidung) Einnahmenüberschüsse  erzielen. Eine Nachfrageverzichtsprämie, also ein Sparzins, wird dazu hilfreich und moralisch sein. Durch die guten Gewinne besteht trotzdem die Gefahr überschießender Investitionen und Einkommen. Wird die Überinvestition erkannt und kommt deshalb die Neuinvestition ins Stocken, kommt es über die positive Rückkopplung in der Gewinnformel zu einer Krise, der im Krisenverlauf aber automatische Stabilisatoren (z. B. sinkende Zinsen) und antizyklisches Handeln des Staates entgegenstehen. Der Kapitalismus funktioniert hier also in Konjunkturzyklen.

Crashmodus und der drohende Krieg

Das Grundproblem ist hier, dass sich aus dem mit Kriegsabstand wachsenden Sachkapitalstock auch wachsende Abschreibungen ergeben. Die Nettoinvestition und damit das Gewinnpotenzial fallen deshalb tendenziell ab. Dies wird eine Zeitlang mit der Verschuldung der Staaten oder national mit Exportüberschüssen überbrückt, die ja für die nationalen Unternehmer die Geldvermögensbildung der Komplementärgruppe senken. Die Exportüberschüsse führen dann aber zu einer Problemverschärfung in den Importüberschussländern.

Heute sind wir wieder in dieser Situation der Abschreibungsfinanzierung der Investitionen, die bei fortlaufendem Geldsparen der Nichtunternehmer (deshalb „Guthabenkrise“) keine Gewinne mehr ohne Staatsverschuldung erlauben. Bitte werfen Sie nur einmal einen Blick auf die deutsche Entwicklung – von 17 % BIP Nettoinvestitionen 1970 auf fast null heute! Dazu kommt nun fehlendes Zinssenkungspotential sowie der Wahnsinn der Förderung der „privaten“ Altersvorsorge und der „Staatsschuldenbremsen“.

Verschärfung der Problematik durch wachsende Marktvermachtung
Parallel zur wachsenden Abschreibungsfinanzierung konzentrieren sich die Gewinne durch Marktvermachtung stark auf die großen Konzerne. Damit der Mittelstand, welcher den Großteil der Beschäftigung vorfinanziert noch Gewinnaussichten hat, ist also eigentlich ein wachsender Gewinnanteil am Volkseinkommen nötig.

Für das alte Spiel gilt deshalb – GAME OVER

Klassisch wird dieses Problem mit Krieg gelöst – durch Zerstörung (Totalabschreibung im Stück) bestehen neuer Nettoinvestitionsbedarf und damit neue Gewinnaussichten.

Guthabenbremse + steuerndes Grundeinkommen = nachhaltiger Kapitalismus
Wer Krieg ebenfalls völlig bekloppt findet, setzt sich für eine Guthabenbremse ein. Diese strukturelle „Investitionsautomatik“ schafft dann die Vorraussetzungen, den Kapitalismus über ein STEUERNdes Grundeinkommen in eine nachhaltige Gesellschaftform zu wandeln.

43 Kommentare zu „Kapitalismus – Sinn, Funktion, Krisen, Crash und Kriegsgefahr + nachhaltige Lösungen“

  1. Wenn wir nicht gleichzeitig die Staatsschulden zu Teufelszeug erklärt hätten, wäre ja alles kein Problem. Nur so wird es Eskalationen geben – wobei Ihrer Aussage:

    Guthabenbremse = „nicht sehr realistisch“

    zwar einerseits vollumfänglich zuzustimmen ist, wiederum in solchen Zeiten auch dicke Mauern fallen. Danke für gute Diskussion, muss jetzt weg.

    1. >Wenn wir nicht gleichzeitig die Staatsschulden zu Teufelszeug erklärt hätten, wäre ja alles kein Problem.>

      Genauso ist es. An erster Stelle muss der Kampf gegen die „Staatsschulden-Bremse“ stehen. Scheitert der, dann muss man nachdenken. Ich bin frohen Mutes, dass es soweit gar nicht kommt. Auch Politiker, nicht nur Unternehmen und Haushalte, werden vom Kapitalismus und seinen Marktkräften zur Vernunft erzogen.

      PS. Sollte der Kampf gegen die „Staatsschulden-Bremse“ scheitern, muss man halt die neue Front „Verteilung“ eröffnen, indem man den Geldsparern des oberen Drittels das Leben schwer macht. Schritt für Schritt kommen wir zum Ziel.-)

      Gruss
      Alfred Felsberger

  2. >>>Egal, ob ich eine Investition aus Kassa oder durch kreditaufnahme tätige, es ist IMMER Neuverschuldung. Das ist auch eine Spielregel, die man akzeptieren muss.

    mal eben so als Postulat 🙂 da gibt es noch nicht mal eine gesamtwirtschaftliche Theorie – maximal einzelwirtschaftliche Vorstellungen, wo Ausgabeüberschüsse nicht zu Einnahmeüberschüssen werden.

  3. >Exportsalden weg und Geldsparen weg – da müssen wir hin.>

    Lieber Herr Buschbeck, mit Ihnen könnte man wirklich eine neue Gesellschaft errichten.-) Ich bin dabei beim Häuselbauen im Schwarzwald..-)

    PS. Ich mach`mich nicht lustig, ich finde das faszinierend. Nur leider nicht sehr realistisch….

    Alfred Felsberger

    1. Geldsparen hat viele Funktionen in einer kapitalistischen Gesellschaft: Es muss die Netto-Investition abdecken, es muss dem Einzelnen „Sicherheit“ vermitteln, auch wenn`s trügerisch ist, es ist Teil des Freiheitsbegriffs dieser Gesellschaft. wenn man das Geldsparen radikal begrenzt, werden die Menschen sehr unglücklich werden.

      Alfred Felsberger

  4. >Da sind sie wieder bei der Theorie – in der Praxis führen fast 20% BIP Abschreibungseinnahmen plus Gewinneeinnahmen zu sinkenden Kreditsalden deutscher Unternehmen.>

    Egal, ob ich eine Investition aus Kassa oder durch kreditaufnahme tätige, es ist IMMER Neuverschuldung. Das ist auch eine Spielregel, die man akzeptieren muss. Davon zu trennen ist die Frage, dass Unternehmen seit geraumer Zeit Entschuldung betreiben. Das führt zur Frage der Krise.

    Alfred Felsberger

  5. Worum geht es denn aktuell – ohne aktuell 7% BIP Exportüberschüsse sind wir in der Depression! Und mit Exportüberschüssen am Retten und verschenken unseres BIP bei gleichzeitiger Zuspitzung unserer Beziehungen zu Atommächten. Der US-Finanzminister hat unserem Obernarren erst diese Woche wieder die LEVitten gelesen. Aber wir können aktuell nicht anders – darum geht es, nicht um Windfall-Profite – Exportsalden weg und Geldsparen weg – da müssen wir hin.

  6. >>>Wenn die Unternehmen sich neuverschulden, und sie tun es immer,

    Da sind sie wieder bei der Theorie – in der Praxis führen fast 20% BIP Abschreibungseinnahmen plus Gewinneeinnahmen zu sinkenden Kreditsalden deutscher Unternehmen.

    Und wenn die Nichtuntnehmer lieber Sachwerte sparen wollen, dann merken die Unternehmer schon ,wenn sie noch weniger Kredit brauchen.

  7. Ich gebe Ihnen in vielen Punkten recht: Ja, es wäre sinnvoll den Eigenheimbau der Haushalte zu forcieren, ja, es wäre sinnvoll, „Überersparnis“ durch einen minimalen Zins zu lindern, ja, es wäre sinnvoll, Investitionen ins Inland zu lenken. Aber es ist gewiss nicht sinnvoll, die Preiskalkulation der unternehmerischen Investition zu untergraben, indem man Ihnen „windfall profits“ durch aufgzwungenenes Entsparen der Haushalte zukommen lässt. Wie würden sich die Unternehmen fühlen? Wie im Schlaraffenland! Und was würden sie tun? Dreimal dürfen sie raten. Unternehmen sind wie wild gewordene Tiere, sie stürmen in die eine wie in die andere Richtung.

    Alfred Felsberger

  8. >>>Vielleicht ist es Ihnen aufgefallen, dass das obige Modell die Investition dem Unternehmenssektor zuordnet.

    Klar, nur die Sachwertkäufe der Unternehmen mehren deren Sachvermögen

    >>>Ich spreche von Äpfel, sie von Nüssen.

    Nein, die Sachwertkäufe der Nichtunternehmen mindern bei konstanter Sparquote deren Einnahmeüberschüsse, die andere seite der Formel, ich dachte dies wäre klar?

    Und ja, Sachwertsparen der Nichtunternehmen hat unternehmerische Risiken – dafür gibt es halt dann aber ja auch noch irgendeine rendite gegenüber Geldhaltung. Und ja, dies halte ich für zumutbar. Und es führt zu einer insgesamt reicheren Gesellschaft. Die alternativ drohende Abwärtsspirale der Arbeitnehmer-Einkommen bis zum „Nichtmehrsparenkönnen“ hat die Nichtunternehmer als große verlierer – ist ja teilweise schon so gelaufen.

    Es gewinnen also alle bei einer Guthabenbremse – auch wenn der Bauch schmerzt

    1. >Nein, die Sachwertkäufe der Nichtunternehmen mindern bei konstanter Sparquote deren Einnahmeüberschüsse, die andere seite der Formel, ich dachte dies wäre klar?>

      Es ist so, dass in der ökonomischen Diskussion die Investition dem Unternehmenssektor zugeordnet ist. Und ich diskutiere immer unter dieser Prämisse. Ich halte mich an die Spielregel. Das ist alles. Soll aber nicht heissen, dass ich nicht begreife wie Investition der Haushalte wirkt.-) Ja, ich begrüsse das Hausbauen. Was für Leben.-) Immer nur schuften.-)

      Alfred Felsberger

  9. >Heute macht man sogar Werbung für Absatz – kurios da etwas von Zwangssparen der Haushalte aus Investitionen zu postulieren.>

    Kurios? Wenn die Unternehmen sich neuverschulden, und sie tun es immer, wenn sie investieren, dann bleibt das Geld als Ersparnis wo hängen. Dieser Mechanismus fiele nur dann weg, wenn die Abschreibung für alle Investitionen exakt ein Jahr wäre. Da sie das nicht ist, muss das System mit Geldersparnis leben.

    Alfred Felsberger

  10. Eine Nettoersparnis kann ich nur in Verkäufermärkten den Haushalten aufzwingen – kenn ich aus der Ostzone

    Wenn man 20Jahre auf ein Auto warten muss, oder das tägliche „ham wer nich, kommt och nich“

    Heute macht man sogar Werbung für Absatz – kurios da etwas von Zwangssparen der Haushalte aus Investitionen zu postulieren. Spätestens bei nullzins hat die Angebotstheorie nun endgültig fertig.

    Selbst wenn die Unternehmen erst mal Kredit für Nettoinvestitionen aufnehmen, haben sie das Geld ohne Geldvermögensbildung der Nichtunternehmer trotzdem wieder auf dem Konto.

    dann haben sie eben unendlich Liquidität.

  11. Es ist nun einmal so, dass die Unternehmen mit der Neuverschuldung beginnen, z.B. ein Kraftwerksbetreiber, der ein Kraftwerk auf eine Lebensdauer von 20 Jahren errichtet. Die Unternehmen sind es, die durch ihre Netto-Investition den Haushalten eine Geldersparnis in gleicher Höhe aufzwingen.Die Haushalte können dann nur mehr entscheiden, ob sie die Gelderparnis „optimal“ an die Netto-Investitionen anpassen und werden durch die Marktkräfte dazu auch gezwungen. „Übersparen“ sie, kommt es zu Lageraufbau, Konkurse, Arbeitslosigkeit, etc. bis ihre Geldersparnis absinkt. Es gibt keinen Modus, der die Geldersparnisse unterhalb die Netto-Neuverschuldung des Unternehmenssektors drücken könnte, ganz einfach, weil die Preiskalkulation des Unternehmenssektors darauf gar nicht ausgerichtet ist. Ich weiss, ehrlich gesagt, nicht, was Ihnen durch den Kopf geht, wenn sie Geldvermögensabbau der Haushalte fordern. Damit möchte ich nicht sagen, dass Ihre Gedanken nicht originell sind, aber sie stellen sich gegen das Prinzip der freien Preiskalkulation der Unternehmen. Vielleicht nehmen sie diese Kritik als das auf, was sie sein soll: ein Nachdenken über die Prinzipien des Kapitalismus.

    PS. Sollten Sie eine neue Gesellschaft wünschen, ich bin dabei!.-)

    Alfred Felsberger

  12. >>>>Wie tief auch immer sie die Ausschüttung an die Unternehmer-Haushalte senken, sogar auf Null, bleibt eine Neuverschuldung im Unternehmenssektor in der Höhe der Netto-Investition bestehen, die halt dann von den Arbeiter-Haushalten aufgefangen werden muss.

    komplett falsch – die Nettoinvestition ist der Überschuss der Neuinvestitionskäufe über die Abschreibungen. Wenn die Nichtunternehmer keine Geldvermögensbildung(Einnahmeüberschüsse) betreiben, z.B. weil selbst zum Sachwertsparer mutiert, werden diese Ausgaben komplett wieder zu Einnahmen der Unternehmer. Finanzierungsbedarf dann….

    NUll, nix , zero

    1. >z.B. weil selbst zum Sachwertsparer mutiert>

      Vielleicht ist es Ihnen aufgefallen, dass das obige Modell die Investition dem Unternehmenssektor zuordnet. Ich spreche von Äpfel, sie von Nüssen. Man muss sich an Spielregeln halten, sonst braucht man gar nicht diskutieren. Ja, sie haben recht: wenn wir Haushalte alle Häuser bauen, ist das Problem gelöst. Was für eine Erkenntnis! Nur eine Frage: Wollen Sie die ganze Menschheit zu Unternehmer machen?

      Alfred Felsberger

  13. >>>Es ist wirklich interessant wie unterschiedlich Praktiker und Theoretiker denken.

    volle Zustimmung

    >>>Ich zeige Ihnen, dass nach der Logik der Gewinnfomel überhaupt kein EK-Aufbau möglich ist,

    In dem Sie allen Gewinn theoretisch ausschütten, warum wollen wir nicht über die Praxis der Gewinnakkumulation in Unternehmen sprechen? 🙂

    1. >warum wollen wir nicht über die Praxis der Gewinnakkumulation in Unternehmen sprechen? :-)>

      Herr Buschbeck: Es ist nicht möglich, was Sie hier behaupten. Auch bei Ausschüttung von Null, muss jemand die Verschuldung der Unternehmen in der Höhe der Netto-Investition auffangen! Dämmert`s langsam?

      Alfred Felsberger

  14. Es ist wirklich interessant wie unterschiedlich Praktiker und Theoretiker denken. Ich zeige Ihnen, dass nach der Logik der Gewinnfomel überhaupt kein EK-Aufbau möglich ist, und sie antworten mir sinngemäss: „So what? Last uns doch EK-Aufbau betreiben!“ Wie denn, Herr Buschbeck? Innerhalb des obigen Zwei-Sektoren-Modells geht es nicht und zwar aus denen von Ihnen so geschätzten saldenmechanischen Gründen. Wie tief auch immer sie die Ausschüttung an die Unternehmer-Haushalte senken, sogar auf Null, bleibt eine Neuverschuldung im Unternehmenssektor in der Höhe der Netto-Investition bestehen, die halt dann von den Arbeiter-Haushalten aufgefangen werden muss. Bliebe, um EK-Aufbau zu betreiben, nur ein „externer Spieler“, der durch seine Neuverschuldung das bewerkstelligen kann. Tja, sie haben`s erraten: Der liebe Staat.

    PS. Das ist ja der Grund, warum in der Wirklichkeit der EK-Zuwachs positiv ist, weil der Staat durch seine Neuverschuldung es möglich macht. Friert der Staat in einer geschlossenen Volkswirtschaft seine Neuverschuldung ein, ist`s mit dem EK-Zuwachs der Unternehmen auch schon vorbei. Das ist die bittere Botschaft der Gewinnformel.

    Alfred Felsberger

  15. >>>Nochmals in aller Klarheit: Die Besonderheit der Gewinnformel liegt darin, dass ein EK-Zuwachs des Unternehmenssektors nach Ausschüttung nicht möglich ist.

    so what? Und das nicht alle Gewinne ausgeschüttet werden, hatten Sie selbst erwähnt. Wenn Geldhaltung uninteressant ist, könnte sogar ein Eigenkapitalzufluss in die Unternehmen als neue Sparform stattfinden. Auch dieses Thema sollten wir nicht „problemverschlingen“. Ob eine Wirtschaft „eigenkapitalisiert“ oder „fremdkapitalsiert“ ist eine Frage der Sparformen aller Wirtschafter. 7% BIP wachsende Geldvermögen = 7% BIP Schuldenwachstum = wachsende Fremdkapitalisierung der Wirtschaft.

    Worum es eigentlich geht ist ja die Frage, ob überhaupt operative Gewinnaussichten gegenüber risikoloser Geldhaltung bestehen, weil ansonsten das Risiko von Investitionen nicht eingegangen wird.

    Und davon handelt zwingend logisch die Gewinnformel – die in ihrer einfachen Form zusammen mit den einfach zu überblickenden Finanzierungssalden der VGR enorm wichtige Schlüsse zulässt.

  16. Nochmals in aller Klarheit: Die Besonderheit der Gewinnformel liegt darin, dass ein EK-Zuwachs des Unternehmenssektors nach Ausschüttung nicht möglich ist. Als Gleichgewichts-mechanismus wirkt bloss die (ungeplante) Lagerveränderung. Es sind zunächst drei Fälle zu unterscheiden:

    1) Gleichgewicht auf dem Gütermarkt (physische Räumung), das heisst: die Lagerveränderung ist Null. Dieser Fall wird von der Gewinnformel analysiert, obwohl er sehr unwahrscheinlich ist (EK-Zuwachs der Unternehmen ist Null bei stetig wachsendem FK in der Höhe der Netto-Investition).

    2) Die Lagerveränderung ist positiv, was heisst: dass der Verlängerung der Aktivseite um den Lageraufbau ein FK-Zuwachs in gleicher Höhe auf der Passivseite gegenübersteht. Das Ungleichgewicht auf dem Gütermarkt (Überangebot) schlägt sich in einer Bilanzverlängerung der Unternehmen nieder. Der EK-Zuwachs bleibt trotzdem Null.

    3) Die Lagerveränderung ist negativ (Übernachfrage am Gütermarkt): = Bilanzverkürzung des Unternehmenssektors,. der EK-Zuwachs bleibt Null. Es gibt keine Wirkungen auf die Unternehmen, die einen EK-Zuwachs erzwingen könnten, Immer bleibt der Unternehmens-Gewinn Null.

    Jeder, der diese Formel verwendet, sollte sich dessen bewusst sein. Mehr wollte ich Ihnen eigentlich nicht vermitteln. Wie sinnvoll es ist unter der Annahme eines EK-Wachstums von Null zu argumentieren, bleibt Ihnen überlassen.

    Alfred Felsberger

  17. Ihre Umformungen in allen Ehren – es ging ja nur um den finalen „Kurzschluss“ aus der Gleichsetzung der Nettoinvestition mit dem Verschuldungsbedarf(Ausgabeüberschüsse bzw. Kaufüberschüsse) des Unternehmenssektors.

    Der Unternehmenssektor hat aber nur in dem Umfang Verschuldungsbedarf, wie es den Nichtunternehmern gelingt, Geldvermögen zu bilden.

    Da gibt es keinen festen Zusammenhang zu Investitionsausgaben. Die Unternehmen machen also per Saldo auch Schulden wenn Sie gar nicht investieren – bzw. trotz Nettoinvestitionen auch keine, wenn den Nichtunternehmern(Rest der Welt) ein Geldvermögensaufbau (Verkaufsüberschüsse) nicht gelingt bzw. nicht angestrebt ist.

  18. Nein, nein, ich bin kein Volkswirt, keine Angst, ich bin Praktiker wie Sie. Jedoch: wenn sie meinen, dass eine blosse Umformung einer Formel eine Problemverschlingung sei, dann wäre ich anstatt Praktiker lieber Mathematiker, um Ihnen die Ohren nach vorne zu richten.-) Nichts für ungut.-)

    Liebe Grüsse
    Alfred Felsberger

  19. Lieber Herr Felsberger,

    >>>Da die Netto-Investitionen immer der Geldvermögensbildung der Haushalte entspricht (I = S), gilt:

    >>>Unternehmens-Gewinn = Null

    Sie müssen „Volkswirt“ studiert haben, da lernt man solche unzulässigen Problemverschlingungen.

    Als „Gesamtwirt“ 🙂 darf ich Ihnen verraten, dass die Netto-Investitionen und Ausgabeüberschüsse der Unternehmer etwas völlig verschiedenes sind. Sie auf der Gegenseite also auch keine Identität mit den Einnahmeüberschüssen der Nichtunternehmer bilden.

    Die Volkswirte haben es leider versäumt, die stützelsche Terminologie zu übernehmen. Deshalb drehen sie sich mit Doppelbelegung von Begriffen ( hier Verschuldung und Investition) unendlich im Kreis und produzieren lange Diskussionen und „Kurzschlüsse“. Dadurch können so einfache wie geniale Formeln wie die Gewinnformel nicht gewürdigt und genutzt werden.

    Zusammen mit der Analyse der Finanzierungssalden wäre die Gewinnformel ansonsten ein herausragendes Element der Politikberatung.

    Man hätte z.B. den ökonomischen Wahnsinn des Switches von der Umlagerente zur Geldsparrente sofort erkennen können. Auch das die Anregung des Sachwertsparens die Alternative zum Staatsschuldenwachstum oder Depression.

    zum Thema unzulässige Problemverschlingungen – bitte hier entlang – ab Seite 6

  20. Sehr geehrter Herr Buschbeck,

    >Wir hatten dies im soffi-Blog schon – die Formel bezieht sich auf den “ordentlichen Gewinn”>

    Das Problem ist einfach, dass die Gewinnformel für einen Gleichgewichtszustand formuliert ist, nämlich dort: wo der Unternehmens-Gewinn gleich Null ist. Kein Ökonom ist sich dessen bewusst und jeder betet den Schwachsinn nach.

    Sie können sich sofort davon überzeugen, indem Sie eine Unterscheidung zwischen Unternehmens-Gewinn (thesaurierter Gewinn) und Unternehmens-Haushalts-Gewinn (ausgeschütteter Gewinn) einführen:

    1) Unternehmens-Gewinn plus Unternehmer-Haushalts-Gewinn = Gewinn

    woraus folgt:

    2) Unternehmens-Gewinn plus Unternehmer-Haushalts-Gewinn = Netto-Investitionen plus Unternehmer-Haushalts-Konsum minus Geldvermögensbildung der Arbeiter-Haushalte

    Nun schieben wir den Unternehmens-Haushalts-Gewinn (Ausschüttung) auf die rechte Seite:

    3) Unternehmens-Gewinn = Netto-Investitionen minus Unternehmer-Haushalts-Gewinn plus Unternehmer-Haushalts-Konsum minus Geldvermögensbildung der Arbeiter-Haushalte

    woraus folgt:

    4) Unternehmens-Gewinn = Netto-Investitionen minus Geldvermögensbildung der Unternehmer-Haushalte minus Geldvermögensbildung der Arbeiter-Haushalte

    und weiter:

    5) Unternehmens-Gewinn = Netto-Investitionen minus Geldvermögensbildung der Haushalte

    Da die Netto-Investitionen immer der Geldvermögensbildung der Haushalte entspricht (I = S), gilt:

    Unternehmens-Gewinn = Null

    Man führe sich nun den Sinn einer Formel vor Augen, die postuliert, dass es keinen EK-Zuwachs, sprich: Gewinn, für die Unternehmen geben soll, sondern nur eine Ausschüttung für seine Eigentümer. Ein Unternehmenssektor, der Jahr für Jahr auf dem gleichen Niveau dahinwerkelt und alle Gewinne bloss ausschüttet. Das ist, was Herr Keynes unter Ökonomie verstand! Gleichgewichts-Trottelei im ewig gleichen Zustand! Was wollen Sie, lieber Herr Buschbeck, aus dieser Formel ableiten ausser: dass der EK-Zuwachs immer Null ist?

    Gruss
    Alfred Felsberger

  21. Jetzt verstehe ich! Sie wollen mich kritisieren! Zu ihrer Beruhigung: Ich glaube an gar nichts, auch wenn genau das Sie am meisten schmerzen wird.-)
    Ihren Glauben hab ich ja auch nicht in Frage gestellt, nur das Leugnen, die Justierung der Stellschraube- Verguthaben Verschlechthaben (Geldsteuerung), stell ich in Frage.

  22. Sehr gehrter Herr Czop,

    Jetzt verstehe ich! Sie wollen mich kritisieren! Zu ihrer Beruhigung: Ich glaube an gar nichts, auch wenn genau das Sie am meisten schmerzen wird.-)

    Grüsse
    Alfred Felsberger

  23. „Die Liberalen haben wenigstens eine Vision: Löhne soweit runter, bis die Produktion zurückkehrt.“
    Insolvenzverschleppung ist verboten, funzt also leider nicht.

    „Nur an der Geldschraube drehen wird nicht reichen.-)“
    Oh Gott noch so einer, klassische Gold/Bargelddenke welcher die Verguthaben-Verrschlechthabenschraube (Geldschraube) leugnet.

  24. >Seit der EX-US-Finanzminister Larry Summers auf meine Seite gewechselt ist, fühl ich mich auch nicht mehr so allein>

    Dass gerade dieser Herr auf ihre Seite gewechselt ist, würde mich stutzig machen.-)

    >Daher begegnet man in der „guten Gesellschaft“ wenig (….) erhabenen Naturen, die gerade von dem zu sprechen wagen, was man nicht sagen darf.> (M.Proust)

    Grüsse
    A.F.

  25. Ihre Aktiv-Passivseite Klassifizierung erschließt sich mir nicht. Vor allem haben wir VWL-Narren, die einzelwirtschaftliche Zusammenhänge auf die Gesamtwirtschaft übertragen.

    Das in heutiger Situation die Sanktionierung der privaten Geldvermögensbildung regelrecht alternativlos ist, ist ständiges Thema dieses Blogs 🙂

    Seit der EX-US-Finanzminister Larry Summers auf meine Seite gewechselt ist, fühl ich mich auch nicht mehr so allein. 🙂

  26. Ja, man kann auf die Krise, in der wir stecken, immer doppelt blicken: aus der Sicht der Aktivseite der Unternehmen oder aus der Sicht der Passivseite. Liberale Ökonomen, genauso wie radikale, schauen traditionell auf die Aktivseite, die gemässigten auf die Passivseite, wenige nur auf beide. Warum die Gemässigten sich immer auf der Geldseite finden. liegt in der Hoffnung durch Reformen etwas zu verändern. Liberale sind für Reformen immer nur dann zu haben, wenn sie radikal sind, Denn wenn das Grundproblem tatsächlich in der sinkenden Netto-Investitionsquote liegt, und nicht auf der Geldseite, welche Reformen könnten wir dann erhoffen? Wie sollen wir den Wandel zur Netto-Investitions-„scheuen“ Dienstleistungsgesellschaft stoppen? Wie die Auslagerung der Produktion nach Fernost? Wie das Grundproblem steigender Abschreibungen auf einen wachsenden Kapitalstock? Die Liberalen haben wenigstens eine Vision: Löhne soweit runter, bis die Produktion zurückkehrt. Die Gemässigten haben in dieser Frage gar nichts anzubieten. Nur an der Geldschraube drehen wird nicht reichen.-)

    Alfred Felsberger

  27. Wir hatten dies im soffi-Blog schon – die Formel bezieht sich auf den „ordentlichen Gewinn“ – mehr oder weniger dubiose außerordentliche Gewinne aus Neubewertungen werden natürlich auch ein Teil der Erklärung Ihrer Fragestellung sein.

    Mit diesen Einschränkungen sind wir aber auf der Sachwertebene, die Geldebene(im Sinne Forderungen/verbindlichkeiten) bleibt immer null und klar in den Salden der Sektoren. Da gilt die Trivialarithmetik uneingeschränkt.

  28. Der Grund, warum die Trivialarithmetik (oft) scheitert, ist das Bankensystem selbst. Nehmen Sie doch, nur als Beispiel, die Identität (Zwei Sektoren-Modell mit einer GB ohne EK):

    EK + FK des Unternehmenssektors = Aktienvermögen der Haushalte + Geldvermögen der Haushalte

    Stimmt Sie denn? Natürlich nicht! Das Aktienvermögen der Haushalte, abgebildet z.B. durch die Marktkapitalisierung des SP500, übersteigt das Eigenkapital der im SP500 versammelten Unternehmen mittlerweile um das x-fache. Wie ist diese phänomenale Differenz möglich? Wo kommen die Geldeinheiten her, die dies bewirken könnten? Antwort: Aus dem GB-Sektor, wo die Aktien auf Kredit gekauft werden. Das so geschaffene Geld wird dann den Haushalten (den Verkäufern der Aktien) zugeordnet und hebt im Gegenzug das Geldvermögen der Haushalte über das FK des Unternehmenssektor. Sie sehen: Alles Schall und Rauch!

    Alfred Felsberger

  29. Naja, Trivialarithmetik. Die USA scheint sich dem wohl zu entziehen, wenn man bedenkt, dass dort nicht nur eine steigende Gewinnquote auf eine sinkende Netto-Investitionsquote sondern auch noch auf eine steigende Auslandsverschuldung trifft. Und die Staatsverschuldung wird`s dort auch nicht richten, ist sie doch bis in die Clinton-Ära hinein sehr niedrig geblieben, während alle anderen, oben beschriebenen Kräfte schon längst intakt waren. Gewinnformel ade, würde ich sagen.-)

    Mir scheint die Sache etwas komplizierter zu sein. Wie schaut`s eigentlich mit (ausländischen) Finanzanlagen der US-Unternehmen und ihrer bilanziellen Handhabe aus? Was, wenn der ganze Unternehmenssektor dort schon längst in einem einzigartigen Spekulationsprozess verwickelt ist, der mit steigenden Aktienkursen auch die Aktivseite des Unternehmenssektors hebt? Schon lange hege ich den Verdacht, dass die Aufführung, die hier gegeben wird, die bewertungstechnische Streckung der Aktivseite heisst.

    Wie stehen Sie eigentlich zu den aktuellen Bilanzierungsregeln? Kommen Ihnen die nicht selbst schon manchmal sehr merkwürdig vor? Werden hier nicht, vor allem börsennotierten Unternehmen, Tür und Tor zur Selbstinterpretatition geöffnet. So oft habe ich es in den USA erlebt, dass gesunde Unternehmen binnen weniger Monate in Konkurs waren (z.B. Worldcom). Dann schrien immer alle: Betrug! wo doch jahrelang die Bilanzen scharf kontrolliert wurden. Der Selbstbetrug scheint ganz woanders zu liegen: in dem Wunsch des Systems weiterzuleben…..

    Alferd Felsberger

    1. „Naja, Trivialarithmetik. Die USA scheint sich dem wohl zu entziehen, wenn man bedenkt, dass dort nicht nur eine steigende Gewinnquote auf eine sinkende Netto-Investitionsquote sondern auch noch auf eine steigende Auslandsverschuldung trifft. Und die Staatsverschuldung wird`s dort auch nicht richten, ist sie doch bis in die Clinton-Ära hinein sehr niedrig geblieben, während alle anderen, oben beschriebenen Kräfte schon längst intakt waren. Gewinnformel ade, würde ich sagen.-)“

      Nur weil die aktuelle Realität falsch läuft, ist deshalb die Gewinnformel (Gf) nicht falsch. Bilanzfälschung gehört nämlich nicht zum Alltagsgeschäft der Gf..

      Zur USA- Investition: Investiert/ Ausgelagert wurde nach China und was geschieht/geschah mit den Gewinnen?

      Zur Staatsverschuldung: „Niedrig geblieben“ im Verhältniss zu was? Hier schliesst sich doch der Kreis der niedrigen Staatsverschuldung bis zur Clinton-Ära: China!
      Woher existieren z.Zt alle aktuellen Erfolgsmeldungen der deutschen Autobauer/Exportindustrie, aus Rückmeldungen aus Sinbabwe?

      „Mir scheint die Sache etwas komplizierter zu sein. Wie schaut`s eigentlich mit (ausländischen) Finanzanlagen der US-Unternehmen und ihrer bilanziellen Handhabe aus? Was, wenn der ganze Unternehmenssektor dort schon längst in einem einzigartigen Spekulationsprozess verwickelt ist, der mit steigenden Aktienkursen auch die Aktivseite des Unternehmenssektors hebt? Schon lange hege ich den Verdacht, dass die Aufführung, die hier gegeben wird, die bewertungstechnische Streckung der Aktivseite heisst.“

      Daran ist weder etwas kompliziert oder sonstiges mysterisch und schon gar nicht die Gf. falsch, sondern nur Folge eines allgemeinen geselschaftlichen Geisteszustands.
      Wie würden Sie denn ihren Bankberater begrüssen, wenn dieser ihn offenbaren tätet, das ihre Aktiva gerade die Flöte gemacht haben. Um diesen Geisteszustand aufrecht zuerhalten benötigt es schon den Einsatz einer Bundeskanzlerin und deren Stellvertreter in 2008.

      „Wie stehen Sie eigentlich zu den aktuellen Bilanzierungsregeln? Kommen Ihnen die nicht selbst schon manchmal sehr merkwürdig vor? Werden hier nicht, vor allem börsennotierten Unternehmen, Tür und Tor zur Selbstinterpretatition geöffnet. So oft habe ich es in den USA erlebt, dass gesunde Unternehmen binnen weniger Monate in Konkurs waren (z.B. Worldcom). Dann schrien immer alle: Betrug! wo doch jahrelang die Bilanzen scharf kontrolliert wurden. Der Selbstbetrug scheint ganz woanders zu liegen: in dem Wunsch des Systems weiterzuleben…..“

      Wieviel Leute kennen Sie denn die ihren persönlichen Bilanzbetrug, den Glauben an die private Altersversorgung (Spekulation,) aufgegeben haben und dafür die Sinnhaftigkeit an die Umlagefinanzierte gewonnen haben: in dem Wunsch des Systems weiterzuleben…..“?
      Die Rente ist ist sicher? Klar ist sie das, aber niemals bei den Privaten!

      1. Ehrlich gesagt, Herr Czop. Ich weiss jetzt nicht so recht: Kritisieren Sie mich jetzt oder stimmen sie mir zu? Was den Betrug betrifft, so bin ich der Letzte, der dem Kapitalismus das unterstellt. Seine Leistung lag vielmehr darin trotz aller Greueltaten und Verbrechen den Glauben an Gerechtigkeit und Freiheit aufrechtzuerhalten.Das ist eine im Nachinein urteilende Gesellschaft, die die Wirkungen ihrer eigenen Handlungen nicht kennt, und, um sie zu legitimieren, in wissenschaftliche Begriffe giesst. Als Betrug wird in dieser Welt stets nur wahrgenommen, was im Nachinein zu einem Verlust führt, niemals jedoch, was im Vorhinein als Gewinn geplant ist. Der grösste Betrüger kann im Nachinein zum bewunderten Heros aufsteigen, und der ehrlichste Politiker zum grössten Dummkopf absacken. Also, was wollen Sie von mir hören? Bilanzierungsbetrug? Dass ich nicht lache!

        Alfred Felsberger

  30. >>>Nicht einmal der Staat mit seiner wachsenden Verschuldung dürfte daran etwas ändern, es sei denn man behauptet, dass die Staatsverschuldung einseitig zugunsten der Unternehmen wirkt – was ich bezweifle.

    na dann zweifeln Sie mal exakt an der Haupt-Ursache, ich zweifele nicht an trivialarithmetischer Logik.

    Die Finanzierungssalden der Anderen habe ich nicht im Blick. Das Deutschland seine Unternehmensgewinne in der Formel in einem nie zuvor gewesenen Umfang aus der Verschuldung des Auslandes zum Ausgleich der verschwundenen Nettoinvestitionen zieht, ist im Zahlenwerk offensichtlich.

    Die deutsche VGR hat unter Haushalte auch die Einzelunternehmen. Dass diese überproportional die Geldvermögensbildung hochhalten, ist wohl auch ein Teil der Erklärung. Die echten Nichtunternehmer haben sicherlich
    eine gesunkenere Geldsparquote, als es das Gesamtkonto ausweist.

    @Rudi – eben drum!

    Dass wachsende Privatverschuldung und Sachwertsparen der Nichtunternehmer in anderen Ländern (außer im Staatsschuldenland Japan) eine größere Bedeutung hat, auch. Die triviale Logik der Gewinnformel muss man nicht beweisen, aber man könnte es natürlich, wenn man die historischen Finanzierungssalden und die Aufteilung des Kontos Haushalte in Unternehmer und Nichtunternehmer hätte.

  31. Sehr geeherter Herr Buschbeck,

    Wie verträgt sich eigentlich die Gewinnformel:

    Unternehmensgewinne = Netto-Investitionen plus Unternehmer-Haushalts-Konsum minus Geldvermögensbildung der Arbeiter-Haushalte

    mit der Tatsache, dass in allen entwickelten Ökonomien (USA, Japan, BRD):

    1) der Anteil der Netto-Investitionen am BIP seit langem fällt, während

    2) der Anteil der Unternehmensgewinne am BIP ebenso lange steigt.

    Dieser Formel gemäss müsste der Anteil der Unternehmensgewinne am BIP aufgrund der sinkenden Netto-Investitionsquote längst fallen und – nicht wie tatsächlich geschehen – steigen.

    Nicht einmal der Staat mit seiner wachsenden Verschuldung dürfte daran etwas ändern, es sei denn man behauptet, dass die Staatsverschuldung einseitig zugunsten der Unternehmen wirkt – was ich bezweifle.

    Mit freundlichem Gruss
    Alfred Felsberger

  32. >>>>Zum eigentlichen Thema: Benutzen Sie den Begriff “Kapitalismus” eigentlich bewusst?

    Ja, Phil, danke für diese bewusst provozierte Nachfrage. Wenn Du den alten Film „Global Change 2009“ ansiehst, habe ich früher aus exakt Deinen Überlegungen nur den Begriff Marktwirtschaft benutzt.

    Nur läuft dieser Begriff synchron mit der Vorstellung eines einzelwirtschaftlichen Tausches „Geldding gegen Ware“ welche der Kern der Mißverständnisse ist. Und dieses Mißverständniss ist eben auch eine „Bauchfrage“.

    Die im Beitrag gefundene System-Definition:
    „Kapitalismus ist das arbeitsteilige Wirtschaftssystem, in dem vorrangig Unternehmer gegen Gewinnaussichten (Mehrwert) das Risiko der Vorfinanzierung von Einkommen tragen. Es basiert auf in Eigentum vollstreckbaren Vertragsschulden.“

    passt nun mal viel besser zum Begriff Kapitalismus – das Kapital als gegen Gewinnaussichten riskiertes Eigentum als Wesen des Systems.

  33. Hallo Herr Buschbeck!

    Zunächst einmal Danke für die vielen neuen Einsichten hinsichtlich des Geldsystems, die Sie mir und vielen anderen bescheren! Da ist man 40 Jahre alt und denkt, alles übers Geld zu wissen, nur um dann festzustellen, dass man Jahrzehnte lang völlig falsche Vorstellungen hatte…

    Zum eigentlichen Thema: Benutzen Sie den Begriff „Kapitalismus“ eigentlich bewusst? Warum nicht „Marktwirtschaft“?
    Für mich weckt der Begriff „Kapitalismus“ stark negative Assoziationen, wie so viele Begriffe, die auf „…ismus“ enden: Kommunismus, Sozialismus, Faschismus, Islamismus…

    Ich verbinde mit diesem Begriff die totale Ausrichtung auf Kapitalvermehrung, um jeden Preis, ohne Rücksicht auf Verluste, auf die Umwelt, auf die Menschen.

    Ich könnte mir vorstellen, dass es noch mehr Menschen so geht, und befürchte, dass viele allein aufgrund des Begriffs im Titel abgeschreckt werden, und aufs Weiterlesen verzichten, was doch ein Jammer wäre!

    Viele Grüße,
    Phil Rae

  34. edit 16.02, Jörg Buschbeck

    Erläuterung Gewinnformel im Bezug auf den Unternehmerkonsum ergänzt. Bedeutung der „Schuld“ als Antriebskraft der Unternehmer und Käufermärkte ergänzt und Lösungen vertieft sowie diverse Links eingepflegt.

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