Die hohe Schule der Geldtheorie – was ist „das Geforderte“ bei der Zentralbank


Die meisten Menschen glauben, das „Geldding“ kommt von der Zentralbank als Ausgangspunkt und wird dann von Banken verliehen. Irgendwie  „in Umlauf gebracht“ oder so? Über Geld denkt und spricht man ja auch eh nicht, also was soll es? 🙂

Nun gibt es aber auch Leute, die haben unser Kreditgeldsystem schon ganz gut verstanden, z.B. hier oder hier. Aber auch Sie scheitern oft noch beim finalen Verständnis der Rolle der Zentralbank. Zentralbankgeld ist ja eine Forderung gegen die Zentralbank – aber da gibt es doch gar nichts zu fordern?  Man kann seine Forderung als Geschäftsbank ja maximal als Bargeld verbriefen lassen? Aber irgendwelche goldigen Dinge wie früher gibt es da ja längst nicht mehr? Und eine Nichtbank kann bei der Zentralbank gar nichts gegen Bargeld (verbriefte Forderung gegen die Zentralbank) fordern?

Die hohe Schule ist jetzt der Gesamtüberblick über das Kreditgeldsystem. Sicherlich ist Forderung auch ein grenzwertiger Begriff, weil man ja gar nichts fordern muss? Jeder Anbieter möchte uns für unser Geld etwas geben? Warum ist dies so? Weil die Kreditnehmer bei den Geschäftsbanken Tilgung schulden! Auch der Schuldner Staat, der alle Leistungserbringer dafür mit Steuern belegt. Diese reale Leistungsschuld der Steuerpflichtigen und Kreditnehmer ergibt zusammen mit den (Grund) Bedürfnissen den Angebotsdruck im Markt.

Das „Geforderte“ bzw. „Aufgedrängte“ ist also die Folge einer Kreditschuld bei einer Geschäftsbank und der Steuerschuld – es ist zu Ende gedacht das für die Tilgung der Schulden nötige realwirtschaftliche Angebot.

Die Zentralbank kauft diese schlussendlich realwirtschaftlichen Leistungsschulden bei Geschäftsbanken nur  an, um einen Zahlungsverkehr zwischen den Banken zu ermöglichen.  Die Geschäftsbanken können aber auch etwas „fordern“ – die Freigabe eben dieser Pfänder, also ihrer Forderungen gegen Nichtbanken, wenn ihre Zentralbankguthaben abgebaut würden.

Und an Nichtbanken kommt das Bargeld ja nur als Verbriefung für Forderungen gegen eine Geschäftsbank. Die Nichtbank kann also gegen diese Verbriefung täglich fälligen Forderungen gegen eine beliebige Geschäftsbank fordern. Also dem Zahlungsmittel, mit dem Nichtbanken ihre realwirtschaftlichen Schulden tilgen.

Und natürlich kann diese Zentralbankforderungen nur die Zentralbank erzeugen. Nur steht sie trotzdem nicht am Anfang des Geldes und der realen Nachfrage. Weil ja zuerst verpfändbare Schulden von Nichtbanken bei der Geschäftsbank gemacht werden müssen, die als Pfand für die Zentralbankgeldschöpfung dienen. Und eine Finanzierung von Plänen für Kaufüberschüsse durch die Geschäftsbanken macht diese erst real wirksam. So kann ein konjunkturtreibender Überschuss der  Pläne für Geldvermögensabbau über die Pläne für Geldvermögensaufbau erreicht werden. Denn solche Konstellationen führen regelmäßig zu Zusatzausgaben der ungeplanten Einnahmeüberschüsse der Wirtschafter.

Bei einem Überschuss der Pläne für Kaufüberschüsse(Geldvermögensabbau), kann die Zentralbank aber neben Leitzinserhöhungen über eine Verringerung der Pfänder-Monetisierung Liquiditätsknappheit bei den Geschäftsbanken erzeugen, was deren
Kreditvergabe bremst. Problematisch ist der umgekehrte Fall, kaum noch Zins und trotzdem überwiegende Pläne für Geldvermögenserhöhung.   Hier kann auch eine Zentralbank nicht mit „expansiver Gelddruckpolitik“ = reichlicher Bankenliquidität Inflation erzeugen. Sie kann aber den Sparzins dauerhaft abschaffen und damit eine der Bedingungen für einen nachhaltigen Kapitalismus erfüllen.

Nachtrag: In einem Gedankenexperiment  könnte man das Bargeld auch abschaffen, ohne das sich an der Funktionalität des Systems etwas prinzipielles ändert. Die Banken würden wie heute ihre Salden giral mit ihren Forderungen auf den Konten der Zentralbank  ausgleichen. Nur Nichtbanken könnten sich Geschäftsbankengeld dann nicht mehr verbriefen lassen.  Damit ist einfach zu belegen, dass es nicht um das „Baumwollpapier als Geldding“ in dem Spiel geht. Dieses nur als „Verbriefung der Verbriefung der Verbriefung“ der  realen Leistungsschuld der Kreditnehmer und Steuerschuldner dient. Insofern gibt es auch einen „Geldschleier“, was aber noch lange nicht ein neutrales Geldsystem bedeutet. Zum einem wirkt die Zahlungsmittelschöpfung und Vernichtung des Kredits auf die konjunkturrelevanten Pläne für Kaufsalden = Geldvermögensänderungen. Und da das hortbare Bargeld nominal negative Gleichgewichtszinsen (Bezug Plangleichgewicht Kaufsalden)   verhindert, führt das Geldsystem bei Unternachfrage in eine selbst verstärkende Krise. Dazu hat der Michael Hönnig übrigens eine schöne Seite NEIR.de gemacht.

54 Kommentare zu „Die hohe Schule der Geldtheorie – was ist „das Geforderte“ bei der Zentralbank“

  1. >>>Damit wird zweierlei erklärt: Erstens, warum im Abschwung die Kreditvergabe wirklich stockt, weil nämlich der Wert des Eigenkapitals und damit der Sicherheiten fällt,

    Dies ist erst in der deflationären depression der Fall, die wir in deutschland nicht haben. Dort ist es die Akkumulation der Unternehmen, wo die Abschreibungen die Neuinvestitionen finanzieren.

  2. >>>>Da im Kapitalismus die Haushalte die Gläubiger und die Unternehmen die Schuldner sind,

    So ist es eben nicht mehr – das Geldsparen geht komplett in die Staatsverschuldung – also der Steuerzahler erwirbt Forderungen gegen sich selbst.

    Ein Nullsummenspiel – wäre egal wenn man eben diese Staatsschulden nicht zum Problem erklärt hätte.

    Und wenn die Nichtunternehmer in Sachwerten sparen lernen haben sie bessere renditen und ersparen sich den verlust von Einkommen und Leben/gesundheit in Deflation und Krieg.

    wir hatten dies aber letzten schon intensivst diskutiert…hier…
    http://www.kapitalismus-verstehen.de

  3. Ich bezweifle zum Beispiel zutiefst, und diese Kritik muss erlaubt sein, weil sie ja einem Fortschritt des Denkens dienen soll, dass Ihr Massnahmenkatalog, lieber Herr Buschbeck, der sofern ich ihn überhaupt richtig verstehe, in einem Abbau der Guthaben der Haushalte gipfelt, ein Ventil für die fortschreitende Eigentumskonzentration (oder exakter: Eigenkapital-Konzentration) sein kann. Da im Kapitalismus die Haushalte die Gläubiger und die Unternehmen die Schuldner sind, letztere aber über einen Grossteil des Eigenkapitals verfügen, verschärft ein Abbau der Guthaben die Eigentumskonzentration und mildert sie nicht. Es ist zu befürchten, dass in diesem Szenario die Verschuldungsbereitschaft der Unternehmen völlig erlahmt, ganz einfach deshalb, weil ein grosser EK-Eigentümer kein Interesse hat, sich für völlig verarmte Habenichtse zu verschulden, weil er den Lohn weiter drosselt nach dem Motto: „Du arbeitest auch für einen Hungerlohn für mich.“ Was wir benötigen würden, wie Sie ja oft richtig betonen, ist im Gegenteil einen EK-Aufbau der Haushalte, der aber solange nicht erreichbar ist, solange diese Haushalte nicht kreditwürdig sind. Wir stehen letztendlich dort, wo die USA vor 10 Jahren stand und kläglich scheiterte. Der Traum des Eigenheim-Besitzes für alle ist dort auf ewig ausgeträumt.

    Alfred Felsberger

    1. Hallo Herr Felsberger,

      ich würde ihnen da noch gern ein paar Fragen stellen, da mir wichtige Details ihrer Sicht einfach nicht klargeworden sind. Leider gibt es hier im obigen Diskussionsfaden keine Antwortmöglichkeit mehr. Ich schlage daher vor, daß wir die Diskussion an geeigneterer Stelle führen – entweder per e-mail, oder in einem geeigneten Diskussionsforum, in dem sich Diskussionfäden sinnvoll darstellen und fortsetzen lassen. Letzteres müßten allerdings Sie vorschlagen.

      Falls Sie Interesse haben, schicken Sie mir doch einfach eine mail an moneymind@gmx.de.

      Schönen Abend noch.

  4. Das Grundproblem aller auf Privateigentum fussenden Ordnungen, und dazu zählt auch die griechische Polis und das demokratische Rom, liegt schlichtweg darin: dass sie keine Ventile hatten um die Eigentumskonzentration zu mildern. Im Gegensatz zu Mesopotamien, das noch eine Feudalordnung war, fehlt Ihnen der Mechanismus des Schuldenerlasses. So sehr Aristoteles das Privateigentum auch verachtete, wäre es ihm doch nie in den Sinn gekommen, einen Schuldenerlass zu fordern um die Eigentumskonzentration zu mildern. Das Ventil, das diese Ordnungen anzubieten hatten, war Krieg und räumliche Expansion, die zwar kurzfristig das Leiden zu mildern wussten, aber langfristig die Eigentumskonzentration noch mehr verschärften. Im modernen Kapitalismus ist das Ventil der Zyklus, der aber vom Staat, am unternen Punkt des Zyklus eingreifend, durch seine Neuverschuldung konterkariert wird und infolge dessen die Eigentumskonzentration weiter verschärft. Die Katze beisst sich in den Schwanz, oder anders gesagt: Ohne Ventil gehen wir zugrunde.

    Alfred Felsberger

  5. Es ist egal, ob man die jährliche Staats-Neuverschuldung auf der Aktivseite der Geschäftsbanken oder der Zentralbank platziert, das Ergebnis ist dasselbe: ein Stimulus der Gewinne. Auf was H/S wirklich hinauswollen, ist ganz etwas anderes, nämlich: das die Verschuldungsbereitschaft der Unternehmen eine Funktion der Eigentumsverteilung ist, und dass die Verschuldungsbereitschaft der Unternehmen abnimmt, wenn das Eigentum sich konzentriert. Das ist ein revolutionärer Gedanke, weil Ökonomen die Bedeutung des Eigentums (exakter: des Eigenkapitals) für die Kreditvergabe nicht sehen wollen. Sie tun einfach so, als wäre der Hemmschuh der Kreditvergabe die zu erwartenden Einkommensströme, und nicht die Sicherheiten, die in Form von Eigenkapital gegeben sein müssen. Damit wird zweierlei erklärt: Erstens, warum im Abschwung die Kreditvergabe wirklich stockt, weil nämlich der Wert des Eigenkapitals und damit der Sicherheiten fällt, und zweitens: dass mit dem Abschwung, der vorübergehend die Eigentumskonzentration mildert, gleichzeitig aber das Leiden der Eigentumslosen durch Arbeitsverlust verschärft, der Staat zu Massnahmen greifen muss, sprich: Neuverschuldung, die letztendlich die Einkommenskonzentration wieder erhöht – oft weit über den Punkt hinaus als zum Ausgangspunkt der Krise. Genau das erleben wir im Moment in den USA.

    Alfred Felsberger

    1. Heinsohns Eigentumsessentialismus geht leider auch in diesem Punkt zu weit.

      Innovateure können selbst als have-nots mit venture capital arbeiten, das bei Renditeaussichten die vergeben können, bei denen „es sich konzentriert“ hat.

      Für diese Renditeaussichten muß allerdings erstmal zahlungskräftige Nachfrage zu erwarten sein. D.h. die potentiell die Innovation nachfragenden Unternehmen müssen unter Schuldendruck / Kostensenkungsdruck stehen, den man durch Steuer- und Lohnsenkungen gerade neoliberal beseitigt hat. Das wissen Heinsohn/Steiger ebenfalls, sie übersehen bloß, daß der Unternehmenssektor längst nicht mehr Nettoschuldner, sondern Nettosparer ist.

      Warum Staatsaktivität die Eigentumskonzentration per se erhöhen soll, wissen allein sie. Der Punkt ist doch gerade, daß der Staat dieser entgegenwirken kann und das – siehe Roosevelts New Deal und die Wirtschaftspolitik und Spielanordnung der 50er und 60er Jahre, als sich viele Arbeiter erstmals in der Geschichte ein eigenes Häusle leisten konnten.

      Schönen Abend.

      1. Die Umverteilungspolitik des New Deal beschreibt Schulmeister übrigens recht detailliert in diesem von Ulrike Herrmann moderierten Vortrag:

  6. So toll finde ich dies von H/S nicht, da es um staatliche Kaufüberschüsse und nicht um „Geldding von der Zentralbank“ geht.

    Staatliche Kaufüberschüsse leisten diese Gewinnerhöhung notfalls auch ohne Finanzierung, solange man die Forderungen nicht generell abschreiben muss.

  7. Die beste Erklärung für eine steigende Gewinnquote und sinkende Netto-Investitionsquote zugleich, die natürlich den Staat als Motor sieht, aber nicht als Ursache(!), stammt meines Erachtens von Heinsohn/Steiger:

    „Fallen nun die Kurse staatlicher Papiere, muss die Zentralbank für ihre Stabiliserung weitere kaufen und damit neues Geld schaffen. Mit dieser Geldschöpfung ermöglicht sie indirekt die Finanzierung der Defizite öffentlicher Haushalte. Damit kommt sie im Ergebnis der blossen Notendruckerei bzw. der Abkoppelung des Geldes von der Eigentumshaftung nahe, leidet im Falle des Federal Reserve Systems also an etwas, das scharfsinnig als „Zentralbankdefekt“ bezeichnet worden ist. Es könnte aber durchaus sein, dass dieser Defekt unumgänglich ist, weil die Eigentumskonzentration die Verschuldungsfähigkeit von Bürgern zerstört und somit den Staat solange in die Position eines stellvertretenden Schuldners nötigt, wie er eine Neuverteilung von Eigentum umgeht.“ (S.248. Eigentum, Zins und Geld).

    Hier wird wie in einer Nussschale zum Ausdruck gebracht, dass der Staat, solange er sich weigert, die nötige Umverteilung des Eigentums durchzuführen, selbst Opfer und Betreiber der Eigentumskonzentration ist. Das geht weit, weit über alles hinaus, was von Ökonomen jemals geleistet wurde.

    Alfred Felsberger

    1. Die These vom Zentralbankdefekt ist schlicht Unsinn. Staatsschuldbasiertes Geld ist nicht „von der Eigentumshaftung abgekoppelt“, sondern durch die Steuergewalt des Staates gesichert. Dem von Ihnen zitierten Schwachsinn haben H/S deswegen in ihrer „Eigentumsökonomik“ (2006) denn auch immerhin größtenteils abgeschworen.

      „Betreiber der Eigentumskonzentration“ ist der Staat dann, wenn er keine Vermögensumverteilung betreibt. Das geht natürlich über Fiskalpolitik, was sonst?

      Heinsohn/Steiger sind einfach der modische Versuch, neoliberale „TINA“-Politik alternativlos erscheinen zu lassen: „man kann ja sowieso nichts tun“. Historisch gesehen unternimmt Heinsohn (Steiger nicht im selben Ausmaß) den Versuch, „alle Keynesianer tot“ zu schlagen (so formuliert der „Zentralbankdefekt-Theoretiker“ Stadermann das in seiner Rezension zu Minskys „Instabilität und Kapitalismus“ auf amazon.de).

      Das, mit Verlaub, ist einfach herrschende Marktfundi-Ideologie, wie man am New Deal wunderbar sehen kann, auf den Schulmeister sich deswegen völlig zu recht konsequent bezieht.

      Schönen Abend.

      1. Ein Wort zu den „Staatsgläubigen“, die hier, wie überall, besonders reichlich vertreten sind: Es gibt nur eine Wirklichkeit und nicht zwei. Das Denken in dualen Vorstellungswelten, hier: tatsächliche Wirklichkeit, dort: vorgestellte Wirklichkeit, hier: „böse“, dort: „gut“, ist Ideologie. Der Euch das eingepflanzt hat, ist niemand geringerer als der Staat. „Gute Bürger“ seid Ihr, solange Ihr diesem Dualismus folgt, heisst es doch nicht weniger als dass ihr an den „grossen Gestalter“ Staat glaubt. Ihr reproduziert gedankenlos, was der Staat Euch aufträgt. In Wahrheit freilich ist der Staat selbst nur Teil des Gefüges und erfüllt, was der Weltenlauf ihm aufträgt. Die einzige Frage, die sich wirklich stellt, ist: ob der Weltenlauf Gesetze kennt oder nicht. Alles Denken scheidet sich an der Frage der „Metaphysik“, jedoch niemals an dem Glauben, ob es eine oder zwei Welten gäbe. Dieser Glaube hat sich erledigt, er ist auf ewig tot, sagenhaft dumm, den „Ideologen“ Staat nicht wahrhaben wollend.

        Deshalb sind Begriffe wie „Neoliberalismus“, „Keynesianismus“, „soziale Marktwirtschaft“ dumme Worte, implizieren sie doch stets den Glauben an zwei Welten, zweier oder mehrerer Entwicklungswege, die nie existierten. Lässt Eure Sehnsucht dort, wo sie hingehört: im Kleinen, und schweift nicht in die Welt aus! Was die „Gesetze“ des Weltenlaufs betrifft, kann es nur zwei Sichtweisen geben: eine kontinuierliche, logische Entwicklung oder eine sprunghaft, chaotische. Das Genie „Hegel“ glaubte Beides in Einem auflösen zu könnne, mit seinem Umschlag der Quantität in die Qualität. Natürlich war es ein Kunstgriff, dem Marx gerne folgte, um seinen Dualismus, den er predigte: die „tatsächliche“ und die „vorgestellte“ Welt, zu begründen. Umso älter er wurde, desto klüger, desto kritischer Hegel gegenüber, desto unwilliger den Glauben an den Dualismus aufrecht zu erhalten. Irgendwann kommt der Punkt, wo jeder Mensch begreift, dass er sich der einen Welt, ob er sie nun liebt oder nicht, zu fügen hat.

        Dumm ist es auch aus der Tatsache, dass es nur eine Welt gibt, zu schliessen, dass man sie lieben müsste. Es bleibt jedem überlassen, das Urteil selbst zu fällen. Man wird auch damit leben müssen! Insofern sind alle Anschuldigungen, dass man „Unterstützer“ des Tatsächlichen sei, nur weil man begreift, dass das, worüber man urteilt, einzigartig ist, aus der Luft gegriffen. Ich unterstütze gar nichts, und indem ich das tue, verschliesse ich mich der Ideologie radikaler als alle jene, die an planvolle Veränderung Richtung „Gut“ und „Böse“ glauben. Veränderung findet statt, nur ist sie nie geplant. Der wahrhaft „Revoltierende“ kämpft in dem vollen Bewusstsein, dass sein Kampf planlos und daher auch sinnlos ist. Die Revolte selbst wird zum Lebensinhalt, zum Stein des Sisyphos, der, nach oben getragen, immer wieder auf das Neue runterrollt. „Man muss sich Sisyphos als glücklichen Menschen vorstellen“, hat Camus mal gesagt, und genau in diesem Glück vollzieht sich menschliche Tragik.

        Die Tatsache, dass „links“ und „rechts“ schon lange zusammenfällt, resultiert gerade daraus, dass beide in der Vorstellung einer dualen Welt leben. Sie haben ein Bild, das sie erreichen möchten, und merken nicht einmal, dass dieses Bild bloss Sehnsucht ist. Es gibt keinen schlagenderen Beweis, dass staatliche Indoktrination gescheitert ist, als dass sich „links“ und „rechts“ auflöst. Der Grund ist die Öffnung des Staates und seiner Märkte, die keinen Raum mehr für staatliche Gestaltung lässt. Die Wirklichkeit verändert sich gegen den Staat und der von ihm formulierten Ideologie der Gestaltung. Endlich wird der Bürger auf sich alleine gestellt und muss das leben, was „bürgerliches Dasein“ heisst: Die Vereinzelung aller. Daraus wird sich eine Wirklichkeit gegen den „grossen Lügner“ Staat formen, zu deren Verständnis wir ganz andere Kategorien wie „gut“ und „böse“, „soziale Marktwirtschaft“ oder „Neoliberalismus“ benötigen. Jeder, der sich weiter in der alten Vorstellungswelt aufhält, verschwendet nur seine Zeit.

        Alfred Felsberger

        1. Ich schlage vor, daß sie mal beim Punkt bleiben, anstatt jedesmal in ihre wirren allgemeinen Weltphilosphien abzugleiten und mir Dinge zu unterstellen, die ich weder gesagt noch gemeint habe.

          Desweiteren werden Sie bitte in Zukunft Beleidigungen unterlassen und andere auf der Basis ihrer erfundenen Unterstellungen als „antisemitisch“ oder „dumm“ zu beschimpfen, sonst fliegen Sie hier (hoffentlich) als Troll raus.

          Ihr Tragik-Gerede bedeutet doch nichts anderes, als das man das, was jetzt geschieht, als alternativlos akzeptieren soll und jedes Handeln sinnlos ist.

          Das stützt nur die herrschende Ideologie vom Staat als Wurzel allen Übels und als unvermeidliches Opfer der Märkte. Und die stützen sie ja auch ganz explizit.

  8. >>>>>Die Frage, der sich heute jeder Ökonom stellen muss, will er ernst genommen werden, lautet: Wie ist eine steigende Gewinnquote bei fallender Netto-Investitionsquote möglich?

    Da muss ich als ernst zunehmender Elektromonteur 🙂 natürlich für den Fall der ordentlichen Gewinne noch auf die teilweise explodierende Staatsverschuldung hinweisen, die solche Wunder in der ordentlichen Gewinnformel ermöglicht. 🙂

    Eine wie auch immer geartete Privat-Guthabenbremse wäre dazu die Alternative, wobei wir ja keine steigenden Gewinnquoten sondern nur Mindestgewinne zum Risikoausgleich der Investitionen anstreben sollten.

    aber hatten wir ja alles schon ausgiebig hier…
    http://www.kapitalismus-verstehen.de

    1. Sehr geehrter Herr Buschbeck,

      Ja,ja, Sie haben schon recht: Mein Bezugsrahmen in der Diskussion mit Ihnen war ordentlicher Gewinn UND ausserordentlich Gewinn, mein Bezugsrahmen in der Diskussion mit Herrn Moneymind ist bloss ordentlicher Gewinn. Dies deshalb, weil es hier um exakte theoretische Fragen geht, die nur in einem Modell mit ordentlichem Gewinn abhandelbar sind. Dass sich Herr Schulmeister als geschulter Ökonom automatisch sich nur auf das letzte Modell bezieht, liegt auf der Hand.

      Alfred Felsberger

  9. @Herr Felsberger
    >>>>Ich erkläre Ihnen, das es logisch falsch ist, die steigende Gewinnquote auf Spekulation zurückzuführen, und bin der Motivation auf der Spur, was jemanden veranlasst, eine logisch falsche Erklärung vorzubringen

    Wir hatten es aber schon an anderer Stelle, dass sich die Keynesche Gewinnformel nur auf den ordentlichen Gewinn bezieht. Spekulation im Sinne von Preiserhöhung bei bestehenden Sachwerten kann natürlich außerordentliche Gewinne als „Scheinnettoinvestitionen“ puschen. War ja Ihre Anregung, danke übrigens! 🙂

    Insofern bringt ja hier wieder mal scheinbare Widersprüche zusammen, ich glaube die fast ganze VWL-Debatte besteht aus „Scheinwidersprüchen“.

    Klärt man den Bezugsrahmen einer Aussage exakter (hier ordentliche versus außerordentliche Gewinne) lösst sich der scheinbare Gegensatz der Aussagen in Luft auf. Stützel hat dies an ganz vielen Stellen getan. Deshalb ist er wohl so verpönt bei den meisten VWLern. die wollen sich ihre Debatten nicht nehmen lassen. 🙂 Da mach ich demnächst mal einen ausführlichen Beitrag zu.

  10. Es wird höchste Zeit einzusehen, dass nicht die Netto-Investition dem Zinssatz folgt, sondern dass der Zinssatz ein Syptom der Netto-Invstition ist. Man dreht an einer Schraube, die gar keine ist, sondern die sich von selbst mit der Netto-Investition mitdreht. Solange die Netto-Investitionsquote fällt, wird auch der Zinssatz fallen, ganz einfach deshalb weil weniger Netto-Schuld bewegt wird. Die ganze Flachheit der ökonomischen Theorie liegt darin, dass sie ein blosses Symptom, den Zinssatz, zur Ursache der Bewegung erklärt. Will man tatsächlich vorankommen, sollte man die Frage stellen, was die Entwicklung der Netto-Investitionsquote beeinflusst. Und man sollte sie nicht mit der „Profitrate“ oder der „Grenzleistungsfähigkeit des Kapitals“ beantworten, weil die Entwicklung der letzten Jahrzehnte lehrt, dass die Netto-Investitionsquote auch bei steigender Profitrate fällt. Also, meine Herren: Was bewirkt das Absinken der Netto-Investitionsquote? Soweit ich blicke, kann es nur eine Erklärung geben: der Strukturwandel hin zu „Diensten“ und die Auslagerung der Produktion. Einfach gesagt: Wir verdursten an der mangelnden Verschuldungsbereitschaft der Unternehmen infolge ihres technologischen Wandels.

    Alfred Felsberger

  11. Sehr geehrter Herr Reinert,

    Man kann die zersetzende Wirkung des Geldes in den Romanen der Weltliteratur studieren, allen voran jenen eines Dostojewski`s. „Arme Leute“, „Der Spieler“ und „Der Jüngling“ – nur um einige zu nennen – sind erschütternde Zeugnisse über den Verfall einer Gesellschaft, die von Individualismus und Gier zersetzt, in den Wahnsinn abgleitet. Unter Nihilismus wird gewöhnlich verstanden, dass „Gott“ als Begriff in sich selbst fällt, übertragen auf das Geld, dass sein Sinn verloren geht. Dieses Stadium haben wir längst erreicht und man kann nur mehr die Spuren zurückverfolgen, wie und warum es so weit kommen konnte. Im Grunde ist jeder Beschäftigung mit dem Geld die Frage vorauszustellen, ob nicht das, mit dem wir uns beschäftigen, das Teufelszeug selbst ist. „Ich habe eine Idee“, hat Dostojewski den Jüngling sagen lassen, „ich werde Rothschild“. Darüber sinnierend, warum dies die „höchste Idee“ des Menschen sein kann, hat er auf die Macht über andere geschlossen. Eine Macht, die er im weiteren Fortgang so zu wenden hoffte, dass er sie nicht ausübt, sondern, vor den Augen aller, alles Geld verschenkt. Hier ist wie in einem Brennglas der Nihilismus des Geldes zusammengefasst, die Idee ist so sinnlos, dass sie sich selbst aufhebt. Diese Einsicht vermisse ich in vielen Gedanken über das Geld, die doch immer nur eine technische Stossrichtung haben ohne sehen zu wollen, von welchem Punkt weg wir eigentlich denken.

    Alfred Felsberger

  12. Ich habe keine Ahnung wie man die Welt retten könnte, ob man es überhaupt könnte oder sich dem Gang der Zeit einfach nur ergeben kann, aber eines weiss ich gewiss: Wenn wir es nicht schaffen, den Menschen ein würdevolles Dasein zu ermöglichen, wenn weiterhin Raubbau an dem Gefühl des Zusammenhalts getrieben wird, der Spaltpilz des nackten, persönliches Interesses zwischen die Menschen getrieben wird, dann wird das Ganze zerschellen an der Gewalt und den Wutausbrüchen jener, die es nicht ertragen. Und das müssen, wie die Geschichte lehrt, nicht unbedingt die Opfer, sondern können ebenso gut die „Weltverbesserer“ sein, die zu aller Zeit glaubten ihre eigenen Vorstellungen den anderen aufzwingen zu müssen, die nicht erdulden können, dass die Welt nicht so ist wie sie sie sehen wollen.

    Ich erinnere mich noch gut an die eigene Jugend, wo es möglich war, selbst aus niedrigsten Verhältnisse stammend, zu studieren, eine Wohnung zu erwerben, eine Arbeit, mit der man zufrieden war und ohne Probleme sein Auskommen fand, wo man noch Ziele haben konnte, die heute längst zerbrochen sind. Und ich frage mich oft, was hat sich geändert in dieser Welt, die ebenso ihre Leiden und Probleme hatte, gegenüber der heutigen, die umso viel reicher ist und doch immer mehr Menschen ins Abseits drängt. Was hat die Löhne dermassen absinken lassen, dass ein Postmann oder Polizist der 70-er Jahre alleine vermochte, was heute eine ganze Familie nicht mehr schafft? Wo ist die freie Zeit hin, die man hatte, die heute gänzlich verplant ist?

    Ganz offensichtlich hat es Transformationen gegeben, die sich jeder Statistik entziehen und die nur mehr „gefühlt“ werden können. Die Unzufriedenheit in der Bevölkerung erreicht ein Ausmass, das in keiner Weise mit den statistischen Daten korrespondiert. Es ist der Sinn, der allen verloren gegangen ist, das Wir-Gefühl, das Bewusstsein gemeinsam etwas zu stemmen. Jede politische Tat wird sofort aus dem Blickwinkel des Egoismus be- und verurteilt, die Vorstellung, dass es eine gemeinsame Sache gäbe, ist durch die Gedankenwelt der Einzelnen korrumpiert. Man hat alles aufgegeben, was nicht Individuum ist, die Famile, die Gemeinde, den Staat, die Politik, und wundert sich nun, dass man verloren durch die Weltmeere segelt. All das hat mit ökonomischer Theorie sehr wenig zu tun, dafür umso mehr mit der zersetzenden Kraft des Geldes. Wie könnte jemand hoffen durch eine bloss Geldreform zum Ziel zu gelangen, wo doch das Geld selbst die Gemeinschaft erodiert?

    Alfred Felsberger

  13. Wie Sir Arthur Charles Clarke in „Profile der Zukunft“ vorhersagte (kein ernstzunehmender Wissenschaftler hat es je gewagt, an seinen prophetischen Worten zu zweifeln), wird die Zeit kommen, „wo die Mehrzahl unserer gegenwärtigen Kontroversen auf diesen Gebieten (Politik und Wirtschaft) uns ebenso trivial oder bedeutungslos vorkommen werden wie die theologischen Debatten, an welche die besten Köpfe des Mittelalters ihre Kräfte verschwendeten.“ Mit der Korrektur unserer seit jeher fehlerhaften Geld- und Bodenordnung durch eine freiwirtschaftliche Geld- und Bodenreform – und damit der Befreiung der Marktwirtschaft vom parasitären Gegenprinzip des Privatkapitalismus – wird diese Zeit anbrechen. Um sie hinauszuzögern und weiterhin mit Kinderkram beschäftigt zu bleiben, konstruieren studierte „Wirtschaftsexperten“ idiotische (ein Idiot ist jemand, der öffentliche und private Interessen nicht voneinander trennen kann) Gedankenexperimente bezüglich einer angeblichen „Geldschöpfung der Geschäftsbanken“, damit der wirkliche Fehler im „Geld, wie es (noch) ist“ (Zinsgeld) für alle, die sich von diesem Unsinn ablenken lassen, unverständlich bleibt, und damit das fehlerfreie „Geld, wie es sein soll“ (Freigeld) gar nicht erst angedacht wird. Die von der Masse gewählten „Spitzenpolitiker“ lassen sich wiederum nur zu gern von diesem Unsinn zusätzlich verwirren, denn auch sie wollen sich weiterhin mit „theologischen Debatten des Mittelalters“ beschäftigen.

    Die Gedankenexperimente dieser „Experten“ beruhen auf der gedankenlosen Verwechslung von Geld (Zentralbankgeld = Bargeld plus Zentralbankguthaben der Geschäftsbanken) und Ansprüchen auf Geld mit unterschiedlicher Fristigkeit („Geldmengen“ M1, M2, M3…), was ebenso unsinnig ist wie etwa die Addition der Büchermenge in einer Bücherei mit der Summe der Buchausleihungen. Wer heute „moderne Volkswirtschaftslehre“ studiert, muss diesen Unsinn unreflektiert übernehmen, oder er darf seine Klausuren nicht bestehen.

    Ohne die schnellstmögliche und zugleich durchdachte Durchführung einer konstruktiven Geldumlaufsicherung in Verbindung mit einem allgemeinen Bodennutzungsrecht (freiwirtschaftliche Geld- und Bodenreform) kann die „Finanz- und Schuldenkrise“ (beginnende globale Liquiditätsfalle) nicht überwunden werden – und schließlich wäre der atomare 3. Weltkrieg (die Frage „Wer gegen wen?“ ist dabei irrelevant) nicht zu verhindern!

    Geldtheorie

    1. „Die Gedankenexperimente dieser „Experten“ beruhen auf der gedankenlosen Verwechslung von Geld (Zentralbankgeld = Bargeld plus Zentralbankguthaben der Geschäftsbanken) und Ansprüchen auf Geld mit unterschiedlicher Fristigkeit („Geldmengen“ M1, M2, M3…), …“

      Dann hat Gesell wohl auch etwas verwechselt als er damals schrieb:
      „Die rein theoretische Frage, wie der bargeldlose Verkehr zu behandeln wäre, um die Grundsätze des Freigeldes zu wahren, beantworten wir dahin, daß in einem solchen Falle die Bankguthaben zur Schaffung des regelmäßigen, geschlossenen Kreislaufes, und um dem Währungsamt die Kontrolle über die Währung zu verschaffen, demselben Schwund zu unterwerfen wären, dem das
      Freigeld unterliegt.
      Die Preise würden beim lückenlos durchgeführten bargeldlosen
      Verkehr gebildet werden auf Seiten des Geldes durch die Summe aller Bankkonti multipliziert mit der Geschwindigkeit, womit diese Konti kreisen (Girokonto so viel wie kreisendes Konto).
      Die Regelmäßigkeit in der Kreislaufgeschwindigkeit ist die Vorbedingung für einen festen Preisstand. Um
      diese Regelmäßigkeit vor Störungen zu schützen, ist der gewaltsam durch die Kontisteuer erzwungene Kreislauf nicht zu entbehren. Und zwar aus den gleichen Gründen, die zur Forderung des Schwundes beim Freigeld geführt haben.
      Weil das Angebot der Waren unter natürlichem Zwang stehlt, darum muß auch die Nachfrage zwangsläufig vonstatten gehen, wenn wir zu einer Währung kommen sollen.
      Und die Nachfrage wäre beim lückenlosen bargeldlosen Verkehr der Gesamtbetrag der Konti.“

      Also nochmals zum mitschreiben:
      „DIE BANKGUTHABEN…DEMSELBEN SCHWUND ZU UNTERWERFEN WÄREN, DEM DAS FREIGELD UNTERLIEGT“
      Ach und nicht vergessen, er schreibt auch noch etwas über Preisbildung:
      „Die Preise würden beim lückenlos durchgeführten bargeldlosen Verkehr gebildet werden…“

      Kannst jetzt also ganz beruhigt, ein paar Passagen auf deiner Website reiben.
      Der Meister hat`s genehmigt!

      1. Sehr geehrter Herr Czop,

        Im Kreditgeld-Kapitalismus sind die Unternehmen die Schuldner und die Haushalte die Gläubiger. Buchgeld schwinden zu lassen, heisst in diesem Fall: die Macht der Unternehmen auf Kosten der Haushalte zu stärken. Das Geld der Haushalte fliesst schneller zu den Unternehmen zurück als es deren Preispläne verlangen. Den Zufalls-Gewinnen auf Seite der Unternehmen stehen Zufalls-Verluste auf Seiten der Haushalte gegenüber. Mit anderen Worten, wird eine Tendenz verschärft, deren Zeuge wir seit langem sind, und die im Zentrum der aktuellen Probleme steht, dass nämlich der Finanzierungssaldo des Unternehmenssektors postiv geworden ist. Das ist die Crux an all diesen Ideen, die auf Zeitverfall des Geldes setzen, dass sie die Haushalte auf Kosten der Unternehmen schwächen und damit die Verarmung der Menschen betreiben anstatt sie zu mildern. Selbst wenn es dadurch gelingen sollte, was ich bezweifle, die Netto-Investition zu erhöhen, bleibt das „Freigeld“ mit dem Problem konfrontiert, dass es den so produzierten Reichtum immer wieder nur in die Hände der Unternehmen spült. Ein gutes Beispiel, wohin gutgemeinte Ideen fliehen können, wenn man die Klassenstruktur des Kapitalismus nicht im Auge hat. Im Grunde fussen all diese Argumente auf einer Verwechslung zwischen Tauschwirtschaft und Kreditgeld-Kapitalismus.

        Alfred Felsberger

  14. Sehr geehrter Herr Moneymind,

    Ironisch gemeint? Na, Sie sind mir ein Menschenfreund! Ich habe das Pamphlet von Schulmeister gelesen, da wimmelt`s nur so von Vorstellungen, dass Spekulation Gewinn schafft. „Unter diesen Bedingungen verlagern die Unternehmen ihr Gewinnstreben von der Real- zur Finanzwirtschaft“ (S.Schulmeister). Ach ja, ironisch gemeint.-) Jemand, der einen Gegensatz von Real- und Finanzwirschaft stilisieren will, muss das ja auch behaupten! Sonst hätte die ganze Argumentation ja gar keinen Sinn! Eine Finanzwirtschaft ohne Gewinn – ausser der Zinsdifferenz -, was hätte man da schon zu bekritteln? Die Instabilität? Ach wie lachaft, als wären die Unternehmen an Sklerose erkrankt, als wären sie nicht in der Lage sich auf neue Preise einzustellen. Keine Angst: Sind sie nicht, die Unternehmen stellen sich auf alle Bedingungen ein.

    Das Gefaselwerk von Real- und Finanzwirtschaft hat ganz andere Hintergründe: einen ideologischen, der mitten in den Antisemitismus hineingeht („schaffendes und raffendes Kapital“ – Oder sind Sie zu jung sich daran zu erinnern?) und einen theoretischen, der auf Unkenntnis der Saldenmechanik fusst. Nämlich auf der Tatsache, dass die Aktivseite des konsolidierten Unternehmenssektors dem Geld- und Aktienvermögen der Haushalte entspricht. Es gibt keinen Gegensatz zwischen „Realkapital“, der Aktivseite des Unternehmenssektors, und seiner Finanzierungsseite (dem „Finanzkapital“), sie sind immer ident. Dieser Gegensatz existiert nur für solche Leute, die keine Bilanz lesen können und von Saldenmechanik keinen Tau haben. Und Sie können`s mir schon ruhig glauben, lieber Herr Moneymind, genau zu diesen Leuten gehört der Herr Schulmeister.

    Grüsse
    Alfred Felsberger

    1. Schönen guten Abend!

      Schade, daß Sie offensichtlich nicht in der Lage sind, individuelles GewinnSTREBEN von individuell ERZIELTEN monetären Gewinnen zu unterscheiden – vor allem aber, daß sie nicht zwischen individuell erzielten und erzielbaren monetären Gewinnen und dem gesamtwirtschaftlichen monetären Nullsummenspiel zu unterscheiden wissen.

      Vielleicht ist die Unterscheidung zwischen Partial- und Globalsätzen noch nicht wirklich bei Ihnen angekommen?

      Lassen wir’s – unter diesen Umständen hat eine Diskussion keinen Sinn. Sie mögen halt den Schulmeister nicht und wollen nach ihm treten, das können sie auch privat tun, mich interessiert es nicht.

      Vorher erklären sie mir aber sicher noch schnell, was ein Glass Steagall Act (1933 – Trennbankensystem), ein System fixer Wechselkurse wie das von Bretton Woods, das Währungsspekulationen unmöglich macht, und ein Dodd-Frank-Act mit „Antisemitismus“ zu tun haben.

      Oder was an folgender Aussage „antisemitisch“ sein soll:

      „Spekulanten mögen als Luftblasen auf einem steten Strom des Unternehmertums keinen Schaden anrichten. Aber die Lage wird ernst, wenn das Unternehmertum die Luftblase auf einem Strudel der Spekulation wird. Wenn die Kapitalentwicklung eines Landes das Nebenerzeugnis der Tätigkeiten eines Spielkasinos wird, wird die Arbeit voraussichtlich schlecht getan werden.“

      Sonst muß ich ggf noch vermuten, daß Sie ein ganz schlimmer „Linker“ sind, da sie ja mangels Argumenten ja gleich deren bevorzugte „Keule“ zücken.

      Spekulation hat mit Juden nicht das geringste zu tun. Sie hat jedoch sehr viel mit einer auf Eigentum, Vetrag und Schuldrecht (Vermögenshaftung) beruhenden Gesellschaft zu tun, ohne die es keinen Wertpapierhandel gäbe. Und mit der Existenz oder Abwesenheit staatlicher Regeln.

      Genau darum geht es Schulmeister nämlich – solche Regeln wurden nach der Weltwirtschaftskrise der 30er geschaffen (Roosevelts Glass-Stegall-Act und das System von Bretton Woods sind dafür zwei Beispiele), ab 1971 dann aber schrittweise im Namen der Friedman/Hayek-Ideologie der Deregulierung der Finanzmärkte wieder abgebaut.

      Daß er den Glass-Steagall-Act aufgehoben hat, hat Clinton übrigens im Nachhinein zu einem seiner größten Fehler erklärt.

      Entspannten Abend noch.

      1. Sehr geehrter Herr Moneymind,

        >Schade, daß Sie offensichtlich nicht in der Lage sind, individuelles GewinnSTREBEN von individuell ERZIELTEN monetären Gewinnen zu unterscheiden> Sofern es Ihnen entgangen ist: Die Gewinne der Unternehmen steigen tatsächlich, die Lohnquote fällt in den entwickelten Staaten seit langer Zeit. Es geht also nicht darum zwischen Partial- und Globalsätzen zu unterscheiden – wie kommt man auf so etwas überhaupt? -, sondern ganz einfach darum die Tatsache zu erklären: warum die Gewinnquote in dem heutigen Umfeld steigt, wo doch Spekulationsgewinne gar nicht möglich sind. Und an dieser Erklärung scheitern die meisten, auch der von Ihnen so geschätzte Herr Schulmeister. Er begründet nämlich die steigende Gewinnquote mit steigender Spekulation, was leider nicht möglich ist…..

        Alfred Felsberger

        1. Hallo Herr Felsberger,

          belegen sie doch mal konkret, wo Schulmeister die steigenden Unternehmensgewinne ausschließlich mit Spekulationsgewinnen erklärt (zitieren sie einfach konkret).

          Es ist doch nicht schwer zu verstehen, warum die Unternehmen heute gute Gewinne machen und der Unternehmenssektor sogar Nettosparer ist (während er in den 60er Jahren verschuldet war), aber die Unternehmen trotzdem nicht dynamisch investieren.

          Die neoliberale Politik der vergangenen Jahre und Jahrzehnte hat Unternehmenssteuern permanent gesenkt und die Löhne gedrückt. Auf der Kostenseite ergaben sich also Verbesserungen für die Unternehmen. Auf der Nachfrageseite natürlich nicht, denn erstens sind die Löhne gesunken, zweitens soll der Staat (dessen Schulden den Guthaben des Unternehmenssektors und des Privatsektors abzüglich der Schulden des Auslands entsprechen) ja permanent sparen.

          In Kapazitätserweiterungen zu investieren, ist unter diesen Bedingungen natürlich nicht sinnvoll. Leider ist es unter diesen Bedingungen für die Unternehmen auch nicht nötig, in Rationalisierungsinnovationen zu investieren, um Arbeit zu sparen und so die Lohnkostensumme zu senken. Die kann ja durch Lohndrückerei viel einfacher und bequemer gesenkt werden.

          Hohe Löhe zwingen die Unternehmen nämlich zu arbeitssparenden Rationalisierungen und regen damit Innovationen an – dann wird um innovative Produktionsmethoden konkurriert.

          Kann die Lohnkostensumme dagegen durch Lohndrückerei gesenkt werden, wird nicht um innovative Produktionmethoden, sondern um effiziente Ausbeutungsmethoden konkurriert.

          Daß die Unternehmen also Gewinne fahren, aber nicht investieren und dabei sogar noch als Sektor zu Nettosparern werden konnten, ist einfach eine Folge falscher (neoliberaler) Wirtschaftspolitik.

          Um die Unternehmen wieder innovativer zu machen, bräuchte man Flächentarifverträge (die Lohndrückerei nach unten unterbinden), höhere Löhne, und einen verschuldeten Unternehmenssektor, sprich: die Unternehmen müssen wieder höher besteuert werden. Damit könnten dann nebenher auch die Staatsfinanzen „konsolidiert“ und sektorale Verschuldungssalden vergleichbar denen der 60er Jahre wiederhergestellt werden (Unternehmenssektor = Nettoschuldner, private Haushalte = Nettosparer, Staatshaushalt = neutral).

          Schönen Abend.

          1. @Jörg: vielleicht hört sich das nach „linker, unternehmerfeindlicher Politik“ an.

            Aber natürlich geht es nicht darum, die Unternehmer in die Verschuldung zu zwingen, sondern v.a. auch darum, diese für sie überhaupt erst wieder interessant zu machen, kurz:

            Investitionen in die REALWIRTSCHAFT müssen sich wieder lohnen. DAS ist der Kern der Schulmeister’schen „realkapitalistischen Spielanordnung“:

            Dafür sorgen nicht niedrige Zinsen allein, sondern zunächst mal vor allem Nachfrage (und stabile Wechselkurse), sowie eine ganze Reihe weiterer Rahmenbedingungen.

            Dafür jedoch es nicht, nur im „Geldsystem“ an ein paar monetären Stellschrauben zu drehen oder ein paar neue zu installieren.

            Es braucht ein umfassendes neues wirtschaftspolitisches Konzept, das eine realkapitalistische Spielanordnung auf allen Ebenen re-installiert: auf der gesetzgeberischen Ebene (z.B. Finanzmarktregulation) ebenso wie auf der Fiskal- und verschuldungspolitischen Ebene, der Ebene der Arbeitsmarktpolitik und der Ebene des internationalen Währungssystems.

            Dabei kann man sich von historisch früheren „realkapitalistischen Spielanordnungen“ inspirieren lassen (natürlich v.a. der Nachkriegsordnung mit dem Bretton-Woods-System), muß diese aber natürlich an die heutigen konkret-historischen Bedingungen anpassen und dafür erweitern und fine-tunen.

            Das ist eine genuin politische Aufgabe. Es ist DIE zentrale Aufgabe der nächsten Jahrzehnte, und zwar für Gesamteuropa.

            Einen ersten Entwurf für ein solches umfassendes Konzept hat Schulmeister in „Mitten in der großen Krise – ein New Deal für Europa“ 2010 vorgeschlagen, und sich diesen (samt des Hintergrunds, der Schulmeister’schen Problemanalyse) im Detail anzuschauen und zu diskutieren, würde ich für enorm lohnend halten.

            1. Lieber Moneymind,

              Was hat denn die Depression in USA beendet? Der New-Deal oder der Kriegseintritt?

              Ich bin der letzte, der nur eine Geldreform/Guthabenbremse als Lösungsansatz propagiert.

              Guthabenbremse plus Besteuerung der Marktstörungen, thats it.

              z.b. http://www.steuerndes-grundeinkommen.de

              Nur kannst Du ohne Guthabenbremse auch nicht mehr Einkommensverteilung zu den deutschen Nichtunternehmern machen – die sparen dann ansonsten auch noch mehr Geld für’s Alter statt in Sachwerte zu investieren.

              Und die Unternehmer investieren auch heute, nur eben aus ihren Abschreibungseinnahmen bzw. Kredittilgungen nicht netto als Zusatzverschuldung.

              Dies ist doch der blinde Fleck von Flassbeck/Schulmeister.

              8% Monetärsparquote bedingt 8% Schuldenwachstum – woher nehmen?

              Dieses Problem muss man lösen, dann ist der ganze Wahnsinn nicht mehr alternativlos.

              1. Hallo Jörg,

                Was die Sparneigung der privaten Haushalte angeht, die gab es auch in den 50er/60er Jahren und es stellte kein Problem dar, oder? Außerdem – und darauf weist Flaßbeck auch hin – war das umlagefinanzierte Rentensystem ja gerade auch mit Blick auf das von Dir benannte Problem als makroökonomisch sinnvolleres System erkannt (das hast Du glaube ich hier auf Deinem Blog selbst mal so beschrieben).

                Daß die Unternehmer auch heute „investieren“, ist doch klar, aber eben zu wenig, um halbwegs Vollbeschäftigung zu erreichen.

                Daß „Schulden“ und deren Höhe als solche „das Problem“ oder ein Problem seien, halte ich für eine verkürzende Betrachtungsweise. Nicht die Schulden als solche sind das Problem, die Frage ist, wer sie bei wem hat und zu welchem Zweck.

                Deswegen muß man, wenn man schon saldenmechanisch rangeht, wenigstens mal die Verschuldungssalden von heute mit denen der 60er Jahre vergleichen: damals sparten die privaten Haushalte, die Unternehmen waren verschuldet und der Staat weitgehend neutral, es herrschte fast Vollbeschäftigung. Heute sind private Haushalte und Unternehmen Nettosparer, der Staat ist verschuldet.

                Genau das ist der Punkt, den Flaßbeck ständig macht, z.B. hier:

                http://www.nachdenkseiten.de/upload/pdf/120307_flassbeck_schulden_und_zukunft.pdf

                Dasselbe gilt natürlich für die Guthaben. Ich meine, Dein Slogan einer „Guthabenkrise“ dreht einfach nur den populären verkürzten Slogan einer „Guthabenkrise“ um, reproduziert aber sämtliche Verkürzungen und Symptomdiagnosen des „Schuldenkrisen“-Diskurses, halt einfach nur in spiegelbildlich auf die Guthaben bezogener Weise.

                Du redest gern von den Guthaben als dem Schatten der Schulden. Was aber sind die Schatten einer Analyse, die in der gegenwärtigen Krise nur eine „Schuldenkrise“ oder wahlweise auch „Guthabenkrise“ sehen möchte?

                Riesige Bereiche werden ausgeblendet, und ich nenne nur zwei der wichtigsten:

                Erstens, die zunehmende Dominanz der Finanzmärkte, die seit dem Ende des Systems von Bretton Woods schrittweise entfesselt (dereguliert) wurden; zweitens die gesamte Arbeitsmarktproblematik; drittens die (von Wolfgang Waldner immer zu recht betonte) Problematik, daß eine deflationär ausgerichtete Politik auch dazu dient, die Arbeitslosigkeit hochzuhalten, um damit den Druck auf die Löhne verstärken zu können.

                Ich meine, wir müssen Licht auch in DIESE Schatten bringen, und das geht nur, wenn wir mit der Analyse wesentlich breiter und tiefer ansetzen als nur oberflächlich beim „Geldsystem“.

                Es geht um eine historische Spielanordnung innerhalb dieses Geldsystems, die sich seit den 70er Jahren entwickelt hat und damals auch historisch notwendig war, jetzt aber zunehmend zu Problemen führt und deshalb geändert werden muß.

                Der Grund, warum ich mir bisher Deine Lösungsvorschläge immer noch nicht genauer angeschaut habe, besteht vor allem darin, daß ich eben den Eindruck hatte, daß schon Deine Problemanalyse, die Du ja in dem Wort „Guthabenkrise“ zusammenfaßt, eben die Verkürzungen des „Schuldenkrisen“-Diskurses (dem ich selber ja auch erst mithilfe Deines Hinweises auf Stützel entkommen bin) letztlich noch reproduziert (und eben deshalb auch noch mit dem herrschenden neoliberalen Diskurs bis zu einem bestimmten Punkt kompatibel ist).

                Aber ich sehe Dein Engagement und Deine Anstrengungen, die ich super finde und von denen ich schon eine Menge gelernt habe, als Schritt auf dem Weg zur Umgestaltung der „Navigationskarte“, auf dem wir uns schon befinden.

                Insofern: Danke und weiter so!

                1. >>>Was die Sparneigung der privaten Haushalte angeht, die gab es auch in den 50er/60er Jahren und es stellte kein Problem dar, oder?

                  Der Grund warum sie heute ein Problem sind =
                  Damals Bruttoinvestition 25% BIP Nettoinvestition = 20% BIP

                  heute
                  Bruttoinvestition 20%
                  Nettoinvestition = Null

                  Bedeutet,
                  1. Die Brutto-Investitionen(vor Abschreibungen) sind nur in einem Umfang gefallen ,der der demografischen Entwicklung und Kriegsferne angmessen ist.

                  2. Du kannst auch 100% Gewinnsteuern machen, die Unternehmer finanzieren sich aus ihren steuerfreien Abschreibungen.

                  Bei 100% Gewinnsteuer nur eben mit negativer Nettoinvestition – dies war vermutlich ja auch das NEW-Deal Problem.

                  Ich hätte die Idee, Unternehmer mit einer „fetten“ Erbschaftssteuer jedoch als NACHRANGIGEN zinslosen Kredit in der Bilanz zu belegen, die aber erst bei verkauf fällig ist. Damit bekommt man die Schuldsalden in die Bilanzen der Unternehmen und die Staatsschuldenphobiker sind still – den echten Unternehmererben tut es nicht weh und den „Kassierern“ ist dies zuzumuten.

              2. Hey Jörg,

                ich glaube Du liegst falsch mit Deiner These, erst der Kriegseintritt habe die USA aus der Depression 1929ff. geholt.

                Das BIP-Wachstum war in den USA 1932 mit -11% am Tiefpunkt, dann kamen die ersten Maßnahmen des New Deal, und 1934 lag das Wachstum schon wieder bei +10%. Ab 1936 fiel es dann wieder auf ca. -2%, was Schulmeister auf Roosevelts Versuche zurückführt, den Staatshaushalt zu früh konsolidieren zu wollen. Siehe hier, ab 6:15 (chart): http://www.youtube.com/watch?v=fBgteY_1lGY

                Es geht Schulmeister beim New Deal auch nicht allein um die Konjunkturpolitik – er zeig übrigens, daß der Umfang von Roosevelts deficit spending sehr gering war. Es geht ihm darum, daß FDR eine neue „Spielanordnung“ inittiert hat (incl. Sozialreformen).

                Herzliche Grüße!

                1. Zur Ergänzung: aus dem chart im verlinkten Vortrag zum New Deal geht klar hervor, daß Du natürlich recht hast, daß das Wachstum nach Kriegseintritt der USA (1941 – als Reaktion auf Pearl Harbor) sprunghaft ansteigt.

                  Es wird aber auch deutlich, daß der „first New Deal“ (1933-34 – die berühmten „100 Tage“) schon ab Mitte 1933 enorme Wirkungen gezeigt hat, also weit vor Ausbruch des Krieges – zu einem Zeitpunkt, zu dem wohl aus Sicht der USA auch die weiteren Entwicklungen in Europa (Machtergreifung 1933, Hitler’sche Kriegswirtschaft) noch nicht absehbar waren. In dieser Zeit begann auch die Regulation des Finanzsektors (u.a. Glass-Steagall Act 1933, der ein Trennbankensystem einführte).

                  Roosevelt wollte kein großes Staatsdefizit fahren und hatte schnell wieder einen ausgeglichenen Haushalt angestrebt, und 1937 auch erreicht, was aber in eine erneute Rezession führte.

                  Was den Kriegseintritt angeht, so haben die USA lang gezögert. Sie haben dann zunächst nur die Engländer finanziell unterstützt, ansonsten eher eine isolationistische Haltung eingenommen.

                  Erst 1940, nach Hitlers Angriff auf Belgien, begann die Aufrüstung.

                  Die These, nur die Kriegswirtschaft ab 1940 hätten die USA aus der Rezession geholt, würde ich damit als klar widerlegt ansehen, da sowohl die Entwicklung zwischen 1932 und 1934 klar dagegenspricht, als auch die Erholung nach der Rezession von 1937 klar vor dem Beginn der Kriegswirtschaft lag (die aber natürlich nochmals das Wachstum enorm beschleunigt hat, und auch erst zur Vollbeschäftigung geführt hat, die nicht vorher erreicht wurde).

                  Ich denke zusammenfassend kann man schon die These vertreten, daß der New Deal mit der Weltwirtschaftskrise auf eine voranweisende Art umgegangen ist, die es den USA ermöglicht hat, in den Krisenjahren eine demokratische Regierung zu behalten, während es im größten Teil der demokratischen Weltteile autoritäre Wenden gab.

                  Mehr noch: mit Finanzmarkt- und Bankenregulation, Aufgabe des Goldstandards, Stärkung der Gewerkschaften, Mindestlöhne, Einführung von Sozialsystemen und Investitionen in die öffentliche Infrastruktur (z.B. Staudamm-Bau in Tennessee, etc.) hat er die Grundlagen für eine neue innerkapitalistische „Spielanordnung“ bzw. Regulationsform gelegt, die sich nach WK II dann stabilisierte und auf breiter Basis durchgesetzt wurde.

                  In derselben Zeit wurden auch theoretische Grundlagen gelegt (in Deutschland von Lautenbach, Gestrich und anderen, in England von Keynes, etc.), die Kapitalismus vom Kreditsystem her erklärten und die heutigen Geldsystemkritikern oft gar nicht bekannt sind, weil sie ab Mitte der 70er im akademischen Diskurs wieder marginalisiert und an den Rand gedrängt wurden.

                  Auf die von Lautenbach und Gestrich gelegten kreditmechanischen Grundlagen konnte Stützel dann mit seiner Saldenmechanik ja aufbauen (Chris Brandstetter dokumentiert das auf seiner Seite kreditmechanik.info ganz gut).

                  Und das Ziel einer „monetary theory of production“ hat Keynes 1933 ganz explizit formuliert (und dann mit der General Theory 1936 einzulösen versucht).

                  Will sagen – es wird vielleicht Zeit, daß die Geldsystemtheoretiker sich mal bißchen genauer auf die Geschichte besinnen, in vielen Dingen muß das Rad gar nicht neu erfunden werden. Die Theorie der Geldwirtschaft muß aber verbessert werden – vor allem auch durch eine schonungslose Analyse der Krise der keynesianischen Regulationsform ab den 70er Jahren, die die neoklassische und neoliberale „Konterrevolution“, angeführt von Friedman/Hayek, erst ermöglichte.

                  Im kredit- und geldtheoretischen Fundament der keynesianischen Theorietradition gibt es nach wie vor Defizite, obwohl es eine durchgängige postkeynesianische Tradition zum Thema „monetary theory of production“ gibt (die bis hin zur modern monetary theory führt, und bei den „stock-flow-consistent models“ (z.B. Wynne Godley: Monetary Economics) auch von saldenmechanischen basics und macroeconomic accounting ausgeht. Blieb leider nur eine ganz kleine Randerscheinung im neoklassisch dominierten akademischen Mainstream, und selbst im keynesianischen Mainstream, der ja von der bastardkeynesianischen neoklassischen Synthese dominiert wurde).

                  Realgeschichte und (als Teil davon) Theoriegeschichte bieten also durchaus Anregungen für die heutige Zeit, wobei natürlich die Euro-Krise (Währungsunion ohne Fiskalunion, daher Staaten ohne monetäre Souveränität) Aspekte hat, die es in der Krise der 30er nicht gab, aber Ergebnis des Einflusses des Neoliberalismus auf die Konstruktion der Währungsunion sind.

                  Beste Grüße!

                  1. danke für hinweis auf saldenmechanik.info – ist jetzt hier gleich verlinkt.

                    Den Gestrich hatte ich auch noch nicht wahrgenommen. Nun ist es aber noch mehr Fakt, es geht darum ein Rad der Kommunikation neu zu erfinden.

                    Geldsparen ist unser wesentliches Problem und keiner will es hören.

                    Da fehlt seit fast 100 Jahren nicht der theoretische Unterbau sondern eine Pille gegen kognitive Dissonanzen.

      2. “Spekulanten mögen als Luftblasen auf einem steten Strom des Unternehmertums keinen Schaden anrichten. Aber die Lage wird ernst, wenn das Unternehmertum die Luftblase auf einem Strudel der Spekulation wird“. Ich erkläre Ihnen, das es logisch falsch ist, die steigende Gewinnquote auf Spekulation zurückzuführen, und bin der Motivation auf der Spur, was jemanden veranlasst, eine logisch falsche Erklärung vorzubringen. Und sie antworten mir mit einem Zitat, das darauf hinweist: Dass ich die Erklärung, warum jemand logisch falsch argumentiert, mir sparen kann, weil nämlich seine Argumentation gar nicht logisch falsch ist. Das hat sehr wenig mit Stützel zu tun und sehr viel mit fehlender Logik.-)

        Alfred Felsberger

      3. Und zuletzt: Ihr Antisemitismus-Keulen-Vorwurf, der mindestens genauso abgedroschen ist wie der Antisemitismus-Vorwurf. Es ist nun mal eine Tatsache, dass eine Unterscheidung zwischen Real- und Finanzwirtschaft nicht möglich ist. Wenn jemand es trotzdem tut, gibt es nur zwei Gründe: Entweder er versteht es nicht, oder er ist durch etwas motiviert, dessen er sich nicht bewusst. Sie können sich es aussuchen, welche Erklärung Ihnen besser schmeckt….

        Alfred Felsberger

      4. Die Frage, der sich heute jeder Ökonom stellen muss, will er ernst genommen werden, lautet: Wie ist eine steigende Gewinnquote bei fallender Netto-Investitionsquote möglich? Schulmeister stellt sich dieser Frage und beantwortet sie nachweislich falsch, indem er auf die Entwicklung der Finanzspekulation als Ursache dieser Tendenz verweist. Das ist alles: Eine Frage, eine Antwort. Es kann natürlich sein, dass man schon die Frage nicht versteht…..

        Alfred Felsberger

    2. Just for the record und die Saldenmechanik-Fans: Schulmeister’sche Saldenmechanik

      (ab 18:45: „Summe aller Überschüsse und Defizite immer gleich Null“ …)

      Ohne Saldenmechanik ist alles nix.

      Aber Saldenmechanik ist nicht alles. Ökonomie und Geschichte werden von Menschen gemacht. Und Credit Bubbles und Crashes sowieso. Ökonomische Theorien (und Ideologien) auch.

  15. Ach Gott, der Herr Schulmeister! Österreichs Parade-Links-Ökonom, und ich hab`das Recht, das so zu betonen, da ich als Österreicher über den Verdacht einer Xenophobie meinem geliebten Land gegenüber erhaben bin. Der Mann gehört doch in das „Gruselkabinett“, oder, wie wir in Wien sagen: in die „Geisterbahn“ am Prater. Dort passt er hin mit seiner aufgeregten Art. Er ist so rührig ehrlich, ausgerüstet mit allerlei empirischen Daten und doch so ahnungslos. Was liest man da nicht für mysteriöse Sachen: von „selbstreferentieller Geldvermehrung“ durch die Finanzspekulation zum Beispiel, oder von einer Trennung von Real- und Finanzakkumulation und weiss Gott was noch alles. Hat irgendjemand die Geldmenge sich durch Finanzspekulation, durch das Auf und Ab der Kurse am Aktienmarkt, Rohstoffmarkt, und so weiter, schon mal vermehren gesehen? Er soll sich melden! Und zwar hier und sofort! Und ja nicht den Fall des Kreditkaufs von Aktien durch den Bankensektor nennen, denn der geht bekanntlich seit langem zurück. Es entsteht kein Geld in der Finanzspekulation, und jeder, der das behauptet hat von vornherein das Recht verwirkt: Ökonom zu sein.

    Doch wär`s nur das! Auch das ewige Herumreiten auf der ökonomischen Theorie, der „bösen“ Gleichgewichtstheorie, als ob diese und ihre Vertreter Geschichte schreiben könnten und nicht der technologische Fortschritt der Unternehmen. Meine Herren, wie vertrottelt muss man sein, wenn man die geschichtliche Entwicklung der Menschheit auf das Auf und Ab der ökonomischen Meinungen und den sich hierin bündelnden Interessen zurückführen will? Geschichte ist doch viel mehr und ihre treibende Kraft zu aller Zeit die Technologie! Und eben jene hat es bewirkt, dass sich Europa zunehmend an den Rand der Entwicklung spielt, dass Industrien im Gefolge niedrigerer Kommunikationskosten abwandern, dass Arbeit ausgelagert wird, dass bei uns nur mehr Dienstleistungen verbleiben, deren Netto-Investition nun mal erheblich tiefer liegt. Und wen überrascht es, dass sich im Gefolge dieses Wandels die Einkommen immer mehr zuspitzen. Wer erwartet von einem „Diener“ hoch entlohnt zu werden? Da sind so viele grundsätzliche Tendenzen, die den Abstieg Europas bewirken, und man muss wirklich nicht in den Schwachsinn einstimmen, die der Schulmeister von sich gibt.

    Alfred Felsberger

    1. Ach grüß Gott Herr Felsberger, warum denn so aufgeregt?

      Sie sind sich doch völlig einig mit dem (recht unaufgeregten) Schulmeister:

      Realwirtschaft und Spekulation sind gesamtwirtschaftlich immer monetäre Nullsummenspiele, das ist das 1×1 der Saldenmechanik. Überschüsse (und „Wohlstand“) gibt es allein auf der Ebene des realen Outputs, und der entwickelt sich mit Arbeitsteilung und technischem Fortschritt – der Realwirtschaft also. Spekulanten erfinden keine neuen Technologien, sondern verzerren für die Realwirtschaft wichtige Preise (wie z.B. Rohstoffpreise und Wechselkurse). Denen das Handwerk zu legen, ist doch ganz in ihrem Sinne – die Chinesen (vor denen Sie ja mächtig Angst zu haben scheinen) machen das ja auch ganz richtig so. Schulmeister geht es doch gerade darum, wieder einen „Realkapitalismus“ zu etablieren, in dem Invesitionen in die Realwirtschaft wieder interessant werden, die allein zur Vermehrung von Wohlstand führen.

      Schulmeisters „selbstreflexive Geldvermehrung“, die natürlich Schwachsinn ist, aber doch gerade ironisch das Selbstverständnis vieler Zocker wiedergeben soll (Ackermanns „25%“), haben sie wohl in den falschen Hals bekommen, weil sie für bare Münze nehmen, was pure Ironie darstellt.

      Der technische Fortschritt allerdings entwickelt sich nun am besten in einer auf privatem Eigentum beruhenden freien Kreditwirtschaft mit freier Lohnarbeit, die ohne einen starken Staat, der private Eigentumsrechte garantiert und die Vollstreckbarkeit der Kontrakte garantiert (Schuldrecht), und dafür natürlich auch die Steuergewalt haben muß, gar nicht existieren kann.

      Da diese Kreditwirtschaft nun zwar die Ausdifferenzierung der Arbeitsteilung und innovative Entrepreneure erlaubt, fördert und erzwingt, aber auch zu extremen booms und busts neigt, braucht sie sinnvolle Kredit- und Geldpolitik und vernünftige Regeln (Schulmeisters „Spielanordnung“). Das hatte man aus der Weltwirtschaftskrise gelernt, sie können es z.B. bei George Soros (Alchemie der Finanzen, 4. Kapitel: The Credit and Regulatory Cycle) oder Hans Gestrich (Kredit und Sparen – neuerdings herunterladbar auf http://www.saldenmechanik.info) wunderbar nachlesen.

      Um diese politische Seite nun geht es Schulmeister – daß es die technologische Entwicklung ist, die den Output erhöht, und daß es die nur in einer freien Kreditwirtschaft gibt, setzt er als selbstverständlich voraus. Ich weiß ja nicht, wieso sie meinen, solche ökonomischen pipifax-Einsichten hier neu breittreten zu müssen

      Was also haben nun Kondratieff‘sche Technologiezyklen mit Schulmeisters Zyklen von Real- und Finanzkapitalismus zu tun? Sie sind zwei Aspekte desselben Prozesses, von dem Kondratieff die realwirtschaftliche, Schulmeister die kreditäre/monetäre und politische Seite beschreibt, mit deren Verständnis sie offensichtlich Schwierigkeiten haben, ohne deren Existenz es aber gar keinen innovativen Kapitalismus und technologischen Fortschritt gäbe. Daß nun der Kampf um politische Regulationsformen (Realkapitalismus vs. Finanzkapitalismus) von Interessengruppen über ökonomische Ideologien geführt wird, sollte nun wirklich nicht schwer verständlich sein.

      In diesem Zusammenhang wüßte man natürlich gern, wieso das ihrer Ansicht nach so technologieschwache „Diener-Deutschland“ permanent Exportweltmeister wird. Und was Sie als Technologiefortschrittsfreund gegen eine realkapitalistische Spielanordnung haben.

      Wünsche noch einen entspannten Sonntag.

  16. Hi mm,

    verenne Dich nicht in eine falsche Richtung: In Rumänien zb. ist das Privatrecht heute wesentlich klarer und einfacher durchzusetzen als in Deutschland, von Griechenland oder Spanien gar nicht zu reden. Es ist in Westeuropa (Italien, Spanien, Frankreich, Deutschland) in welchem das Privatrecht zunehmend aufgeweicht wird, weil der Staat dem Privatsektor die Befugnisse des Eigentums kontinuierlich hinfortreguliert.

    Die politische Ebene der wirtschaftlichen Entwicklung, die zweifelsohne existiert, ist doch nicht die Ursache / der Ausloeser des systemischen Defekts des Geldsystems. Der existiert ganz unabhaengig von den diversen politischen Interessen. Diese koennen allenfalls eine Aufklaerung beschleunigen oder behindern. Wenn alle politischen Interessen in ihrem jeweiligen Interesse die wissenschaftliche Analyse behindern oder umdeutend verzerren, macht dies natuerlich einen allgemeinen Erkenntnisfortschritt extrem schwierig. Womit wir wieder beim urspruenglichen Konflikt zwischen Politik/Gewalt und rationaler Logik angelangt waeren: das Primat der Politik hat schon viele Denker auf die spaeten Tage bekehrt…..

    Gruss,
    mp

    1. Hallo mp,

      schön, mal wieder was von Dir zu lesen.

      Mich würde interessieren, wie Du zu der Generalisierung kommst, Privatrecht sei in Rumänien oder Griechenland leichter durchzusetzen als in Westeuropa. Das deshalb, weil ich da ganz andere Informationen habe. Nicht nur Auskünfte aus Griechenland von dort Ansässigen (tlw. Rechtsspezialisten, siehe z.B. hier http://www.dasgelbeforum.de.org/forum_entry.php?id=250187&page=0&category=0&order=last_answer ). Sondern auch aus systematischen Untersuchungen (in denen die Rechtssicherheit z.B. in Rumänien mit der von Tansania verglichen wird (und der Balkan, die Ukraine und Russland noch weit schlechter abschneiden): http://www.libinst.ch/?i=index-der-eigentumsrechte-2013-schweiz-verliert-an-rechtssicherheit ).

      Wo die aber nicht existiert, wird eine Forderung auch nicht ohne weiteres an Dritte weiterreichbar sein, weil sie ein Machtverhältnis zwischen konkreten Personen und deren „Schutzmannschaft“ (Mafia). Funktionierende Kreditwirtschaft gibt es auf dieser Basis nicht, sondern Dollarisierung der Märkte (Barzahlung!) und Barter, weil eine Währung, die Banken durch den Ankauf nicht vollstreckbarer Forderungen basieren, haltlos inflationiert und deshalb auch nicht als Zahlungsmittel akzeptiert wird. In Rumänien gab es deshalb mehrere Währungsreformen, zuletzt 2005 – damals wurde der alte Lei im Verhältnis 10 000 : 1 gegen neue Lei getauscht.

      Da willst Du mir erzählen, es gäbe dort sichere Eigentumsverhältnisse und verläßliches Schuldrecht? Nimm es mir nicht übel, wenn ich da erstmal erhebliche Zweifel anmelde und um Details bitte. Seit 2005 soll sich so viel getan haben, daß RO ein sichereres Privatrecht aufweist als D? Das ist das erste Mal, das ich das höre, und bin überrascht, es gerade von Dir zu hören. Natürlich hast Du sicherlich gute Gründe, dies so zu sehen. Mich würde nur interessieren, auf welchen konkreten Erfahrungen sie beruhen.

      In GR gab es ebenfalls vor Einführung des Euro haltlose Inflation, für dich ich nach den Informationen, die ich über das dortige Eigentumsrecht habe, auf ähnliche Gründe zurückführen würde.

      In RU, wo nach der pseudoliberalen „Schocktherapie“ der Jelzin-Jahre funktionierendes privates Schuldrecht vollkommen fehlte und nach wie vor fehlt, wird teilweise sogar das STEUERSYSTEM über Barter abgewickelt – Naturalabgaben also. Aus Rußland gibt es dazu detaillierte Studien von Ethnologen. In Rußland habe ich ausschließlich Infos, die darauf hindeuten, daß Liberalismus dort out ist und Feudalismus angestrebt wird (siehe z.B. http://de.scribd.com/thewolf37/documents).

      Ich wäre sehr an Berichten interessiert, die dem widersprechen, konnte bisher aber keine finden – Du bist der erste, von dem ich derartiges höre.

      Sicher ist Rußland da ein Extremfall, von dem man nicht direkt auf andere postsozialistische Staaten schließen kann. Auch die Berichte aus Rumänien von Katherine Verdery, die auch dort einen neuen Feudalismus im Entstehen begriffen sah, sind mittlerweile 15 Jahre alt.

      Deswegen würde ich Dich bitten, Deine Aussage, in Rumänien ließe sich Privatrecht leichter durchsetzen als in Westeuropa, mal zu präzisieren und offenzulegen, worauf sie basiert – und warum sie im Widerspruch zu den o.g. Quellen steht. Verwenden die Rumänen wirklich gerne den Lei (rum. Währung), oder lieber Euros oder Dollars? Setzen sie ihre Verträge durch, indem sie sie vor Zivilgerichten einklagen, oder indem sie ihren „privaten Sicherheitsdienst“ zum Schuldner schicken?

      Was meinst Du mit „dem systemischen Defekt des Geldsystems“?

      Ich wollte einfach darauf hinaus, daß wir nicht nur einfach eine andere Form der Wirtschaftspolitik brauchen, sondern – wie Schulmeister erläutert – wieder einen Wechsel der „Spielanordnung“ vom jetzigen Casinokapitalismus, der die Realwirtschaft gerade behindert, zu einem „Realkapitalismus“, in dem sich das Profitstreben sich wieder auf die Realwirtschaft konzentriert und der Finanzsektor ruhiggestellt ist – analog zum Wechsel der Spielanordnung, der nach der Weltwirtschaftskrise der 30er Jahre stattfand. Voraussetzung dafür wäre allerdings erstmal eine privatrechtliche Basis in ALLEN Ländern der Währungsunion, die ich einfach nicht gegeben sehe – und ich sehe auch nicht, daß dies bisher überhaupt als Grundproblem begriffen würde.

      Dafür wird es aber eine weitere große Krise brauchen, die Finanzkrise hat zwar ein erstes Umdenken ausgelöst (es wurden Organisationen wie INET gegründet, etc.), politisch geht es in Europa aber weiter wie bisher, sogar verstärkt (Hollande), was natürlich direkt in die nächste deflationäre Krise führt. Bis der Gedanke, daß wie nach den 30ern eine grundlegend neue Spielanordnung hermuß, sich durchsetzt, wird es noch dauern.

      Viele Grüße!

      1. Hallo Moneymind,

        nur kurz zu Deinen Fragen, auch wenns hier nicht hingehoert:

        1) In Rumaenien wird im Zahlungsverkehr ausschliesslich die lokale Waehrung verwendet (welche gg Euro in den letzten Jahren stabil ist)

        2) Vertraege und Forderungen sind vor Zivilgerichten einklagbar, Prozesslaufzeiten kuerzer als in D, gar nicht zu vergleichen mit GR oder I

        3) Auch in Prozessen gegen den Staat wird (oft) nach Rechtslage entschieden, d.h. Pivate koennen ihr Recht auch gegen den Staat durchsetzen (nicht zuletzt, weil Durchsetzung des Rechts nicht unerschwinglich ist, und nicht 10 Jahre dauern)

        Die historische Phase der Abwicklung des sozialistischen Staates (Insolvenz aufgrund unhaltbarer Forderungen gegen den Staat) ist seit ca 10 Jahren beendet (daher auch die ‚Waehrungsreform‘ 2005 – war eigentlich nur die Streichung von 4 Nullen als symbolischer Akt – als Zeichen des Abschlusses), seitdem funktioniert das Staatswesen wie ein junger, liberaler, privatrechtlich orientierter Staat halt funktioniert: dynamisch, mit ueberschaubarer und daher auch durchsetzbarer Gesetzgebung, inklusive Kinderkrankheiten aufgrund mangelnder Erfahrung und Kapitalisierung sowohl materieller wie auch intelektueller Natur.

        In GR, I und zusehends F und D ist die Lage eine ganz andere, dort erodiert die Rechtssicherheit gerade aufgrund zunehmend byzantinischer Gesetzgebung, sklerotischer Buerokratie und allgemeinem politischen NIedergang (bis zur erwartbaren Insolvenz). Unternehmen aus GR und I investieren scharenweise in RO und BG, nicht umgekehrt.

        Ein Gewerbe wird in Rumaenien in 3-10 Tagen angemeldet / eingetragen (in Moldawien in 1 Tag), der Flat tax Steuersatz liegt bei 16% (Steuersatz zaehlt aber wohl bei Studien zum privaten Eigentumsrecht nicht zu den Kriterien??!!??). Willkuerliche Konfiskationen seitens oder mittels des Staates finden nicht (mehr) statt….. Ich habe mir auch die verlinkte Studie kurz angesehen: Partner in Rumaenien ist Cadi, eine Art Mises-Institut in Bukarest, selber u.a. Partner von Konrad-Adenauer Stiftung, Cato Institute und Coca-Cola (kein Scherz). Wenn man noch beruecksichtigt, dass in die Bewertung auch Dinge wie Schutz intelektuellen Eigentums (in Rumaenien sicherlich nicht auf dem Level der USA) und allgemeiner politischer Rahmen (Die Politik in Rumaenien handelt uneinig, egozentrisch und schwach bzw. wenig – muesste eigentlich ein Plus fuer den Privatsektor – aber eben nicht fuer politische Lobbyorganisationen – darstellen) bewertet wird, dann kann ich teilweise nachvollziehen, wieso Rumaenien dort auf einer Stufe mit Tansania landet (obwohl: ich war noch nie in Tansania, wer weiss, vielleicht ist auch dort inzwischen die Rechtssicherheit groesser als in GR).

        Zu Katherine Verdery kurz angemerkt, dass es in allen neu startenden kapitalistischen Privatwirtschaften zunaechst zu einem politischen Verteilungskampf um das bereits existente Eigentum (plus monopolisierbare Entwicklungsbereiche) kommt: dieser Prozess wird m.E. toleriert, weil dadurch innerhalb kuerzester Zeit eine grosse Menge Kapital in privater Hand gebildet wird, welches dann in der Folge grosse Investitionen erst moeglich macht. In dieser Phase sieht die Entwicklung nach Feudalismus aus (Robber Barons), wenn die zusammengerafften Eigentuemer aber in der naechsten Phase die kapitalistische Investition anheizen, wird kein Feudalismus draus.

        Wir sind uns alle einig, dass es eine neue Spielanordnung braucht, in welcher Investitionen in die Realwirtschaft und nicht in Spekulation fliessen. Ich denke, das ist selbst in der EZB und der FED konsensfaehig. Nur wie man dorthin kommt, da scheint doch noch einige Uneinigkeit zwischen den Spielern zu herrschen. Dies ist eben am Ende ein politischer Prozess, und in der Politik setzt sich am Ende der Staerkere durch. Warten wir mal ab, wer das sein wird. Wenn es zu keiner Entscheidung kommt, bleibt immer noch die COMECON-Variante, d.h. in Untaetigkeit der Dinge harren, die da kommen, sich dann von der Macht des Faktischen ueberrollen lassen und dabei versuchen, sich irgendwie mit dem Kopf ueber Wasser zu halten. Nach 10-20 Jahren ist das Chaos vorbei, und wie man im ehemaligen Ostblock gut sehen kann, haben es viele der ehemaligen Eliten gut verstanden, bei diesem Hoellenritt auf der geschichtlichen Welle auf dem Brett zu bleiben!

        Gruss,
        mp

  17. Hallo Jörg,

    ich sehe nicht wirklich einen Dissens zwischen Dir und Schulmeister. Er geht nur viel umfassender heran.

    Die langen Wellen sind für ihn nicht wie für Dich eine Folge falschen Systemverständnisses und falscher Regulierung, die einfach durch bloß „richtige Einsicht“ aufhebbar wäre.

    Sondern falsches Systemverständnis (dominierende ökonomische Theorien) und darauf basierende Regulierungsformen sind Ergebnis des Machtkampfs dreier großer gesellschaftlicher Interessengruppen: Realkapital, Finanzkapital und Arbeit.

    Die realkapitalistischen Aufschwungsphasen waren geprägt von einem Bündnis zwischen Arbeitern und Realkapitalisten gegen das ruhiggestellte Finanzkapital. Dieses Bündnis führte (zuletzt in den 60er Jahren) zu einer Übermacht der Arbeiter (Gewerkschaften, Arbeiterparteien), woraufhin die Realkapitalisten ihr Bündnis mit der Arbeit aufkündigten und stattdessen mit dem Finanzkapital paktierten. Auch das ist zwar nur partiell in ihrem Interesse und scheitert letztlich genauso wie das Bündnis zwischen Realkapital und Arbeit. Aber für die finanzkapitalistische Abschwungsphase ist es für die Realkapitalisten die beste Option, auch wenn sie sich langfristig selbst zerstören muß (wie Du sagst: langfristig gibt es in dem Prozess eigentlich keine Gewinner).

    Während die Gewerkschaften natürlich Keynes aufgegriffen und für ihre Interessen verbogen und genutzt haben, so tun das jetzt Finanz- und Realkapitalisten mit Friedman/Hayek etc.

    Es geht also nicht einfach um „Denkfehler“, sondern um harte Machtkämpfe, die natürlich über Ideologien (ökonomische „Theorien“ eingeschlossen) in die Köpfe der Öffentlichkeit gepushed werden. Momentan sind die Gewerkschaften extrem in der Defensive, die SPD seit Schröder neoliberal durchseucht.

    „Guthabenkrise“ ist ist nun zwar ein Begriff, mit dem man dem herrschenden Gesülze von der „Schuldenkrise“ provokativ Lautenbachs Sprüchle („bist Du Volkswirt …“) unter die Nase reiben kann.

    Letztendlich bleibt es aber ein technokratischer Begriff, zumal ja auch völlig unklar bleibt, WESSEN Guthaben denn eigentlich „das Problem“ sein sollen. „Guthabenkrise“ bleibt als einfache Umkehrung des „Schuldenkrisen“-Begriffs damit trotz Ansätzen in die richtige Richtung noch ganz der herrschenden technokratischen Ideologie verhaftet und blendet die Machtkämpfe und Interessenbündnisse, die überhaupt erst die Theorien und Sichtweisen auf die „Krise“ bestimmen, aus.

    In der jetzigen Situation steht für Europa aber weit mehr auf dem Spiel. Nicht nur, daß wir eine Währungsunion ohne Fiskalunion haben. Wir haben auch eine Währungsunion ohne PRIVATRECHTS-Union. Nicht nur in Griechenland, sondern auch in anderen östlichen Beitrittsländern hapert es schon an der zivilrechtlichen Infrastruktur, ohne die ein funktioinierendes Geldwesen gar nicht auf die Beine kommen kann, wie Du als Heinsoh/Steiger-kundiger sicher nachvollziehen kannst. Zwar erzählen H/S makroökonomisch Stuß, haben aber mit der Einsicht, daß es ohne funktionierendes Privatrecht keine funktionierende Kreditwirtschaft geben kann, trotzdem recht.

    Dieses Problem – ebenfalls eine Folge der neoliberalen Theorie, aus der ja die vollkommen fehlgeschlagene „Schocktherapie“ für die ex-sozialistischen Länder abgeleitet wurde – wird bisher aber praktisch nirgends diskutiert, obwohl es für Europa essentiell ist. Rußland driftet bereits Richtung Feudalismus/mittelalterliche Verhältnisse (Kirche/Staat/Oligarchen) und hat die Versuche, Marktwirtschaft einzuführen, faktisch aufgegeben, simuliert diese nur noch notdürftig.

    In Bulgarien und Rumänien, sieht es da wirklich sehr anders aus? Begriffe wie „Schuldenkrise“ und „Guthabenkrise“ machen für diese Länder überhaupt keinen Sinn, weil dort mangels Privatrecht und Besteuerungsmacht überhaupt keine Geldwirtschaft existiert. Solche Länder sollen Teil der Eurozone werden?

    Für solche Länder macht auch Schulmeisters Machtkampf der Interessengruppen mit zwei typischen Bündnissen überhaupt keinen Sinn, da dies die Existenz eines funktionierenden Privatrechts voraussetzt. Letzteres wurde nach der Weltwirtschaftskrise natürlich auch weder von Keynes noch von den Kreditmechanikern (Stützel-Vorläufern) diskutiert, weil es in den von der Krise betroffenen Ländern natürlich gegeben war.

    Konsequenterweise fordert Schulmeister zwar eine Fiskalunion, sieht aber das Problem der mangelnden Privatrechtsunion gar nicht.

    Das ist heute in Europa eben so nicht mehr der Fall, was die Euro-Krise verkompliziert. Es stellt sich nicht nur die Frage: welches Interessenbündnis? (Finanzkapital + Realkapital vs. Arbeit oder Realkapital + Arbeit vs. Finanzkapital).

    Sondern auch die Frage: Kapitalismus oder Feudalismus (als Neuauflage der Frage: Kapitalismus oder Sozialismus, wobei Realsozialismus ja als eine Form mit eines mit moderner aufklärerischer Ideologie verbrämten Feudalismus betrachtet werden kann)?

    HIer werden die kapitalismusINTERNEN „langen Wellen“ von den noch längeren Wellen der Zivilisationsentwicklung überlagert. In Rußland ist die Moderne m.E. ideologisch bald zuende, und ein „neues feudales Mittelalter“ bricht dort an.

    Eine Analyse der Euro-Krise muß also viel tiefer und breiter ansetzen – wobei die von Dir benannte „Guthabenkrise“ durchaus einen wichtigen Aspekt der Gesamtsituation beschreibt, aber eben nur einen – und die vielleicht wichtigsten Aspekte sogar ausblendet.

    Die Frage ist, wohin wird eine europäische Zentralregierung, ohne die es nicht gehen wird, driften, wie werden dort die Mehrheits- und Machtverhältnisse sein? Wird die EU eher an einer Westbindung festhalten (können)? Oder in Richtung eines Eurasianismus abdriften, der in Rußland längst propagiert wird (z.B. A. Dugin)?

    Die Situation hier in Europa ist einfach grundlegend anders als in den USA, wo das Privatrechtsthema sich nicht stellt. Hier in Europa ist es von aktuellster Relevanz für EU und Währungsunion, wird aber nicht auch nur ansatzweise gesehen.

    Eine Analyse und darauf basierende Strategie für Europa mit dem Ziel, Realkapitalismus und soziale Marktwirtschaft wiederherzustellen – und eben das brauchen wir – muß diese beiden Aspekte (Machtkampf der Interessengruppen mit 2 typischen Interessenbündnissen; keine Kreditwirtschaft und Währungsunion ohne Privatrechtsunion) einbeziehen und Teilreformen (wie die Regulierung des Bankensektors, der Finanzmärkte etc.) an zentraler Stelle mit einbeziehen.

    Schulmeisters genereller Ansatz eines „New Deal für Europa“ (siehe sein 2010er Buch: „Mitten in der großen Krise – ein New Deal für Europa“) scheint mir da bisher am umfassendsten konzipiert, muß aber dringend um diesen rechtlichen Aspekt ergänzt werden.

    Außerdem müssen Reformkräfte ihre Diskussion vernetzen und nach und nach eine gemeinsame (auch theoretische) Position entwickeln … ein Prozess, der aber im Gang ist.

    Soweit meine momentanen Gedanken … hoffe, daß ich den einen oder anderen nützlichen Denkanstoß geben konnte, und wünsche Dir ein gutes, erkenntnisreiches neues Jahr. Ich schätze Dich sehr als provokativen Querdenker und Anreger neuer Gedanken (auch wenn ich Deine Darlegungen nicht immer nachvollziehen kann, aber das dürfte nicht nur an Deiner Ausdrucks- und Darstellunsweise, auch an mir selber liegen).

  18. Hallo moneymind,

    auch Dir beste Wünsche – bei Schulmeister hatte ich nach Deinen letzten Anregungen schon gelesen. Wo siehst Du denn bitte genau den Dissens zwischen mir und ihm?

    Diese „langen Wellen“ sind ja auch nur eine „Erscheinungsform“ der Guthabenkrise und den sinkenden realwirtschaftlichen Ertragsmöglichkeiten die ich hier beschreibe:

    http://www.kapitalismus-verstehen.de

    Ich sehe nur ZU ENDE gedacht gar keine richtigen Gewinner in dem Spiel, die Kiste an die Wand zu fahren. Wenn jetzt Ex-US-Finanzminster Larry Summers exakt auf meine Argumentations. und Handlungsebenen einschwenkt, fühle ich mich aktuell weit weniger naiv als vor einiger Zeit. Es nährt meine These der tatsächlichen Alternativlosigkeit einer wie auch immer gestalteten Guthabenbremse.

    Und die handelnden Politiker in Deutschland sind wirklich extrem minderschlau – Schäuble hat ja wieder Vogel abgeschossen. Denkst Du, er täuscht so viel Unwissenheit nur vor?

    http://tautenhahn.blog.de/2014/01/09/sonderbare-coming-out-wolfgang-schaeuble-17569999/

  19. Jörg, Dein Klärungswille in allen Ehren, und für den Hinweis auf Stützel bin ich Dir sehr dankbar, der hat mich enorm weitergebracht. Aber ich muß ehrlich sagen, ich halte Deine Analyse für naiv.

    Die Einsichten in die Funktionsweise der Geldwirtschaft fehlen nicht, sie wurden in und nach der Weltwirtschaftkrise von verschiedenen Leuten entwickelt. Christoph Brandstätter hat zur deutschen Fraktion der Kreditmechaniker (samt Stützels Lehrer Lautenbach) gerade eine schöne Infoseite ins Netz gestellt.

    Die Frage ist doch vielmehr: warum haben sich entsprechende Erkenntnisse nicht nur nicht durchgesetzt, sondern, warum und von wem wurde ein völlig anderes marktfundamentalistisches Erklärungsmodell für Wirtschaft (in dem es keine Krisen geben kann) wieder gepushed und – über die universitären Lehrstühle, die Lobbyisten der einschlägigen Interessengruppen, die Medien in die Köpfe der Leute eingehämmert?

    Ich halte es mittlerweile für naiv, zu glauben, es mangele hier nur an Durchblick und Einsicht. Eine wesentlich bessere Erklärung, die auch die wesentlichen Machtkämpfe zwischen gesellschaftlichen Gruppen in den Blick nimmt, in die Theorieproduktion immer eingebunden ist, bietet Stephan Schulmeister.

    Ich kann Dir nur empfehlen, sich mit seiner Sicht der Dinge mal intensiv zu beschäftigen, für mich war das ein absoluter Augenöffner. Und ich denke, was er schreibt, ist auch ganz in Deinem Sinne – im Sinne eines in der Realwirtschaft tätigen Mittelständlers.

    Gleich der erste Aufsatz auf seiner Homepage („Finanzkapitalismus und Realkapitalismus“) bietet einen sehr guten Überblick:

    http://stephan.schulmeister.wifo.ac.at/index.php?id=6

    Als kurzen Video-Einstieg dieser Vortrag:
    http://stephan.schulmeister.wifo.ac.at/index.php?id=6

    Auch seine Aufsätze über die Geschichte der neoliberalen Ideologie (Friedman – dottores Doktorvater, und Hayek).

    Guad’s Neus!

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