Volkswirtschaftsleere – Pfusch, Verdrängung und „Spannendmacherei“

Scheinbar ist ja VWL eine ganz komplexe Sache, bei der selbst Experten sich seit Jahrhunderten nicht einig werden können. In Wirklichkeit sind die Dinge aber recht trivial und es wird aus diversen Gründen ein Verwirrspiel getrieben. Ob dies jedem Akteur bewusst ist, möchte ich nicht unterstellen, vielmehr an der Bewusstmachung mitwirken.

A. VWL – Pfusch
Die Zusammenhänge eines Einzelhaushaltes widersprechen völlig den Zusammenhängen in der Gesamtwirtschaft. Auf einzelwirtschaftlichen Betrachtungen beruhende Postulate für die Gesamtwirtschaft sind also regelmäßig um 180° falsch. Zusätzlich wird der einzelwirtschaftliche Tausch von „Ware gegen Geldding “ auf die Gesamtwirtschaft übertragen. Dies führt zu fundamental falschen Grundannahmen einer „Tauschwirtschaft“ statt der real existierenden Vorfinanzierungswirtschaft des Kapitalismus. In dem Tauschmodell fehlt dann einfach die ZEIT für die arbeitsteilige Wertschöpfung und das Geld als aus Kredit entstandenes Phänomen eben dieses ZEITbedarfs. Ganz böse ist auch der Sprachpfusch – wichtige Begriffe wie Geld, Sparen und Investieren werden doppeldeutig für völlig verschiedene Sachverhalte verwendet. So wird beispielsweise der Begriff Investieren (I) für den Kauf von Investitionsgütern, aber auch für Verschuldung verwendet. Mit dieser Sprachverwirrung werden in unendlichen Diskussionen scheinbare Widersprüche und Problemverschlingungen gepflegt, die es mit klaren Begriffen gar nicht gibt.

B.Verdrängung
Hier geht es im wesentlichen um die Frage, dass private Geldvermögensbildung das Hauptproblem des kriegsfernen Kapitalismus ist. Da im kriegsfernen Kapitalismus die unzerstörten Sachwerte mit ihren Abschreibungseinnahmen die Investitionen finanzieren, ist für Geldsparen kein Platz im System. Die Ökonomen müßten also Konzepte gegen privates Geldsparen vorschlagen, was regelmäßig ihren privaten Zielen widerspricht. Dies manifestiert sich auch in der weitgehenden Ignoranz der wichtigen Finanzierungssalden einer Volkswirtschaft, wo einen dieses Problem förmlich anspringt.  Weiterhin pflegt man je nach Weltanschaung seine Schatten bei Staat versus Markt. Die Staatsfans verdrängen das Staatsversagen, die Marktfans verdrängen das Marktversagen. Würde man damit aufhören, könnte man mit den Stärken des Marktes die Schwächen des Staates kompensieren und mit den Stärken des Staates die Schwächen des Marktes.

C. Spannendmacherei
Wenn eine Formel drei Variablen hat, und diese wiederum mit 10 kombinierbaren Handlungsoptionen zu beeinflussen sind, ergeben sich eine unübersichtliche Menge von Handlungsoptionen. Wenn die Masse die einfache Formel nicht kennt, kann nun jeder VWLer sein eigenes scheinbar zum Kollegen widersprüchliches Maßnahmenpaket vortragen. Wenn klar wird, dass alle von der gleichen einfachen Formel reden, wird die Trivialität offensichtlich:

1. Arbeitsteilung braucht ZEIT für die Wertschöpfung
2. Aus diesem ZEITbedarf ergibt sich das  Risiko der Wertschöpfung
3. Soll dieses Risiko der Wertschöpfung privat getragen werden, braucht es eine angemessene Risikoprämie.
4. Die gesamtwirtschaftliche Gewinnformel ist also die Grundlage des Kapitalismus:

Unternehmergewinne = Nettoinvestition zzgl. Unternehmerkonsum abzgl. Geldvermögensbildung der Nichtunternehmer.

Diese Gewinnformel wirkt auf die Investitionen der Folgeperiode, welche wesentlich die Konjunktur bestimmen. Diese Konjunkturfrage ist für Käufermärkte (Regale voll, Zinsen unten, für Absatz muss sogar Werbung gemacht werden) in einem Satz zu definieren:

Es entscheiden die Pläne für Konsum- und Netto-Investitionsausgaben über die Höhe des monetären Volkseinkommens.

Dass auf KaufPLÄNE selbst das Wetter AUCH einen geringen Einfluss hat, dürfte doch wohl jedem Selberdenker klar sein, dass die ohne Gewinnaussichten wegbrechenden Investitionen die große Krise auslösen ebenso.

Die Spannendmacherei der Volkswirtschaftsleere wird auf folgenden Ebenen vertieft:

Denken in WER statt WARUM Kategorierien – Personalisierung – „WER spricht – war diese Aussage jetzt Marx, Keynes oder Hayek zuzuordnen?“

Problemverschlingung – es werden die gesamtwirtschaftlichen Zusammenhänge ignoriert und dafür Zusammenhänge konstruiert, wo gar keine sind.

2 Kommentare zu „Volkswirtschaftsleere – Pfusch, Verdrängung und „Spannendmacherei““

  1. Dieses “WER spricht – war diese Aussage jetzt Marx, Keynes oder Hayek zuzuordnen?” dient hauptsächlich dazu, die Leute das Problem selbst gar nicht erst erörtern zu lassen.

    Das läuft an der Uni in allen Fächern so: Der Student darf sich zu dem eigentlichen Problem gar nicht äußern, sondern nur darüber, was die Autoritätsperson A an der Aussage der Autoritätsperson B über die These der Autoritätsperson C usw. hinsichtlich des eigentlichen Problems kritisiert hat. Es werden also nur die Diskurse über die Diskurse über die Diskurse von den Studenten diskutiert.

    Die Köpfe sind dann voll mit den Aussagen und Meinungen von Dutzenden Autoritäten, die in den wissenschaftlichen Arbeiten richtig zitiert und korrekt interpretiert werden müssen. Der Diskurs geht um die Zitate und Interpretationen, nicht um die Lösung der tatsächlichen Probleme. „Hat Hayek das so oder so gemeint?“, ist dann das Thema der wissenschaftlichen Arbeit, nicht wie das Problem der Ökonomie, um das es eigentlich gehen sollte, sinnvoll zu lösen wäre.

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