Geld, Kauf und Bezahlung


Die Worte „Geld“ bzw. „Geldmengen“ sollte man wegen Doppeldeutigkeit in volkswirtschaftlichen Betrachtungen bitte gar nicht mehr verwenden. Wie soll man denn wissen, ob der Mitdiskutant gerade zu Zahlungsmittelmengen oder Geldvermögenssummen vorträgt? Es sollten bitte die Begriffe „Geldvermögen“ und „Zahlungsmittel“ verwendet werden. Bei den Zahlungsmitteln ist es dazu wichtig, den Nutzerkreis zu definieren. Es sollte also geklärt werden, ob über Banken-Zahlungsmittel (Zentralbankguthaben) oder Nichtbanken-Zahlungsmittel (z. B. Geschäftsbankenguthaben, verbriefte Zentralbankguthaben/Bargeld) gesprochen wird.

Definition des Geldvermögens:

Zahlungsmittelbestände* + Forderungen abzgl. Verbindlichkeiten

*als Summe „umlauffähiger“ Forderungen wie Kassenbestände und Sichtguthaben, nicht zu verwechseln mit Zahlungsmittelmengen, welche die freien Kreditlinien enthalten

Definition von Zahlungsmitteln:

„Monetisierte“ Forderung – eine durch vom Nutzerkreis akzeptierte Zusatzbesicherung und sofortige Verfügbarkeit „umlauffähig“ gemachte Forderung gegen einen Wirtschafter

Diese Unterschiede sind bei der Problemanalyse sehr wichtig: Sprechen wir über eine Schuldenkrise, reden wir zuerst über ein realwirtschaftliches Geldvermögensproblem und nicht zuerst über ein Zahlungsmittelproblem.


Das Geldvermögensphänomen „Kauf“ und das Zahlungsmittelphänomen „Bezahlung“

Wenn ein Wirtschafter etwas verkauft, entsteht eine Forderung an einen Käufer.
Beispiel:
A verkauft an B zu 100,
A legt eine Rechnung zu 100 an B

Die Forderung zu 100 an B ist jetzt das gestiegene Geldvermögen von A. Das Geldvermögen von B ist um exakt diese 100 gefallen, denn er hat ja eine zusätzliche Verbindlichkeit zu 100. Da kein Kauf ohne Verkauf möglich ist, ist die Summe der beteiligten Geldvermögen immer Null: Die positiven Geldvermögen der einen sind die negativen Geldvermögen (Schulden) der anderen.

Dies hat mit dem Zahlungsmittelsystem zunächst einmal gar nichts zu tun, sondern ist ein realwirtschaftlicher Kauf/Verkauf-Vorgang. Dies sei allen „Geldreformern“ ins Stammbuch geschrieben, die das Geldvermögensphänomen der Verschuldung durch eine Zahlungsmittelreform völlig aus dem Wirtschaftssystem entfernen wollen.

Ein positives Geldvermögen eines Wirtschafters ist immer ein Überschuss seiner Verkäufe (Einkommen) über seine Käufe (Ausgaben):

positive Geldvermögen = Verkaufsüberschuss/Einnahmeüberschuss

Ein negatives Geldvermögen von Wirtschaftern, auch Verschuldung genannt, ist immer ein Überschuss der Käufe (Ausgaben) über die Verkäufe (Einkommen):

Verschuldung = Kaufüberschuss/Ausgabeüberschuss

Das Geldvermögen der Wirtschafter ändert sich also durch realwirtschaftliche Vorgänge und nicht durch Vorgänge in einer Bank.


Bezahlung ist ein geldvermögensneutraler Vorgang

Nun zahlt B seine Rechnung an A mit Zahlungsmitteln zu 100. Dieser Vorgang ist geldvermögensneutral. Zwar sinken die Zahlungsmittelbestände bei B, so wie diese bei A steigen. Gleichzeitig sinken aber die Verbindlichkeiten von B so wie die Forderungen von A.

Natürlich gibt es Rückwirkungen zwischen Zahlungsmittelbeständen und Geldvermögensänderungen. So wird die Verfügbarkeit von Zahlungsmitteln und Kredit das Eingehen von Kaufüberschüsse beeinflussen. Nur besteht kein mathematisch strenger Zusammenhang zwischen den Zahlungsmittelbeständen und Geldvermögensänderungen.

Kaufüberschüsse können auch unter Hinnahme eines geringeren Zahlungsmittelbestandes oder durch Kündigung von Festgeldanlagen erfolgen. Verkaufsüberschüsse müssen nicht zu einer Vergrößerung des Zahlungsmittelbestandes führen – evtl. werden die Einzahlungen bei der Bank ja mit Frist festgelegt und damit de-monetisiert. Die logisch strengen Zusammenhänge bestehen vielmehr zwischen den Kaufüberschüssen und den Verkaufsüberschüssen. Da Verschuldung aber ein Kaufüberschussproblem ist, können wir uns in den Folgebeiträgen diesem aktuell so wichtigen Thema mit rein logischen und allgemeingültigen Bezügen zu den Verkaufsüberschüssen nähern. Dabei werden wir aber auch sehen, welche wichtige Rolle hier die Kredittilgungen als aus Vorperioden determinierte Verkaufsüberschüsse spielen.

Einzelheiten zu diesem Thema bei der Quelle der Ausführungen

4 Kommentare zu „Geld, Kauf und Bezahlung“

  1. gute frage Hajo, Was ist das EURO?

    Es ist das Nominal, quasi der Wertbegriff 1 Euro ist die Kaufkraft von 1Euro.

    Und nun gibt es Forderungen gegen Banken, die auf EURO als Nominalen Wertbegriff lauten und als Zahlungsmittel verwendet werden. Sind es Forderungen gegen die Zentralbank, Bargeld bzw. Zentralbank-Giral, reden wir über Bankenzahlungsmittel. Sichtguthaben bei Geschäftsbanken sind Nichtbanken-Zahlungsmittel.

    Nun nennen wir die Forderungen auf 1 Euro Kaufkraft auch Euro – die Erscheinungsform wird mit dem Wesens des Dings vermischt. Sprachverwirrung pur.

    Und ja, uns fehlen die freiwilligen Ausgabeüberschüssler, die Notenbank kann zwar die banken in der Deflation in ihrem Zahlungsmittel liquide aber ohne Rechtsbrüche nicht solvent halten.

    Aber sie kann kein freiwilligen solventen Schuldner herbeizaubern, aber Sie könnte den Staat zu einem solchen machen…siehe Monetative Konzept. Also doch zaubern… 🙂

    lG Jörg

  2. @jörg
    Verständnisfrage:
    Wenn ich das richtig verstehe, gibt es zwei „Kreisläufe“ für Zahlungsmittel. Wobei Kreisläufe vielleicht nicht ganz zutrifft. „Zahlungsmittelbeziehungen“ ist wahrscheinlich der bessere Ausdruck.

    Zum einen Beziehungen zwischen Zentralbank und Banken (kreislauf I) und zum anderen Beziehungen zwischen Geschäftsbankenb und Nichtbanken (Kreislauf II).

    Auf beiden Ebenen werden Zahlungsmittel hin und her geschoben, die als Euro bezeichnet werden. Ansonsten haben sie miteinander wenig bis nichts zu tun. Ausnahme Bargeld.

    Habe ich das in etwa richtig beschrieben?

    Wenn ja, dann ist doch offensichtlich das ganze Gerede von der Steuerung der Geldmenge durch die Zentralbank ziemlich unsinnig. Auch das „Fluten“ der Zahlungsmittelströme zwischen den Banken und der Zentralbank mit Zentralbankgeld hätte zunächst erst mal keine großen Auswirkungen auf die Beziehungen zwischen Geschäftsbanken und Nichtbanken. Oder verstehe ich da etwas Grundlegendes nicht richtig?

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