Alle Forderungen sind positive Geldvermögen, alle positiven Geldvermögen sind Forderungen.


Nirgendwo ist ein Ding namens Geld – wenn Geld als Ding erscheint, so ist dies eine Verbriefung einer Forderung.

Logischerweise gehört zu jeder Forderung eine Verbindlichkeit eines Dritten als negatives Geldvermögen, weshalb sich Netto-Welt-Geldvermögen immer zu null saldiert.

Zahlungsmittel sind höher besicherte Forderungen, die in einem zu definierenden Nutzerkreis bezüglich Forderungen aus Kauf schuldbefreiend akzeptiert werden. Bezahlen ist also nur ein Austausch von Forderungen und damit ein geldvermögensneutraler Vorgang. Betrachtungen zu Geldvermögensvorgängen wie Verschuldung sind deshalb auf der realwirtschaftlichen Kaufebene durchzuführen.

Kauf = Verkauf,
Verkaufsüberschuss des Einzelnen (Geldvermögendaufbau) =
Kaufüberschuss (Verschuldung/Geldvermögensabbau) des Rest der Welt.

7 Kommentare zu „Alle Forderungen sind positive Geldvermögen, alle positiven Geldvermögen sind Forderungen.“

  1. Alles beginnt mit einem Glas Bier, das Herr „Schuldhans`l“ beim Wirt mangels Geld anschreiben lässt. Es gilt:

    1) Forderungen (des Wirten) = Verbindlichkeiten (des Schuldhans`l)

    Da es viele Schuldhans`l und viele Wirte gibt, gilt:

    2) Forderungen (aller Wirte) = Verbindlichkeiten (aller Schuldhans`l)

    Und für den Fall, dass einige Wirte selbst verschuldet sind:

    3) Netto-Forderungen (aller Wirte) = Netto-Verbindlichkeiten (aller Schuldhans`l)

    An dem Tag, wo die Wirte nach Geld dursten, tritt die Geschäftsbank A auf den Plan. Sie kauft alle Hans`l-Schuldscheine, die in den Händen der Wirte sind, auf. Es gilt nun:

    4) Forderungen (aller Wirte) = Verbindlichkeiten (aller Schuldhans`l) = GB-Geldmenge (=Zahlungsmittel)

    Wenn die Geschäftsbank A alle Schuldscheine an die Zentralbank B weiterreicht, verdoppelt sich die Geldmenge. Es gilt:

    4) Forderungen (aller Wirte) = Verbindlichkeiten (aller Schuldhans`l) = GB-Geldmenge = ZB-Geldmenge

    Oder mathematisch ausgedrückt: Forderungen = Geldmenge (GB) (max.) = Geldmenge (ZB) (max.) = Verbindlichkeiten. Das Maximum der GB-Geldmenge und der ZB-Geldmenge entspricht der Summe der Forderungen/Verbindlichkeiten. Allerdings nur für den Fall: wo die Banken sich NICHT gegenseitig Kredit geben. Das originäre Schuldverhältnis zwischen Wirt und Schuldhans`l (Schuldhans`l <= Wirt) wird nun geschrieben: (Schuldhans`l = <ZB <= GB <= Wirt). Sprich: Der Wirt hat eine Forderung gegen die Geschäftsbank (=GB-Geld), die GB eine Forderung gegen die ZB (=ZB-Geld), und diese letztendlich eine Forderung gegen den Schuldhans`l (Schuldschein).

  2. Hi Jörg,

    noch kurz zu dem, was Du oben geschrieben hast:

    „Stützel hat ja auch die monetisierten Goldbestände der Notenbanken zum “Nettogeldvermögen” erklärt. Ich finde dies wenig hilfreich.“

    Damit hat Stützel so lange Recht, wie Gold als internationales Zahlungsmittel gedient hat – also bis 1971, als die Goldbindung des Dollar aufgehoben wurde.

    Siehe meinen Beitrag oben.

    Stützel bleibt da präzise (trifft die notwendigen Unterscheidungen), während Du vereinfachst, aber dabei wesentliche Unterschiede verwischst – was die Tür für die üblichen Mißverständnisse öffnet (currency-vs-credit-debatte, currency school vs. banking school etc.), die Stützel mit seiner Präzision bereits geklärt und ad acta gelegt hatte.

    Du schreibst noch:

    „Wenn Verschuldung laut Stützel ein Kaufüberschuss ist, dann ist der Goldkauf der Notenbank genau dies, ein Kaufüberschuss.“

    Ich fürchte, da wirfst Du verschiedenes durcheinander. Der Goldkauf ist einfach ein Kauf, und kein Kaufüberschuss. Der wäre doch überhaupt nur nur per Saldierung von Käufen und Verkäufen zu ermitteln.

    Betrachtet man den Goldkauf isoliert, dann wäre es ein mit Kredit verbundener Kaufüberschuss – aber das widerspricht nirgends Stützels Begriffsdefinitionen. Wenn Du schreibst, „wenig hilfreich“, fürchte ich, du hast noch nicht verstanden, daß Stützels Differenzierung essentiell und absolut notwendig ist (s.o.) – ich hoffe, mein Erklärungsversuch („pro Stützel, contra JB“) war halbwegs verständlich … und vielleicht wird so auch verständlich, daß ich mich lieber an Stützel im Original halte als an JB’s Popularisierungen – die ich aber unbedingt als Stützel-Propaganda für sinnvoll und nötig halte! 🙂

    1. >>>Ich fürchte, da wirfst Du verschiedenes durcheinander. Der Goldkauf ist einfach ein Kauf, und kein Kaufüberschuss. Der wäre doch überhaupt nur nur per Saldierung von Käufen und Verkäufen zu ermitteln.

      Ach Wolfgang – und ich fürchte, Du kommst ganz schön von oben herab daher, obwohl Du wie oben dokumentiert, einen wesentlichen Punkt der Saldenmechanik wohl noch nicht verstanden hast:

      Geldvermögensänderungen haben mit Kredit und Zahlungsmitteln nichts direkt zu tun.

      Die Notenbank bekommt beim Goldkauf eine Leistung aus dem Wirtschaftskreislauf ohne Gegenleistung – genau dies ist ihr Kaufüberschuss und der Verkaufsüberschuss des Goldverkäufers.

      Sie macht Schulden, die sie zugegeben sehr komfortabel finanzieren kann. Trotzdem hat Sie nach Goldkauf Schulden (Kaufüberschüsse) in Höhe des Goldkaufes, wie man unschwer ihrer Bilanz entnehmen kann.

      Gerade diese Definition von Verschuldung öffnet den Blick auf die Trivialzusammenhänge z.B. von

      Kauf = Verkauf

      Verkaufsüberschuss (Geldvermögensaufbau) des Einen = Kaufüberschüsse (Verschuldung) des Rest der Welt.

      globales Staatsschuldenwachstum = Nettogeldvermögensbildung der Privaten.
      nationales Staatsschuldenwachstum = Nettogeldvermögensbildung der Inländer minus Kaufüberschüsse des Auslandes

      Was hat dies alles mit Zahlungsmittel und Bankkredit zu tun?

      Nichts, gar nichts, dass ist der Kern der saldenmechanischen Erkenntnisse, deren Praxis-Nutzung so dringend ansteht.

      Wo ja jeder, der dies noch nicht gerafft hat, sofort mit irgendwelchen Zahlungsmittel- und Bankkreditbetrachtungen gegenhalten will.

      Da ist auch gar nichts verkürzt popularisiert, das Problem sind die Verkomplizierer, die mit „Ja-aber – Beiträgen“
      diese Trivialitäten, welche ein Grundschüler problemlos begreifen könnte, ins Reich der Komplexität verschieben wollen.

      Und mit der These vom Nettogeld wärst Du bei Stützel ja auch durch die Prüfung gefallen. 🙂

      https://guthabenkrise.wordpress.com/2012/10/01/der-monetare-idiotentest-hoffentlich-demnachst-in-ihrem-parlament/

  3. Stimmt so nicht.

    Geld kann auch ein Ding sein und war es auch, Goldmünzen z.B., oder Gold als internationales Zahlungsmittel im Goldstandard.

    Nur wird es saldenmechanisch dann als Sachvermögen behandelt, also als forderungsloser Vermögenswert, und nicht zum Netto-Forderungsvermögen (Forderungen minus Verbindlichkeiten) gezählt (letzteres kann innerhalb einer Einzelbilanz einen Saldo ungleich Null ergeben, in der gesamtwirtschaftlichen Bilanz nicht).

    Außerdem können auch, wenn „Güter-Geld“ verwendet wird, Nominalforderungen alle Geldfunktionen erfüllen und damit die Verwendung von Gütergeld reduzieren und im Extremfall überflüssig machen (z.B. Wechsel ab dem 12. Jahrhundert).

    Saldenmechanische Betrachtungen bleiben gültig, wenn man Gütergeld zum Sachvermögen zählt.

    Sinnvoll ist daher primär die Unterscheidung: Forderungen vs. forderungslose Vermögenswerte (nur letztere sind gesamtwirtschaftlich „Netto-Vermögen“, erstere sind gesamtwirtschaftlich ein vermögensmäßiges Nichts, da jeder Forderung eine Verbindlichkeit in gleicher Höhe gegenübersteht.

    Dann ist Kreditgeld eine Teilmenge der Forderungen, Sachgeld eine Teilmenge des forderungslosen Sachvermögens, und die Diskussion, ob Geld ein Ding oder eine Schuld ist, kann man sich in die Haare schmieren, weil die Frage falsch gestellt ist.

    1. Hallo Wolfgang,

      schön mal wieder von Dir zu lesen,

      >>>wenn Geld als Ding erscheint, so ist dies eine Verbriefung einer Forderung.

      ist dies so wesentlich anders als Deine Ausführungen? 🙂

      Weil ihr dies beim “Piratenstützeln” hattet – Stützel hat ja auch die monetisierten Goldbestände der Notenbanken zum “Nettogeldvermögen” erklärt. Ich finde dies wenig hilfreich, Wenn Verschuldung laut Stützel ein Kaufüberschuss ist, dann ist der Goldkauf der Notenbank genau dies, ein Kaufüberschuss.

      Wenn man innerhalb der saldenmechanischen Systematik bleibt, dann ist dies einfach Sachvermögen und gut – einfache Dinge bleiben einfach.

      1. Hi Jörg,

        ja klar, Warengeld ist Sachvermögen (forderungsloser Vermögenswert).

        Aber wenn es das gibt, gilt eben nicht mehr: Netto-Finanzvermögen (Netto-Geldvermögen) = Forderungen minus Verbindlichkeiten.

        Sondern:

        Netto-Geldvermögen = Zahlungsmittelbestand (Warengeld + Kreditgeld) plus restl. Forderungen minus Verbindlichkeiten.

        Wobei „Zahlungsmittel“ gemeinsam haben, daß sie keinen definierten Fälligkeitstermin kennen (Warengeld hat natürlich gar keinen, Sichtguthaben sind „jederzeit fällig“, können also auch beliebig lang gehalten werden).

        „Forderungen“ dagegen haben gemeinsam, eine Gläubiger/Schuldner-BEZIEHUNG darzustellen und „netto“ ein Nullvermögen darstellen.

        Es gibt also eine Schnittmenge zwischen der Menge aller „Zahlungsmittel“ und der Menge aller „Forderungen“, aber auch sich einander ausschließende Teilmengen (die der forderungslosen „Warenzahlungsmittel“ und die der Forderungen mit definiertem Fälligkeitstermin).

        Ich glaube, Stützel definiert das ja auch genau so, und so ist das korrekt und hat die nötige Präzision und Allgemeinheit zugleich. Du hast es im Anschluß an Stützel ja selber so definiert:

        https://guthabenkrise.wordpress.com/2014/01/23/geld-kauf-und-bezahlung/

        Nur hast Du da nicht explizit gemacht, daß „Zahlungsmittelbestand“ Warengeld UND Kreditgeld (jederzeit fällige Forderungen gegen Banken) umfaßt, und daß „Kreditzahlungsmittel“ sich von „Forderungen“ dadurch unterscheiden, daß ein definierter Fälligkeitstermin fehlt (was den Schuldnern der Banken und damit auch den Banken selbst ein Liquiditätsproblem schaffen kann, sobald Kreditzahlungsmittel über den Termin der ihrer Entstehung zugrundeliegenden, von der Bank „angekauften“ und aktiv eingebuchten Forderung hinaus gehalten werden).

        Macht man das noch explizit, dann hat man alle relevanten Unterscheidungen drin und kann so dann auch realistisch über Systeme mit „Warengeld“ nachdenken (die es historisch ja gab, aber nur gleichzeitig mit Kreditgeld), korrekt gegen Goldbugs argumentieren, die „currency vs. credit“-Debatte (als Scheinwiderspruch) auflösen und ad acta legen, deren Neuauflagen in der geldtheoretischen Debatte immer noch für Verwirrung sorgt (Mehrling macht das sehr schön klar in seiner Hiearchy of Money:

        http://economics.barnard.edu/sites/default/files/inline/what_is_monetary_economics_about.pdf

        Damit haben wir (endlich!) die Klarheit, die wir beim Thema „credit and money“ brauchen!

        1. >>>ja klar, Warengeld ist Sachvermögen (forderungsloser Vermögenswert).

          >>Aber wenn es das gibt, gilt eben nicht mehr: Netto-Finanzvermögen (Netto-Geldvermögen) = Forderungen minus Verbindlichkeiten.

          Warum willst Du einen Sachwert zweimal bilanzieren?

          Wenn wir den Warenwert z.B. einer Goldmünze dem Sachvermögen zuschlagen, was nun mal gesamtwirtschaftlich 100% netto ist, dann stehen dem Forderungswert dieser Münze exakt Verbindlichkeiten in gleicher Höhe gegenüber.

          Eine Forderung ist ohne zugehörige Verbindlichkeit nun mal nicht definierbar.

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