Deutschland – mit 3 Punkten aus der Guthabenkrise


Deutschland ist in einer schlimmen ökonomischen Krise, einer Guthabenkrise,  in der die Deutschen ca. 200 Mrd €/Jahr  über ihre Verhältnisse sparen. Dies zeigt sich nur deshalb nicht in explodierenden Arbeitslosenzahlen, weil wir die Krise bisher scheinbar erfolgreich exportieren. Der Schein trügt aber, die ca. 200Mrd.€/Jahr mit der wir das Ausland über Exportüberschüsse verschulden, werden wir am Ende weitgehend abschreiben dürfen. Dies, weil wir mit Exportüberschüssen = Verschuldungsexport Krisen in den Schuldnerländern auslösen.

Die auch für den Frieden gefährliche Guthabenkrise können wir mit 3 Punkten überwinden:

1.keine Prämien mehr für Nachfrageverzicht (fast erledigt)
2. zurück zu Blüm – Erwartungen auskömmlicher Renten schaffen
3. Löhne steigen wieder um Zielinflation plus Produktivitätswachstum

3. ermöglicht 2.
Ein Teil der Brutto-Lohnsteigerungen  wird für steigende Rentenbeiträge  zum Teil wieder drauf gehen, aber so what? Jetzt steuern wir mit schlechteren Lohnentwicklungen Richtung Katastrophe!

Ergänzungen und Verfeinerungen gäbe es natürlich zuhauf, wollte aber erst mal ein triviales Grundmuster jenseits der scheinbaren Alternativlosigkeiten zeigen.

4 Kommentare zu „Deutschland – mit 3 Punkten aus der Guthabenkrise“

  1. Der hier benutzte Begriff Guthabenkrise gefällt mir sehr gut, da er unmittelbar auf das zu behebende Problem deutet. Wenn auch die Löhne am unteren Ende sicher erhöht werden müßten, kann eine pauschale Erhöhung der Löhne nicht die Lösung sein. Exportüberschüsse würden auch zurückgehen, wenn all die Ausgebeuteten in der sogenannten dritten Welt einen gerechten Lohn erhielten. Die Importpreise würden sich erhöhen und damit die Exportüberschüsse verringern.

  2. Der grosse „Verlierer“ wird letztendlich die USA sein, auch wenn das Ergebnis dieser Entwicklung erst in Umrissen sichtbar ist: Gelingt es der USA nicht ihre Handelsbilanz zu „drehen“, dann wird das Ausland immer mehr US-Devisen, US-Anleihen, US-Staatsanleihen und US-Beteiligungen akkumulieren. Man spürt bereits das Unbehagen der USA dem Ausland US-Staatsanleihen „abzutreten“, was sich im Verfahren des Aufkaufs der US-Staatsanleihen durch die eigene Notenbank manifestiert. Man bekämpft ein Übel – den ausländischen Besitz an US-Staatsanleihen – und erhält ein anderes dafür: den ausländischen Besitz an US-Unternehmen. Letztendlich werden die Ausländer ihre US-Devisen gegen Beteiligungen tauschen und sie solcherart wieder bei den US-Haushalten platzieren, sodass die Verschuldung im Inland zunimmt und gleichzeitig der ausländische Besitz an US-Unternehmen explodiert. Nun muss das ökonomisch keine Einbussen für die USA bedeuten, aber politisch ist es eine Katastrophe. Man kann hier in Europa zur Genüge beobachten wie Staaten durch ausländisches Eigentum erpressbar gemacht werden: Man muss Zugeständnisse bei Steuern machen, beim Arbeitsrecht und vieles mehr. Auf diese Art verliert der US-Staat seine Fähigkeit die Bevölkerung nach innen zu „befrieden“ und macht sich mehr und mehr zum Fürsprecher ausländischer Konzerne und ihrer Gewinne. Man kann das Ganze mit einem trojanischen Pferd vergleichen, aus dem immer mehr Forderungen gegen die USA erwachsen, nicht bloss finanziell, sondern vor allem: politisch.

    Alfred Felsberger

  3. >Der Schein trügt aber, die ca. 200Mrd.€/Jahr mit der wir das Ausland über Exportüberschüsse verschulden, werden wir am Ende weitgehend abschreiben dürfen.> Naja, Herr Buschbeck, das erscheint mir doch etwas weit hergeholt. Wer sind denn die grössten Schuldner Deutschlands? Ohne es zu wissen, sage ich mal ganz salopp: Die USA und Rest-Europa. Wie die USA das Problem von Verschuldungskrisen löst, ist hinlänglich bekannt: Über ZB-Geld (=Staats-Neuverschuldung), sie liefert also Devisen. Wie sollten diese wertlos werden, wenn sie beliebig vervielfältigbar sind? Einzige Antwort: Abwertung des Dollars. Das ist aber ein kontinuierlicher Prozess, der nicht von heute auf morgen zu Buche schlägt. Dem steht überdies die Möglichkeit gegenüber, dass die deutschen Unternehmen mit ihren Dollar-Beständen Beteiligungen an den US-Unternehmen erwerben. Für diesen Fall ist die mögliche Abwertung des Dollars noch mehr gemildert, weil ja zumindest Dollar-Gewinne aus diesen Beteiligungen zu erwarten sind.

    Bleibt als wirkliches Problem nur Resteuropa. Und wie das seit geraumer Zeit gelöst wird, ist auch bekannt: Man trocknet die europäische Peripherie aus, indem man die Finanzierung des deutschen Exports (über Garantien des deutschen Staates) zurückfährt und drosselt. Man sagt also: Wir dulden die Defizite nicht länger, ihr müsst „sparen“, wir garantieren nur mehr eingeschränkt für Eure Schulden! Wohin das führt, ist klar: Die deutschen Unternehmen werden den Export in die europäische Peripherie drosseln und dafür den US-Export und sonstigen ankurbeln. Das ist vielleicht das Zynischste an dem Euro-Projekt: Dass Devisen als Bezahlung vom Ausland akzeptiert werden, aber nicht mehr Euro-Forderungen. Man schmeisst also Rest-Europa einfach weg und lebt auf Kosten von anderer. Und das ist nicht einmal ein Vorwurf an Deutschland, sondern vielmehr: ein strukturelles Versagen einer infantilen Währungskonstruktion.

    Alfred Felsberger

  4. Meines Erachtens bedarf der zweite Punkt – dem ich absolut zustimme – einer kleinen, aber wichtigen Ergänzung:

    Die gesetzliche Rente muss zu einer Bürgerversicherung umgestaltet werden, in die jeder einzahlen muss. Und war OHNE Beitragsbemessungsgrenze! Es gibt eine Mindestrente im Alter (z.B. aktuell 1.000 EUR) und eine Höchstrente (z.B. aktuell 5.000 EUR).

    Darüber hinaus bräuchten wir eine sehr viel höhere Tarifbindung sowie Flächentarifverträge. Unternehmen sollen über ihre Leistung miteinander konkurrieren, nicht über die Löhne.

    Ebenso wäre z.B. neben einem Mindestlohn, auch über Maximallöhne (Robert Bosch Prinzip) nachzudenken sowie über einen kompletten Umbau unseres Steuersystems.

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