Superkommentar@felsberger2012 – Kapitalismus jenseits der Verwirrspiele erklärt

Das System funktioniert ganz simpel. Die Unternehmen verschulden sich, zahlen Löhne an die Arbeiter, Gewinne an die Eigentümer und Zinsen an die Geldkapitalisten (=FK-Geber). Anschliessend werden die produzierten Waren an eben diese drei Klassen abgesetzt, was den Unternehmen Entschuldung erlaubt. Im Idealfall ( bei einer Abschreibungsperiode von einem Jahr) löst sich alle Verschuldung am Ende des Produktionszyklus in Luft auf und Arbeiter, Eigentümer und Geldkapitalisten sind mit Waren versorgt. Aber weil das Sytem eben nicht ideal funktioniert, bleiben am Ende der Periode Geldforderungen der Arbeiter, Eigentümer und Geldkapitalisten über, und diese Geldforderungen blockieren das System. Der Absatz läuft nicht auf Hochtouren, sondern unterhalb des Gleichgewichtsniveaus: Arbeitslosigkeit, hohe Lagerbestände und Unterauslastung der Kapazitäten sind die Folge. Somit ist das Geldsparen die Ursache alle wirklichen Krisen. Unternehmen gehen in Konkurs und die drei Klassen müssen Geldforderungen abschreiben. Mehr gibt`s zum Kapitalismus nicht zu sagen, und jeder, der mehr hineindichtet, ist ein Phantast.

43 Kommentare zu „Superkommentar@felsberger2012 – Kapitalismus jenseits der Verwirrspiele erklärt“

  1. Ich beharre darauf, dass es nicht so einfach sein kann. Denn: Kapitalismus ist kein statisches System. Es ist ein dynamisches System. Und die Triebfeder der Dynamik ist die Produktivitätszunahme, der technische Fortschritt oder egal wie man es nennt, wenn in derselben Zeit durch neue Verfahren mehr Output produziert oder in kürzerer Zeit derselbe Output werden kann.

    Das kann nicht wegdiskutiert werden. Und es kann nicht wegdiskutiert werden, dass die gesamtgesellschaftliche Produktion durch private Einheiten erbracht wird, die zueinander in Konkurrenz stehen.

    Es löst sich nach einer Periode eben nicht alles in Wohlgefallen auf, wenn bei den Unternehmen sich einige ein größeres Stück des vorgeschossenen Kuchens einverleiben können. Egal mit welchen Mitteln. Sei es, dass geringere Löhne bezahlt werden, sei es dass sie Vorschriften und Auflagen umgehen oder sei es dass sie “produktiver” geworden sind.

    Oder wo ist mein Denkfehler?

    1. @Widerborstig,

      richtig. Spielt man diesen Gedanken weiter, indem man auf billige Polemik und ideologische Verzerrungen verichtet, gelangt man schnell zur Einsicht, dass Unternehmen es im globalen Wettbewerb mit anderen Anforderungen zu tun haben, als Staaten. Unternehmen erarbeiten neue Produkte und Dienstleistungen, um Marktanteile zu erringen und eine angemessene Rendite zu erwirtschaften. Hierzu müssen sie bessere Produkte und Dienstleistungen kostengünstiger als ihre Wettbewerber anbieten. Also steigern sie ihre Effizienz, senken die Kosten und reduzieren den Personalbestand.

      Versucht man, diese Strategien und Maßnahmen auf Volkswirtschaften zu übertragen – mit publizistischem Großeinsatz empfehlen Politiker, Publizisten und Berater immer wieder, Deutschland wie ein Unter­­nehmen zu führen, um so die Deutschland AG fit zu machen für den globalen Wettbewerb – so wird ein unüberbrückbares Dilemma offen­­bar; der zu einem Ungleichgewicht führt.

      Welche Regierung kann einen deutschen Staatsbürger aus Deutschland entlassen, damit die verbleibenden es wirtschaftlich besser haben? Wie soll die deutsche Bevölkerung, der Personalbestand der Deutschland AG, sozialverträglich abgebaut werden? Wie soll ein auf sein nationales Territorium beschränkter Nationalstaat seine Aktivitäten globalisieren?

      Im Wettbewerb von Volkswirtschaften geht es nicht um Marktanteile sondern um private Investitionen, geht es nicht um Kosten senken, sondern darum, die verfügbare Kaufkraft zu erhöhen, geht es nicht um die Maximierung von Privateinkommen, sondern um die Optimierung des Volkseinkommen.

      Sehen Sie, die Ungleichgewichte? Nochmals: die Quelle dieser Verwerfungen (wir sind erst am Anfang) sind eindeutig für mich, nach heutigem Kenntnisstand, in den Währungs,- und Bankenssytem (e) angesidelt.

      Diese Casino Mentalität verkennt, dass wertschöpfende Tätigkeit zu einem Zugewinn führt, der allen Beteiligten zu Teil werden kann. Wirtschaften kann nicht auf die Verteilung von Wohlstand reduziert werden. Wirtschaften ist das Erschaffen von Wohlstand. Das gilt auch für grenzüberschreitendes Wirtschaften.

      Wer das bis heute nicht verstanden hat, – oder vielleicht, – nicht verstehen will – versteht offensichtlich nicht, dass es sich hierbei, um Umwerteilungssysteme handelt die weder mit Kapitalismuskritik, noch Sozialromantik etwas gemeinsam haben.

      1. @Nabucosodor

        » gelangt man schnell zur Einsicht, dass Unternehmen es im globalen Wettbewerb mit anderen Anforderungen zu tun haben, als Staaten.«

        Das ist völlig richtig.

        »die Quelle dieser Verwerfungen … sind eindeutig für mich,…in den Währungs,- und Bankenssytem (e) angesidelt.»

        Das sehe ich anders.

        Die Quelle der Verwerfungen liegt im Widerspruch zwischen der Logik der einzelwirtschaftlichen Sichtweise (Konkurrenz) und der Logik der gesamtwirtschaftlichen Betrachtungsweise. auf der gesamtwirtschaftlichen Ebene ist die Einnahme des einen eine Ausgabe eines anderen und umgekehrt. Dieser Widerspruch ist eine Rationalitätenfalle.

        Auf der gesamtwirtschaftlichen Ebene ist zur Auflösung der Rationalitätenfalle Kooperation notwendig. Die spannende Frage ist: Wie organisiere ich diese Kooperation? Und diese Organisation wird sicherlich nicht nur auf Elemente des Währungs- und Bankenbereiches beschränkt bleiben können.

        Löhne und Preise sind – vermutlich – wichtiger.

        1. @widerborstig,

          doch! Geschäftsbanken nutzen die Mechanismen des Zinssystems zur Einflussnahme auf die Gesellschaft. Die Mechanismen des Zinssystems führen zu einem ständig steigenden Abfluss des Geldes aus dem Raum der Realwirtschaft in den Raum Finanzwirtschaft. Staat und Wirtschaft müssen das im Realwirtschaftsraum fehlende Geld ständig ersetzen. Es kommt zu einer dauerhaften steigenden Verschuldung der realwirtschaf und des Staates sowie deren Abhängigkeit von den Geschäftsbanken und den dahinterstehenden Vermögenden.

          GB können, wenn sie im Gleichschritt agieren, Giralgeld aus ihrer Sicht wie aus dem Nichts schöpfen und für eigene Zwecke verwenden. Ich dachte, na ja, es ist so eine Art Verschwöhrungstheorie oder Gehirnwäsche und so weiter und so fort….musste mich aber nach Jahrelangen Recherchen eines Besseren belehren lassen! Es ist dabei hervorzuheben, dass es sich hierbei, um strukturbedingte Verwerfungen handelt.

          Mit der Abschaffung des Bargeldes (ZB-Geld) wären die GB mit einem Schlag praktisch von ihren Schulden befreit!

          1. Im Grunde, Herr Nabuscudor, reduziert sich ihre Argumentation darauf, dass der Zins eine „irreguläre“ Einkommenskategorie sei, während Lohn und Gewinn integraler und notwendiger Bestandteil dieser Welt seien. Sie übersehen schlichtweg, dass alle Einkommenskategorien Geldgrössen sind. Ex ante wird den Klassen (Eigentümer => Gewinn; Arbeiter => Lohn; Banken + Geldkapitalisten => Zins) eine Geldgrösse zugewiesen, die dann zum Bezug realer Waren berechtigt. Die Grösse des Warenberges ist zu diesem Zeitpunkt unbekannt, sodass die realen Einkommen sich ex post bestimmen. Nichts deutet daraufhin, dass der Zinssatz anders arbeitet als der Gewinn oder der Lohn. Kapitalismus heisst nun mal per Zahlensystem einen Anteil an einem unbekannten Gesamtprodukt festzulegen. Die Unternehmen sind dabei die Verrechnungsstelle, die die Ausschüttung dieser Einkommen (über Verschuldung) handhaben und sich beim Rückfluss dieser Gelder entschulden. Das Ganze funktioniert wie ein Schuldzettelsystem, wo der reale Warenberg, der erwirtschaftet wird, unbekannt ist und nach Aufteilung eben dieses Warenberges die Schuldzettel zerrissen werden. Wie kommt man darauf, dass der Zinssatz in diesem Gefüge irregulär sei? Will man einem Kapitalisten, der Eigentümer eines Unternehmens ist, ein Einkommen zugestehen, aber dem gleichen Kapitalisten, der Eigentümer von Schuldzettel ist, keines? Wenn Marx den Menschen was gelehrt haben soll, dann: dass Eigentum nun mal zu Einkommen berechtigt, dass dies strukturell verankert ist in einem System, das auf Eigentum fusst. Es hat Null Sinn eine Einkommenskategorie in diesem System zu verteufeln, es führt bloss dazu, einen Teil der Kapitalisten zu brandmarken. Es ist eine Hassphilosophie, die es auf Ausgrenzung und Verteufelung eines Teils der Kapitalisten („Geldkapitalisten“) anlegt und das Ganze ungeschoren davon kommen lässt. So wird die Menscheit nicht weiter kommen, und sich weiter nur in sinnlosen Grabenkämpfen verlieren….

            1. Was wirft man den Geschäftsbanken nicht alles vor? Die einen sagen, ihr Eigenkapital sei zu hoch („sie seien zu reich“), die anderen sagen, ihr Eigenkapital sei zu gering („sie seien instabil“). Die einen sagen, die Geschäftsbanken vergeben zu viel Kredit, die anderen wiederum behaupten, sie vergeben viel zu wenig Kredit. Es ist ein Narrenhaus, was die Gesellschaft hier mitmacht und alles Denken zentriert sich um die Geschäftsbanken. Sie sind aber nicht das Um und Auf in dieser Welt, sie sind blosse Vermittler von Kreditgeschäften, die auch ohne sie existieren würden. Letztendlich entsteht der Kreditbedarf aus dem Bedarf an „Schuldzetteln“, die man zur Zuordnung des realen Produkts benötigt. Würde sich kein Unternehmen verschulden, wüsste niemand wie das Endprodukt aufzuteilen sei. Die Geschäftsbanken erfüllen bloss die Rolle, die ihnen strukturell zugewiesen ist: Sie versorgen die Welt mit „Schuldzettel“. Und dann kommen so Überschlaue und machen den Geschäftsbanken genau das zum Vorwurf. Wenn`s nicht so traurig wäre, müsste man lachen…..

            2. Lieber Felsberger,

              ich werfe den GB nichts vor, sondern halte mich an Fakten! Dabei verzichte ich mit ideologischen Keulen zu argumentieren, wie den Geldkapitalisten ausbeuterische Absichten zu unterstellen.

              Eine vorurteilfreie genaue Analyse lässt keine Zweifel offen, dass das Bankensystem (strukturbeingt) die Realwirtschaft zu einer Quelle von Provisionen degradieren lässt, – und vorallem, dem Staat ausplündert, dadurch es zu Vermögens – und Machtkonzentration kommt. Im Gegensatz zum Staat brauchen die GB ihre Schulden gegenüber dem Publikum nicht zurückzuzahlen. Es sind Dauerschulden auf Bargeld, die das Publikum nicht einfordert.

              Quelle: Goetz von Peter, Ryan Stever: BIZ: Quartalsbericht, Juni 2007

              Das geht so weit, dass das Geld der vermögenden Anleger, welches den Zwang hat, sich vermehren zu müssen, immer mehr gemeinschaftliche Einrichtungen als Gegenstand der Vermehrung benutzt. Diese werden zu diesem Zweck privatisiert. Der vermögende Anleger zerstört im Zusammenwirken mit den Banken die Gemeinschft, egal, ob er es will oder nicht!

              1. Herr Nabucosodor: Das Bankensystem ist nicht „reich“. Sein „Reichtum“ besteht aus dem akkumulierten Eigenkapital, das eine Differenz ist aus Zinsforderungen auf der Aktivseite und Zinszahlungen auf der Passivseite. Dieses EK ist mehr als bescheiden, was ja auch der Grund dafür ist, dass das System wiederkehrend wackelt. Ich habe keine Ahnung, aber wenn das aufsummierte EK des Bankensystems in AUT zum Beispiel höher als 50 Milliarden ist, würde es mich wundern. Das ist ein Pappenstiehl für unser Land. Die Banken sind nicht „reich“, diesen Gedanken sollten sie schleunigst aus ihrem Kopf streichen….

                1. Lieber Herr Felsberger,

                  „Die Banken sind nicht “reich”, diesen Gedanken sollten sie schleunigst aus ihrem Kopf streichen….“

                  Herr Felsberger, ich schätze Ihre Kommentare wirklich und nochmals: ich betrachte mich als Ihr Schüler was Wissen und Formulierung komplizierten Zusammenhänge angeht, muss aber hervorheben, dass Sie mich falsch interpretierten.

                  Um es ganz klar auszudrücken; ich habe niemals behauptet, dass Banken reich sind!!!!

                  Im Gegenteil! Banken sind gegenüber der Gesellshaft hoch verschuldet! Wir (Gesellschaft-Realwirtschaft-Staat) forndern aber die GB nicht auf ihre Schulden zurückzuzahlen!

                  Zu EK folgendes: Nach den Regeln
                  von Basel II sowie Basel III sollen Kredite mit 8 Prozent Eigenkapital oder mehr gedeckt werden, je nach Risikogehalt dieser Kredite. Eigenkapital ist aber nichts anderes, als die
                  rechnerische Differenz zwischen der Summe aller Posten der Aktivseite und den Schulden auf der Passivseite der Bilanz. Welche Zahlenbeträge für die Posten der Aktivseite in diese Rechnung wirklich eingesetzt werden, d.h. die Regeln ihrer Bewertung, erfährt die Öffentlichkeit aber nicht!

                  Diese Schulden können errechnet werden, indem zu der Giralgeldmenge der Publikumsebene der Anschaffungswert, der von der GB herausgegebenen und im Besitz des Publikums befindlichen Wertpapiere addiert werden und dannach die Forderungen der GB an wirtschaft und Staaten abgezogen werden. Übrig bleibt das aus der Sicht der GB in Kooperation (Interbankebene) aus dem Nichts geschöpfte Giralgeld (97% Geldmenge Quelle: Prof. Baader), mit dem diese die Entnahmen getätigt hatten.

                  Schulden aller GB =

                  Giralgeldvermögen der Publikumsebene

                  +

                  Anschaffungswert. der von GB herausgegebenen und im Besitz des Publikums befindlichen Wertpapiere

                  Forderungen der GB gegenüber Wirtschaft und Staaten

                  Auch bei der letzten Währungsreform in BRD waren die einzigen Nutzniesser die GB. Achtung: Es geht hier nicht das Spiel böse Banken usw., sondern es handelt sich, hierbei um eine Fehlerkonstruktion im System!

                  1. Herr Nabuscudor: Ich bin sehr erstaunt. Sie verstehen, was das EK des GB-Sektors ist, nämlich die rechnerische Differenz zwischen Forderungen und Verbindlichkeiten. Sie wissen auch, dass dieses EK positiv ist. Und trotzdem sprechen sie davon, dass Banken „(netto-)verschuldet“ seien, was im herkömlichen Sprachgebrauch nichts anderes bedeutet: als dass das EK negativ wäre. Sie widersprechen sich selbst, wenn Sie mich fragen. Ist das EK des Bankensektors aus Ihrer Sicht nun positiv oder negativ? Soweit ich sehe, stossen Sie sich daran, dass die Bilanzierungsregeln eine „Überbewertung“ der Forderungen zulassen. Mag sein, das kann ich nicht beurteilen. Aber man kann nicht bestreiten, dass unter gegebenen Regeln das EK des Bankensektors positiv ist, er somit Netto-Gläubiger und nicht Netto-Schuldner ist. Die rechnerische Formel für das EK, die sie aufgestellt haben, ist korrekt. Nur das Ergebnis ist ein anderes, nämlich positiv und nicht negativ. Das sollten sie als erstes Mal akzeptieren. Von da aus kann man dann weiter diskutieren…..

                    1. Lieber Herr Felsberger,

                      solange man mit Eigenkapital als Sicherheit zur Bank geht und die erzeugt aus dem Nichts echtes Geld, das eine Zahlungsmittelfunktion hat,
                      haben wir ein Problem.

                      Eigenkapital ist eben kein Geld, es ist eine Rechengröße. Nach irgendwelchen Regeln wird die Aktivseite bewertet und dann die Schulden abgezogen.

                      HORST SEIFFERT beschreibt das in seinem Buch „GELDSCHÖPFUNG“ hervorragend.

                      Zitat: „Zwischen den Banken zirkuliert das von den Banken selbst erschaffene Giralgeld. Jede Bank hat das Bestreben, die Differenz der initiierten Zahlungen ihrer Kunden positiv zu gestalten. Das bedeutet, dass bei anderen Banken die Differenz zwischen den Zahlungseingängen und Zahlungsausgängen unweigerlich negativ wird.
                      Für die eine Bank ist es ein Gewinn und für die andere ein Verlust.

                      Geben sich auf Interbanken-Ebene Geschäftsbanken gegenseitig Kredite, …„gleichen sich die Kreditsummen aus und sind für die beteiligten Banken ein Gewinn. Dieser wurde von den Banken gemeinsam aus ihrer Sicht aus dem „Nichts“ geschöpft.“ „(kooperative Geldschöpfung)“ (HORST SEIFFERT).

                      Natürlich, bin ich auch diese Quelle gründlich nachgegangen und habe versucht, auf der Basis meiner beruflichen Erfahrung (ich weiss, wie eine Bank von innen aussieht) stichhaltige Anhaltspunkte, ob und wie fern es tatsächlich so abläuft.

                      Es ist so raffiniert eingefädelt, dass es genial ist. Das wertvollste Asset der Geschäftsbanken ist ein Stück Papier, – die BANKLIZENZ – zum Giralgeld zu erzeugen. Die Möglichkeit, diese zu verlieren wäre doch als Strafmaß eine Überlegung wert. Aber dies kann (oder darf) nicht sein: Die entsprechenden Banken sind ja „too-big-too-fail“!. Stattdessen versucht die Politik, das deckungslose Falschgeldsystem durch Steuergelder über Rettungsschirme und Bankenunion zu „retten“ und toleriert dabei die Schwächung des Rechtssystems, die Verarmung ganzer Bevölkerungsschichten und der Aushölung der Demokratie!.

                      Abschliessend: Überlegen Sie mal in alller Ruhe nach folgendes Beispiel;

                      Mit Hilfe des EZB Instruments „Mindestreserve“ können Geschäftsbanken Giralgelder in rauhen Mengen herstellen – oder „hebeln“. Mit einer mittleren Kundeneinlage von beispielsweise 8 Mio. Euro lassen sich theoretisch Giral-Geldmengen in Höhe von 800 Mio. Euro hebeln. … „Doch was kann eine Bank tun, die nicht in ausreichendem Masse über solche Kundeneinlagen verfügt, um Kredite an andere Kunden auszugeben, und die schon gar nicht über das Vertrauen verfügt, dass sie von einer anderen Bank einen Interbanken-Kredit bekommt. Ganz einfach, die Bank leiht sich – mit etwas gutem Willen – frisches Geld bei der Zentralbank und generiert so ein vollständig ungedecktes Falschgeld.

                  2. >Wir (Gesellschaft-Realwirtschaft-Staat) forndern aber die GB nicht auf ihre Schulden zurückzuzahlen!> Man kann auf drei Arten bezahlen: 1) einen Kredit nehmen und bezahlen, 2) durch einen Forderungsübertrag bezahlen, und 3) den Kredit bezahlen. Was Sie von der Ökonomie verlangen ist, dass nur mehr nach Methode 1) und 3) bezahlt wird. In Wirklichkeit aber ist die vorherrschende Methode Nummer 2): Ich bezahle Sie durch Überweisung, indem ich eine Forderung, die ich gegen den GB-Sektor habe, an Sie, abtrete. Wie kompliziert wäre die Welt, wenn wir jedesmal Öffnung und Schliessung eines Kredits verlangen würden, wenn wir zahlen. Was Ihnen vorschwebt, dass eines Tages aller Kredit bezahlt wird, ist völlig absurd. So funktioniert Kapitalismus nicht. Es wird immer nur ein Teil der Kredite bezahlt, während die grosse Masse der Forderungen übertragen werden (Gläubigerwechsel). Sie verlangen von Banken, was der Kapitalismus eo ipso gar nicht vorsieht!

                  3. Lieber Herr Felsberger,

                    Ihre Fragen sind einfach zu beantworten.

                    Indem die GB mit ihrem eingesetztem EK Werte in einem viel höheren Umfang aus der Publikumsebene (Nichtbanken) abschöpft

                    Sie lassen sich nach wi evor von den Vordergrundprozessen täuschen. Eine Bank erzielt ihren Gewinn nicht aus der Differenz Miete/Abschr. und auch nicht aus den Gebühren der Zahlungsverkehrsleistungen oder der entstehenden Zinsdifferenz zwischen Finanzierungs- und Geldanlageleistungen, weil sich all diese Erträge aus diesen BankDL zwischen den großen GB fast vollständig auf Null kompensieren und zwar in der Art wie ich es vorhin beschrieben hab; nämlich Interbankenebene die den GB vorbehelaten bleibt, darin zirkuliert das NICHT nummerierte Giralgeld!.

                    Nochmals: Giralgeld wird unter Berücksichtigung von derzeit 0,75% Einlagensicherung von GB aus dem Nichts geschöpft und zwar durch Kreditvergabe. Mit anderen Worten, die GB können das 133fache an Giralgeld momentan schöpfen. Die Eigenmittelanforderungen können die Banken ganz legal umgehen, indem sie z.B. Wertpapiere deren Kurs gefallen ist in der Bilanz zum ursprünglichem Wert ansetzen. Was wiederum zur Verzerrung bei der Errechnung der Eigenmittelquote führt.

                    Herr Felsberger, in eingen Punkten liegen Sie falsch, für die (Groß)banken ist nur das Interbankengeschäft entscheidend. Werden nämlich bei allen Banken in derselben Größenordnung Kredite nicht zurückgezahlt, so ändert sich nichts an der Zahlungsbilanz untereinander. Durch Zahlungsein- und ausgänge neutralisieren sich die Ausfälle zwischen den Geschäftsbanken. Keine der beteiligten Banken hat Einbuße.

                    Die Bilanz dient den GB lediglich dazu, die erhaltenen Vorteilsnahmen aus den verborgenen Hintergrundprozessen (Ausgleich von Zahlungen zw. GB im Interbankengeschäft) den sichtbaren Vordergrundprozessen zuzuschreiben. Die Vordergrundprozesse sind die bekannten Bankendienstleistungen, von denen behauptet wird, dass die Bank daraus ihr Einkommen bezieht. Das ist natürlich falsch. Nur der Interbankenmarkt dient den großen GB durch das Tätigen von Entnahmen mit kooperativer Geldschöpfung zur Bereicherung.

                    Gerade weil es ein Nullsummenspiel ist, eignen sich die Banken Leistungen aus der Gesellschaft an (wenn sie Entnahmen tätigen). Es muss nur dafür gesorgt werden, dass die Geldschöpfung gleichmässig über alle GB hinweg erhöht wird. Hinzu kommt noch eine gesetzestreue Manipulation der Eigenkapitalquote mit der die GB z.B. hohe Boni, Honorare oder Zahlungen an Stiftungen legitimieren. Das Prinzip Gewinn = Erlös – Kosten gibt es hier nicht mehr. Das ist der wahre Charakter dieses Abzockvorgangs. Fragen Sie sich doch einfach mal wer von der Lehman Pleite profitieren könnte, vielleicht kommen Sie dann selbst auf die Antwort. ngenommen eine Bank kauft ein neues Gebäude. Dem Verkäufer dieses Gebäudes wird die Zahlsumme durch einen geldschöpfenden Schreibvorgang auf dessen Bankkonto gutgeschrieben. Dieser verwendet nun das Geld und übeweist es auf ein Konto derselben oder einer anderen Bank. Erfolgt die Überweisung zu einer anderen Bank, so erhöhen sich die Zahlungsausgänge der überweisenden Bank. Sind die Zahlungsausgänge höher als die Zahlungseingänge, dann wird innerhalb der Interbankkonten eine Schuld der Bank…

                    1. Herr Nabuscudor: Niemand bestreitet, dass die GB-Geldmenge die ZB-Geldmenge um ein Vielfaches übersteigt. Doch daraus zu schliessen, dass GB-Geld „falsches“ Geld wäre und ZB-Geld „wahres“, ist schlichtweg verrückt. Betrachten sie es doch umgekehrt! Das einzige Geld, das es tatsächlich gibt, ist GB-Geld. Und ZB-Geld ist nur ein „Verrechnungsstandard“, der zwischen den Banken.eingesetzt wird, um Überweisungen zu tätigen. Das ist die richtige Sichtweise: Wir leben in einer Welt von GB-Geld. Nur dieses bildet die Schuldbeziehungen zwischen den Privaten ab, während das ZB-Geld (mit Ausnahme des Bargelds) ein Verrechnungsgeld für die GB`s ist. All die Argumente, die Sie vorbringen, fussen auf der verrückten Vorstellung, dass ZB-Geld das dominante und „wahre“ Geld wäre. Es ist es eben nicht!

                    2. Wie lange muß ich mir eigentlich das Geplärre um ZB und Giralgeld noch anhören? Könnt ihr nicht bitte mal in die Stadtbücherei gehen, euch ein Buch über Buchführung, Berufsschule Wochen 1 bis 4 holen, lesen, lernen, verstehen, gut.

        2. Herr Widerborstig: Der Begriff „Rationalitätenfalle“ ist eine bürgerliche Verharmlosung eines viel treffenderen Marxschen Begriffs: Fetisch. Die Menschen bekommen einen Schuldzettel (=Geld) in die Hand gedrückt und vergöttern ihn wie einen Fetisch ohne zu sehen, dass er bloss ein Anteilsschein an dem von ihnen allen erwirtschafteten Arbeitsprodukts ist. Es entgeht ihnen der gesellschaftliche Zusammenhalt, der im Arbeitsprozess und der Aufteilung seines Resultats liegt, und fügen dem Schuldzettel einen übernatürlichen Sinn zu, den er nicht hat. Sie beginnen ihn zu horten, in der Hoffnung, sich dadurch vom gesellschaftlichen Arbeitsprozess emanzipieren können, und erreichen genau das Gegenteil: seine Blockade. Die Zeit, wo man den Kapitalismus in kuschelweichen Begriffen verharmlost, ist längst vorüber.. Das System ist ein Fetisch für alle, wo niemand mehr durchblickt, ein archaisches Gebilde des Götterglaubens, wo Rationalität überhaupt nicht existiert. Wir leben nicht in einer Welt von Fallen, sondern in einem Gedankengefängnis, das sich die Menschen selbst errichtet haben. Schlimm, dass man das heute – 150 Jahre nach Marx – erst wieder aufs Neue entdecken muss.

          1. Der ganze Kapitalismus ist von seiner Wertstruktur her betrachtet: eine Farce. Das ist die Quintessenz des nitzscheanischen Denkens, dass man die Sinnlosigkeit der propagierten „Werte“ endlich versteht, und sie konsequent umdreht. „Umwertung aller Werte“ ist die Voraussetzung, um das archaische Göttersystem zu entzaubern. Was verlangt man denn vom „guten Bürger“? Rationalität, Planung! Ja wie denn, wo denn? Wo ist das in dieser Welt zu schaffen? Sparsamkeit! Den eigenen Tod verlangt man: Hortung des Geldes! Fleiss? Ja, für wen und für was? Eine Zuordnung zum Ganzen misslingt. Man definiert „abweichendes Verhalten“ und „Verbrecher“ und im nächsten Moment steigt der Gesellschaft hoch, dass sie von sich selbst spricht. Die grössten Heroen entpuppen sich 10 Jahre später als „Verbrecher“. Wer nicht in die Lage ist die „Werte“ des Kapitalismus zu hinterfragen und zu entzaubern, dem wird der Sinn des Ganzen ewig ein Rätsel bleiben………

            1. Man verlangt ja vom „guten Bürger“ auch keine Schulden zu machen, obwohl die Schuld integraler Bestandteil des Verrechnungssystems ist. Man brandmarkt die Schuldner mit dem Zusatz „schuldig“, obwohl sie die Voraussetzung sind, dass andere „sparsam“ sind und Schuldzettel horten. Man verdreht alles in dieser Welt und nennt es dann auch noch „Rationalitätenfalle“, um die Verdrehung zu beschwichtigen, sodass man sich ein „gutes Gewissen“ halten darf. So tickt die bürgerliche Welt und nur ein Phantast glaubt daran sie „heilen“ zu können……

              1. Im Grunde ist die ganze Geschichte des Kapitalismus der Versuch die Widersprüche des „eigenen Wertesystems“ aufzulösen und mit der Realität zu versöhnen: Man hat die Eigentümer von den Unternehmen getrennt, um ihnen die Illusion der „Sparsamkeit“ zu lassen, indem sich nun die Unternehmen und nicht mehr die Eigentümer, verschulden. Man hat ein eigenes Konkursrecht für diese Institutionen geschaffen, um die Strafe der „Schuld“ abzumildern. Man hat dem Staat seine eigene Verschuldung übertragen, um die Illusion des „Geldhortens“ leben zu können. Man hat das Ausland eingespannt, um die Tatsache der Verschuldung weit weg vor der eigenen Haustür installieren zu können. Aber man hat die Rechnung ohne dem Wirt, dem Bürger, gemacht, der nun seine Borniertheit gegen die Institutionen richtet. Er verlangt von ihnen, Unternehmen wie Staat, schuldenfrei zu agieren und zerstört damit seinen eigenen Lebenstraum. Im Endpunkt scheitert der Kapitalismus immer an der Borniertheit des Bürgers, oder wie Marx es lapidar sagte: „Die wahre Schranke des Kapitals ist das Kapital selbst.“

          2. Herr Felsberger,

            ich war viele Jahre in der Finanzwirtschaft tätig, und stimme über weite Strecken mit Ihnen überein.

            Sie schreiben:

            „Sie beginnen ihn zu horten, in der Hoffnung, sich dadurch vom gesellschaftlichen Arbeitsprozess emanzipieren können, und erreichen genau das Gegenteil: seine Blockade.“

            Es gäbe die Möglichkeit fliessendes Geld einzuführen, wo sich die Hortung nicht lohnt. Dies nur neben bei bemerkt!

            Herr Felsberger, verlassen wir mal das Geldsystem und widmen uns der „“Umwertung aller Werte” ist die Voraussetzung, um das archaische Göttersystem zu entzaubern.“

            Jawohl! Eine kritische, faktenbasierte Analyse der Beziehung von Finanz- und Realwirtschaft liefert unabweisbaren Beweise, dass wir alle Geisel eines kranken Systems sind. Das ist der Knackepunkt!Es werden meist Nullsummenspiele durchgeführt, bei denen der Gewinn des einen der Verlust des anderen sein muss. Nur die Bank gewinnt immer, weil die im realen Wert kaum erfassbaren Papiere Provisionen erbringen, die sich zu enormen Beträgen aufaddieren können.

            Auf diese Weise werden die Endkunden, die normalen Sparer, die eine Geldanlage suchen, getäuscht. Sie wissen bei den entsprechenden Produkten nicht, dass der ganze Wert ihrer Einlage nur aus der Hoffnung besteht, dass zu einem späteren Zeitpunkt ein anderer Kunde noch mehr Geld für die im realen Wert undurchschaubare Anlage bezahlt. Würde man ihnen diese Wahrheit sagen, dann würde niemand kaufen.

            Die daraus sich ergebenden politischen Konsequenzen sind offensichtlich. Anlageangebote der Finanzinstitute müssen staatlich zulassungspflichtig sein wie Arzneimittel, für die ein bisher nicht vorliegender Zusatznutzen nachgewiesen werden muss ehe sie vermarktet werden dürfen, und wie ein neuer PKW, der auch zunächst durch anerkannte Einrichtungen auf seine Funktionstüchtigkeit geprüft werden muss. Finanzprodukte sind auch zu besteuern und zwar je nach ihrer Zweck, beispielsweise Transaktionssteuern zur fiskalischen Nutzbarmachung der Spekulation, mit Versicherungssteuern bei Produkten, die real den Charakter einer Versicherung haben oder haben sollen. Alles hat der Realwirtschaft zu dienen, weil nur dort Wertschöpfung entsteht, von der wir alle leben. Reine Nullsummenspiele sind Glücksspiel und müssen entsprechend deklariert und besteuert werden – sie sind von regulären Geldanlagemöglichkeiten in jeder Form unterscheidbar zu halten. In der Folge würden nicht nur die Bürger vor Irreführung und Vermögensverlust geschützt, sondern zudem flösse auch sehr viel Geld zurück in die Realwirtschaft, beispielsweise durch den Kauf von Aktien nach Kursen, die sich an der Dividende orientieren, wodurch Geld wieder einen realen Mehrwert hervorbrächte.

            Ist das Durchblick genug? Ich kann Ihnen dutzende konkrete Beispiele liefern, wo diese Verwerfungen zu Verelendung geführt haben sowohl in Deutschland als auch überall auf dem Globus.

            Das alles ist möglich, weil inzwischen die Denkfaulheit der Masse besorgniserregende Ausmasse erreicht hat, es findet eine Dauerberiselung statt die eine kritische Hinterfragung von Systemzusammenhänge unmöglich macht. An einigen polemischen und inhaltlosen Kommentare wird diese intellektuelle Schieflage auch sehr deutlich manifest…

            Ich wünsche Ihnen Frohe Ostern…

            1. Ja, das wünsche ich Ihnen auch, Herr Nabuscudor! Ihre Unterscheidung zwischen „Real“- und „Finanzwirtschaft“ ist so nicht zu halten. Kapitalismus ist eine Einheit, in der Vorfinanzierung und Produktion ineinander fliessen. Das eine gibt´s nicht ohne das andere, und nichts davon kann man sich wegwünschen. Dies ist auch der Grund, warum den Banken (=Geldkapitalisten) zwingend Einkommen (=Zins) zufliesst. Würden sie ihre Aufgabe der Vorfinanzierung einstellen, stünde die Produktion still. Das Casino, das sie kritisieren, ist ein Nullsummenspiel, das für manche einen Zweck (=Versicherung) hat und für manche nicht. Auch daran gibt`s nichts zu rütteln. Die permanente Infragestellung der Vorfinanzierung ist eine typisch deutsche Krankheit, eines Volkes, das am liebsten nur produzieren würde, aber niemals vorfinanzieren. Im Grunde leben die Deutschen einen Kapitalismus, wo das Ausland ihnen die Vorfinanzierung abnimmt, um ihren Traum von der „heiligen Produktion“ aufrechtzuerhalten. Diese Krankheit kann man von Marx bis zum Ordoliberalismus verfolgen, und ist auch der Grund, warum dieses Volk sich für das kapitalistische Geschäft nicht eignet. Solange die Deutschen abgeschlossen agierten, war das nicht weiter tragisch, aber nun artet es zu einer europäischen Krankheit aus. Am liebsten würde man jede Vorfinanzierung (=Verschuldung) einstellen. So wird das nichts werden, Herr Nabuscudor, und diesen Vorwurf müssen sich deutsche Kritiker und Verteidiger des Kapitalismus gleichermassen gefallen lassen……

          3. Sehr schön gesagt, Herr Felsberger. Allerdings haben Ihre – weithin zutreffenden – Aussagen einen Schönheitsfehler: Kaum jemand wird sie verstehen.

            Wenn ich mir hier oder auch in anderen Diskussionssträngen anschaue, welch ellenlange Diskussionen um die tatsächlichen oder vermeintlichen Unterschiede verschiedener Geldsorten, Geldmengen usw. ausbrechen, dann kann ich mir nicht vorstellen, dass eine Diskussion über den Marxschen Fetischbegriff irgendeinen Erkenntnisgewinn verspricht.

            Denn: Ob der Geldschein im Marxschen Sinne ein Anteilschein am gesellschaftlichen Reichtum ist, darüber gehen die Ansichten bei den Marx-Exegesen wohl deutlich auseinander.

            Sie drücken es so aus: »Die Menschen bekommen einen Schuldzettel (=Geld) in die Hand gedrückt und vergöttern ihn wie einen Fetisch ohne zu sehen, dass er bloß ein Anteilsschein an dem von ihnen allen erwirtschafteten Arbeitsprodukts ist.«

            Das halte ich für nicht präzise genug. Denn wesentlich für das Marxsche Denken ist das Auseinanderfallen von stofflichem Reichtum einer Gesellschaft in Form von Hosen, Hemden, Vorlesungen oder auch Streubomben und dem abstrakten Reichtum in Form von Geld. Damit ist Geld eben gerade nicht ein Anteilschein am Produkt, sondern lediglich Repräsentant von abstraktem Reichtum.

            Aber wenn ich versuche auf dieser theoretischen Ebene eine Diskussion anzufangen, „um aufzuklären“ und aus dem „Gedankengefängnis“, wie sie es nennen auszubrechen, tja, dann wird es – vorsichtig formuliert – schwierig.

            Wenn ich jedoch auf der Oberfläche der Erscheinungen argumentiere, also mit Rationalitätenfallen, der Saldenmechanik oder der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung arbeite, dann besteht zumindest die Chance, dass eine größere Anzahl von Menschen die Widersprüche dieses Irrsinns, genannt Kapitalismus, zur Kenntnis nimmt.

            Und von diesen Widersprüchen ausgehend – vielleicht – darüber nachdenkt, dass diese Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung von Menschen gemacht ist und damit auch von Menschen geändert werden kann.

            Dass ein solches Vorhaben auf erhebliche Widerstände stößt, davon weiß jeder ein Lied zu singen, der versucht in diesem Land der schwäbischen Hausfrauen auch nur den Hauch von gesamtwirtschaftlichem Denken zu verbreiten.

            1. Herr Widerborstig! Wenn es von Marx etwas zu lernen gilt, dann seine Ambivalenz. Er war einer der Wenigen, die Zivilisation nicht nur schwarz oder weiss sahen, sondern sowohl als auch. Der Widerspruch macht den Kapitalismus aus! Einerseits die Menschen zur Arbeit zu zwingen, und sie solcherart zu bereichern, zu erziehen und zu verfeinern, andererseits diesen Zwang als Gefängnis einzurichten, sodass die Menschheit daran verzweifelt. Es ist eine Höllenmaschine, die hier am Werk ist, die die Menschen blind nach vorne treibt, Zivilisation im Guten und im Bösen schafft. Die meisten Marx-Schüler, vor allem jene, die der Idee vom Klassenkampf anhängen, haben nur den zweiten Aspekt, das „Böse“ der Zivilisation, von Marx übernommen, und das „Gute“ unter den Tisch fallen lassen. Dies ist der Grund für die Verirrung der meisten Linken, für die kaum zu ertragende Schwarz-Weiss-Malerei, mit der sie die Welt zeichnen. In einer Höllenmaschine gibt es keinen Verantwortlichen, wie die meisten Menschen sich das wünschen. Es gibt auch keine Planbarkeit, keine Verlässlichkeit und schon gar nicht Gerechtigkeit. Es gibt aber zu jeder Zeit für alle Menschen die Notwendigkeit sich zu fordern, sich zu bilden und zu verfeinern, um die Widrigkeiten der Natur durch Zivilisation abzufangen. Der Form nach funktioniert diese Höllenmaschine ewig gleich, und das macht sie auch so langweilig und widerwärtig, dem Inhalt nach verändert sie sich unentwegt und treibt solcherart die Zivilisation in die Unplanbarkeit. Mit dieser Ambivalenz von „Gut“ und „Böse“ werden wir leben müssen, niemand wird uns dieses Schicksal abnehmen, am wenigsten die es „gut“ meinenden Linken.

              1. Vorweg: Ich glaube, Marx hätte sich erbittert gegen die repressive Umsetzung seiner Ideen im so genannten „Staatssozialismus sowjetischer Prägung“ gewehrt. Und ob die ökonomische Theorie „weit über Marx hinaus ist“, das wird sich noch zeigen. Aber das nur am Rande.

                Was sehen wir, wenn wir unsere Ökonomie betrachten? Wir sehen, wie Produkte und Dienstleistungen von Wirtschaftssubjekten hergestellt werden, und diese Produkte und Dienstleistungen von anderen Wirtschaftssubjekten gekauft und verkauft werden. Wirtschaftssubjekte können natürliche Personen oder juristische Personen sein. Alleine, oder zusammen oder wie auch immer. .

                Jörg Buschbeck hat richtig beobachtet, dass die Produktion von Waren und Dienstleistungen vorfinanziert wird. Und im Verlaufe der Zeit, die vergeht, bis die vorgeschossene Geldsumme zuzüglich eines Mehrwertes (ob nun Profit, Risikoprämie oder wie auch immer genannt, ist wurscht), wieder in die Hand des vorfinanzierenden Wirtschaftssubjektes zurückkehrt, gibt es eine Menge Gelegenheiten, bei denen ein reibungsloser Ablauf gestört werden kann.

                So weit ist sicherlich die Betrachtungsweise unstrittig.

                Der Begriff „Mehrwert“ liefert einen Hinweis auf das Terrain, auf dem die Sache kontrovers wird. Die Produkte und Dienstleistungen im Kapitalismus werden als „Waren“ hergestellt. Im entwickelten Kapitalismus lassen sich nahezu alle menschlichen Bedürfnisse nur noch mit „Waren“, die gekauft werden können, befriedigen.

                Und hier kommt die geniale Analyse von Marx ins Spiel. Grob gesagt behauptet Marx, die Waren führen ein Doppelleben. Einerseits haben sie qualitativ verschiedene Eigenschaften wie groß, klein, nützlich, unnütz, befriedigen Bedürfnisse, sind Hose, Hemd, Vorlesungen über Ökonomie oder Streubomben. Andererseits sind sie Wert, der sich in Geld ausdrückt. Sie sind eine Quantität von Wert.

                Und Wert ist geronnene, vergangene Arbeitszeit.

                Und jetzt wird es spannend. (Leider muss ich jetzt abbrechen und Ostereier färben. Aber ich schreibe weiter versprochen 8-|)

            2. Das Marxsche Denken ist immer von zwei Polen gezeichnet: hier der Gebrauchswert, dort der Tauschwert. Hier die konkrete, menschliche Arbeit, dort die abstrakte. Hier der stoffliche Reichtum, dort der wertbezogene. Und dann lässt er seine Gedanken zwischen diesen Polen pendeln. Das ist eine Methode, die man nicht wörtlich nehmen sollte, sonst geht man dem „Schelm“ auf den Leim. De facto gibt`s das Auseinenanderfallen dieser Pole nicht, es wird nur gedanklich zerlegt, was in der Wirklichkeit ineinandergreift.Das ist die Ambivalenz seines Denkens, der die meisten Menschen nicht folgen können. Sie sehen entweder nur den stofflichen Reichtum und bewundern ihn, oder den Wertreichtum und verurteilen ihn, da er nichts anderes als Ausbeutung ist. So pickt sich jeder aus der Theorie herraus, was ihm gerade recht ist, und manchmal hat man auch das Gefühl, dass Marx dies bewusst befördert hat. Seine Methode ist antiquiert, und war es auch schon zu seiner Zeit, und hat den bitteren Beigeschmack der Rechthaberei. Denn wenn man alles einmal nach unten, und dann nach oben, wenden kann, dann wird man auch immer ein Argument finden, warum man recht hat, auch wenn man falsch liegt. Heute ist die ökonomische Theorie weit über Marx hinaus, nicht aber die Soziologie. Hier spielt sich das wirkliche Drama ab……

  2. Was soll denn „unterhalb des Gleichgewichtsniveaus“ sein? Entweder läuft der Kreislauf im Gleichgewicht – oder eben nicht.

    Überproduktion oder mangelnde Nachfrage sind nicht „unterhalb“ oder „oberhalb des Gleichgewichts – es ist ein Ungleichgewicht.

    Und ganz genau das müssen wir beheben.

    1. Herr Bosau,

      die Prämissen der obigen Ausführungen sind irreführend. Wieso? Sie verkennen die Realität in der wir alle schon seit Jahrzehnten leben.

      http://know-ttip.eu/ceta/

      Beispiel der verdeutlichen soll, dass ein Gleichgewicht gar nicht erwünscht ist, – und dies, – auf allen Ebenen.

      Wenn das Forum z. B. in einem Fracking-Verbot eine Verzerrung des Wettbewerbs sieht, können Unternehmen Fracking erzwingen. Wenn dann die Böden verseucht sind und das Trinkwasser vergiftet ist, kann ein Schiedsgericht entscheiden, dass das nicht vom Fracking kommt. Die Unternehmen, die das angerichtet haben, haben ihre Gewinne kassiert, die Allgemeinheit bleibt auf dem Schaden sitzen – so wie es beim Problem des Atommülls auch ist. Das „Forum“ unterliegt keiner parlamentarischen Kontrolle und wird von einschlägigen Lobbyisten dominiert.

      Verschwöhrungstheorie? Wohl kaum!

      Weiter schreibt Herr Felsberger:

      „Somit ist das Geldsparen die Ursache alle wirklichen Krisen. “

      Die Finanzindustrie hat in der westlichen Welt schon alles aufgekauft, was werthaltig ist. Dank des quantitative easing – der extremen Erhöhung der Geldmenge durch die Zentralbanken – schwimmt der Finanzsektor aber noch immer im Geld.

      Diese Gelder brauchen ein reales Fundament, das ihren Wert unterlegt. Im 19. Jahrhundert haben die europäischen Mächte deshalb Kolonien erobert und sich deren Reichtümer angeeignet. Das geht heute nicht mehr.

      In dieser selbstverschuldeten Situation verbleibt dem „ausgeplünderten“ Staat nichts anderes, als Leistungen für seine Bürger zu kürzen. Diese Kürzungen werden mit Blick auf die steigende Staatsverschuldung als unumgänglich dargestellt. Das ist eine offensichtliche Lüge.

      Diese grundlegenden Zusammenhänge kann im Prinzip jeder verstehen und leicht nachvollziehen, der sich einmal mit den mathematischen Grundlagen des Finanzsystems auseinandergesetzt hat. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass einen die erforderlichen Informationen erst einmal erreichen, um darüber nachdenken zu können. Wer jedoch stattdessen auf Lobbyisten hört und vertraut, um den eigenen Mangel an Wissen zu verbergen, der läuft natürlich Gefahr, daraus die aus seiner verfälschten Sicht richtigen aber objektiv falschen Schlussfolgerungen abzuleiten.

      1. Ich beschränke mich mal auf den ersten Teil, danach wird mir das zu schwurbelig.

        Eine funktionierende Marktwirtschaft fußt meiner Einschätzung nach auf dem Gleichgewichtsmodell – oder sie funktioniert nicht.

        Die Frage ist also eher, an welcher Stelle eine Gleichgewichtstheorie nicht greift, Flassbeck spricht zurecht den Arbeitsmarkt an.

        Die Dinge, in denen bewußt ein Ungleichgewicht erwünscht ist, sollten wir von vornherein ad acta legen.

        Und uns um die Dinge kümmern, wo eine Gleichgewichtstheorie nicht funktionieren _kann_, oder zu unsozialen Verzerrungen führt.

        Da müssen wir korrigierend eingreifen.

    2. Herr Bosau:

      Das System in seiner „reinen“, staatenlosen Form fusst auf wenigen Gleichungen:

      1) „Forderungen der Haushalte = Verbindlichkeiten der Unternehmen (=FK der Unternehmen)

      2) „EK der Haushalte = Sachvermögen der Haushalte + Forderungen der Haushalte (=FK der Unternehmen)

      3) „EK der Unternehmen = Sachvermögen der Haushalte (=Aktien- und/oder Beteiligungsvermögen)“

      Natürlich haben Haushalte auch noch andere Sachwerte als Aktien und/oder Beteiligungen (wie z.B. Immobilien), die sind hier aber ausgenommen, um die gegenseitigen bilanziellen Abhängigkeiten zu verdeutlichen. Ferner gilt:

      4) „Aktiva der Unternehmen („Kapitalstock“) = EK und FK der Unternehmen“, und damit:

      5) „Aktiva der Unternehmen („Kapitalstock“) = Sachvermögen der Haushalte (=Aktien- und/oder Beteiligungsvermögen) plus Forderungen der Haushalte (=FK der Unternehmen)“

      Der Gleichgewichtsmechanismus des Systems ist der Lagerbestand. Ist er Null, dann ist das System im Gleichgewicht. Ist er positiv, dann erzwingt dies in der Zukunft eine Wertberichtigung der Aktiva. Der Kapitalstock schrumpft und bei gegebenem FK sinkt dadurch das EK der Unternehmen ab. Wird das EK negativ, zwingt das Unternehmen in Konkurs und das FK (=Forderungen der Haushalte) verschwindet. Oder es kommt zu so hoher Arbeitslosigkeit, dass die Haushalte entsparen müssen, und dadurch das FK des Unternehmenssektors reduzieren. In allen Fällen verschwindet oder reduziert sich das FK des Unternehmenssektors, wenn der Lagerbestand zu hoch wird, sei es durch Konkurs, sei es durch Arbeitslosigkeit der Haushalte. So zirkuliert das System immer um eine „optimale EK-FK-Quote“.

      PS: Den Klassenaspekt des Systems kann man nur dann fassen, wenn man die Haushalte in drei Gruppen teilt: a)Arbeiter, b) Eigentümer, c) Geldkapitalisten. Dann verändern sich die obigen Gleichungen entsprechend der Funktionen, die die Klassen im Gesamtsystem einnehmen. So werden Arbeiter kaum zu Forderungen gegen Unternehmen kommen, dafür umso mehr die Geldkapitalisten. Und die Eigentümer sind die Halter des Aktien- und/oder Beteiligungsvermögens. Berücksichtigt man den Klassenaspekt, kann man zu dem Schluss kommen, dass die Arbeiter unter dem Sparverhalten der Geldkapitalisten und Eigentümer leiden. Sie werden arbeitslos, weil die anderen über das erforderliche Gleichgewichtsnivaeu hinaus sparen und den Lagerbestand in die Höhe treiben. Allerdings: Sollte dies zum Konkurs der Unternehmen führen, leiden auch die Geldkapitalisten und Eigentümer darunter. Sie müssen dann die Forderungen gegen die Unternehmen und/oder ihr Aktienvermögen abschreiben. Man macht es sich also viel zu leicht, wenn man nur die Arbeiter als Opfer des Systems darstellt. Alle sind Opfer und dieser (potentielle) Sanktionsmechanismus garantiert auch das Funktionieren des Systems.

      1. Lieber Herr Felsberger,

        „Man macht es sich also viel zu leicht, wenn man nur die Arbeiter als Opfer des Systems darstellt. Alle sind Opfer und dieser (potentielle) Sanktionsmechanismus garantiert auch das Funktionieren des Systems.“

        RICHTIG!

        Ich sehe die Hauptursache in den Währungssysteme und in den privaten Geldmengenproduktionsrechte. Diese Verwerfungen haben, mit politischer Rückendeckung auf globaer Ebene, dazu geführt, dass die Realwirtschaft zu einer Quelle von Bonis und Provisionen für das Casino Finanzwirtschaft degeneriert wurde.

        Deshalb, habe ich die Buchhaltung der GB und ZB genau unter die Lupe genommen, dabei sämtliche Statistiken hernagezogen, um mir klar zu werden, worum es sich eigentlich seit 2007 (Krise oder Dilemma??) das Ganze dreht.

        Ich vergleiche die Geschehenisse als eine schleichende Währungsreform. Wie hoch ist die tatsächliche Inflation seit Einführung des Euro in Deutschland? Und die Zinsen die der Staat für den Schuldendienst bezahlen muss? Wieso muss sich der Staat überhaupt gegenüber einen privaten Bankensystem verschulden? Führen alleine schon diese unabweisbaren Tatsachen, zu Ungleichgewichte?

        Was heisst schon wir sind Exportweltmeister, bzw. wir haben Vollbeschäftigung? Nochmals: man braucht nur in den Städten und Kommunen in Deutschland mit Menschen an vorderster Stelle zu Reden, um zu merken, dass wir vor dem sozialen Kollaps stehen!

        Wir sollten alle gemeinsam den Nährboden für völlig neue Gedankengänge vorbereiten, da ein Dillemma zu Chaos führt. Eine Krise sieht anders aus; wer „noch“ Grosseltern hat, kann sie ja fragen.

          1. Herr Bosau,

            „” Kommt jetzt wieder die abgedroschene Geldschöpfungsdebatte?“

            Ist Ihnen noch schwurbelig?

            a) Alle heutigen Staaten sind verschuldet, und wer Schulden hat, ist nicht frei. Wer schulden hat, muss die Bedingungen der Gläubiger erfüllen. Wenn der Staat selbst nicht frei ist, dann kann er folglich auch nicht die Freiheit des Volkes ermöglichen.

            b) Es gibt schließlich keine Staatsnoten. Auf die Frage, wieso der Staat Zinsen für Banknoten bezahlt, obwohl er doch selbst das Geldschöpfungsmonopol beanspruchen und Staatsnoten herstellen könnte, bekommt man von allen Regierungen keine nachvollziehbare Antwort.

            c) Das Geschehen in der Finanzwirtschaft ist für die meisten von uns ein Brief mit sieben Siegeln. Deren Aktivitäten erschließen sich nur eingeweihten Experten. Und dennoch hat was in der Finanzwirtschaft geschieht folgenschwere Konsequenzen für alle Bürger. Viele politische Entscheidungen werden auf die Anforderungen der Finanzindustrie zugeschnitten.

            d) Es gibt nach wie vor keine Kontrolle von Kreditverbriefungen, Credit Default Swaps und ähnlichen Finanzprodukten. Das geschieht nicht aus Nachlässigkeit, es ist gewollt. Das ist für die Realwirtschaft (Konzerne ausgeschloschen) und Arbeitnehmer verherrend.

            Die Neugestaltung der Geldschöpfung ist deshalb, Voraussetzung um alle Andere auf ideologische Verzerrungen basierenden Ansichten zu verändern.

        1. Herr Nabuscudor: Wir erleben zwei Krisen, die ineinandergreifen: eine (a) europäische und eine (b) weltweite. Leider sind die meisten Menschen nicht in der Lage, das eine vom anderen zu trennen, und verwechseln die europäische Krise mit einer weltweiten. In beiden Krisen dreht es sich um massive Ungleichgewichte in den internationalen Leistungsbilanzen, auf weltweiter Ebene wird dies durch den Mechanismus flexibler Währungen (noch) abgefangen, auf europäischer Ebene fehlt dieser und die Krise schlägt beinhart durch. Die meisten europäischen Kommentatoren glauben tatsächlich, dass das, was ihnen widerfährt: die Schuldenkrise einzelner europäischer Staaten, auch weltweit passiert. Dem ist nicht so, was aber nicht heisst, dass es eines Tages nicht so sein kann.

          1. Lieber Herr Felsberger,

            Der bisher überwiegend durch technischen Fortschritt vorangetriebene Strukturwandel in der Wirtschaft wird ergänzt durch einen Strukturwandel, der durch die Integration neuer Industriestaaten bedingt ist, welche historisch nur als Rohstofflieferanten in Erscheinung getreten waren. Dieser globale Strukturwandel führt, genauso wie es der durch technischen Fortschritt bedingte getan hat, zu einer deutlichen Steigerung der gesamtwirtschaftlichen Leistungsfähigkeit. Die politische Herausforderung besteht darin, diesen Strukturwandel so zu gestalten, dass möglichst viele Menschen von dem enormen Zugewinn an Wohlstand profitieren. Wer seinen Kopf in neoliberalen Sand steckt, kann diese Dimension globalen Wirtschaftens nicht erfassen.

      2. Herr Felsberger,

        Punkt 3 ist mir nicht klar. EK der Unternehmen ist doch wohl das Sachvermögen der Unternehmen.

        Das wäre noch als Tippfehler durchgegangen.

        Punkt 5 ist dann: „Aktiva der Unternehmen (“Kapitalstock”) = Sachvermögen der Haushalte (=Aktien- und/oder Beteiligungsvermögen) plus Forderungen der Haushalte (=FK der Unternehmen)”

        Also das ist dann endgültig zwischen Lieschen Müller Buchhaltung und Falsch.

        von daher reden wir wohl gerade etwas aneinander vorbei, was die Frage, was „unterhalb des Gleichgewichtsniveaus“ sein soll, nicht eben vereinfacht.

        1. Herr Bosau,

          Der „Kapitalstock“ (Aktiva) des aggregierten Unternehmenssektors entspricht auf der Passivseite den Verbindlichkeiten der Unternehmen (=FK) und ihrem EK als mathematischer Differenz. Die Verbindlichkeiten der Unternehmen entsprechen im 2-Sektoren-Modell (ohne Staat) den Forderungen der Haushalte, und das EK bildet das Beteiligungsvermögen der Haushalte ab (unter der Annahme, dass das Beteiligunsvermögen entsprechend dem Buchwert der Unternehmen bewertet wird). Das ist in der Realität zwar nicht der Fall (Aktien norieren über ihren Buchwert), ist aber als Annäherung akzeptabel. Einfach gesagt: Alles Aktien- und/oder Beteiligungsvermögen wird von Haushalten gehalten (Versicherungen sind nur Sammelstellen der Haushalte).

          1. Herr Felsberger,

            ich komme da jetzt nicht ganz mit. Offen gesagt habe ich die Saldenmechanik etwas beiseite gelegt, weil ich da nicht sehe, wie ich da Investitionsvermögen und liquide Mittel trenne, das liegt aber sicher daran, daß ich keine gute Einführung in die Methode kenne. Wolfgang Stützel wird das bedacht haben. Sie modellieren Unternehmen als etwas, das den Haushalten genhört. Das klingt erstmal durchaus plausibel. Aber da bräuchte ich mehr „Futter“ in der Methode. Hätten sie mir da mal einen Link? Oder eine Einführung, die sie mir frei übelassen dürften? Ich bin über FB erreichbar.

            1. Da gibt`s leider kein Material dazu. Das ist alles selbst entwickelt und/oder in Auseinandersetzung mit Leuten wie Herrn Buschbeck oder Herrn Menendez: https://soffisticated.wordpress.com/

              PS: Dass die Unternehmen den Haushalten gehören, steht ja wohl ausser Frage. Wem denn sonst?.-)

            2. >>>Saldenmechanik etwas beiseite gelegt, weil ich da nicht sehe, wie ich da Investitionsvermögen und liquide Mittel trenne

              Hallo Herr Bosau,

              die fast wichtigste Geschichte, der ultimative „saldenmechanische Einfachmacher“ ist doch, dass man eben Investition und Verschuldung nicht verwechseln darf.

              https://guthabenkrise.wordpress.com/2015/02/28/verschuldung-ist-ein-kaufuberschuss-nicht-etwa-kreditaufnahme/

              Die Konklusion von Stützels Paradoxa-Buch (wo es um monetäre Konjunkturtheorie bzw. die ganzen Fehlschlüsse geht) ist wie folgt:

              „In Käufermärkten(Kapitalismus) bestimmen die
              Pläne für Konsum und Investition die Konjunktur.“

              Welche Einflüsse wirken auf diese Formel?

              1. Das Wetter, die Bildzeitung usw. alles was irgendwie die Pläne zu kaufen und investieren beeinflussen kann – die 50% Psychologie halt.

              Und welche monetären Einflüsse sind wirksam?

              Hier sind vor allem die Pläne für Investitionen das volatile Gut – darauf wirken monetär:

              1. Die Einnahmeüberschüsse des Rest der Welt über ihre Senkung der Gewinne.

              Unternehmer-Gewinnformel von Keynes
              http://www.kapitalismus-verstehen.de

              2. Die Einnahmeüberschüsse des Rest der Welt, wenn Sie größe sind als die Pläne für verschuldung – dies führt zu Zwangsinvestitionen in den Lagerbestand.

              Die ganzen Zahlungsmittelbetrachtungen kann man sich regelmäßig schenken, weil die relavnten Dinge Kaufsalden (Geldvermögensänderungen) sind.

              Die Unterscheidung zwischen Änderungen vom Geldvermögen beim Kaufen und Zahlungsmittelbestände beim Bezahlen erspart unnötig komplexe Betrachtungen.

              So ergibt sich eben alle realwirtschaftlich relevanten Zusammenhänge aus dem Thema Kauf = Verkauf.

              Eimführungsbeitrag:

              https://guthabenkrise.wordpress.com/2014/01/23/geld-kauf-und-bezahlung/

  3. Ich will mal ein wenig Wasser in den Wein schütten. Richtig ist sicherlich, dass die Borniertheit der herrschenden Volkswirtschaftsle(h)ere die ökonomischen und gesellschaftlichen Probleme erheblich verschärft.

    Dennoch ist die Aussage »Mehr gibt`s zum Kapitalismus nicht zu sagen, und jeder, der mehr hineindichtet, ist ein Phantast« ziemlich verwegen. Denn ganz so einfach ist die Sache denn doch nicht.

    Jörg weist immer wieder auf die Rationalitätenfallen hin, die sich aus dem Widerspruch zwischen einzelwirtschaftlicher Rationalität und gesamtwirtschaftlicher Rationalität ergeben. Wer löst die Rationalitätenfallen auf? Wer setzt die Auflösung durch? Denn das einzelne Wirtschaftssubjekt – egal ob Unternehmen oder privater Haushalt – ist dazu bei bestem Willen nicht in der Lage.

    Ein spezielles Problem im Rahmen der Rationalitätenfallen ist die Konkurrenz der Unternehmen. Sie liefern sich – durchaus gewollt und als Segnung des Kapitalismus begrüßt – einen gnadenlosen Wettbewerb um die Verbesserung der Produktivität. Das hat zur Folge, dass maschinell herstellbare Waren und Dienstleistungen immer billiger werden können. Andererseits erfordern mehr Maschinen höhere Investitionskosten. Auch das ist ein grundlegender Widerspruch.

    Damit die Investitionen sich amortisieren, müssen immer größere Mengen an Waren und Dienstleistungen hergestellt werden. Das führt früher oder später in dieser endlichen Welt zu unlösbaren Konflikten beim Ressourcenverbrauch.

    Zudem: Stellen wir uns ganz kurz mal eine vollautomatische Fabrik auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz Munster/Bergen/Hohne vor. In dieser Fabrik kann mit Robotern alles hergestellt werden, was das Herz begehrt. Vom Schokokeks bis zum Kampfpanzer. Preisfrage: An wen soll der Lohn gezahlt werden, damit diese wundervollen Waren gekauft werden können, wenn die Fabrik nahezu menschenleer ist?

    Ein Letztes: Ich fürchte, dass der Unterschied zwischen „stofflichem Reichtum“ in Form von Hosen, Hemden, Häusern oder Windkraftanlagen und dem „abstrakten Reichtum“ in Form von Geld zu wenig Beachtung findet. Die gesamte Betriebsbuchhaltung und auch die volkswirtschaftliche Buchhaltung beruht auf der „Bewertung“ von Waren und Dienstleistungen in Geld. Und es steht zu vermuten, dass die Schwierigkeiten erst dann aufhören, wenn menschliche Bedürfnisse und menschliche Arbeitskraft nicht mehr warenförmig miteinander vermittelt oder aufeinander bezogen werden.

    Ein Letztes:

    1. @widerborstig,

      „Ein spezielles Problem im Rahmen der Rationalitätenfallen ist die Konkurrenz der Unternehmen. Sie liefern sich – durchaus gewollt und als Segnung des Kapitalismus begrüßt – einen gnadenlosen Wettbewerb um die Verbesserung der Produktivität.“

      Globales Wirtschaften wird politisch gestaltet und unterliegt damit den vorherrschenden Ideologien. Marktwirtschaft ist im Verständnis neoliberaler Propheten wie Hayek und Friedman kein System, in welchem die Teilnehmer gemeinsam Mehrwert für alle schaffen. Es ist ein System, in welchem jeder versucht, sich selbst auf Kosten der anderen zu bereichern. Entsprechend darf es keine gesamtgesellschaftliche Steuerung marktwirtschaftlicher Aktivitäten geben, mit dem Ziel einer gerechten Verteilung gemeinsamer erarbeiteter Güter. Für die Anhänger der neoliberalen Lehre kann es keine Steuerung wirtschaftlicher Aktivitäten auf nationaler ebenso wenig wie auf globaler Ebene geben. Wirtschaftliche Tätigkeiten können nur auf der Ebene privater Aktivitäten beeinflusst werden. Diese Aktivitäten sind durch die von der Evolution vorgegebenen Gesetzmäßigkeiten der „unsichtbaren Hand“ des Marktes limitiert, welche automatisch dafür sorgen, dass sich eine spontane Ordnung mit einem nicht zu beeinflussenden Ergebnis einstellt. Der Mensch muss sich gemäß der neoliberalen Heilslehre darauf beschränken, seinen Eigennutzen zu maximieren.

      Die Resultate können wir tagtäglich beobachten, es sei denn, man lebt in einer Dualität die je nach Situation und Empfinden augetauscht werden kann. Übrigens: die Buchhaltung der GB hat mit der praktizierten Buchhaltung der Nichtbanken nichts gemeinsam.

  4. Sehr gut, komplizierter ist es wirklich nicht. Jetzt kann der Staat halt das Geldsparen durch seine Verschuldung ausgleichen, dann ist der Absatz aller Waren bei voller Auslastung der Betriebe möglich.

    1. genau Wolfgang, wenn man kein Problem aus Staatsschulden macht.

      Und wenn man nicht mit aktuell nötigen 10% BIP Staatsschulden leben will, braucht man die Guthabenbremse und eine 180° Wende bei der Rente.

      Dies müßte die aktuelle Diskussion beherrschen, aber dazu brauchen wir wohl zuerst mal ein Ökonomen-Strafrecht.

Und was denkst Du so?

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s