Kapitalismusversteher Felsberger: „Die permanente Infragestellung der Vorfinanzierung ist eine typisch deutsche Krankheit „


Einfach nur genial Herr Felsberger – nur wer soll die Deutschen verstehen?

Ja, das wünsche ich Ihnen auch, Herr Nabuscudor! Ihre Unterscheidung zwischen “Real”- und “Finanzwirtschaft” ist so nicht zu halten. Kapitalismus ist eine Einheit, in der Vorfinanzierung und Produktion ineinander fliessen.

Das eine gibt´s nicht ohne das andere, und nichts davon kann man sich wegwünschen. Dies ist auch der Grund, warum den Banken (=Geldkapitalisten) zwingend Einkommen (=Zins) zufliesst. Würden sie ihre Aufgabe der Vorfinanzierung einstellen, stünde die Produktion still. Das Casino, das sie kritisieren, ist ein Nullsummenspiel, das für manche einen Zweck (=Versicherung) hat und für manche nicht. Auch daran gibt`s nichts zu rütteln. Die permanente Infragestellung der Vorfinanzierung ist eine typisch deutsche Krankheit, eines Volkes, das am liebsten nur produzieren würde, aber niemals vorfinanzieren. Im Grunde leben die Deutschen einen Kapitalismus, wo das Ausland ihnen die Vorfinanzierung abnimmt, um ihren Traum von der “heiligen Produktion” aufrechtzuerhalten. Diese Krankheit kann man von Marx bis zum Ordoliberalismus verfolgen, und ist auch der Grund, warum dieses Volk sich für das kapitalistische Geschäft nicht eignet. Solange die Deutschen abgeschlossen agierten, war das nicht weiter tragisch, aber nun artet es zu einer europäischen Krankheit aus. Am liebsten würde man jede Vorfinanzierung (=Verschuldung) einstellen. So wird das nichts werden, Herr Nabuscudor, und diesen Vorwurf müssen sich deutsche Kritiker und Verteidiger des Kapitalismus gleichermassen gefallen lassen……

52 Kommentare zu „Kapitalismusversteher Felsberger: „Die permanente Infragestellung der Vorfinanzierung ist eine typisch deutsche Krankheit „“

  1. Die „Österreichische Schule“ ist kein Maßstab der „Wahrheitsfindung“. Das sind Leute, die nicht mal wissen, was ein Kredit ist, und ihn unentwegt mit einer Leihe verwechseln. Kredit heisst etwas Neues gegen Zins vorschiessen, Leihe etwas Bestehendes gegen Miete übertragen. Wenn ich ihnen, Herr Nabuscudor, als Lieferant Kredit, gebe, dann übertrage ich Ihnen nichts Bestehendes zur Miete, sondern schiesse ihnen eine Leistung vor. Ich habe etwas gut, Sie geniessen mein Vertrauen, dass das Vorgeschosssene eines Tages auch bezahlt wird.Die „Österreichische Schule“ ist niemals über das Studium von Robinsonanden hinausgekommen. In ihrem Denken werden Fischnetze vermietet oder verpachtetet und nicht vorfinanziert. Wie wollen Sie hier zu einer Wahrheitsfindung kommen? Das ist so ähnlich als ob ich die Welt von der Bibel aus erschliessen möchte……

    1. Alle diese „Österreicher“ haben ein tiefes Mißtrauen gegen Kredit und wollen ihn partout in eine Leihe verwandeln. Leider ist Kapitalismus auf Grundlage bloss einer Leihe nicht denkbar, und auch nicht wünschenswert, weil er die Macht der Verleihenden über Gebühr steigert. Aber dies ist genau das, was die Österreicher im Sinne haben: Zählen soll nur die Geldkapitalisten-Klasse, die bereits Geld hat und nicht jene, die Neues schafft. Im Kopf dieser Leute ist der bestehende Geld-Kapitalist eine fast heilige Figur, während die Geschäftsbank, die das Geld vorschiesst, ein Verbrecher ist. Was soll man dazu noch sagen? Diese Leute eignen sich bestenfalls für eine Inquisitionsverfahren, aber sicher nicht zur „Wahrheitsfindung“…..

      1. Lieber Herr Felsberger, ich liebe Österreich, bin aber ganz bestimmt nicht; ein Anhänger der Austrian – obschon es darunter Spitzenköpfe gibt, wie Prof.Thorsten Poleit. Zur Warheitsfindung kommt man, indem man alles miteinschliesstund nichts ablehnt. Deshalb, verstehe ich mich als Ihr Schüler, da ich von Ihren Beiträgen ungeheurlich dazugelernt habe. Danke! Unsere Meinungen gehen auseinander, dennoch finde ich das man voneinander lernen kann.

        Befürworter einer freien Marktwährung betrachten das fließende Geld, das ja schließlich einer staatlichen Regulierung unterliegt, als nicht mit dem Freiheitsbegriff vereinbar. Sie wünschen sich eine absolute Freiheit der Märkte, die dadurch gewährleistet werden soll, dass es kein gesetzliches Zahlungsmittel gibt, sodass Marktkräfte dafür sorgen können, dass sich automatisch die ideale Währung etabliert.

        Eine solche Selbstregulierung ist bekannt aus der Regelungstechnik. Sie funktioniert in vielen technischen Systemen, jedoch nur unter der Bedingung, dass es darin keine positive Rückkopplung (Exponentialfunktion) gibt. Die Kapitalverteilung in einer Gesellschaft reguliert sich jedoch leider nicht von selbst. Wo schon viel ist, kommt immer mehr hinzu, mit der Folge, dass immer schneller immer noch mehr hinzukommt. Zins und Zinseszins sorgen dafür, dass dies solange geschieht, bis es zu Konflikten kommt, die es in der Geschichte leider schon viel zu oft und mit verheerenden Folgen gab.

        1. Es sind ja „Martkräfte“, die dafür sorgen, dass ein Kredit einer Geschäftsbank zustandekommt. Auf der einen Seite steht der Gläubiger, der vorschiessen will, auf der anderen der Schuldner, der diesen Vorschuß haben will, und sie einigen sich in einem Streitverfahren. Es ist völlig widersinnig, wenn ein Liberaler dies nicht als Marktvorgang begreifen will. Auch die Standardisierung dieses Kredits zu Geld ist ein Marktvorgang, weil der Kredit der Geschäftsbank sich als Geld durchsetzen wird, die das grösste Vertrauen geniesst. Wenn ich als Privatperson einen Wechsel ausstelle, heisst das noch lange nicht, dass er auch zu Geld wird. Da brauche ich schon die Akzeptanz der anderen, um diese Geldfunktion zu erringen. Man sieht: Es sind alles Marktvorgänge, nur werden sie von den „Österreichern“ nicht begriffen.

        2. Das Mißtrauen gegen die Geschäftsbanken entspringt ja der Tatsache: dass sie die Geldfunktion errungen haben. Genauso wie ein kleiner Selbständiger Mißtrauen seinem übermächtigen Zulieferer gegenüber hat, von dem er sich abhängig fühlt. Er sieht nur die dominante Stellung dieses Unternehmens, nicht aber, dass es diese Position über Jahre und Jahrzehnte durch Qualität und Leistung errungen hat. Deshalb ist ja auch jedes Mißtrauen den Geschäftsbanken gegenüber ein bloßes Ressentiment. Es gibt weder an ihnen noch an ihrer Stellung irgendetwas zu bekritteln. Und dass die Verluste im Falle eines Zusammenbruchs einer Geschäftsbank die „Sparer“ zu tragen haben, folgt ihrer „de facto“-Eigentümerposition am gesellschaftlichen Kapitalstock. Alles löst sich in Logik auf, nur die Menschen wollen es nicht wahrhaben. Soll man es ihnen verübeln?

        3. Wenn man den Kapitalismus tatsächlich kritisieren will, dann wird man schon andere Geschütze auffahren müssen als die Abneigung gegen Kredit oder Zins. Dies ist ja auch der Grund, warum nur alle hundert Jahre so eine Kritik geleistet wird, während sich die Masse der Menschen in Grabenkämpfen ergibt. Marx war ein Jahrhundertphänomen und es ist weit und breit niemand in Sicht, der in seine Fußstapfen treten könnte. Die heutigen Kritiker sind höchstens anstrengend und zugleich langweilig: Man muss ihnen unentwegt erklären, warum sie falsch liegen. Wie soll daraus jemals was Vernünftiges wachsen?

        4. Fragen Sie doch mal einem Bankmanager, wie sich der in dem heutigen Tollhaus fühlt: Er soll nämlich Kredit vergeben, so wollen es die „Kritiker“, damit die Konjunktur endlich wieder anspringt, und er soll keinen Kredit vergeben, so wollen es nämlich die „Kritiker“ auch, weil sie mit den potentiellen Verlusten, die daraus erwachsen, nichts am Hut haben wolllen. Krank, kann man da nur sagen! Geht`s noch ärger? Auf so eine „Kritik“ pfeiffe ich……

          1. Lieber Herr Felsberger,
            ich war selbst mal im Tollhaus! Das Eine ist die Warheit und das Andere sind die ganz persönlichen Präferenzen. So haben wir verschiedene Denkschulen und Geldsystem- Modelle. Da mein Erkenntißtand zu fließendes Geld ziemlich entwickelt ist, erlaube ich mir darüber auch zu schreiben. Vollgeld oder duales Vollgeld, Marktwährung usw.usf. habe ich auch unter die Lupe genommen, dabei nicht zu befriedigenden Ergebnissen gekommen.

            Eine öffentliche Zentralbank mit Geldschöpfungsmonopol könnte die Staaten direkt finanzieren, was in einem System des fließenden Geldes sogar ohne Inflation möglich ist.

            So würde es wohl am ehesten dem Willen des Volkes entsprechen. Aber wird jemals eine Mehrheit diese komplexen Zusammenhänge verstehen, angesichts der medialen Berieselung, durch die sich das Volk (gesteuert vom Kapital) permanent selbst in die Irre führt?

            Da sich im Kapitalismus das Kapital systembedingt immer stärker bei den Wenigen konzentriert, die auf Basis von Zins und Zinseszins immer mehr dazubekommen, konzentriert sich dort auch immer mehr Macht, die über Geld, Medien und Politiker ausgeübt wird.

            Das bestehende System ist leider von innen heraus nicht reformierbar, oder?

            1. Die Welt – oder wie manche sagen der „Kapitalismus“ – verändert sich unentwegt, alles ist offen, nichts kalkulierbar. Ich sehe nur fünf „Gesetze“, die ewig greifen:

              1) Eine unentwegte Zunahme der Arbeitsproduktivität

              2) Eine zunehmende Integration des Weltmarktes infolge niedrigerer Kommunikationskosten

              3) Eine wachsende Arbeitsteilung

              4) Eine zunehmende „Zivilisierung“ des an und für sich inhumanen Prozesses

              5) Eine Zunahme des Risikos für alle

              Mehr kann man nicht sagen, was man sonst noch hineinlegt, ist Phantasie oder unbegründete Angst.

              1. Herr Felsberger,

                einer der Gründe, weshalb ich mich seit Jahrzehnten intensiv mit dem Geldsystem auseinandersetzte ist:

                Wer hat nun eigentlich das Sagen? Das Volk oder das Kapital? Kann es einen demokratischen Kapitalismus oder eine kapitalistische Demokratie überhaupt geben? Oder stehen Demokratie und Kapitalismus nicht viel eher in einem klaren Widerspruch?

                Kapitalistische Staaten haben kein eigenes Geld, das sie in Form einer Währung in Umlauf bringen können, ansonsten wären sie nicht allesamt verschuldet.

                Ergo: Die Folge ist, dass kaum jemand weiß, bei wem eigentlich all die Staaten verschuldet sind, und wer die Zinsen hierfür kassiert.

                Werter Herr Felsberger, ist das Phantasie, Drohkulisse à la McKinsey wenn dese im Auftrag des Kapitals gesunde Unternehmen zerstört, – oder gibt es darin auch nicht ein Körnchen Warheit?

                1. Nein, Herr Nabuscodor, tut mir leid: Aus meiner Sicht gibt`s da kein Körnchen Wahrheit darin. Hedgefonds sind primär Geldforderungs-Sammelstellen der Privaten, Sekundär Kreditnehmer. Dabei gelten die Aktiva der von ihnen gekauften Unternehmen als Sicherheiten. Im weiteren Fortgang werden die Kredite auf das Unternehmen übertragen und deren FK erhöht. Dies ist alles glasklar und fügt sich den Regeln des Kapitalismus. Wenn nun ein Käufer sich nicht daran stößt ein überschuldetes Unternehmen zu kaufen und stattdessen die Aktiva im Blick hat, dann ist das Geschäft gelaufen. Wo soll es hier ein Problem geben? Und auch für die Arbeiter des betroffenen Unternehmens gibt es kein Problem, denn ihre Lage ist so und so bedauernswert. Wer auch immer Eigentümer ist, die Arbeiter müssen schwitzen. Das ist der Grundsatz Nummer 1 im Kapitalismus…. …

                  1. Herr Felsberger,

                    „Das ist der Grundsatz Nummer 1 im Kapitalismus“..bestimmt, haben denken Sie zu Ende nach….

                    Gerne wird zur Rechtfertigung der extremen Fremdfinanzierung von Fondsmanagern daraufhin gewiesen, dass Privatpersonen zur Finanzierung ihres Hauses auch mit hohen Fremdkapitalanteilen arbeiten, das Vorgehen der Private Equity Fonds also keine Ausnahme oder gar einen bösartigen Sonderfall darstellt. Mit dieser Argumentation wird aber verschwiegen, dass es bei der üblichen Kreditfinanzierung durch Privatpersonen beim Kauf eines Hauses oder auch nur eines Autos nicht möglich ist, sich der Zahlungsverpflichtungen aus den Krediten zu entziehen, in dem man sie auf das Kaufobjekt überträgt. Jeder private Kreditnehmer haftet in vollem Umfang für seine Kredite. Private Equity Fonds hingegen haften nicht für die Kredite, welche sie für den Kauf eines Unternehmen aufnehmen. Diese Haftung und die sich daraus ergebenden Zahlungsverpflichtungen werden auf das erworbene Unternehmen als eigenständige juristische Person übertragen.

                    Gerät das Unternehmen in Zahlungsschwierigkeiten, muss der PE-Fonds nicht einspringen. Er ist frei von jeder Haftung. Für die Beteiligungsgesellschaften garantiert dieses Vorgehen, dass sie ihr Eigenkapital und ggf. bereits eine satte Rendite mittels der Sonderausschüttungen schnell zurückerhalten. Und das bei Null Risiko.

                    1. Wenn Sie, Herr Nabuscudor, ein Haus über Kredit finanzieren, dann haften Sie als Eigentümer. Wenn Sie mich als Käufer finden, der das Haus inklusive Hypothek übernimmt, dann hafte ich als Eigentümer. Sie können ja nicht einfach unterstellen, dass ich ein Depp bin, nur weil ich Ihnen das Haus abnehme. Und genausowenig ist derjenige ein Depp, der einem Hedgefond ein schwer „gehebeltes“ Unternehmen abkauft. Er hat seine Gründe.

                      PS: Letztendlich ist jeder Vertrag zweiseitig, und ihn nur von einer Seite aus zu betrachten, führt zu falschen Schlüssen.

                    2. Herr Felsberger, die Rede ist hier von einem Geschäftsmodell wo die Abzocke und destruktive Wirkung auf die Gesellschaft abgewälzt wird. Bei einer besonders aggressiven Finanzierungsvariante wird auch das von den Fonds eingesetzte Eigenkapital nur als Kredit gewährt.

                      Hierzu legt der Private Equity Fonds sein Geld nicht als Eigenkapital in die „New Co“ ein, sondern als Gesellschafterdarlehen. Nach der Verschmelzung von „New Co“ und Unternehmen hat der Fonds dann Forderungen an das Unternehmen in Höhe des Gesellschafterdarlehens, welches verzinst zurückgezahlt werden muss. Auch beim späteren Weiterverkauf des Unternehmens bleibt die Forderung, sofern sie noch nicht beglichen wurde, bestehen. Das dänische Finanzministerium hat 2006 in einer Untersuchung festgestellt, dass PE-Investoren auf die von ihnen gewährten Gesellschafterdarlehen bis zum Doppelten des üblichen Zinssatzes in Rechnung stellen, Zinssätze von 15 – 20 Prozent sind die Regel.

                      Ähnlich wird in einigen Fällen auch mit den im Rahmen von Rekapitalisierungen ausgeschütteten Geldern verfahren. Ist das Unternehmen auf diese Gelder zur Aufrechterhaltung seines normalen Geschäftes angewiesen, so verbleiben sie als hochverzinste Gesellschafterdarlehen im Unternehmen. Die PE-Fonds erhöhen mit diesen Finanzierungsvarianten ihre Gesamtrendite substantiell.

                      Wollen Sie allen ernstes behaupten, dass es sich dabei, um Kapitalismus handelt?

  2. Dass die „Progressiven“ oder „Linken“, oder wie auch immer man sie nennt, völlig ungeignet sind für diese Aufgabe, geht alleine daraus hervor, dass sie sich gegenseitig bekriegen. Ihre Attacken gegen das „Finanzkapital“ sind widerwärtig und strotzen vor Ressentiments. Ihre besserwisserische Art stinkt zum Himmel, zumal sie keine rationale Grundlage hat, sondern nur von dem Wunsch einer allgemeinen Hexenjagd getrieben ist. Die „Progressiven“ sind hauptverantwortlich dafür, dass sich das Klima zusehends verschärft. Sie verlangen Normierung anstatt eines offenen Diskurses. Sie belegen alles, das ihnen nicht in den Gram passt, mit dem Stigma des „Totalitären“, und merken nicht, dass sie es selbst sind, die den Diskurs verengen. Keine „soziale Frage“ dieser Welt rechtfertigt so eine Vorgangsweise.Tausendmal lieber in „Ungerechtigkeit“ leben, als in einer Welt, wo die „Gerechten“ das Denken vorgeben. Man sieht überall die Konsequenzen dieses Weges: Blinder Staatsglaube, Beschränkung von persönlicher Freiheit, Kontrolle und Bevormundung aller, auch derer, die Hilfe benötigen. Die Progressiven sind heute zum Büttel des Kapitalismus geworden, und sie merken es nicht einmal. Sie treiben sein ureigenstes Anliegen der Normierung und Kontrolle in Höhen, von denen er selbst nie zu träumen wagte. Und, Herr Nabuscudor, dass wir uns hier nicht falsch verstehen, das sage ich Ihnen als Systemkritiker, als jemand, der für sich in Anspruch nimmt „progressiv“ zu denken, wenngleich mir klar ist, dass die „normierten Linken“ dies niemals verstehen. Sie haben ihre Wahrnehmung längst so verengt, dass Leute wie ich ihnen als „rückwärtsgewandt“ erscheinen. Die Welt steht Kopf, Herr Nabuscudor, und man wird sich nur mehr zurechtfinden, wenn man sich selbst und sein weltbild im Zaun hält.

      1. Die Frage, die man sich zunächst stellen muss: Wie kann man die Menschen, die so unterschiedlicher Herkunft, Bildung und Vermögens sind, miteinander versöhnen? Hier muss man ein Tabu brechen, denn bis dato galt diese Versöhnung nur als möglich, wenn alle gleich sind und auch gleich behandelt werden. Diese Voraussetzung ist nicht länger haltbar, weil sie uns schnurstracks in einen Ameisenstaat führt. Man muss also die Frage anders formulieren und die Prämisse der Gleichheit und Gerechtigkeit fallen lassen: Wie ist es trotz der augenscheinlichen Ungleichheit und Ungerechtigkeit möglich, dass sich die Menschen miteinnander versöhnen? Dies erfordert zunächst ein gemeinsames Ziel, dem sich alle mit Überzeugung unterordnen. Solche Ziele hatten wir im Verlauf der Geschichte, doch zumeist waren sie destruktiv: Sie bezogen sich auf die Nation und den Krieg. Letzterem haben wir abgeschworen, sodass sich zwangsläufig die Frage stellt, ob der Rückgriff auf die Nation auch ein friedliches Ziel verträgt. Man hat hier seine Zweifel. An und für sich kann man die „Nation“ als ein gemeinsames Unternehmen aller verstehen, man kann also zum Beispiel die Devise ausgeben: „Wir schaffen einen Vorzeigestaat, der weltweit einzigartig ist“. Das Problem, dem man sich hier konfrontiert sieht, ist: dass die Nation als Bezugsrahmen seit geraumer Zeit in Frage gestellt wird. Die Welt wird globaler, der Stellenwert der Nation schrumpft. Wenn wir aber die Nation verlieren, sind wir ausserstande ein gemeinsames Unternehmen zu definieren. Noch ist die Vorstellungskraft der Menschen räumlich beschränkt und kann sich niemals auf die Welt beziehen. Es bedarf also eines zweiten Tabubruches: Die Nation als gemeinsames Unternehmen wieder zum Leben zu erwecken. Dies sind die Rahmenbedingungen, in dem die „Umwertung aller Werte“ stattfinden muss.

        Sofort stellt sich die Frage wie Nation zu definieren ist. Der Deutsche neigt dazu dies mit Herkunft und Blut gleichzusetzen. Viel sinnvoller wäre es jedoch die Nation auf die gemeinsame Sprache zu beziehen, zumal man hier auf ein Merkmal aller stösst. Man muss also die Nation konsequent umdefinieren im Sinne eines gemeinsamen Verständigungswerks als Voraussetzung für ein gemeinsames Ziel. Menschen, die unsere Sprache noch nicht sprechen, aber Teil unserer Nation sein wollen, ist mit allem Nachdruck klar zu machen, dass dies auf lange Sicht nur über die Sprache geht. Niemand verlangt, dass jemand die Spreche in einem Jahr erlernt, aber der Wille muss ersichtlich sein. Damit löst man auch das Problem unterschiedlicher Herkunft und Religionen, zumal die gemeinsame Sprache zusammenschweisst. Dies ist die ultimative Voraussetzung um die Menschen miteinander zu versöhnen, eine Voraussetzung, die die Progressiven nicht verstehen können oder wollen. Natürlich steht es jedem frei fünf Sprachen zu sprechen, und es ist auch begrüssenswert, aber er hat eine Heimatsprache, um die sich sein Denken und Fühlen zentriert. Nur auf ihrer Grundlage kann man ein gemeinsames Ziel errichten. Dann stellt sich die Frage der „Grenze“. Ein Nation ohne Grenze kann es nicht geben, das Nichtvorhandensein des einen löst das andere auf. Seit geraumer Zeit wird „Grenze“ negativ konnotiert, dies ist schleunigst abzustellen. Die „Grenze“ ist für jeden Einzelnen wünschenswert, sowohl den anderen Bürgern gegenüber als auch den anderen Nationen. Niemand will zu nahe an anderen picken.

        Schlussendlich und vor allem stellt sich die Frage, wie die von Bildung und Vermögen Begünstigten sich in die Gesellschaft einbringen. Es bloss monetär, über das Steuersystem zu tun, greift zu kurz. Jeder dieser Bevorzugten sollte sich im sozialen Engagement üben, unter Menschen gehen und sich aktiv einbringen. Das Abkapseln und die Hinwendung zum Weltmarkt führt bloss in die Isolation der Vorstadtvillen. Man sollte durch gezielte Anreize das Engagement dieser Leute verstärken, indem man z.B. jährlich eine Best-of-Liste veröffentlicht, die positives Engagement honoriert und auch eine Worst-of-Liste, die das Gegenteil aufzeigt. Von den Benachteiligten ist zu erwarten, dass die Leistungen, die sie kostenlos in Anspruch nehmen, nicht als Geschenk betrachten, sondern als einen Vertrauensvorschuss, den sie der Gesellschaft auch wieder zurück geben, wenn sich ihre Lage bessert. Begrüssenswert wäre auch hier kostenloses soziales Engagement, die Aktivierung sozialer Potentiale und ein Bekenntnis zu den gemeinsamen Zielen. Von den Intellektuellen muss man erwarten, dass sie endlich aufhören Gedankenschlösser zu bauen und Zwietracht zwischen den Menschen zu säen. Ihre Aufgabe ist die Verdeutlichung der Zusammenhänge, in wir alle leben und ein Verstädnis für deren Akzeptanz zu wecken. Den Staatsarbeitern (=Bürokraten) ist klar zu machen, dass sie von den Bürgern finanziert werden, was zu einer besonderen Sensibilität im Umgang mit ihnen verpflichtet. De grösste Umbau freilich wird auf den Staat zukommen: Bürgerrechte sind auszubauen, die Spitzelei und Kontrolle ist sofort zu beenden. Alle demokratischen Parteien haben sich in einer Präambel zur Einhaltung des allgemeinen Ziels „einen befriedeten Vorzeigestaat zu schaffen“ zu verpflichten, tun sie es nicht, sind sie zum Antritt bei der Wahl nicht berechtigt. Die Grabenkämpfe in den Parlamenten, die sinnlose Hetze jeder gegen jeden, hat aufzuhören, und das Wohl aller ist stets im Auge zu behalten.

        All dies wird mit „Demokratie“, so wie wir sie heute kennen, nicht mehr viel zu tun haben. Plutokratisches Verhalten ist auf das Strengste zu bestrafen, Korruption und Vernetzung zu verurteilen. Wer sein Ziel nur in der persönlichen Bereicherung findet, ist in dieser Gemeinschaft fehl am Platz. Zuzug ist zu begrüssen, sofern sich die Betroffenen an die Regeln halten. Der Weltmarkt wird an Bedeutung verlieren, Investitionen müssen ins Inland gelenkt werden. All diese Ziele sind mit „persönlicher Freiheit“ vereinbar, aber nicht in dem grenzenlos Ausmass wie es aktuell gefordert wird. Man muss „Freiheit“ umdefinieren als Verantwortung im Rahmen eines Gemeinwesens. Nach aussen hat sich der Staat kompromisslos zu verhalten, ein Abweichen von seinen Zielen ist undenkbar. Bevormundung durch andere Staaten ist auf freundliche Art zurückzuweisen, trotzdem ist das friedfertige Nebeneinander zu suchen. Auf diese Art könnte es gelingen die Konkurrenz endlich umzupolen, und andere Staaten zum Einschwenken auf diese Ziele zu bewegen. Standhaftigkeit und Sturheit ist gefragt, nicht willenloses Entgegenkommen. Ich denke, dass der Kapitalismus als Konstrukt diese Aufgabe bewältigen könnte, aber nicht in der heutigen Form, die blind den Erfordernisses des Weltmarkts folgt. Im Grunde ist es eine neue Gesellschaft, die hier zu schaffen ist, und die vom Kapitalismus nur Freiheit, Eigentum und Bürgerrechte übernimmt. Die staatliche Organisation wird gänzlich umgestülpt und manch „Linker“ wird dies wohl als „totalitär“ wahrnehmen. Aber so ist`s nun mal im Leben: Persönliche Freiheit und Verantwortung für die Gemeinschaft sind zwei Pole, die nicht leicht unter einen Hut zu bringen sind. Man wird Abstriche bei der „Freiheit“ machen müssen, anders wird das Ganze in einer Katastrophe münden…..

        PS. Das ist nur ein Versuch der Definition, ich erwarte von niemandem, dass er hier inhaltlich übereinstimmt. Aber er soll zeigen, dass es Methoden der Logik gibt, die ausserhalb der Ideologie stehen, Und dass wir diese Art von Denken zu entwickeln haben. Wer glaubt immer nur den gleichen Brei herunterbeten müssen, soll in die Kirche gehen. Denken über ideologische Grenzen hinweg ist gefragt, nicht die Einzementierung in Gedankenschlösser. Leicht möglich, dass sich auf diese Art ganz andere politische Inhalte eröffnen……

        1. Natürlich: Alles im Kapitalismus ist destruktiv. Es stehen sich IMMER zwei Parteien im Vertragskampf gegenüber und zumindest einer empfindet sich nach geraumer Zeit als „über den Tisch gezogen“. Oft kommen die Leute erst am Lebensende zu diesem Schluss. Verstehen Sie nicht, dass Kapitalismus direkt aus dem Krieg entspringt? Dass Vertragskampf nichts anderes als ein wirklicher Kampf ist? Und das gilt für alle, für Unternehmer wie für Arbeiter. Was wollen Sie da moralisieren? Sorry, für dieses Geschäft bin ich nicht zu haben…..

          1. Herr Felsberger,

            Überhaupt nichts will ich moralisieren! Es geht auch nicht darum, „im Herzen sind wir alle gut“ à la Waldorf Schule usw. usf. Nein! Es geht, um mathematische zum Scheitern verurteilten Umwerteilungssysteme. Aber nach Ihrem Zitat:

            „Verstehen Sie nicht, dass Kapitalismus direkt aus dem Krieg entspringt?“

            habe ich vieles verstanden, dass ich vorher nicht sehen wollte. Danke für den kostbaren Austausch Herr Felsberger.

            Schönen Abend
            Nabucosodor

            1. Ja, Ihnen auch alles Gute, Herr Nabuscudor! Wir hören uns sicher wieder. Und Ihnen, Herr Buschbeck, danke für das Betreiben dieser Seite! Liebe Grüsse A.F.

    1. Lieber Herr Felsberger,

      In unserer schnelllebigen Zeit findet eine exakte Kommunikation selbst bei elementaren Themen kaum noch statt. Eine exakte Definition von Begriffen ist jedoch eine unverzichtbare Grundlage für eine konstruktive Kommunikation. Ich habe mich bemüht, bin aber bei Ihnen gescheitert, da Sie mich in der sozialistischen Ecke versuchen abzustempeln! Zins, Derivate, Giralgeldschöpfung, Vollgeld usw. habe ich versucht darzulegen, dabei immer auf meine Berufserfahrung am Finanzmarkt – und nicht nur! abgestellt.

      Ich bin weder progressiv, noch konservativ, sondern versuche an der Warheit so nah wie möglich zu kommen, dabei mich nicht von getäuschte Wahrnehmungen in die irre führen zu lassen.

      Sie, Herr Felsberger, sind Östereicher, oder? Kennen Sie die Geschichte von Wörgl?

      Mitten in der dramatischen Weltwirtschaftskrise 1929 hat der Bürgermeister von Wörgl fließendes Geld eingeführt – eine Stadtwährung. Das hat die Arbeitslosigkeit praktisch beendet und Wörgl mitten in der Krise eine vorbildliche Infrastruktur verschafft.

      Das Experiment war so erfolgreich, dass es viele Nachahmer fand, sogar jenseits des Atlantiks. Der Ministerpräsident Frankreichs Édouard Daladier besuchte den Ort. Die Finanzexperten allerdings erklärten die Stadtwährung für groben Unfug. Die österreichische Zentralbank setzte bei der Regierung in Wien ein Verbot durch. Der Bürgermeister ging vor Gericht, verlor und wurde entlassen. Wörgl kehrte zurück zur Landeswährung, zu hoher Arbeitslosigkeit und schrecklichem sozialen Elend.

      Die Kompetenz der Finanzexperten ist seitdem nicht gewachsen. Ein Träger des Wirtschaftsnobelpreises wurde neulich gefragt, was an den schönen Modellen der Ökonomen falsch sei, wo doch die Welt von einer Krise in die nächste schlittere. „Die Modelle sind richtig, die Wirklichkeit ist falsch“, hat er geantwortet. Unser Pech: Wir leben und arbeiten in dieser falschen Wirklichkeit.

      Als Ihr Schüler kann ich nur von Ihnen lernen, umsomehr bin ich erstaunt, dass Sie viele Zusammenhänge ausblenden, so u.a. das Zins und Zinseszins Systembestandteile sind. Sie haben Nebenwirkungen, die deshalb auch Systembestandteil sind. Schreckliche Nebenwirkungen: So wie die Geldvermögen exponentiell wachsen, müssen auch die Schulden exponentiell wachsen.

        1. Lieber Kurator,

          hervorragend! Wenn wir alle Stufen der Wertschöpfung zusammenzählen, erhalten wir einen Zinsanteil im Endpreis von im Durchschnitt 45 Prozent. Zusätzlich zahlen wir einen großen Teil unserer Steuern für den Zinsdienst der öffentlichen Haushalte. Wir können deshalb grob rechnen, dass wir mit jedem Euro den wir ausgeben, die Hälfte für Zinsen und nur die andere Hälfte für das Produkt oder die Dienstleistung bezahlen.

          Mit fließendem Geld hätten wir alle – in Preisen von heute – die doppelte Kaufkraft. Geld vermehrt sich dann nur noch durch Arbeit. Diejenigen, die arbeiten erhalten den vollen Gegenwert für das, was sie tun. Die Finanz,- Bank, und -Versicherungsindustrie schöpft nicht mehr die Hälfte ab und zwingt uns damit, den Gürtel enger zu schnallen, obwohl die Wirtschaft ständig wächst….

          1. Wenn Ihnen das Einkommen der Geldkapitalisten (=Geschäftsbanken) so ein Dorn im Auge ist, dann besteuern Sie es doch zu Tode! Verbieten Sie Dividenausschüttungen und führen Sie alle Gewinne der GB`s an den Staat ab! Sie werden sehen, wie schnell die Geldkapitalisten dann ihr Geschäft einstellen. Nur leider wird`s dann auch niemand mehr geben, der die Produktion der Eigentümerkapitalisten (=Unternehmer) finanziert. Es ist wie bei einem kranken Menschen:: Man kann ihn nur dann retten, wenn alle lebenswichtigen Organe erhalten bleiben. Schneidet man ihm das Herz raus, wird er sterben. Es wäre schön, wenn die Geldtheoretiker, die den Kapitalismus operieren wollen, dies schön langsam einsehen.-)

      1. Herr Nabuscudor: Ich will sie nicht abstempeln. Es tut mir leid, wenn ich diesen Eindruck erwecke. Ich zähle nur zu jenen, die sich von der Reform des Geldsystems keine Wundertaten erwarten. Das Experiment von Wörgl ist mir bekannt, über näheres Wissen darüber verfüge ich nicht.

        1. Lieber Herr Felsberger,

          Besten Dank. Wunder gibt es nicht, Herr Felsberger. Eine Reform des Geldsystem ist jedoch die unabdingbare Voraussetzung für alle andere Veränderungen die wir brauchen. Übrigens: Fliessendes Geld hat es schon mal gegeben, ausserhalb, des Experiment von Wörgl. In Mitteleuropa: von 1150 bis 1450!!

          Wenn Sie damals ein erfolgreicher mittelständischer Unternehmer – ein Handwerksmeister – waren, wollten Sie die „Umlaufgebühr von 20 Prozent“, (DIE AUCH DIE EINZIGE STEUER WAR), am Jahresende umgehen. Sie haben ein Haus gebaut und dafür alles Geld ausgegeben. So brauchten Sie die Münzen nicht einzutauschen.

          Überall in Mitteleuropa entstanden mit diesem fließenden Geld prächtige Fachwerkhäuser. In Nordeuropa waren Steinhäuser die Zeugen des Reichtums. Ärmliche Fischerdörfer rund um Nord- und Ostsee entwickelten sich zu prächtigen und mächtigen Hansestädten. Viele malerische mittelalterliche Städte wurden gegründet oder ausgebaut: Quedlinburg, Schwerin, Marburg, Rothenburg, Görlitz, Prag, Passau, Salzburg, Graz, Luzern, Zürich, Colmar, Tübingen, Gent, Antwerpen.

          Es war eine Zeit mit überquellendem Genuss und triefender Lebensfreude und – 300 Jahre Frieden. Nachdem die Menschen für alles Irdische gesorgt hatten, haben Sie ihren Überfluss der Kirche gespendet, die damit in diesen 300 Jahren große Dome und Kathedralen baute: Von Köln bis Regensburg, von Straßburg bis Magdeburg, von Fulda bis Breslau.

          Diese vielen eindrucksvollen Investitionen wurden mit nur 20 bis 30 Arbeitsstunden in der Woche erschaffen. Neben dem Sonntag war der „blaue Montag“ arbeitsfrei. Darüber hinaus gab es etwa hundert kirchliche Feiertage im Jahr. Das alles war möglich, weil es keine Finanzwirtschaft gab, die – wie es heute ist – weltweit das Zehnfache von dem beansprucht, was die Realwirtschaft erarbeitet.

          Nochmals: Altersamut, Demenz, Umweltzerstörung, Jugend, neue Berufe usw. sollten unsere gemeinsamen Goal sein…

          1. Es stimmt, was sie sagen: Die Münzen des Mittelalters waren nicht „werthaltig“, sie waren klein, flach und aus minderem Material, und zur Akkumulation nicht geeignet. Nur liegt die Kausalität anders als Sie vermuten: Die Werthaltigkeit der Münzen korrespondiert mit dem Weltmarkt und nicht umgekehrt. So finden wir auch die ersten, schweren und „werthaltigen“ Münzen bei den Venezianern und Spaniern. Ich halte nichts von der These, dass Geld die Art des Marktes oder des Wirtschaftens beeinflusst. Die Dinge liegen umgekehrt: Der Weltmarkt schafft sich seine Währung! Was es daher bedarf, ist eine bewuste Abkehr vom Weltmarkt, eine selbstgewählte, freiwillige Beschränkung.

          2. Stellen Sie sich vor, wir stranden zu Hunderten auf einer Insel. Weil wir aufgeklärte Mneschen sind, die die Organisation des Kapitalismus verstanden haben, trachten wir nach der Errichtung eines Systems, das unserem zu Hause ebenbürtig ist. Wie gehen wir vor? Wir teilen uns in drei Gruppen: 1) Arbeiter, die die überwiegende Mehrzehl der Gestrandeten bilden, 2) Unternehmer, denen wir die Fähigkeit zutrauen kraft ihrer Autorität die Produktion zu organisieren und zu planen, und 3) Papierzettel-Produzenten, deren Aufgabe darin liegt, ein Hilfsmittel zur Verteilung des Produkts zu schaffen. Wir haben zwei Moglichkeiten das Produkt unter allen zu verteilen, ex post, indem wir schauen, was produziert wurde und es dann aufteilen, oder ex-ante, indem wir die Verteilung zu einem Zeitpunkt festlegen, wo noch gar kein Produkt existiert. Die erste Methode ist simpel und effizient, hat aber den Nachteil, dass wir gar nicht wissen wie das Bedürfnis der Gestrandeten gelagert ist. Sie müssten zunächst festlegen, was sie persönlich wünschen, und könnten von diesen Plänen auch nicht mehr abweichen. Die zweite Methode ist komplex, hat aber den Vorteil, dass sich das Bedürfnis aller in Schwankungen der Preise der Produkte darstellt, sodass die Konsumpläne der Gestrandeten variabel sind und sich im Laufe der Produktion noch ändern können. Da wir keine Sozialisten sind, die planen, sondern aufgeklärte Kapitalisten, entscheiden wir uns für den zweiten Weg.

            Wir wissen, dass eine ex-ante-Verteilung nur möglich ist, wenn wir alle Beteiligten mit einem Papierzettel, auf dem eine Zahl steht, ausstatten, und die Gestrandeten dann selbst entscheiden, welche Zahl sie den einzelnen Produkten entsprechend ihrem Bedürfnis zuordnen. Wir installieren also ein umfassende Zahlensystem, wo die Summe aller Zahlen annähernd den Papierzetteln entspricht und jeder Papierzettel als 1 zählt. Würde die Summe aller Zahlen der noch zu produzierenden Waren die ausgegebenen Papierzettel übersteigen, käme es bei der Verteilung des Produkts zu Preisnachlässen. Umgekehrt müssten wir mit Preisanstiegen rechnen, wenn die Zahlensumme der geplanten Produkte unterhalb der ausgegebenen Papierzettel liegt. Aber dies ist ein Nebenproblem, mit dem wir uns hier nicht beschäftigen. Als Erstes treten die Unternehmer auf dem Plan, die abschätzen müssen, welche Produkte in welcher Menge produziert werden sollen. Sie orientieren sich dabei an dem Preis der Produkte, die nachgefragt werden, und der mit dem Bedürfnis aller schwankt. Dann fordern sie Papierzettel an, um von anderen Produzenten die Vorprodukte zu kaufen, die sie selbst benötigen um ihre geplante Absatzmenge zu produzieren. Mit einem anderen Teil dieser Papierzettel kaufen sie die nötige Arbeitskraft, einen Dritten verwenden sie dazu, den Papierzettelproduzenten ihr Einkomemn (=Zins) zu zahlen. Somit haben wir einen riesigen Papierberg, der den drei Klassen zugeordnet wird:

            Alle Unternehmer fordern Papierzettel an und erlangen sie zugleich, weil sie ja Vorleistungen für andere Unternehmer liefern. Die Arbeiter kommen in den Besitz eines riesigen Papierberges und die Papier-Zettelproduzenten selbst leiben sich einen Teil als Zins ein. Am Ende der Produktion, beim Endprodukt, werden diese Papierzettel nun eingelöst und von den Unternehmern eingesammelt. Die Arbeiter kaufen sich ihre Endprodukte, die sie mögen, die Papier-Zettelproduzenten auch, sodass diese Zettel problemlos zu den Unternehmen zurückfliessen. Bleibt nur mehr das Problem des Gewinns, das die Unternehmen elegant lösen, indem sie sich vom Endprodukt einen Teil zum Selbstgebrauch einbehalten. Alle Papierzettel sind nun eingesammelt, der Lohn der Arbeiter, und der Zins der Papierzettel-Produzenten, und alle Endprodukte wurden abgesetzt, mit Ausnahme des Teils, den die Unternehmer selbst konsumieren. Alle sind versorgt, und alle Papierzettel können nun ihren Rückweg zu den Papierzettel-Produzenten antreten, wo sie vernichtet werden. Bleibt nur das Problem langlebiger Güter (=Produktionsmittel), die, weil sie ja in dieser Periode zwar gekauft, aber nicht abgesetzt wurden, einen Teil der Papierzettel binden. Der wird von denen gehalten, die Papierzettel „gespart“ haben, das können Arbeiter genauso sein wie Unternehmer oder Papierzettelproduzenten. So in etwa läuft der Kapitalismus ab, nur dass man sich die Papierzettel als GB-Geld denken muss. Genauso wie die Zettel werden sie aus dem Nichts geschaffen und dann wieder vernichtet.

            PS: Das System hat gewisse „Strafmassnahmen“ eingebaut, die auf den ersten Blick nicht ersichtlich sind, und den Vorgang bei weitem nicht so harmonisch ablaufen lassen wie bei Gestrandeten auf einer Insel. Hier ist 1) die Verweigerung der Arbeit durch die Arbeiter, die dadurch bestraft wird, dass sie dann keine Papierzettel haben um ihre Existenz zu bestreiten. Auf diese Art wird garantiert, dass die Arbeiter sich zu jedem Zeitpunkt maximal anstrengen. Verschärft wird diese Regel dadurch, dass die Arbeiter in Konkurrenz zueinander um die Arbeit stehen, um die Zettel zu erhalten. Dadurch entseteht bei den Arbeitern immer ein Gefühl der Zettel-Knappheit, sie fühlen sich existenziell bedroht. 2) Die Bestrafung der Unternehmer durch Konkurs, wenn sie an den Bedürfnissen aller vorbei produzieren. In diesem Fall verlieren sie ihre Fähigkeit, die Zettel, die ihnen ex-ante zugeordnet wurden, wieder einzutreiben und zurückzuzahlen. Sie liegen bei den Arbeitern, den Zettel-Produzenten oder bei anderen Unternehmern, die mit den angebotenen Waren nicht zufrieden waren und auf bessere Produkte warten. Daraus folgt 3) ein Bestrafungsmechanismus für jene, die im Konkursfall einzelner Unternehmer diese Papierzettel halten: Sie werden zwangsweise eingezogen, ein Verfahren, für das die Betroffenen natürlich kein Verständnis haben. Aus ihrer Sicht haben sie sich korrekt verhalten, indem sie auf Konsum verzichtet haben. So ensteht bei allen immer ein Gefühl der Zettel-Knappheit und der anonymen Bedrohung durch irgendwelche „Geister“ (=Konkurs), die man nicht fassen kann. Das macht die Höllenmaschine „Kapitalismus“ aus.

            1. Mathematisch stellt sich für die Gestrandeten das Ganze wie folgt dar:

              1) „Summe aller langlebigen Produkionsmittel (zu Anschaffungspreisen) = EK der Unternehmen + FK der Unternehmen“, je nachdem wo die Papierzettel, die für diese Produktionsmittel ausgegeben wurden, liegen. Landen sie ausschliesslich bei den Arbeitern (Lohn) und Zettel-Produzenten (Zins), ist das EK der Unternehmen Null, während Arbeiter und Zettel-Produzenten ein positives EK haben. Verbleiben sie zur Gänze im Unternehmenssektor, dann ist dessen EK positiv, und das der anderen Beteiligten Null.

              2) Dieser Bestand an Produktionsmittel, der formal im Eigentum der Unternehmer steht, de facto aber im Eigentum derer, die das positive EK haben, muss Jahr für Jahr wertberichtigt werden (Abnutzung), was durch Zusatzeintreibung von „gesparten“ Zetteln gelingt: „Abschreibung = Aktivierung „gesparter“ Zettel im gleichen Ausmass“.

              3) Das Vermögen der Ökonomie besteht bloss aus Produktionsmittel, die „gesparten“ Zettel hingegen sind ein Mittel der Zuordnung des Eigentums. Deshalb verliert im Konkursfalle einiger Unternehmer auch der Zettel-Inhaber, weil er de facto Eigentümer ist, auch wenn er es gar nicht begreift.

              Das Ganze erinnert sehr an eine kollektiv-sozialistische Produktion, nur mit dem Nachteil, dass die Beteiligten ihre Rolle nicht verstehen. Im Sozialismus ist alles glasklar, der Kapitalismus wird allen auf ewig ein Rätsel bleiben. Die Unternehmer fühlen sich als Eigentümer, obwohl sie es nur in der Höhe ihres EK`s sind. Die Arbeiter fühlen sich als Lohnabhängige, obwohl sie im Ausmass ihrer „gesparten“ Zettel (=EK) de facto Eigentümer sind. Und die Zettel-Produzenten begreifen gar nicht, was der Zinssatz ist, nämlich bloss eine andere Art von Lohn, geschweige denn: dass sie in der Höhe ihres EK`s Eigentümer an den Unternehmen sind. Kracht es dann bei den Unternehmen, gehen sie in Konkurs, fühlen sich alle zu Unrecht bestraft, weil sie sich als Nicht-Eigentümer fühlen.

              1. Es gilt also in toto für unsere Gestrandeten:

                4) „Summe aller langlebigen Produktionsmittel = Summe des Gesamt-EK`s = EK der Unternehmen + EK der Arbeiter + EK der Zettelproduzenten“,

                obwohl die beiden Letzteren nur „gesparte“ Zettel halten.

                1. Lieber Herr Felsberger,

                  es ist mir eine Ehre Ihr Schüler zu sein, deshalb werde ich mir gründlich die Zeit nehmen Ihre hervorragende Gegendarstellung zu verinnerlichen.

                  Wenn Sie infos zu Freigeld möchten hier:

                  http://www.werner-onken.de/

                  Bis bald….

                  1. Beim Lohn ist es klar: Unternehmen schieben hin, Arbeiter über Konsum wieder zurück. Beim Zins läuft`s gleich: Unternehmen schieben hin, Geldkapitalisten über Konsum wieder zurück. Man muss Kredit feinsäuberlich vom Zins trennen. Denn der Kredit wird zunächst von den Geldkapitalisten zu den Unternehmen geschoben und dann wieder zurück. Wenn man Kredit und Zins in einen Topf wirft, dann: versteht man nichts.-) Man sieht nicht, dass die Stromrichtung gegensätzlich ist.

                    1. Lieber Herr Felsberger,

                      während meiner Recherchen bin ich auf eine regelrechte „Goldgrube“ gestossen, dass:

                      http://www.wertewirtschaft.org/ in Wien!

                      Die öst. Nationalökonomie in der Person des Ausnahmewissenschaftler Ludig von Mises, hat mich immer fasziniert.

                      „Wenn man Kredit und Zins in einen Topf wirft, dann: versteht man nichts.-)“

                      Erneut betone ich, dass ich hier keine Neiddiskussion führen will, es geht um Gerechtigkeit und logisches Denken.!!!

                      Vor Jahren las ich in einem Buch, dass die 3 reichsten Menschen der Welt ein Vermögen besitzen, das dem Bruttoinlandsprodukt der 50 ärmsten Länder entspricht. Ich habe dies einmal an Hand aktueller Zahlen erneut überprüft. Das offizielle Vermögen der drei reichsten Menschen des Planeten Erde betrug 2014 …

                      nach Forbes ca. 227 Milliarden US-Dollar. Nun habe ich das Bruttoinlandsprodukt der ärmsten Länder addiert. Als Grundlage diente eine Liste auf Wikipedia, die dort präsentierten Zahlen sind Schätzungen des IWF für das Jahr 2013 (Stand April 2014). Nachdem ich das BIP der Länder Platz 131 (Madagaskar) bis Platz 188 (Tuvalu) summiert hatte, kam ich auf ein Ergebnis von 223,347 Milliarden US-Dollar. Das Vermögen der 3 reichsten Menschen wird demnach aktuell mit dem BIP der 58 ärmsten Länder abgebildet.

                      Zu bemerken sei noch, dass es sich beim BIP der Staaten um sogenannte Flussgrößen, es sich bei den Vermögen jedoch um Bestandsgrößen handelt. Das bedeutet, das Fazit ist noch perfider als uns diese oben genannten Zahlen sagen. Fließendes Geld stoppt diesen irrenUmverteilungsmechanismus, der sich über den Zinsfluss ergibt. Insofern ist die Änderung der Art der Umlaufsicherung des Geldes ein brillanter Schritt zu wesentlich mehr Gerechtigkeit.

                      Auf lange Sicht gibt es mit konsequenter, mathematisch korrekter Logik nur eine Lösung: Die Exponentialfunktion muss aus dem Wirtschaftssystem entfernt werden. Und dies gelingt nur, indem die Triebkraft, die uns alle zu immer mehr Wachstum zwingt, entschärft wird: die Zinseszinsfunktion unseres Geldsystems.

                      Die Lösung dieser Problematik lässt sich daher wirklich sehr kurz zusammenfassen: Der Zins, der nicht umsonst durch alle(!) Weltreligionen verboten ist, muss aus dem System eliminiert werden. Allein dieser Eingriff würde es ermöglichen, Wohlstand auch ohne Wachstum zu schaffen.

                      Der besorgte Rentner mag sich nun vielleicht fragen, ob seine Rente noch sicher ist, wenn seine Einzahlungen nicht mehr verzinst werden. Die Antwort ist, dass die Rente gerade nur dann sicher sein kann, wenn der Zins abgeschafft wird. Ersparnisse kann man auch ohne Zinsen bilden, nur vermehren sie sich dann nicht ständig von alleine. Im Gegenzug entfällt dann aber auch die Inflation, so dass eine Verzinsung gar nicht mehr nötig ist. Die Vorstellung von einer verzinsten Rente ist ohnehin abwegig, denn die Versorgung von Menschen, die Aufgrund hohen Alters oder aus anderen Gründen nicht arbeiten können, wird immer nur von den aktuell Werktätigen anteilig aufgebracht. Eine Vermehrung durch Zinsen ist dazu weder erforderlich noch möglich.

            2. Herr Felbsberger,

              „Da wir keine Sozialisten sind, die planen, sondern aufgeklärte Kapitalisten, entscheiden wir uns für den zweiten Weg.“

              Im Kapitalismus, so wie Sie es nennen, ordnen sich alle Staaten einer international aktiven Finanzmacht unter. Diese leiht den Staaten Geld und legt die Konditionen dafür fest. Kapitalistische Staaten haben kein eigenes Geld, das sie in Form einer Währung in Umlauf bringen können, ansonsten wären sie nicht allesamt verschuldet. Sie leihen es sich von Institutionen, die über verschiedene Zwischenstufen außerhalb jeglicher staatlichen Kontrolle stehen. Die Folge ist, dass kaum jemand weiß, bei wem eigentlich all die Staaten verschuldet sind, und wer die Zinsen hierfür kassiert.

              Einer der vielen Erkenntnisen die man bei den Schriften und Theorien von Ludig von Mises gewinnt, ist, dass wir heute in einer pseudo-kapitalistische-wirtschaftliche Ordnung leben und arbeiten.

              Der Banken- und Staatsapparat ist so aufgebaut, dass die Zentralbanken, die ihre Gewinne theoretisch in den Staatshaushalt abführen würden, kaum Gewinne machen. Sie verleihen das von ihnen hergestellte Kreditgeld zu minimalen Zinsen an private Geschäftsbanken, die es dann zu wesentlich höheren Zinsen an Staaten weiterverleihen. Die betreffenden Beträge können dabei noch zusätzlich gehebelt werden auf Basis des Mindestreservesatzes, der in der Euro-Zone seit Januar 2012 bei nur noch 1% liegt.

              So generieren die Geschäftsbanken als „Zwischenhändler“ und „Multiplier“ sichere Gewinne auf Kosten der Steuerzahler. Diese Leistungsträger der Gesellschaft sorgen dann durch ihren Zinsdienst nicht nur dafür, dass die Gewinne der Banken erwirtschaftet werden, sondern tragen hierbei sogar noch selbst das Risiko!

              Ihre Ausführungen sind sehr Interessant, verkennen jedoch die Wirklichkeit.

              Sie argumentieren sehr oft mit dem EK. Was EK sind wir uns inzwischen einig. Gehen wir eine Stufe weiter. Eigenkapital ist kein reales Geld, sondern das Resultat von Willkür wie die Ereignissen uns immer wieder beweisen!

              Für die GB ist Eigenkapital jedoch die legitime Grundlage, im Mindestreservesystem für die Kapitaleigentümer aus dem „NICHTS“Geld zu erschaffen und für Konsumzwecke (mit dem Eigenkapital als „Sicherheit“) bereitzustellen.

              Denken Sie mal darüber nach was für verherrende Folgen all das hat….deshalb, ist es wichtig sich die Bilanzen und Geschäftsberichte genau anzusehen, um zu verstehen was da läuft…

              1. Herr Nabuscudor: Die Plünderung des Staates ist das älteste Geschäft der Welt. Denken Sie an die Fugger, an die Welser, an die sagenhaften Reichtümern, die Sie den Habsburger abgerungen haben. Dabei war die Methode immer die Gleiche: Man gibt dem Kaiser Kredit und erhält im Gegenzug ein Recht auf Bergbau, Kolonien, usw. Man streckt in dem Wissen vor, dass der Kaiser nicht zurückzahlen wird, und sichert sich im Gegenzug ein Recht, das in der Zwischenzeit enorme Gewinne abwirft. Die ganze Transformation der „Alten Welt“ in die „Neue“ lief nach diesem Muster ab. Ein Jahrhundert später kam dann die Zeit der Kriegsunternehmer in Gestalt eines Wallenstein`s, die den Staat mit militärischen Diensten und Kriegsgerät versorgten, und sich diese Leistungen teuer bezahlen liessen. Wieder verschuldete sich der Kaiser, wieder trat er Land, Titel und Macht ab. Mit diesen Methoden der Erpressung und Plünderung hat sich die neue Bürger- und Händlerklasse Schritt um Schritt ins Zentrum der Macht bewegt und letztendlich sogar den Staat in einen „bürgerlichen“ transformiert. Was erwarten Sie sich nun von diesem „bürgerlichen Staat“? Herr Nabuscudor? Dass er ein Unschuldiger oder gar ein Heiliger ist? Ich kann ihre Aufregung nicht ganz verstehen.

                1. Der bürgerliche Staat ist dazu da um geplündert zu werden, dies ist der einzige Grund seiner Existenz! Marx hat das in dem Diktum verschönt: „Die Staatsschuld, d.h. die Veräußerung des Staats – ob despotisch, konstitutionell oder republikanisch – drückt der kapitalistischen Ära ihren Stempel auf. Der einzige Teil des sogenannten Nationalreichtums, der wirklich in den Gesamtbesitz der modernen Völker eingeht, ist – ihre Staatsschuld.“ Er wollte sich als „guter Deutscher“ nicht vorstellen, dass sich an dieser Plünderung letztendlich das ganze Volk beteiligen wird. Er wollte den Vorgang verschönen und dies Treiben der kapitalistischen Klasse in die Schuhe schrieben. Mag sein, dass sie es war, die diese Methode erfunden hat und im gleichem Atemzug diesen Staat geboren hat, aber mittlerweile ist sie Allgemeingut geworden.Der bürgerliche Staat kann gar nicht weiter existieren ohne sich weiter zu verschulden!

                  1. Lieber Herr Felsberger,
                    In Angelegenheiten, die man beeinflussen kann oder bei denen man sogar aktiv werden sollte, ist es keine Geduld, wenn man ruhig bzw. untätig bleibt. Man kann das dann eher als Faulheit, Feigheit oder Ähnlichem bezeichnen. Ihre Aussagen sind unzutreffend:

                    „Der bürgerliche Staat kann gar nicht weiter existieren ohne sich weiter zu verschulden!“

                    Die Nutznießer der Schuldenlast, die mittels Zinsen in enormen Ausmaßen Ressourcen von den arbeitenden Menschen abschöpfen, haben den Organisationsvorteil und durch Finanzmittel und Meinungsmache den entscheidenden Einfluss auf diejenigen, die auf der politischen Bühne ihre Brötchen verdienen möchten. Solange die arbeitende Masse keine vergleichbaren Machtinstrumente wahrnimmt, kann die Staatsentschuldung nur eine Illusion bleiben. Damit sich daran jemals etwas ändert, ist zunächst noch Aufklärung gefragt…hierzu auch Prof. Bontrup, der diskreditierte Staat!

                    Ich zitiere eine Pressemitteilung, McKinsey, 05.02.15:

                    „Die weltweite Verschuldung erreicht aktuell neue Rekordstände. Die globalen Schulden liegen heute bei 199 Billionen Dollar und damit 57 Billionen Dollar höher als zu Beginn der Finanzkrise 2007.“

                    Herr Felsberger, Viele Mainstream-Medien berichteten heute über die Ergebnisse einer neuen McKinsey-Studie. In den von mir gelesenen Meldungen zum Thema taucht nirgends das Wort Guthaben auf. Dies überrascht einerseits nicht, andererseits handelt es sich damit um eine unglückliche inhaltliche Verkürzung, denn den ca. weltweiten 200 Billionen US-Dollar Schulden stehen ca. 200 Billionen US-Dollar Guthaben gegenüber.

                    Auffällig ist erneut, dass auch nicht hinterfragt wird, wer die Schuldzinsen für diese Schulden bezahlt? Die Antwort ist einfach, alle Menschen (beim Einkauf, beim Steuern zahlen, über selbst aufgenommene Darlehen). Auch sollte diskutiert werden, was die Empfänger der Zinsen mit diesen leistungslos vereinnahmten Beträgen machen? Der große Teil dieser Summen werden wieder verzinslich angelegt. Damit die Bank jedoch auch für diese Volumina Guthabenzinsen auszahlen kann, müssen neue Darlehensnehmer gefunden werden. Auf Zinsen wieder Zinsen kassieren bringt den sogenannten Zinseszinseffekt. Insofern ist das exponentielle Wachstum von Guthaben und Schulden ein schlichtes mathematisches Ergebnis wegen des Wirkens der destruktiven Umlaufsicherung Zins. Für ein solches Fazit braucht man auch keine Studie.

                    Diesen von Menschen eingebauten Fehler im Geld,- Finanzsystem mit Wirtschaftswachstum kompensieren zu wollen, ist ein sinnloses Unterfangen. Dies kann niemals gelingen, im Gegenteil, beim Versuch, diesen Weg zu gehen, zerstören wir den Planeten, unsere Lebensgrundlage.

                    Bleiben Sie bei Ihren Aussagen über die zentrale Bedeutung von Geldherstellung, Zins, GB, Staat usw.usf.???

                    1. Die Gefahr ist das konstituierende Element der privatwirtschaftlichen Ordnung: Man wägt die Kosten der Gefahr gegen ihren ökonomischen Nutzen ab. Man hofft auf die Gefahr als disziplinierendes Element auf dem Weg zur Reichtumsproduktion. Der Unternehmer läuft Gefahr in Konkurs zu gehen, der Arbeiter seine Arbeit zu verlieren, alle unterliegen sie der Drohung des Abstiegs. Überall sieht man die Anreizung der Angst vor Gefahr, deshalb auch die paranoide Struktur dieser Gesellschaft: Man fühlt sich verfolgt, bedroht und gefährdet. Die Kultur der Gefahr liefert den Schlüssel zur „Moral“ dieser Ordnung: Im Umgang mit den gesellschaftlichen Gefahren sollen sich die Einzelnen bewähren, ihr Handeln und ihre individuelle Verantwortung sind es, die über Auf- oder Abstieg entscheiden. Daher ist die Ungleichheit unverzichtbares Element dieser Welt: Sie erst drückt aus, wie die Einzelnen ihre Gefahren meistern. Man kann sie also innerhalb der Logik der Privatwelt nicht nur nicht verhindern, sondern könnte es auch gar nicht wollen, sie zum Verschwinden zu bringen: ihre Existenz ist eine Art Gut, das es zu verwalten gilt.

                      Umso unveständlicher ist mir Ihr Anliegen, Herr Nabuscudor, die Ungleichheit und „Ungerechtigkeit“ aus dem System zu eliminieren. Gut, sie können es natürlich verlangen und auch politisch wollen, aber dann sollten Sie schon so ehrlich sein, dass Sie sich eine völlig andere Gesellschaft wünschen oder für diese kämpfen. Im Rahmen des Kapitalismus die Ungleichheit beseitigen zu wollen, ist ein Ding der Unmöglichkeit, weil sie der Sanktionsmechanismus ist, der die Einzelnen erst zur ökonomischen Aktivität anstachelt. Sie können gerne den Zins aus dem System rausnehmen, dann wird die Ungleichheit woanders wieder auftauchen, namentlich bei den Unternehmen, die dann übermässig verdienen werden. Ich halte all diese Diskussionen für post-sozialistische Verwirrungen, die mit dem Verlust des Leitbildes „Sozialismus“ zustandekommen. Wir sind in einer Phase der Geschichte, wo die Menschen völlig verwirrt sind und unmögliche Dinge fordern anstatt das wirklich und angeblich Unmögliche zu fordern (=den Sozialismus). Aber gut: Ich will niemanden seine Träume nehmen.

                      PS: Wenn ich mir die Verwirrung der sog. „Kapitalismuskritiker“ wie „Occupy“ anschaue, dann graut mir nur mehr. Und dann bete ich jeden Tag: dass diese Leute nicht zu ihrem Ziel gelangen.-)

                    2. Der ewige Streit zwischen den „Liberalen“ und „Sozialdemokraten“ stammt ja gerade daher, dass die einen die Regeln des Systems (Angst, Ungleichheit, Freiheit) ohne Vorbehalt akzeptieren wollen, während die anderen die Regeln unentwegt in Frage stellen und unterlaufen wollen. Zu Recht verweisen die „Liberalen“ darauf, dass man Systemregeln nicht einfach ändern kann, ohne schwere Verwerfungen auf anderen Ebenen zu erzeugen. Beispiel Kontrolle. Ein gewisses Mass an Kontrolle ist dem System immanent, überschreitet man es jedoch, wird man die Freiheit der Einzelnen dermassen stark abwürgen, dass die ökonomische Aktivität erlahmt. Ebenso das Prinzip der Ungleichheit, das nur in einem sehr engen Rahmen in Frage gestellt werden darf. Mir sind beide Gruppen unsympathisch: Die Liberalen, weil sie etwas für naturnotwendig halten, das in Wahrheit Ergebnis menschlicher Entscheidungen st, und weil sie eine Welt befürworten, die durch und durch inakzeptabel ist. Mir sind aber auch die „Sozialdemokraten“ unsympathisch, weil ihr Horizont nicht ausreicht, systemnotwendige Regeln von veränderbaren zu unterscheiden. Letztendlich ist das ein Ausfluss ihrer Lebenslüge, nämlich zu glauben: Marx reformistisch deuten zu können. Das spielt`s leider nicht.-)

                    3. Herr Felsberger,

                      „Umso unveständlicher ist mir Ihr Anliegen, Herr Nabuscudor, die Ungleichheit und “Ungerechtigkeit” aus dem System zu eliminieren. Gut, sie können es natürlich verlangen und auch politisch wollen, aber dann sollten Sie schon so ehrlich sein, dass Sie sich eine völlig andere Gesellschaft wünschen oder für diese kämpfen. “

                      Wie ich schon Eingangs erwähnt habe, und ich wiederhole es nochmals, weil es wichtig ist! Es geht weder, um Sozialromantik, noch um Kapitalismuskritik, sondern um Warheitsfindung!!!

                      Es gibt inzwischen zu den Geldsystemkritkern eine Gegenbewegung die u.a., die Giralgeldschöpfung der Geschäftsbanken,Zinsenszinsfunktion usw.usf. leugnet, bzw. in Abrede stellt. Ich nehme für mich in Anspruch, hier Fakten dargelegt zu haben die der Warheit/Realität ziemlich nahe kommen. Das Geldsystem arbeitet mit Täuschung und der Unterdrückung wahrer Tatsachen, in der Absicht, sich einen wirtschaftlichen Vorteil zu verschaffen. Die Banken sind u.a. die Marktteilnehmer. Sie bewegen sich in einem gesetzlichen Rahmen. Wenn Sie also jemanden „verklagen“ wollen, so ginge dies nur zivilrechtlich;

                      z. B. auf Schadensersatz. Strafrechtlich müssten Sie die Regierung, die Bundesbank und die EZB „anklagen“.
                      Zivilrecht=verklagen
                      Strafrecht=anklagen

                      Wir sind Zeitzeugen der grössten Enteignung und Zerstörung in der Menscheitsgeschichte.

                      Wie ist es zu erklären, dass die Problematiken des Zinssystems und der Geldschöpfung derart ausgeblendet werden – oder wo sie behandelt werden, dann meist mit irreführenden Theorien und Begriffen? Sie ahnen es schon, oder?

                      Der andere grosse aus der Austrian School; Roland Baader sagte: „Schlußendlich werden sie alle fallen, weil das gesamte System marode ist“

  3. Diese Krankheit kann man von Marx bis zum Ordoliberalismus verfolgen, und ist auch der Grund, warum dieses Volk sich für das kapitalistische Geschäft nicht eignet.

    @Felsberger
    alles richtig, besonders köstlich die „Tausch-Ösis“ 🙂 die notfalls wegen Vorfinanzierungsphobie bis auf die Bäume zurück wollen. Nur eben auch mal speziell bzgl. Marx – der alte Karl hat ja bezüglich der zu STEUERden Schattenseiten des Kapitalismus (Marktvermachtung, Angebotszwang Arbeit ohne faire Preisbildung bei fehlendem Sozialsystem, Kriegsgefahr bei sinkenden Profiten) exakt und richtig beschrieben.

    Aber an der nötigen Vorfinanzierung der Wertschöpfung(Kaufvorsprung des Investors) klebt ja der Mehrwert als Risikoprämie (aber nicht kausal Bankkredit und Zins). Den MEHRWERT (nicht auf Marktvermachtung eingeschränkt) als Ausbeutung zu diskreditieren war sein grober Murx.

    oder noch anders – der eigentliche Vorfinanzierer ist der Unternehmer und nicht das Bankensystem, welches nur das Thema Termin = Vollstreckung implementiert, ohne das jede(r) Kaufvorsprung/Vorfinanzierung ein Geschenk wäre.

    1. Lieber Jörg,
      Lieber Herr Felsberger,

      „Das Casino, das sie kritisieren, ist ein Nullsummenspiel, das für manche einen Zweck (=Versicherung) hat und für manche nicht. Auch daran gibt`s nichts zu rütteln. Die permanente Infragestellung der Vorfinanzierung ist eine typisch deutsche Krankheit, eines Volkes, das am liebsten nur produzieren würde, aber niemals vorfinanzieren.“

      Aus den Vergütungsstrukturen der Finanzwirtschaft leiten die Finanzmanager immer höhere Renditeanforderungen an die Unternehmen der Realwirtschaft ab, dass ist ein Teil der wirklichen Krankheit! Neben dieser Grundfunktion, die ihr beide immer hervorhebt, übernimmt die Finanzwirtschaft die Aufbewahrung und Verwaltung von Geldern, die nicht in den Wirtschaftskreislauf zurückgeführt werden. Wie Geld ensteht und zu welchen Konditionen es im Umlauf gebracht wird, habe ich schon dargelegt.

      Die Vorfinanzierung von der Sie reden, ist ein abgekartetes Spiel. Er ist voll von Myhten und Falschdarstellungen umwoben. Das Ziel der Banken sind nicht Zinsgewinne und Rückzahlung der Kredite, sondern Provisionen. Doch was ihr beide überseht, ist, dass die Provisionen zusätzlich zu den Zinsen anfallen, nicht an Stelle von. Die Realwirtschaft wird degeneriert zu einer Quelle von Provisionen und Boni. Diese Aktivitäten und Fehler im Geldsstem haben die Finanzkrise verursacht.

      Die Bundesregierung hat es Kreditinstituten erleichtert, Kreditforderungen zu verbriefen: Es wurden Verbriefungszweckgesellschaften, die von Kreditinstituten Kreditforderungen übernehmen und verbriefen, gewerbesteuerrechtlich hinsichtlich der Behandlung von Dauerschulden den Banken gleichgestellt. Die entsprechenden gesetzlichen Regelungen sind mit dem Gesetz zur Förderung von Kleinunternehmern und zur Verbesserung der Unternehmensfinanzierung im Jahr 2003 in Kraft getreten.

      Nochmals: Ihr wollt nicht warhaben, dass Ethik und Moral kulturelle Werte sind, welche der Schöpfungs- und Gestaltungskraft des Menschen entspringen. Menschen können entscheiden, was moralisch akzeptierbar ist. Sie können entscheiden, wie sie ihr Wirtschafts- und Gesellschaftssystem ausgestalten wollen. Sie unterliegen nicht der Zwangsherrschaft einer „spontanen Ordnung.“ Es steht den Bürgern eines jeden Landes frei, durch politische Vorgaben dafür zu sorgen, dass der erwirtschaftete Wohlstand breiten Schichten der Bevölkerung zu Gute kommt und nicht nur einige wenige davon profitieren. Die in Deutschland praktizierte neoliberale Politik sorgt mit forcierten Lohnkürzungen und Verlängerung der Arbeitszeiten ohne Lohnausgleich dafür, dass der Produktivitätsfortschritt ausschließlich Unternehmen und Kapitalgebern zu Gute kommt. Eine am gleichen Vorbild ausgerichtete Steuer-, Abgaben- und Rentenpolitik verschärft die zwangsläufige Kluft zwischen Habenden und Benachteiligten.

      1. Ich weiss nicht. Ich würde bezweifeln, dass Deutschland ein „neoliberaler“ Staat ist, mal ganz abgesehen davon, dass ich den Begriff nicht mag. Ich beobachte eher eine wachsende Kontrolllust des Staates, Einschränkungen von Bürgerrechten, staatliche Bevormundung auf vielen Gebieten und ein gesetzliches Regelwerk, das völlig aus den Fugen geraten ist. Dies alles geschieht unter Verweis auf „Verteilungsgerechtigkeit“, indem man den Schwächeren der Gemeinschaft ein menschenwürdiges Leben ermöglichen will. Man erreicht aber leider das Gegenteil, indem letztendlich alle, Stärkere wie Schwächere, massiv an die Kandare genommen werden. Aus meiner Sicht hat der „Sozialstaatsgedanke“ (=Sozialdemokratie) auf allen Feldern versagt, und ist letztendlich zu einem staatlichen Herrschaftsinstrument mutiert. Ich halte das für eine gerechte Strafe der Geschichte, zumal die Sozialdemokraten von Beginn an die Marx`schen Gedanken pervertiert haben. Anstatt gegen eine Ordnung anzukämpfen, haben sie sich mit ihr arrangiert. Wer immer nur „mit der Zeit“ geht, sich niemals dagegen erhebt, wird auch die Konsequenzen seines Handelns tragen müssen. Er ist ein Kriecher, ein Anbiederer, eine Figur ohne Ehrgefühl…..

        PS: Es ist ja irgendwie typisch für die bürgerliche Ordnung, dass der Satz, der am meisten verehrt wird – „Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben“ -, die grösste Lüge ist. Man desavouiert jeden Gestaltungswillen und erhebt das Kriechertum zum obersten Gebot.

        1. Lieber Herr Felsberger,

          „Dies alles geschieht unter Verweis auf “Verteilungsgerechtigkeit”, indem man den Schwächeren der Gemeinschaft ein menschenwürdiges Leben ermöglichen will.
          Aus meiner Sicht hat der “Sozialstaatsgedanke” (=Sozialdemokratie) auf allen Feldern versagt, und ist letztendlich zu einem staatlichen Herrschaftsinstrument mutiert. “

          Als Ihr Schüler erlauben Sie mir folgendes festzuhalten: Das ist ein Fehlgedanke und beweist, dass Sie sich an einigen Stellschrauben irren, – und wie!

          Politiker und Publizisten schüren mit unverantwortlicher Polemik einen Klassen/Generationenkonflikt.

          Beispiel: Rente!

          Das von der Adenauer Regierung gewollte System der Umlagefinanzierung bei Renten- und Sozialsystemen soll durch Kapital gedeckte Finanzierungen ersetzt werden. Wenn es der Finanzwirtschaft gelingt, nur zehn Prozent der Beiträge für die Rentenversicherung in Investmentfonds umzuleiten, so entspräche dieses einem Kapitalzufluss von mehr als 23 Mrd. Euro pro Jahr. Die Verwaltung dieser Summe garantiert Honorare in Milliardenhöhe für die damit beglückten Fonds. Mit der Riesterente und der Rürup-Ren­te ist ein viel versprechender Anfang gemacht. Mehr als eine Milliarde Euro pro Jahr stellt der Staat hierfür zur Verfügung – finanziert von den abhängig Beschäftigten, auf deren Schultern die Hauptlast des Steueraufkommens liegt. Die Probleme der solidarisch über Umlage finanzierten Rente resultieren aus schwindenden Einnahmen, nicht aus großzügigen Steigerungen der Renten. Je höher die Quote an Arbeitslosen und Geringverdienern ist, desto geringer ist das Beitragsaufkommen. Der Effekt steigender Arbeitslosenzahlen wird verstärkt durch geringe Lohnsteigerungen und Arbeitszeitverlängerungen ohne Lohnausgleich. Wie kaum ein anderes Land auf der Welt hat Deutschland die Finanzierung des Wohlfahrtsstaates an den Faktor Arbeit gekoppelt. Verlierer sind die abhängig Beschäftigten, sie müssen das Sozialsystem finanzieren. Gutverdienende Bevölkerungsgruppen, Unternehmen und Bezieher von Kapitaleinkommen sind vom Solidarprinzip weitgehend ausgenommen. Die Lasten werden auf immer weniger abhängig Beschäftigte verteilt.

          Als weitere Gegendarstellung, zu Ihrer hochinterrasenten These, die jedoch die Realität verkennt, später.

          Bedenken Sie: Nach Wegfall des Bargeldes würde es dem Publikum nicht mehr möglich sein, das Giralgeld in Bargeld umzuwandeln. Welche Schlüsse ziehen Sie daraus?

          Bis bald…

      2. Im Grunde, Herr Nabuscudor, stossen Sie sich daran, dass dem Bankensektor ein Einkommen zufällt. Sie nennen es halt „Provisionen“, ich „Zinsdifferenz“. Das ist keine fundierte Kapitalismuskritik, sondern das blosse Ankreiden eines Oberflächenphänomens. So als ob ich einem Kranken, der an Depressionen leidet, eine Tablette verschreiben möchte. Das wird uns nicht weiterbringen, schlimmer noch: Das Ankreiden des Zinses hat in der Geschichte zu fürchterlichen Verirrungen geführt. Man denke an das Zinsverbot der katholischen Kirche, das man elegant unterlaufen hat, und so den Lügen und Hasstiraden freien Raum liess. Wir treffen uns in der Einschätzung, dass die moderne Zivilisation krank ist, widersprechen und aber völlig in der Therapie, die wir uns wünschen.Ich sehe nicht, wie die Reduktion des Einkommens des Bankensektors die Welt „heilen“ könnte….

    2. >der eigentliche Vorfinanzierer ist der Unternehmer und nicht das Bankensystem>. Stimmt. Der Bankensektor ist nur ein Intermediär. Allerdings hat das EK des Bankensektors eine ökonomisch hemmende Wirkung. Um dies zu verstehen, denke man sich eine Welt mit Unternehmen, Haushalten und GB`S, wo Erstere sich verschulden, Zweitere aber überhaupt nicht Geld-Sparen. In diesem Fall entspricht die Verschuldung der Unternehmen dem EK des Bankensektors. Es kommt zu ungewollter Lagerbildung, weil das vorgeschossene Geld nicht zur Gänze zurück zu den Unternehmen fliesst. Das EK des Bankensektors ist somit ein widersprüchliches Ding: Einerseits ist es eine Versicherung für die Haushalte gegen den Konkurs der Unternehmen, andererseits würgt es, wenn es zu gross wird, die Konjunktur ab und führt bei den Unternehmen zu Lagerbildung und in dessen Folge zu Arbeitslosigkeit.

  4. Wenn man es mit Hegel sagen würde, dann ist der Euro, die gemeinsame Währung, eine „List der Vernunft“. Was der Deutsche nicht kann, und niemals tun könnte, seinen Staat über Gebühr zu verschulden, darf er nun über Irrwege machen, indem er Bürgschaften für die Schulden anderer Staaten übernimmt. Früher hat man sich mit den Sammeln von Devisen begnügt, nun auf einmal steht die Schuld des Auslands in eigener Währung da. Und nur der deutsche Staat kann die Bürgschaft dafür übernehmen, und verschuldet sich auf diese Art durch die Hintertür. So setzt sich das „Vernünftige“ durch, auch wenn es von den Deutschen als „unvernünftig“ gebrandmarkt wird. Man lernt daraus: Die Macht der „Ideologie“ ist bescheiden, das „Notwendige“ triumphiert auch dann, wenn man sich dagegen stemmt.

  5. Wenn man mit den Deutschen noch härter ins Gericht gehen würde, – ich mache das sehr ungern, weil ich als Österreicher ja selbst deutsch fühle -, dann müsste man sagen: Sie basteln seit Bismarck an ihrem „Sozialismus“. Der Staat geht ihnen über alles, oder wie hat es der Oettinger kürzlich so treffend gesagt: „Der Staat … sind … wir.“. Und bei jedem Wort hat er durchgeatmet, als ob er von einem Gott spreche.-) Das ist ein Satz, der einem Angelsachsen nicht leicht über den Mund gehen würde, eher würde er sich in die Zunge beissen. Ja, der „deutsche Sozialismus“, das ist das wahre Problem. Man verkennt den Kapitalismus als kollektive Veranstaltung, die er nur in Fragmenten ist, von dem der Deutsche aber verlangt, dass er es zur Gänze sein muss. Man kann auf diese Art seinen Platz in der Welt finden, man kann dafür auch bewundert werden, aber man kann so nicht andere Nationen und Völker führen, ganz einfach, weil sie es nicht verstehen. Und das ist das Problem in dem heutigen Europa……..

  6. Ja, Herr Buschbeck, das ist unser Problem: Niemand auf dieser Welt versteht uns, die Deutschen. Das ist jedem zu hoch, was hier abläuft. Die Angelsachsen gehen pragmatisch an die Sache ran und haben ein ganz entspanntes Verhältnis zur Schuld. Sie fügen sich dem Markt und seinen Wünschen, die nun mal heissen: noch mehr Staatschulden. Die Südeuropäer haben ein Grundvertrauen ins Leben, sie verlieren sich nicht in der Zukunft und in der Frage der Bezahlbarkeit einer Schuld. Der Russe kann mit Zukunftsängsten schon gar nichts anfangen, dazu ist sein Leben viel zu kurz. Er will es heute schaffen, nicht morgen. Einzig der Deutsche ist der geborene Sparer, der Groschen auf Groschen über Generationen fügt. Aber das hat alles schon Dostojewski im „Der Spieler“ beschrieben. Was tun dagegen?

    PS: Es wäre vielleicht nicht so schlimm, dieser Sparwahn, wenn nicht der Deutsche auch einen Hang zur Besserwisserei hätte. Man braucht sich ja nur den Finanzminister anschauen, und man weiss, woran man ist: Durch Erfolg mit übergroßem Selbstvertrauen ausgestattet und in allem hat er recht, auch wenn er zufällig einmal falsch liegt. Das macht die Sache dann besonders schwierig.

    1. Lieber Herr Felsberger,

      „Ja, der “deutsche Sozialismus”, das ist das wahre Problem. Man verkennt den Kapitalismus als kollektive Veranstaltung, die er nur in Fragmenten ist, von dem der Deutsche aber verlangt, dass er es zur Gänze sein muss. “

      „Sie nennen es halt “Provisionen”, ich “Zinsdifferenz”. Das ist keine fundierte Kapitalismuskritik, sondern das blosse Ankreiden eines Oberflächenphänomens.“

      „Das Ankreiden des Zinses hat in der Geschichte zu fürchterlichen Verirrungen geführt. Man denke an das Zinsverbot der katholischen Kirche, das man elegant unterlaufen hat, und so den Lügen und Hasstiraden freien Raum liess.“

      Zitat Ende.

      Nochmals: Sie verkennen die Realität.

      In Deutschland haben die Steuerzahler seit der Gründung der Bundesrepublik insgesamt rund zwei Billionen Euro Zinsen auf Staatsschulden bezahlt. Ohne diese Abgaben nach oben wäre der Staat heute praktisch schuldenfrei. Mit ca. 42 Milliarden Euro pro Jahr sind Zinszahlungen mittlerweile die zweitgrößte Position im Bundeshaushalt.

      https://www.destatis.de/DE/Startseite.html

      In geheimen Gremien werden Milliardenbeihilfen für Finanzinstitutionen aus dem Geld der Steuerzahler ohne demokratisch legitimierte Kontrolle beschlossen. Der staatliche Rettungsfonds Soffin verteilt seine Milliarden an die Geldhäuser nach eigenem Gutdünken. Die Legislative bleibt außen vor.

      Bei jeder Transaktion werden Provisionen fällig. Hypothekenmakler und Banken sind nur auf Provisionen und daraus resultierenden Boni aus. Alle Beteiligten sind nicht in der Haftung, sie werden nur für Abschlüsse bezahlt. Deshalb wird eine Prüfung der Kreditwürdigkeit unzureichend vorgenommen. Ein solches Verhalten, welches alle bankmäßigen Gepflogenheiten außer Kraft setzt und jede Sorgfalt nach gängigen Maßstäben vermissen lässt, kann nur auf dem Hintergrund verstanden werden, dass man von vornherein die Absicht hat, diese Kredite in undurchsichtige Bündel zu verpacken und sie an Institutionen zu verkaufen, welche die Werthaltigkeit dieser Bündel kaum oder gar nicht beurteilen konnten.

      Finanztechnisch wirde dieses Geschäft durch Verbriefung der Kredite vollzogen. Aus Krediten werden handelbare forderungsunterlegte Wertpapiere, auf englisch „asset backed securities“ (ABS). Der Erfindergeist der Banken kennt keine Grenzen. Beliebige Kredite werden zu Bündeln vereinigt, „collaterized debt obligations“ (CDO), zu Bündeln von Bündeln (CDO square) oder auch zu Bündeln von gebündelten Bündeln (CDO cube) verpackt und so weiter und so fort…

      Herr Felsberger, alles Geld ensteht aus Schulden. Geschäftsbanken müssen aber nicht ihre Schulden begleichen. Das ist die ungerechtfertigte Vorteilsnahme. Dazu auch:

      Jörg Buschbeck: Soll=Haben, März 2011, Vortrag auf dem Geldkongess Berlin.

      Banken werden auf einen seriösen Sockel, gehoben wo sie nicht hingehören. Das Banken, – und Versicherungssektor gehören, so rasch wie möglich, reformiert. So kann es nicht weitergehen; wir haben andere dringende Probleme wie, z.B.: 300’000 neue Demenzkranke pro Jahr (allein in Deutschland), Altersarmut, Umweltzerstörung, Perspektivlosigkeit der Jugend (erste Todesursache (vor Verkehrsunfälle) bei 15-35 Jährigen Suizid!) usw.

      1. Herr Nabuscudor. Dass der Kapitalismus kein Honigschlecken ist, steht ja völlig ausser Frage. Dass er umso bitterer schmeckt, desto älter man wird, ist eine Binsenweisheit. Diese gut geschmierte Höllenmaschine bedarf eines ständigen Zuflusses von Jungen, die an die Illusion des persönlichen Glücks glauben. Sie verschlingt Generation um Generation und speit sie gealtert und entmutigt wieder aus. Niemand kann hier in Würde altern, alle werden bis zu ihrem letzten Atemzug terrorisiert. Man muss nach vorne, man darf nicht ruhen, man lebt in ewiger Sorge und Angst. All dies ist jedem denkenden Menschen bewusst, aber es rechtfertigt nicht, dem System eine Logik zu unterstellen, die es nicht hat. Es geht nicht um die Bereicherung von Menschen auf Kosten von anderen, es geht alleine um die Einhaltung strikter Regeln, die alle in ein Korsett sperren: Man ist nicht Gestalter, man ist Opfer. Gerade als Kritiker dieser Ordnung würde man sich wünschen, dass die Menschheit endlich aufhört sich gegenseitig mit Vorwürfen zu überhäufen und das Gefangenen-Dilemma durchschaut. Man wünscht sich nichts mehr: als dass „Vernunft“ einkehrt, sodass das ureigenste Versprechen dieser Ordnung endlich eingelöst wird: Rationalität. Noch sind wir weit davon entfernt…….

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