Warum erzeugt im Kapitalismus (nur) Geldsparen die Verschuldung?


Weil Geldvermögensbildung in Käufermärkten ein freiwilliger Verkaufsüberschuss ist, der nach dem Gesetz von Kauf = Verkauf immer auch ein Kaufüberschuss (Verschuldung) des Rest der Welt ist. Für solche Überlegungen ist die Unterscheidung in Geldvermögensänderungen beim Kaufen und keineswegs beim Bezahlen von so großer Bedeutung. Ansonsten kommen immer wieder solche Überlegungen, dass sich der Schuldner doch nur keine Zahlungsmittel leihen muss. Dabei kaufen Staaten und Unternehmen eben automatisch aus festen Kontrakten, unabhängig von der Frage, ob sie auch bezahlen können.

6 Kommentare zu „Warum erzeugt im Kapitalismus (nur) Geldsparen die Verschuldung?“

  1. Sie tun ja gerade so, als würden wir in einer Welt des Lieferantenkredits leben: Ich lasse beim Wirt B anschreiben, und das Unternehmen C beim Unternehmen D. So läuft das Spiel aber nicht. Die griechischen Unternehmen haben nicht bei Siemens anschreiben lassen, um Ware zu bekommen. Sie haben sie über Bankkredit finanziert und mit Forderungsübertrag gekauft. Von allen Kreditformen ist der Lieferantenkredit der unbedeutendste, und man muss den Kredit schon gewaltig uminterpretieren, um ihn als notwendigen Bestandteil des Kaufakts zu beschreiben. Der Forderungsübertrag ist die gängigste Form des Kaufes, nicht der Kredit. Niemand muss einen Kredit nehmen um shoppen zu gehen…..

    1. Und die Vorfinanzierer der Einkommen, z.B.griechische Unternehmen, können ums verrecken keine Schulden machen, wenn die vorfinanzierten Einkommen wieder zu 100% bei ihnen kaufen. Vielleicht haben Sie dann immer noch (wegen Kontraktbedingungen) den Bank-Kredit, aber eben dann auch Guthaben in gleicher Höhe, was für Geldvermögensbetrachtungen natürlich das Gleiche. Und natürlich geht es bei den Eingangspostulaten hier auch nicht um das einzelwirtschaftliche Unternehmen, dessen Entwicklung logisch ganz verschieden ist, sondern um die Summe der Schulden aller Wirtschafter.

      Aber es führt eben auch ein zusätzlicher einzelwirtschaftlich kreditfinanzierter Kauf nicht zu einem zusätzlichen gesamtwirtschaftlichen Schuldenwachstum, wenn eben nicht der Rest der Guthabensünderwelt 🙂 auch zusätzlich Verkaufsüberschüsse = Geldguthaben aufbaut. Deshalb ist es völlig falsch, Kredit als Quelle der gesamtwirtschaftlichen Verschuldung zu sehen.

      Denn umgekehrt führt jeder zusätzliche einzelwirtschaftliche Verkaufsüberschuss immer zu zusätzlicher gesamtwirtschaftlicher Verschuldung, auch ohne neue Kreditaufnahme. Sogar in deutlich kritischer Form als Liquiditätsabbau.

      1. Was ist der wirkliche Grund aller Krisen? Auf der Oberfläche: Das Horten von Forderungen. Dem Inhalt nach: das Entstehen einer Klasse, die hortet. Wie ist es zum Entstehen dieser Klasse von „Geldkapitalisten“ gekommen? Durch die Aktiengesellschaft, die die Trennung zwischen Eigentümer und Gläubiger befördert. Sie, Herr Buschbeck, sind noch immer in der Welt des „Unternehmerkapitalisten“ gefangen, der kaum Verbindlichkeiten aufbaut und Eigenkapital hortet. Der „Geldkapitalist“ will aber kein Eigenkapital horten, er will Forderungen horten. Er kennt weder Sachwerte im großen Stil noch Verbindlichkeiten, er ist die personifizierte Forderung. Zu glauben, dass man diesen „Geldkapitalisten“ mit Nullzins und „Entsparungsanregungen“ zu Leibe rücken könne, ist der Irrtum der Geschichte. Man erzwingt nur seine Transformation in „spekulative Tätigkeiten“ ala Immobilien- und Aktienkauf, Unternehmer wird er keiner. Er will nicht zurück, wo er herkam, er will nach vorne.

        Die Stützel`sche Terminologie ist nicht in der Lage den Inhalt der Krise offenzulegen. Sie kennt keine Klassen und zieht sich auf die rein logische Position zurück, dass Forderer eben entsparen müssen. Sie tun es nicht, weil das nicht ihre historische Mission ist. Sie wurden geboren, um das Gegenteil zu tun: die Forderungen bis in die Unendlichkeit zu akkumulieren. Letztendlich ist das Auseinanderfallen von Unternehmen und Gläubiger der Beginn zum Übergang zum Sozialismus. Nicht die Arbeiterklasse erreicht diesen Übergang, sondern die Geldkapitalistenklasse. Sie zwingt dem Staat Methoden auf, die man nur mehr sozialistisch nennen kann. Was anderes läuft heute ab? Letztendlich, lieber Herr Buschbeck, ringen wir alle nur um Begriffe, und ich muss die Stützel`sche Terminologie aus viel umfassenderen Gründen ablehnen wie Sie vermuten. Sie ist korrekt und logisch, aber blutleer. Sie bringt die Dinge nicht auf den Punkt, sondern redet um den „heissen Brei“ herum. Wir stehen auf der gleichen Seite und sehen doch die Welt ganz anders.-)

        Liebe Grüsse

        1. Lieber Herr Felsberger

          Dieser Beitrag will gerade nicht innerhalb eines eigenen Wertesystems bewerten, sondern den wissenschaftlichen Zusammenhang darstellen.

          Ein erkanntes Problem kann ja auch in jeden Fall gelöst werden, und meist auf völlig verschiedenen Wegen.

          Die Schuldenkrise endet, wenn wir sie Guthabenkrise nennen.

          Und es ist auch nicht etwa das Auseinanderfallen von Gläubiger und Unternehmer das Problem. Vielmehr verhindert genau dies, dass die Unternehmer die großen Sachvermögen völlig schuldenfrei besitzen. Insofern haben wir hier auch nur das gesunde Maß verloren. Sozialismus ist nur die Folge der Vergesellschaftung des Risikos der Gläubiger.

          Das Ablehnen stützelscher Definitionen und der Ersatz mit eigenen BeWERTungen ist regelmäßge Quelle von Fehlschlüssen.

  2. Wenn man die Unterscheidung zwischen „Zahlungsmittel“ und „Geldvermögen“ weglässt, und stattdessen nur auf Basis von „Forderungen/Verbindlichkeiten“ argumentiert, reduziert sich alles auf drei Aussagen:

    1) Man kann eine Sache auf Kredit kaufen

    2) Man kann eine Sache durch Forderungsübertrag kaufen („Zession“)

    3) Man kann den Kredit durch Verkauf einer Sache schließen

    Daraus folgt unmittelbar, dass die Summe aller Forderungen/Verbindlichkeiten nur mit dem Kredit variiert (Fall 1: Öffnung, Fall 3:Schliessung). Kredit kann dabei vieles sein: Bankkredit, Lieferantenkredit, Wechsel, Anleihe, etc. Der Forderungsübertrag (Fall 2) ist in Bezug auf die Summe aller Forderungen/Verbindlichkeiten neutral. In Ihrer Darstellung, Herr Buschbeck, schaut`s so aus, als würde jeder Kauf/Verkauf einer Ware zumindest im ersten Schritt (Rechnungslegung) einen Kredit erzwingen. Das ist aus meiner Sicht nicht richtig: Wenn ich in ein Geschäft gehe und ein Päckchen Zigaretten bar kaufe, gibt`s zu keinem Moment einen Kredit. Ich bezahle durch Forderungsübertrag.

    1. Lieber Herr Feldsberger,

      Um was geht es in diesem Beitrag?

      Darum, dass es GESAMTWIRTSCHAFTLICH in Käufermärkten (also in Ermanglung einer Angebotsknappheit) nur eine Ursache von Verschuldung gibt (Verkaufsüberschüsse – Einkommen, die nicht zu 100% wieder kaufen) und dass dies nicht mit Zahlungsmittelbetrachtungen zu wiederlegen ist.

      Dass es für die korrekte mikroökonomische Fundierung dieses gesamtwirtschaftlichen Zusammenhangs dann doch wichtig ist, dass eben der Käufer eventuell mit nur wenigen Sekunden Zeitdifferenz beim Kaufen und nicht erst beim Bezahlen sein Geldvermögen abbaut, sei nur am Rande bemerkt. Und natürlich kann der Kauf sich aus einem durch Dritte vorfinanzierten Einkommen einzelwirtschaftlich finanzieren.
      Dies ist sekundär, wichtig ist den KAUF und nicht das BEZAHLEN als einzigen Quell für EINZELWIRTSCHAFTLICHE und GESAMTWIRTSCHAFTLICHE Geldvermögensänderungen zu begreifen. Ansonsten kommen – JA ABER Zahlungsmittelbetrachtungen. Der Zusammenhang zwischen dem einzelwirtschaftlichen Verkaufsüberschuss (Geldvermögensaufbau) ist ja, dass er zwingend logisch der Kaufüberschuss (Verschuldung) des Rest der Welt ist.

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