Was ist Geldvermögen?


Geldvermögen sind die Leistungssalden (Kaufsalden) eines Wirtschafters, von Gruppen oder Gesamtheiten. Sie werden in Geldeinheiten (Euro, Dollar usw.) ausgedrückt und müssen eventuell im Zeitgang wertberichtigt werden (Insolvenzen, Inflation). Da wir bei Geld immer gleich an Forderungen gegen Banken, also Sparguthaben oder Zahlungsmittel denken, ist der Begriff leider durch das enthaltene doppeldeutige Wort Geld sehr mißverständlich.

Dabei entstehen bzw. wachsen Geldvermögen immer nur, wenn ein Leistungssaldo entsteht, jemand also mehr kauft als verkauft, was dem Rest der Welt Verkaufsüberschüsse (Geldvermögensaufbau) ermöglicht. Der Kaufüberschuss äußert sich deshalb regelmäßig zuerst in einer Verbindlichkeit, und der Verkaufsüberschuss in einer Forderung, die sich gegen eine Nichtbank richtet.

Geldvermögen sind also alle Forderungen und Verbindlichkeiten, insbesondere auch auf Nichtbankenebene  (z.B. Rechnungs- Forderungen/Verbindlichkeiten). Da sie kausal aus Kaufsalden (Leistungssalden) entspringen, sind sie nach dem Gesetz von Kauf =Verkauf regelmäßig immer gleich hoch.  Damit ist das globale Saldo (Nettogeldvermögen der Welt) immer Null. Möglicherweise müssen Forderungen abgeschrieben werden, dann existiert die Verbindlichkeit aber auch nicht mehr.

Forderungen gegen Banken sind für den einzelnen Wirtschafter besser besicherte Leistungssalden (Kaufsalden). Oft können Sie durch die bessere Besicherung nun übertragbar sein, also zu Zahlungsmittel werden oder leicht in solche umgewandelt. Diese Forderungen gegenüber Banken sind also ein Hilfskonstrukt, welche uns besser mit unseren Leistungssalden umgehen lässt.  Diese Zahlungsmittelschöpfung (geldvermögensneutrale Bilanzverlängerung mit Besicherungs-, Kontroll-, und Vollstreckungsleistung einer Bank ) sollte man keineswegs mit der Geldvermögensschöpfung (versprochene Leistungserbringung des Kaufüberschüsslers/Schuldners)  verwechseln, was aber dank des doppeldeutigen Begriffs Geld in Endlosschleife von „erleuchteten Experten“ passiert. 😦

40 Kommentare zu „Was ist Geldvermögen?“

  1. @Bosau: Das (nominale) BIP beziffert nichts anderes als die Preissumme der abgesetzten Endprodukte (Konsum- und Investitionsgüter).

  2. Danke für diese Ausführungen. Ich war mir bisher nicht eindeutig im Klaren darüber, ob Wertpapiere zum Geldvermögen zählen oder nicht. Klar war jedoch: Bargeld und Giralgeld bilden insgesamt Geldvermögen (mit Zahlungsmittelcharakter). Also – dem Beitrag nach – zählen sogar Forderungen aufgrund einer ausgestellten Rechnung zum Geldvermögen, das lediglich den Status von „unbesichert“ in „besichert“ wechselt, wenn mein Kunde die Rechnung beglichen hat.

    Vollständigkeitshalber: mir ist schon bekannt, dass M3 (mit Wertpapieren) zum Geldvermögen zählt, aber ich könnte mir bisher kaum vorstellen, dass das „offizielle“ Geldvermögen steigt, wenn ich einen Freund Geld leihe. Schließlich ist ein Schuldanerkenntis auch ein Wertpapier. Daher rührte auch meine Unsicherheit diesbezüglich.

    1. Ja Rob, Geldvermögen sind alle Forderungen, auch ohne stoffliche Erscheinung. Wenn Du ins Regal greifst, hast Du eine Verbindlichkeit, welche Du an der Kasse gegen eine Verbindlichkeit einer Bank eintauschst. Dein Geldvermögen ändert sich also am Regal und nicht an der Kasse! An der Kasse ändert sich aber Dein Zahlungsmittelbestand – deshalb muss man die beiden Dinge Kaufen und bezahlen auseinander halten. Gut möglich, dass eine Volkswirtschaft auch mal Zahlungsmittelknappheit haben kann und man muss auf das Bankensystem schauen, nur wenn es die Probleme bei den Geldvermögen gibt, muss man sich die Kaufsalden anschauen. Das ist ja auch das Kuriose am Quantitative Easing, also das Fluten des Angebots an Zentralbankgeld. Dies wirkt nur insofern positiv, weil es die Kaufverzichtsprämie wenigstens aktuell auf Null drückt. Aber an den generellen Problemen der Kaufsalden kann das Werkzeug allein nichts richten. Etwas ganz anderes wäre die Botschaft, dass es nie wieder Kaufverzichtsprämien geben wird, wie es mein Monetative Konzept vorschlägt.

      Und beim Leihen ändert es sich das Geldvermögen nur nicht. Du gibst eine verbriefte Forderung gegen die Zentralbank (Bargeld) an Deinen Freund.

      Dann hat sich in Deiner und seiner Bilanz aber gar nichts nominal am Geldvermögen geändert.

      In Deiner Bilanz sind aus Forderungen gegen die ZB die Forderungen gegen den Freund geworden, Aktivtausch.

      In seiner Bilanz stehen passiv die zusätzlichen Verbindlichkeiten und aktiv die zusätzlichen Forderungen gegen die Zentralbank. Bilanzverlängerung.

      Erst wenn dein Freund jetzt einkauft, ändert sich auch sein Geldvermögen durch Zugang einer Verbindlichkeit und später an der Kasse durch Abgang des Aktivums Bargeld und der Verbindlichkeit aus Kauf. Hier wird seine Bilanz an der Kasse wieder kürzer.

      Darum geht es in diesem Artikel – die Kaufzusammenhänge erlauben so triviale wie zwingend richtige und wichtige Schlüsse – z.B. Exportüberschüsse = Zusatzverschuldung des Rest der Welt.Auf die Zahlungsmittelprozesse sollte man dazu gar nicht schauen, stiftet nur unnötige Verwirrung.

    2. Bei dem Beitrag wäre es sicherlich hifreich gewesen – noch einmal ausdrücklich auf die Unterschiede einer einzelwirtschaftlichen Perspektive und der gesamtwirtschaftlichen Sichtweise hinzuweisen.

      Bei dem einen oder anderen Kommentar habe ich das Gefühl, dass diese beiden Ebenen nicht auseinandergehalten werden. Und dass Regeln, die auf einzelwirtschaftlicher Ebene gelten, auf gesamtwirtschaftlicher Ebene außer Kraft gesetzt sind.

      Ein einzelnes Wirtschaftssubjekt kann Geldvermögen besitzen, das gößer, kleiner oder gleich Null ist. Auf der Ebene der Gesamtwirtschaft (Welt) gilt dies nicht. Dort ist das Geldvermögen immer gleich Null.

  3. Nur um Ihnen, Herr Buschbeck, zu verdeutlichen, dass ihre Analyse richtig, aber die Kausalität falsch ist, folgendes Beispiel: A gründet ein Unternehmen, in das er ein Aktivum („Sachwert“: z.B. Immobilie) einbringt. Dann wendet sich A an eine Geschäftsbank (GB) und ruft eine „Forderung/Verbindlichkeit“ ins Leben, indem er um einen Kredit ansucht, der des Aktivums wegen auch gewährt wird. Es gilt nun: A <= GB <= A. Zu lesen: A hat eine Forderung gegen die GB, nämlich "GB-Geld", und die GB hat eine Forderung gegen A. Die Forderung, die A gegen die GB hat, entspricht seiner Verbindlichkeit, die Summe ist Null. Und doch ist das Kreditverhältnis jetzt bereits ins Leben gerufen, weil beide über Forderungen verfügen. Dann erst kauft der Unternehmer die Arbeitskraft B via Forderungsübertrag. Es gilt nun: A <= GB <= B. Zu lesen: Der Arbeiter B hat eine Forderung gegen die GB, und diese eine Forderung gegen den Unternehmer A. Anders gesagt: Der Arbeiter hat eine Forderung gegen das Unternehmen mit der GB als Intermediär. Man sieht: Kredit wird zunächst ins Leben gerufen, durch Forderungsübertrag bewegt, und erzwingt solcherart erst die Veränderung der Kaufsalden. Ohne Kredit kein Forderungsübertrag, und ohne Forderungsübertrag keine Bewegung der Kaufsalden!

    1. >>>Ohne Kredit kein Forderungsübertrag, und ohne Forderungsübertrag keine Bewegung der Kaufsalden!

      Ohne Zahlungsmittel keine Wirtschaft, welch grandiose Erkenntnis. 🙂 Bestreitet dies irgendwer?

      Die „Zweiteilung des Objektes der Geldtheorie“, wie es Stützel formuliert hat, will doch nicht Henne/Ei Diskussionen anregen, sondern widerspruchsfrei gesamtwirtschaftliche Zusammenhänge NUTZBRINGEND GENERALISIERBAR mikroökonomisch fundieren. Dies ist Stützel nach meinem besten Wissen gelungen.

      Was ihm nachweislich nicht gelungen ist, ist die Kommunikation. Ob Sie mir gelingt, wird die Geschichte zeigen. 🙂

      1. Die Summe der Käufe ergibt das BIP – relevante Größe, nutzbringend generalisierbar. Zusammen mit einer Grundannahme = Käufermärkte, ergibt sich eine komplette Konjunkturtheorie in einem Satz:

      Die finanzierbaren Pläne (weil im Käufermarkt realisierbar) der Käufe für Konsum und
      Investitionen bestimmen das BIP.

      2.Die Summe der Verkaufsüberschüsse bestimmt in Käufermärkten die Verschuldung – relevante Größe, weil Verschuldung angeblich ganz schlechte Sache.

      Also Lösungsvorschlag Jörg Buschbeck – kein Problem, dann begrenzt halt die Verkaufsüberschüsse – Guthabenbremse.

      So große Probleme, so einfach lösbar, Ökonomie at it’s best.

      Dass ein Kaufüberschuss von einer Kreditgewährung abhängen kann, weiß jeder, bestreitet keiner. Umgekehrt hat dies aber mit der Kausalität aus 2. kaum was zu tun. Weil der Kaufüberschuss aus festen Kontrakten (z.B. Arbeitsverträge, Lieferverträge), eben völlig unabhängig von der Finanzierungsmöglichkeit auftritt.

      Die einzelwirtschaftlich geprägte Vorstellung von Otto Normal, also Nichtunternehmern oder Nichtstaaten, dass man nur kauft, wenn man auch eine Finanzierung hat, führt deshalb völlig in die Irre. Der Unternehmer oder Staat schuldet seinen Mitarbeitern ihr Entgelt völlig unabhängig von der Frage, ob die Bank dies kreditiert. So laufen ja dann auch die Krisenprozesse.

      Insofern geht es schlicht darum, ob man die Dinge so definiert, dass man die Anleitung auch zur Systemreparatur verwenden kann. Es geht nicht um falsch oder richtig, sondern um nützlich.

      Was sagt die Menge der Zahlungsmittel über die Summe der Käufe? Nichts, njente, nutzlose Verwirrung durch Zahlungsmittelbetrachtungen. Die Quantitätstheorie ist ja in ihrer Tautologie auch nicht falsch, nur komplett nutzlos und dadurch auch schädlich.

      Hatten wir aber auch alles schon mal, hab nicht Eure Zeit, …viele Kauf Kontrakte 🙂

      1. Gute Zusammenfassung Ihrer Sichtweise: Zwei Anmerkungen: 1) Die Summe der Käufe ist nur dann gleich dem BIP, wenn es keine Arbeitsteilung gäbe. Vorleistungen dürfen nicht mehrmals kalkuliert werden. 2) Die Behauptung, dass „Kaufüberschusse aus festen Kontrakten (z.B. Arbeitsverträge, Lieferverträge), eben völlig unabhängig von der Finanzierungsmöglichkeit“ auftreten, ist an den Haaren herbeigezogen. Verträge werden gebrochen, wenn Insolvenz eintritt.

        PS: Es mag für Sie nur Haarspalterei sein, aber es ist einfach eine Unart den Vertrag über alles zu stellen. Die Insolvenz ist Teil dieser Welt, und im Insolvenzfall gilt die Ausgleichsquote und nicht mehr der Vertrag. Das ist das alte Leiden der liberalen Ökonomen: Sie wünschen sich eine Welt, die nicht existiert……

        1. Lieber Herr Felsberger,

          >>>1) Die Summe der Käufe ist nur dann gleich dem BIP, wenn es keine Arbeitsteilung gäbe. Vorleistungen dürfen nicht mehrmals kalkuliert werden.

          Sie haben recht, gemeint sind natürlich die Endkäufe von Konsum oder Investitionsgütern, aber diese Einschränkung steht da ja nicht. Danke für den Hinweis.

          >>>Die Behauptung, dass “Kaufüberschusse aus festen Kontrakten (z.B. Arbeitsverträge, Lieferverträge), eben völlig unabhängig von der Finanzierungsmöglichkeit” auftreten, ist an den Haaren herbeigezogen. Verträge werden gebrochen, wenn Insolvenz eintritt.

          Und hier widersprechen Sie sich selber, die Insolvenz zeigt doch gerade, dass unabhängig von Finanzierung aus festen Kontrakten gekauft werden muss.

          Natürlich gibt es aktuell relative wenige Käufe, welche in der Insolvenz landen, nur ist dies auch wieder für NÜTZliche Betrachtungen nicht die Frage.

          Denn wenn man z.B. die Frage nützlich beantworten will, wie man in Käufermärkten das Schuldenwachstum begrenzen kann, dann ist die richtige Antwort eben nicht, das Aufnehmen von Krediten zu verhindern sondern das Bilden von Verkaufsüberschüssen.

          Und dass dies 99,9% der Menschen sicher nicht einleuchtet, hat damit zu tun, dass übliche Zahlungsmittel-betrachtungen eben auf die falsche Fährte führen. Damit ist über die Wichtigkeit von Zahlungsmittel nichts gesagt oder bestritten.

          1. >Denn wenn man z.B. die Frage nützlich beantworten will, wie man in Käufermärkten das Schuldenwachstum begrenzen kann, dann ist die richtige Antwort eben nicht, das Aufnehmen von Krediten zu verhindern sondern das Bilden von Verkaufsüberschüssen.> Da haben sie recht, dem widerspreche ich auch nicht. Ich widerspreche bloß der Darstellung des Kredits als Lieferantenkredit, der bei Ihnen immer durchschwingt.

            PS: Aber: Es ist nur ein Streit um des Kaiser`s Bart. Letztendlich führt`s zur gleichen Erkenntnis: Die Guthaben müssen weg. Ich plädiere für ein Gemisch aus Inflation und Insolvenz, Sie für Kaufüberschüsse der Guthaber. Aber: Ich habe die Wirklichkeit auf meiner Seite.-)

          2. Ich versteh den Einwand und die Entgegnung darauf nicht. Was ist mit „Endkäufen“ gemeint? Was für Vorleistungen dürfen nicht mehrmals kalkuliert werden?

            >>>1) Die Summe der Käufe ist nur dann gleich dem BIP, wenn es keine Arbeitsteilung gäbe. Vorleistungen dürfen nicht mehrmals kalkuliert werden.

            Sie haben recht, gemeint sind natürlich die Endkäufe von Konsum oder Investitionsgütern, aber diese Einschränkung steht da ja nicht. Danke für den Hinweis.

              1. Hm. Der HERGESTELLTEN? (So bei Wikipedia?) Oder der UMGESETZTEN?

                Nun im zweiten Fall ist diese Größe überhaupt sinnbehaftet, im ersten Fall schlichter Quatsch.

                1. @Bosau: Die Umgesetzten. Die hergestellten Waren spielen nur in der Marxschen Werttheorie eine Rolle. Man muss ein unabhängiges Wertmaß unterstellen (Arbeitszeit), um den Wert dieser Waren bestimmen zu können. Hat man kein Wertmaß, kann man nur den Umsatz kalkulieren. Der Preis jedoch kann kein Wertmaß sein, weil er mit der Profitrate schwankt Das Preissystem ist abhängig von der Verteilung, das Arbeitszeitsystem nicht. Jedoch erzähle ich Ihnen das nur als Laie. Für nähere Auskünfte: Ökonomen fragen.-)

                  1. »Die hergestellten Waren spielen nur in der Marxschen Werttheorie eine Rolle.«

                    Sorry, aber das ist grober Unfug. Wie viel Waren hergestellt werden, spielt auch bei Marx keine Rolle. Nur wenn die Waren verkauft werden, kann der Mehrwert realisiert werden.

                    1. Im Marxschen Denken gibt es die Mehrwertproduktion und die Mehrwertrealisierung. Bevor der Mehrwert überhaupt realisiert werden kann, muss er produziert worden sein. Was heisst: in die Waren als „Arbeitszeit geronnen“ sein.

                      PS: Nicht, dass die Marxsche Werttheorie heute noch irgendeine Relevanz hätte, aber man sollte doch bei den Tatsachen bleiben: Mehrwertproduktion (a) und Mehrwertrealisierung (b) sind im Marxschen Denken ein hierarchischer Prozess ((a) ist notwendige, aber nicht hinreichende Bedingung von (b)).

                    2. »PS: Nicht, dass die Marxsche Werttheorie heute noch irgendeine Relevanz hätte, aber man sollte doch bei den Tatsachen bleiben: Mehrwertproduktion (a) und Mehrwertrealisierung (b) sind im Marxschen Denken ein hierarchischer Prozess ((a) ist notwendige, aber nicht hinreichende Bedingung von (b)).«

                      Diese Sichtweise kann nur vertreten, wer in der Lektüre des Kapital im ersten Band steckengeblieben ist. Dass darunter auch Vertreter_innen des arbeiterbewegten Marxismus sind, ändert nichts an der Feststellung. 🙂

              2. Das BIP ist mir ein Begriff. Ich dachte bisher aber auch immer, dass es sich um die Summe aller Umsätze ergo Käufe handelt, so wie du es in deiner ersten Antwort auf Felsbergers Kommentar auch ausgedrückt hast. Die Einschränkung „abzüglich Vorleistungen“ ist mir nicht klar. Wäre schön, wenn mir das einer näherbringen könnte.

                1. @Tesserakt: Es interessiert nur das Endprodukt, das aus Konsum- und Investitionsgüter besteht. Alle materiellen Vorleistungen (Rohstoffe, Vorprodukte, etc.), die in dieses Endprodukt einfliessen, werden ja durch den Verkaufsumsatz des Endprodukts erfaßt. Sie gehen in die unternehmerische Kalkulation des Endprodukt-Preises als Kostenfaktor ein. Einfach gesagt: Man denke sich die Produktion, die zum Endprodukt hinführt, als eine Stufenleiter, wo jede Stufe nicht einzeln verrechnet wird, sondern nur im Gesamten. Diese ganze Stufenleiter ist das BIP.

                  1. Also nehmen wir an A, B und C stellen je einen Rohstoff her. D kauft diese drei Rohstoffe, um ein Produkt herzustellen. E ist ein Händler, der D’s Produkte in Massen kauft, um sie den Endkunden in seinem Markt gewinnbringend zu verkaufen. Wessen Umsätze erscheinen nun im BIP und wessen nicht?

                    1. Antwort:Nur der Umsatz von „E“. Ganz einfach deshalb, weil ja das BIP, von der Verteilung herbetrachtet, in Gewinne und Löhne zerfällt. Also muß auch der Gewinn des Händlers, und die von ihm bezahlten Löhne, im BIP noch erfaßt sein.

                    2. @Felsberger: Die Erfassung einer solchen Größe ergibt für mich keinen Sinn und ich vermute auch, dass es nicht einfach ist, solch ein BIP zu „messen“. Ich dachte wie gesagt immer, das BIP sei die Summe aller Umsätze, aus denen dann eben auch z.B. alle Löhne gezahlt werden (auch die von A, B, C und D). Nach deiner Antwort, Felsberger, besteht das BIP nur aus einem Teil der Umsätze und nur ein Teil der Löhne wird aus ihm bezahlt. Ein anderer Teil wird aus Umsätzen bezahlt, die im BIP nicht erscheinen. Mir erschließt sich der Sinn nicht.

                    3. Ganz einfach: Wie kalkuliert der Händler „E“ seine Preise? Da gehen ein: die Löhne, die er zahlt, und die Produkte, die er kauft. Der Preis dieser Produkte wurden vom Unternehmen „D“ kalkuliert. Auch hier gingen ein: die Löhne, die D zahlte, und die Vorleistungen. Man sieht also: Indem man die letzte Stufe (hier: Händler E) verrechnet, verrechnet man die Löhne und Gewinne der Vorstufen (hier: D) mit. Und so weiter.

                    4. @felsberger: Nur der Umsatz von E? Das ist dann wie bei der Mehrwertsteuer 😉 Ich merke langsam, daß ich mich frage, was das BIP überhaupt beziffert.

          3. >Und hier widersprechen Sie sich selber, die Insolvenz zeigt doch gerade, dass unabhängig von Finanzierung aus festen Kontrakten gekauft werden muss.> Umgekehrt: Der Unternehmer wird insolvent, weil er seine Waren verkaufen muss und nicht kann. Er hat gekauft (Arbeitskraft und Vorleistungen) und kann nun seine Waren nicht verkaufen. Insolvenz = Kaufüberschuss.

            PS. Man muß den Menschen doch zugestehen, dass sie aus guten Gründen Geld-Sparen. Sie haben Angst vor der Zukunft, die Welt ist unsicher. Kein Sachwert kann sie gegen diese Unwägbarkeiten schützen, er produziert nur noch mehr Unsicherheit. Wenn man Ihnen nun das Geld-Sparen verbietet, sei es durch Nullzins oder durch Bargeldverbot, gerät der Staat in eine Legitimitatiosnkrise. Er kann nicht glaubwürdig argumentieren, warum er für diese Maßnahmen eintritt, er verliert das Vertrauen der Menschen. Man kann sich nicht hinstellen, und das Volk als beliebig manövrierbare Masse betrachten. Man kann nur auf die Schmerzmittel „Inflation + Insolvenz“ hoffen, die, reichlich eingesetzt, die Einzelnen zum Lernen zwingen……

            1. >>>Man muß den Menschen doch zugestehen, dass sie aus guten Gründen Geld-Sparen. Sie haben Angst vor der Zukunft, die Welt ist unsicher.

              >>>Man kann nur auf die Schmerzmittel “Inflation + Insolvenz” hoffen, die, reichlich eingesetzt, die Einzelnen zum Lernen zwingen……

              lieber Herr Felsberger, finden Sie Ihre Ausführungen nicht selbst etwas widersprüchlich?

              Ich sehe es ja noch viel krasser, es geht um fürchterliche Kriege, welche durch das Geldsparen erzeugt und das Geldsparen der Überlebenden und Kriegskinder/enkel als Angstkompensation wieder verursachen.

              Aus diesem „deutschen Kreislauf des Wahnsinns“ möchte ich als Kriegsenkel (keiner mein Großväter konnte seinen Sohn, also meinen Vater bzw. seine Tochter, also meine Mutter, je kennenlernen) mithelfen auszubrechen. Ich würde mir aber nicht anmaßen, unbedingt die richtige Guthabenbremse zu kennen. Dies ist doch auch nicht die Frage, wir müssen lernen, über den Wahnsinn zu reden. Dieser Blog möchte nur die wissenschaftliche triviale logische Grundlage wach halten, warum Verkaufsüberschüsse schlussendlich in Käufermärkten die Ursache der Kriege sind.

              1. Ich gehöre auch zu jenen, die „wirtschaftliche Spannungen“ als Vorbedingung des Krieges sehen, zumindest, wenn ich über die beiden letzten großen Kriege nachdenke. Aber „wirtschaftliche Spannungen“, lieber Herr Buschbeck, gehen viel weiter als Sie glauben. Es geht nicht nur um „offene Rechnungen“, es geht vor allem um Märkte, um Rohstoffe und auch Menschen. Kapitalismus ist ein expansives Spiel und die Frage der „offenen Rechnungen“ gerät in den Hintergrund: Man drängt nach vorne, wurscht, ob bezahlt wird. Wenn uns eines Tages noch einmal ein nationaler Krieg einholen sollte, wird`s kaum um „offene Rechnungen“ gehen. Eher um Macht und Einfluß, um Kontrolle von Handelsräümen und -wegen. Auch das ist jetzt keine weiss Gott wie große Differenz zwischen uns beiden, aber insgesamt ist mir ihr ökonomischer Blick zu eng.

                Grüsse A.F.

            2. Wir sparen aber kein Geld. Es wird kein Geld gespart, Sparen = Investieren. Werte weden als Sachwerte aufbewaht, Eine Bank legt sich nicht Euro-Münzen in den Tresor und läßt die da liegen. Der übergroße Anteil von Vermögen, der bei Banken liegt, lieg dort in Form von Investitionsgütern vor.

        2. Der Vertrag steht aber aber über allem.

          Auf Deutsch heißt das : pacta sunt servanda.

          Und dann müssem wir über das Schuldrecht nachdenken, wenn da Insovlenzen oder Debitorenausfälle nicht sauber geregelt sind.

          Das hebt aber Verträge nicht aif.

          1. >pacta sunt servanda> Aha, verstehe. Und sie glauben tatsächlich, dass wir in dieser Welt leben? Man muss immer feinsäuberlich zwischen Ideologie und Tatsachen unterscheiden. Und die Tatsachen sprechen eine eindeutige Sprache: Gauner, wohin man blickt.-)

    2. Am 20.05.2015 um 13:52 schrieb felsberger2012:
      >
      >
      > Der Arbeiter hat eine Forderung gegen das Unternehmen mit der GB als Intermediär. Man sieht: Kredit wird zunächst ins Leben gerufen, durch Forderungsübertrag bewegt, und erzwingt solcherart erst die Veränderung der Kaufsalden. Ohne Kredit kein Forderungsübertrag, und ohne Forderungsübertrag keine Bewegung der Kaufsalden!

      Der Sinn und Zweck von Finanzintermediären ist, daß der Arbeiter NICHT sieht, gegen wen sich die Fordrung richtet, und er hat auch nur eine Forderung gegen den Intermediär.

      WIE der Intermediär die befriedigt, interessiert den Arbeiter nicht.

      1. >>Der Sinn und Zweck von Finanzintermediären ist, daß der Arbeiter NICHT sieht, gegen wen sich die Fordrung richtet,

        @detlef – falsch, die Forderung gegen den Arbeitgeber muss umlauffähig werden, sonst könnten die nur Ware „vom Alten“ im tausch beziehen.

        Verstehe nicht, dass Du da so eine Verschwörungstheorie draus machst und felsi auch noch zustimmt. 🙂

        1. Ich sehe die Verschwörungstheorie nur nicht, Juristisch hat der Arbeiter eine Forderung gegen die GB.

          Grundsätzlich ist der Begriff „umlauffähige Foderung“ handlich – und kaufmännisch sieht das auch so aus.

          Juristisch liegen die Dinge aber wohl noch etwas differenzierter. Da scheint mir allein Bargeld Zahlungsmittel zu sein, und der ganze Rest ist ein handelsrechtliches Geschehen zwischen Geschäftspartnern.

          Da wird dann auch eine Forderung gegen eine GB zu „Geld“ und „umlauffähig“, das ist dann ein landläufiger Begriff, der kaufmännisch auch das richtige beschreibt, aber juristisch liegt das etwas diffziler, fürchte ich.

    3. Gut – danke Jörg, verstanden. Wichtig auch der Aspekt mit dem Aktivtausch.

      „Das ist ja auch das Kuriose am Quantitative Easing, also das Fluten des Angebots an Zentralbankgeld. Dies wirkt nur insofern positiv, weil es die Kaufverzichtsprämie wenigstens aktuell auf Null drückt“.

      Interessante Verknüpfung mit „Kaufverzichtsprämie“, sprich Zins. Denn tatsächlich ist es so, dass eine Kaufverzichtsprämie nur bei Vollauslastung bzw. Vollbeschäftigung sinnvoll wäre, weil nur dann eine Abzweigung von Arbeitskräften in Investitionsvorhaben durchgeführt werden kann (notwendige vorübergehende Verringerung des Konsums infolge von Verknappung der Produktionskapazität für Konsumgüter).

      Nur bei freien Kapazitäten sollte die Kreditgeldschöpfung (Zins nur im Sinne von Risikoprämie) oder meinetwegen QE Geld für Investitionen bereitstellen. Da dies aber ziemlich harmlos klingt, beeile ich mich, direkt anzufügen, dass hier die Guthabenkrise ins Spiel kommt, weil ungehemmte Kreditgeldschöpfung bei Erreichen der Schuldentragfähigkeitsgrenze eben Folgendes zeitigt: „Sand im Getriebe“. Denn letztlich sind es die „freien Guthaben“, die sonst die Investitionen finanzieren würden. Und eigentlich müssten.

  4. Dann können Geldvermögen nach deiner Definition auch negativ sein?

    Das kann man so definieren, und wenn man dann NUR Geldvermögen meint, also NUR Forderungen und Verbindlichkeiten, dann ist die Summe natürlich Null.

    Aber da plumpst das Beispiel mit dem Gold bei der ZB tatsächlich raus, weil die ZB beim Ankauf desselben zwar eine Geldverbindlichkeit eingeht, diese aber mit einem Realvermögen deckt.

    Das wäre dann aber kein Wackler bei Stützel sondern eher eine Begriffsstuzigkeit beim Leser, denn wenn man konsequent in Bilanzen und folglich in Aktiva und Passiva denkt, ist der Unterschied zwischen Geld- und Realvermögen buchhalterisch belanglos.

    1. >>Dann können Geldvermögen nach deiner Definition auch negativ sein?

      Ja klar, ist der Kaufüberschuss des Wirtschafters

      >>>Aber da plumpst das Beispiel mit dem Gold bei der ZB tatsächlich raus, weil die ZB beim Ankauf desselben zwar eine Geldverbindlichkeit eingeht, diese aber mit einem Realvermögen deckt.

      Sag blos, wir halten nochmal das „Eier-Thema“ Stützel fest – gibt es ein Nettogeldvermögen auf dieser Welt, z.B. als Goldbestand der Notenbanken.

      Nein, gibt es nicht, weil das gold ja ein Sachwert und kein Geldvermögen ist, der ja unbestritten netto existiert. Die beim Goldkauf entstehende Verbindlichkeit der Notenbank ist gleichzeitig die Forderung gegen Sie, saldiert Null.

      Du wirfst jetzt wieder einzelwirtschaftliche Bilanzen mit Sachwerten mit dem gesamtwirtschaftlichen Zusammenhang durcheinander. Wenn Du ein Haus auf Kredit kaufst, sieht deine Bilanz exakt genauso aus, darum geht es doch gar nicht.

      Stützel verwendet ja den Ausdruck „monetisierte Goldbestände“ – quasie ein Sachwert wird zu Geldvermögen per externer Definition. Fand er wohl damals unausweichlich festzuhalten. Wenn man den Sachwert einfach Sachwert sein lässt, macht man einfache Dinge nicht unnötig kompliziert.

      Weltvermögen = Weltsachvermögen

      Weltgeldvermögen = alle Forderungen minus alle Verbindlichkeiten = logischwerweise Null.

  5. Die Forderungen/Verbindlichkeiten“ werden durch Anleihen, durch Kredit, durch Wechsel, etc. ins Leben gerufen. Dieses dumme Wörtchen „Geld“ bedeutet nur, das die gleichen „Forderungen/Verbindlichkeiten“ handelbar, also „marktfähig“, gemacht werden. Man findet eine Geschäftsbank (GB), die bereit ist, sich zwischen Gläubiger A und Schuldner B zu stellen. Aus B <= A (zu lesen: "A hat eine Forderung gegen B"), wird dann: B <= GB <= A (zu lesen: "A hat eine Forderung gegen die GB, und die GB eine Forderung gegen B"). Diesen Intermediär nennt man Geschäftsbank und das Mittel, durch die er diese Funktion wahrnimmt: "Geld". A hat nun "Geld" in der Hand und kann seine Forderung am Markt leicht bewegen.

  6. >Da wir bei Geld immer gleich an Forderungen gegen Banken, also Sparguthaben oder Zahlungsmittel denken, ist der Begriff leider durch das enthaltene doppeldeutige Wort Geld sehr mißverständlich.> So ist es, Herr Buschbeck. Deshalb meine Herangehensweise: Geld zu ignorieren, und nur von „Forderungen“ und „Verbindlichkeiten“ zu sprechen.

    PS: Nochmals: Ihr Versuch „Forderungen“ und „Verbindlichkeiten“ als Ergebnis von Kaufsalden darzustellen, ist falsch. ZUNÄCHST wird geschuldet, DANN gekauft. Kaufsalden und „Forderungen-/Verbindlichkeiten-Salden“ stimmen überein, aber die Kausalität ist eine andere. Nicht auf dem Lieferantenkredit ist die Welt gebaut, sondern auf dem Bankkredit. Ansonsten Zustimmung.

    1. Eigentlich ist es fast glücklicher, vom Aktiva und Passiva zu reden, denn Sachvermögen ist um, michts „sachlicher“ als eine Forderung. Dem Dirk Rossmann ist es egal, ob er auf Duschgel für 500 Mio. Euro sitzen bleibt oder ob ihm ein Debitor ausfällt. Pleite ist er so oder so.

      Das „Vorher“ „Nachher“ ist auch egal.

      Entstehen tun eine Forderung und eine Verbindlichkeit gleichzeitig bei Vertragsschluß. Nur die Zahlungsziele bzw. wenn ich es so formulierem will, Leistungs- oder Lieferungsziele können asymmetrisch sein.

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