Um die positive Wirkung der Kreditsteuer zu verstehen, muss man um die Ecke denken….


Die Gefahr von wirtschaftlicher Depression entsteht, wenn die Staaten die zu großen Geldsparpläne der Privaten nicht mehr durch Verschuldung ausgleichen wollen oder können. Nun müßten also die Privaten mehr Kredite aufnehmen oder lieber selbst investieren bzw. konsumieren, statt in Geldhaltung zu sparen.

Auf den ersten Blick macht diese Situation aber eine Kreditsteuer nicht besser? Sie verteuert doch nur private Kredite?

Man sollte nun einfach folgendes verstehen:

1.Die Kreditsteuer wird nur bei einem Übernachfrage-Boom erhoben, solange es diesen nicht gibt, liegt sie bei Null.

2. Die Kreditsteuer bringt aber zusammen mit einer anderen Bankenrefinanzierung die Sparzinsen dauerhaft auf NULL
Sie wirkt also zu jeder Zeit auf diese für eine alternative Selbstinvestition wichtige Erwartungen.

Die Erwartung, dass es nie nie nie wieder sichere Sparzinsen gibt (auch nicht in irgendeiner Superkonjunktur), dafür auf Geldhaltung aber negative Realzinsen von ca -2%, schafft die idealen Rahmenbedingungen für alternative Selbstinvestitionen auch bei minimalen Sachwertrenditen. In der Superkonjunktur passiert dann dies, was die Keynesianer immer versprochen haben, die Staatsschulden werden aus der Kreditsteuer getilgt. So kann man mit diesem Vorschlag auch die Staatsschuldenphobiker ins Boot holen.

8 Kommentare zu „Um die positive Wirkung der Kreditsteuer zu verstehen, muss man um die Ecke denken….“

  1. > Die 2% Zielinflation bei nominal Nullzins ist ein Wert – der kurzfristige Geldhaltung für Anschaffung noch nicht in Frage stellt – aber langfristige Geldhaltung als Wertaufbewahrung sinnlos macht.
    >> Das ist genau das, was wir heute schon haben. Die Sparquote (Konsumverzicht) bleibt dennoch unvermindert hoch.

    > eben nicht – der aktuelle Nullzins wird als vorbeigehendes Krisenübel kommuniziert. ergo, künftig gibt es wieder Zinsen

    Das entspricht nicht meiner Wahrnehmung. Jedem Teilnehmer ist inzwischen klar, dass es mit dem positiven Sparerzins für sehr lange Zeit vorbei ist. Niemand in der EU erwartet in absehbarer Zeit positiven Sparerzins. Im Gegenteil, es wird ein negativer Nominalzins auf Spareinlagen aller Art befürchtet oder gar erwartet, da dies von der BuBa/EZB (auch in der Schweiz?) bereits eingeführt worden ist .. und eine Inflation von mindestens 1-2%.

    Ich habe den Eindruck, dass Du dir eine eigene Wirklichkeit bastelst, welche zu deinem Modell, oder besser gesagt: zu deinem Wunschdenken passt. Du präferierst eine Kreditsteuer anstelle einer Guthabensteuer, obwohl Du gerade das Guthabenwachstum deckeln möchtest .. mit dem Hinweis, auf eine Guthabensteuer würden die Teilnehmer „emotional instabil“ (was auch immer das ist) reagieren und irrationale Ausgaben- oder Investitionsentscheidungen treffen. Das ist doch alles irgendwie absurd.
    Gerade dann, wenn bei hoher Sparquote (z.B. in Liquidität) die Kredite wg. Konsumverzichts nur spärlich fließen und die Wirtschaft mit einem Bein in der Rezession steckt, willst Du eine Kreditsteuer darauf setzen und die Kreditvergabe weiter eindämmen. Das scheint mir ein völlig falsches Signal zu sein.

    Die Menschen sind doch seit Menschengedenken auf zahlreiche Steuerabgaben gewöhnt. Alte Steuern fallen manchmal weg, neue Steuerarten kommen hin und wieder dazu. Ich sehe da auch keinen „emotionalen“ Unterschied zwischen einer Kredit- und einer Guthabensteuer. Deshalb halte eine Guthabensteuer (oder hohe Inflationsrate) für die wesentlich bessere Lösung.

    Mit Gruß, Beo2

    1. >>>Ich habe den Eindruck, dass Du dir eine eigene Wirklichkeit bastelst, welche zu deinem Modell, oder besser gesagt: zu deinem Wunschdenken passt. Du präferierst eine Kreditsteuer anstelle einer Guthabensteuer,

      Und ich habe den Eindruck, dass vielmehr Du einen ziemlichen Realitätsverlust hast. versuche doch mal 10 Deutsche in einen Raum zu bringen, die von Herzen gern entweder eine hohe Inflation oder Nominalabgaben auf Geldhaltung gut finden würden.

      Da sind wir wohl beide die absolute Promille-Ausnahme – da wir BEIDE keinerlei Problem damit hätten. Nur bin ich der Realist der WAHRnimmt, dass wir da ziemlich alleine sind
      und deswegen über Alternativen sinniert. Und den Nullzins hat man nun mal schon recht gut akzeptiert.

      Schau nur mal den sonst so genialen Flassbeck – oder ganz viele sonstige keynesianer und Freiwirte – bei einer direkten Guthabenbegrenzung sind die alle draußen – Otto-Normal-Inflationsneurotiker sowieso.

  2. > 1. es geht ja hier ganz wesentlich um Emotionen – große Inflationsraten machen die Deutschen ebenso wie nominale Negativzinsen emotional instabil. 🙂 Und emotional verwirrte Menschen investieren nicht vernünftig.

    Was ist eine „große“ Inflationsrate? .. das ist doch relativ und eine Sache der Gewöhnung. Wenn Du von einer solchen Prämisse ausgehst, dass die Menschen grundsätzlich weitgehend irrational handeln, dann kannst Du dir auch deine Modellvorschläge knicken, die ja ebenfalls auf rationalem Verhalten der Wirtschaftsteilnehmer aufbauen. Entweder gehen wir von einem rationalen Verhalten aus oder wir lassen es ganz sein, da wir nichts erreichen können.

    > 2. geht es ja darum, das zu geringen Renditen in eine nachhaltige Wirtschaft investiert wird – wenn da noch eine Inflationsrate obendrauf kommt, rechnen sich nachhaltige langfristige Investitionen kaum.

    Wie/Womit willst Du dann „negativen Realzins von -2“ auf Sparguthaben UND Liquidität erzielen? Und was machst Du, wenn -2% nicht reichen, um die Sparquote (etwa in Liquidität) nennenswert zu senken? Wie hohe Sparquote hälst Du denn für tolerierbar, und warum?

    > 3. Ist eine Lohn-Preisspirale halt igendwie schwer zu händeln – die letzte hat als Stagflation den ganzen Keynesianismus beerdigt.

    Bei Dir ist doch vieles, was sinnvoll erscheint, „irgendwie schwer zu händeln“ und „emotional instabil“. Ich fürchte, da projizierst Du etwas Persönliches von dir (als Unternehmer?) in die Welt hinein, was nicht gerade konsequent und rational ist. Wir reden hier doch von angestrebten Zielzuständen, d.h nicht davon, wo wir sind, sondern wo wir hin wollen oder könnten.

    Wie willst Du das Sparen in Liquidität denn deckeln? Da greift doch die Kreditsteuer gar nicht.

    > 6. wirkt die Kreditsteuer vor allem als Phantom auf die Erwartungen – Inflation musst Du dagegen immer real über hohe Lohnsteigerungen machen …

    Was hast Du denn gegen „hohe“ Lohn- und Rentensteigerungen? Wieviel ist für dich „hoch“, und warum? Inflation kann man auch über regelmäßige Anhebung des Mindestlohns und der Altersrenten (sowie Kindergeld) erreichen. Was ist daran schwierig?

    Und wie, Du drohst die Kreditsteuer nur an? Falls nicht, werden das die Teilnehmer völlig „emotional stabil“ hinnehmen und vernünftig darauf reagieren?

    Mit Gruß, Beo2

    1. Lieber Beo2

      Von einem rationalen Verhalten von Menschen können wir mit Sicherheit nicht ausgehen. Vielmehr würde bei hoher Inflation und Nullzins dann die Herde in die Richtung laufen, Geldvermögen auch kurzfristig nicht mehr als wertaufbewahrungsmittel zu verwenden.

      Dann machst Du entweder einen Megasparzins oder landest in der Hyperinflation.

      Und bei der Kreditsteuer geht es eben darum, eine Inflationsbremse zu haben, die keine Sparzinsen erwarten lässt. Und da man aber kaum stark bremsen werden muss, ist es eben vor allem eine Erwartungssache. Darum geht es ja in dem beitrag – man muss es um die ecke denken.

      Die 2% Zielinflation bei nominal Nullzins ist ein Wert – der kurzfristige Geldhaltung für Anschaffung noch nicht in Frage stellt – aber langfristige Geldhaltung als Wertaufbewahrung sinnlos macht. Genau dies braucht es eben auch ökologisch – dann wird eben auch mit 2% nachhaltiger Rendite in langfristige Investitionsgüter der dringenden Cradle to Cradle Wirtschaft investiert.

      lG, Jörg

      1. > Die 2% Zielinflation bei nominal Nullzins ist ein Wert – der kurzfristige Geldhaltung für Anschaffung noch nicht in Frage stellt – aber langfristige Geldhaltung als Wertaufbewahrung sinnlos macht.

        Das ist genau das, was wir heute schon haben. Die Sparquote (Konsumverzicht) bleibt dennoch unvermindert hoch.

        Ich halte einen negativen Realzins von -2% nicht (unbedingt) für ausreichend, um Sparen in Liquidität stark zu deckeln. Eine solche „Festlegung im voraus“ ignoriert das noch unbekannte tatsächliche Verhalten der Teilnehmer.

        Der negative Realzins muss so hoch sein, wie nötig, um das angestrebte Ziel zu erreichen, egal wie hoch. Was ist bei Dir das (mit dem Realzins + Kreditsteuer) angestrebte konkrete Ziel (SOLL-Größe)? Bitte um orientierende Zahlen.

        Mit Gruß, Beo2

        1. >>Das ist genau das, was wir heute schon haben. Die Sparquote (Konsumverzicht) bleibt dennoch unvermindert hoch.

          eben nicht -der aktuelle Nullzins wird als vorbeigehendes Krisenübel kommuniziert

          ergo

          künftig gibt es wieder Zinsen

          +

          in Krisen investiert man lieber nicht

          und ja – es ist möglich, dass man kurzzeitig auch noch Staatsschulden machen muss, wenn es z.B. externe Schocks gibt. Steht ja alles in meinem Monetative Konzept drin:

          Der Zaun an der Deflations-Schlucht bringt dem Wanderer (Investor) die nötige Gelassenheit.

          Ganz etwas anderes ist es, wenn man ihm zum Wandern an der Schlucht ohne Zaun nötigen würde.

          Zum Ziel/Zahlen:

          Das Ziel ist gelassenes Wandern – heute brauchen wir 8% Staatsverschuldung oder Auslandsverschuldung für die verstörten Horter. Dat geht nicht gut – wenn wir manchmal noch 2% Staatsverschuldung brauchen würden, und dafür die Ziel-Inflation eingehalten würde, wäre dies piepegal.

          Wichtig ist – es muss möglich sein, gelassen mit wenigen Punkten Renditeaussichten in Nachhaltiges Wirtschaften zu investieren. Ob der Steuerzahler dabei grad etwas Forderungen gegen sich selber aufbaut oder abbaut ist nicht so prickelnd. Die Geldvermögen undschulden sind unsaldiert eh nur Peanuts gegen die realen Vermögen. frieden ist wichtig und Nachhaltigkeit – dies ist das Gegenteil von 8% BIP exportkrieg.

  3. > Die Erwartung, dass es nie nie nie wieder sichere Sparzinsen gibt (auch nicht in irgendeiner Superkonjunktur), dafür auf Geldhaltung aber negative Realzinsen von ca -2%, schafft die idealen Rahmenbedingungen für alternative Selbstinvestitionen auch bei minimalen Sachwertrenditen.

    Ich habe nicht alles von Dir gelesen, sondern bin wieder zufällig hier gelandet. Ich nehme deshalb an, Du mit „negativem Realzins von ca – 2%“ das bewusste, wirtschaftspolitische Erzeugen von INFLATION von ca. 2% meinst (um auch das Bargeld zu „be’Steuern“) .. bei dauerhaftem durchschnittlichem Sparerzins von ca. 0%. Das leuchtet zunächst ein, scheint mir aber nicht konsequent zu Ende gedacht …

    Wozu dann die Kreditsteuer, wenn INFLATION „zum Einsatz“ kommen sollte? Warum dann nicht die Inflation gleich auf 8-10% hochzutreiben, wo mit Sicherheit kein voller Inflationsausgleich beim Sparerzins erfolgt, weil die Banken wissen, dass die Geldhalter zunehmend unter Druck stehen (eben 8-10% an Kaufkraft zu verlieren) und sich liebend gerne auch mit einem Sparerzins von 6-7% Sparzins zufrieden geben? Somit hätten wir einen negativen Realzins von 2-3%. Ich halte die Kreditsteuer für überflüssig, wenn die Sparquote sowieso mit einer Inflation (in ausreichender Höhe) gedeckelt werden soll.

    Wozu zwei Instrumente einsetzen, nämlich Kreditsteuer und Inflation, wo nur eines davon völlig ausreicht, nämlich die Inflation? Das verkompliziert die Sache nur und ist nicht „ökonomisch“ gedacht.

    Mit Gruß, Beo2

    1. Nun ja BEO2 –

      1. es geht ja hier ganz wesentlich um Emotionen – große Inflationsraten machen die Deutschen ebenso wie nominale Negativzinsen emotional instabil. 🙂 Und emotional verwirrte Menschen investieren nicht vernünftig.

      2.geht es ja darum, das zu geringen Renditen in eine nachhaltige Wirtschaft investiert wird – wenn da noch eine Inflationsrate obendrauf kommt, rechnen sich nachhaltige langfristige Investitionen kaum.

      3. Ist eine Lohn-Preisspirale halt igendwie schwer zu händeln – die letzte hat als Stagflation den ganzen Keynesianismus beerdigt.

      4. Gibt es in der starken Inflation halt zusätzliche kreditive Aufblähung – eine Guthabenbremse mit Kreditbremse führt da eher zu Eigeninvestition und damit stabilisierender Eigenkapitalisierung der Wirtschaft.

      5. kann eine Kreditsteuer einem Einzelkredit zum Investitionszeitpunkt zugeordnet werden – dies bringt Sicherheit – ganz im Gegenteil zu einer unsicheren Lohn-Preisspirale -die man dann vielleicht doch durch Zinserhöhung und Blasen anstechen abwürgen will – siehe Wolfgang Waldners Klage über die gemachten Krisen. Ich sage, er hat recht -und deshalb braucht es andere Notenbankwerkzeuge als Crash und Krisen. Eine Auto steuert man doch auch nicht durch Anschlagen an den Leitplanken.

      6. wirkt die Kreditsteuer vor allem als Phantom auf die Erwartungen – Inflation musst Du dagegen immer real über hohe Lohnsteigerungen machen und läuft via Importüberschuss-Saldo als Finanzierungsproblem vor die Wand – wenn die anderen Länder nicht mitziehen. Siehe Europa mit Inflationsneurotiker Deutschland“

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