Lohnerhöhung braucht Guthabenbremse

Gern wird von linken Ökonomen (z.B. H.Flassbeck) argumentiert, dass wir unsere katastrophalen gesamtwirtschaftlichen Ungleichgewichte durch starke Lohnsteigerungen beheben könnten, da dies die Unternehmen in eine angemessene Schuldnerposition zurück brächte. Nur senken höhere Löhne gesamtwirtschaftlich die Gewinne nur um den Betrag, der zusätzlich in Geldhaltung (Einnahmeüberschüsse) von den Nichtunternehmer gespart wird. Nun könnte man sagen, perfekt, es ist durch die Lohnerhöhung etwas mehr Absatz da. Deshalb werden die Unternehmer diese Zusatzverschuldung durch Zusatzinvestitionen übernehmen. Dies ist gut möglich, da wir hier auch über kleine Beträge reden, ich schätze mal 10Mrd.€/Jahr als Dimension. Unser Problem ist aber ca. 250Mrd.€/Jahr groß. Um diesen Betrag müssen wir das Ausland für eine halbwegs stabile deutsche Wirtschaft verschulden.

Ohne Guthabenbremse gilt deshalb:
Wenn wir durch starke Lohnerhöhung diese Defizitposition des Auslandes auflösen, ist Deutschland zurück in der Massenarbeitslosigkeit. Die „Liberalen“ werden den „Linken“ höhnisch erklären, dass sie Dummerchen nun mal keine Ahnung von Wirtschaft haben. Und der Wähler wird sich in seiner Jobangst flugs zurück zur Lohndumping-Politik wählen.

Nur mit einer generellen Auflösung der Neigung zu Einnahme- Überschüssen als Sparform (Guthabenbremse) ist es deshalb möglich, außenwirtschaftliches, binnenwirtschaftliches und soziales Gleichgewicht zusammen zu bringen. Eine Guthabenbremse kann man maximal sozial gestalten. Da sie Bedingung für nachhaltige Lohnsteigerungen ist, ist sie sogar eines der wichtigsten sozialen Projekte. Aber nun muss endlich die Sprachlosigkeit bei diesem Thema überwunden werden.

http://www.guthabenbremse.de

4 Kommentare zu „Lohnerhöhung braucht Guthabenbremse“

  1. Weshalb bauen denn die Unternehmen seit dem Jahr 2000 Netto-Verbindlichkeiten ab? Antwort: Weil sie sich in den Expansionsjahren davor überschuldet haben. Es bedarf also dringends einer Schnell-Entschuldungsstrategie für die Unternehmen, bevor man wieder eine Ausdehnung ihrer Netto-Verbindlichkeiten erwarten darf. Das von mir vorgeschlagene Verfahren zielt in diese Richtung……

    LG
    Alfred

  2. Es gibt ja noch ein viel besseres Verfahren: Man setzt einen Stichtag fest, sagen wir den 1.1.2025, an dem eine Übernacht-Besteuerung der Forderungen (weltweit) stattfindet. Man eröffnet den Bürgern nur zwei Auswege: Entweder kaufen sie bis dorthin Konsumgüter und bauen ihre Forderungen ab, oder (neu zu schaffende) Sachwerte. Damit wäre die Staats- und auch Unternehmensverschuldung deutlich reduziert. Der Hebung des EK des Unternehmenssektors begegnet man mit einem temporären Ausschüttungsverbot. Nach dem 1.1. 2025 triitt dann der alte Handlungsmodus wieder in Kraft.

    PS: Die Leistungsbilanzgleichgewichte muss man freilich gesondert lösen….

  3. So ist es: Lohnerhöhungen tragen allenfalls indirekt zum Abbau der Ungleichgewichte bei. Der Wunsch vieler „progressiver“ Ökonomen nach Lohnerhöhungen ist irrational. Auch die Guthabenbremse, die Sie propagieren, lieber Herr Buschbeck, ist irrational. Das einzig probate Mittel um die Ungleichgewichte zu beseitigen ist: die Übernacht-Besteuerungen der Forderungen. Kurz und schmerzlos muss es gehen, alles andere heisst Leiden mit ungewissem Ausgang….

    PS: Wenn man das wachsende Interesse der Staaten an der Kenntnis der Forderungen der Bürger richtig interpretiert, ist dieses Verfahren der Übernacht-Besteuerung für die Zukunft ja auch zu erwarten. Die Staaten lernen, dass sie mit der Besteuerung der Einkommen die Ungleichgewichte nicht eliminieren können. Sie richten ihr Augenmerk zunehmend auf die Forderungen der Bürger, zunächst getarnt unter dem Schlagwort der „Steuerehrlichkeit“, später ganz offen auf die Eliminierung der Forderungente gerichtet. Ich, als alter Hegelianer, bin frohen Mutes, dass sich eines Tages die Vernunft durchsetzt…..

    Grüsse
    A.F.

    1. Lieber Herr Felsberger,

      eine permanente “Spielregel-Guthabenbremse” ist viel vernünftiger als Einmalaktionen. Unser Problem sind ja nicht zu hohe Salden – sondern dass permanent die Abschreibungen eines nicht durch Krieg zerstörten Kapitalstockes die Investitionen finanzieren. Jeder Sparer ab einem gewissen Vermögen also selbst investieren muss, wenn man die Staatsverschuldung weiter als Problem betrachten möchte.

      Ein einmaliger Schnitt wegen zu hoher Salden würde ja garantiert so kommuniziert, dass diese hohen Staatsschuldensalden ja für die Zukunft vermieden werden sollen.

      lG Jörg Buschbeck

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