Wir müssen reden – über die Angst

Das ständige Thema dieses Blogs ist die Guthabenkrise = Geldsparkrise. Diese ist am Ende des Tages ja auch nichts anderes als ein Angstphänomen. Man spart aus Angst in vermeintlich „sicherem Geld“ statt in riskanteren Sachwerten. Geldvemögen hat seinen quasi religiösen Charakter, weil es die gleiche Funktion wie eine gute Religion hat = Kompensation von Angst. Dass uns ungebremstes Geldsparen zurück in Armut und Krieg führen wird, dass die Alternative zum „schuldigen Geldsparen“ das „unschuldige Sachwertsparen“ ist, kann man den verängstigten Menschen nicht  erklären. Also muss man zuerst an das Thema Angst heran…die anderen gerade eskalierenden Angst-Themen erfordern dies eh.   Maaz ab… 🙂 genialer Mann – danke http://www.eingeschenkt.tv !

9 Kommentare zu „Wir müssen reden – über die Angst“

  1. Wie schon bei dem anderen Video mit Hans-Joachim Maaz angemerkt:

    Er verliert kein Wort über diejenigen, die sich ihre Feinde unter Fremden im Allgemeinen oder unter den Gläubigen des Islam im Besonderen suchen.

    Ja es ist richtig, dass es nicht zielführend für eine Befriedung der Gesellschaft ist, wenn ein Teil dieser Gesellschaft als die Personifizierung des Bösen betrachtet und gebrandmarkt wird. Genausowenig zielführend ist allerdings, wenn umgekehrt „die da oben“, die „Gutmenschen“ und „die Flüchtlinge“ als die Verursacher allen Übels dieser Welt hingestellt werden.

    Die Frage bleibt: Wer ist in der Lage einen wirklichen gesellschaftlichen Dialog zu organiseren? Wo sind die unabhängigen Geister, die ihn ins Leben rufen? Und wo sind vor allem die unabhängigen Geister, die einen solchen Dialog kritisch begleiten können?

    Wenn ich mir die Medienlandschaft in der Bundesrepublik so anschaue, werden sämtliche Meinungen, die nicht mit dem neoliberalen marktkonformen Mainstream übereinstimmen, in Bausch und Bogen wahlweise als rechts- oder linksradikal oder noch besser als Querfront abgetan und verurteilt.

    Unter diesen Bedingungen wird es schwierig einen Dialog zu führen, bei dem die je eigenen Ansichten und Überzeugungen selbstkritisch hinterfragt werden sollen. Leider.

    1. >>>Er verliert kein Wort über diejenigen, die sich ihre Feinde unter Fremden im Allgemeinen oder unter den Gläubigen des Islam im Besonderen suchen.

      Er hat rechte wie linke Extremisten gleichermaßen kritisiert – die Frage bleibt aber offen, ob man als Kritiker einer nur begrenzt mit unserem Wertesystem und Grundgesetz kompatiblen Religion schon ein Rechter ist. Und ob man sich über „besorgte Bürger“ lächerlich machen sollte. Hier hat Maaz natürlich klar Position bezogen – ja, Angst ist gesund. Und wer irgendwas sinnvolles tun will, muss gegen die Angst vorgehen, statt sie lächerlich zu machen. Hier hat die medien-beherrschende 68er Ideologie wohl grandios versagt, in ihren Weltbild des „naturbösen Deutschen“ hat dieser ja auch kein Recht auf Angst? Die 68er Ideologie würde ich übrigens nicht als „links“ bezeichnen – links ist doch irgenwie was soziales. Eine soziale Revolution muss Angst und Hass auf Ausländer und Inländer abschaffen.

      1. Nun weder in diesem Kommentar noch in dem anderen Kommentar habe ich Herrn Maaz in die rechte Ecke geschoben. Ich habe darauf hingewiesen, dass er – aus meiner Sicht – sehr einseitig die Projektionen des „Mainstreams“ kritisiert, aber die Projektionen der „besorgten Bürger“ kritiklos hinnimmt.

        Die Aussage, der Islam sei „mit unserem Wertesystem und dem Grundgesetz nur begrenzt kompatibel“ halte ich für höchst problematisch – weil falsch. Mit dem gleichen Recht könnte ich behaupten, dass das Christentum nur begrenzt mit unserem Wertesystem und dem Grundgesetz kompatibel ist. Es gibt in der Bibel genügend „Stellen“ mit denen ich diese Behauptung stützen kann.

        Und die medien-beherrschende 68er-Ideologie? Das ist eine Schimäre. Und eine Beleidigung für die damaligen Akteure. Ich war 68 mit dabei. Im Hörsaal und auf der Straße. Zu der Zeit waren „SPIEGEL“, „STERN“ und „DIE ZEIT“ Speerspitzen der Aufklärung. Und heute? Ich bin mir ziemlich sicher, dass die allermeisten Journalist_innen von heute in den Vollversammlungen von damals kein Bein auf den Boden bekommen hätten.

        In 68 wurde sozialpsychologisch analysiert. Reich, Jung, Marcuse, Fromm, Mitscherlich, um nur ein paar Namen zu nennen, wurden nicht nur gelesen. Das was Herr Maaz heute sagt, war ein wichtiges, breit diskutiertes Thema. Beim Marsch durch die Institutionen haben viele der 68er allerdings ihr damaliges Wissen nicht nur nicht angewandt, sondern erfolgreich verdrängt.

        Was tun? Das ist und bleibt die Gretchenfrage. Ich halte es für wichtig, in der politischen und gesellschaftlichen Diskussion viel stärker als bisher zu betonen, dass im Inneren des Menschen mächtige Triebkräfte schlummern, die sich aus den spezifischen Existenzbedingungen des menschlichen Seins ergeben. „Wege aus einer kranken Gesellschaft“ von Erich Fromm, „Der Gotteskomplex“ von Horst Eberhard Richter oder „Zwischen Amok und Alzheimer: Zur Sozialpsychologie des entfesselten Kapitalismus“ von Götz Eisenberg oder auch die Gedanken von Rüdiger Dahlke über „Polarität“ und „Schatten“ und selbst die Vorträge von Hans-Joachim Maaz, sie alle enthalten Weisheiten und Wahrheiten über menschliches Leben und Zusammenleben.

        Eine Erkenntnis sollte zwingend weiterverbreitet werden: Menschliches Handeln wird nur sehr begrenzt über das Großhirn gesteuert. Auch wenn das die meisten Menschen nicht wahrhaben wollen. Weil sie doch so klug und vernünftig sind.

        P.s.: Zum Thema „Links sein“ hier ein Link zu einer kleinen Schrift der Rosa-Luxemburg-Stiftung „Was ist heute links?“ http://rosaluxemburgstiftung.de/fileadmin/rls_uploads/pdfs/kontrovers0601.pdf

        1. >>Und eine Beleidigung für die damaligen Akteure. Ich war 68 mit dabei.

          Sorry – wollte Dich nicht beleidigen. Wahrscheinlich verwende ich den Begriff 68er für etwas ganz anderes, die Pervertierung von Fortschritt, hast Du ja auch beschrieben.

  2. Eine „gute Religion“ hat nichts mit Kompensation von Angst zu tun. Damit ich nicht mißverstanden werde: eine schlechte Religion macht Menschen Angst, aber daraus folgt nicht etwa das soeben genannte.

    Nun muss ich klarstellen, dass Sicherheit durch Geldvermögen nicht mit dieser (Definition von) Religion gleichgesetzt werden muss.

    Der vielleicht erste kritische „Ökonom“ Jesus Christus hat schon das Sparen eine Absage erteilt. Offenbar wusste er – lange vor den Saldenmechanikern -, dass es unmöglich ist, dass alle sparen 😉
    „Darum sorgt nicht für morgen, denn der morgige Tag wird für das Seine sorgen.“ (Matt. 6,34)

    Warum „Ökonom“? Weil eine befreiungstheologische Auslegung des Gleichnisses der Talente sieht, dass es sich hier „um das Schicksal eines Menschen, der die Wirkungsweise eines ungerechten Systems (die Reichen werden reicher) durch sein Handeln offen legt und sich diesem verweigert“ handelt.
    http://www.schattenblick.de/infopool/religion/christen/rcsta308.html

    1. >>Eine “gute Religion” hat nichts mit Kompensation von Angst zu tun.

      Meine Wahrnehmung ist eine Andere – die „Nutzenversprechen“ für die Gläubigen gehen n.m.E. schon sehr stark in Richtung der menschlichen Urängste,aber wir müssen dies nicht ausdiskutieren. Als Agnostiker rede ich da auch über etwas, was ich nur von außen beurteilen kann.

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