Qualitätstheorie des Geldsystems

Qualität schlägt bekanntlich Quantität, also will ich heute mal versuchen, der naiven Quantitätstheorie des Geldes eine Qualitätstheorie mittels gesamtwirtschaftlichen Denkens  gegenüber zu stellen.

1.Begriffsklärung
Geld ist ein unklarer Begriff – er ist für eine Qualitätstheorie deshalb nicht geeignet. Er wird für GELDVERMÖGEN (alle Kaufsalden) und für ZAHLUNGSMITTEL (durch Mithaftung  Dritter übertragbare Geldvermögen) verwendet. Eine Qualitätstheorie des Geldes unterscheidet streng zwischen Geldvermögensänderungen und Änderungen der Zahlungsmittelsalden.

2. Preisniveau
Weder die absolute Menge aller Geldvermögen noch die absolute Menge der Zahlungsmittel haben direkten Einfluss auf das Preisniveau. Preise kalkulieren Unternehmer einzelwirtschaftlich anhand ihrer Kosten, der Wettbewerbsintensität und strategischer Überlegungen. Preisanker im System sind länger laufende Kontrakte,  am wichtigsten dabei  die Arbeitsverträge als Hauptkostenblock. Für die Einhaltung des Inflationsziels ist also eine jährliche Erhöhung der Löhne um Zielinflation + Produktivitätswachstum erforderlich.

3. Konjunktur
Die Konjunktur wird in Käufermärkten durch die Pläne für Konsum und Investition bestimmt. Dabei sind die Investitionsausgaben die größere potentielle Instablität mit starker gesamtwirtschaftlicher Rückkopplung. Erfolgen Investitionsausgaben unfreiwillig in den Lagerbestand, werden Unternehmen in der Folgeperiode weitere Ausgaben kürzen. Dagegen führen planmäßige steigende Investitionen zu gesamtwirtschaftlich steigenden
Gewinnen, da ja der gesamtwirtschaftliche Gewinn mit der Nettoinvestition identisch ist. Steigende Gewinne führen auch wieder zu planmäßigen Folgeinvestitionen.

4. Geldsystem und Konjunktur – 3 Zusammenhänge.

a. Plankongruenz der Geldvermögensänderungen (Quelle Logik, Stützel, Saldenmechanik)
Haben die Wirtschafter am Ende einer Periode mehr Geldvermögen als geplant, führt dies in der Folgeperiode zu potentiellen Mehrausgaben. Im umgekehrten Fall werden die Wirtschafter versuchen  in der Folgeperiode ihre Ausgaben zu kürzen. Dies wird bei mit Zahlungsmittelbeständen nur gering ausgestatteten Wirtschafter schon dadurch erzwungen, dass Ihnen eben diese Zahlungsmittelbestände für einen weiteren Abbau Ihrer Geldvermögen fehlen. Die Willigkeit und Fähigkeit der Wirtschafter solche Käufe dann auf Kredit (Zahlungsmittelschöpfung) auszuführen, wird sektoral sehr verschieden sein. Ein durch Einkommensverlust (Jobverlust) entsparter Arbeitnehmer wird seine Ausgaben sicherlich einschränken. Bei Staaten oder Unternehmen ist aber zu bedenken, dass diese
regelmäßig aus festen Kontrakten kaufen müssen, eine Verschuldung also hinnehmen müssen. Ein Staat als sehr großer Wirtschafter kann seine Verschuldung durch Ausgabenkürzungen regelmäßig auch nicht entgehen. Denn er kürzt hier natürlich auch seine Einnahmen – bei eh schon schlechter Konjunktur noch durch einen Hebel aus einbrechender Privatverschuldung verstärkt. So ist es kein Wunder, wenn bei der Austeritätspolitik in Südeuropa die Staatsverschuldung steigt.

b. Unternehmer-Gewinnformel  (Quelle Logik, Keynes, Lautenbach, Saldenmechanik )
Unternehmen und Staat finanzieren alle Einkommen der Wirtschafter vor. Vorfinanzieren meint hier, sie kaufen alle Leistungen ein, um dann später wieder eine Gesamtleistung zu verkaufen. Da das Verkaufen erst in einer ungewissen Zukunft unsicher möglich ist, entsteht in diesem Prozess für die Unternehmer ein Risiko, welches dieser nur gegen Gewinnaussichten eingehen wird. Gewinne und Gewinnaussichten spielen also eine sehr große Rolle, ob die Unternehmen Investitionsgüter und Arbeitsleistung planmäßig einkaufen. Die ordentlichen Gewinne der Unternehmen sind die Addition von Nettoinvestition und Unternehmerkonsum abzgl. der Geldvermögensbildung des Rest der Welt. Dieser „Rest der Welt“ sind in der Praxis die Geldvermögensentwicklung (Kauf Salden) von Nichtunternehmern, Staat und Ausland.

c. Zentralbankpolitik (Quelle Logik, Empirie, Stützel)
Bei überhitzender Konjunktur wird die Zentralbank versuche, durch Straffung der Bankenliquidität die Kreditvergabe für Käufe zu verknappen. Dies ist nur sehr eingeschränkt möglich, da sich die Zentralbank-Zahlungsmittel bei der Kreditvergabe ja nur dann aus Bankensicht verbrauchen, wenn diese Kreditvergabe zu einer erhöhten
Bargeldhaltung der Nichtbanken führt. Die Zentralbank kann aber über die Konditionen der Bereitstellung von Zentralbank-Zahlungsmitteln Einfluss auf das Zinsniveau nehmen. Auch dies ist nur mit gewissen Einschränkungen funktional, da die Notenbank zwar das aktuelle Zinsniveau beeinflussen kann, aber kaum die Erwartungen. Weiterhin fehlen der Notenbank geeignete Werkzeuge, wenn auch bei Nullzins die Punkte a. und b. auf eine deflationäre Abwärtsspirale hinauslaufen. Eine wesentlich verbesserte Notenbankkonstruktion habe ich schon 2012 hier beschrieben.

Situation/Konklusion
Es gibt ein friedensgefährdendes Gesetz der tendenziell sinkenden Profitrate, welches Karl Marx nur mit falschen einzelwirtschaftlichen Bildern  beschrieben hat.  Da sich mit Kriegsabstand die Investitionen immer stärker aus den steuerfreien Abschreibungseinnahmen finanzieren, wird aus Bruttoinvestion keine Nettoinvestition mehr. Die Nettoinvestition  (zzgl. Unternehmerkonsum)  ist aber nach Abzug der Geldvermögensbildung der Nichtunternehmer der Gewinn der Unternehmen. Im Ergebnis ist zur Vermeidung einer deflationären Abwärtsspirale ein Nullsaldo der Geldvermögensbildung der Nichtunternehmer erforderlich, welches
mit den Plänen der privaten Nichtunternehmer zur Geldvermögensbildung kollidiert.

Für diese Herausforderung müssen nachhaltige Lösungen gefunden werden, ansonsten wird sich die Geschichte mit einer „Abschreibung der Sachwerte im Stück“ , auch Krieg genant, wiederholen. Krieg ist die Fortsetzung der Wirtschaftspolitik mit anderen Mitteln.
Logisch ergibt sich aus den Finanzierungssalden der deutschen Volkswirtschaft, dass die Neigung zu Einnahmeüberschüssen als Sparform sanktioniert werden muss, wenn der Frieden erhalten werden soll. So eine Guthabenbremse regt das reales Sparen in Sachwerten an und erhöht damit das Volksvermögen. Eine gut gemachte Guthabenbremse tut also niemanden weh und sichert Frieden und Wohlstand. Es muss nur eben möglich werden, dass wir über Guthabenbremsen diskutieren können, um sie wirklich gut zu machen.

16 Kommentare zu „Qualitätstheorie des Geldsystems“

  1. datokrat schreibt: »Das Preisniveau ergibt sich doch nicht einfach aus dem _aktuellen_ Lohnniveau«

    Stimmt. Nicht aus den Nominallöhnen. Die Preise folgen den Lohnstückkosten. Heiner Flassbeck zeigt in seinen Vorträgen immer wieder diese Grafik, die diesen Zusammenhang empirisch belegt.

  2. Hallo Herr Buschbeck,

    ich finde Ihre Ideen sehr interessant, gerade im Stadium der eigenen Meinungsbildung, wenn es um Geldtheorie geht.

    Eine Sache macht mir aber immer noch Kopfschmerzen: Ich finde das Heranziehen Stützels total nützlich und ertragreich, aber einen gewissen Stellenwert, wenn es um die „glitches“ unseres Geldsystems geht, muss man dem Zahlungsmittel schon zuweisen. Zwar sind durch es keineswegs sämtliche Probleme verursacht, aber – aus meinem Verständnis – ein Teil.

    Folgende Überlegung zu Ihrem Punkt 2: Das Preisniveau ergibt sich doch nicht einfach aus dem _aktuellen_ Lohnniveau. Die Zahlungsmittelmenge _kann_ eine Rolle spielen.
    Zahlungsmittel sind die „Eintrittskarten“ u.a. zur Realwirtschaft. Angenommen, es gibt mehr Zahlungsmittel als Markt-Angebot. Dann muss das nicht zu Preissteigerungen führen, weil die Zahlungsmittel ja nicht alle eingelöst werden müssen. Aber unter Kontrolle hat man das ja nicht. Vielleicht erhöhen sich ja auch die Preise aufgrund der gestiegenen Nachfrage. Dadurch kann die Zahlungsmittelmenge die Gefahr einer unkontrollierten Inflation bergen und ist sehr wohl relevant!

    Warum ich das wichtig finde?
    Das „Zahlungsmittelschöpfungssystem“ (Buchgeld ist Zahlungsmittel, nicht wahr?) kann zu Instabilitäten führen, gerade aufgrund der Zahlungsmittel. Angenommen, die Wirtschaft brummt und es gibt viel begründeten Kreditbedarf. Sorgt das nicht für eine beträchtliche Inflationsgefahr, weil die bestehende Nachfrage Konkurrenz von sehr vielen Investitionen bekommt? Andererseits kann auch die Nachfrage ganz plötzlich einbrechen, wenn plötzlich keiner mehr einen Kredit möchte.

    Müsste man also in einem Geldsystem nicht verhindern, dass die Zahlungsmenge zu schnell schwankt?

    Soweit meine Überlegungen, die sich natürlich als Irrtümer entpuppen können. Ich hoffe, sie sind nachvollziehbar.

    Grübelnde Grüße,
    datokrat

    1. Herzlich willkommen @datokrat

      danke für Nachfragen.

      Bitte bedenken Sie, dass sich Zahlungsmittel beim Kaufen ja gesamtwirtschaftlich nicht verbrauchen. wenn also morgen niemand mehr Geldvermögen (Kaufsalden) halten will, sind wir sowiso in der Hyperinflation, auch mit begrenzter Zahlungsmittelmenge. Zahlungsmittel können ja auch Nichtbanken machen, z.B. Wechsel, sonstige besicherte und damit „umlauffähige“ Zahlungsversprechen.

      viel wahrscheinlicher und regelmäßig Realität ist ja heute der umgekehrte Fall. Wir brauchen ungefähr 25% Neuverschuldung (Kaufüberschüsse!) für wirtschaftliches Gleichgewicht. Und diese zur deflationsvermeidung nötige Verschuldung bekommen wir schon lange nicht mehr inländisch von kreditwürdigen Privaten zusammen. Dazu müssen wir das Ausland mit fast 8% vom BIP verschulden – wir haben massive Deflationsgefahr, weil das Ausland unseren bedarf an Verschuldung nicht nachhaltig decken kann. Es droht keine Inflation, außer etwas externes passiert – z.B. Meteor droht einzuschlagen.

      Und diese Neuverschuldung ist eben nicht Kreditaufnahme!!!
      Sie ist ein Kaufüberschuss, Kredit finanziert dies nur.

      Man mag dies unnötig spitzfindig finden, ist es aber nicht. Wenn man verkennt, dass die Geldvermögensänderungen das eigentliche sind, verirrt man sich in der Problemanalyse eben nicht im Zahlungsmittelbereich, wie dies mit absoluter Regelmäßigkeit passiert. Dies will Zahlungsmittelvorgängen nicht jede Relevanz absprechen, natürlich wird man regelmäßig ohne Kreditwürdigkeit keine Kaufüberschüsse machen können. Aber selbst die gesamtwirtschaftliche Kreditwürdigkeit der Kreditnehmer wird ja wieder im Geldvermögensbereich (Kaufsaldenbereich) determiniert.

      Nur klärt sich die Frage, warum die Geldvermögensbildung der Privaten die Verschuldung der Staaten ist, eben nicht über die Zahlungsmittelebene, sondern über die Kaufebene. Kauf = verkauf, Kaufüberschüsse der Staaten = Verkaufsüberschüsse der Privaten. Wer dies nicht verstanden hat argumentiert, dass der Staat doch nur keinen Kredit aufnehmen müsste, dann kann er seine Schulden aus der Geldvermögensbildung der Privaten aber nur nicht zahlen – sie existieren als Kaufüberschuss trotzdem.

      Das Gütermarktgleichgewicht ist jedenfalls das Gleichgewicht der Pläne die Geldvermögen (Kaufsalden) zu verändern. Dies zu regeln, ist auf der Zahlungsmittelebene kaum möglich. Natürlich könnte man mehr Kredit an nicht kreditwürdige Kaufüberschüssler geben. Nur macht dies dann auch keinen Unterschied, ob man die banken verknackt, dafür mehr Sichtguthaben gleichschrittig durch Befristung zu demonetisieren. Dies würde nur den Zins leicht steigen lassen, was das Problem der eh schon viel zu großen Sparpläne vergrößert. Es bräuchte dann also noch mehr schlechten Kredit. Stabiler wird da nix.

      1. Aha, ein sehr interessanter Gedanke, dass bei jedem Kredit Zahlungsmittel entstehen. Vielen Dank für Ihre Antwort, das muss ich erst einmal verdauen. Sie scheinen hier ja tagtäglich vielen Leuten viel erklären zu müssen. Ich hoffe, ich wiederhole hier nicht zu viel, habe mir zumindest in den Kommentarspalten einige Diskussionen durchgelesen.

        Ist diese Umlauffähigkeit irgendeines Kredit-Zahlungsmittels wirklich vergleichbar mit der des Buchgeldes? Müsste man in diesem Fall nicht logischerweise die Kreditsteuer auf sämtliche Kredit-Zahlungsmittel ausweiten, weil ansonsten bei einer Regulierung des „normalen“ Buchgeldes einfach an anderer Stelle Kredite vergeben werden, inoffizieller? Oder wo liegt hier der große Unterschied, den ich übersehe?

        1. >>>Ist diese Umlauffähigkeit irgendeines Kredit-Zahlungsmittels wirklich vergleichbar mit der des Buchgeldes?

          Ohne weiteres wohl nicht, einen Wechsel von uns beiden würde ja nicht jeder akzeptieren. Irland hat aber mal fast ein Jahr ohne Banken gewirtschaftet

          http://derstandard.at/1293370662001/Irland-in-den–1970er-Jahren-Irland—Eine-Insel-ohne-Banken

          Wie aber schon oben geschrieben, Bremsen ist nicht das Problem, es droht Deflation, nicht Inflation. Ich sehe die Kreditsteuer deshalb heute nur als Phantom, was jede Erwartung von Sparzins dadurch erschlägt, dass es dieses Mittel gibt.

          Giralgeld ist allerdings nur ein anderes Wort für die täglich fälligen Forderungen gegen Banken, die bei Einzahlung von Bargeld und Bank-Kredit zwangsläufig entstehen. Trotz dieser Zahlungsmittelschöpfung müsste aber auch beim Kredit die Zahlungs-mittelmenge nicht wachsen, wenn man immer im gleichen Umfang Giralgeld durch Befristung stillegt.

          Wenn die Bank ihre Sichtguthaben auf Festgeld umbucht, wird aus einer täglich fälligen Forderung eine nicht täglich fällige Forderung. Damit ist diese kein Zahlungsmittel mehr. Aber diese Themen sind sehr langweilig, uns droht Mord und Totschlag, weil wir gigantische Probleme auf der Geldvermögensebene also bei den Kaufsalden haben, nicht weil wir nicht ausreichend Zahlungsmittel vernichten.

      2. Du drehst dich da etwas im Kreis. Alle unsere Zahlungsmittel sind Wechsel – nur mit der Besonderheit, daß beim gesetzlichen Zahlungsmttel Annahmezwang besteht, nur sind auch € Münzen und € Banknoten Wechsel, nämlich auf die EZB gezogene.

        Das mit dem Kaufüberschuß ist eine Spitzfindigkeit, tatsächich ist es doch so, daß Unternehmen Kredite aufnehmen, um den Einkauf und die Gehälter bezahlen, und auf diese Weise Geld in Umlauf bringen, und dieses so in Umlauf gebrachte Geld wird zum Kauf verwendet.

        Es gibt also keinen Kaufüberschuss ohne Kreditaufnahme.

        1. Nein, es gibt eben diesen Unterschied der planmäßigen und unplanmäßigen Kaufüberschüssen.
          Und dies hat auch ganz verschiedene Konsequenzen.
          Ein Unternehmen wird unfreiwillige Kaufüberschüsse zuallerest durch eigene Ausgabekürzungen finanzieren wollen, was als Massenphänomen ja gerade der Depressionsmultiplikator ist. Wird aber innerhalb seiner fixen Kaufkontrakte für Arbeitskraft, Produktionsmittel, Kredit usw. nicht immer geliungen.

          Weiterhin hat ein Unternehmen ja auch noch Lieferantenkredit und vor der Krise einen gewissen Zahlungsmittelbestand. Und vor allem macht die Unterscheidung ja Sinn, den Mechanismus der Verschuldung durch Verkaufsüberschüsse zu verstehen. Ansonsten kommt ja die einzelwirtschaftliche Vorstellung, dass Unternehmen und Staat ja nur keine Kredite nehmen bräuchten und schon keine Schulden hätten. Unfreiwillige Kaufüberschüsse werden möglicherweise nachfinanziert, geht aber auch nur begrenzt.

          Und beim Staat ist es noch klarer, die Staatsverschuldung in Käufermärkten ist eine Größe, auf die er nur insofern Einfluss hat, wie er auf die Verkaufsüberschüsse des Rest der Welt Einfluss nehmen kann. Deutschland war da mit Exportüberschuss-Politik sehr „scheinerfolgreich“.

    2. zu 2.: Da bist du brav bei Flassbeck (wen wundert’s, Flassbeck war Assistent bei Stützel), aber ganz so einfach ist die Sache nicht. Die Hyperinflation von 1923 hat deutlich gezeigt, daß eine beliebige Steigerung der Geldmenge sehr wohl die Preise hoch zieht, auch argumentieren Smith und Hume mit diesem Argument gegen den Merkantilismus gegenan. Mich irritiert übrigens gerade, daß Flassbeck über Wechselkurse promoviert hat. Wechselkurse sind kein Promotionsthema sondern in Stein gemeisselter Merkantilismus. Wer überhaupt an der Situation etwas verändern will, sollte erstmal eine Welteinheitswährung einführen. Schon wenn wir das täten, hätten wir einen Volksaufstand, weil die Leute merken würden, wie sehr sie da verarscht werden.

      1. 1923 hat gezeigt, dass 4a richtig ist, und 4c nicht angegangen worden ist, weil gewollte Entschuldung Kriegsschulden. Dies wäre aber ohne die Zerstörung des Angebots in WK1 nicht so einfach gewesen.

        Dass eine Steigerung der Zahlungsmittelmenge ohne einen Überschuss der Kaufüberschuss-Pläne eben außer Zinsdrückung nichts, bzw. keine hyperinfla bewirkt, wird auch grad empirisch belegt.

        Mit meiner Kreditsteuer könnte man eine Weltwährung einführen. Stützel betrachtete Wechselkurse übrigens als Spielball von Spekulanten und wollte wie 🙂 lieber über Kreditkonditionen steuern. Im Streit um diese frage wurde er aus dem Sachverständigenrat gemobbt.

  3. Sehr geehrter Herr Buschbeck,

    Gratulation, ein sehr, sehr guter Beitrag.

    ad 1): Korrekt, wenngleich es besser wäre, um die Menschen nicht gänzlich zu verwirren, von Zahlungsmittelbetrachtungen abzusehen.

    ad 2). Jein. Entscheidend sind die Reproduktionskosten der Arbeitskraft (nominal kalkuliert). Sie setzen sich zusammen aus: (a) Wohnkosten, (b) alle sonstigen Konsumtionskosten, (c) Ausbildungskosten, auch der Kinder und (d) Gesundheitskosten. Man sieht sofort, dass (b), (c) und (d) von der Geldmenge unabhängig sind, nicht aber (a). Umso größer die anteiligen Kosten für das Wohnen, desto größer der Einfluss der Geldmenge auf den Lohn. In diese Lage aber stolpern wir hinein….

    ad 3): Ihre Konjunkturtheorie gilt nur bei kurzfristiger Betrachtung, sagen wir für 2-4 Jahreszyklen. Dann ist das Lager tatsächlich der entscheidende Faktor. Für die mittel- bis langfristigen Zyklen jedoch zählt die EK/-FK-Quote des Unternehmenssektors. Wurde sie über viele, viele Jahre nach unten getrieben (so von 1990 bis ca. 2002), dann steht dem System ein lange Stagnation ins Haus, ganz einfach, weil die Unternehmen ihre zu riskante Strategie während des Aufschwungs zu korrigieren versuchen.

    PS: Das langfristige „Gesetz der tendenziell fallenden Profitrate“ bestreite ich. Dass seit geraumer Zeit die Netto-Investition stagniert, geht auf Alterung der Bevölkerung zurück, auf relative Zunahme des Dienstleistungssektors und auf den langfristig konjunkturellen Abschwung, indem wir uns befinden. Es gibt keinen Grund anzunehmen, dass auch nur eine dieser Faktoren dauerhaft ist (Migration und technologischer Wandel, von dem niemand weiß, wohin er führt.).

    LG
    A.F.

    1. Lieber Herr Felsberger,

      danke für die Blumen und Anregungen

      >>>Für die mittel- bis langfristigen Zyklen jedoch zählt die EK/-FK-Quote des Unternehmenssektors.

      dass in diesem Bereich Mechanismen zur Selbstverstärkung laufen ist keine Dissens aber:

      >>Das langfristige “Gesetz der tendenziell fallenden Profitrate” bestreite ich.

      Dann schauen sie doch bitte mal diese Grafik – zwar ist die Bruttoinvestition auch geringfügig gefallen – das große Problem sind aber eindeutig die wachsenden Abschreibungen
      auf den wachsenden Sachkapitalstock. Marx war schon sehr nah dran…

      1. Kein Problem, Sie haben sich die Blumen verdient.-) Marx hat das „Gesetz“ technologisch begründet, ist also in Bezug auf unsere Diskussion außen vor. So schlimm schaut doch die Grafik nicht aus! Gewiss gibt es einen absoluten und prozentuellen Fall des Wachstums der Netto-Investition, aber der hat eben demographische Ursachen. Es wäre interessant Daten zur Friedensperiode 1872-1914 für Frankreich und Deutschland zu haben, weil ja damals die Gesellschaft noch jünger war und jung blieb. Hat sich da auch ein Fall des Wachstums der Netto-Investition eingestellt? Ich weiß es nicht, aber ich würde es bezweifeln…..

        PS: „Sättigung“ kann man nur demographisch begründen. Die ältere Bevölkerung wird vorsichtiger, neigt zum Sparen und läßt sich weniger von Konsum-Innovationen hinreißen. Man muss so realistisch sein und dem Kapitalismus ein absolutes Gespür für die Konsumnachfrage zubilligen. Dann aber bleibt als Begründung für Stagnation nur das Alter einer Gesellschaft, wenn man die technologische Frage (z.B. Wandel zur Dienstleistungsgesellschaft) außen vor läßt.

        LG
        A.F.

        1. PS: M.E. bedeutet der Versuch, das Absinken des Wachstums der Netto-Investition endogen zu begründen (d.h. ohne Rückgriff auf die Demographie), zu unterstellen, dass die EK-FK-Quote im Zeitablauf absinkt. Denn nur dann stellt sich für den Unternehmenssektor das Problem, dass immer größere Teile der Netto-Investition nicht dem Wachstum des EK, sondern dem Haushaltssektor zuzurechnen sind. Denn es gilt ja: Netto-Investition = EK-Zuwachs plus FK-Zuwachs. So etwas zu behaupten, ist aus meiner Sicht unlogisch, denn der Unternehmenssektor würde das nie und nimmer dulden. Er würde die Verschuldung zurückfahren, die EK-FK-Quote heben und die Profitabilität wieder herstellen…..

  4. Können die einzelwirtschaftlichen Pläne der Wirtschafter, zur Veränderung ihrer Geldvermögen in einer Periode übertroffen werden, führt dies in der Folgeperiode zu potentiellen Mehrausgaben. Im umgekehrten Fall werden die Wirtschafter versuchen in der Folgeperiode ihre Ausgaben zu kürzen. Dies wird bei mit Zahlungsmittelbeständen nur gering ausgestatteten Wirtschafter schon dadurch erzwungen, dass Ihnen eben diese Zahlungsmittelbestände für einen weiteren Abbau Ihrer Geldvermögen fehlen.

    Diese Aussage finde ich unklar.

    Es kommt nicht klar zum Ausdruck, dass „Änderung der Geldvermögen“ sowohl Abbau als auch Aufbau von Geldvermögen bezeichnet.

    Zudem legt der Satz „dass Ihnen eben diese Zahlungsmittelbestände für einen weiteren Abbau Ihrer Geldvermögen fehlen.“ nahe, dass Veränderungen des Geldvermögens ein Zahlungsmittelphänomen ist. Das ist es gerade nicht. Das „Bezahlen“ einer Rechnung verändert das Geldvermögen eben nicht.

    Natürlich gilt salopp gesagt: Wenn jemand „knapp bei Kasse ist“ wird er es sich zweimal überlegen ob er „Kauft“. Aber fehlende Zahlungsmittel „an sich“ sind erst einmal kein Grund nicht zu kaufen.

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