Mehr Diktatur wagen – oder wie gehen wir mit Rationalitätenfallen um?


Wolfgang Stützel hat das Grundproblem jeder Gesellschaft definiert – die Rationalitätenfalle. Dies ist einfach der regelmäßige Widerspruch zwischen einzelwirtschaftlichen und gesamtwirtschaftlichen Interessen. Nun ist eine Wahlentscheidung aber eine einzelwirtschaftliche Entscheidung. In der Konklusion kann man doch nur folgern, dass Rationalitätenfallen der Mehrheit der Menschen nicht ohne Weiteres Gegenstand demokratischer Prozesse sein können?  Als bildhafte Beispiele würde ich dringend nötige Sanktionen gegen Naturverbrauch oder das heute maximal asoziale Geldsparen  sehen. Wie soll es einen demokratischen Prozess geben, der gesamtwirtschaftliche Notwendigkeiten mit gegensätzlichen einzelwirtschaftlichen Interessen synchronisiert? Sicherlich wäre über die Ebene „Moral und Werte“ etwas möglich. Nur wie sollen gesamtwirtschaftliche Notwendigkeiten auf eine einzelwirtschaftliche Moralebene gebracht werden, wenn dies schon an den Rationalitätenfallen  der eigentlich zuständigen „Gesellschaftsklempner“ scheitert?

Dies ist übrigens ein Aufruf zur Diskussion, nicht zum Putsch. 🙂

10 Kommentare zu „Mehr Diktatur wagen – oder wie gehen wir mit Rationalitätenfallen um?“

  1. Na, die von Dir gewünschte Lösung hätte ich: alle Sozialklempnter kommen zum Sozialklemptner-Oberklemptner JB und lassen den an sich rumschrauben. Nur, ob diese Lösung mehrheitsverträglich oder auch nur -zuträglich wäre – da bin ich mir ned so sicher.

  2. Um Gottes Willen, falsch! Schaut aus wie der Graben, ist es aber nicht. Ich dachte mir noch: Weiter hinten links muß doch der Stephansdom sein. Wo ist er? Peinlich! Sorry…..

  3. Ja, die „Charismatiker“ werden kommen. Nur werden wir die Ersten sein, die diesen „Charismatikern“ zum Opfer fallen.-)

    PS: Ich erinnere mich an eine Demonstration gegen die Schüssel`sche Sparpolitik vor vielen, vielen Jahren in Wien. Da war ein Klarinettist dabei, der Schubert-Lieder angestimmt hat, und so nebenbei die Revolution gefordert hat. Mein Bekannter, der auch unter die Kategorie „fatalistische Gelassenheit“ fällt, hat kopfschüttelnd gesagt: „Wenn die Revolution, kommt, ist der Schubert-Liebhaber der Erste, der d´ran glauben muss.“ Was ich damit sagen will: Man kann auf die Ästhetik, sprich: Schubert, nicht hoffen, man kann auf Masse nicht hoffen, und seit Neuestem auch nicht mehr auf den Verstand.-)

    Trotzdem ein schönes Wochenende!

  4. Wir grenzwertig und verrückt das Ganze bereits ist, erkennt man gut an der aktuellen Flüchtlingsdebatte. Da gibt es doch galtt „Intellektuelle“, nebenbei gesagt, in Deutschland viel zu viele, die glauben die „Rationalitätenfalle“, wie Sie es sagen, oder den „Geldfetisch“, wie Marx es bezeichnet, durch verordnetes „Gut-Sein“ aufbrechen zu können. Sie begreifen nicht im Geringsten, dass Ihre Position, die der Aufklärung in allen Belangen widerspricht – es geht nicht darum „Gut-Sein“ zu verordnen, sondern es geht darum: aufzuklären! – den Hass nur schürt und die Fronten verhärtet. Und wenn ich es wage, einen solchen „Intellektuellen“ zu kritisieren, dann wirft er mir doch glatt das Wort „Rassist“ ins Gesicht! Kann man sich das vorstellen? Und so muß ich mich Tag für Tag mit vollkommenen Idioten, die noch dazu glauben klug und gebildet zu sein, herumärgern. Was soll man dazu sagen? Wie soll man das Ganze noch bezeichnen? Sagen Sie mir einen Begriff! In Österreich nennt man es „Austro-Trottelitis“.-)

  5. Ja, lieber Herr Buschbeck, es ist zum Verzweifeln. Ich versuche zum Beispiel hie und da Menschen Kapitalismus verständlich zu machen, Trefferquote: 1 zu 99. Selbst Gebildete und Führungskräfte scheitern kläglich. Noch schlimmer wird`s, wenn man über den „Geldfetisch“ – das viel bessere Wort als Rationalitätenfalle – zu sprechen kommt. Die Aufklärungschance sinkt dann auf ein 1 zu 999. Ich würde mal vermuten, dass Ihre hier gestellte Frage sich von selbst beantworten wird: Ja, die Menschen werden wieder in diktatorische Verhältnisse zurückkehren, aber nicht, weil eine Minderheit das zu ihrem Schutze will, sondern schlichtweg: weil die Mehrheit verblödet ist. Man sieht doch jetzt schon, welch` großen Gefallen eine wachsende Zahl von Menschen daran findet, rassistische Kategorien an die Stelle einer Kapitalismuskritik zu setzen (Meint: kapitalistische Überflüssigmachung von Menschen, die von den „Inkludierten“ dann rassistisch abgeurteilt werden). Die Perspektive des Einzelnen („des Produktiven, des guetn Bürgers“) erschlägt den Gesamtzusammenhang. Deshalb, lieber Herr Buschbeck, werden wir uns mit dem Gedanken trösten müssen, dass wir nur ein Steinchen auf dem langen, langen Weg der Menschheit in eine bessere Welt sind…

    PS: Ich will Sie nie entmutigen, ich will Ihnen nur „Verantwortungslast“ nehmen….

    LG
    A.F.

    1. >> Ich will Sie nie entmutigen, ich will Ihnen nur “Verantwortungslast” nehmen….

      Danke für den Entlastungsversuch.

      lieber Herr Felsberger, schaffe es nur nicht, mich auf Ihre leicht fatalistische Gelassenheit zurück zu ziehen. Klar haben wir keine Chance, aber es gilt diese zu nutzen. 🙂

      Als Ergänzung des Beitrages – die eigenen Interessen sind ja eine von Emotion und erlernten Werturteilen geprägte Sache.
      Es braucht tatsächlich eine „neue Religion“ und es braucht neue oder gewendete Priester, welche diese predigen. Ich denke einfach weiter Dinge vor, welche irgendwann im Krisenverlauf Charismatiker als „ihre neue Lehre“ verkaufen können.

      1. Apropos Schubert:

        Die 1.Symphonie schuf er mit 16. Es stockt einem der Atem, wenn man sich das vorstellt. Das Bild zeigt den Graben in Wien, wie er zur Zeit Schubert`s war. Jemals dort gewesen? Wenn nein, dann nichts wie hin!

        PS. Ich liebe meine (ehemalige) Heimat einfach so, dass ich immer Werbung machen muß.-)

        LG
        A.F.

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