Nochmal, das Verschwinden der Nettoinvestition – globale Grafik

Quelle:
http://www.kritisches-netzwerk.de/forum/die-weltweite-einkommensverteilung-die-letzten-40-jahre-und-die-perspektiven

Was will uns diese Grafik sagen? Man sieht trotz konjunktureller Schwankungen die klar systemische Tendenz des Verschwindens der Gewinnquelle Nettoinvestition. Also werden wir  unseren Frieden machen müssen, entweder mit hoher Staatsverschuldung oder einer Guthabenbremse. Ansonsten kommt der Krieg, entweder statt globaler Depression oder wieder in der Folge selbiger. Man beachte auch die von höherem Niveau startende  Entwicklung im kriegszerstörten Deutschland.

16 Kommentare zu „Nochmal, das Verschwinden der Nettoinvestition – globale Grafik“

  1. Ja,ja, hinter dieser Grafik steht ahnungslose ökonomische Theorie, darüber brauchen wir nicht reden. Aber die Lage müßte wie folgt sein: Netto-Investition und BSP wachsen nominal, stagnieren aber real. Sowohl das Wachstum der nominalen Nettoinvestition als auch des BSP schwächt sich im Zeitablauf ab. So sollte es sein, wenn wir vielleicht auch nie ein entsprechendes statistisches Material zu Gesicht bekommen.-)

  2. Seidem die „Gewinn-Identität“, der viel bessere Begriff als „Gewinn-Formel“, von Keynes und/oder Kalecki entwickelt wurde, führt sie immer wieder zu Missverständnissen:

    1) Aus einer Identität läßt sich keine Kausalität ableiten

    2) Aus nominalen Größen läßt sich nicht auf reale schließen.

    Dies berücksichtigend, läßt sich Folgendes sagen: Es stimmt, dass das Wachstum der nominalen Nettoinvestition sich im Lebenszyklus abschwächt. Am Beginn, wenn die Ökonomie eine niedrige Arbeitsproduktivität hat, steigt die nominale Nettoinvestition stark an, später nimmt ihr Wachstum immer mehr ab. Das ist das ganz normale Verhalten reifer Ökonomien mit hoher Arbeitsproduktivität und gealterten Menschen, das, wenn man sich Mühe geben würde, sich in jedem Land dieser Welt nachweisen lassen würde.

    Der Kapitalismus steht also vor der Herausforderung ein „Naturgesetz“ zu managen, und die Art, wie er es tut, ist die Ausdehnung der weltweiten Staatsverschuldung. Es ist verrückt, dies „Naturgesetz“ dem Kapitalismus anlasten zu wollen: Nicht er bremst das Wachstum der nominalen Netto-Investition, sondern die gestiegene Arbeitsproduktivität (= Reichtum und Sättigung der Menschen).

    PS: Keynesianische Ökonomen glauben diese Abschwächung der Netto-Investition durch Staatsverschuldung kompensieren zu müssen, und übersehen völlig, dass der Kapitalismus selbst diesen Weg einschlägt. Er braucht keine Ökonomen, die ihm das empfehlen.-) Der „Beweis“ dafür ist: dass unter jeder Administration, ob konservativ oder progressiv, dieser Weg gegangen wurde. Reagan liebte die wachsende Staatsverschuldung genauso wie Obama, es ist schlichtweg ein kapitalistischer Sachzwang……

    LG
    A.F.

    1. >>>Der “Beweis” dafür ist: dass unter jeder Administration, ob konservativ oder progressiv, dieser Weg gegangen wurde. Reagan liebte die wachsende Staatsverschuldung genauso wie Obama, es ist schlichtweg ein kapitalistischer Sachzwang……

      Ja natürlich ergeben sich in Käufermärkten automatisch staatliche Kaufüberschüsse, wenn die Privaten Verkaufsüberschüsse durchsetzen dürfen. Und daran kann man sie ohne spezielle Guthabenbremse nur durch Einkommensverlust in einer Depression hindern. Dies ist ja hier ständiges Thema, und ja, mit Akzeptanz der Staatsverschuldung und derer zinslosen Notenbank-Finanzierung gäbe es da Null reale Probleme. Insofern ist es schade, dass die Vollgeldspinner die Monetative ständig mit ihrem Schöpfungsunfug diskreditieren.

      1. Auch Deutschland baut über Haftungen ja seine (potentielle) Staatsverschuldung massiv aus, Da nutzt es nichts, wenn der Finanzminsiter jährlich eine Null hinschreibt.-) Insofern hält sich auch Deutschland an den „kapitalistischen Sachzwang“ der wachsenden Staatsverschuldung……

    2. >>1) Aus einer Identität läßt sich keine Kausalität ableiten

      Richtig – aber regelmäßig genügt die weitere Bedingung „Käufermarkt“ für weiter Schlüsse.

      Z.B. wenn die Geldvermögenssalden der Nichtunternehmer steigen würden, kann nicht von steigenden Kaufsalden der Unternehmer ausgegangen wrden, eben weil man den Unternehmern in Käufermärkten nichts „vor der Nase weggekauft“ hat.

      Ganz anders in verkäufermärkten der DDR – wenn einer seine bananen in der Schlange doch nicht kaufen wollte, fand sich sicher ein anderer.

      1. Verstehe, so glauben Sie das Dilemma zwischen Identität und Kausalität zu lösen. Ob das geht? Ich weiß es nicht….

      2. >Richtig – aber regelmäßig genügt die weitere Bedingung “Käufermarkt” für weiter Schlüsse.>

        Ich „rieche“ hier einen Zirkelschluss: Der Kapitalismus wird ja nur dadurch zum Käufermarkt (Regale voll), WEIL die Haushalte Verkaufsüberschüsse tätigen. Würden sie das nicht tun, wäre der Kapitalismus ein Verkäufermarkt (Regale leer)…..

        1. Ohne jede Bereitschaft zu auch nur kurzfristiger Geldhaltung sind wir tatsächlich entweder in der Hyperinflation oder wieder beim Einheitsverkaufspreis und Angebotsmangel der DDR. Natürlich muss man das System so regeln, dass es noch Bereitschaft zu zumindest kurzfristiger Geldhaltung und Käufermärkte gibt.

          Nach meinem Putsch 🙂 gibt es ja den „Umkehr-Keynesianismus“ – die Höhe der Staatsschuldentilgung via Steuern ist das Regelelement.

          1. >Nach meinem Putsch 🙂 gibt es ja den “Umkehr-Keynesianismus” – die Höhe der Staatsschuldentilgung via Steuern ist das Regelelement.>

            Bitte um (exakte) Aufklärung. Verstehe ich jetzt nicht ganz…….

            1. 1. also der Putsch war ein Scherz -#MfS äh BND, isch schwör 🙂

              2. Es geht ja genau um Ihre Frage der Erhaltung der Käufermärkte bei geplanten Kaufüberschüssen der Privaten. Der Staat kann und muss dann höhere Steuern, idealerweise meine Kreditsteuer, nehmen:

              Nun lasst uns doch bitte die Globalsteuerung genau anders rum machen. Wenn man die private Geldvermögensbildung nicht mehr mit Sparzinsen anregt und solche Sparzinsen auch in Zukunft nicht mehr zu erwarten sind, dann dreht sich das Problem um. Die privaten Pläne gehen dann per Saldo dahin Geldvermögen abzubauen. Der Staat kann dann ohne Depression seine Schulden tilgen.

              https://guthabenkrise.wordpress.com/2014/01/04/ist-schuldentilgender-umkehr-keynesianismus-die-rettung-europas/

              1. Verstehe. Das erste Etappenziel – Zinssatz auf Staatsanleihen von Null – hätte das System ja erreicht. Das Zweite – die Kreditsteuer – wird wohl schwieriger werden.-) Es liegt nämlich außerhalb der Logik des Systems. Aber gut, das hätte man über den Nullzinssatz vor 10 Jahren auch gesagt…

    3. PS: Graeber, der sonst leider sehr wenig versteht, hat darauf hingewiesen, dass die frühen Zivilisationen (Mesopotamien, Ägypten, etc.) das Problem der Überschuldung durch regelmäßige Schuldenerlasse lösten. Erst als die Edelmetalle, die, streng genommen, Schulddokumente sind, die Weltbühne betraten, verloren die Menschen das Instrument des Schuldenerlasses aus dem Auge. Weder in der griechischen Antike noch im alten Rom war es üblich Schulden zu erlassen. Die Edelmetalle „blendeten“ die Menschen, sie hielten das Gold für bare Münze und nicht für ein Schulddokument. Diese Herrschaft der Edelmetalle, die „Blendung“ der Menschen, dauerte bis ins 20.Jahrhundert an, und erst heute ist die Menschheit wieder in der Lage die Schuldbeziehungen als das regelnde Prinzip ihres Daseins zu begreifen. Man kann daher davon ausgehen, dass der moderne Kapitalismus das Instrument des Schuldenerlasses wieder aktivieren wird. Mit einem Wort: Die Forderungen gegen den Staat werden eines Tages overnight gestutzt. Man sollte daher alles Denken um diesen kommenden „Schuldenerlass“ konzentrieren, Man sollte „rationale“, möglichst schmerzlose Wege des Schuldenerlasses suchen. Alles andere ist ein Kampf gegen Windmühlen…

      LG
      A.F.

      1. Wozu soll man Staatsschulden erlassen, wenn man sie zinslos finanzieren kann – Sie verschwinden von ganz allein, so wie sie entstanden sind. Ob die Privaten nun 2030 oder erst 2300 (Metoriteneinschlag droht 🙂 ) mal Kaufüberschüsse machen wollen. Es ist doch nur der Zins und die Weigerung die Staatsverschuldung als zu akzeptierendes Spiegelbild der Hortlust zu akzeptieren, so wie die Japaner dies wohl mittlerweile stillschweigend und gelassen tun.

        1. Richtig.

          PS: Wenn wir wir theoretisch im Dienste der Saldenmechanik jemals weiterkommen wollen, müssen wir zweierlei tun. 1) sich von der realen Betrachtung lösen und 2) die dumme Angewohnheit der Ökonomen, Quoten zu berechnen (z.B. Nettoinvestitionsquote) ignorieren. Man darf NUR das nominale BSP und NUR die nominale Nettoinvestition betrachten. Dann würden wir im Sinne der Saldenmechnik agieren….

          LG
          A.F.

  3. Sehr geehrter Herr Buschbeck,

    Ich bin mir ziemlich sicher, auch wenn das aus der angegebenen Quelle nicht hervorgeht, dass es sich hier um die reale Nettoinvestition handelt. Was wir aber benötigen würden, ist das Verhältnis der nominalen Nettoinvestition zur nominalen Gewinnsumme. Dann würde sich zwar auch ein wachsender Spread zeigen, – die Gewinnsumme steigt stärker an als die Nettoinvestition -, bei weitem aber nicht so dramatisch wie in der obigen Grafik…..

    LG
    A.F.

    1. >>>die Gewinnsumme steigt stärker an als die Nettoinvestition

      Die Nettoinvestition ist doch auf circa Null gefallen? Null ist ja auch nominal und real gleich? :-). Wogegen die Gewinne ja tatsächlich gestiegen sein werden, nominal wie real?

      Ganz sicher bin ich mir aber auch nicht, ob dies tatsächlich Rückwärts(Grafik) wie vorwärts (meine Überlegungen) ist. Die Grafik der „linken Seite“ will ja sagen, dass eben die Gewinne nicht wieder netto investiert wurden(Verwendung). Mein Thema war ja die Entstehung, aber dies müßte nach der Systematik der VGR eigentlich identisch sein? Aber in meiner Elektromonteuerausbildung in der DDR hatten wir dies auch nicht so genau 🙂

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