Ist alles nicht so einfach – oder soll es nicht einfach sein?

In der Marx Diskussion auf diesem Blog ist mir wieder aufgefallen, mit wie vielen Worten man ein logisches Marktversagen im Arbeitsmarkt spannend machen kann. Ich wüsste nicht, wie man damit mehrbändige Bücher füllen könnte, die dann laut @widerborstig auch gar nicht gewollten Ideologien als hindeutbare Basis dienen können.

Da sich machtlose Menschen mit ihren Grundbedürfnissen versorgen müssen, stehen sie mächtigen Wirtschaftern ohne Sozialsystem zu Verelendungs-Preisen zur Verfügung. Mit bedingtem Sozialsystem haben wir das Problem, dass Menschen mit Marktwert unter Sozialleistung arbeitslos sind. Dagegen gibt es logischerweise ein Mittel, das bedingungslose Grundeinkommen (zzgl. Markteinkommen), was aber in der Höhe nicht zu Verkäufermärkten für Arbeitsleistung führen darf. Einfach weil Verkäufermärkte empirisch belegt Mist sind.
Gleichzeitig bietet so ein Grundeinkommen die Möglichkeit, Lenkungssteuern zur Bekämpfung anderer Marktversagen  (Externalitäten, Marktvermachtung, Vermögenskonzentration/Erbschaftssteuer) so auszuschütten, dass es eine demokratische Mehrheit innerhalb ihrer Rationalitätenfallen will.

Aus meiner Sicht ist dies  so einfach wie logisch –  das steuernde Grundeinkommen hatten wir deshalb auch schon Global Change Film in 2009. Es geht aber nichts vorwärts – und dafür vermute ich u.a. einen Grund, man behauptet dass alles ganz kompliziert ist. Ist es aber n.m.E. nicht. Natürlich sollte man aus heutiger Sicht aber ergänzen, dass eine Lohnerhöhung nach der goldenen Regel (Zielinflation + Produktivitätswachstum) organisiert werden muss (z.B. über Gewerkschaftsmacht). Dies ist aber alles nicht spannend. Spannend ist, warum sich die deutschen Gewerkschaften für die Horterpolitik haben einspannen lassen – da sind wir bei den irrationalen Dingen, den „kognitiven Hortinanzen“. 🙂

fertsch 🙂

7 Kommentare zu „Ist alles nicht so einfach – oder soll es nicht einfach sein?“

  1. „Einfach“ oder „Nicht einfach“, das ist hier die Frage!

    Ich fürchte: Es ist „nicht einfach“. Bei genauem Hinsehen ist zu erkennen, dass bereits bei der Klärung der Begrifflichkeiten enorme Schwierigkeiten zu überwinden sind. Denn wir reden hier nicht über „Backrezepte“, sondern wir reden über Menschen und darüber, wie sie sich selbst in ihrer konkreten Lebenswirklichkeit wahrnehmen und wie sie in dieser Lebenswirklichkeit handeln.

    Und dieses „sich selbst wahrnehmen“ und auch das „handeln“ ist eine ziemlich komplexe Angelegenheit. Weil viele Handlungsmotive im Unbewussten bleiben – und die meisten Menschen sich nicht darüber im Klaren sind. Und sich selbst auch nicht darüber klar werden wollen, weil dies an ihrer eingebildeten Rationalität kratzt. Deshalb ist es – vielleicht – sinnvoller, sich mit den Leidenschaften und der Charakterstruktur der Menschen zu beschäftigen, als mit ökonomischen Themen. Denn ohne einen Zugang zu der Mehrheit der Menschen, der eine Möglichkeit auf bewusste Veränderung eröffnet, sind alle noch so klaren und überzeugenden Aussagen eines Stützel, eines Buschbeck oder von wem auch immer, Schall und Rauch. Leider.

    1. Hallo widerborstig,

      „Denn wir reden hier nicht über „Backrezepte“, sondern wir reden über Menschen und darüber, wie sie sich selbst in ihrer konkreten Lebenswirklichkeit wahrnehmen und wie sie in dieser Lebenswirklichkeit handeln.“

      Genau, und die funktionieren nicht wie Mechanik, Computer oder irgendwelchen sonstigen technischen Gimmicks, wie sich Techniker das gern vorstellen.

      Um Bedürfnisse, Ziele, Motive und Wahrnehmung mithilfe von Wirklichkeitsmodellen geht es, und darum, wie Menschen lernen – und, wie sie gegenseitig ihre Wahrnehmung beeinflussen („Kommunikation“). Darum, was wir eigentlich wollen – und wie wir es erreichen können. Auch politisch.

      „Deshalb ist es – vielleicht – sinnvoller, sich mit den Leidenschaften und der Charakterstruktur der Menschen zu beschäftigen, als mit ökonomischen Themen.“

      Das hieße, das Kind mit dem Bad auszuschütten. Natürlich mit beidem!

      „Geldwirtschaft“, „Kapitalismus“ etc. ist ja das, was Menschen tun, wenn sich sie innerhalb des von vorherigen Generationen konstruierten Käfigs von Staat, Recht, „Freiheit“, „Gleichheit“ usw. aufeinander beziehen.

      Es geht dabei immer schon um Menschen und das, was sie tun. Aber man kann sich Menschen eben unterschiedlich vorstellen – und viele Techniker haben eben spontan ein Menschenbild, das sich (mehr unbewußt) Menschen in Analogie zu menschengemachter Technik zurechtkonstriert. Komplizierte Sachen erklären sich Menschen ja gern oft in Analogie zu etwas einfacherem, das sie schon zu verstehen glauben (beliebt heute z.B. „der menschliche Geist ist ein Computer“, „semantische Netze – jeder hat ein großes Internet im Kopf“ usw.). Jemand, der die Welt gern durch die Brille von Guthaben und Schulden betrachtet, dichtet dann halt gern all denjenigen, die nicht denken wie er selbst, „kognitive Hortinanzen“ als „Weisheit letzter Schluß“ an.

      Die menschliche Wahrnehmung ist schon sehr lustig.

      Stützel klammert Menschen nicht aus, sondern trennt nur zwischen saldenmechanischen Aussagen, die unabhängig von menschlichem Verhalten zutreffen („trivial-arithmetisch“), und „ökonomischen Vollaussagen“, die nicht ohne menschl. Handeln (Motive, Wahrnehmung, Wirklichkeitsmodelle etc.) auskommen.

      Im Gegensatz zu manchen seiner Propagierer sagt er aber ganz klar: „Selbst blendende Beherrschung solche volkswirtschaftlicher Arithmetik, selbst blendende Beherrschung solcher Theorie wirtschaftlicher Gesamtgefüge garantiert noch nicht die Richtigkeit einer einzigen vollständigen nationalökonomischen Aussage“ (Paradoxa …, S. 421).

      Es ist halt aber wohl sinnvoll, Menschen auch als Menschen verstehen und nicht durch die Brille irgendwelcher technischer Gimmicks (seien es nun Dampfmaschinen – „Verhaltensmechanik“ – oder Computer – „Informationsverarbeitung“).

      Menschen lernen, und vergessen, was sie gelernt haben, tun es automatisch weiter, solange es irgendwie funktioniert. „Gelernt ist gelernt“. Und müssen erst wieder auf die Nase fallen, bevor sie das, was sie automatisiert haben und was lange halbwegs funktioniert hat, in Frage stellen wollen können.

      Daher wiederholt die erste Generation, die die Weltwirtschaftskrise NICHT mehr erlebt hat (die 68er) jetzt die Fehler der Opa-Generation; was die Eltern aus der Weltwirtschaftskrise gelernt hatten, war nicht mehr ihre eigene Erfahrung, weswegen sie es ignoriert haben.

      Speziell in Deutschland gibt es ein völlig naives, uninformiertes und verzerrtes Bild der 30er Jahre in den Köpfen, natürlich aus historischen Gründen und aus Gründen der „Erziehung“ (durch die Besatzungsmächte), und daher ist auch ganz viel, was damals gelernt wurde (z.B. von Lautenbach, Stützels Lehrer) heute vergessen und verdrängt.

      Tja … such is menschliches Handeln über die Generationen hinweg. Geschichte eben, die sich anscheinend – mit Variationen – wiederholt.

      1. Im Gegensatz zu manchen seiner Propagierer sagt er aber ganz klar:

        „Selbst blendende Beherrschung solche volkswirtschaftlicher Arithmetik, selbst blendende Beherrschung solcher Theorie wirtschaftlicher Gesamtgefüge garantiert noch nicht die Richtigkeit einer einzigen vollständigen nationalökonomischen Aussage“ (Paradoxa …, S. 421).

        Ich habe Dir vor zwei Tagen auf Facebook dazu erklärt, dass dies zwar richtig ist, aber schon das Hinzufügen einer Prämisse, den in „Marktpreis und Menschenwürde“ zu recht hochgelobten Käufermarktes dies grundlegend ändert.

        Dann kann man nämlich den Einnahmeüberschüsslern die Verantwortung für das gesamtwirtschaftliche Schuldenwachstum bzw. Nachfragemangel zuweisen. Im Verkäufermarkt Sozialismus gab es dagegen Zwangssparen und echtes „Crowding out“ des Staates.

        Du hast meine Antwort mit „amen“ quitiert – also gelesen.
        Man kann Dir unendlich oft Auskunft und Erläuterung geben, die du dann sofort verdrängst und so tust, als ob Du diese Auskunft nie erhalten hättest. Ist Dir dies bewusst? Oder bist Du ein echtes Prachtexemplar beim Thema „kognitive Hortinanzen“? 🙂 Dein ignoranter Unterstellungs-Modus wird echt langsam trollig! 😦

        Also nochmal zum mitmeiseln – Jörg Buschbeck postuliert saldenmechanisch unter der Prämisse des Käufermarktes. Und bei Nullsparzins ist es eben der totale Käufermarkt. Weil man ja bei höheren Zinsen immer noch behaupten könnte, dass ein Nachfrageverzicht zu Zinssenkung und damit mehr Käufen Dritter führen könnte. Eine Situation, die es zu Lebzeiten Stützels übrigens nicht gegeben hat.

    2. @widerborstig

      >>>Deshalb ist es – vielleicht – sinnvoller, sich mit den Leidenschaften und der Charakterstruktur der Menschen zu beschäftigen, als mit ökonomischen Themen.

      Auch dies wurde ja schon hinreichend getan – Menschen agieren innerhalb ihrer einzelwirtschaftlichen Interessen, welche diese natürlich aber mit ganz unterschiedlichen Präferenzen definieren. Dies hat doch die Verkaufsforschung alles auch schon bis zum Abwinken untersucht. Da man für Einkommen/Geld in Käufermärkten aber alle Arten solcher Präferenzen befriedigen kann, von der Selbstdarstellung bis zur Sicherheit, hat der Gedanke des steuernden Grundeinkommens n.m.E. keine logische Baustelle -auch eben nicht in der Verschiedenartigkeit der Menschen.

      Eine demokratische Mehrheit bekommt u.a. mehr Einkommen – wenn Marktversagen für ein Grundeinkommen besteuert wird.

      Wo soll da der Fehler sein? Der Fehler ist doch, dass es für die Spannendmacher nicht so einfach sein darf? Oder für Marktfans wie Staatsfans die „Synergie mit dem Feind“ nicht in das gewachsene Weltbild passt?

  2. »Die Österreicher zum Beispiel vertrauen bei den Pensionen alleine auf das Umlagesystem. Warum? Weil sie schlauer sind? Nein, weil sie (prozentuell) weniger Forderungen gegen das Ausland haben….«

    Naja, es gab in der Bundesrepublik ja auch Zeiten, zu denen das Umlagesystem favorisiert wurde. Mit der Währungsreform 1948 wurde ein Prozess eingeleitet, aus dem eine kapitalgedeckte Renten“versicherung“ in ein umlagefinanziertes System umgewandelt wurde. Die Umwandlung wurde 1969 mit dem Dritten Rentenversicherungs-Änderungsgesetz abgeschlossen, und die Rücklage der GRV auf drei Monatsausgaben festgelegt.

    Einen Zusammenhang mit der Höhe des Leistungsbilanzüberschusses kann ich da nicht erkennen.

  3. Hallo Herr Buschbeck,

    >Spannend ist, warum sich die deutschen Gewerkschaften für die Horterpolitik haben einspannen lassen>. Ich glaube die Antwort ist banal: Deutschland ist ein Leistungsbilanz-Überschuss-Land. Man tritt leichter für Geld-Horten ein, wenn man sich durch die Realität, die aus Forderungen gegen das Ausland besteht, bestätigt fühlt. Das ist wie bei einem Viagra-Patienten, der sich auch jung und potent fühlt, obwohl er ein Wrack ist…..

    PS: Die Österreicher zum Beispiel vertrauen bei den Pensionen alleine auf das Umlagesystem. Warum? Weil sie schlauer sind? Nein, weil sie (prozentuell) weniger Forderungen gegen das Ausland haben….

    LG
    A.F.

  4. Leider ist das deshalb nicht möglich da die Demokratie für die Reichen und Mächtigen dient.

    Prof. Rainer Mausfeld
    Die Hauptverantwortung einer Regierung in einer „Demokratie“ ist, die Minorität(Minderheit) der besitzenden Klasse gegen die Majorität (Mehrheit)der Nicht-Besitzenden zu schützen. Eine repräsentative Demokratie repräsentiert NICHT den Willen des Volkes. Die bewusste und intelligente Manipulation der Verhaltensweisen und Einstellungen der Massen ist ein wesentlicher Bestandteil demokratischer Gesellschaften

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