„Dann geht doch rüber“ – bald Export von Ökonomen nach Nordkorea?

Oft wird der Saldenmechanik entgegen gehalten, dass aus den Ableitungen von Identitäten allein noch keine ökonomischen Vollaussagen möglich sind. Wenn man jetzt aber nur eine weitere Grundannahme trifft, den kapitalistischen KÄUFERMARKT mit seinem Angebotsüberschuss, wird dies völlig anders.

Dann kann man z.B. aus der Identität:

private Verkaufsüberschüsse (globale Geldvermögensbildung) = staatliche Kaufüberschüsse (globale Staatsverschuldung)

herleiten, dass die Geldsparer die globalen Staatsschuldentreiber sind. Einfach weil keine Angebotsknappheit wie in Verkäufermärkten ihren Nachfrageverzicht bedingt. Niemand kann mit demokratisch akzeptierten Mitteln aktuell die private Geldvermögensbildung ausreichend sanktionieren.

Bei den Horterökonomen werden dagegen die Verhältnisse des Verkäufermarktes postuliert, die für sozialistische Staaten mit ihrer Unterproduktivität typisch sind. In der DDR haben wir am Ende nach Bestellung 10 Jahre auf einen neuen „PKW Trabant“  und 25Jahre auf einen „Wartburg“ warten müssen. So geht „crowding out“ – der Staat kauft uns alles weg!

Und so bleibt eben der Spruch aus dem Titel, den sich viele Linke vor dem Mauerfall immer wieder anhören mussten. „Dann geht doch rüber“, liebe crowding out Ökonomen, in das Land wo eure Theorie noch passt.

5 Kommentare zu „„Dann geht doch rüber“ – bald Export von Ökonomen nach Nordkorea?“

  1. „Oft wird der Saldenmechanik entgegen gehalten, dass aus den Ableitungen von Identitäten allein noch keine ökonomischen Vollaussagen möglich sind.“

    Das wird der Saldenmechanik nicht entgegengehalten – das sagt Stützel SELBER: „Selbst blendende Beherrschung solcher volkswirtschaftlicher Arithmetik, selbst blendende Beherrschung solcher Theorie wirtschaftlicher Gesamtgefüge garantiert noch nicht die Richtigkeit einer einzigen vollständigen nationalökonomischen Aussage.“ (Wolfgang Stützel: Paradoxa der Geld- und Konkurrenzwirtschaft, Aalen 1979, S. 421)

    „Wenn man jetzt aber nur eine weitere Grundannahme trifft, den kapitalistischen KÄUFERMARKT mit seinem Angebotsüberschuss, wird dies völlig anders.“

    Stützel kritisiert gerade an der Keynes’schen Tradition, daß sie implizit Käufermärkte als immer gegeben unterstellt, sie das aber natürlich nicht sind. Aber nur in dieser Situation der Käufermärkte bestimmt die „Gesamtnachfrage“ das Niveau der monetären Kaufstromstärke.

    Warum aber sind Käufermärkte eben nicht immer gegeben im Kapitalismus? Sehr einfach.

    Erwarten alle Wi-Subjekte steigende „Güter“-Preise („Geldentwertung“), werden sie ihr Nettovermögen eher in Form von „Gütern“ (Eigentum) denn in Form von Nettofinanzvermögen halten wollen, da ja der Preis/Wert letzterer steigt, während das Finanzvermögen nominal fixiert bleibt, seine relative Kaufkraft also sinkt. Sie werden also mehr Güter kaufen und weniger Güter verkaufen wollen, kurz: ihre Käufe steigern bzw. ihre Verkäufe reduzieren wollen.

    Das führt natürlich zu VERkäufermärkten – in denen nach Stützel die Verkäufer (Angebotsseite) die gesamte monetäre Kaufstromstärke bestimmt, die Verkäufer Macht über die Käufer haben und damit auch nicht mehr so auf die Käuferbedürfnisse eingehen müssen wie in der Situation der Käufermärkte. Dann kann auch wieder qualitativ niedrigwerter Schrott produziert werden, die Käufer können Schlange stehen und sich hinterher über die miese Qualität ihrer Produkte aufregen.

    Stützel hat deswegen das Lambsdorff-Papier mit auf den Weg gebracht, denn das damalige Problem lautete – genau entgegengesetzt wie in den 30er Jahren und heute – INFLAtionsbekämpfung. Stützel war weit entfernt von irgendwelchen PatENDlösungen, und hätte sich auch nicht gewundert, daß Griechen und Afrikanern ihren Gesell’schen Schwundgeldern davonlaufen, statt ihnen hinterherzulaufen.

    Dagegen hat Stützel für fixe Wechselkurse plädiert und ist dafür aus dem Sachverstandigenrat geflogen, bzw. ist rausgegangen (im ZEIT-Archiv online sehr gut dokumentiert).

    Diese für das Verhältnis zwischen Staaten immens wichtige Thema fällt hier völlig unter den Tisch. Aber Stützel war dazu eindeutig, und seine Einschätzung hat sich 1:1 bestätigt:

    „Durch Freigabe von Wechselkursen oder den Übergang zu häufigeren Paritätsänderungen entsteht, wenn man gleichzeitig bei Geldzinsen marktwidrig interveniert (also eine sogenannte autonome nationale Geldpolitik betreibt), kein stabiler Regelkreismechanismus. Vielmehr entsteht ein labiles System, und zhwar, je stärker die Wechselkursänderungen auf die Binnenpreisentwicklung durchschlagen, sogar ein übersteuerndes System: ein System mit Rückkoppelungen, die nicht geeignet sind, im Störungsfalle Tendenzen zur Rückkehr in eine befriedigende Ausgangslage auszulösen, die vielmehr geeignet sind, im Störungsfalle unliebsame Entwicklungen und Divergenzen selbstverstärkend zu akzentuieren, Tendenzen zum Zerfall der Weltwirtschaft in Räume mit ganz unterschiedlicher Entwicklung zu beschleunigen, Tendenzen zur Entfremdung von Nationen.“

    Gerade angesichts der europäischen Versuche, wenigstens in Europa wieder ein fixes Wechselkurssystem zu etablieren (EWS bis hin zum Euro), sollten solche Fragen und das, was Stützel dazu zu sagen hatte, doch ganz oben auf der Agenda stehen.

    1. Hallo Wolfgang

      edit – hatte erst was falsch gedeutet

      eigentlich kein wirklicher Dissens.

      Ja natürlich war man in Zeiten der Stagflation teilweise dabei, die Käufermärkte aufzuheben, wohl auch indem die Gewerkschaften sich genau andersrum verhalten haben als heute. Nicht ohne Grund hat Stützel in „Marktpreis und Menschenwürde“ ja auch ein Loblied auf die Käufermärkte geschrieben und an die Verantwortung der Gewerkschaften appelliert. Dass diese Zeiten auch mal wiederkommen könnten, habe ich in meinem Monetative-Konzept auch mit entsprechenden Werkzeugen der Globalsteuerung gewürdigt.

      Nur hat dies mit der aktuellen Situation nichts zu tun, wo wir trotz Nullzins und Mini-Inflation eine halbwegs vernünftige Nachfrage nur mit gigantischem Exportsaldo hinbekommen.

      Und eben eine gesamtwirtschaftliche Steuerung über Kreditkonditionen statt Leitzinsen in der damit zu erhaltenden Gemeinschaftswährung, wie ich mit der Kreditsteuer vorschlage, liegt sehr nahe am Gedankengebäude von Stützel. Dass man eine solche Globalsteuerung braucht, weil eben das ungesteuerte Markt-Zinsniveau die einzelwirtschaftliche Knappheit von Zahlungsmitteln und nicht das gesamtwirtschaftliche Gleichgewicht der Pläne zur Änderung von Geldvermögen abbildet, kann man in der Saldenmechanik nachhalten.

      MFG JB

      1. Hallo Jörg,

        ah, das freut mich – dann war das ein Mißverständnis. Wie genial Stützels Konjunkturtheorie ist, hattest Du mir ja schon vor etwa 3 Jahren gesagt – ich konnte das damals nicht nachvollziehen.

        Jetzt schaffe ich es besser und bleibe weiter dran, denn ich habe noch lange nicht alle Schätze gehoben, die dieses Werk bereithält. Und ich staune immer mehr, was der Mann alles geleistet hat. Zuletzt mit seinem Text, „Über unsere Währungsverhältnisse“. EIn Volltreffer. Wahnsinn!

        Sogar eine „zu einer allgemeinen ökonomischen Machttheorie verfeinerte Preistheorie“ hat er entworfen – 1952 in Wert, Preis, Macht. Dir nochmal danke für die Erinnerung an dieses Werk. Ich hatte es vor 20 Jahren mal in der Hand, und hatte damals nur folgendes Zitat rausgeschrieben:

        „Die herrschende Spezialisierung der Wirtschaftstheorie, Privatrechtslehre und Staatstheorie birgt große Gefahren[FN 1].
        Die zunächst am äußerlichsten erscheinende Gefahr ist, daß die isolierte Erarbeitung der Grundlagen der drei Gebiete zur Entwicklung unterschiedlicher Terminologien führt. Jedoch hat schon dies, was zunächst als Äußerlichkeit erscheinen mag, bedeutende Konsequenzen.
        Die nachträgliche Verbindung der drei Gebiete wird dadurch in so hohem Maße erschwert, daß sie gewöhnlich völlig unterbleibt oder sich aber auf die bloße Erwähnung, Benennung und Ergänzung des in einem der Zweige Erarbeiteten durch Vertreter der anderen Zweige beschränkt.
        Der Rechtspolitik und Wirtschaftspolitik, die ja auf die Ergebnisse aller drei Disziplinen gleichermaßen angewiesen sind, bleibt danach keine andere Möglichkeit, als sich im günstigeren Fall eklektizistisch jeweils ad hoc die von ihnen benötigten wissenschaftlichen Ergebnisse zusammensuchen, im ungünstigsten Falle aber sich denjenigen Versuchen der Zusammenschau der Probleme aller drei Disziplinen auszuliefern, die abseits der Fachwissenschaften von Historikern oder gar Journalisten ihnen als Grundkonzeptionen gesellschaftlicher Orientierungen angeboten werden.“

        Vom Rest hatte ich damals nur „Bahnhof“ verstanden, aber intuitiv gespürt, daß ich da etwas ganz wichtiges in den Händen halte, auf das ich irgendwann zurückkommen würde. Und so war es auch!

        Leute wie den Stützel findest Du einmal in einer Million. Respekt muß man haben vor dem Mann, wirklich!

        Wir hatten bei uns letzte Woche Johannes Schmidt zu Gast, war sehr interessant – bei „Wert, Preis, Macht“ ist er auch noch nicht sehr weit gekommen, aber vielleicht haben wir ihn bißchen mitreißen können, ich würde es hoffen.

        Keep on fighting!
        Grüße, Wolfgang

  2. Die Sanktion der privaten Geldvermögensbildung erfolgt dann halt mit dem Einbruch der Konjunktur sehr wirksam. Eigentlich ist VWL ja ganz einfach und die Professoren fürchten wohl zu Recht um ihren Job, wenn sie ihren korrupten Unsinn nicht mehr länger über soundsoviele Semester verteilt lehren, sondern die wirklichen Zusammenhänge in zwei bis drei Stunden den Studenten erklärt haben könnten.

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