Widernatürliche Erwerbskunst (Chrematistik)

Die Probleme sind uralt – nur sind den meisten wohl die alten Begriffe neu

Der Ökonomik stellte Aristoteles die Chrematistik als Wirtschaftskunst gegenüber. Hier geht es darum, Geld zu akkumulieren.

11 Kommentare zu „Widernatürliche Erwerbskunst (Chrematistik)“

  1. Ich verfolge die Gedankengänge hier schon seit einiger Zeit, aber ich muss gestehen als Normalbürger bin ich oft überfordert.

    „Solange es keine saldenmechanische Grundausbildung gibt, wird eine korrekte Kommunikation auch zu 100% unverständlich für jeden Normalbürger sein. “

    Da finde ich doch den aktuellen Text bei Zinsfehler

    https://zinsfehler.com/2016/10/31/sola-fide-oder-der-kreditaere-irrtum-des-martin-luther/

    wesentlich verständlicher 😉 und nicht weniger anspruchsvoll.

  2. Ich glaube es ist nicht zulässig, die heutigen gesellschaftlichen Verhältnisse und die dazu gehörigen Begrifflichkeiten auf die gesellschaftlichen Verhältnisse von vor 2000 Jahren zu projizieren.

  3. Zunächst mal:

    Es geht NICHT darum, Geld (Zahlungsmittel) zu akkumulieren.

    Sondern NETTOVERMÖGEN.

    Die GuV bezieht sich nicht auf den Zahlungsmittelbestand (Einzahlungen/Auszahlungen), auch nicht auf das Geldvermögen (Einnahmen/Ausgaben), sondern auf die Differenz des Nettovermögens in t1 und t2 (Erträge und Aufwendungen).

    Das hatte Aristoteles leider noch nicht auf dem Schirm. Walb, Schmalenbach, Gutenberg und Stützel dagegen sehr wohl – und ohne das ist auch keine sinnvolle Makroökonomik möglich – einer von Stützels vergessenen, ebenso einfachen wie treffenden Kernbeiträgen.

    1. JA

      aber 🙂

      1. Der Begriff Geld ist zweideutig – wird auch für Forderungen verwendet, die nicht Zahlungsmittel sind. Wer Festgeld auf der Bank hat, wird auch von „seinem Geld“ sprechen, obwohl diese Forderungen keine Zahlungsmittel sind.

      2. Zahlungsmittelbestände dürften aber damals in einem hohen Maße die monetäre Akkumulation abgebildet haben.
      Forderungen gegen Banken waren da wohl noch nicht so die Sparform.

      3. Und es kann doch auch eine Knappheit der Zahlungsmittel geben, obwohl für die Plankongruenz zur Geldvermögensbildung (geplante Verkaufsüberschüsse) genügend willige und kreditwürdige Kaufüberschüssler vorhanden wären?

      4. ist eben oft nicht die Sachvermögensbildung das Problem, sondern die Pläne zur Nettogeldvermögensbildung.

      1. Der Begriff Geld ist verdammt VIELdeutig. Deswegen unterscheiden Kaufleute ja auch Einzahlungen/Auszahlungen von Einnahmen/Ausgaben und Aufwand/Ertrag. Steht in jedem BWL-Lehrbuch im ReWe Kapitel, und Stützel benutzt diese präzise Terminologie. Ist auch sinnvoll. Sollten wir auch so halten, und zwar konsequent.

        Du machst das dagegen leider nicht. Wat is denn „monetäre Akkumulation“ – worauf bezieht die sich? Auf den Zahlungsmittelbestand, das Geldvermögen oder das Nettovermögen? Kann leider nicht Gedankenlesen, und mit solch unnpräziser Sprache Schluß zu machen, ist ja gerade eins von Stützels Hauptzielen. Daß Zahlungsmittelbestände irgendwelche Akkumlationen abfotografieren, ist mir auch noch nirgends untergekommen.

        Zu 3. – du meinst, wenn die Leute insgesamt innerhalb einer geschlossenen Wirtschaft gleichviele Einnahmen wie Ausgaben planen („Gleichgewicht von Angebot + Nachfrage“ – aber präzise auf Saldenmechanik rückbezogen – ), kann es sein, daß für die Zahlerei nich genug Kohle da is? Kann dann sein wenn es Nettofinanzvermögenssalden gibt. Gibt es keine, spielt Geld keine Rolle – es ermöglicht ja nur Abweicheffekte, d.h. Abweichungen v. Gleichschritt.

        Nur, wat hat dat mit Aristoteles zu tun?

        Die „Pläne zur Geldvermögensbildung“ (Eigentums-(Dienstleistungsverkaufs- bzw. Einnahmen- und Eigentums-/Dienstleistungskauf bzwl Ausgabenpläne sind kein „Problem“. Sie sind einfach, was und wie sie sind.

        Einnahmenpläne>Ausgabenpläne führt zu Käufermärkten, bei denen die Verkäufer sich genötigt sehen, ihre Preise zu senken, das kann bis zur deflatonären Defla gehen. Einahmenpläne<Ausgabenpläne führt zu Verkäufermärkten, bei denen sich die Käufer genötigt sehen, auch höhere Preise zu zahlen. Führt im Extrem zur Hyperinfla.

        Yo, und? Da brauchts halt bissle antizyklische Steuerung, Nen Thermostat rein. Bled halt nur, daß die Bevölkerung, die das System demokratisch steuert, kein Heizungstechniker is. Sondern in Machtkämpfen verstrickt, in denen sie halt ihre Partialinteressen durchsetzen wollen. Defla ist halt bled für die Arbeiterklasse, die Arbeitslosigkeit steigt und damit der Druck auf die Löhne (Käufermärkte auch am Arbeitsmarkt). Infla is besser für sie – aber halt bled für die Unternehmer, weil dann am Arbeitsmarkt Verkäufermärkte herrschen.

        Da gibt's keene PatENDlösung, nur den nächsten Schritt im historischen Machtkampf. Such is life.

        Pläne

        1. >>Der Begriff Geld ist verdammt VIELdeutig.

          Hatte ich in Punkt1 explizit und präzise erwähnt?
          Und natürlich sind auch Zahlungsmittel Geldvermögen.
          Ich war eher exakt, während Du den mit Sachvermögen verbunden Begriff Nettovermögen hier untergerührt hast. Das gesamtwirtschaftliche Nettovermögen sind nun mal ausschließlich Sachwerte.

          Im vielfältigen Kontext der Saldenmechanik liegt es eben auch in Punkt3 darauf zu verweisen, dass es eben ein fehlendes Plangleichgewicht bei den Kaufsalden als ein von einem Mangel an Zahlungsmitteln zu unterscheidenden Sachverhalt geben kann.

          Du kennst sicher die Geschichte aus dem griechischen Dorf mit Zahlungsmittelmangel?
          http://de.webfail.at/text/738

          Und dies ist offensichtlich nicht unser ökonomisches Regelproblem in deutschland, da es hier nicht an Zahlungsmitteln sondern an den Plänen für Kaufsalden klemmt.

          Nur ist Inflation/deflation im Sinne von Preissteigerung eben ein Projekt der Tarifpartner. Und die Käufermärkte wollen wir auch nicht gleich aufgeben, nur weil weil die Kettenreaktion der deflationären Depression ohne Guthabenbremse inakzeptabel ist.

          >>>Nur, wat hat dat mit Aristoteles zu tun?

          eben, wie auch @widerborstig schreibt, ist dies nicht der Beitrag für vertiefte Makro der Jetztzeit. Wir sollten solche Themen also besser an anderer Stelle vertiefen.

          1. Hi Jörg,

            worauf ich hinauswollte, ist: wir sollten versuchen, sprachlich möglichst präzise und unmißverständlich die Basics of Accounting und Stützel rüberzubringen, und möglichst Mehrdeutigkeien vermeiden. Das geht letztlich geht es nur über eine systematische Step-by-Step Gesamtdarstellung, aber man kann auch in Kurzbeiträgen versuchen, so präzise wie möglich zu beschreiben.

            Wenn Du z.B. schreibst, „auch Zahlungsmittel sind Geldvermögen“, ist das wieder mehrdeutig/mißverständlich. Denn zwar zählen Kreditzahlungsmittel (nicht: Warenzahlungsmittel, die zum Sachvermögen zählen) zum BRUTTO-Geldvermögen; ein Zahlungsmittelzufluß über Kreditaufnahme dagegen erhöht nicht das Nettogeldvermögen.

            Hm. Will man die Zusammenhänge klar kommunizieren, muß man sich einfach klare Darstellungsstrategien zurechtlegen, systematisch auf Präzision achten und braucht Strategien, Mehrdeutigkeiten, die zu Mißverständnissen führen können, zu vermeiden. Man braucht möglichst glasklare Sprachmuster … hm, da muß ich auch aus linguistischer Sicht nochmal drüber nachdenken.

            Übrigens, unser Versuch, Stützel bei INET reinzutragen (letzte Woche in Budapest) ist jetzt online. Perry Mehrling war sehr interessiert und bleibt jetzt in Kontakt mit uns. Ich denke, da haben wir einen guten Fisch an der Angel, der mit Stützel ne Menge anfangen und machen kann!

            Grüße
            Wolfgang

            1. >>Wenn Du z.B. schreibst, „auch Zahlungsmittel sind Geldvermögen“, ist das wieder mehrdeutig/mißverständlich.

              Also wenn man jetzt nicht Waren-Zahlungsmittel wiederfindet, ist dies sehr eindeutig. Und es ging eben auch um eine sehr eindeutige Aussage. Egal ob man unter Geld nur Zahlungsmittel oder alle möglichen Forderungsbestände/Verkaufsüberschüsse versteht, ist das Sammeln von Geld als Wirtschaftsziel ein uraltes Problem. Und natürlich ist das Ziel monetärer Akkumulation eben nicht das Anhäufen von Kaufsalden/Rechnungsforderungen sondern von Forderungen die selbst Zahlungsmittel sind oder sich bedarfsweise sicher in solche verwandeln lassen.

              Es ist eben an dieser Aussage nicht wichtig, zu unterscheiden.

              Erst wann man z.B. die Behauptung aufstellt, dass eben in Käufermärkten der Geld-Sparer mit seinen Verkaufsüberschüssen den Staat verschuldet, werden solche Unterscheidungen wichtig um den Prozess logisch zu erklären, weil ja der Otto Normalo glaubt, dass der Staat durch mehr oder weniger planmäßig Kreditaufnahme oder Ausgaben verschuldet wird.

              >>>Hm. Will man die Zusammenhänge klar kommunizieren, muß man sich einfach klare Darstellungsstrategien zurechtlegen,

              Eben – Und du meintest offensichtlich Nettogeldvermögen als Du von Nettovermögen schriebst. Dabei muss es Dir wohl um einen Partialsatz oder um eine Größenmechanik gehen, da ja Netto-Geldvermögen im Globalsatz immer Null ist. Dass muss unbedingt genauer formuliert werden. 🙂

              :
              >>> systematisch auf Präzision achten und braucht Strategien, Mehrdeutigkeiten, die zu Mißverständnissen führen können, zu vermeiden.

              Eben 🙂 mach es einfach künftig 🙂

              Ich habe bzgl. des Bezugspunktes der Aussagen des Beitrages und Deiner Anmerkungen hier kaum schlampig argumentiert. Solange es keine saldenmechanische Grundausbildung gibt, wird eine korrekte Kommunikation auch zu 100% unverständlich für jeden Normalbürger sein. Da können wir zwar etwas saldomasochistischen Schw…nzvergleich 🙂 hier machen, aber dies ist dann auch nur für unseren Spass. 🙂

              lG, Jörg

              PS
              Leider kann ich auch mit englischem Content partial nichts anfangen, finde Eure Arbeit aber im Globalsatz sehr toll – weiter so!

              1. Hallo Jörg,

                es geht mir weniger um die Größe bestimmter Körperteile als um die Frage, wie man Stützel möglichst klar, präzise und unmißverständlich kommunizieren kann. Da sollten wir uns beide an einem anderen Körperteil, nämlich dem Kopf, kratzen, ohne uns den dabei zu zerbrechen nach Möglichkeit 😉

                Eine saldenmechanische Grundausbildung ja, unbedingt! Auch Johannes Schmidt hat mit Stützels Sprache so seine Probleme, hat er uns erzählt – also ist es wichtig, Stützel in verständliche Sprache zu übersetzen – OHNE einen Präzisionsverlust, und ohne wichtiges auszulassen.

                Aber das wird nicht reichen. Es wird auch ’ne Jura/BWL-Kurzausbildung und ne rechts-/wirtschaftsethnologische Kurzausbildung dabei sein müssen.

                Inhaltlich:

                Deine Gesell’sche Fixierung aufs Geldsparen vergißt m.E. eben das dialektische Gegenstück, das Stützel sehr wohl auf dem Schirm hat und deswegen eben auch nicht zu KurzschlußpatENDlösungen kommt: erwarten die Leute nämlich steigende Preise für Eigentum, werden nicht Einnahmeüberschüsse, sondern Ausgabenüberschüsse das Ziel – und bumm, hast Du nicht das „Paradox des Sparens/der Einnahmenüberschüsse“, sondern das „Paradox des Geldausgebens/der Ausgabenüberschüsse“ (siehe z.B. Grass/Stützel: VWL, Konjunkturkapitel).

                Vor allem unterscheidet Stützel wohltuend von Dir, daß er es nicht nötig hat, „den Sparer“ zum Universalschuldigen zu erklären, auf dem dann permanent rumgehackt wird („Horterschutzbehauptungen“ etc. etc.). Stattdessen erkennt Stützel, daß das Motiv, EInnahmeüberschüsse erzielen zu wollen, ein situationsbegründetes und verständliches ist, das eben dann, wenn es situationsbedingt ALLE haben, zu paradoxen Ergebnissen führt.

                Ich meine, das auch daran zu erkennen, daß Du den Sparer permanent zum Subjekt und Bösewicht der Staatsschulden erklärst, während Stützel den „Verursachungsvorrang“ gerade offenläßt (der Sparer erzielt oder erleidet einen Einnahmevorsprung, der Staat ebenso).

                Ich werde mich weiter lieber direkt an Stützel halten, v.a. auch an „Wert, Preis, Macht“, wo ja diese Frage nach dem Verursachungsvorrang (VSM Kap. 3) im Vordergrund steht und Stützel eine „zu einer allgemeinen ökonomischen Machttheorie verfeinerte (Wert- und) Preistheorie zu entwickeln versucht (vgl. Hinweis in den Paradoxa …, S. 194).

                Für die Erinnerung an dieses Buch nochmal vielen Dank, die war Gold wert!

                1. Auf diesen immer wiederkehrenden Bullshit-Vorwürfe habe ich Dir nun schon so oft geantwortet, dass ihre ständige Wiederkehr in Endlosschleife der schönste Beweis für die kognitiven Hortinanzen sind. Alzheimer wirst Du ja hoffentlich nicht haben.

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