34 Kommentare zu „Stützeltalk“

  1. @Moneymind: Um einzusehen, das die Endnachfrage das Niveau der Endproduktion bestimmt, bedarf es keines Rückgriffs auf „Pläne“ (und schon gar nicht auf „Käufermarkte“). Es genügt einzusehen, dass wir in einer Geldwirtschaft leben, was heißt: dass Nachfrage zurückgehalten werden kann, was für das Angebot unmöglich ist. Man sollte sich daher mit dem Satz begnügen: „In einer Geldwirschaft bestimmt die Endnachfrage das Niveau der Produktion.“ Mehr ist nicht d´rin…..

    LG
    A.F.

      1. >Wir hatten in der Zone aber auch Geld 🙂 Es gab nur kein Bedürfnis der Zurückhaltung, sondern das Angebot hat das BIP bestimmt.> So ist es: Der DDR-Sozialismus war keine Geldwirtschaft in unserem Sinne…..

        PS: Ich bin natürlich kein Spezialist in dieser Frage. Aber ich vermute mal, dass der Verschuldungs-/Entschuldungsmechanismus, der für eine Geldwirtschaft typisch ist, in der DDR nur vom Staat gespielt wurde, während man bei (defizitären) Betrieben beide Augen zudrückte….

      2. Immerhin kennst Du noch ein Beispiel für Verkäufermärkte aus der Erfahrung. Stützel hatte 1953 nur das Beispiel der Stop-Preise des besetzten Deutschland zw. 1946 und 1948 genannt, das Du nicht nennst.

        Bezeichnend, daß Du das doch eigentlich naheliegendste Beispiel ausblendest (vielleicht auch, weil du es damals im Osten nicht so bewußt mitgekriegt hattest): die West-Inflation der 70er Jahre nämlich, die Paul Volcker Anfang der 80er radikal beendete, indem er den FED-Leitzins auf 20% hochsetzte. Es war doch genau diese Zeit, in der die Keynesianer mit ihrer Nachfrageorientierung samt Philipskuve in Zeiten der Stagflation unglaubwürdig wurden, weil sie ihr Nachfragedominanzliedchen wie gewohnt weiterpfiffen und munter immer weiter Konjunkturprogramme machen wollten, während der weitaus fähigere Stützel zur gleichen Zeit mit dem Lambsdorff-Papier auch die neoliberale Wende in Deutschland unterstützte und die sozialliberale Koalition sprengen half. Was Stützel da machte, war völlig konsistent mit seiner dialektischen Konjunkturtheorie.

        Wie funktioniert nun das von den Keynesianern ignorierte Spendierhosenparadox?

        Das Nettovermögen NV aller Rechtssubjekte (außer dem Staat) besteht jeweils aus nominal variablem, d.h. bezüglich Wert/Preis pro Mengeneinheit schwankenden Eigentum („Sachvermögen“) E + nominal fixiertem Nettofinanzvermögen NFV: NV = E + NFV.

        Wenn nun alle Rechtssubjekte erwarten, daß die Eigentumspreise/-Werte steigen werden, erwarten sie natürlich auch, daß die relative Kaufkraft des Finanzvermögens sinken wird. Sie werden also versuchen, ihr Nettovermögen hauptsächlich in Form von Eigentum („Sachvermögen“) zu halten, d.h. werden eine Nettovermögensumschichtung planen, bei der das Sachvermögen maximiert und das Finanzvermögen minimiert wird. Sie werden daher versuchen, mehr Eigentum zu kaufen als sie verkaufen. Das heißt, sie werden versuchen, mehr auszugeben als sie einnehmen. Dann aber gilt das Spendierhosenparadox:

        Partialsatz: jedes einzelne oder jede Partialgruppe v. Rechtssubjekten kann einen Überschuß seiner Ausgaben über seine Einnahmen realisieren.
        Globalsatz: alle Rechtssubjekte (im Sinne von alle RS gleichzeitig) können niemals einen Überschuß ihrer Ausgaben über ihre Einnahmen realisieren. Die Gesamtausgaben sind immer genau gleich den Gesamteinnahmen.
        Satz zur Größenmechanik: jedes einzelne oder jede Partialgruppe von Rechtssubjekten kann nur in dem Maß einen Überschuss seiner Ausgaben über seine Einnahmen erzielen, in dem die Komplementärgruppe einen gleich hohen Überschuss ihrer Einnahmen über ihre Ausgaben erzielt oder erleidet.

        Wenn aber nun alle Rechtssubjekte versuchen, einen Ausgabenüberschuss zu erzielen, d.h. mehr Eigentum zu kaufen als sie verkaufen, ist die Gesamtnachfrage nach Eigentum größer als das Gesamtangebot an Eigentum. Dies führt zu Verkäufermärkten, die wiederum den Verkäufern erlauben, höhere Preise für das Eigentum zu verlangen, das sie anbieten. So ensteht ein sich selbst verstärkender Preistrend nach oben: die berühmte „self-fulfilling prophecy“, aber jetzt im saldenmechanischen Rahmen.

        Das ganze funktioniert auch umgekehrt – wenn alle Wi-Subjekte sinkende Eigentumspreise/Werte erwarten. Dann das „complementary opposite“ des Ausgabenüberschuss: das „Sparparadox“ bzw. „Einnahmeüberschussparadox“ und deflationäre Spirale – Schäubles Lieblingsspezialität.

        Da wird doch gleich mal nebenher locker und ganz einfach verständlich, wieso Zentralbanken ’ne Zielinflationsrate ansteuern – Infla soll nicht drüber und nicht drunter liegen, um die self fulfilling prophecies (positives Feedback = inherent instability) per antiZYKLISCHER Gegensteuerung a la Thermostat zu regeln.

        Das ist natürlich nur ein extrem einfaches Modell mit Warenhandel – ohne explizite Betrachtung von Gleichschritt vs. Abweicheffekten, ohne Produktion, ohne Lohnarbeit, ohne Konsum etc. Das kann aber dann alles in weiteren Schritten locker eingebaut werden, womit das Modell schrittweise komplexer wird. Ähnlich machen es ja auch die Stock Flow Consistent Fuzzis (Godley/Lavoie: „Monetary Economics“, unter diesem Link komplett als pdf download).

        Nun funktionieren diese beiden Paradoxa sowohl auf den nationalen Ebenen der sektoralen Finanzierungsrechnung/Leistungsbilanzsalden als auch auf der Ebene der internationalen Finanzierungs-/Leistungsbilanzsalden. Weswegen ja Keynes klar bewußt war, daß hier zur Bewältigung der Paradoxa internationale Institutionen nötig sind (seine Clearing Union, die eben NICHT nur verguthabte Horter bestrafen sollte, sondern sowohl „Guthabenhorter“ als auch „Schuldenhorter“ – denn es gehören eben immer zwei dazu).

        Wie Stützel so schön sagte:

        „Solche fatalen Prozesse können nur durch Globalmaßnahmen über den Gesamtbereich jeweils unmittelbar konkurrierender Wirtschafter (oder Partialgruppen von Wirtschaftern, WT) gesteuert werden.“ (Paradoxa … , S. 395)

        Weswegen er in den 80ern eben – der damaligen Situation angemessen – antizyklisch für Staatshaushaltskonsolidierung mittrommelte (und damals damit noch in der Minderheit war).

        Heute dagegen würde er genau umgekehrt handeln und Schäuble die Leviten lesen – auch das völlig im Einklang mit seiner Konjunkturtheorie. Die weit entfernt von solchen kindlichen Vereinfachungen wir „Horterverschwörungstheorien“ ist, bei denen er sich im Grab rumdrehen würde, wenn er wüßte, daß diese in seinem Namen verbreitet werden.

        1. ach wolfgang, wie oft hab ich Dinge klargestellt, die Du immer wieder bringst. Wenn ich zur aktuellen Situation schreibe, die totale (exportierte) Horterkrise mit totaler kollektiver Verdrängung, dann ist dies mit keinerlei Ignoranz der Situation der Zeit der Stagflation verbunden. Nicht ohne Grund habe ich passende Instrumente auch in meinem Notenbankkonzept. Wir hatten dies aber eben alles schon x-mal. Dass Du dir dies aber nicht merken kannst, so wie ich eben auch bei anderen (auch bei Ösis 🙂 ) mit schöner Regelmäßigkeit solche Wahrnehmungsstörungen beobachte, lässt mich halt zu besonderer Beobachtung ebendieser „Ausblendungen“gelangen. 🙂

          1. Lieber Jörg, alles klar. Nimm’s mir nicht übel, wenn ich mich erstmal weiter an Stützel selber abarbeite. Vielleicht hilft mir das ja, später mal Deine Ideen besser zu verstehen. Bis jetzt nehme ich es eher so wahr, daß von Dir nur wenig nachvollziehbare Argumente kommen, sondern eher der immergleiche Standardvorwurf der „Horterschutzbehauptungen“, wenn jemand die Dinge nicht so sieht, wie Du es Dir wünschst. Ich finde schon sehr interessant, daß Stützel selbst da (meiner Wahrnehmung nach) doch recht anders herangegangen ist. Aber nichts für ungut, im Gegenteil: alles Gute und viel Erfolg.

            1. >>Heute dagegen würde er genau umgekehrt handeln und Schäuble die Leviten lesen – auch das völlig im Einklang mit seiner Konjunkturtheorie.

              Wolfgang, dies ist gaga, genau dies ist mein ständiger Singsang, darum geht es hier, wir haben HEUTE eine Guthabenkrise, und kaum wo wird dies hinreichend klar formuliert, lieber irgendwie differenziert und verwässert.

              Dein „Differenzierungs-Story“ ist, „es könnte anders sein, es war schon mal anders, man auch muss das Recht betrachten“ klar, zeig mir die Stelle wo ich dies jemals bestritten habe. Es geht mir ja gerade darum, vernunftbegabte Globalsteuerung anzuregen. Dies impliziert ja, dass es auch anders sein könnte und es natürlich auch die Rechtsinstitutionen braucht, dies umzusetzen.

              Die Lösungen beginnen, wenn die Krise das Verdrängte ins Bewusstsein bringt. Und das verdrängte ist nicht, dass die Rechtsinstitutionen in Südeuropa nicht perfekt sind, dies weiß jedes Kind, sondern dass wir HEUTE in Deutschland völlig über unsere Verhältnisse sparen.

              Wie Du oben zugibst, würde Stützel heute nichts anderes sagen als ich, und die Irrationalität, mit der dann periodisch wiederkehrend irgendwelche Bezugnahmen konstruiert werden (z.B. die Stagflation wäre mir nicht bekannt oder würde ignoriert/bestritten) , die ich nie gesagt habe und auch schon x-mal klargestellt, macht mich halt ratlos. Dies ist aber keine Sache von Dir sondern gilt kollektiv.
              Und dies macht dann schon resignativ und ich habe auch keinen Bock mehr auf die x.te Klarstellung. lG

              1. Ich les mal den Stützel weiter, vielleicht verstehe ich Dich dann besser (ich brauche immer etwas länger). Ist schon nicht einfach, ihn nachzuvollziehen, und dann auch noch klar und einfach – so einfach wie möglich, aber nicht einfacher – zu erklären, was er meint, das sagt ja auch der Schmidt. Aber sollte doch irgendwie zu machen sein. Ich bleib dran.

    1. Das „Amen“ haben Sie noch vergessen für ihre unhinterfragte und undurchdachte keynesianische Gläubigkeit. Schauen sie mal bei Stützel rein, Paradoxa der Geld- und Konkurrenzwirtschaft (Aalen 1979), S. 183-199: „Der Ursprung der Asymmetrie in der modernen Beschäftigungstheorie.“ Da werden sie geholfen …

  2. Herr Buschbeck,

    Man bräuchte langfristige Daten zur Kapazitätsauslastung soweit wie möglich zurück. Ich bin überzeugt, dass sich meine These („junge Ökonomie“ => höhere Kapazitätsauslastung; „gesättigte Ökonomie => niedrigere Kapazitätsauslastung) bestätigen läßt. Damit ist viel von dem Optimismus, den die Wirtschaftspolitik heute noch immer versprüht, Geschichte. Warum plädiere ich dafür den „gesättigten“ Zustand unserer Wirtschaft endlich zur Kenntnis zu nehmen? Weil ich ein Naturpessimist bin? Sicher nicht, im Gegenteil: „Gereifte“ Ökonomien erfordern ganz andere Therapien als „junge“. Zum Beispiel ist der Einsatz von zusätzlicher Staatschuld, der bei „jungen“ Ökonomien gerade im Abschwung sehr wohl zielführend ist, kontraproduktiv, sobald man in einer „gereiften“ Ökonomie lebt. Dort schlägt die Erhöhung der Staatsschuld nämlich nicht auf die Konsumentenpreise durch, sondern „staut“ sich, wie wir alle wissen, bei den Vermögenswerten (v.a. Immobilien und Aktien). Im Gegensatz dazu ist der „deflationäre Schock“, vor dem sich die ganze Welt so fürchtet, bei „gereiften“ Ökonomien wesentlich schwächer, sodass man situationsbedingt durchaus auf rigide Massnahmen setzen kann. Es wird Zeit das zu verstehen und sich aus den ideologischen Gräben herauszubewegen…..

    LG
    A.F.

  3. Dekadenz, Herr Moneymind, ist ein Begriff, der von seinen Vertretern immer ambivalent verstanden wurde. Siehe Nietzsche, wo Dekadenz Entfaltung und Niedergang zugleich ist. Leider haben die Kritiker mit der Zeit die Deutungshoheit übernommen und den Begriff einseitig negativ interpretiert. Man könnte fragen, warum dem so war. Ich erspare mir das jedoch, weil ich schon viel zu oft der Metaphysik gescholten wurde….-)

  4. Übrigens Jörg, ich Depp hab 3 Jahre gebraucht, bis ich Deine Begeisterung über Stützels Konjunkturtheorie kapiert habe (Dein Mail von 2013 oder so)! Nuja … langsames Hirn halt.

    1. Lieber Wolfgang, besser spät als nie 🙂

      und ich freu mich wie ein Schneekönig, wenn es jetzt einen auch noch in der Sache aktiven Menschen mehr gibt, der die Genialität seiner Konjunktur-Trivialzusammenhänge für den Kapitalismus verstanden hat.

      1. Hallo ihr Zwei,

        Ich möcht`doch ganz kurz Eure Party unterbrechen..-)

        Die entscheidende Variable für die Konjunktur ist zunächst und vor allem: die Kapazitätsauslastung. Ist diese hoch, dann schlägt eine Steigerung der Endnachfrage auf die Preise und die Nettoinvestition durch. Ist jene aber tief, dann verpufft die Steigerung der Endnachfrage in ihrer Wirkung auf Preise und Nettoinvestition. Es gilt daher zunächst und vor allem folgender Satz:

        1) Junge, vitale Ökonomien, die definitionsgemäß auf hoher Kapazitätsauslastung operieren, zeigen im Gegensatz zu alten, gereiften Ökonomien, die defintionsgemäß auf niedriger Kapazitätsauslastung wirtschaften, stärkere Konjunkturausschläge.

        Bei Letzteren ist die Expansion nicht nur langsamer, sondern auch geglättet. Dies erklärt zunächst einmal den Bedeutungsverlust der Konjunkturtheorie in unseren Breiten, die, wie wir alle wissen, eine gereifte Ökonomie abbilden. Konjunkturtheorie heißt hierzulande immer Stagnationstheorie….

        PS: Die „nachrangigen“ Variablen sind dann jene, die Stützel anspricht: Endnachfrage (Konsum, Nettoinvestition, Staat, Ausland, „Sparen-Entsparen“ der Haushalte). In unserer gereiften Ökonomie ist von diesen Variablen allerdings kein „Feuerwerk“ mehr zu erwarten…..

        LG
        Alfred Felsberger

        1. >>PS: Die „nachrangigen“ Variablen sind dann jene, die Stützel anspricht:

          Jetzt wird’s lustig, Herr Felsberger rät, was Stützel ansprechen könnte.
          Es geht aber um die einfache Basis, die auch Ihre Ausführungen includiert:

          wo Käufermärkte herrschen, bestimmen die Pläne für Konsum und Investition das BIP und damit die Konjunktur.

          Nun kann man diskutieren, was auf diese Pläne wirkt, u.a. wird es in geringem Umfang das Wetter sein. Auf die volatilen Investitionspläne wirken logischerweise u.a. die Plankongruenz des Absatzes und die Gewinnaussichten ebendieser Investitionen.

          Das geniale an Stützel ist es, dass er eine klare Basis schafft. Insbesondere in dem er eben durch die Zweiteilung des Objektes der Geldtheorie in Zahlungsmittel- und Geldvermögensoperationen (Käufe) Verwirrspiele um Trivialzusammenhänge beendet.

          1. und da sie sicher schon an dem Einwand tippen, was denn die Sache bringen soll:

            Dass Gewinn der Sinn jeder Investition ist, braucht keinen Beweis. Dann landen wir bei der Gewinnformel und den hervorragenden Möglichkeiten der Wirtschaftspolitik, die eine Analyse und Beeinflussung der relevanten Größen bietet.

            Und eine intelligente Wirtschaftspolitk zu unterlegen, sollte Sinn der VWL sein, statt dessen liefert sie den religiösen Unterbau der Horterkirche.

            1. Oder wahlweise der Spendierhosenkirche, die Du gern vergißt – beide gehören in dieselbe Religion wie Protestantismus (Horter) und Katholizismus (Spendierhöschenträger).

          2. „Das geniale an Stützel ist es, dass er eine klare Basis schafft. Insbesondere in dem er eben durch die Zweiteilung des Objektes der Geldtheorie in Zahlungsmittel- und Geldvermögensoperationen (Käufe) Verwirrspiele um Trivialzusammenhänge beendet.“

            Ja, aber mehr noch durch die Teilung der Wirtschaftstheorie in trivialarithmetische Saldenmechanik – und eine Machttheorie von Wert und Preis. Erst beide zusammen ergeben eine Konjunkturtheorie und „wirtschaftstheoretische Vollaussagen“, und bei letzterem haben dann auch Ideen wie die Felsbergerische – so sie denn nur mal klar formuliert wären – ihren Platz.

          3. „Das geniale an Stützel ist es, dass er eine klare Basis schafft.“

            Ja, indem er vage, mehrdeutige Begriffe durch präzise Unterscheidungen ersetzt und da, wo man triviale Klarheit erzielen kann, diese erarbeitet – aber auch klar sieht, wo die Grenzen der Trivialarithmetik liegen und versucht, da sinnvoll heranzugehen (Machttheorie von Wert und Preis).

            „Insbesondere in dem er eben durch die Zweiteilung des Objektes der Geldtheorie in Zahlungsmittel- und Geldvermögensoperationen (Käufe) Verwirrspiele um Trivialzusammenhänge beendet.“

            Das ist nicht wirklich spezifisch für Stützel. Er sagt ja selber (VW Saldenmechanik, S. 59), daß er das von Erich Schneiders „Einführung in die Wirtschaftstheorie“ (1956) übernimmt, der das ebenfalls schon für Makro-Buchhaltung benutzt hat. Schneider war Stützels Lehrer, sein Lehrbuch war damals „state of the art“ der Nachkriegs-Wirtschaftswissenschaft, die aus der Weltwirtschaftskrise gelernt hatte. Der Schneider schreibt 1946 in seiner „Einführung in die Wirtschaftstheorie, Teil 1: Theorie des Wirtschaftskreislaufs“ auf S. 35f:

            „Die Begriffe „Ausgabe“ und „Einnahme“ müssen genau unterschieden werden von den Begriffen „Auszahlung“ und „Einzahlung“. (zitiert aus der 6. Aufl. 1956).

            Was Schneider nicht hatte, war eine systematische Beschreibung von Mikro/Makro-Paradoxa und v.a. eine vergleichende Betrachtung unterschiedlicher Paradoxa (Stützel nennt sein Dreisatzschema von Partialsatz, Globalsatz und Satz zur Größenmechanik ja „Thema con variazioni“, vgl. Einleitung der Paradoxa …). Schneider hatte also keine systematische Saldenmechanik.

            Vor allem anderen aber hatte Schneider keine „zu einer allgemeinen ökonomischen Machttheorie ausgebaute Wert- und Preistheorie“ (Paradoxa … , S. 184 mit Rückverweis auf „Preis, Wert, Macht“ von 1952), die überhaupt erst die Brücke von trivialen buchhalterischen ex-post-Identitäten zu makroökonomischer Theorie schlägt; Stützel war sich nämlich voll darüber im Klaren, daß Saldenmechanik OHNE Wert- und Preistheorie nutzlos ist:

            „Die Theorie der Globalmengengefüge erhebt (wenigstens in den als „streng“ bezeichneten Teilen) einen absoluten Geltungsanspruch. Sie erklärt aber gleichzeitig ausdrücklich und warnend (gerade auch für diese „strengen Satzpaare“) daß sie ohne Ergänzung noch GAR NICHTS zur Kausalanalyse des Wirtschaftsprozesses leistet.“ (Paradoxa … , S. 410)

            Was Schneider erst recht nicht hatte, war eine korrekte Definition von „Wirtschaft“. Schneider reproduzierte da die übliche fehlverallgemeinerte und unhistorische Vorstellung vom „Umgang mit knappen Mitteln bei unbegrenzten Bedürfnissen“, die Wirtschaftsethnologen längst ad absurdum geführt haben. Wirtschaften ist das, wozu freie und gleiche Rechtssubjekte gezwungen sind, wenn sie zueinander per vollstreckbaren, zu einem konkreten Termin fälligen und vollstreckbaren Verträgen in Beziehung treten. Das setzt einen Staat mit Gewaltmonopol voraus – und Privatrecht. Beides ist nicht naturgegeben, sondern ein zufälliges und höchst unwahrscheinliches Produkt der Geschichte Europas, und deswegen auch unglaublich schwer in „Entwicklungsländern“ nachzumachen. Um das zu kapieren, brauchen wir Rechtsgeschichte und Rechtsethnologie und den systematischen Vergleich des modernen Kapitalismus mit Gemeinschaften ohne Staat, wo es VIEL relaxter zugeht (https://www.youtube.com/watch?v=mZG8smGONro – nur 1m 45s … :-D). Ohne das kommen wir in der Entwicklungspolitik nie weiter, und das können wir uns nicht mehr länger leisten, weil Afrika sonst zu uns kommt (tut es ja schon).

            Auch hier war Stützel zwar pionierhaft auf neuen Wegen unterwegs, denn er hat das – wenn auch nicht völlig deutlich – doch immerhin in Umrissen klar erkannt und sich dafür auf John R. Commons („Legal Foundations of Capitalism“) rückbezogen (siehe die Indexeinträge zu „Commons, John R.“ in „Preis, Wert, Macht“).

            Deswegen war Stützel auch völlig klar, daß es

            “ … offen bleiben (kann, mmm), ob nicht für die menschliche Situation der Gegenwart vielleicht doch die Öffnung von Kenntnis und Verständnis solcher Menschenwelten, die ganz anders sind als alles, was man aus eigener Tradition zunächst als selbstverständlich übernahm, durch historische, ethnologische (d.h. aber auch zugleich religionsgeschichtlich und vergleichend soziologische) Forschung der vergangenen Jahrhunderte ENTSCHEIDENDER waren als die gleichzeitige Entwicklung der Naturwissenschaften.“

            Aber er stand 1946 vor ganz anderen Problemen als denen, vor denen wir heute stehen, und konzentrierte sich natürlicherweise auf DIESE – das heute zentrale State Building gehörte nicht dazu, da die Bundesrepublik dafür auf die in den vorigen Jahrhunderten schon gewachsenen Strukturen (samt preußischer Verwaltung und einem im 19. Jahrhundert durchkodifizierten Privatrecht in Form des BGB) zurückgreifen konnte und die Weltwirtschaftskrise ja eher zu einem weiteren Zentralisierungsschub geführt hatte, von dem man sich erst wieder mühsam befreien mußte, während heute – v.a. seit 1989 – das Pendel weitaus zu stark in die staatsfeindliche, anarchokapitalistische Richtung ausgeschlagen hat.

            Kurz: Stützel hat vom Stand der Ökonomie nach WK II profitieren können, der das Lernen aus der Weltwirtschaftskrise widerspiegelte (was ab den 70er Jahren aber wieder zurückgedrängt wurde, nicht zuletzt wegen Fehlverallgemeinerungen der Keynesianer wie die oben beschriebene „Nachfragesteuerung“, die eben nur bei Käufermärkten/Deflation und nicht bei Verkäufermärkten/Inflation funktioniert). In seinen Forschungen ging er aber von Anfang an über den Stand der Erkentnis seiner Zeit (den wir heutigen überhaupt erstmal wieder erreichen müssen) weit hinaus, stellte neue Fragen, und erarbeitet neue Klärungen.

            So wird auf dem Hintergrund seiner Konjunkturtheorie und der darauf basierenden Kritik der „modernen Beschäftigungstheorie“ (vgl. Paradoxa … , S. 183-199) auch verständlich, warum er in den 80er Jahren eben das Lambsdorff-Papier und die neoliberale Wende politisch unterstützt hat, wenn er auch über die pseudoökonomischen Trivialbegründungen dafür Magengrimmen bekommen haben dürfte.

            Kurz: Stützel war ein Ausnahmeforscher, den wir erstmal „einholen“ müssen, indem wir ihn besser verstehen. Dafür wird irgendwann auch eine Neuauflage von „Preis, Wert, Macht“ nötig sein – und eine Wolfgang Stützel-Gesamtausgabe (bei Mohr Siebeck), die alle seine Schriften in geordnet gesammelter Form (samt Gesamtindex) zugänglich macht.

            Dafür können wir beide uns gemeinsam einsetzen – da ist unsere Energie besser aufgehoben als beim Onlineplausch mit gelernten Verwirrungsweltmeistern … 😉

      2. Also, alles davon hab ich noch lange nicht verstanden. Die letzte Version ist ja in Grass/Stützel: VWL, im letzten Kapitel. Hast Du das mal irgendwo zusammengefaßt?

    2. Würdest Du die Sache beruflich machen, könntest Du es leider nie verstehen. Denn so eine einfache Sache steht ohne die Eintrittshürden eines jahrelangen Studiums jeder Einkommenserzielungsabsicht im Weg.

  5. PS: Es wird viel von Paradoxien gesprochen, das Spar-Paradoxon, wenn man den Kapitalismus kritisiert, das Konkurrenz-Paradoxon, wenn man ihn verherrlicht. Tatsächlich aber sind wir in einem Dekadenz-Paradoxon gefangen, dessen Ursprung mit dem Kapitalismus, auch das hat Nietzsche erkannt, nichts zu schaffen hat: Der Einzelne glaubt durch das Zerschlagen von Banden (Familie, Sippe, etc.) sich befreien zu können, wenn das aber alle tun, enden wir als Vereinsamte. Der Einzelne glaubt durch Kinderlosigkeit sein Leben verbessern zu können, wenn das aber alle tun, gehen wir vor die Hunde. Der Einzelne glaubt durch Mobilität seine Lage verbessern zu können, wenn das aber alle tun, landen wir im Chaos. Der Einzelne glaubt durch spezialisiertes Wissen seine Stellung zu verbessern, wenn das aber alle tun, verlieren wir den Überblick. Und so weiter. Diese Dekadenz-Paradoxien sind nur durch Gedankenarbeit aufzubrechen, das heißt: durch den Willen der vereinzelten Spezialisierten sich wieder in die Gemeinschaft zurückzuholen. Und die große Kraft, die dem entgegensteht, ist die Konkurrenz. Sie ist, neben der Huldigung des Individualismus, das wahre Übel der Zeit…….

    1. Hallo Felsberger, das hat die Geschichte in der Spätantike auch schon mal hingekriegt, und auch diesmal dürfte es ähnlich laufen. Dauert halt noch bißchen.

    2. „Der Einzelne glaubt durch das Zerschlagen von Banden (Familie, Sippe, etc.) sich befreien zu können, wenn das aber alle tun, enden wir als Vereinsamte.“

      Tja, das sind die Folgen von Freiheit, Gleichheit, Menschenrechten.

      Wie das bei dialektischen Paradoxa so ist, the grass is always greener on the other side of the hill. Sind wir auf dem Land in den Zwängen der Großfamilie gefangen, wollen wir raus, uns befreien – dann macht Stadtluft frei. Hängen wir in den Zwängen der kapitalistischen Arbeits- und Leistungsmaschine fest, die wir erstmal für befreiend gehalten haben, wollen wir natürlich wieder Landluft schnuppern und uns an Familienbande klammern können. So sind die Sehnsüchte auf der Welt recht unterschiedlich verteilt, aber letztlich sind es Arbeitsteilung und Lohnarbeit die die Großfamilie unterminieren. Auch der Staatssozialismus hat Geburtenrückgang und Individualisierung produziert, wenn auch letzeres nicht in so extremem Maß wie der Kapitalismus.

      „Der Einzelne glaubt durch Kinderlosigkeit sein Leben verbessern zu können, wenn das aber alle tun, gehen wir vor die Hunde.“

      Dann werden wir erstmal im Durchschnitt sehr alt und müssen uns von Immigranten traditionalerer Kulturen (ggf. in Burka) pflegen lassen. Da kommt die von Ihnen gewünschte Großfamilie dann durch die Hintertür wieder rein.

      Der Einzelne glaubt durch Mobilität seine Lage verbessern zu können, wenn das aber alle tun, landen wir im Chaos. Der Einzelne glaubt durch spezialisiertes Wissen seine Stellung zu verbessern, wenn das aber alle tun, verlieren wir den Überblick. Und so weiter. Diese Dekadenz-Paradoxien

      Das sind keine „Dekadenz“-Paradoxien, die ohne „Dekadenz“ ned da wären. Die Welt ist einfach aus solchen dialektischen Paradoxien gestrickt und deswegen ebenso progressiv wie dekadent (auch ’ne schöne Paradoxie).

      „sind nur durch Gedankenarbeit aufzubrechen, das heißt: durch den Willen der vereinzelten Spezialisierten sich wieder in die Gemeinschaft zurückzuholen.“

      Um dann im Schoß der Gemeinschaft wieder nach dem grünen Gras auf der anderen Seite des Familienhügels träumen zu können.

      „Und die große Kraft, die dem entgegensteht, ist die Konkurrenz. Sie ist, neben der Huldigung des Individualismus, das wahre Übel der Zeit.“

      Konkurrenz gibt es ebenso wie ihr komplementäres Gegenstück, Kooperation, überall, auch in ihrer phantasierten großfamiliären Idealwelt – da dürfen dann z.B. 5 Kinder um die Aufmerksamkeit der Mama konkurrieren. Was übel und was gut ist, gehört zusammen. Und ob etwas gut oder übel ist, kommt immer drauf an …

  6. Und schon wieder dieser ominöse Begriff des „Käufermarktes“. Da wird begriffliche Präzision gefordert, um im gleichen Atemzug Scheinbegriffe in die Welt zu werfen. Was meint man denn mit „Käufermarkt“? In etwa, dass das Angebot größer als die Nachfrage sei? Sie und ich, Herr Buschbeck, wissen, dass das unmöglich ist, denn entweder wird das Überangebot über den Preis absorbiert oder über die Reduktion des Outputs. In beiden Fällen pendelt sich Angebot und Nachfrage im Gleichgewicht ein. Also, was meint man dann mit „Käufermarkt“? Den Gegensatz zu einer Mangelwirtschaft, also eine „Reichtumswirtschaft“? Regale voll oder Regale leer, wie Sie immer sagen? Mal abgesehen davon, dass die Menscheit die meiste Zeit ihres Daseins ohne Warenhäuser gelebt hat, und dass selbst in einer Mangelwirtschaft Angebot und Nachfrage stets übereinstimmen, nur eben zu höheren Preisen, hat auch niemand das Recht Reichtum oder Armut zu definieren. Mit einem Wort: Der Ureinwohner kann sich genauso reich fühlen wie sich der moderne Konsument arm fühlen mag. Also, was bleibt dann noch? Psychologie? Und auf das läuft`s nämlich hinaus. „Käufermarkt“ kann nur bedeuten, dass: der Verkäufer unter einem größeren psychologischen Druck steht zu verkaufen als der Käufer zu kaufen. Beispiel Börse: Der Trend einer Aktie ist nach oben und der psychologische Druck zu kaufen ist größer als der zu verkaufen. Nur leider sind Ursache und Wirkung in diesem Fall nicht zu trennen: Steigen die Kurse, weil der psychologische Kaufdruck überwiegt, oder überwiegt der Kaufdruck, weil die Kurse steigen? Mit einem Wort: Die einzig sinnvolle Wendung, die man dem Begriff „Käufermarkt“ geben könnte, ist: Psychologie. Und das sollte nicht der Gegenstand der Saldenmechanik sein, ganz abgesehen davon, dass man Ursache und Wirkung nicht trennen kann. Also, Schluß mit diesem Begriff, Herr Buschbeck!

    Mit freundlichem Gruß
    Alfred Felsberger

    1. Ach Herr Felsberger,

      Natürlich gibt es am Aktienmarkt keine Käufer- oder Verkäufermarkt, sondern nur einen aktuellen Preis der Aktie. Da gibt es zumindest während der Handelszeit keinerlei Spannungen/Plandifferenzen. Dort sind wir quasi tatsächlich im Tauschhandel der Vermögenswerte.

      Kann man dies mit der Situation der Unternehmer-Narren vergleichen, welche Wirtschaft vorfinanzieren? Oder mit den Nichtunternehmern, die ihre Schuldkontrakte aus Wohnen, Kindermachen usw zum Termin leisten müssen?

      Sie alter Guthabensünder 🙂 wollen nur wieder die klaren Schlüsse relativieren, welche sich aus der Käufermarktprämisse zusammen mit der Saldenmechanik ergeben. Ist übrigens auch eine ständige Leier von Wolfgang Theil aus dem Video, deshalb kommt er ja auch damit wieder angeleiert. Der Prof. Schmidt hat wunderbar geantwortet. Der Begriff Käufermarkt wird ja wie alle anderen Dinge, die auf die Wirksamkeit des Sparparadoxons hinweisen so gern verdrängt.

      Sie haben im Gegensatz zu mir das Gegenteil (Verkäufermarkt) nie persönlich erlebt, er entsteht natürlich ganz wesentlich durch Preirestriktionen zur Vermeidung extremer Inflation bei Übernachfrage. Ich werde einen Teufel tun, ihn zu beerdigen. Es lebe der Käufermarkt, der Segen und Sinn des Kapitalismus. Käufermarkt bedeutet, dass für eine zusätzliche Nachfrage niemand auf eigene Nachfrage verzichten muss – was für ein Potential, welches die Guthabensünder pervertieren.

      lG JB

      1. Die Guthabensünder, wie Sie, Herr Buschbeck, sie nennen, zu verteidigen, liegt mir nun wirklich fern. Es gäbe sie ja gar nicht, wenn die Schulden der Staaten nicht wären. Man zaubert sie strukturell aus dem Hut, indem man überall den Kuschelkurs der Schmerzvermeidung fährt. Der Staat, wie schon Nietzsche wußte, ist das Übel der ganzen Geschichte, wobei es mir wichtig zu betonen ist: solange wir im Kapitalismus leben. Dieser „bürgerliche Staat“ schafft mit der linken Hand Probleme, die er mit der rechten vorgibt zu lösen. Und in dem ganzen Verfahren werden die Menschen so lange schwindlig gespielt, bis sie an die Allmacht des Staates glauben. Nein, lieber Herr Buschbeck, diese Welt ist viel zu schlecht als dass eine Klasse („Guthabensünder“, „Kapitalisten“, etc.) daran schuld sein könnte. Schuld sind wir alle, die das dreckige Spiel nicht durchblicken….

        Alle Liebe
        Alfred Felsberger

        1. Ich hoffe Sie kommen mit meinem derben Humor klar? 🙂

          Die Frage ist ja – was ist SCHLECHT? Könnte ja jeder „Guthabensünder“ seinem Hobby frönen, wenn man nicht die Identität seines Hobbys (Staatsverschuldung) zum „Schlechten“ erklärt hätte. Wir müssen gerade weg von dem Gut/Schlecht denken – dann verschwinden auch die Emotionen welche eine sinnvolle Steuerung des Spiels verhindern.

          1. >Wir müssen gerade weg von dem Gut/Schlecht denken> Exakt. Sie haben es erkannt, Herr Buschbeck, was die meisten Menschen leider nie erkennen werden………

            PS: Ihr Humor ist – tja, wie soll man sagen- gewöhnungsbedürftig.-) Ich weiß aber nicht wie der Wiener Schmäh`rüber kommt. Der wird ja auch zumeist mißverstanden…..

          2. Jup, Gutmenschen- und Bösmenschenparadoxon – die sind noch gänzlich unerforscht, gerade von Keynesianern 😀

          3. „Wir müssen gerade weg von dem Gut/Schlecht denken“ – genau, deswegen auch weg vom „böse Horter und arme Schuldner“ Denken, das sich bei Verkäufermärkten nämlich genau umdreht und völlig verständlich ist.

      2. Von Verkäufermärkten (geplante Gesamtausgaben>geplante Gesamteinnahmen) wollte der Herr Schmidt auch nix wissen, hat sie nur zirkulär durch „Mangelwirtschaft“ erklärt. Schon irgendwie blöd für keynesianische Nachfragefreaks, daß es ned nur ein „Sparparadox“, sondern auch ein nettes dazu komplementäres „Spendierhosenparadox“ (oder von mir aus „Nachfrageparadox“) gibt oder?

        Stützel, Paradoxa 183-199 sag ich nur … „der Kern der modernen Beschäftigungstheorie“ … aber klar doch, kann ja ned sein, ich bin doch ein ganz böser!

    2. 1) Übliche Definition Käufermarkt: Angebot > Nachfrage.

      2) Biete ich etwas an, plane ich, etwas zu verkaufen. Frage ich etwas nach, plane ich, etwas zu kaufen. Angebot daher = Verkaufspläne, Nachfrage = Kaufpläne.

      3) Verkaufe ich Realvermögen (Eigentum), erziele ich eine Einnahme (Zunahme des Nettogeldvermögens, d.h. des Forderungs-Verbindlichkeits-Saldos). Verkaufspläne daher = Einnahmepläne.

      4) Kaufe ich Realvermögen, erziele ich eine Ausgabe (Abnahme des Nettogeldvermögens). Kaufpläne daher = Ausgabenpläne.

      5) Daher gilt: Gesamtangebot an „Gütern“ (Realvermögen) > Gesamtnachfrage bedeutet: Einnahmepläne > Ausgabenpläne: Käufermärkte.

      6) Saldenmechanisch gilt aber immer: Gesamteinnahmen = Gesamtausgaben.

      7) Daher können in der Käufemarktsitation nicht sämtliche Einnahmepläne realisiert werden. Die Ausgabenpläne bestimmen die tatsächlich erzielten Gesamtausgaben=Gesamteinnahmen. Das ist die Situation, die Keynesianer beschreiben und zur immer gegebenen erklären (was falsch ist). Hier bestimmt die Nachfrage über die tatsächlich erzielten Einnahmen/Ausgaben, die Käufer (Nachfrager) haben Macht über die Verkäufer (Anbieter). Es gibt Preisdruck nach unten, Konkurrenz zwischen den Anbietern führt zu Leistungsdruck auf diese, was diese zu qualitativ hochwertigen Produkten zwingt etc.

      8) Bei Gesamtangebot>Gesamtnachfrage, d.h. geplante Gesamtausgaben>geplante Gesamteinnahmen, ist es umgekehrt. Die Einnahmepläne (das Angebot) bestimmt über die tatsächlich erzielten Ausgaben, die Verkäufer (Anbieter) haben Macht über die Käufer (Nachfrager). Es gibt Preisdruck nach oben, Konkurrenz zwischen den Nachfragern führt zu Schlangen vor den Geschäften, der Leistungsdruck auf die Anbieter verschwindet, diese können sich auch Schlamperprodukte leisten, weil sie erwarten können, selbst die noch verkaufen zu können, etc.

      Diese Situation hatten wir in den 70ern, die Keynesianer haben das leider nie systematisch begriffen und verallgemeinern bis heute falsch („immer Käufermärkte mit Nachfragermacht über die Anbieter“) und arbeiten auf Inflation hin, was in einer deflationären Situation sinnvoll ist, aber sonst nicht. Das ruft dann die „Angebotsökonomen“ auf den Plan, die ihrerseits die von ihnen beschriebene Situation 8) falsch verallgemeinern und daher politisch auf Deflation hinarbeiten, was bei Inflation sinnvoll ist, aber sonst nicht.

      Die zwei Lager streiten sich um Dinge, um die man sich nicht streiten müßte. Das zu zeigen, war Stützels Kernziel.

Und was denkst Du so?

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s