Warum es richtig ist, dass Geldsparen heute mit Vermögensverlust verbunden ist + aktuelle Bundesbankzahlen

Exportüberschüsse, Geld, Geldsparen, Importweltmeister, Importüberschuss,


Geldvermögensbildung ist der Vorgang, dass man mehr Leistung in den Markt gibt, als man selbst aus diesem bezieht. Wirtschaftliches Gleichgewicht ist dann nur zu erhalten, in dem Dritte mehr kaufen, als sie verkaufen, sich also verschulden.

Diese Dritten sind lehrbuchmäßig die Unternehmen, welche die Geldvermögensbildung der Nichtunternehmer ausgleichen. In der Realität bilden aber auch die deutschen Unternehmen per Saldo Geldvermögen. Deshalb ist unser „Erfolgsmodell“, dass wir heute das Ausland via Exportüberschüsse (bitte nicht mit Exporten verwechseln) in gigantischer Höhe verschulden.

Das Wort Exportüberschüsse klingt sehr positiv, ist aber eine nationale Katastrophe. 2016 bestanden ca. 86% des gesamtwirtschaftlichen Vermögensaufbaus Deutschlands aus einer Verschuldung des Auslandes. Forderungen, die nur dann werthaltig wären, wenn wir später überschüssig beim Ausland kaufen würden.  Gigantische Importüberschusse eines „Importweltmeisters Deutschland“  liegen aber außerhalb unserer Vorstellungskraft. Was wir nicht denken können, können wir auch nicht tun. Deshalb werden die Deutschen etwas ganz anderes: „Rettungsweltmeister“. Über alle möglichen und unmöglichen Kunstgriffe werden am Ende des Tages diese Forderungen entweder entwertet (z.B. durch negativen Realzins) und/oder auf deutsche Staatsschulden umgebucht. Die reale Leistung, welche überschüssig exportiert wurde, war de facto ein Verschenken unseres Sozialproduktes. Es gibt deshalb keine reale Vermögensbildung der Deutschen, solange diese auf Exportüberschüssen beruht. Wir sind dabei mittels Exportüberschüssen zu verarmen. Insbesondere auch weil für die Exportüberschüsse die Löhne eben niedriger sein müssen, als es für eine ausgeglichene Handelsbilanz angemessen währen.

Wenn wir nicht weiter national verarmen wollen, müssen wir im ersten Schritt selbst gegen deutsche Exportüberschüsse vorgehen. Dazu muss der Grund beseitigt werden, warum wir Exportüberschüsse brauchen. Im zweiten Schritt können die Löhne und Renten dann so erhöht werden, dass sich eine ausgeglichene Handelsbilanz ergibt.

Der einzige Grund, warum wir Exportüberschüsse brauchen liegt in der Neigung der Deutschen, in Geldvermögen statt in Sachwerten zu sparen. Auch wurde durch die Regierung Schröder ein ökonomisches Verbrechen begannen. Die geniale Umlagerente wurde gekürzt und deren Absicherungs- Erwartungen diffamiert. Eine problemverschärfende Guthaben/Schuldenrente wurde installiert und gar noch staatlich gefördert.Die nächste politische Katastrophe war die Guthabengarantie von Merkel/Steinbrück in 2008. Das extrem hohe Risiko des Geldsparens mittels Forderungsaufbau gegen das Ausland wurde komplett vergesellschaftet, während man für das gesamtwirtschaftlich vorteilhafte aber einzelwirtschaftlich riskante Sachwertsparen selber haftet.

Deshalb ist es völlig richtig, dass nun verstärkt die private Geldvermögensbildung der Deutschen sanktioniert wird, um das Sachwertsparen = Investitionen in unser Land anzuregen. Gleichzeitig müsste man es den Deutschen aber auch endlich mal richtig erklären. Es geht bei realen Negativzinsen nicht um Probleme der Anderen in Europa, die wir erleiden müssen. Es geht um unser deutsches Problem! Wir verarmen gesamtwirtschaftlich am Geldsparen, deshalb muss es einzelwirtschaftlich sanktioniert werden, eine Guthabenbremse ist ordnungspolitisch deshalb absolut notwendig. Wir sollten Mario Draghi danken, dass er so intensiv an den deutschen Problemen arbeitet, welche die Deutschen so intensiv verdrängen.

Belege
aktuelle Bundesbankzahlen (siehe Seite 17 ) 
2016 – Vermögensbildung incl. Sachvermögen komplett 311Mrd.€
davon Verschuldung des Auslands 267Mrd.€

5 Kommentare zu „Warum es richtig ist, dass Geldsparen heute mit Vermögensverlust verbunden ist + aktuelle Bundesbankzahlen“

  1. Herr Buschbeck!

    Ich habe eine Frage: Wie darf ich mir denn die „Umleitung“ von Kaufüberschüsse („=Leistungsbilanzüberschüsse“) in Kaufüberschüsse (= „inländische Investitionen“) vorstellen? Aus meiner Sicht ist das eine contradictio in adiecto. Das einzige Mittel, das ich sehe, um Kaufüberschüsse der Vergangenheit zu reduzieren sind Verkaufsüberschüsse in der Zukunft. Das heißt: Deutschland müßte endlich seinen Leistungsbilanzsaldo ins Negative drehen….

    LG
    Alfred Felsberger

    1. Hallo Herr Felsberger,

      steht doch auch so im Text, fürs erste wäre es ja aber schon ein Gewinn, wenn es nicht noch jedes Jahr schlimmer wird. Von heute auf morgen baue ich auch keine Exportüberschusswirtschaft in eine Importüberschusswirtschaft um. Wenn Problem und Ziel verstanden wäre, gesamtwirtschaftliche Steuerung (Guthabenbremse) installiert und erklärt, die Exportsalden zumindest sinken, wäre dies ein sinnvoller Anfang. Und eben als allererstes eine radikale Rentenreform im Sinne von „Zurück zu Blüm“ und Ergänzung um „bedingungslose Grundrente“ (steuerfinanziert).

      MFG JB

  2. Das ist ja alles vollkommen richtig, aber wer sind ‚wir‘, die ‚wir‘ gesamtwirtschaftlich am Geldsparen verarmen? Einige sehr wenige sparen volkswirtschaftlich relevant und schädlich sehr viel, während eine wachsende Gesellschaftsschicht gar nicht mehr groß was sparen kann. Ja, das Sparen muss sanktioniert werden und ja, es muss den Deutschen auch endlich mal richtig erklärt werden. Aber du machst dir keine Freunde damit, wenn du forderst, dass alle einzelwirtschaftlich sanktioniert werden müssen, um nichts mehr anzusparen. Wichtig und richtig wäre endlich die Einforderung der Steuern von denen, die bisher viel zu wenig beitragen: von den Hoeneßen, den Starbucks, den Amazonen und den IKEAs dieses Landes. Deswegen hat die Linke auch völlig recht, steht damit jedoch völlig allein auf weiter Flur. Ich sehe leider in Deutschland in absehbarer Zukunft keine ähnliche Entwicklung wie in anderen Ländern (Stichwort Jeremy Corbyn, Bernie Sanders, Jean-Luc Melenchon, …).

    1. Danke für Deine Antwort Tesserakt, zu Deinen Fragen:

      wer sind‚wir‘, die ‚wir‘ gesamtwirtschaftlich am Geldsparen verarmen?

      Dies sind tatsächlich wir alle, das Spiel Geldsparen nicht ausreichend zu sanktionieren hat keine Gewinner, ist eine lose/lose Veranstaltung. Umgekehrt geht es bei Sanktionen der Geldhaltung ja nur darum, dass anders gespart wird. Bei Strafen auf Mord geht es ja auch nicht darum, dass die Gefängnisse voll werden, sondern dass keiner umgebracht wird. Und diesen Vergleich mache ich nicht von ungefähr, da es bei Geldsparen am Ende der Kette um Massenmord geht. Die katastrophale deutsche Geschichte des letzten Jahrhunderts hat ebenfalls deutsche Exportagression und entsprechende Reaktionen Dritter am Ausgangspunkt.

      höre bei Bedarf dazu Friedmann von Stratfor

      Und wenn Investitionen eben über eine Guthabenbremse als Investitionsautomatik sicher gestellt sind, dann und erst dann muss man Investoren nicht mehr in den Allerwertesten kriechen, z.B. durch Steuerdumping. Also dass man auch ganz andere Sachen muss, auch z.B. um Sachwertsparen ökologisch in eine Kreislaufwirtschaft zu lenken, ist keine Frage. Nur geht eben ohne Guthabenbremse gar nix, da ja zu Recht dann immer mit den sonst fehlenden Investitionen = kommende Arbeitslosigkeit argumentiert wird.

Und was denkst Du so?

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s