Anfrage an Sender Eriwan – worum geht es im Kapitalismus und was hat dies mit dem Exportsaldo zu tun?


  1. Im Kapitalismus wird gewirtschaftet, weil der Unternehmer sich einen Gewinn verspricht. Ohne Gewinn kann (Bank) und will (Weib) der Unternehmer nicht die Einkommen der Nichtunternehmer  vorfinanzieren. Gewinnaussichten sind also ein systemisches Erfordernis. Der ordentliche Gewinn aller Unternehmen eines Landes ergibt sich zwingend logisch aus:Nettoinvestition + Unternehmerkonsum –  Geldvermögensbildung der NichtunternehmerDie Geldvermögensbildung der Nichtunternehmer ist das Saldo aus Privaten, Staat und Ausland.
  2. Die Nettoinvestition kommt nach einiger Zeit ohne Krieg immer irgendwo an der Nulllinie an, dies bedeutet, dass die Abschreibungen die Neuinvestition „aufessen“.
    Und dies bedeutet wiederum, dass ein per Saldo Geldvermögensabbau der Nichtunternehmer zur entscheidenden systemischen Gewinnquelle wird.
    Dies ist durch Verschuldung der Nichtunternehmer (US-Subprime-Variante), unendliche  Staatsverschuldung (der japanische Weg) oder eben durch Exportüberschüsse (der scheinbar goldene Weg der Deutschen) möglich. Exportüberschüsse erhöhen 1:1 die Gewinne der Unternehmen, Importüberschüsse senken diese 1:1. Es geht beim Exportsaldo also um alles Wesentliche, um was Kapitalismus nun mal geht.  Der deutsche Exportüberschuss ist 1:1 Gewinnimport und 1:1 Verschuldungsexport. Für die Importüberschussländer gilt, dass sie die Unternehmer-Gewinne ihrer Länder exportieren und Staatsverschuldung importieren. Trump hat dies erkannt und dies auch dem Führer der „Republik auf dem Marsch“ erklärt. Nach der Bundestagswahl werden wir auch aus Frankreich „unter Beschuss“ geraten. Es wird allerhöchste Zeit, dass wir endlich die Alternativen zur Exportaggression diskutieren.

3 Kommentare zu „Anfrage an Sender Eriwan – worum geht es im Kapitalismus und was hat dies mit dem Exportsaldo zu tun?“

  1. Sehr geehrter Herr Buschbeck,

    Schön, dass Sie aus dem Urlaub zurück sind. Ich hoffe, Sie und Ihre Familie haben sich gut erholt. Ihren Beitrag, den sie zuletzt auf der „Ökonomenstimme“ verfassten, habe ich sehr gelobt, was aber leider die notwendige Ressonanz auch nicht befördern hat können.

    Mein Erholungsbedürfnis hat mich zuletzt in meine Heimatstadt Linz a.d.Donau geführt. Dort habe ich mir am Wochenende eine Salami-Pizza mit einem Mineral und einem Päckchen Zigaretten am Hauptplatz gegönnt, letzteres deshalb, weil ich gerne nach dem Essen eine Zigarette rauche. Es ist die gleiche Pizzeria, wo ich schon als Junger saß, und auch später, als ich nur mehr selten in die Stadt kam. Als ich nach dem Essen die Rechnung forderte, erinnerte ich mich, dass ich auch kurz vor der Euro-Einführung in dieser Pizzeria war und das Gleiche bestellte, weil ich, wie mir meine Frau stets bestätigt, durchaus monotone Gewohnheiten habe. Mir kam die Rechnung wieder in den Sinn, die ich damals im gleichem Lokal für das gleiche Essen, sogar die gleichen Zigaretten, bezahlte: 120 ATS. Und diesmal, 14 Jahre später: 17 Euro. Eine Preissteigerung von in etwa 100%.

    Nun will ich nicht behaupten, dass ich aus diesem Erlebnis auf die allgemeine Inflationsrate der letzten 14 Jahre schließen möchte. Aber 100% ist in etwa der Wert, der in Österreich im genannten Zeitraum auf viele Waren aufgeschlagen wurde. Ich habe dann auch die österreichischen Pensionssätze 2002 mit den heutigen verglichen. Wenig überraschend beträgt hier die Preissteigerung gerade mal 40%, vor allem bei den niedrigeren Pensionen. Mit einem Wort: Die Pensionisten hierzulande haben spürbar an Kaufkraft verloren und sicher nicht nur die. Gleichzeitig haben die Geld-Ersparnisse an Kaufkraft verloren, weil sie sich im genannten Zeitraum nie und nimmer verdoppelt haben.

    Was ich damit sagen möchte: Die Forderungen entwerten sich seit geraumer Zeit schneller als sie wachsen. Das System ist heute stabiler als vor 14 Jahren, weil die Ungleichgewichte (real) geringer sind als damals. Ich weiß, dass ich mit meiner Diagnose nirgends offene Türen einrennen werde, schon gar nicht in einer Zeit, wo der Pessimismus stark im Vormarsch ist. Gewiß ist es unerfreulich, dass Menschen für`s Geldsparen durch Kaufkraftverlust bestraft werden, aber das ist der notwendige Ausgleichsmechanismus, um die Ungleichgewichte zu mildern. Und gewiß geht das einen Deutschen und einen Österreicher gegen den Strich, weil Geld-Sparen für ihn „Moses und Propheten“ bedeutet. Aber der Kapitalismus ist schlauer als wir alle glauben. Und das sollte man nie aus dem Auge verlieren…..

    LG
    Alfred Felsberger

    1. Hallo Herr Felsberger,

      >>Aber der Kapitalismus ist schlauer als wir alle glauben. Und das sollte man nie aus dem Auge verlieren…..

      dies sehe ich identisch, der Markt hätte auch die Guthabenkrise 2008 beendet, deshalb schreibe ich hier auch nicht gegen den Markt, sondern gegen dummes staatliches Handeln an. Dies bedeutet nicht, dass die vielfältigen Marktversagen für nachhaltige Ergebnisse nicht staatlicher Einwirkung bedürfen, sondern vielmehr, dass wir eben nicht länger Staatsversagen mit Marktversagen kombinieren sollten.

      lG JB

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