Rosinenkuchen –eine narrative Geschichte künftiger VWLer-Arbeitstage


auch dies ein Beitrag aus einer Diskussion auf Ökonomenstimme http://www.oekonomenstimme.org/artikel/2017/08/was-machen-die-oekonomen-eigentlich-so-den-lieben-langen-tag/

Lieber Herr Quaas,

mit fortlaufender Dauer der Diskussion, der Sie sich von der kritisierten Seite her ganz allein stellen, habe ich ein wachsendes Problem. Dass Sie dies ganz allein tun hat zur Folge, dass ich das aktuelle VWL-Versagen nun gerade anhand Ihrer Gedanken nachweisen muss. Nun halte ich klare Benennung des modell- und arbeitsweisebedingten VWL-Versagens schon für eine legitime Sache, aber nun gerade Sie als einzig konstruktiven Gegenüber wegen Mißachtung gesamtwirtschaftlicher Logik blosszustellen, ist mir selbst bei den gegebenen Einschränkungen meiner emotionalen Intelligenz zunehmend unangenehm. Ich möchte deshalb festhalten, dass Ihre Gedanken ja nur stellvertretend für das Hauptstrom-Gedankengebäude sind, überhaupt niemand von den über 1000 Fachlesern ihres Griechenland-Beitrags diese Verstöße gegen gesamtwirtschaftliche Logik erkennen konnte. Gleichzeitig spürt man ja gerade bei Ihnen auch das Unbehagen gegen dies, was Ökonomen heute halt den lieben langen Tag so tun. Sie haben einiges zum Problem selbst gesagt, der fehlende Werkzeugkasten dürfte das Schlimmste sein. Kein Handwerker hat Freude an der Arbeit, wenn er kein gutes Werkzeug hat. Ähnliches gilt, wenn die Aufgabe und Ziele nicht klar genug definierbar, man beim Nachhausegehen nicht sehen kann, was man heute so mit der Arbeit erreicht.

Ich möchte hier deshalb nochmal die narrative Geschichte eines VWLer Arbeitstages erzählen, es ist die Geschichte vom großen Rosinenkuchen, den der Ökonom künftig unter allgemeiner Begeisterung backen kann. Und die große Freude bei der Ausbildung der Lehrlinge, welche hoch motiviert die Rezepte für den Rosinenkuchen immer weiter verfeinern. Dieser neue ökonomische Rosinenkuchen hat einige Zutaten, einige haben auch gar nichts mit der Lösung des VWL-Problems zu tun, sind Folge der gleichzeitigen umfassenden Krise der seit 68 gesinnungsethisch geprägten Gesellschaft im Westen. Daraus wird sich eine Rückkehr der Verantwortungsethik ergeben, also eine neue Kultur, die Dinge bis zum Ende zu durchdenken und damit nachhaltig zu gestalten. Diese neue Verantwortungsethik stellt die Kapitalismus-Wissenschaft vor die klare Aufgabe, Marktversagen im ökonomischen, sozialen und ökologischen Bereich so synergetisch zu steuern, dass keine Staatsversagen und Demokratieversagen seine produktive Kraft bremsen, die gerade Teil der Lösung für ökonomisch, soziale und ökologische Probleme ist. Diese Arbeit wird also mehr Spass machen, die „Meister des Rosinenkuchens“ sind ja auch die angesehensten Leute der Gesellschaft.

Nur muss die VWL doch erst mal im real existierenden Kapitalismus ankommen, eh sie ihn gestalten kann. Der Weg dahin ist klar zu zeichnen:

1. Kapitalismus ist ein Ungleichschritt-System – weg mit der Gleichschritt-Modellierung der Tauschwirtschaft, die Kapitalismus-Probleme treten im Ungleichschritt auf. Wer Ungleichschritt wegdefiniert, kann keine Kapitalismusprobleme lösen.

2. Geld ist sowohl als Geldvermögen wie als Zahlungsmittel ein Phänomen dieses Ungleichschrittes –da ist kein Geldding, nirgendwo, auch das Zentralbankgeld ist kein Ding. Das Dingbild wurde gebraucht, um sich fehlschlüssig im Gleichschrittsystem zu bewegen.

3. Die Zusammenhänge der Gesamtwirtschaft sind regelmäßig völlig paradox, wer dies nicht reflektiert, kommt aus der Beobachtung der einzelwirtschaftlichen Zusammenhänge zu 180° falschen Schlüssen. Und genau dieses Problem findet permanent statt, eine VWL als Ansammlung von Trugschlüssen aus Komposition. Definitorisch wird die VWL erst zur Lehre von der Gesamtwirtschaft, wenn sie die paradoxen gesamtwirtschaftlichen Zusammenhänge auch beachtet.

Lassen Sie uns dies bitte weiter diskutieren, beste Grüße, Jörg Buschbeck

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