Das Kreislaufgleichgewicht und seine Steuerungsprobleme


Das Kreislaufgleichgewicht ist das Gleichgewicht der Pläne der Wirtschafter, in einer Periode ihre Geldvermögen zu erhöhen und bzw. zu senken.

Änderungen von Geldvermögen sind nach Ablauf der Periode aber natürlich immer identisch zwischen den einzelnen Wirtschaftern, der Geldvermögensabbau des Einen ist der Geldvermögensaufbau des Anderen. Dies bedeutet, dass es bei Abweichungen der Pläne zu ungeplanten Änderungen der Geldvermögen kommt.

Fall 1 – Überwiegen die Pläne  die Geldvermögen zu senken, kommt es logischerweise zu ungeplanten Aufbau von Geldvermögen bei Wirtschaftern. In der Folgeperiode scheint es nun sehr wahrscheinlich, dass die Wirtschafter auch wieder mehr ausgeben. Da diese Zusatzausgaben auch die Zusatzeinnahmen des  Rest der Welt sind, könnte sich aus einem ungesteuerten Fall 1 eine inflationäre Übernachfrage entwickeln.

Fall 2 – Überwiegen die Pläne  die Geldvermögen zu erhöhen, kommt es logischerweise zu ungeplanten Abbau von Geldvermögen bei Wirtschaftern.  Diese werden deshalb in der Folgeperiode wohl ihre Ausgaben kürzen. Eventuell ist es auch gar keine Frage des Wollens, wenn der unplanmäßige Geldvermögensabbau gar nicht finanziert ist. Er also nicht mit der Verfügbarkeit von Zahlungsmittel aus Beständen oder Kredit unterlegt ist – auf gut deutsch – aus offenen Rechnungen besteht. Bei Unternehmen senken ungeplanter  Geldvermögensabbau natürlich regelmäßig die Neigung und Fähigkeit (Kreditwürdigkeit) zu Investitionskäufen.  Und da Ausgabekürzungen in der Folgeperiode die Einnahmekürzungen des Rest der Welt sind, können sich aus  Fall 2
eine deflationäre  Abwärtsspirale entwickeln.

Nun gibt es offensichtlich (Details wären eine längere Geschichte) keinen Marktmechanismus der das Kreislaufgleichgewicht sicherstellt. Vielmehr versucht die Notenbank dieses Kreislaufgleichgewicht mit einem Leitzins zu steuern. Dies hat aber heute zumindest im deutschsprachigen Raum das Problem, dass auch bei nominalen Nullzins die Pläne der Privaten ihre Geldvermögen zu erhöhen größer sind, als die kreditwürdigen Pläne Privater ihre Geldvermögen durch Verschuldung zu senken.

Deshalb bleibt heute nur die Verschuldung von Staaten bzw. dem Ausland (via Exportüberschuss) zum Erhalt des Kreislaufgleichgewichts. Diese Subprime-Verschuldung ist Kern der laufenden Krise (für D A CH verdeckt durch Exportüberschuss = Verschuldung der Anderen)   und ihrer absehbar kommenden Eskalation.

Auswege sind Änderungen an der Altersvorsorge und der „Bewaffnung“ der Notenbanken wie hier beschrieben.

2 Kommentare zu „Das Kreislaufgleichgewicht und seine Steuerungsprobleme“

  1. Aha. Und was läßt die Gesamtheit der Wirtschafter planen, mehr auszugeben als einzunehmen? Und was läßt sie planen, weniger auszugeben als einzunehmen? In other words, unter welchen Umständen ist es sinnvoller, mehr ausgeben als einnehmen zu wollen? Und unter welchen Umständen ist es sinnvoller, mehr einnehmen als ausgeben zu wollen?

    Was hat die Einnahmepläne>Ausgabepläne-Situation (bei durchsetzbaren vertraglichen Forderungen und Steuerforderungen, d.h. gegebener „accountability“) mit Leistungsdruck auf die Anbieter von Gütern, Dienst- und Arbeitsleistungen zu tun? Zu welcher Art von Leistungsdruck führt die die Ausgabepläne>Einnahmepläne-Situation auf längere Sicht?

    Was heißt das für D vs. GR?

    1. Fragen wir besser mal genauer, indem wir Sektoren unterscheiden:

      Unter welchem Umständen und aus welchen Gründen planen denn private Haushalte Einnahmeüberschüsse? Unter welchen Umständen und aus welchen Gründen Ausgabenüberschüsse? Was wären jeweils konkrete historische Beispiele dafür, daß sie geplante Einnahmeüberschüsse ODER geplante Ausgabenüberschüsse auch realisieren konnten?

      Unter welchen Umständen und aus welchen Gründen planen Unternehmen Einnahme- oder Ausgabenüberschüsse?

      Unter welchem Umständen und aus welchen Gründen planen Schuldner, nicht nicht haftbar gemacht werden können, Einnahmeüberschüsse? Und Ausgabenüberschüsse? Historische Beispiele für realisierte Einnahme- und Ausgabenüberschüsse?

      Dito für Staaten/Regierungen?

      Dito für Länder als Ganzes (Staats- und Privatsektor aufaggregiert)?

      Nota Bene – hier geht es um (Handlungs) GRÜNDE und (subjektive) Pläne – also um ex ante Makroökonomie, nicht um reine ex post Saldenmechanik …

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