Die paradoxe gesamtwirtschaftliche Logik und der Staatshaushalt


Dieser Beitrag versteht sich als Weiterbildung zu einem wichtigen Thema, welches leider in der Schule „vergessen“ wurde.  Er richtet sich an den Wähler, die Politik und natürlich auch an die, die zu den Paradoxa der Staatshaushalte eigentlich aufklären müßten.

Ein Staatshaushalt ist ein paradoxes Gebilde, weil ein Staatsdefizit nicht wie beim Einzelhaushalt von den geplanten Ausgaben abhängt. Beispielsweise hat der deutsche Staat seit 2015 (also gerade seit den großen Zusatzausgaben für Flüchtlinge)  auf einmal große Überschüsse erzielt. Und dies war ihm zuvor auch in Zeiten ohne solche plötzlichen Zusatzausgaben über Jahrzehnte nicht gelungen.

Dies ist ohne weitere Bildung völlig paradox. Eben weil  eventuelle Defizite  unseres Einzelhaushaltes davon abhängen, ob wir mehr Ausgaben als erwartbare Einnahmen planen, was dann regelmäßig mit Kreditaufnahme verbunden wäre. Warum ist dies beim Staat anders? Weil der Staat eben kein festes Einkommen hat, vielmehr die Ausgaben eines Staates großen Einfluss auf seine Einnahmen haben.Streng logisch ist das monetäre Defizit eines Staates identisch mit den monetären Überschüsse des Rest der Welt und für die Summe der Staaten gilt streng logisch:

Überschüsse der Privaten = Defizite der Staaten

Nun wird oft bestritten, dass man aus diesem Zusammenhang etwas sinnvolles im Sinne von politischen Handlungsempfehlungen ableiten kann. Aber sind dies nicht einfach Schutzbehauptungen aus privaten Interessenkonflikten? Entscheiden Sie bitte selbst, ob man aus folgender unbestreitbarer Aussage nicht doch etwas sinnvolles machen kann:

„Die globale Staatsverschuldung wird künftig exakt in dem Umfang steigen, wie die Privaten in Summe ihr Nettogeldvermögen erhöhen, also per Saldo mehr Guthaben wie Schulden machen.“

Eine Beachtung der paradoxen gesamtwirtschaftlichen Logik ist logischerweise sehr nützlich. Was bedeutet es denn, wenn ein Staatsdefizit gar nicht von geplanten Einnahmen und Ausgaben abhängt, sondern von der Geldvermögensbildung des Rest der Welt bestimmt wird? Dann muss man auch auf diese Größe einwirken, wenn man ein Defizit vermeiden oder begrenzen will!

Natürlich kann man  den Standpunkt vertreten, dass der Staat schon genug Anteil an den Einnahmen und Ausgaben  hat und kein guter Investor ist. Nur sollte man sich bewusst halten, dass dies keine Frage des Defizits ist. Zum einen können staatliche Ausgabenausweitungen Private zu einem Abbau ihrer monetären Überschüsse zugunsten (Selbst)Investition anregen. Staatliche Ausgabenkürzungen können insbesondere bei Nachfragemangel  logischerweise das genaue Gegenteil bewirken. Eine mit dem Mechanismus der Ausgabenbegrenzung  wirkende „Schuldenbremse“ wird dann sogar die Verschuldung erhöhen. Gerade die „Schuldenbremse“ zeigt, wie kollektiv wir hier einen logischerweise dissfunktionalen Mechanismus vertrauen, welche in seiner Unlogik der Gebäude-Beleuchtungslösung zu Schilda sehr ähnlich ist.

Und gerade wer „keynesianischen  Lösungen“  für volkswirtschaftliche Unterauslastung mit vermehrten Staatsausgaben kritisch gegenüber steht darf bedenken: Politik könnte alternativ darauf einwirken, dass die Privaten künftig lieber Sachvermögen statt Geldvermögen bilden.  Politik könnte die  Umlagerente als nachhaltige Altersvorsorge loben und preisen wie dies einst ein Norbert Blüm getan. Natürlich könnte man statt einer Geldsparrente (Riester und co) lieber die Umlagerente fördern und alle Wirtschafter darin einbeziehen. Oder eben der Sachvermögensbildung statt der Geldvermögensbildung steuerliche Vorteile verschaffen. Man könnte also Selbstinvestieren statt Geldsparen fördern und als sozial vorbildlich kommunizieren. Generell hätten wir aber wohl keine „Staatsschuldenprobleme“ wenn zu große private Geldvermögensbildung als ihre Ursache in der allgemeinen Schulbildung enthalten wäre. Denn entweder hätten wir dann längst unseren Frieden mit den Staatsschulden gemacht, weil wir übermäßiges Geldsparen zu einem im demokratischen Konsens definierten Menschenrecht gemacht hätten. Oder aber die übermäßige private Geldvermögensbildung wäre halt unter sozialer und realer Sanktion, um die Staatsverschuldung eben tatsächlich zu bremsen.

Was nur gar nicht gut gehen wird ist ein „Weiterso“
Da wir aber die gesamtwirtschaftliche Logik von Privatüberschüsse = Staatsdefizite kollektiv verdrängen, wünschen wir uns „private Überschüsse ohne Staatsdefizite“. Dies geht auch national, wenn man die Defizite via Exportsaldo dem Ausland unterschiebt. Denn wenn wir den „Rest der Welt“ jetzt mal in die inländischen Privaten und das Ausland unterteilen, kommen wir zu folgender Staatsschuldenformel für die monetären Zusammenhänge:

Staatsdefizit = Überschüsse der Inländer bereinigt um das Exportsaldo

konkreter für Länder wie Deutschland mit Importdefizit = Exportüberschuss
Staatsdefizit = Überschüsse der Inländer minus Importdefizit

konkreter für Länder wie USA mit Importüberschuss = Exportdefizit
Staatsdefizit = Überschüsse der Inländer plus Importüberschuss

Wer die triviale Logik aber lieber mal empirisch prüfen möchte, kann dies hier bei der Bundesbank tun – Spalte Finanzierungssalden, unten steht das Importdefizit, welches in der Fußnote als Kreditgewährung an den Rest der Welt ausgewiesen.

Nur ist es wirklich sinnvoll für übermäßiges Geldsparen der Inländer das Ausland zu verschulden? Braucht man nicht verarmendes Lohn- und Sozialdumping um zu großen Importdefiziten zu kommen? Und welche Folgen hat es für den Vermögensaufbau, wenn dieser statt aus realen Sachwert-Investitionen nur noch aus dem gesamtwirtschaftlichen Nullwert Geldvermögen besteht? Und was wird mit Abschreibungen (neudeutsch „Rettung“) und inflationärer Entwertung bei Nullzins? Können wir gegen die Sanktionierung durch Trump bestehen, der unseren Staatsschuldenexport in seinen Haushalt durchschaut hat? Verarmen wir nicht an unserer übermäßigen Geldvermögensbildung? Könnten wir nicht durch die Anregung realer privater Investitionen in Klimaschutz gleichzeitig die globale Staatsverschuldung abbauen und unsere gesamtwirtschaftliche Verarmung stoppen?

Es gäbe also zum Thema enorm wichtige Dinge gesellschaftlich zu diskutieren, wenn man denn gesellschaftlich auf Basis der gesamtwirtschaftlichen Logik diskutieren könnte. Bitte helft mir, dieses Wissen zu den gesamtwirtschaftlichen Paradoxa populär zu machen, es ist für den Frieden sowie ökologischen wie sozialen Wohlstand enorm wichtig,

freu mich auch über Fragen oder Feedback, danke, Jörg

3 Kommentare zu „Die paradoxe gesamtwirtschaftliche Logik und der Staatshaushalt“

  1. Grundsätzlich Zustimmung.
    Ist’s darum denkbar, daß das Millionenloch Berl. Flughafen und all die anderen Staatlichen Steuersümpfe ur-eigentlich notwendige „Schuldlöcher“ sind um die „Münzen“ der „Guthabenhalter“ zu verschlingen?
    Inszenierte Schuldöcher, die sich auftun wie „Schwarze Löcher“ die „Materie“ der „Galaxien“ zu verschlingen drohen?
    Ist darum Theoretische Ökonomie = Theoretische Physik?
    Ist das eine der Output des anderen?

    1. >>notwendige „Schuldlöcher“ sind um die „Münzen“ der „Guthabenhalter“ zu verschlingen?

      „verschlingen“ – Du meinst zu erzeugen? 🙂 Ob der BER ein wirklich gewolltes „Guthabenerzeugungsprojekt“ ist kann ich nicht sagen. Bei „Wiedervereinigung, Osterweiterung, Euro-Einführung + Agenda 2010 Reformpolitik (verschuldung des Auslandes) dürfte es schon klarer sein.

      1. Alles eine Frage der Perspektive. Vernichtet man Guthaben (irrwitziger Steuertribut) vernichten sich Schulden nach finstersten Winkelzügen der Saldenmatrix.
        Dabei ist davon auszugehen das dies den Politniks nicht bewußt ist. Da waltet nur dümmlichste Gier.
        Doch tun sie aus faustischer Perspektive gar „Gutes“ durch die Tat des „Bösen“?
        Ganz Aktuell erhöhen sich Berliner Politniks ihr Salär um öde 60% p. Monat.
        Auch das also perspektivisch eine Steuerfinanzierte Guthabenvernichtung nach angewandter Saldenmatrix. Sicher entstehen auch neue Schulden dabei, doch die werden instantan vom Parlament ‚ver(b)raucht‘.
        Auch ganz Aktuell.: Wer einen Baukredit aufnimmt bekommt noch einen Guthabenbonus vom Minuszins! Wer Rumschuldet ist Berliner König im Reiche Bockelsons.
        Es sieht also gar nicht so düster aus. Nur die Verteilungskanäle des National-Globalen Nullsummenpoker bündeln sich halt einseitig. Andererseits scheint somit ein „Grundeinkommen“ längst auf der Oberen Etage sicher etabliert. Völlig Wurst ob aus Haben oder Soll kanalisiert. Während emsige Reinigungskräfte um das Weihnachtsgeld bangen…, um letztlich für die Obere Etage – und BER – auch die Verteilungskanäle des Brüssler Babylonien zu befüllen….
        Was’n hier los?
        Warum befragt kein Patient seine Anstaltsleiter, sondern erwählt diese immer neu in die Psychiatrie…?

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