Professor Südekums Frühstück, das Klimapaket und die Schuldenbremse


Professor Südekum ist einer der fähigsten Ökonomen dieses Landes. Er hat aufgrund seiner fachlichen Kompetenz und emotionalen Intelligenz ein hohes Ansehen bei den politischen Entscheidern. Er kümmert sich um die wichtigen Probleme der zurückbleibenden Regionen und offensichtlich liegt ihm die Abschaffung der Staats-Schuldenbremse am Herzen.  Allgemein wegen des Investitionsrückstands und insbesondere auch für den Klimaschutz. Und natürlich ist ihm bewusst, dass verstärkte Investitionen im laufenden Konjunkturabsturz eine feine Sache wären. Durch die geniale „Klartext-Greta“ und die nun schon erlebbaren Probleme (Dürresommer in Folge, enormes Waldsterben, extremer Starkregen) wurde die Notwendigkeit von Klimaschutz aus der kollektiven Verdrängung gerissen. Eine Abschaffung der Schuldenbremse scheint in Wertung dieser Punkte realistisch, zumal sich auch frühere Befürworter unter den Ökonomen heute dafür einsetzen.

Es sieht nun nur leider nicht so aus, dass die Abschaffung der Schuldenbremse  politisch durchsetzbar ist. Wir haben hier  ein großes Problem mit der gesamtwirtschaftlichen Bildung und der Funktionalität des menschlichen Gehirns.  Private Geldguthaben werden als Vorsorge verehrt, Staatsschulden auch als Belastung künftiger Generationen abgelehnt. Dies obwohl Guthaben gesamtwirtschaftlich nur ein anderes Wort für Schulden ist. Nur scheint dieses Problem eben nicht nur das Wahlvolk zu betreffen, sondern selbst ein Prof. Südekum hat (wie nahezu alle seine Kollegen) wohl Probleme, sich die Folgen der Identität von Überschüssen und Defiziten stets bewusst zu halten. Nicht, dass diese Zusammenhänge aus Identitäten (Saldenmechanik) nicht bekannt wären, so einen Pillepallekram weiß jeder Ökonom.  Ganz offensichtlich lösen Identitäten aber unbewusst Emotionen aus, welche zu einer Umschaltung des rational denkenden Bewusstseins (Erwachsenen-Ich) auf das nicht logisch denkende, sondern vielmehr urteilende Bewusstsein  (Eltern-Ich) führen. Und dann sind wir beim privaten Einzelhaushalt und seinen Zusammenhängen, aus dessen Erleben geurteilt wird. Die Zusammenhänge der Gesamtwirtschaft sind aber regelmäßig völlig paradox zum Einzelhaushalt. Wenn hier selbst die Spitzenökonomen scheitern, werden wir uns weiter wie ökonomische Schildbürger benehmen. Wir tragen zwar kein Licht in Säcken, sind aber auch gesamtwirtschaftlich für Guthaben und gegen Schulden, was für eine Identität identisch lächerlich ist.  Und es ist aber nicht zum lachen, da wir so an der Lösung gewaltiger ökonomischer und ökologischer Herausforderungen scheitern werden.

Die Lösung kann nur sein, dass sich die Ökonomen des Problems bewusst werden und dann als Autoritäten Politik und Wähler aufklären. Als Bild zur Bewusstmachung will ich mich hier auf eine Twitter Diskussion mit Prof. Südekum beziehen. Er rechnet in einem Tweet vor, wie groß die geplanten Mehrausgaben des Klimapakets sind, um dann festzuhalten:

Diese 5 Mrd müssen dann aus Einsparungen anderswo finanziert werden, weil die „schwarze Null“ ja weiterhin gelten soll. Ist meine Rechnung so korrekt oder übersehe ich irgendwo etwas?

Ja klar übersieht er genau unser Thema, solche Überlegungen sind nur für einen privaten Einzelhaushalt korrekt. Für den deutschen Staatshaushalt gilt, dass sich Defizite nur aus der monetären Überschussbildung des Rest der Welt ergeben. Die einzig logische Debatte unter Fachleuten müßte also sein, wie Zusatzausgaben auf die Pläne zur Geldvermögensbildung des Rest der Welt wirken. Und ich werde unten ausführen, warum Zusatzausgaben für den Klimaschutz Gefahr laufen, unseren gesamtwirtschaftlich schädlichen Staatsüberschuss weiter zu erhöhen.
Prof Südekum reagiert auf den Hinweis bei Twitter aber wie folgt:

Ich schätze ich könnte auch twittern was ich heute morgen zum Frühstück hatte und sie würden trotzdem mit Ihrer Saldenmechanik kommen.

Spricht da das rationale Bewusstsein des Professors? Never! – er hatte explizit nach „seinem Schatten“ gefragt. Und fachlich wird sein rationales Bewusstsein nie Zusammenhänge aus Identitäten bestreiten. Natürlich kann über Verhaltensannahmen zur geplanten Geldvermögensbildung des Rest der Welt verschiedene Meinungen haben, aber darum ging es ja nicht, er wollte ja wie beim privaten Einzelhaushalt rechnen.

Wenn wir die Thematik von Schuldenbremse und Klimapaket gesamtwirtschaftlich denken, landen wir bei einem Lehrbeispiel ihrer Paradoxie. Eine maximale Umstellung
auf erneuerbare Energie würde unser Energieimporte als größten Importposten minimieren. Ein Restbedarf an fossiler Energie wird zusätzlich wohl spottbillig, da nun mal mit der wegbrechenden Nachfrage deren Preis ins Bodenlose fällt.  Und wenn wir nun endlich wieder bei den erneuerbaren Energien vornweg gehen, wird dies natürlich auch den Export entsprechender Innovationen ankurbeln. Unsere Importdefizite würden so wohl weiter steigen. Und wenn jetzt auch noch die Privaten ihr Sparbuch für neue Heiztechnik, Wärmedämmung und Solardach plündern, geht die Geldvermögensbildung des Rest der Welt auch dann gigantisch ins Minus, wenn wir solche Investitionen subventionieren und auch in staatlich Infrastruktur mehr investieren. Das bedeutet also, dass wir noch höhere Staatsüberschüsse bekommen, wenn wir den laufenden Konjunkturabsturz durch eine „nationalistische“ Energiewende abfangen.

Ist dies nicht toll – maximaler Klimaschutz = maximaler Staatsüberschuss? Nein, denn wenn wir unsere Importdefizite nochmals erhöhen, erhöhen wir auch die lose/lose Konstellation, welche sich aus diesen ergibt. Wir werden noch mehr zum ökonomischen Feindstaat, der seine Kriegsgegner aus dem letzten Weltkrieg schädigt. Und ein angeblich ach so dummer Trump kann gesamtwirtschaftlich denken. Wo soll dies hinführen?  Dies ist die eigentlich Debatte, die wir im Zusammenhang mit Klimaschutz und Schuldenbremse führen müßten. Wie bringen wir unser Importdefizit auf eine schwarze Null? Und müssen wir dafür nicht die schwarze Null beim Staatsdefizit aufgeben? Müssen wir nicht endlich zurück zur auskömmlichen Umlagerente mit Blüm Versprechen? Brauchen wir nicht dringend starke Erhöhung unserer Löhne und Renten für unser außenwirtschaftliches Gleichgewicht? Sollten wir nicht wesentlich auf den Import von Solargas aus Afrika setzen, um so viele Fliegen unter eine Klappe zu bringen?

Die Debatte zu diesen Fragen gibt es nicht, weil kaum einer so denkt! Also los, lieber Jens Südekum und Kollegen,  jetzt ist es an der Zeit vom „Highway to hell“ abzufahren. Deutschland braucht jetzt gesamtwirtschaftliches Denken und dies ist natürlich Euer Job und nicht meiner als gelernter Elektromonteur. Meine liebe Frau schimpft auch schon wegen liegen bleibender Dinge, welche meine Aufgabe sind. 🙂

Und was denkst Du so?

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.