Nur die Umlage-Rente ist sicher – nicht die Schuldenrente (Riester und Co.)

Was ist Norbert Blüm für den Satz verspottet worden, dass die Rente sicher ist. Nun steht er hoffentlich vor einem Comeback, nicht nur als Late-Night-Talker.

Die Zeit ist reif, eine Rentenreform zu gestalten, die uns zurück zur Sicherheit der Unlagerente führt. Dazu braucht es neue Begriffe, welche die Thematik auf den Punkt bringen. Die Frage ist, Umlagerente oder Schuldenrente. Schuldenrente ist der bessere Begriff für die sogenannte private Vorsorge. Er zeigt sofort auf, wo das Problem liegt. Man braucht für die Schuldenrente Schuldenwachstum, und wenn die Schulden genügend gewachsen sind, dann ist diese Art der Rente pleite.

Natürlich macht es Sinn, dass man die Umlagerente nicht nur auf die Arbeitseinkommen umlegt, es gibt genügend Dinge, die aus ökonomischen und ökologischen Gründen dringend geSTEUERert werden müssen.

Warum es richtig ist, dass Geldsparen heute mit Vermögensverlust verbunden ist + aktuelle Bundesbankzahlen

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Geldvermögensbildung ist der Vorgang, dass man mehr Leistung in den Markt gibt, als man selbst aus diesem bezieht. Wirtschaftliches Gleichgewicht ist dann nur zu erhalten, in dem Dritte mehr kaufen, als sie verkaufen, sich also verschulden.

Diese Dritten sind lehrbuchmäßig die Unternehmen, welche die Geldvermögensbildung der Nichtunternehmer ausgleichen. In der Realität bilden aber auch die deutschen Unternehmen per Saldo Geldvermögen. Deshalb ist unser „Erfolgsmodell“, dass wir heute das Ausland via Exportüberschüsse (bitte nicht mit Exporten verwechseln) in gigantischer Höhe verschulden.

Das Wort Exportüberschüsse klingt sehr positiv, ist aber eine nationale Katastrophe. 2016 bestanden ca. 86% des gesamtwirtschaftlichen Vermögensaufbaus Deutschlands aus einer Verschuldung des Auslandes. Forderungen, die nur dann werthaltig wären, wenn wir später überschüssig beim Ausland kaufen würden.  Gigantische Importüberschusse eines „Importweltmeisters Deutschland“  liegen aber außerhalb unserer Vorstellungskraft. Was wir nicht denken können, können wir auch nicht tun. Deshalb werden die Deutschen etwas ganz anderes: „Rettungsweltmeister“. Über alle möglichen und unmöglichen Kunstgriffe werden am Ende des Tages diese Forderungen entweder entwertet (z.B. durch negativen Realzins) und/oder auf deutsche Staatsschulden umgebucht. Die reale Leistung, welche überschüssig exportiert wurde, war de facto ein Verschenken unseres Sozialproduktes. Es gibt deshalb keine reale Vermögensbildung der Deutschen, solange diese auf Exportüberschüssen beruht. Wir sind dabei mittels Exportüberschüssen zu verarmen. Insbesondere auch weil für die Exportüberschüsse die Löhne eben niedriger sein müssen, als es für eine ausgeglichene Handelsbilanz angemessen währen.

Wenn wir nicht weiter national verarmen wollen, müssen wir im ersten Schritt selbst gegen deutsche Exportüberschüsse vorgehen. Dazu muss der Grund beseitigt werden, warum wir Exportüberschüsse brauchen. Im zweiten Schritt können die Löhne und Renten dann so erhöht werden, dass sich eine ausgeglichene Handelsbilanz ergibt.

Der einzige Grund, warum wir Exportüberschüsse brauchen liegt in der Neigung der Deutschen, in Geldvermögen statt in Sachwerten zu sparen. Auch wurde durch die Regierung Schröder ein ökonomisches Verbrechen begannen. Die geniale Umlagerente wurde gekürzt und deren Absicherungs- Erwartungen diffamiert. Eine problemverschärfende Guthaben/Schuldenrente wurde installiert und gar noch staatlich gefördert.Die nächste politische Katastrophe war die Guthabengarantie von Merkel/Steinbrück in 2008. Das extrem hohe Risiko des Geldsparens mittels Forderungsaufbau gegen das Ausland wurde komplett vergesellschaftet, während man für das gesamtwirtschaftlich vorteilhafte aber einzelwirtschaftlich riskante Sachwertsparen selber haftet.

Deshalb ist es völlig richtig, dass nun verstärkt die private Geldvermögensbildung der Deutschen sanktioniert wird, um das Sachwertsparen = Investitionen in unser Land anzuregen. Gleichzeitig müsste man es den Deutschen aber auch endlich mal richtig erklären. Es geht bei realen Negativzinsen nicht um Probleme der Anderen in Europa, die wir erleiden müssen. Es geht um unser deutsches Problem! Wir verarmen gesamtwirtschaftlich am Geldsparen, deshalb muss es einzelwirtschaftlich sanktioniert werden, eine Guthabenbremse ist ordnungspolitisch deshalb absolut notwendig. Wir sollten Mario Draghi danken, dass er so intensiv an den deutschen Problemen arbeitet, welche die Deutschen so intensiv verdrängen.

Belege
aktuelle Bundesbankzahlen (siehe Seite 17 ) 
2016 – Vermögensbildung incl. Sachvermögen komplett 311Mrd.€
davon Verschuldung des Auslands 267Mrd.€

Die Rationalitätenfalle als gesellschaftswissenschaftliches Paradigma?

Die Interessen des Einzelnen stehen mit den Interessen der Gesamtheit, insbesondere derer nach uns, regelmäßig im Widerspruch. Diese von Wolfgang Stützel Rationalitätenfalle getaufte Paradoxie ist das Grundproblem jeder Gesellschaft. Aber sie ist auch das oft unbewusste Problem derer, die sich in Wissenschaft, Politik oder als Wähler mit der Gestaltung von Gesellschaft befassen. Die Bewusstmachung der Rationalitätenfalle stellt deshalb auch alles in Frage, u.a. die Art wie wir Gesellschaftswissenschaft, Politik und Demokratie machen. Aber wie soll sich Gesellschaftswissenschaft dem Paradigma der  Rationalitätenfalle stellen, wenn sie es doch gerade wegen Rationalitätenfallen nicht macht?  Zumal sich Rationalitätenfallen beim Menschen regelmäßig auch durch Ausblendung (Schatten) gar nicht in das Bewusstsein bringen lassen. Es ist völlig menschlich, unterbewusst einfach keine Dinge zu sehen oder zu verstehen, die beim Sehen oder Verstehen grundlegende eigene Interessen negativ tangieren. Kombiniert man jetzt den menschlichen Schatten mit der menschlichen Rationalitätenfalle, kommt man zum Paradigma der Resignation?