Das Modellversagen der „Volkswirtschaftsleere“ nochmal für Normalos


Ich bin zu Recht kritisiert worden, dass die Sprache zum Modellversagen der VWL in diesem Artikel so unverständlich ist. Wer die Herleitung wissenschaftlich prüfen will, muss diesen alten Artikel wohl immer noch lesen, für alle Anderen die Sache nochmal ohne Fachbegriffe. Ihr könnt an Eurem Haushalt sehr gut folgendes sehen:

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Geld als Phänomen des Ungleichschritts – das logische Modellversagen der VWL


Unser Finanzsystem ist mittlerweile so krank, dass es nur noch mit extremen Staatseingriffen (siehe z.B. Sparguthabengarantie und Notenbankgarantien) vor einem großen Knall bewahrt werden kann. Und das Problem wird speziell für Deutschland durch seine große Exportüberschüsse von fast 9% BIP = Verschuldung der Anderen immer extremer.

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Anfrage an Sender Eriwan – worum geht es im Kapitalismus und was hat dies mit dem Exportsaldo zu tun?


  1. Im Kapitalismus wird gewirtschaftet, weil der Unternehmer sich einen Gewinn verspricht. Ohne Gewinn kann (Bank) und will (Weib) der Unternehmer nicht die Einkommen der Nichtunternehmer  vorfinanzieren. Gewinnaussichten sind also ein systemisches Erfordernis. Der ordentliche Gewinn aller Unternehmen eines Landes ergibt sich zwingend logisch aus:Nettoinvestition + Unternehmerkonsum –  Geldvermögensbildung der NichtunternehmerDie Geldvermögensbildung der Nichtunternehmer ist das Saldo aus Privaten, Staat und Ausland.
  2. Die Nettoinvestition kommt nach einiger Zeit ohne Krieg immer irgendwo an der Nulllinie an, dies bedeutet, dass die Abschreibungen die Neuinvestition „aufessen“.
    Und dies bedeutet wiederum, dass ein per Saldo Geldvermögensabbau der Nichtunternehmer zur entscheidenden systemischen Gewinnquelle wird.
    Dies ist durch Verschuldung der Nichtunternehmer (US-Subprime-Variante), unendliche  Staatsverschuldung (der japanische Weg) oder eben durch Exportüberschüsse (der scheinbar goldene Weg der Deutschen) möglich. Exportüberschüsse erhöhen 1:1 die Gewinne der Unternehmen, Importüberschüsse senken diese 1:1. Es geht beim Exportsaldo also um alles Wesentliche, um was Kapitalismus nun mal geht.  Der deutsche Exportüberschuss ist 1:1 Gewinnimport und 1:1 Verschuldungsexport. Für die Importüberschussländer gilt, dass sie die Unternehmer-Gewinne ihrer Länder exportieren und Staatsverschuldung importieren. Trump hat dies erkannt und dies auch dem Führer der „Republik auf dem Marsch“ erklärt. Nach der Bundestagswahl werden wir auch aus Frankreich „unter Beschuss“ geraten. Es wird allerhöchste Zeit, dass wir endlich die Alternativen zur Exportaggression diskutieren.

Warum es richtig ist, dass Geldsparen heute mit Vermögensverlust verbunden ist + aktuelle Bundesbankzahlen

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Geldvermögensbildung ist der Vorgang, dass man mehr Leistung in den Markt gibt, als man selbst aus diesem bezieht. Wirtschaftliches Gleichgewicht ist dann nur zu erhalten, in dem Dritte mehr kaufen, als sie verkaufen, sich also verschulden.

Diese Dritten sind lehrbuchmäßig die Unternehmen, welche die Geldvermögensbildung der Nichtunternehmer ausgleichen. In der Realität bilden aber auch die deutschen Unternehmen per Saldo Geldvermögen. Deshalb ist unser „Erfolgsmodell“, dass wir heute das Ausland via Exportüberschüsse (bitte nicht mit Exporten verwechseln) in gigantischer Höhe verschulden.

Das Wort Exportüberschüsse klingt sehr positiv, ist aber eine nationale Katastrophe. 2016 bestanden ca. 86% des gesamtwirtschaftlichen Vermögensaufbaus Deutschlands aus einer Verschuldung des Auslandes. Forderungen, die nur dann werthaltig wären, wenn wir später überschüssig beim Ausland kaufen würden.  Gigantische Importüberschusse eines „Importweltmeisters Deutschland“  liegen aber außerhalb unserer Vorstellungskraft. Was wir nicht denken können, können wir auch nicht tun. Deshalb werden die Deutschen etwas ganz anderes: „Rettungsweltmeister“. Über alle möglichen und unmöglichen Kunstgriffe werden am Ende des Tages diese Forderungen entweder entwertet (z.B. durch negativen Realzins) und/oder auf deutsche Staatsschulden umgebucht. Die reale Leistung, welche überschüssig exportiert wurde, war de facto ein Verschenken unseres Sozialproduktes. Es gibt deshalb keine reale Vermögensbildung der Deutschen, solange diese auf Exportüberschüssen beruht. Wir sind dabei mittels Exportüberschüssen zu verarmen. Insbesondere auch weil für die Exportüberschüsse die Löhne eben niedriger sein müssen, als es für eine ausgeglichene Handelsbilanz angemessen währen.

Wenn wir nicht weiter national verarmen wollen, müssen wir im ersten Schritt selbst gegen deutsche Exportüberschüsse vorgehen. Dazu muss der Grund beseitigt werden, warum wir Exportüberschüsse brauchen. Im zweiten Schritt können die Löhne und Renten dann so erhöht werden, dass sich eine ausgeglichene Handelsbilanz ergibt.

Der einzige Grund, warum wir Exportüberschüsse brauchen liegt in der Neigung der Deutschen, in Geldvermögen statt in Sachwerten zu sparen. Auch wurde durch die Regierung Schröder ein ökonomisches Verbrechen begannen. Die geniale Umlagerente wurde gekürzt und deren Absicherungs- Erwartungen diffamiert. Eine problemverschärfende Guthaben/Schuldenrente wurde installiert und gar noch staatlich gefördert.Die nächste politische Katastrophe war die Guthabengarantie von Merkel/Steinbrück in 2008. Das extrem hohe Risiko des Geldsparens mittels Forderungsaufbau gegen das Ausland wurde komplett vergesellschaftet, während man für das gesamtwirtschaftlich vorteilhafte aber einzelwirtschaftlich riskante Sachwertsparen selber haftet.

Deshalb ist es völlig richtig, dass nun verstärkt die private Geldvermögensbildung der Deutschen sanktioniert wird, um das Sachwertsparen = Investitionen in unser Land anzuregen. Gleichzeitig müsste man es den Deutschen aber auch endlich mal richtig erklären. Es geht bei realen Negativzinsen nicht um Probleme der Anderen in Europa, die wir erleiden müssen. Es geht um unser deutsches Problem! Wir verarmen gesamtwirtschaftlich am Geldsparen, deshalb muss es einzelwirtschaftlich sanktioniert werden, eine Guthabenbremse ist ordnungspolitisch deshalb absolut notwendig. Wir sollten Mario Draghi danken, dass er so intensiv an den deutschen Problemen arbeitet, welche die Deutschen so intensiv verdrängen.

Belege
aktuelle Bundesbankzahlen (siehe Seite 17 ) 
2016 – Vermögensbildung incl. Sachvermögen komplett 311Mrd.€
davon Verschuldung des Auslands 267Mrd.€

Die Rationalitätenfalle als gesellschaftswissenschaftliches Paradigma?


Die Interessen des Einzelnen stehen mit den Interessen der Gesamtheit, insbesondere derer nach uns, regelmäßig im Widerspruch. Diese von Wolfgang Stützel Rationalitätenfalle getaufte Paradoxie ist das Grundproblem jeder Gesellschaft. Aber sie ist auch das oft unbewusste Problem derer, die sich in Wissenschaft, Politik oder als Wähler mit der Gestaltung von Gesellschaft befassen. Die Bewusstmachung der Rationalitätenfalle stellt deshalb auch alles in Frage, u.a. die Art wie wir Gesellschaftswissenschaft, Politik und Demokratie machen. Aber wie soll sich Gesellschaftswissenschaft dem Paradigma der  Rationalitätenfalle stellen, wenn sie es doch gerade wegen Rationalitätenfallen nicht macht?  Zumal sich Rationalitätenfallen beim Menschen regelmäßig auch durch Ausblendung (Schatten) gar nicht in das Bewusstsein bringen lassen. Es ist völlig menschlich, unterbewusst einfach keine Dinge zu sehen oder zu verstehen, die beim Sehen oder Verstehen grundlegende eigene Interessen negativ tangieren. Kombiniert man jetzt den menschlichen Schatten mit der menschlichen Rationalitätenfalle, kommt man zum Paradigma der Resignation?

„Dann geht doch rüber“ – bald Export von Ökonomen nach Nordkorea?


Oft wird der Saldenmechanik entgegen gehalten, dass aus den Ableitungen von Identitäten allein noch keine ökonomischen Vollaussagen möglich sind. Wenn man jetzt aber nur eine weitere Grundannahme trifft, den kapitalistischen KÄUFERMARKT mit seinem Angebotsüberschuss, wird dies völlig anders.

Dann kann man z.B. aus der Identität:

private Verkaufsüberschüsse (globale Geldvermögensbildung) = staatliche Kaufüberschüsse (globale Staatsverschuldung)

herleiten, dass die Geldsparer die globalen Staatsschuldentreiber sind. Einfach weil keine Angebotsknappheit wie in Verkäufermärkten ihren Nachfrageverzicht bedingt. Niemand kann mit demokratisch akzeptierten Mitteln aktuell die private Geldvermögensbildung ausreichend sanktionieren.

Bei den Horterökonomen werden dagegen die Verhältnisse des Verkäufermarktes postuliert, die für sozialistische Staaten mit ihrer Unterproduktivität typisch sind. In der DDR haben wir am Ende nach Bestellung 10 Jahre auf einen neuen „PKW Trabant“  und 25Jahre auf einen „Wartburg“ warten müssen. So geht „crowding out“ – der Staat kauft uns alles weg!

Und so bleibt eben der Spruch aus dem Titel, den sich viele Linke vor dem Mauerfall immer wieder anhören mussten. „Dann geht doch rüber“, liebe crowding out Ökonomen, in das Land wo eure Theorie noch passt.

Nochmal, das Verschwinden der Nettoinvestition – globale Grafik


Quelle:
http://www.kritisches-netzwerk.de/forum/die-weltweite-einkommensverteilung-die-letzten-40-jahre-und-die-perspektiven

Was will uns diese Grafik sagen? Man sieht trotz konjunktureller Schwankungen die klar systemische Tendenz des Verschwindens der Gewinnquelle Nettoinvestition. Also werden wir  unseren Frieden machen müssen, entweder mit hoher Staatsverschuldung oder einer Guthabenbremse. Ansonsten kommt der Krieg, entweder statt globaler Depression oder wieder in der Folge selbiger. Man beachte auch die von höherem Niveau startende  Entwicklung im kriegszerstörten Deutschland.