„Marktwirtschaft“, eine alternative Gesellschaftsform für eine neue Wende?


menschliches Handeln als Phänomen menschlicher Bedürfnisse
Menschliches Handeln wird wesentlich durch die individuellen Bedürfnisse bestimmt. Dabei bestimmen sowohl angeborene Präferenzen als auch erlernte Wertvorstellungen die Definition der individuellen Bedürfnisse. Auch materiell selbstloses Handeln sollte wohl als individuelle Bedürfnisbefriedigung des Menschen verstanden werden. Die im Detail sicherlich zu Recht umstrittene Maslow-Pyramide, vermittelt einen guten Grundüberblick über die Struktur und Entwicklung menschlicher Bedürfnisse.

die Rationalitätenfalle – das Grundproblem gesellschaftlichen Zusammenlebens
Prof. Wolfgang Stützel, Autor der genialen Saldenmechanik, hat auch eine wichtige Definition für das Grundproblem menschlicher Gesellschaften geliefert – die Rationalitätenfalle – Wiki

„Mit Rationalitätenfalle bezeichnet man das Auseinanderfallen zwischen dem, was für das einzelne Individuum rational, vernünftig ist (individuelle Rationalität), und dem, was für die Gesamtheit der Individuen vernünftig ist (kollektive Rationalität). Voraussetzung für eine Rationalitätenfalle ist, dass zwischen Individuen (die Individuen können dabei Individuen, Familien, Unternehmen, Staaten sein), die nicht gemeinsam, sondern individuell handeln, Konkurrenz besteht.“

„Mit der Rationalitätenfalle verwandt ist auch die Tragik der Allmende: Demnach beuten Individuen begrenzte Ressourcen nicht nachhaltig, sondern im Sinne ihrer aktuellen Interessen aus, was auf Kosten der Allgemeinheit und der zukünftigen Nutzer geht“

Konkurrenz um knappe Güter – die planwirtschaftliche Alternative?
Eine Planwirtschaft für die Produktion und Verteilung knapper Ressourcen erlangt nur eine geringe Produktivität, auch weil die ausgelebte Konkurrenz um diese knappen Ressourcen erhebliche Produktiv-Kräfte des Menschen freisetzt. Eine Planwirtschaft verknappt also die Güter noch stärker und ist deshalb immer und überall eine Mangelwirtschaft gewesen, die neben dem schrecklichen Mangel an Freiheitsrechten auch sozial und ökologisch ohne Effizienz blieb.

Marktwirtschaft – „die unsichtbare Hand“ – ein Königsweg aus der Rationalitätenfalle?
Das Grundprinzip der Marktwirtschaft, der freie Ausgleich von Angebot und Nachfrage im freien Spiel der Kräfte, erscheint als Königsweg der Steuerung gesellschaftlichen Zusammenlebens. Freiheit trifft auf Wohlstand, neidisch haben wir Ossis vor der „Wende“ westwärts geschaut, Mauer und Schießbefehl mussten uns davor abhalten, der Planwirtschaft den Rücken zu kehren.

Aber warum rufen wir dann hier wieder nach einer neuen Wende?
Weil Anspruch und Wirklichkeit so radikal auseinanderfallen und sich daraus absehbar eine den Wohlstand beendende Eskalation ergibt. Ein freies Spiel der Kräfte, also eine freie Bildung von Gleichgewichtspreisen aus Angebot und Nachfrage? So ist es leider immer weniger und genau dies ist nach unserer Beobachtung das Problem, bzw. der regelrechte Problem-Berg in nahezu allen gesellschaftlichen Belangen.

heutiger Kapitalismus ist nicht Marktwirtschaft sondern „Marktstörungswirtschaft“
Geldmarkt, Arbeitsmarkt, Gütermärkte sowie Wechselkurse und Naturverbrauch, wir sehen gravierende Marktstörungen aus Mindestpreisen, Marktvermachtungen und fehlender Marktmechanismen für externe Kosten in fast allen Märkten.

Kapitalismus hat seinen Namen und Charakter vom gestörten Geldmarkt
Dies gilt insbesondere, weil die „Mutter aller Marktstörungen“ im Geldmarkt schon immer vorhanden war. Deshalb ist auch die Bezeichnung Kapitalismus, Wirtschaften zuerst als Befriedigung der Bedürfnisse des Finanzsystems, die korrekte Bezeichnung des Ist-Zustands.

die Kombination von Murx mit Marx zu Mist – „kapitalsozialistische Ineffizienz“
Weiterhin folgt die Systemkonstruktion dem Muster, an den Folgen der Marktstörungen mit einem „sozialistischen Reparaturbetrieb“ herumzuwerkeln. Im Global Change Film von 2009 haben wir deshalb die Bezeichnung „Kapitalsozialismus“ für das bestehende System gewählt. Der Kapitalsozialismus ist die Kombination der Fehlsteuerungen aus Marktstörungen(Kapitalismus) mit den Fehlsteuerungen aus staatlicherseits gestörten Märkten(Sozialismus).

Die Rationalitätenfalle wird nur in freier Konkurrenz zur Selbstbegrenzung der Profitinteressen im Sinne der Gemeinschaft
dazu später mehr

wird die Produktivität bewusst zerstört?
Der heutige „Kaputtalismus“ versucht auch sein „Überproduktivitätsproblem“ wohl damit zu lösen, dass er mit Hilfe von schleichender Einführung des Sozialismus seine Produktivität wieder zerstört. Ob dies nun wirklich ein bewusster oder ein evolutionärer Prozess ist, kann ich nicht sagen. Aber es findet statt – jeder der im realen Wirtschaftsleben steht, kann es erleben.

wäre der Markt nicht ohne Eingriffe des Staates störungsfrei?
Marktmacht schafft hohe Einkommen, hohe Einkommen schaffen noch mehr Marktmacht – der Kapitalismus hat also einen natürlichen Trend zur Marktvermachtung und Monopolisierung bis hin zur Korruption und Erpressung staatlicher, offiziell demokratischer Staatsmacht. Eine missbräuchliche Auslegung von Liberalität als das freie Wirken immer stärkerer Marktmächte und Monopole, ist kausal die stärkere Zerstörung eines fairen Marktspiels. Eine allen Menschen dienende Marktwirtschaft kann nur im Gleichgewicht von individueller Macht stattfinden. Mehr Freiheit für „Marktvermachter“ bedeutet Unfreiheit für die Menschen und die Zerstörung der freien Märkte. Der sogenannte Neoliberalismus war und ist deshalb vor allem Neomonopolkapitalismus.

wieder Demokratie wagen – bekennende Plutokratie ist keine Demokratie mehr
Der Staat wird heute von den Zwängen der Markstörungen, insbesondere von der Geldmarktstörung erpresst. Die „Alternativlosigkeit“ mit der das aktuelle politische Handeln begründet wird, ist nur eine andere Form des Eingeständnisses der staatlichen Machtlosigkeit im heutigen System-Konstrukt. In einem demokratischen Staatswesen kann es keine „Alternativlosigkeit“ geben, dieses Wort ist der Offenbarungseid der Demokratie.

(r)evolutionäre Prinzipumkehr – Staat steuert per Steuer für den Bürger
Der demokratische, von eigener Erpressung durch die Geldmarktstörungen befreite Staat, besteuert die Marktstörung/Monopole für seine Bürger – statt wie bisher die Bürger wegen und für die Marktstörungen und Monopole. Dies ist eine echte Wende zu einem ökonomisch, sozial und ökologisch effizienten System.

ein Grundeinkommen für jeden – sozial statt sozialistisch
Der Staat hat Kompetenz und Effizienz im Eintreiben der Steuern von den Marktmächten und Marktstörungen, der Bürger hat Kompetenz und Effizienz im Ausgeben seines zusätzlichen Grundeinkommens, sowie eine wachsende Kompetenz im Erzielen und Verwenden des „richtigen Einkommens“ aus seinem individuellen Marktangebot.

Marktwirtschaft – ein „verbrauchter“ Begriff?
Wenn wir hier für die Marktwirtschaft plädieren, verwenden wir natürlich einen Begriff, der für Sie bildlich mit der heutigen völlig gestörten Marktwirtschaft verbunden ist. Wir möchten Sie deshalb nochmals darauf hinweisen, dass wir mit „Marktwirtschaft“ ein völlig neues System meinen, welches so NOCH NIE in der Geschichte praktiziert wurde. Es ist natürlich ein mühsame Sache bestehende Bilder in den Köpfen neu zu definieren.

Trick 17b – aber wer wird den nun gegen die „Marktwirtschaft“ sein?
Widerstand des Establishments gegen dieses Konzept ist aber gerade deshalb so schwierig, weil wir ja „nur“ die praktische Umsetzung der Marktwirtschaft fordern, zu der in der Theorie weitgehend Konsens gerade unter „Konservativen“ besteht.

Marktwirtschaft, das Ende des sozialistisch gepamperten Monopolkapitalismus
Die praktische Umsetzung der tatsächlichen Marktwirtschaft wäre aber das Ende der „Alternativlosigkeiten“ aus den Marktstörungen und Marktvermachtungen. Das Ende des real existierenden Monopolkapitalismus und seiner sozialistischen Legitimation.

Schwächere Inflationsrate: Wirklich eine gute Nachricht?


Wie z.B. die Welt heute meldet, hat sich die Inflationsrate wieder abgeschwächt. Viele werden das als gute Nachricht aufnehmen, doch ist sie das wirklich?

Eine geringe Inflationsrate bedeutet einen relativ hohen Realzins auf Geldbasis (für Nichtbanken also Bargeld). Für eine gesunde zeitliche Zinsstruktur müssten langfristige Guthabenzinsen mindestens 4% höher liegen, also in diesem Fall bei einem Realzins von ca. 3,1%. Je geringer dieser Abstand aber ausfällt, desto stärker ist die Neigung zu kurzfristigen Geldanlagen oder gar zum Bargeld (bzw. bei Geschäftsbanken zu Zentralbankguthaben).

Da Realinvestitionen aber mit einem noch höheren Risiko verbunden sind, z.B. weitere 4%, würden nur noch Investitionen mit einer Renditeerwartung von deutlich über 7% durchgeführt werden. Alle anderen Investitionen werden bei ordentlicher Kalkulation unterbleiben und die damit verbundenen Arbeitsplätze nicht entstehen bzw. bei nötigen Folgeinvestitionen wegfallen.

Eine zu geringe Inflationsrate fördert also den Druck auf den Arbeitsmarkt (siehe auch (1)). Wenn nicht in Form von Arbeitslosigkeit, dann in Form niedrigerer Löhne. Denn auch diese sind – wie Zinsen – Kosten. Und nur mit niedrigeren Löhnen könnte also ein Ausgleich geschaffen werden. Oder natürlich, der Staat füllt die Lücke und investiert auf Pump, was natürlich mit einer steigenden Staatsverschuldung einhergehen würde – welche unsere Bundesregierung nun gerade explizit (Schuldenbremse) verhindern will. Wer realisiert aber realisiert diese Zusammenhänge?

Ein völlig anderes Thema ist, wie heutzutage Inflation „gemacht“ wird, nämlich auch durch Neuverschuldung. Haben wir also die Wahl zwischen Teufel und Beezlebub? Nein, es gibt noch andere Wege, doch diese erfordern ein neues Denken (2).

(1: Mir scheint, daß das Deutsche Volk – zugespitzt – 5% Preisanstieg eher vertragen kann, als 5% Arbeitslosigkeit.“ – Helmut Schmidt in Süddeutsche Zeitung, 28. Juli 1972, S. 8)

(2: Das Zitat Probleme kann man niemals mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind. wird gemeinhin Albert Einstein zugeschrieben)