Geld als Phänomen des Ungleichschritts – das logische Modellversagen der VWL


Unser Finanzsystem ist mittlerweile so krank, dass es nur noch mit extremen Staatseingriffen (siehe z.B. Sparguthabengarantie und Notenbankgarantien) vor einem großen Knall bewahrt werden kann. Und das Problem wird speziell für Deutschland durch seine große Exportüberschüsse von fast 9% BIP = Verschuldung der Anderen immer extremer.

Diese Krisen kann die VWL aber weder kommen sehen, noch erklären, noch heilen. Und warum ist dies so? Der Grund klingt fast nach einer Verschwörungstheorie, ist aber belegbar keine Fake-News.  Es gibt das real existierende Geldsystem gar nicht in den Modellen der  Ökonomen, es kann keine Probleme mit dem Finanzsystem geben, da es im Modell nicht existiert.

Und der Sachverhalt ist auch nicht neu:

„Geld  in jeder Form ist immer ein Medium zur Ermöglichung von Abweichungseffekten“

schreibt Wolfgang Stützel in der „Paradoxa der Geld und Konkurenzwirtschaft“ von 1979 auf Seite 181. Abweichungseffekte meint das Auseinanderfallen von Einnahmen und Ausgaben bei Wirtschaftern, auch Ungleichschritt genannt, Geld ist also in jeder Erscheinungsform ein Phänomen des Ungleichschritts, es entstehen Kaufsalden. Diese Kaufsalden  gibt es aber im Walrasianischen Grundmodell nicht, da es gerade strengen Gleichschritt der Einnahmen und Ausgaben als Prämisse hat. Man versucht dann, das Geld als „Ding von der Zentralbank“ wieder über die naive Quantitätstheorie einzuführen, was logischerweise scheitern muss, da es nun mal kein Dingphänomen sondern ein Saldenphänomen des Ungleichschrittes ist.

Stützel hält 1979 an gleicher Stelle fest:

„An diesem Widerspruch krankt die theoretische Nationalökonomie dieser Tradition bis zum heutigen Tage“

Dies ist nun fast 40 Jahre her, es ändert sich nichts, wie Matthias Binswanger hier festhält.
http://www.oekonomenstimme.org/artikel/2016/12/makrooekonomische-modelle-jenseits-der-realitaet/

Auf meine Nachfrage auf Ökonomenstimme:  „“Wie wollt ihr Saldenkrisen mit einem Modell ohne Salden erklären“ eisiges Schweigen.

Man kann auch nur schweigen, man kann es nicht seriös bestreiten. Wenn man aber zustimmt, kann man das ganze große alte VWL Gebäude abreißen, welches auf ein Sandfundament gebaut wurde.  An dem Dingbild klebt ja eben auch das Tauschparadigma mit dem Tauschmittelding, was man gegen ein Modell des Kapitalismus austauschen müsste. Ein Modell, was noch dazu schrecklich einfach ist. Hier wirken Rationalitätenfallen auf die Ökonomen, welchen man wohl nur mit einer Doppelstrategie aus Bloßstellung und dem Narrativ beikommen kann, welch tolle Aufgabe die ökologische und ökonomische  nachhaltige Gestaltung des Kapitalismus sein könnte. Ja,  wenn man den real existierenden  Kapitalismus denn nun endlich mal statt der fiktiven Tauschwirtschaft als Grundmodell wählen würde.

Details zum Kreditsystem = Geldsystem


Kreditvergabe ist die “Geldschöpfung” aus dem Pfand des Kreditnehmers unter zusätzlicher Absicherung des Ausfallrisikos durch das Eigenkapital der Bank

Die Vorfinanzierung des Leistungsaustauschs erfolgt i.d.R. durch die Beleihung von Pfändern/Eigentum im Zuge der Kreditvergabe. Man kann diesen Vorgang auch verklärend Geldschöpfung nennen. Diese ist aber keineswegs „aus dem Nichts“ weil neben dem mit Pfand gedeckten Leistungsversprechens des Kreditnehmers die zusätzliche Sicherheit des Bankeneigenkapitals beteiligt ist. Auch durch die Risikostreuung entsteht hier ein umlauffähiger, weil abgesicherten Leistungsanspruch (Geld-Guthaben).

die Bank muss die selbst geschaffenen „Einlagen“ per Saldo binden
Weiterhin muss die Bank zur Vermeidung der Illiquidität in Zentralbankgeld die selbst geschaffenen Guthaben/Einlagen NACH der Geldschöpfung an sich mittels Zinsen binden. Der Kredit wird ja aufgenommen, um die Einkommen der Leistungserbringer im Vorgriff auf die Nachfrage zu finanzieren. Und bei diesen „Einlagenbeziehern“ (Vorlieferanten,Mitarbeiter) steht die Bank in gewissen Wettbewerb um relativ knappes Zentralbankgeld, welches bei schlechtem Zinsangebot der Bank für die geschaffenen Einlagen abzufließen droht.

Geld-Guthaben sind dokumentierter Nachfrageverzicht aus Einkommen oder Kredit
Geld ist also kein „Ding“, sondern ein als Bankprodukt abgesicherter Kontrakt, der gegenüber der Volkswirtschaft einen offenen Leistungsanspruch (Geld-Guthaben) oder ein Leistungsversprechen (Geld-Schuld) dokumentiert.

es gibt eine „gesunde Menge“ an Schulden
Eine gewisse „gesunde“ Schulden und Guthabenmenge wird zur Vorfinanzierung/Liquidität immer gebraucht – dies erklärt aber keineswegs die aktuell eskalierende Schuldenproblematik. Auch die Fälligkeit von Zinsen auf die Kredite kann dieses Problem nicht erklären – die Schulden wuchsen zuletzt viel stärker, als dass die derzeit kleinen Zinsen zur Erklärung genügen würden.

Fiat Money, Schuldgeld, Zinsen, private FED, keine Golddeckung, alles kein Problem?
Zu jeder Tilgung und Zinszahlung der Kredite wird nun nur die Nachfrage aus den vorfinanzierten Einkommen aus allen Einkommensarten (Lohn,Transfer,Zins, Abschreibungen,Rendite) gebraucht. Diese Nachfrage der Einkommen nach Konsumgütern oder Sachwerten wäre die Rückzahlung der Geld-Guthaben und damit auch der Geld-Schulden des Leistungs-Anbieters.

Zusammenfassung gutes Geld = guter Kredit,
mit der Grundannahme, dass wir nur freiwilligen Investoren mit ausreichend Pfand und Bankeneigenkapital einen Kredit geben müssen, also mit diesem Personenkreis und Verschuldungsbedarf „Geldschöpfung“ betreiben, ist an dem Fiat Money System nichts auszusetzen. „Fiat Money“ als „Falschgeld“ ist hingegen nicht vollstreckbarer Kredit, z.B. an Staaten und ausländische Schuldner, dem traurigen Äquivalent von dauerhaften Exportüberschüssen.

Edelmetall, als Wertaufbewahrungsmittel top, als Zahlungsmittel der Weg in Krise
Da wir selbst bei Schuldgeld schon Hortungsprobleme haben, würde sich dies bei Edel-Metallgeld noch deutlich verschlimmern. Die Idee die Geldproduktion(Kreditvergabe) zu begrenzen, den Geldverbrauch(Sparen,Horten) aber noch attraktiver zu machen, ist eine kausal kriegerische und bekämpfenswerte „Horterphantasie“. Der Gedanke resultiert aber natürlich auch aus der „unerklärlichen Schuldenausweitung“ Edelmetall ist aber ein sehr gutes Mittel zur Wertaufbewahrung. Dazu sollte es auch gern verwendet werden, als Zahlungsmittel ist es aus dem gleichen Grund völlig ungeeignet. Auch wäre in einem Goldgeldsystem für ungehortetes Geld, wieder nur die Qualität der Kreditverhältnisse entscheident. Wenn ein Kredit aus verliehenen Goldstücken kein zusätzliches Pfand hat, nützt mir Goldgeld als Gläubiger überhaupt nichts, wenn der Kredit notleident wird.

Das Zinsproblem
Zinsen sind prinzipiell eine Einkommensart wie andere auch. Ob ein Zins als Nachfrageverzichtsprämie für Guthabenhalter moralisch ist, hängt davon ab, ob tatsächlich Bedarf an Nachfrageverzicht besteht oder nur eine Prämie für’s „Nicht-in-Bar-Horten“ gezahlt werden muss. Das Problem der wachsenden Schulden ist ein Zinsproblem, aber anders als immer wieder beschrieben. Es „fehlt“ nicht der Zins und erzwingt Verschuldung, sondern es fehlt aller Guthabenaufbau und Kredittilgung und der Zins kann in gesättigten Zeiten nicht tief genug fallen, um die Guthaben zur Investition zu bewegen. Dies wird auch von Deutschlands renomiertesten Geldtheoretiker und Ex-Bundesbank Vorstand O.Issing so gesehen.

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